Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Durus hatte sich bereits rege an den Zuteilungsdebatten beteiligt - schließlich musste man auch etwas sagen, wenn man gehört werden wollte. Teilweise war es bereits nach seinen Wünschen verlaufen, teilweise waren seine Pläne jedoch auch nicht aufgegangen. Er selbst fand ja, dass Losen wie in alten Zeiten doch keine schlechte Idee war.


    Doch das war ein Gesetzesvorschlag, der jetzt eher unangebracht war. So meinte er zum Thema Aurelius


    "Ich denke, dass ist eine Frage, zu denen zuerst die Consuln etwas sagen sollten - schließlich müssten sie im Falle eines Falles mit den Quaestoren arbeiten."

    Das Atrium lag still und friedlich da. In einer Ecke luden Korbsessel und ein Tischchen zum Verweilen ein, während gegenüber des Eingangs die Ahnengallerie thronte.


    Man hörte aus einem der Höfe das dumpfe Klopfen eines Holzhammers auf Holz, doch sonst strahlte der Ort eine wunderbare Ruhe inmitten der hektischen Stadt aus.

    | Stesichoros


    Arvinia? Diese Frau kannte Stesichoros nicht. Doch da sie auch Tiberia hieß, zuckte der Ianitor mit den Schultern und zog die Tür auf.


    "Der Herr ist im Bade. Du kannst die Dame ja im Atrium auf ihn warten lassen."


    erklärte er Crista. Er erinnerte sich an sie, weshalb er davon ausging, dass sie sich hier noch auskannte.




    IANITOR – GENS TIBERIA

    "Oh, vielen Dank!"


    erwiderte Durus und freute sich - Hochzeiten - besonders mit Beteiligung des Kaisers - waren natürlich höchst wichtige Ereignisse. Wer dort eingeladen war, würde später in aller Munde sein und der Tiberier hatte schon fast nicht mehr damit gerechnet, nachdem vorher bereits so viel ohne auch nur den Hauch einer Anspielung auf seine Einladung geredet worden war.


    "Ich werde gerne kommen - wo findet die Feier statt? In der Domus Aeliana auf dem Palatin?"


    fragte er dann noch.

    Durus war ein wenig gelangweilt, nachdem die letzten Tagesordnungspunkte eher Kleinkram gewesen war, der ihn weder interessierte, noch von Bedeutung für das Wohl des Staates gewesen war. Doch tapfer kämpfte sich der Tiberier durch die Sitzung und spielte ein wenig mit dem Zipfel seiner Toga.


    Als Aurelius Corvinus aufgerufen wurde, horchte er hingegen auf. Was würde der Septemvir zu sagen haben?

    | Stesichoros


    Als es klopfte, öffnete Stesichoros wie üblich mit missmutigem Gesicht. Die Hitze schlug ihm wie üblich auf die Gesundheit - er bekam davon Kopfschmerzen! Doch leider hatte er nicht den Luxus, den sein Herr hatte, und konnte einfach über die heißesten Tage ans kühle Meer reisen. So hatte er die letzten Tage wieder viel gelitten und wieder einmal seinen Beruf verflucht.


    Vor der Tür stand Crista mit einem Mann, der möglicherweise ein Sklave war, sowie einer gut gekleideten Dame. Wer das wohl sein mochte?


    "Wer seid ihr? Was wollt ihr?"


    fragte er unwirsch, wie es die Aufgabe eines Ianitor war.





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Durus ging noch einmal alles durch - nein, er hatte soweit nichts vergessen (es sei denn, er hatte etwas vergessen, was er vergessen hatte). Daher fasste er das ganze zusammen


    "Gut. Dann benötigst du also nur das Opfergebet. Sind deine Sklaven ein wenig versiert und können als Opferhelfer dienen? Ansonsten würde ich dir ein paar von meinen Leuten schicken."


    Im Haus war es üblich, dass die Sklaven den handwerklichen Teil des Opfers erledigten - der Hausherr hatte nur zu beten und die symbolischen Handlungen zu vollziehen.

    Durus nickte. Das war seiner Meinung nach bereits opulent, da viele Hochzeitsopfer ganz ohne Blut ablaufen mussten. Dann überlegte er weiter...das Festmahl...die Brautüberführung...der Empfang...nein,


    "Das wäre dann eigentlich auch schon alles. Alle anderen Rituale obliegen der Braut, also das Verteilen der Asse für dich, den Herd und die Lares Compitales und so weiter. Mit Religion hat alles andere recht wenig zu tun."


    schloss Durus. Dann fragte er jedoch


    "Hast du weitere Fragen zu Hochzeiten?"

    "Das ist gewiss eine sinnvolle Änderung"


    meinte Durus und führte den Satz gedanklich mit ', die dann schon einmal nicht an mir hängen bleiben muss.' zuende. Er erinnerte sich noch gut an das Getue rund um seinen damaligen Änderungsvorschlag, der es ja tatsächlich geschafft hatte.


    Das alles waren kleine Dinge, doch eigentlich schwebte Durus eine umfassendere Reform vor: Das alte römische Recht sollte wieder mehr Gewicht erhalten, wie er fand - aber das war wohl eine Aufgabe für ein ganzes Gremium juristischer Fachleute.

    Quaestor Consulum - Durus erinnerte sich, einstmals diese Aufgabe selbst ausgefüllt zu haben. Doch das war vor vielen Jahren gewesen und mit einem weitaus weniger bedeutenden Mann als Aelius Quarto als Vorgesetzten.


    Im Grunde fiel Durus nichts mehr ein, was gegen Ursus sprechen konnte - außer vielleicht ausreichend andere vielversprechende Kandidaten...

    Durus nickte. Er selbst wäre zwar nicht auf die Idee gekommen, eine Kuh in sein Haus zu lassen (außer vielleicht in den Stall - und dort würde er nicht an seiner Hochzeit opfern), aber wenn Balbus dies gerne tun wollte, wollte der Tiberier ihm nicht im Wege stehen.


    "Die Kuh für Iuno wäre sehr großzügig, die trächtigen Tiere ebenso - obschon dies eigentlich nur vor der Ernte üblich ist und im Jahreslauf auch normale Tiere üblich sind. Pilumnus und Picumnus sind Götter der Getreidesaat, daher würde ich ein unblutiges Getreideopfer empfehlen."


    Irgendwie fand der Pontifex dann aber doch, dass er seine ersten Gedanken verbalisieren sollte.


    "Ich denke aber, dass dem Anlass keine Würde genommen werden würde, wenn du etwas kleinere Tiere opferst, etwa ein Schaf für Iuno, ein Schwein für Ceres - nach Möglichkeit ein Schwarzes, schließlich lebt Ceres in der Unterwelt - und eines für Tellus. Die beiden Getreide-Geschwister sollten wie gesagt durch unblutige Opfer besänftigt werden."

    "Du kannst in einem Opfer selbstverständlich verschiedenen Gottheiten verschiedene Dinge opfern. Das ist sogar relativ üblich."


    meinte Durus und fragte sich, wie viel Wissen Balbus eigentlich hatte. Andererseits - wenn er seine Pflichten längere Zeit vernachlässigt hatte...


    "Die Opfergaben richten sich danach, wie viel du zu bezahlen bereit bist. Unblutig ist natürlich günstiger, dafür weniger repräsentativ. Wenn du jedem ein Tier opfern willst, wird das ganze schon teurer..."

    Durus hörte sich die kurze Rede ruhig an. Aelius Quarto sagte weniger zu seiner Person - verständlicherweise, dafür viel über seine Pläne. Dies war wohl etwas, was gerade ein Consul als Leiter des Senates am meisten tun konnte, folglich hielt er es hier für wesentlich angebrachter als für einen Quaestor (was auch schon vorgekommen war).


    Dennoch blieben am Ende einige Fragen offen.


    "Ein interessante Rede, dennoch habe ich eine Frage: Welche 'Verschönerungen' für unser Recht schweben Dir vor, Aelius Quarto?"

    Für Durus war es eine Selbstverständlichkeit, Hungaricus in jeden Posten zu hieven, den dieser sich wünschte - zumindest, soweit er dies konnte. Daher gab er natürlich seine Stimme für den Patron.


    Marcus Vinicius Hungaricus :dafuer:

    Durus war zwar der Meinung, dass genau dieses 'Karriereleiter-Hochschubsen' das Geheimrezept in der römischen Politik, um nicht zu sagen: im römischen Staat war, daher enthielt er sich weiterer Kommentare. Ohne Patron war für Durus auch ein Einblick in die Politik, die hauptsächlich hinter verschlossenen Türen gemacht wurde, unmöglich.


    Da dies aber Dinge waren, von denen jeder in dieser Curia wusste und die man üblicherweise nicht laut aussprach, sagte er nichts mehr dazu im Plenum und dachte sich seinen Teil. Dafür murmelte er nur zu seinem Mitsenator Pomponius


    "Sind die Octavier so reich, dass sie sich die Karriere kaufen können?"


    Für den Tiberier war es trotz allem unvorstellbar, dass jemand durch bloßes Talent in einer solchen Zeit eine solche Laufbahn absolvieren konnte.

    Irgendwie mochte Durus den jungen Mann, der nun suo anno sein nächstes Amt antreten wollte, wie es schien. So fand er dies nicht vermessen, sondern beeindruckend und mutig. Zumal er Patrizier war und endlich wieder einmal einer, der sein Erbe als Führungselite Roms lebte!


    So blieb ihm nur die obligatorische Frage, die jedes Mal gestellt wurde.


    "Aurelius, welche Quaestur würdest du in diesem Jahr präferieren?"

    Zitat

    Original von Caius Octavius Cato
    Der Octavier bereitete sich auf die Frage vor und antwortete.


    "In den Iden des Martinus wurde ich 26 Jahre alt, Senator." erklärte er und war sich bewusst, dass er in den vergangenen zehn Jahren einiges geleistet hatte, aber es gab natürlich auch genug, die schon weiter gekommen waren.


    Im Martius also erst 26 geworden...Durus gefiel das absolut nicht! In einem solchen Alter eine solche Karriere! Das war schon sehr verdächtig - hatte er einen Patron? Oder wie war er die Karriereleiter so rasch hinaufgestolpert? Und warum hatte der Kaiser einen derartig jungen Mann in den Ordo erhoben? Derartige Fragen schossen durch den Kopf des Tiberiers.


    "Könntest du mir außerdem noch rasch sagen, wer dein Patron ist?"


    stellte Durus schließlich noch eine Frage hinzu.

    Ein berittener Bote aus Rom gab an der Porta einen Brief für den Legaten ab.


    Ad
    Legatus Legionis
    Q Tiberius Vitamalacus
    Castellum Legionis I Traianae Piae fidelis
    Mantua, Italia



    M' Q s. p. d.


    Ich schreibe dir aus einem traurigen Anlass: Decimus Tiberius Lupus, an den du dich sicher noch erinnerst, ist auf seinem Landgut unweit Roms einer Krankheit erlegen. Leider hat er kein Testament hinterlassen, weswegen ich mich bereiterklärt habe, seiner Güter zu verteilen.


    Sein Vermögen wird wohl an seinen Bruder Antoninus gehen, auf die Sklavin, die bei dir in Mantua lebt - sie heißt Crista - hat Antoninus jedoch schriftlich verzichtet. Bereits kurz nachdem mich der Brief erreichte, erhielt ich von ihm eine Nachricht. Der Erbfolge nach fällt sie eigentlich Iuvenalis zu, wenn du sie jedoch benötigst, kannst du sicher mit ihm sprechen - ich sehe ihn nur selten, da er im Palast sehr beschäftigt ist, seit der Kaiser in Rom ist.


    Auch möchte ich dir mitteilen, dass Aelius Quarto erneut zum Consul kandidiert. Ich denke, er ist Kandidat des Kaisers, also besteht die Frage seiner Unterstützung nicht. Ein Aufsteiger namens Octavius Cato wurde offensichtlich gerade in den Ordo Senatorius erhoben und kandidiert zum Vigintivir. Über ihn weiß ich nichts - falls du ihn kennst, gib mir bitte Informationen über ihn. Zuletzt möchte ich noch auf Aurelius Ursus hinweisen, der Quaestor werden möchte. Die übrigen Kandidaten sind nicht der Rede wert.


    Ich hoffe, dich zur Wahl in Rom treffen zu können. Ich denke, wir könnten einiges bereden.


    Vale bene und grüße Albina und die übrigen Familiares!
    [Blockierte Grafik: http://img157.imageshack.us/img157/6083/siegelmtdsenatorhc0.gif]

    Einen Augenblick musste Durus überlegen - er hatte sich zwar auch schon mit dem Heirats-Thema befasst, dennoch hatte er nicht alle notwendigen Opfer-Adressaten sofort parat.


    "Das Opfer sollte an Iuno, Tellus, Ceres, aber auch an Pilumnus und Picumnus gehen. Du solltest das Opfer eigentlich selbst durchführen können: Die Handlungen des Opferherrn sind, wie du hoffentlich weißt, sehr beschränkt und ein Opfergebet wird auch bei hohen Priestern meist abgelesen. Du solltest es dir aber dennoch vorher ansehen, damit du keine Fehler machst - die machen das Opfer nämlich ungültig!"


    erklärte er schließlich und sah, ob Balbus weitere Fragen dazu hatte.