Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Tiberius Durus fläzte auf der Praetorier-Bank, als wieder einmal das Wahlen-Thema angesprochen wurde. Er kannte den Kandidaten nur vom Hören-Sagen: Eine lange und überaus ungewöhnliche - um nicht zu sagen abwechslungsreiche Karriere, wie er feststellte. Aber eine Sache war dabei noch beeindruckender - so beeindruckend, dass er sie sogleich ansprechen musste:


    "Octavius, deine Karriere war bisher zweifelsohne steil und abwechslungsreich. Darf ich dich jedoch fragen, wie alt du eigentlich bist?"


    Durus hielt nichts von Emporkömmlingen - noch weniger hielt er jedoch von blutjungen Emporkömmlingen. Und dieser sah verdächtig danach aus - zumindest aus der Ferne.

    Ad
    Pontifex Maximus Imperator Caesar Augustus Lucius Ulpius Aelianus Valerianus
    Palatium Augusti
    Roma



    M' Tiberius Durus Pontifex Pontifici Maximo Imperatori Caesari Augusto L Ulpio Aeliano Valeriano s. p. d.


    Der Septemvir Aurelius Corvinus ist an mich herangetreten, um das Collegium Pontificium zu bitten, ihn in einer mir nicht bekannten Angelegenheit vorsprechen zu lassen. Dies kann jedoch nur durch Dich, Pontifex Maximus, gestattet werden.


    Ich bitte Dich, ihn im Falle einer Anhörung zu informieren und seine Angelegenheit auf die Tagesordnung zu setzen.


    Anbei sende ich Dir seinen Brief.


    Vale
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    Ad
    Manius Tiberius Durus
    villa Tiberia in Roma



    M. Aurelius Corvinus M' Tiberio Duro s.d.


    Tiberius, ich hoffe, du bist wohlauf und wohlbehalten wieder in Rom angelangt.


    Ich schreibe dir im Auftrag des collegium septemvirorum. Bei einer kürzlich stattgefundenen contio kamen einige Vorschläge zur Förderung der priesterlichen Tätigkeiten zusammen. Nun mangelt es an einer Gelegenheit, dem collegium diese Ideen nahezubringen.
    Mit der Einwilligung des magister der septemvires ersuche ich dich daher darum, dieses Anliegen weiterzutragen, damit ich bei einer der nächsten Zusammenkünfte des collegium pontificium vorsprechen und dem Gremium die Vorschläge der Siebenmänner unterbreiten kann.


    Vale.



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    ROMA, ANTE DIEM XV KAL SEP DCCCLVIII A.U.C. (18.8.2008/105 n.Chr.)

    Durus nickte. Von Aelia Vespa hatte er schon das ein oder andere Mal gehört, dass sie mit einem Prudentier verlobt war hingegen nicht. Aber dort war sicher davon auszugehen, dass diese Menschen sich mit Riten und Ähnlichem auskannten.


    "Sehr gut. Dann nehme ich an, dass die Brautrituale, besonders die am Vorabend, von den Aeliern selbst übernommen werden."


    er machte eine kurze Pause, dann meinte er


    "Die Auspicia am Morgen könnten von einem staatlichen Auguren vollführt werden, wenn ihr dies bezahlen wollt. Das anschließende Opfer wäre dann wohl die erste Hürde für dich."

    Durus nickte. Für diesen Tag kam ihm kein Feiertag oder Ähnliches in den Sinn. Um sicher zu gehen, hatte er sich dort also voll abgesichert. Ging es zur nächsten Frage.


    "Wen gedenkst du eigentlich zu ehelichen? Haben bereits Sponsalia stattgefunden?"


    Zuerst einmal galt es, den Rahmen zu erkennen.

    "Das hoffe ich auch, denn ohne die Götter bist du verloren."


    erwiderte Durus und klang dabei besonders unheilsschwanger. Dann lehnte er sich zurück und warf seinen Stylus, mit dem er die ganze Zeit gespielt hatte, auf den Tisch.


    "Gehen wir die Sache also durch: Du hast bereits einen Termin? Und du hast ihn auch bestätigen lassen?"

    Einsicht für die Götter? Was sollte das denn heißen? Hatte irgendein römischer Gott jemals Einsicht gefordert? In diesen Tagen der Mysterienkulte und Geheimreligion war der Irrglaube, die römische Religion hätte etwas mit persönlicher Hingabe zu tun, nur allzu verbreitet. Dabei wusste doch eigentlich jedes Kind, dass Iuppiter, Mars und Venus nur eins wollten: Opfer und das Einhalten von Versprechen! Es ging um äußere Spielregeleinhaltung, nicht um irgendwelche inneren Einstellungen, die sowieso niemand ergründen konnte. Und einfach von ihrer Existenz auszugehen - das war ja wohl das leichteste, wenn man sich die Welt mit ihren zahlreichen Unerklärlichkeiten ansah!


    Dass Balbus jedoch nicht regelmäßig opferte, war hingegen überaus besorgniserregend.


    "Das ist sehr bedauerlich, Prudentius. Gerade der Sohn eines Consul sollte doch regelmäßig seinen großen Vater anrufen und auch die Götter nicht vergessen."


    Er machte eine Pause und blickte an Balbus vorbei durch den Vorhang ins Atrium.


    "Aber um deines Vaters willen - und nur darum"


    Er hob zur Unterstreichung seiner Meinung den Zeigefinger, denn eigentlich mochte er keine Praetorianer, wenn er auch Prudentius Commodus sehr geschätzt hatte.


    "kann ich dir möglicherweise die ein oder andere Hilfestellung bieten - vorausgesetzt, du gelobst, den Göttern in Zukunft ein wenig mehr Respekt entgegenzubringen."


    Ansonsten konnte er schließlich auch gleich auf jedwedes Opfer oder Ritual verzichten.

    Durus musste einen Augenblick überlegen, ehe er antwortete. Rituale bei der Hochzeit? Da kam ihm eigentlich nur eine Form in Frage, die jedoch für einen Plebejer nicht in Frage kam.


    "Welche Rituale genau...meinst du?"


    fragte er daher. Die Handlungen, die ihm einfielen und religiös waren, wurden doch üblicherweise vom Hausherrn vollführt...oder hatte er irgendetwas übersehen?

    Als Durus das Anliegen hörte, horchte er erstaunt auf. Prudentius Balbus bat ihn um Hilfe? Aber andererseits klang es vernünftig: Sein Vater war der Consul Prudentius gewesen - ein respektabler Mann, der Durus und dem er wohlgesinnt gewesen war. Nun stellte sich allerdings die Frage, wobei Balbus genau Hilfe benötigte, wenn er die Kaisernichte heiratete...


    "Welche Hilfe genau meinst du, Prudentius?"


    fragte er daher.

    | Stesichoros


    Diesmal stutzte Stesichoros. Dieser Mann wollte mit Tiberius Durus über eine Heirat sprechen? Wollte er etwa jemanden aus dem Hause Tiberia ehelichen? Vielleicht Tiberia Albina? Oder doch Calvina? Und warum kannte er den Mann dann nicht?


    "Äh, er ist sicher zu sprechen. Tritt ein!"


    Damit führte der Ianitor den Prudentier in das Haus.





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Stesichoros führte den Prudentier ins Atrium und bedeutete ihm zu warten. Dann ging er ein wenig weiter und betrat das Tablinium, das durch einen Vorhang abgetrennt war. Kurz darauf kam er jedoch wieder heraus und bedeutete Balbus, einzutreten.


    Drinnen saß Tiberius Durus in seiner Tunica Laticlava, vor sich einen Schreibtisch mit diversen Papyri und Tabulae. Der Senator blickte Balbus misstrauisch an - er erinnerte sich an diesen Mann: Das war einer dieser Praetorianer, die den Tiberiern ständig zu schaffen machten.


    "Prudentius?"


    begrüßte er Balbus daher mit kritischem Blick.

    Durus horchte auf, als der Name Vinicius in diesem Zusammenhang fiel: Irgendwie hatte er es überhaupt nicht in Betracht gezogen, dass Hungaricus Rom noch einmal verlassen würde - es sei denn, um eine Armee zu führen. Doch dass sein Patron dies nicht kategorisch ablehnte, erhob Durus sofort das Wort.


    "Ich unterstütze den Antrag des Senatoren Purgitius."

    | Stesichoros


    Oh, Prudentius! Das war doch der Name jenes Consul, der seinerzeit so unrühmlich das Zeitliche gesegnet hatte. Ob er mit diesem jungen Mann verwandt war?


    Stesichoros schneuzte sich und fragte


    "Um welche Angelegenheit geht es?"


    Zwar war dieser Mann so gut angezogen, dass es sich in jedem Fall lohnte, den Herrn zu fragen, ob er ihn empfing, aber ein wenig Information würde dem Herrn die Entscheidung sicher erleichtern.





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Durus saß in seinem Tablinium und las die Post, die er während des Urlaubs erhalten hatte. Ein Papyrus fiel ihm dabei besonders ins Auge:

    An den verehrten Manius Tiberius Durus.


    Mit großem Bedauern muss ich Dir mit diesem Brief mitteilen, dass Decimus Tiberius Lupus auf seinem Landsitz für uns alle unerwartet verstorben ist. Er litt nicht allzulange an einer Vergiftung, die er sich durch übermässiges Trinken von Traubenmost zuzog und entschlief im Fieberwahn. Seine Leiche haben wir hier bereits auf dem Gelände standesgemäß beerdigen lassen.

    Decimus Tiberius Lupus hat kein Testament über seine Besitztümer und seine Wertsachen erlassen. Jedoch erfuhren wir von ihm, als er noch unter uns Lebenden weilte, dass er noch eine Sklavin namens Crista besitzt bzw. besaß, die er in Rom für nützliche Dienste der Gens Tiberia zurückliess. Wir wissen nicht, ob Crista noch bei Euch in Rom weilt und bitten Euch diese über den Tod ihres Herrn zu benachrichtigen.

    Vale bene


    M Tiberianus D. Libertus Lupus
    VILICUS VILLAE TIBERIAE


    Durus las den Brief langsam, dann noch einmal: Warum hatte Lupus denn diesen schrecklichen Traubenmost getrunken? Jeder, der die Werke des Plinius gelesen hatte (dazu gehörte Durus), wusste, dass dieser zu jener ekelerregenden Krankheit führte, an dem vor allem der Pöbel litt.


    Und nun war er tot! Einen Augenblick musste der Tiberier überlegen, dann kam ihm, wer der nächste Anverwandte in diesem Fall war: Antoninus, von dem er glücklicherweise lange nicht gehört hatte! Er sollte den Besitz erben? Niemals! Durus hasste seinen Verwandten abgrundtief, sodass er ihn sogar aus der Villa geworfen hatte. Kein As wollte er diesem Verräter überlassen. Also sollte er sich wohl am besten mit Quintus besprechen. Er würde einen Brief aufsetzen...morgen.

    | Stesichoros


    Die Abwesenheit des bekanntesten Dominus war für Stesichoros sehr wohltuend gewesen. Zwar waren noch immer viele Menschen an der Porta gewesen, doch die meisten hatte er wenigstens nicht einlassen müssen.


    Auch in diesem Sommer plagte ihn die alte Sommergrippe, weshalb er wie üblich ein Taschentuch mit sich führte, als er die Tür öffnete. Vor ihm stand ein Mann, der ihm irgendwie bekannt vorkam, den er jedoch nicht einordnen konnte.


    "Wie kann ich dem edlen Herrn helfen?"


    fragte er daher - die Kleidung verriet ihn als wohlhabend und möglicherweise bedeutend.





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Kurz nach seinem Sommerurlaub am Golf von Neapolis war Durus zur Senatssitzung erschienen. Obwohl seine Brust noch immer jenes strahlende Weiß, das von langjähriger Verhüllung in der Öffentlichkeit kam, aufwies, zeigten Arme und Kopf eine Bräune, die bei häufigem Aufenthalt unter der Sonne Süditaliens unvermeidlich war. Auch ihn interessierte diese Personalie - hatte doch Furianus, sein alter Freund, damit seine bedeutende Position aufgegeben! Ob er hier in Rom zum Consul kandidieren wollte? Er musste ihm unbedingt wieder einmal schreiben!

    Nach einigen Wochen im sonnigen Baiae hatte die stinkende, schmutzige, schwüle und drückend heiße Ewige Stadt Tiberius Durus wieder. Bereits beim Passieren der Porta Naevia war ihm der unerfreuliche Stau aufgefallen, die Menschenmassen, die sich durch die engen Straßen schoben und das laute Geschrei kleiner Kinder, der Straßenhändler und abertausender schwatzender Menschen aus aller Herren Länder.
    Wie sehr vermisste er bereits auf den ersten Passi in der Stadt sein friedliches Landgut, eingebettet in die Hügel um Baiae, die exklusiven Bäder in bester Gesellschaft, die Ruhe seines Landsitzes, die Weite seiner Ländereien, die er von der Terasse aus betrachten konnte.


    Dieses Nachhängen an Vergangenes war jedoch schlagartig vergessen, als er das Atrium betrat. Dort stand das Lararium, die Schreine der Ahnen, die ernst und unerbittlich auf ihn hinabblickten. Durus schluckte - wie hatte er sich nur so der Muße hingeben können? Hier in Rom wartete die große Politik, der Kult der Götter - all das musste erledigt werden! Und von wem, wenn nicht von ihm?

    Die Sonne stand hoch am Himmel, als Tiberius Durus über einen Hügel Kampaniens geritten kam, der ein wunderbares Panorama über die Bucht von Neapolis bot. Man konnte hervorragend das glasklare Wasser der Bucht, aber auch die Städte und Villen, die sich wie Frösche um einen Teich drängten, sehen. Besonders fielen Durus die Weingärten an den Hängen des grausamen Vesuvius auf, der vor vielen Jahren mehrere Städte vom Erdboden getilgt hatte. Nun schien er wieder zu ruhen und kein Wölkchen stieg von ihm auf.


    Besonders gefiel Durus die sanfte Meeresbriese, die ihm bereits hier um die Nase wehte und als er das Umland von Baiae durchsuchte, entdeckte er rasch sein Landhaus, das zwischen mehreren Feldern die eine Spinne im Netz wirkte. Ja, hier würde er seine freien Tage genießen, keine Arbeit verrichten (außer vielleicht die Finanzen seines Vilicus Tiberianus Naso prüfen) und einfach die Seele baumeln lassen. Vita otiosa, wie es die Neoteriker nannten, ganz dem Motto "Lathe biosas", wie man es von den Epikureern hörte.


    Mit einem langem Seufzer trieb Durus sein Pferd an und trabte den Hügel hinab. Ein Blick zurück zeigte ihm, dass sein Reisewagen beiweitem nicht so schnell vorankam - aber bei seiner Ankunft würde er diesmal ohnehin keine Toga brauchen...


    Sim-Off:

    Verabschiede mich in den Urlaub mindestens bis zum 10.8.