Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Durus hatte wie jedes Jahr bereits langfristige Vorbereitungen getroffen, um die Senatsferien in seiner Villa in Baiae zu verbringen. Dort, wo eine angenehme Briese wehte und man in den Bädern entspannen konnte...schon seit Wochen drückte dem Tiberier die Hitze des Tages aufs Gemüt! So stand er diesen Tages im Atrium der Villa in Roma und traf letzte Absprachen mit dem Maiordomus, der während seiner Abwesenheit die Aufsicht führen würde und sich insbesondere um Rediviva Minervina zu kümmern hatte. Aber Iuvenalis war ja auch da, sodass sich Durus auch keine Sorgen zu machen brauchte.


    Der Senator hatte sich für seine Reise in eine leichte Tunika gehüllt, dazu einen Mantel einpacken lassen. Auf seinem Kopf spendete ein riesiger Strohhut Schatten für sein erhitztes Haupt. So angekleidet nahm er in der Sänfte Platz, die ihn vor die Tore Roms und zu seinem Reisewagen bringen würde. Vielleicht würde er aber auch mit dem Pferd reiten...mal sehen...

    Da sich niemand einschaltete, versuchte es Durus noch einmal, eine Abstimmung herbeizuführen.


    "Wäre dann eine solche Hinzufügung als dritter Absatz konsensfähig? Können wir zur Abstimmung schreiten?"

    Natürlich, das war keine schlechte Lösung - wieso war nicht darauf gekommen?


    "Mit dieser Regelung könnte ich mich ebenfalls zufrieden geben. Man könnte es natürlich auch allgemeiner halten und die Wahl für ungültig erklären, wenn Verdacht auf ein Wahldelikt gemäß des Codex Iuridicialis vorliegt - falls eines Tages weitere Wahldelikte hinzugefügt werden sollten."


    Man sollte ja immer so allgemein wie möglich und so speziell wie nötig bleiben, wie sein alter Rhetor immer gesagt hatte.

    Durus war zuerst erneut verwirrt und fragte sich, ob sie aneinander vorbeiredeten. Dann bemerkte er, dass er sich wohl unklar ausgedrückt hatte. Allerdings war das Beispiel von Macer auch meilenweit hergeholt, wie er fand. Fast hätte er schmunzeln müssen, doch dafür war Juristerei ein zu ernstes Geschäft.


    "Ich sagte ja bereits, dass man es auch in den Codex Universalis in gegebenen Paragraphen einfügen könnte. Allerdings wäre es meiner Meinung nach eben nur sinnvoll, die Wahl für ungültig zu erklären, bis der Magistrat inauguriert ist, denn danach unterliegt er der Immunität und kann nicht gerichtlich belangt werden."


    Auf dem Wasser war niemand zu sehen, doch schon bald führte der Weg unter der Tiberbrücke hindurch, auf der er Aurelius Corvinus erblickte. Warum der wohl nicht mit dem Boot gefahren war? Auf der Straße war es doch unangenehm überfüllt (obschon es ihm vorkam, als hätte er schon besser besuchte Feiertage gesehen - auch die Boote waren weniger als üblich, wie ihm nun auffiel).


    Er grüßte dem Septemvirn mit seinem Weinbecher und nahm einen Schluck. Das Wasser des Tibers schien auch schonmal bessere Zeiten gesehen zu haben, wie ihm bei Betrachtung der Wasseroberfläche kam...


    "Am Forum Boarium legen wir an."


    befahl er seinem Sklaven, der das Boot die Strömung hinabsteuerte.

    Durus seufzte. Was wollten seine Senatskollegen denn?


    "Derartige Delikte werden im Codex Iuridicialis geregelt. Dort wird meines Wissens nach nur allgemein von Wahlfälschung als Delikt ausgegangen. Wenn wir die Gültigkeit im Codex Universalis und nicht im Codex Iuridicialis haben möchten, müssten wir einen Passus verwenden, der die Wahl bei Wahlfälschung oder Wählernötigung für ungültig erklärt, soweit diese während der Wahl festgestellt wird. Ist der Magistrat erst vereidigt, schützt ihn seine Immunität prinzipiell vor einer Klage, folglich könnte er nur im Nachhinein deswegen angeklagt werden. Dies ist allerdings schon im Codex Iuridicialis geregelt."


    stellte er endlich fest. Dass an Gesetzen in diesen Hallen aber auch immer so viel herumgemängelt werden musste!

    Zitat

    Original von Manius Tiberius Durus
    Die Tiberier hatten sich ein Boot gemietet, auf das Durus nach dem Opfer rasch zuhielt. Er begrüßte den Paddler (natürlich paddelten Patrizier nicht selbst) mit einem freundlichen Heben des Digitus Salutaris, dann trat er ein und setzte sich zum Maiordomus, der ebenfalls zu der Bootstour gekommen war.


    Dann sah er sich um, ob Iuvenalis auch das Opfer gesehen hatte und nun kommen würde? Oder konnte er ablegen?


    Iuvenalis erschien doch nicht, sodass Durus nach einiger Zeit beschloss, das Boot abzustoßen (beziehungsweise abstoßen zu lassen). Langsam wurde der Kahn in die große Regatta von bereits abgelegten Booten gerudert, während Durus am Bug des Gefährts saß und sich einen Becher Wein eingoß. Interessiert blickte er über das Treiben auf dem Fluss - ob er jemanden traf, den er kannte?

    Durus seufzte leise, dann hob er erneut an - dieses Gesetz war schwieriger als erwartet!


    "Irgendeine Instanz muss letztendlich entscheiden, ob die Wahl rechtsgültig verlaufen ist. Ich denke, es versteht sich von selbst, dass die Consuln dabei die Mos Maiorum achten und nur in Fällen von Unregelmäßigkeiten an der Gültigkeit zweifeln - selbst wenn wir den Passus 'triftige Gründe' einbauen, ist dies noch keine Sicherheit. Eine Möglichkeit wäre: 'Entspricht der Wahlvorgang nicht den hier vorgegebenen Vorschriften, sind die Consuln verpflichtet, die Wahl für ungültig zu erklären und Neuwahlen anzuberaumen.'"

    Durus stutzte. Keine schlechte Idee von Quarto. Wieso er da selbst nicht draufgekommen war...


    "Dann wäre der gesamte Entwurf:


    § 45 Wahl und Gültigkeit


    (1) Für die Ämterbesetzung sind diejenigen Kandidaten zu berücksichtigen, die die meisten, jedoch mindestens mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erhalten. Existieren zu wenige Kandidaten mit ausreichender Stimmenzahl, so bleiben die Ämter unbesetzt.
    (2) Bei Stimmengleichheit oberhalb des geforderten Quorum wird eine Stichwahl durchgeführt. Erlangt in einer Stichwahl keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit, so ist kein Kandidat gewählt, das betreffende Amt bleibt unbesetzt.
    (3) Über die Gültigkeit der Wahl entscheiden die amtierenden Consuln.


    Könnte der Senat sich mit einer solchen Regelung anfreunden?"


    Hoffentlich hatte er jetzt nichts vergessen...

    Die Tiberier hatten sich ein Boot gemietet, auf das Durus nach dem Opfer rasch zuhielt. Er begrüßte den Paddler (natürlich paddelten Patrizier nicht selbst) mit einem freundlichen Heben des Digitus Salutaris, dann trat er ein und setzte sich zum Maiordomus, der ebenfalls zu der Bootstour gekommen war.


    Dann sah er sich um, ob Iuvenalis auch das Opfer gesehen hatte und nun kommen würde? Oder konnte er ablegen?

    Nach einiger Zeit (solch ein wichtiges Opfer wollte Weile haben) kamen die Sacerdotes wieder aus dem Tempel heraus.
    Durus hatte nur daneben gestanden, da ein älterer und wichtigerer Pontifex das Voropfer in die Hand genommen hatte, aber zumindest war es ihm erlaubt gewesen, dem Foculus unmittelbar nahe zu stehen, sodass er nicht wie die anderen draußen hatte warten müssen.


    Hier draußen hatte sich allerdings inzwischen einiges geändert: Die Prozession stand bereit und der Tiberier hatte das Gefühl, dass viele es kaum erwarten konnten, endlich in den kleinen Booten auf dem Tiber zu sitzen und sich von der Strömung treiben zu lassen.


    Die Sonne zeigte inzwischen, was ein Sommer in Rom bedeutete und er befand, dass die Nähe zum Wasser - egal wie schmutzig und grau es war - doch Linderung von der unbarmherzigen Hitze bedeuten würde und beeilte sich, in den hinteren Reihen der Pontifices seinen Posten zu beziehen. Dann ging es auch schon los...

    Durus meinte, noch einmal etwas zu dem Vorschlag anmerken zu müssen, was er auch prompt tat.


    "Da die Regiones ebenfalls von Rom eingeteilt werden, halte ich die Zuständigkeit für die Regio-Kassen für erwähnenswert, wie es bereits Vinicius Hungaricus bemerkt hat."


    Er sah zu Hungaricus hinüber, dem er hier nach dem Munde redete, der aber auch tatsächlich einen sinnvollen Einwand gebracht hatte. Was die anderen allerdings von seinen Bedenken zum Magister Officiorum hielten, war noch nicht gesagt...

    Durus ärgerte sich, dass er sich keine Tabula mitgenommen hatte. An und für sich hatte er schon ein gutes Gedächtnis, aber das wortgetreue Aufnehmen von einmal Gehörtem gehörte definitiv nicht dazu.


    Zusätzlich verwirrte ihn, dass ausgerechnet sein Patron eine so unjuristische Forderung erhob, nicht alle Eventualitäten abzudecken! Daher beschloss er, sie gänzlich unkommentiert zu lassen, um sich nicht mit ihm zu streiten.


    "Man könnte diesen Passus natürlich ebenfalls verwenden, wobei ich allerdings der Meinung wäre, dass man mindestens eine Stimme über der Hälfte der abgegebenen Stimmen liegen sollte. Man könnte dann den gesamten Paragraphen reformieren und nur in zwei Absätze teilen. Der erste würde dann also lauten..."


    Er musste einen Augenblick nachdenken und kleine Schweißperlen traten ihm dabei auf die Stirn, obwohl die Curia eigentlich eher kühl war.


    "Für die Ämterbesetzung sind diejenigen Kandidaten zu berücksichtigen, die die meisten, jedoch mindestens mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erhalten. Existieren zu wenige Kandidaten mit ausreichender Stimmenzahl, so bleiben die Ämter unbesetzt.


    Dabei könnte man dann außerdem Senator Aelius Quartos Vorschlag berücksichtigen und den Passus 'Gültigkeit' streichen."

    Manius Tiberius Durus stand, gemeinsam mit seinem Collegae vom Collegium Pontificium, sowie den Vertretern aller anderen wichtigen, stadtrömischen Collegia, auf den Stufen des Tempels. Er stellte fest, dass das Gebäude für sein Alter und seine relativ geringe Größe doch recht beeindruckend geschmückt worden war. Sein Blick glitt nach oben zu den Säulenkapitellen, dann schweifte er zurück zu der Menge, die wie üblich keinen besonderen Sinn für Spiritualität zeigte. Der Tiberier zuckte mit den Schultern, was jedoch unter der Toga Praetexta, die der Priester im Dienst trug, kaum zu bemerken war.


    Der Tempelvorsteher blickte sich schließlich zu den Pontifices um und auf ein Nicken der ältesten Anwesenden wandte sich die gesamte Gruppe dem Portal zu. Langsam formierte sich die Priesterschar zu einer kleinen Prozession, die im Inneren des Tempels verschwand, wo zweifelsohne das Voropfer stattfinden würde.

    Also in Alexandreia ist es für Frauen möglich, die Verwaltungslaufbahn einzuschlagen und dadurch in die Oberschicht aufzusteigen. Da regionale Eliten ja von den Römern häufig das Bürgerrecht bekamen, wäre das beispielsweise eine Möglichkeit. Ansonsten natürlich der allseits beliebte Trick mit dem Patron, der auf den Kaiser einwirkt...

    Durus fand es scho wesentlich vernünftiger, was sein Patron sagte. Seiner Reaktion auf seine Worte zu urteilen, war er allerdings nicht so ganz glücklich mit Durus' Auftreten - naja, man musste eben manchmal die Grenzen der Möglichkeiten austesten, um Freunde zu schützen.


    "Warum brauchen wir einen interimistischen Vertreter, wenn wir Flavius Furianus das Vertrauen weiterhin aussprechen? Er möchte doch, wie er schon sagte, sein Amt zum kommenden Jahr niederlegen!"

    Durus saß da und hörte ein wenig ungläubig die Worte seines Freundes Furianus. Offensichtlich hatten sie sich ein wenig entfremdet, dass dieser ihm jetzt in den Rücken fiel. Er hätte ruhig betonen können, dass er die Angelegenheit mit dem Kommando nicht abgesprochen hatte, doch sich direkt gegen ihn auszusprechen? Das fand er doch etwas ärgerlich.


    Das Übrige hingegen war mehr oder weniger berechtigt. Natürlich hätte Durus niemals so undiplomatisch so viele Namen genannt, sondern wäre allgemeiner geblieben, aber dennoch musste er nun eine Lanze für seinen Freund brechen.


    "Ich sehe keinen Grund, warum er die Würde des Senat beschmutzt. Ich kann mich ebenfalls an keine Beweise für eine fingierte Abrechnung oder falsche Berichte erinnern - vielmehr ist es so, dass du diese Zweifel geäußert hast. Damit sind sie nicht automatisch wahr. In dubio pro reo ist auch hier unumstößlicher Rechtsgrundsatz! Abgesehen davon halte ich es für höchst unwahrscheinlich, dass kein Beamter oder Offizier sich dahingehend beim Imperator Caesar Augustus als obersten Proconsul gemeldet hätte, wenn dem so wäre. Ich verbitte mir also diese Polemik.


    Ich stimme zu, dass seine Kritik ein wenig harsch ist, dennoch kann ich verstehen, dass er sich beleidigt fühlt durch die Behandlung durch den Senat, die statt zu fragen lieber wilde Mutmaßungen anstellt, ohne irgendwelche Beweise vorzulegen.
    Schließlich muss ich noch einmal unterstreichen, dass ein Quaestor nicht geeignet ist, einen Proconsul zu kontrollieren, wie auch ein Centurio wohl kaum einen Legatus Legionis kontrollieren kann. Es gibt auch im Zivilbereich eine strikte Befehlskette und wenn er etwas zu verbergen hätte - was er zweifelsohne nicht hat - dann könnte er den Quaestor mit Leichtigkeit davon fernhalten. Wenn es begründeten Zweifel an seiner Amtsführung gäbe, könnte einzig ein Corrector oder ein Legatus Augusti Klarheit schaffen. Es ist also genauso sein Recht, gegen die Entsendung eines Quaestor Provincialis in seine Provinz zu sein, wie es du im letzten Jahr warst."