Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Durus hörte diese Thematik ebenfalls interessiert. Auch wenn es etwas kompliziert war, zwischen Kommentar, Ergänzung und Urtext zu unterscheiden, verstand er es letztendlich doch recht gut - seine Beschäftigung mit der Verfassung kam ihm hierbei zugute!


    "Ich stimme Purgitius zu. Ich würde allerdings ebenfalls auf den Procurator Rationis Privatae verzichten - er ist, wie der Text schon sagt, für das Privatvermögen des Imperator Caesar Augustus zuständig. Daher ist es einzig und allein die Entscheidung des Imperator Caesar Augustus, wofür er zuständig ist. Das wäre ja genauso, wie wenn mein Vilicus im Codex Iulianus auftauchen würde. Auch beim Magister Officiorum, der ja ein weites Aufgabenfeld besitzt, bin ich mir nicht sicher, ob er in die Lex Provincialis muss."


    Es störte ihn etwas, dass Furianus nicht vorher mit ihm gesprochen hatte. Andererseits hatte er ihn von seinen Anliegen auch nicht erzählt.

    Durus musste einen Augenblick nachrechnen, ob die Argumentation Macers rechnerisch Sinn machte. Wenn er fünf Kandidaten und 100 Wähler mit zwei Stimmen hatte, dann war es tatsächlich möglich, dass es einen mit 60 und zwei mit 55 Stimmen gab. Also würde es dann eine Stichwahl geben - eigentlich keine dumme Idee.


    "Ja, Purgitius` Vorschlag klingt einleuchtend. Dann wäre also Absatz vier und sechs folgendermaßen zu ändern:
    (4) Erreichen weniger Kandidaten das geforderte Quorum als Amtsträger bestimmt werden sollen, so bleiben die Ämter unbesetzt.
    (6) Bei Stimmengleichheit oberhalb des geforderten Quorum wird eine Stichwahl durchgeführt. Erlangt in einer Stichwahl keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit, so ist kein Kandidat gewählt, das betreffende Amt bleibt unbesetzt. - wäre dies so korrekt?"


    Bei all den Zahlenjonglagen verwirrten Durus ein wenig. Er hatte wirklich ein komplexes Thema angeschnitten, das nun allerdings seine Rechen- und Ausdruckskünste auf die Probe stellte.

    Durus seufzte leise und so, dass es hoffentlich niemand mitbekam. Eine solche Frage hätte von ihm selbst kommen können, obwohl sie ein relativ unwahrscheinliches Szenario entwarf, wie er fand.


    "Tatsächlich besteht nach aktueller Gesetzeslage diese Regel, denn bei Stimmengleichheit während der Stichwahl bleibt das Amt bisher auch schon unbesetzt. Daran wurde auch jetzt nichts geändert - bei einer Pattsituation wird keiner in das Amt eingesetzt, denn eine neue Stichwahl würde wohl kaum ein anderes Ergebnis bringen.


    Abgesehen davon, dass ich ein solches Ergebnis für höchst unwahrscheinlich halte, könnte man bestenfalls ein Losverfahren entwerfen, nach dem in diesem Fall zwischen den beiden Kandidaten Fortuna entscheiden soll. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das nicht endlose Prozesse wegen der Unabhängigkeit des Losrichters und der Einwandfreiheit des Materials nach sich ziehen würde.


    Eine andere Alternative wäre eine Entscheidung des Imperator Caesar Augustus als höchste Auctoritas der Res Publica. Wenn der Senat dies wünscht, könnte man dies gerade bei der Änderung noch mit aufnehmen."


    Er hatte das Gefühl, sich für ein Gesetz des toten Iulianus rechtfertigen zu müssen. Andererseits war es sicher keine dumme Idee, diese Sache anders zum Wohl der Res Pubilca zu ordnen.

    Tiberius Durus beobachtete das Schauspiel, das ihm tatsächlich ein wenig Ehrfurcht einflöste. Offensichtlich war alles sehr gut vorbereitet, sodass das Spektakel den einfach Mann auf der Straße sicher beeindruckte. Der Adler flog davon und Durus fragte sich, ob er von den Auguren für derartige Zwecke gehalten wurde. Er hatte in Alexandreia auch eine wissenschaftliche Ausbildung genossen und wusste, dass der Adler nicht aus dem Nichts aufgetaucht war. Allerdings hatte er auch nicht den Mann gesehen, sodass er rätselte, ob der Adler oben in einem Käfig gefangen gewesen war, dessen Verschluss-Seil irgendwie durch die Pfosten zum Boden gegangen und dort sehr schnell durchgebrannt war. Oder war der Adler so trainiert, dass er sitzen blieb, bis es warm wurde? Es war doch insgesamt ein sehr interessantes Phänomen...

    Zwar waren nicht alle Pontifices erschienen, doch Tiberius Durus hatte es sich nicht nehmen lassen, auch zu dieser Veranstaltung zu erscheinen. Zum Einen erneut, um sich dem Kaiser einzuprägen, andererseits aus reiner Neugierde: Er hatte noch nie live einen kaiserlichen Regierungsantritt erlebt, folglich war er nach Möglichkeit bei jeder Veranstaltung, die dazu gehörte, anwesend. Wer wusste schon, ob die Lage eines Tages günstig war...gerade, wenn der Kaiser krank und sein Sohn minderjährig war...

    Es wurde wieder ziemlich ruhig in der Curia, nachdem Avarus' Einwand geklärt worden war. Aber Durus hatte keine Lust, ewig zu warten. Folglich fragte er noch einmal in die Runde:


    "Hat sonst jemand Fragen zu diesem Vorschlag? Wenn nicht, beantrage ich eine Abstimmung!"

    Wieder einmal hatte Durus das Gefühl, dass der neue Kaiser keine übermäßig imposante Erscheinung war. Sein Bart ließ ihn eher etwas wild wirken, was aber überhaupt nicht mit seiner Krankheit zusammenpasste. Dennoch war auch ihm klar, dass es hier nicht um irgendeine Wahlmöglichkeit ging, sondern allein um eine reine Formalität. Also antwortete auch der Tiberier prompt mit einem


    "Ich unterstütze ebenfalls den Antrag."


    Danach lehnte er sich zurück und fragte sich, ob das alles ein gutes Ende nehmen würde...

    Etwas enttäuscht stellte Durus fest, dass er keinen Anteil des Opferfleisches bekam. Als Orestes jedoch sichtlich erleichtert auf ihn zukam, packte er dennoch sein gewinnendes Lächeln aus und meinte


    "Offensichtlich gefällt den Göttern dein Opfer - dann soll es auch mir gefallen!"


    Der Sacerdos Iovis hingegen musste natürlich noch etwas einwerfen.


    "Du solltest allerdings der Leberunterseite das nächste Mal mehr Aufmerksamkeit zuwenden - besonders, wenn du keinen Haruspex zur Hand hast. Da zeigen sich besonders oft Fehler. Aber im Großen und Ganzen durchaus akzeptabel."


    Damit konnte Orestes zufrieden sein - der Sacerdos Iovis galt als überaus kritischer Prüfer und routinierter Beherrscher sämtlicher kultischer Handlungen, der das Selbe von seinen Mitpriestern erwartete.


    "Damit wärst du für würdig genug befunden, um dem Cultus Deorum als Sacerdos Publicus zu dienen. Alles weitere wird der Septemvir Aurelius Corvinus abwickeln. Suche ihn in seinem Officium auf!"


    erklärte Durus rasch noch, ehe Fragen aufkamen.

    Durus fragte sich, ob der Kommentar ernst gemeint war, oder nur dazu diente, ihn aus dem Konzept zu bringen. Wenn es letzteres war, so war es ziemlich patzig und sicherlich nicht gut gelungen.


    Zum Glück kam ihm Purgitius Macer zu Hilfe. Dennoch bestätigte er die Einschätzung noch einmal.


    "Selbstverständlich. Jede andere Annahme wäre ja völliger Blödsinn!"


    Ob er damit Avarus beleidigen wollte, ließ er offen. Zumindest zeigte sich eine Sekunde ein Aufblitzen seiner Zähne.


    "Im Übrigen halte ich es tatsächlich für nicht förderlich, wenn ein Senator, den der halbe Senat nicht oder nur schlecht kennt, das Consulat bekleidet. Abgesehen davon bin ich zuversichtlich, dass wir stets genügend verdiente Praetorier finden, die einen solchen Rang bekleiden können."

    Wie die übrigen Senatoren, nahm auch Durus seine Position wieder ein und trug den "Leichnam" des Iulianus über die Via Flaminia in Richtung Campus Martius. Was dort auf ihn wartete, beeindruckte selbst ihn, wie er feststellen musste:
    Tatsächlich erinnerte das "Gebäude" ihn an den Leuchtturm von Pharos - es fehlte nur noch das Licht in der obersten Kammer! Stattdessen wurde nun jedoch das "Licht Roms" hinauf befördert. Die Freigelassenen waren kräftig und brachten das Totenbett mit Leichtigkeit in Position. Die herunterfallende Kanne fiel dem Tiberier jedoch dennoch auf - das würde sicherlich Ärger geben. Wenn jemand zu vorschnell war, konnte er darin leicht ein schlechtes Omen deuten! Doch die Auguren, die sich nun postierten, schienen ruhig zu bleiben. Sie waren auch offensichtlich noch damit beschäftigt, sich passend zu postieren...


    Einen Augenblick hatte der Pontifex das Gefühl, einen Adlerschrei aus der obersten Kammer des Scheiterhaufens zu hören. Aber nur einen kleinen Augenblick...

    Auch bei dieser Prüfung sah Durus schweigend zu - er wollte schließlich nicht durch lautstarkes Einmischen die Ruhe und Würde einer solchen Opferhandlung stören (nicht umsonst gab es den Herold, der zur Ruhe aufrief). Dennoch notierte sich der Sacerdos des Iuppiter genau, was Orestes tat - Schriftlichkeit war schließlich eine große Säule der Verwaltung des Cultus Deorum!


    Als der Widder endlich erstochen war, stellte Durus fest, dass er ordentlich blutete - schonmal ein gutes Zeichen! Dann erschien der Haruspex, der Orestes wohl helfen sollte, den Zustand der Leber zu überprüfen. Gespanntes Schweigen stellte sich ein...

    Als Gracchus eintrat, musste Durus erstaunt eine Augenbraue heben. Der Aedilis Curulis wirkte stark angeschlagen, blass, dünn und etwas fahrig. Zwar gab er sich offensichtlich alle Mühe, seine Krankheit nicht nach außen bemerkbar zu machen, dennoch war es unmöglich, diese zu verbergen. Durus grüßte ihn mit einem


    "Salve!"


    das dieser allgemein erwiderte. Da der Kaiser noch immer nicht hier war, nahm Durus ebenfalls Platz und harrte der Dinge, die kommen mochten...

    | Glaukias


    Vermutlich hätte sich Tiberius Durus niemals an so etwas unbedeutendes wie einen einfachen Wachsoldaten erinnert, dennoch würde es dem Prätorianer wohl nicht vergönnt sein, in das Haus des Tiberiers zu kommen. Vielleicht auch wirklich zum Glück, denn Glaukias übertrieb nicht mit der Grausamkeit des Maiordomus...


    "Ach, wird schon reichen. Und wenn nicht, kannst du mir ja mal irgendwann 'nen Wein ausgeben. Ich bin öfters hier einkaufen, also sieht man sich bestimmt 'mal wieder."


    Damit erhob er sich und verabschiedete sich.





    SKLAVE – MANIUS TIBERIUS DURUS

    Zwar war Durus irgendwie angerührt von den Worten Valerians, dennoch fand er, dass diese Trauerrede den großen Taten des Iulianus nicht gerecht wurde. Es wurden nur die dunklen Stunden erwähnt, kaum wurde auf die großen Taten des verstorbenen Kaisers hingewiesen! Aber Valerianus war eben doch ein Soldat und kein Redner - ob er die Regierungsgeschäfte überhaupt ordentlich ausfüllen könnte? Oder hatte Furianus Recht und er würde ein Spielball in den Händen seines Bruders werden?

    Als Durus aufgerufen wurde, räusperte er sich kurz und ging auf dem Weg nach vorn seine Punkte nocheinmal gedanklich durch. Dann wandte er sich zur Versammlung und begann:


    "Patres conscripti!


    Ich trete heute vor Euch mit einem Gesetzesentwurf zum Wahlrecht. Genaugenommen geht es um den Paragraphen 45, den ich für unangemessen halte:


    Wie Ihr alle wisst, geht es in diesem Paragraphen um die Gültigkeit einer Wahl, sowie um die zu erreichenden Stimmen, um eine Wahl zu gewinnen. Beim Gesetzesstudium fiel mir auf, dass dieser bei unserem Wahlmodus zum einen eine unnötige Verkomplizierung der Sache ist, zum andern der Würde der Ämter nicht angemessen. Das Gesetz regelt, dass man für den Wahlsieg bei zwei zu bestimmenden Amtsträgern - beispielsweise den Consuln - ein Drittel der Stimmen auf sich vereinen muss. Dies bedeutet, dass er nicht einmal eine Senatsmehrheit hinter sich benötigt, um zum wichtigsten Amt der Res Publica aufzusteigen. Geht es um mehr als zwei Posten, werden die zu erreichenden Prozente immer geringer, sodass die zwanzig Vigintiviri theoretisch nur den einundzwanzigsten Teil benötigen. Dadurch wird die Wahl zwar eindeutig, aber die gewählten Magistrate haben wohl kaum eine echte Mehrheit hinter sich.


    Da jeder von uns genau so viele Stimmen bei der Wahl hat, wie es zu bestimmende Amtsträger gibt, beantrage ich, den Paragraphen folgendermaßen zu ändern:


    § 45 Wahl und Gültigkeit
    (1) gestrichen
    (2) beantrage ich, ebenfalls zu streichen.
    (3) Nur diejenigen Kandidaten sind für eine Ernennung zu berücksichtigen, welche mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen für ihr Amt erhalten.
    (4) Erreichen weniger Kandidaten das geforderte Quorum als Amtsträger bestimmt werden sollen, so wird unter den bestplatzierten nicht gewählten Kandidaten eine Nachwahl* für die nicht besetzten Ämter durchgeführt. Gibt es gleichviele oder weniger Kandidaten als mögliche Amtsträger, entfällt diese Nachwahl und die Ämter bleiben unbesetzt.
    (5) Die Kandidaten mit den meisten Stimmen, welche das in Absatz 3 erforderte Quorum erfüllen, sind gewählt.
    (6) Bei Stimmengleichheit wird eine Stichwahl durchgeführt. Erlangt in einer Stichwahl keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit, so ist kein Kandidat gewählt, das betreffende Amt bleibt unbesetzt."


    Sim-Off:

    Damit wäre bei nur einem Kandidaten auf ein Amt die CH-Wahl sozusagen die Nachwahl: Wer weniger als 50% hat, der hat gegen seinen NSC-Mitkandidaten verloren.

    | Glaukias


    Glaukias lachte bei der ersten Bemerkung.


    "Naja, die sind doch alle keusch wie Artemis! Die Tiberierinnnen haben nichtmal nen Sklaven in ihr Bett gelassen!"


    Nunja, offensichtlich war Luciusctatsächlich der Meinung, dass es irgendetwas bringen würde, wenn er mitkam. Glaukias hingegen hatte nicht den geringsten Zweifel, dass das Ärger für sie beide einbringen würde...


    Der zweite Teil jedoch stimmte Glaukias wieder etwas ernster. Mit leicht bitterem Unterton meinte er


    "Das kannst du gar nicht beeinflussen. Ich sag's dir: Wenn du mitkommst, kriegen wir beide Ärger!"





    SKLAVE – MANIUS TIBERIUS DURUS

    An diesem Tag wurden die Pontifices zusammengerufen, um den neuen Kaiser zum Pontifex Maximus zu wählen. Daher erschien Durus etwas früher in der Hoffnung, ein paar Worte mit dem neuen Herrn des Reiches zu wechseln - persönliche Kontakte zu ihm würden sich sicher positiv auf der Karriereleiter auswirken.


    Als er jedoch erschien, war nur Fabius Antistes, der ein paar Worte mit dem Flamen Dialis wechselte. Dieser saß jedoch - wie seit geraumer Zeit - krank in seinem Stuhl. Er hatte sich wohl extra aus dem Krankenbett gequält, um den neuen Herrn aus der Nähe zu sehen.

    Der Pontifex Tiberius Durus beantragte, einen Punkt auf die Tagesordnung setzen zu lassen, der sich mit dem Wahlrecht befassen sollte. So wartete er an diesem Tag etwas gespannt darauf, an die Reihe zu kommen.