Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Im Atrium hatte sich inzwischen eine große Menge an Männern versammelt, die fast sämtlich weiße Togen trugen und damit auf ihren Status als römische Bürger hinwiesen. Nur einige Freigelassene standen abseits und unterhielten sich auf Griechisch.


    Auf der gegenüberliegenden Seite war der Vorhang zum Tablinium noch verschlossen. Dort wurden die Klienten, die ein persönliches Gespräch mit Tiberius Durus bekamen, empfangen. Die des Tiberius Iuvenalis trafen ihn üblicherweise in einem anderen Raum des Hauses.


    Ein Sklave eilte in den Raum, in dem vermutlich Tiberius Iuvenalis wartete und teilte ihm mit, wer ein persönliches Gespräch erbat.

    In den hinteren Reihen der wachenden Senatoren hatte heute auch Tiberius Durus gestanden. Im Prinzip fand er dieses Ritual befremdlich - dennoch übte es eine gewisse Faszination aus, dabeizustehen wie ein Verwandter der Familie, während der Kaiser starb. Die Wachsfigur war trefflich gelungen, auch wenn sie weitaus blasser war, als Durus den Kaiser in Erinnerung hatte. Wenn er sich recht erinnerte, hatte der echte Iulianus auch mehr Falten gehabt...aber das hier war ja nur ein Ritus, der aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Vergöttlichung des Imperator enden würde.


    Nachdem der Arzt den Tod der Figur bestätigt hatte, legte Durus noch einmal seine prächtige schwarze Toga zurecht und trat an den hinteren Teil der rechten Tragestange - genau vor seinen Vetter Quintus. Aus der Erinnerung an die Lustratio hatte er gelernt, sich einen strategisch günstigen Platz beim Tragen von Bahren zu suchen (Quintus gehörte wohl zu den rüstigsten Trägern heute). Doch als die Männer anhoben, stellten sich seine Sorgen als unbegründet heraus: Es waren so viele Männer beteiligt, dass selbst das prächtige Totenbett für den einzelnen federleicht war.

    Wenig später trat der Haruspex Primus hervor, der für diesen besonderen Anlass persönlich die Betrachtung der Vitalia übernahm. Durus blickte neugierig auf die goldene Schale, in der der Alte die Leber und andere Organe drehte und wendete.


    Dann plötzlich blickte er auf und hob die Leber ins Licht der Sonne. Noch einmal drehte er das Organ, dann sah er zu Valerianus.


    "Litatio!"


    Der Herold, der bereit stand, um der versammelten Menge das Ergebnis zu verkünden, wiederholte das Wort und ein leichtes Aufatmen ging durch die Menge, obschon niemand ernsthaft erwartet hätte, dass dieses Opfer misslang - wer wurde von den Göttern geliebt, wenn nicht der Imperator Caesar Augustus?

    Sim-Off:

    Richtig :(


    Durus bedachte Avarus mit einem bösen Blick. Das sah diesem Germanen wieder einmal ähnlich: Nur meckern, aber keine Vorschläge liefern!


    "Vom Schlechtreden werden die Ergebnisse sicherlich nicht besser werden. Zurück zu Callidus' Vortrag: Da ich keine weiteren Anträge oder Einwände sehe, betrachte ich diesen Antrag als angenommen. Wir werden versuchen, diesen Mehaf zu kaufen, ehe es die anderen Factiones tun.


    Ob und wann Dareios seiner Karriere ein Ende setzt, ist noch unklar. Die Gespräche laufen und falls er sich tatsächlich für den Ruhestand entscheidet, werden wir sicher einen adäquaten Ersatz finden."


    Natürlich wusste der Tiberier, dass Dareios für einen Rennfahrer steinalt war. Dennoch hoffte er weiterhin, dass der Auriga noch ein paar Rennen hielt. Einen neuen Fahrer ins Team einzuarbeiten war nicht sonderlich kompliziert - bei zweien hingegen würde es sicher etwas länger dauern, bis die Factio sich erholt hatte - wie Avarus gesagt hatte.


    "Damit zum nächsten Punkt: Fragen, Wünsche, Anträge. Gibt es irgendetwas?"


    Damit sah er noch einmal in die Runde - beflissentlich Germanicus Avarus auslassend.


    Sim-Off:

    Hm, vielleicht sollten wir alles weitere in einer neuen Sitzung klären, weil alles ja eh nicht mehr aktuell wäre

    | Glaukias


    Glaukias hatte das Unglück nicht kommen sehen, sodass er nicht ausweichen konnte. Als der fremde Mann, der hier offensichtlich ein wenig herumlungerte, gegen ihn stieß, fuhr ein starker Schmerz durch die linke Seite seines Rückens. Sofort ließ er die Tasche fallen und schrie auf.


    "AAAHH! Zum Hades!"


    begann er zu fluchen und schenkte zuerst Valerian, dann, als sich dieser entschuldigte, dem Riesen einen bösen Blick.


    "Jaja, schon gut."


    Er bückte sich und hob das Netz auf. Eine Mischung aus Schalen, Eigelb und Eiweiß zog Fäden vom Ende des Netzes zum Boden. Noch immer etwas keuchend betrachtete er das Resultat der kleinen Schubserei.


    "Das war's dann wohl mit den Eiern - toll!"





    SKLAVE – MANIUS TIBERIUS DURUS

    Kaum erklang das Wort des Augustus, da stieß der Opferhelfer sein Messer in die Kehle des Rindes, während gleichzeitig ein zweiter den Hammer auf den Schädel des Tieres niederfahren ließ. Es gab ein krachendes Geräusch - der Minister war wohl darauf bedacht gewesen, auf jeden Fall das Tier zu betäuben: Es durfte schließlich nichts schiefgehen beim großen Opfer des Augustus für seinen fast-göttlichen Vater!


    Ein leichtes Gewusel entstand, als ein Pontifex die Schale an den zu Boden gesunkenen Hals des Tieres hielt und das Blut auffing, während gleichzeitig der Opfermetzger zurücktrat und der für die Öffnung des Tieres verantwortliche Pontifex bereits zu Bauch trat.


    Dennoch war nun eine Pause gegeben, denn das Tier musste ein wenig ausbluten, ehe man die Vitalia entnehmen und somit prüfen konnte, ob das Opfer angenommen wurde.


    Durus stand ein wenig weiter weg und ging nun einen Schritt in Richtung des Augustus, um ihn von der Nähe zu betrachten. Den letzten Kaiser hatte er selten gesehen - Iulianus war nicht ein sehr zurückgezogener Herrscher gewesen. Ob Valerian es ihm gleichtun würde? Wenn die Gerüchte über seine Krankheit stimmten, war das wohl eine seltene Gelegenheit, ihn aus der Nähe zu betrachten.

    | Glaukias


    Tatsächlich tauchte wenig später ein Mann auf, der vom Esquilin herabkam. Er trug eine etwas bessere Tunica an als der Durschnittsplebejer. Er lief seltsam steif und schien darauf bedacht, seinen linken Arm mit dem Einkaufsnetz nicht an seine Seite zu bringen.


    Ohne auch nur Notiz von dem unauffälligen Prätorianer zu nehmen, trat er an den Stand und begann, sich kritisch über die Qualität der dargebotenen Früchte zu äußern.





    SKLAVE – MANIUS TIBERIUS DURUS

    Ad
    Septemvir M Aurelius Corvinus
    Villa Aurelia Romae



    Pontifex M' Tiberius Durus Septemviri M Aurelio Corvino s.p.d.


    Auch bei diesem Prüfling freue ich mich, dass er sich für die Dienst an den Göttern entschieden hat. Die Zugehörigkeit zu Deiner Familie verspricht großes Engagement und Pflichtgefühl.


    Mir wäre ein Termin nach dem Fest der Dea Dia recht, da ich an diesem als Arvalbruder beiwohnen muss. Danach jedoch liegt es allein am Prüfling, wann er das Opfer vollziehen will.


    Vide ut valeas!


    [Blockierte Grafik: http://img157.imageshack.us/img157/6083/siegelmtdsenatorhc0.gif]

    PRIDIE ID MAI DCCCLVIII A.U.C. (14.5.2008/105 n.Chr.)

    Auch Durus bekam einen Tropfen des reinigenden Wassers ab. Er fragte sich dabei (seltsamerweise zum ersten Mal), ob diese kleinen Tröpfchen Wasserflecken geben konnten, beziehungsweise ob Kleidungsstücke solche bekommen konnten (auf Glas hatte er schon einmal welche gesehen - was dem Sklaven, der zuständig gewesen war, nicht gut bekommen war).


    Dann begann auch schon die Opferhandlung selbst. Durus hatte irgendwie ein ungutes Gefühl: Nicht nur, dass ihm alles etwas gekürzt vorkam (obschon er das nicht mit Sicherheit sagen konnte, denn er hatte seit langer Zeit keiner Opferhandlung an die Göttertrias beigewohnt), auch der Kaiser selbst wirkte, als ob ihm irgendetwas nicht gefiele - blieb zu hoffen, dass die Götter das Opfer trotzdem akzeptierten und dies nur ein Gefühl des Tiberiers war.


    Während Durus dies und vieles mehr dachte, erklang die Frage des Schlächters, der ausnahmsweise kein Pontifex war - die Kunst des Schlachtens war für handwerkliche Laien doch zu komplex.


    "Agone?"

    Der Tiberier reckte erneut den Hals, als der Augustus aus der Sänfte stieg. Man konnte ihm ansehen, dass die letzten Tage anstrengend gewesen waren. Gemeinsam mit dem Rex Sacrorum und den übrigen Pontifices begrüßte er Valerianus und geleitete ihn in den Tempel.


    Die Zeremonie war prunkvoll, aber offensichtlich doch darauf ausgerichtet, den neuen Kaiser nicht zu überanstrengen. Kurz darauf traten die Priester mit ihrem zukünftigen Oberhaupt wieder aus dem Tempel und an den Altar. Durus sah, dass ein Collega das Rind persönlich herbeiführte, sodass Valerianus es begutachten konnte. Selbstverständlich war es bereits mehrfach überprüft worden, dennoch gehörte es zu den kultischen Vorschriften für den Opferherrn, das Tier selbst zu überprüfen.


    Durus selbst hielt eine Schale und eine Kanne mit Wasser, um dem Opferherrn eine rituelle Reinigung seiner Selbst zu ermöglichen. Der Umstand, dass die Pontifices selbst als Opferdiener auftraten, unterstrich die Bedeutung dieses Opfers auf augenscheinliche Weise.

    Der tiberische Pontifex war selbstverständlich direkt nach der Zeremonie auf dem Forum auf das Capitol gestiegen, wo er sofort einige Bekannte aus dem Cultus Deorum traf. Unter anderem erblickte er auch den Rex Sacrorum Fabius Antistes höchstpersönlich! Nur der Flamen Dialis war wieder einmal nicht erschienen - er laborierte ja seit Längerem an einer Krankheit.


    Nach dem Opfer würde möglicherweise Zeit sein, mit dem neuen Imperator Caesar Augustus - Durus stieß es immer noch auf, dass man diese Würde hergegeben hatte wie die eines Kellners in der Taverna Apicia - über religiöse Belange zu sprechen. Schließlich musste er ins Collegium Pontificium kooptiert werden, möglicherweise galt es auch Vorkehrungen für eine eventuelle Vergöttlichung des Iulianus zu treffen.

    "Ich denke nicht, dass es nötig ist. Er wird kaum etwas anderes sagen können."


    meinte Durus, da sich niemand äußerte. Immerhin hatte er nicht den ganzen Tag Zeit, bloß weil jeder hier sprechfaul war.

    Tiberius Durus folgte dem Claudier in den Tempel und ließ ebenfalls unauffällig ein paar Münzen in den Opferstock fallen. Im Inneren war es weitaus kühler. Das Aroma von Weihrauch lag in der Luft und Durus fühlte sich plötzlich sehr viel ruhiger als draußen auf der Straße.


    Gerade als Brutus gefragt hatte, erschien eine ältere Priesterin an einer Seitentür. Sie kam mit schnellen Schritten auf die beiden Männer zu und begrüßte zuerst Durus, dann Brutus.


    "Salve, Pontifex, salve Claudius! Verzeiht meine Verspätung - ich musste noch mit einem Libitinarius sprechen!"


    Der Pontifex erkannte sie als Rabuleia Nacca, die Vorsteherin dieses Tempels. Damit waren alle versammelt.


    "Wir können direkt beginnen!"


    meinte Durus daher - er hatte schließlich auch noch Anderes zu tun!

    Der Rex Sacrorum sah erstaunt auf, als er Gracchus' Einwand hörte. Dann jedoch blickte er zu Volturnius Leto, der sicherlich auch die zweckgebundenen Spenden verwaltete. Dieser blickte beschämt zu Boden, dann erhob er sich jedoch und räusperte sich.


    "Ich muss Flavius zustimmen. Wir haben 10 222 Sesterzen an Spenden für den Tempel des Mars Ultor - ich hatte das vergessen."


    Durus sah erstaunt auf. 10222 Sesterzen vergessen? Das klang aber nach einer ganz unsauberen Aktion! Genaugenommen klang das sogar nach Unterschlagung von Staatseigentum und Betrug am Bürger!


    "Du hast 10 222 Sesterzen vergessen, Volturnius?"


    fragte er ungläubig. Der Pontifex Minor wirkte weiterhin beschämt und meinte kurz


    "Nunja, bei der ganzen Debatte um Verewigungen und so weiter..."


    "Damit hätten wir diese endlosen Debatten übergehen können! Das ist ja ungeheuerlich!"


    "Nunja, es hätte ja auch andere renovierungsbedürftige Tempel gegeben..."


    Der Tiberier schüttelte den Kopf. Dieses ganze Geld war extra für den Tempel gespendet worden und nun wollte dieser kleine Verwalter es irgendwie umlenken? Also wirklich...


    "Dann würde ich vorschlagen, dass wir mit Germanicus Avarus in Verhandlungen treten. Er soll sich den Tempel ansehen und sagen, wie hoch die Kosten sein werden."


    warf Fabius Antistes ein und zustimmendes Gemurmel erhob sich. Durus wollte allerdings nicht, dass dem Germanicer zu viel freie Hand gelassen wurde - am Ende haute er sie alle übers Ohr!


    "Wir sollten ihm dabei allerdings auf die Finger sehen - Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Ich würde mich dazu bereit erklären."


    Wenn er es machte, konnte er sich wenigstens sicher sein, dass niemand bestochen wurde - Avarus war alles zuzutrauen!

    Übrigens, wenn ich meine Bücher nicht missverstanden habe, war die Wahl gar nicht offiziell auf den Senat beschränkt. Es scheint nur so gewesen zu sein:


    Der Senat durfte ja die Kandidaten aufstellen und hat eben dann nur so viele aufgestellt, wie zu wählen waren. Die "Volksabstimmung" (also wer überhaupt noch hin ist) hat dann eben die Wahl gehabt, ob sie die Liste bestätigt oder sie ablehnt und eine leicht modifizierte präsentiert bekommt - Einheitsliste also.


    In diesem Sinne ist unsere geringe Kandidaten-Zahl auch gar nicht so falsch :D
    Man könnte natürlich auch den Senat abstimmen lassen, ob Kandidaten zugelassen werden und dann gibts eine "Volksabstimmung".

    Auch Durus hatte mehr oder weniger beiläufig von dem Engagement des Aureliers gehört, sodass er seinen Patron nicht nur aus Klienten-Treue, sondern auch persönlicher Meinung unterstützte.


    "Ich unterstütze den Antrag des Vinicius Hungaricus! Auch mir kam seine große Aufopferung zu Ohren."


    meinte er daher nur kurz. Im Prinzip konnte er ohnehin nichts hinzufügen, aber wenn bekannt war, dass mehrere Senatoren hinter einer solchen Meinung standen, würde das vielleicht den Abstimmungs-Ausgang positiv beeinflussen.

    "Naja, dann hätte sie auch nichts gebracht."


    Ein wenig zufrieden stellte Durus fest, dass die Praetorianer von seiner Reaktion ziemlich beeindruckt waren. Vielleicht verstanden sie jetzt etwas besser, was diese Behandlung für ihn bedeutete. Weiter besänftigend wirkte auf ihn, dass der Centurio sofort einen Palast-Diener herbestellen ließ.


    Dennoch dachte er nicht daran, jetzt klein beizugeben und freundlich zu werden. Er verschränkte erneut die Arme und schwieg den Offizier an, bis der Palastdiener eintrat. Ein wenig mürrisch meinte er


    "Ja."


    und ließ sich von dem Diener in die Toga helfen. Zumindest würde er jetzt nicht unordentlich in die Sitzung kommen. Es dauerte aber dafür eine ganze Weile, bis die Toga wieder so saß, wie sie sitzen sollte. Dann sprach der Tiberier endlich wieder ein paar Worte.


    "Vergesst die Beschwerde nicht! Valete!"


    Damit rauschte er hinaus und in den benannten Saal, in dem die Sitzung stattfand.