Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Durus saß natürlich wieder einmal im Senatssaal und hörte sich das Gesetzeszitat des Germanicus an. Für ihn eine völlig klare Sache.


    "Nun, dafür gibt es natürlich eine sehr einfache Lösung: Der Praefectus Annonae kümmert sich um die Verwaltung der Annona, wie er es schon immer getan hat. Für den Aedil bleibt dann nur, dies zu überprüfen und nötigenfalls zu unterstützen.


    Das Amt des Praefectus Annonae wurde nämlich bereits vom göttlichen Augustus eingerichtet, um die Aedilen zu entlasten."


    Tatsächlich war es Durus klar, dass Augustus wohl nicht ganz so hehre Ziele mit dieser Einrichtung verfolgt hatte: Im Grunde hatte er damit nur dem Aedilen ein wenig Macht über die Plebs genommen und somit wieder wunderbar gezeigt, wie gut er sich um seine Leute kümmerte.


    Man musste es klar sehen: Im Prinzip war der Aedil nur noch für die Kontrolle von Bordellen und Garküchen zuständig - und natürlich für das Geldausgeben bei den großen Spielen des Jahres!

    Dass Senator Germanicus gegen ihn war, hatte er erwartet. Daher reagierte er sofort.


    "Nein, es geht nicht nur um bauliche Maßnahmen - obwohl diese natürlich auch ein wichtiger Punkt sind. Vielmehr denke ich an polizeiliche Aufgaben, für die heute angestellte Scribae verwendet werden.


    Er kann die Hilfstruppen nicht einmal hinzuziehen, wenn es um die Verfolgung einer Räuberbande geht. Stattdessen muss er einen Bitt-Brief an den Kommandeur der Truppe schicken, dieser müsste theoretisch den Imperator Caesar Augustus um Zustimmung bitten. Oder es könnte der Fall eintreten, dass der Kommandeur schlichtweg im Streit mit dem Statthalter liegt und sich weigert, dessen Bitte nachzukommen.


    Tatsächlich kann ein Statthalter nicht einmal die öffentliche Ordnung aufrechterhalten: Bei einem Konflikt wie in Hispania beispielsweise wäre er auf einfache Milizen angewiesen, während er eventuell bestens ausgebildete Soldaten in seiner Provinz beherbergt.


    Der Statthalter benötigt überhaupt keine langjährige Ausbildung - obwohl ich mir nicht sicher bin, ob jeder Kohortenpräfekt diese besitzt. Und militärische Grundkenntnisse dürfte ein römischer Senator ohnehin besitzen - soweit er anständig erzogen wurde."

    Nachdem die Auspicia eingeholt worden waren, machte sich Durus auf, den Senat zu betreten. Man begann mit den üblichen Eröffnungsprozeduren, dann war der Tiberier endlich an der Reihe.


    "Patres conscripti!


    Ich möchte am heutigen Tage über den § 5 der Lex Provincialis sprechen. Bekanntermaßen wurde dort festgelegt, dass es Proconsuln nicht gestattet ist, einer militärischen Einheit Weisungen zu erteilen.


    Seit der Einrichtung der Provinz Sicilia unter dem Consulat des Lutatius Catulus ist es Sitte, dass ein Statthalter zur Verwaltung seiner Provinz das Militär einsetzt. Ein Census in einer Großprovinz wie Asia ist wohl kaum durchzuführen, ohne auf die helfenden Hände der Cohors II Treverorum miliaria zurückzugreifen, ebenso ist es in Hispania.


    Ich weiß, dass man seit der Reform versucht, sich hauptsächlich auf zivile Angestellte zu stützen, doch die Frage ist, ob dies sinnvoll ist: Die Soldaten, die teilweise perfekt administratorisch ausgebildet sind, haben kaum etwas zu tun, während das Aerarium Unsummen an Verwaltungskosten ausgibt.


    Natürlich wissen wir alle, dass der Princeps höchstpersönlich das Imperium Proconsulare Maius hat und damit über alle Truppen des Reiches kommandiert. Aber wie er das Kommando in seinen eigenen Provinzen an Legati abgibt, könnte er zumindest das Unterkommando über Auxiliar-Einheiten den Proconsuln überlassen, soweit dort Truppen stationiert sind."


    Durus hatte leichte Schweißperlen auf der Stirn, denn was er hier ansprach, war ein heißes Eisen. Die Rechte des Imperators selbst wurden hier eventuell angetastet, aber dieser war immerhin weit weg - und noch war der Senat nicht ein reines Abnick-Organ des Princeps (zumindest in Durus` Vorstellung). Nun wartete er gespannt auf Kommentare, vor allem von den ehemaligen Statthaltern.

    Durus nickte langsam. Offensichtlich wollte Sabina mit 19 heiraten - kein schlechtes Alter, aber es war seiner Meinung nach im Prinzip schon jetzt Zeit. Zu dem Abendessen fiel ihm jedoch ein, dass er just an diesem Abend eine andere Einladung hatte - und es handelte sich dabei um den Praetor Peregrinus höchstpersönlich, also tat er gut daran, diese Einladung wahrzunehmen.


    "Für heute Abend müsstest du dir leider eine andere Begleitung suchen - ich wurde von Peducaeus Priscinus, meinem Amtskollegen zum Essen eingeladen - ich kann dort unmöglich absagen!"

    Durus wohnte dieser wichtigen Sitzung selbstverständlich ebenfalls bei - war allerdings weitaus weniger überrascht als alle anderen (aus verständlichen Gründen). Stattdessen lehnte er sich zurück und beobachtete die älteren, wohlgenährten Herren, die von der Vorstellung, einen ausgewachsenen Stier auf dem Rücken zu transportieren, erblassten.
    Auch der Praetor fand dies hart - aber immerhin war die Obervestalin ermordet worden! Da musste man im wahrsten Sinne des Wortes "Opfer bringen"!


    "Da wir das Opfer auf dem Capitol darbringen müssen und das Pomerium umrunden, sollten wir selbstverständlich dort beginnen. Als Richtung kommt meiner Meinung nur 'rechts' in Frage."


    mischte er sich dann jedoch doch ein, auch wenn dies nicht im Beschluss des Collegium Pontificium festgehalten war.

    Durus nahm den Brief und las langsam. Cincinnatus...woher kam ihm dieser Name nur bekannt vor? Hatte der ihn nicht vor kurzem besucht? Richtig!


    "Dir sei es gestattet, ihn zu besuchen."


    meinte er dann knapp und gab den Brief zurück, ehe er eine weitere Frage hinzufügte.


    "Hat übrigens dein Vater geschrieben?"

    Gnaeus Iulius Cincinnatus? Irgendwie kam ihm dieser Name doch bekannt vor...und nicht nur von jenem großen Politiker vor längst vergangenen Tagen. Dabei fiel ihm auf, dass Tiberia Sabinas Mutter offensichtlich eine Iulierin war...


    "So, worum geht es denn?"


    fragte er daher - schließlich hatte er weder Kenntnis von Sabinas, noch von Cincinnatus' Brief.

    Sim-Off:

    sorry - irgendwie übersehen :(


    Durus hatte tatsächlich ein Schreiben entdeckt, das sehr wichtig wirkte und überflogen wurde, während Cincinnatus sich vorstellte. Daher hörte er auch nur halb zu und verstand so etwas wie 'Ich möchte etwas von dir.'. Daher sah er Cincinnatus erwartungsvoll an.


    Erst am Ende kam er dazu, die Worte des Iuliers aufzunehmen. Tatsächlich erinnerte ihn der Name an die Verlobte von Quintus...ob sie verwandt waren? Wo allerdings die anderen Iulier steckten - da hatte Durus keine Ahnung. Für ihn war diese Familie weitestgehend ins politische Abseits geraten und war kaum noch irgendeiner Aufmerksamkeit würdig...


    "Und weiter?"


    Er nahm an, dass jetzt die Bitte folgen würde, sein Patron zu werden...

    Durus zuckte fast ein wenig zusammen, als Finn seinen Verteidiger plötzlich anspuckte. Er überlegte, ob er etwas zum Thema "Verhalten vor Gericht" sagen, sollte. Dann kam ihm jedoch, dass es wohl zum einen nichts nützen würde und zum andern nur den Betrieb aufhalten würde.


    "Gut, dann bitte ich um das Schlussplädoyer der Anklage!"


    Dieses Plädoyer war völlig sinnlos, wie er befand, denn die Anklagerede war erst vor wenigen Minuten gehalten worden. Aber der Form musste Recht getan werden.

    "Ja, das solltest du tun."


    stellte Durus fest und horchte auf, als sie von Alexandria erzählte.


    "Ich habe dort meine Kindheit verbracht - was für ein Zufall!"


    Aber dass ihr Rom besser gefiel, konnte er ebenfalls nachempfinden. Alexandria war imposant - zweifelsohne! Aber Rom war doch römisch imposant - und das fand Durus viel besser.

    Ich muss mich weitestgehend für den nächsten Monat einschränken, da ich Klausuren schreib. Kann sein, dass ich in einer Lernpause auch aktiver bin, werde aber wohl nix neues anfangen bis dahin.


    Der Prozess wird noch weiterlaufen (da kümmer ich mich schon drum).

    Durus sah hin und her. Offensichtlich hatte man Quintus gebeten, die junge Dame zu beaufsichtigen - was nach Durus' Meinung keine gute Idee war, denn soweit er sich an seine Schwestern erinnerte, hatte sich deren Begeisterung für Militär-Lager eher in Grenzen gehalten.


    "Ich weiß nicht...Quintus ist zum Legaten der Legio I bestellt worden - ich nehme an, dass er in nächster Zeit nicht nach Rom zurückkehrt. Ich würde Dir anbieten, mich als Dein Vormund zur Verfügung zu stellen - wenn Deinem Vater das recht wäre..."


    Der Praetor hatte eine geradezu väterliche Schwäche für junge Verwandte, daher kam ihm diese Idee spontan. Abgesehen davon konnte man sie dann sicher besser manipulieren und eventuell für ein politisches Bündnis hergeben...


    Aber das ließ er nicht nach außen dringen - die Fassade lächelte nur freundlich!

    Nachdem Durus den Gast abgefertigt hatte, wurde er gleich mit der nächsten Sache behelligt. Da es sich jedoch um Familie handelte, machte er keine Pause, sondern suchte sofort den Garten des Anwesens auf, der im hinteren Teil lag.


    Überrascht stellte er bereits von Ferne fest, dass eine Menge Personen herumstanden - unter anderem der Lakai von Quintus. Er kannte Tiberia Sabina kaum, weshalb er sich das Mädchen zuerst ansah. Sie war recht hübsch (wie es in der tiberischen Familientradition lag ;)), aber bot wenig Ähnlichkeit zu Tiberius Gratianus.


    Noch einmal strich er seine Senatoren-Tunika mit den breiten Purpurstreifen glatt, dann trat er heran.


    "Salvete! Ich bin Tiberius Durus und du musst Tiberia Sabina sein!"


    Damit trat er an seine Verwandte heran und gab ihr den obligatorischen Begrüßungskuss auf die Wange.


    "Was treibt Dich hier her, wenn ich fragen darf?"


    fragte er dann.