Der Cellarius ließ nun eine Fuhre feinen Wein bringen, während Durus einen etwas unsicheren Gesichtsausdruck aufsetzte.
"Ich weiß es nicht. Quintus erwähnte in seinem Brief nichts davon. Aber jetzt, wo Du es sagst...es ist tatsächlich überraschend. Möglicherweise wurde er in eine andere Legion versetzt..."
"Nunja, das wird sicher später mit den nächsten Acta Diurna bekannt werden, mein lieber Tiberius."
erwiderte Vibulanus lächelnd und nahm sich etwas vom hispanischen Roten, den die Tiberier ständig aus ihren Weingütern importieren ließen - besonders die Südhänge lieferten einen hervorragenden Wein für laue Sommer-Abende. Solche gab es aber zur Zeit nicht, daher schlug der tiberische Senator vor
"Soll ich den Wein etwas temperieren lassen?"
"Nein, danke."
antwortete der fabische Familienvater, während seine beiden Begleiterinnen ein
"Oh, sehr gerne - Fabia?"
"Für mich bitte auch."
vernehmen ließen.
Sofort winkte Durus einen Sklaven herbei und gab die Wünsche der Gäste bekannt. Neben seiner hervorragenden Weinkenntnis hatte Oinophlyx auch ein sehr gutes Händchen beim Mischen von Würzweinen, die Durus besonders im Winter gern zu sich nahm.
"Warst Du eigentlich beim Bona-Dea-Ritus beteiligt?"
beschloss Durus nach längerem Schweigen direkt die Tochter anzusprechen, um zumindest die Stille zu unterbrechen, die nach dem Gespräch entstanden war. Außerdem wollte er gern ein wenig mehr über sie erfahren...
"Nein, nein - vielleicht im nächsten Jahr."
"Ich wurde geladen. Aber ich bin sicher, dass die Neue Fabia hinzuziehen wird, wenn sie erst verheiratet ist - du musst wissen, dass die meisten Anwesenden verheiratet sind - soweit sie keine Vestalinnen sind zumindest."
Durus wusste, dass er nicht weiterzufragen brauchte - der Bona-Dea-Ritus war seit Jahrhunderten ein geheimes Ritual, bei dem nur Frauen zugelassen waren. Daher war es schon fast geschwätzig, wenn Aemilia etwas von der Gästeliste erzählte...und eigentlich auch etwas neugierig für den Pontifex, weiter nachzufragen.
"Werdet ihr die Saturnalien in Rom sein? Vielleicht gemeinsam mit den Fabii Antistes feiern?"
Der Rex Sacrorum war bekanntermaßen ein Verwandter des Fabius Vibulanus...soweit er wusste, handelte es sich um den Vetter. Allerdings war der Opferkönig beiweitem älter als Vibulanus...
"Nein, wir bleiben natürlich zu Hause. Schließlich wollen wir unseren Sklaven die Freude gönnen. Außerdem können wir so unsere Verwandtschaft - eben auch Gnaeus - besuchen. Er hat übrigens lobend von dem neuen Flavier und dir gesprochen."
Durus lächelte geschmeichelt. Gracchus war tatsächlich ein tatkräftiger und erfahrener Priester, aber er war sich nicht sicher, ob seine Erwähnung dem Rex Sacrificulus nur von Vibulanus in den Mund gelegt wurde, um ihm zu schmeicheln.
"Entrichte ihm meine Grüße, wenn Du ihn wieder siehst."
meinte er schließlich. So plauderten die beiden Senatoren noch ein wenig weiter, tranken den Wein - auch Durus hatte sich inzwischen für die warme, gewürzte Variante entschieden und politisierten ein wenig vor sich hin. Schließlich kam ein Sklave und füllte die Öl-Kandelaber auf, deren Leuchten um diese Zeit die einzige Lichtquelle war.
"Quintus, es ist spät."
meinte Aemilia Lepida bei diesem Anblick und auch die Augen von Fabia Vibulana wirkten etwas müde. Fabius, der gerade mit Durus über die Frage der Marstempel-Renovierung diskutiert hatte, hielt inne und sah zu den beiden Damen.
"Oh, nunja..."
Dann lächelte er Durus entschuldigend an.
"Wie Du siehst, sind die Damen müde. Vielleicht führen wir das Gespräch ein andermal fort. Ich wäre froh, Dich in den nächsten Tagen in meinem Haus bewirten zu dürfen."
"Es wäre mir eine Freude."
erwiderte Durus und lächelte ebenfalls. Gleichzeitig stellte er aber insgeheim fest, dass Fabia Vibulana offensichtlich nicht besonders durchhaltefähig war - dies war eine Eigenschaft, die für eine Frau in der Gesellschaft manchmal wichtig war. Schließlich war eine Frau dazu da, Kontakte zu halten, zu denen der Ehemann keine Zeit hatte!
"Dann wünsche ich Euch einen guten Abend und einen sicheren Nachhauseweg!"
So verabschiedeten sich die drei Fabier schließlich von Durus und er geleitete sie noch zur Tür, wo ein paar kräftige Sklaven mit einer Sänfte warteten.

