Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Ein Fest, genau...das war keine schlechte Idee und eigentlich hatte er sowieso schon mit dem Gedanken gespielt! Da konnte er auch gleich seine Kandidatur zum Praetor bekannt geben.


    "Nun, soweit ich weiß, hat er noch keinen. Er ist gerade erst hier angekommen."


    musste er zugeben. Insgeheim hoffte er ja, dass er sein eigener Klient werden würde...aber das konnte er natürlich nicht wirklich fordern!


    Ob er auch seine CH-Pläne bekannt geben sollte? Nunja, besser, Hungaricus wurde nicht davon überrascht.


    "Übrigens wollte ich Dich noch um Deine Meinung dazu fragen, was Du davon hieltest, wenn ich im nächsten Jahr zum Praetor kandidiere."

    Hm, da hatte der junge Mann Recht...andererseits lernte man schnell die wirklich wichtigen Dinge Roms kennen...das Herz der Stadt war doch kaum größer als es noch zu princeps-losen Zeiten gewesen war.


    "Hm, vielleicht wäre es eine gute Idee, ein paar bekannte Senatoren einzuladen um Dich etwas in die Gesellschaft einzuführen - kennst du bereits ein paar?"


    fragte er Valens, da er von dessen bisherigen Erlebnissen wenig wusste...die jungen Leute heutzutage redeten einfach wenig...

    "Gutgut."


    meinte Durus und überlegte einen Augenblick. Eigentlich hatte er nichts mehr sonst, also...


    "Wann darf ich ihn Dir also vorstellen? Soll ich Dich gemeinsam mit ihm erneut besuchen? Oder darf ich Dich in mein bescheidenes Haus einladen?"


    Der Tiberier wusste ja nicht um den Terminkalender seines geliebten Patrons...

    Durus sah Sophus mit steinerner Miene an.


    "Ich bin sein Fürsprecher. Selbstverständlich hat dieser junge Mann in diesem Alter noch derartige Verdienste vorzuweisen wie du es tust, Aurelius.
    Ich werde auch erklären, warum ich ihn trotz seiner noch geringen Verdienste für diese Bruderschaft empfehle: Die Einstellung ist das, was hier zählt. Tiberius Valens möchte hier der Guten Göttin und damit allen Unsterblichen dienen, wie auch du es tust.


    Es ist wohl bekannt, dass zahlreiche Fratres ihren Pflichten nicht nachkommen, obschon sie zahlreiche Verdienste erworben haben. Verdienste sind das eine, Pflichtgefühl jedoch das andere. Das Pflichtgefühl erkenne ich bei Valens bereits, die Verdienste werden kommen, davon bin ich überzeugt."

    Durus erhob sich prompt. Er hatte seine Hausaufgaben gemacht. So warf er wie immer einen letzten Blick auf seine Notiz-Tabula, korrigierte kurz noch einmal den Sitz seiner Toga und trat in die Mitte des Gerichtssaals, von wo aus seine deutlich vernehmbare Stimme erschallte.


    "Quirites, Römer, verehrter Iudex, Tribun,


    Wie bekannt, geht es am heutigen Tage um die Anfechtung des Edictum des Praefectus Urbi Octavius Victor. Hierbei wird meinem Mandanten, dem ehrenwerten Tribunus Laticlavius und Senator Quintus Tiberius Vitamalacus, der zur Zeit für die Sicherheit Roms gemeinsam mit unserem geliebten Imperator im Felde steht, eine Geldstrafe von 2845 Sesterzen und drei Assen verhängt. Und dies aufgrund der Tatsache, dass er im Besitz eines Lignarius, also eines Sägewerks, ist, was ihm laut Edikt jedoch durch den Paragraphen III, Absatz 5 der Lex Mercatus verboten sei.
    Dieser Absatz verbietet Patriziern und Senatoren den Besitz von nicht-landwirtschaftlichen Gütern, beziehungsweise Betrieben, die deren Produkte direkt weiterverarbeiten.


    Mein Mandant und ich sind allerdings der Meinung, dass es sich bei einem Sägewerk um einen einen landwirtschaftlichen Betrieb handelt. Somit muss heute die Frage entschieden werden, ob es sich bei einem Sägewerk um einen nach dem Gesetz gestatteten Betrieb handelt oder nicht.


    Zuerst möchte ich hierzu auf die Intention des Gesetzes eingehen, um dieses besser verständlich zu machen. Bekanntlich wurde es mit dem Ziele der Rückbesinnung auf die Mores Maiorum verabschiedet.
    Seit Beginn dieser Stadt bestand das Volk der Quiriten aus Bauern, die durch ihre harte Arbeit der Natur ihren Lebensunterhalt abtrotzten. Ihre Arbeit bildete das Fundament, auf dem wir heute unser großartiges Imperium begründet haben. Nicht zuletzt Cincinnatus, jener Diktator glorreicherer Tage, galt und gilt als leuchtendes Beispiel des Staatsmannes, der einerseits mit dem Pflug, andererseits der Waffe in der Hand für sein Vaterland arbeitet. In diesem Geiste sollte das Gesetz also die einflussreichen Schichten, die ja ein beispielhaftes Vorbild für alle Römer sein sollen, an die glorreiche Zeit erinnern.
    Nun gibt es seit jener Zeit, in der unsere Vaterstadt gegründet wurde, nur einen Weg, der Natur Acker- und Weideland abzutrotzen, nämlich durch die Rodung der Wälder. Die Kultiviertheit des italischen Bodens ist strahlendes Zeugnis der Arbeitsamkeit unserer Vorväter. Betrachten wir im Vergleich dazu Hispania, müssen wir feststellen, dass die Landschaft dort weitaus weniger kultiviert ist und daher eben jener Rodung bedarf, durch die unsere Väter uns die bequeme italische Landwirtschaft ermöglichten."


    Nach dieser etwas längeren Einleitung machte Durus eine kleine Pause und sah ins Auditorium, wo er auch Valens entdeckte. Er zwinkerte ihm kaum merklich zu, dann fuhr er fort.


    "Das Sägewerk meines Mandanten befindet sich in dieser kultivierungsbedürftigen Provinz, wo er ständig seine Weinberge erweitert, mit denen er nach alter Väter Sitte wirtschaftet.


    Nun fragt sich, ob ein Sägewerk neben dieser ideellen Übereinstimmung mit dem Gesetz auch eine faktische aufweist. Wie wir aus dem Kommentar meines Kollegen Caecilius Metellus wissen, handelt es sich bei Landwirtschaft um die 'zielgerichtete Erzeugung von pflanzlichen oder tierischen Produkten auf einer bewirtschafteten Fläche'. Zum präzisen Vergleich werde ich diese Definition nun zerlegen und die einzelnen Punkte auf die Holzwirtschaft anwenden:


    Als Ziel der Holzwirtschaft meines Mandanten darf die Gewinnung von Anbauflächen für seine Weinwirtschaft, aber auch die von Brenn- und Bauholz betrachtet werden.
    Von 'Erzeugung' kann dahingehend gesprochen werden, dass Weinberge insbesondere in Hispania nicht einfach natürlich vorkommen, sondern durch aufwändige Rodung der Natur abgetrotzt werden müssen. Ebenso findet sich Brenn- und Bauholz nicht einfach im Wald, vielmehr muss es geschlagen, zerkleinert und getrocknet werden, um es nutzbar zu machen.
    Vom Holz als pflanzlichen Produkt muss ich kaum sprechen, ebenso von der bewirtschafteten Fläche, dem Wald.
    Hier jedoch ergibt sich das Problem, vor dem wir stehen: Kann auch der Weinberg als pflanzliches Produkt gesehen werden? Vielmehr ist es doch der Grundstock der Landwirtschaft, ist also eindeutig eben dieser zuzuordnen.


    Nun könnte man argumentieren, dass Holz kein landwirtschaftliches Produkt ist, da es ja von selbst aus dem Boden schießt.


    Bei Betrachtung der Arbeitsvorgänge der Holzwirtschaft wird jedoch deutlich, dass das Brenn- und Feuerholz ein Nebenprodukt der Weinwirtschaft meines Mandanten sind. Da der caecilische Kommentar leider nicht auf die Bedeutung von Nebenprodukten eingegangen ist, muss der Praetor wohl durch dieses beispielhafte Urteil eine Regel aufstellen.


    Dennoch möchte ich kurz auf die generelle Handhabe bei Nebenprodukten in der Viehwirtschaft hinweisen. Dort werden ebenfalls tierische Erzeugnisse, die nicht steuerbar erzeugt werden, von den Farmbesitzern verkauft - auch von Senatoren und Patriziern.
    Als Beispiel möchte ich Eier anführen. Sie fallen als Nebenprodukt der Hühnerzucht an, da der Bauer sie nicht bewusst erzeugen kann. Sie entstehen selbstständig, wie auch die Bäume auf dem potentiellen Ackerland des Landwirtes entstehen. Dennoch ist ihr Verkauf legal.


    Folglich sind mein Mandant und ich der Meinung, dass im Weinbau-Sektor nicht anders vorgegangen werden kann und darf."


    fragte er schließlich nach seinem langen Vortrag und sah hinauf zum Praetor, dann ins Publikum und schließlich zu Avitus.



    /edit: Tiberius, nicht Octavius ;)

    Sim-Off:

    Hm, eigentlich hätte ich es als vorher eingeschätzt, da Sophus und Iuvenalis nicht abgestimmt haben, aber im Prinzip ist auch Valens' Standpunkt einleuchtend...darfst das letzte Post editieren, würde ich sagen...


    Durus sah missbilligend zu Sophus, der hier seinen geliebten Schützling heruntermachte.

    Durus hatte lange darüber nachgedacht. Er kannte inzwischen die meisten Senatoren, einige sogar so gut, dass er sicher war, dass sie ihn wählen würden. Außerdem hatte er ja noch einen einflussreichen Patron in der Hinterhand...


    "Ich hoffe ebenfalls das Beste. Sicherheitshalber werde ich Fortuna noch einmal opfern."


    meinte Durus und setzte dieses Opfer auf seine To-do-Liste.


    "Und du? Hast du dich inzwischen in Roma eingelebt?"

    "Er wollte als Advocatus tätig sein, was ja den Cursus Iuris vorschreibt."


    erklärte Durus und ihm wurde plötzlich klar, dass er völlig vergessen hatte, Valens mitzubringen.


    "Ich werde ihn Dir gern vorstellen, Patron. Und natürlich ist es keine automatische Erhebung, aber immerhin bist Du Klient des Kaisers, was man von mir nicht behaupten kann."


    kam er dann auf seinen Verwandten zurück.


    "Ich hoffe, dass Dein Wort den Kaiser mehr beeindrucken wird als das meine."

    "In der Regia am Forum. Da sitzt die gesamte Verwaltung. Wir können ja morgen zusammen hingehen, wenn du willst."


    erklärte Durus und war etwas enttäuscht ob der Reaktion aller anderen. Immerhin war die Kandidatur zur Praetur schon eine besondere Sache...nunja, vielleicht verstanden Frauen einfach zu wenig davon... (:D)

    Durus war recht überrascht, als er von der Einladung hörte - also könnte der Aelier Gedanken lesen (:D).


    "Auch ich würde mich freuen, Dein Gast sein zu dürfen. Vielleicht wirst Du auch bald einen Gegenbesuch machen können...gibt es denn einen speziellen Anlass?"


    Wenn er Aelius besuchen konnte, konnte er sein Wahlkampf-Gastmahl vielleicht auf eine reine Senatoren-Runde beschränken...obwohl, Callidus kannte sicher einige Senatoren...

    Durus nickte und freute sich für seinen Patron und besonders für Livia. Misenum war herrlich um diese Jahreszeit und vielleicht sollte er sie besuchen...wenn nur diese Senatssitzungen nicht wären...


    "Oh, das freut mich."


    kommentierte er daher die Ausführungen.


    "Vor kurzem ist ein Verwandter nach Rom zu mir gekommen. Er wartet zur Zeit darauf, dass er seinen Cursus Iuris ablegt. Caius Tiberius Valens ist sein Name. Er würde gern den Cursus Honorum beschreiten, wie er mir offenbahrte. Da sein Vater jedoch unglücklicherweise nicht dem Ordo Senatorius angehörte, wollte ich Dich als meinen Patron bitten, bei ihm beim Kaiser fürzusprechen. Er entstammt einer Familie von Militärs und ich kenne ihn als zuverlässigen, den Sitten unserer Väter verschriebenen jungen Mann.


    Da Du ja eine gute Beziehung zum Augustus pflegst - viel besser als die meine - wollte ich Dich um diesen Gefallen bitten."


    erklärte Durus dann sein eigentliches Anliegen. Zwar war es sehr plötzlich, aber Valens war ja auch sehr daran gelegen...

    Fieberhaft dachte der Tiberier weiter nach. Ihm kam spontan jedoch immernoch kein Gesicht. Naja, vielleicht hatte er den Namen irgendwo in den Acta Diurna oder sonstwo gelesen...


    "Hm, ich fürchte nein. Du möchtest eine Einschätzung seiner Würdigkeit für diesen Stand?"


    Duumvir in Mantua...da kam ihm eigentlich nur einer in den Sinn...der Decemvir litibus iudicandis! Der Tiberier hatte ihn damals bei der Cena der Aurelier getroffen...oder waren es die Claudier gewesen? Naja, die Claudier hatten schon ein wenig verquere Ansichten...


    "Wenn es darum geht, dann möchte ich Dich an Aurelius Corvinus, den Vigintivir verweisen. Er war ebenfalls Duumvir in Mantua und hat sicherlich gute Verbindungen nach dorthin.


    Meine unmaßgebliche Meinung wäre allerdings, dass er in jedem Falle seine Amtszeit zuende bringen sollte, ehe er versucht, in Rom Karriere zu machen."

    Kaeso Annaeus Modestus? Durus kam der Name tatsächlich irgendwie bekannt vor, aber er konnte ihn nicht zuordnen.


    "Hm, ich habe das Gefühl, ihn schon einmal irgendwo gehört zu haben. Kannst Du mir vielleicht einen Tip geben, wo ich ihn einordnen kann?"


    Vielleicht ein Mandant bei einer Gerichtsverhandlung? Oder auf dem politischen Parkett? Aber er kannte spontan überhaupt keinen Annaeer im Senat...

    "Nein, nein, ich freue mich über Deinen Besuch. Darf ich Dir etwas zu trinken anbieten? Oder einen Happen zu Essen?"


    Er winkte einen Sklaven herbei, während ihm in den Kopf kam, dass Callidus ihn tatsächlich noch nie einfach so besucht hatte. Genaugenommen war ihre Bekanntschaft furchtbar gepflegt, weshalb der Tiberier beschloss, dies bei Gelegenheit zu ändern.


    "Und ich muss Dir zustimmen. Diese Karriere hat mich selbst am meisten überrascht. Wobei ich Dir gleich eine neue Neuigkeit überbringen darf: Der Rex Sacrorum hat meine Bereitschaft zur Ernennung zum Pontifex erfragt! Ich glaube, selbst der göttliche Iulius Caesar* wäre bei meiner Glückssträhne vor Neid erblasst!"


    Ein wahrhaft komischer Vergleich zwischen dem vergöttlichten Glückspilz, den Fortuna so plötzlich an den Iden des März verlassen hatte, aber er kam dem Tiberier gerade so in den Kopf.


    "Aber sicher ist Deine Zeit an solch einem Tag knapp bemessen. Was möchte der Kaiser denn von mir?"

    Als ein Sklave auf ihn zukam und ihn nach vorn bat, war Durus überrascht. Offensichtlich funktionierte das Erkennen und Klassieren von Klienten hier weitaus unauffälliger als zu Hause. Rasch ging er an den armseligen Gestalten, die auf ihr Frühstück warteten, vorbei zum Stuhl des Viniciers.


    "Salve, Patron!"


    erwiderte Durus die Begrüßung von Hungaricus.


    "Natürlich. Dafür hat man mich dorthin berufen."


    beantwortete er dann die Frage. Ob sein Patron damit einen Tadel, dass er zur Salutatio gekommen war und ihn nicht einfach nach der Senatssitzung abgefangen hatte, verbarg, konnte der Tiberier nicht einschätzen. Aber im Prinzip war es auf diese Weise sicherer.


    "Aber als Klient ist es meine Pflicht, mindestens gelegentlich in Deinem Hause zu erscheinen und Dir meine Aufwartung zu machen. Und dies mache ich gern, zumal es mich doch brennend interessiert, wie es Deiner Frau und Deiner Tochter geht. Ich habe Livia lange nicht gesehen."


    erklärte er sicherheitshalber doch noch.

    Durus spührte die Hitze auf seinem Gesicht und an den Armen, als das Feuer Besitz von dem Scheiterhaufen ergriff. Unwillkürlich wich er einen Schritt zurück, dann starrte er weiter in die Flammen, die nun langsam den Körper des alten Consuls zerstörten. Man konnte ihn allerdings nur als Schatten zwischen dem Feuer ausmachen, was sicherlich auch gar nicht schlecht war - das Aussehen von verbrannten Leichen war dem Tiberier noch aus Anwalts-Zeiten bekannt.


    Langsam brannte das Feuer herunter und Durus konnte das Totenbett nicht mehr ausmachen, als die Flammen die Überreste des Scheiterhaufens freigaben. Nun würde es nicht mehr lange dauern...