Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Nun erschienen Sklaven mit verschiedenen Köstlichkeiten. Nichts außergewöhnliches, aber immerhin Fleisch, Brot, Garum...eben ein gemütliches, reichhaltiges Abendessen, wie es wohl in den meisten römischen Senatorenfamilien gereicht wurde.


    "Und wie geht es deiner Mutter, Camilla?"


    Zwar kannte Durus die Frau nicht, aber Fragen kostete ja nichts...

    Am späteren Morgen eines schönen Tages erschien Durus ausnahmsweise persönlich bei der allmorgendlichen Salutatio seines Patrons Vinicius. Da bereits zahlreiche weniger einflussreiche Männer vor ihm dagewesen waren, musste er sich hinten anstellen, denn es wäre wohl kaum schicklich gewesen, sich mittels der mitgebrachten Sklaven den Weg nach vorn freizukämpfen. Die kräftigen Burschen warteten lieber draußen. Auch die Milites der CU hatten ihn hierher verfolgt. Jedoch auch sie konnten überzeugt werden, dass das Haus eines Consulars, bei dem sicherlich ihre Kollegen Wache hielten, sicher war.

    Durus sah zum Praetor. Er war sich nicht sicher, ob er bereits jetzt alles auffahren sollte.


    "Oder die Eier, die der Bauer hegt und pflegt und sät. Eine Trennung von Holz- und Landwirtschaft ist genauso absurd wie eine Trennung von Vieh- und Landwirtschaft."


    bemerkte er schließlich doch. Der Praefectus Urbi - oder sein Vertreter, dessen Namen sich der Tiberier notieren ließ, wollte sich also die Blöße geben.

    Durus verzog das Gesicht. Es war schlimmer, als er es erwartet hatte. Wortklauberei statt Juristerei? Und dann den Vorschlag der Ratenzahlung? Wie bei einem teuren Gut, bei dem man den Käufer übers Ohr haut...


    "In keinster Weise. Mein Mandant hat keinen Einspruch erhoben, weil er nicht so viel Geld auf einmal aufbringen kann, sondern weil er sich zu Unrecht bestraft fühlt.


    Die einzige Einigung, zu der wir bereit wären, ist die Einsicht der Gegenseite, dass es sich bei einem forstwirtschaftlichen Produkt gleichzeitig um ein landwirtschaftliches Produkt handelt, genauso wie es sich bei Vieh- und Weidewirtschaft um Landwirtschaft handelt."

    Durus verfolgte das Kennenlernen der beiden Tiberierinnen und war doch etwas erstaunt. Albina hatte noch eine Schwester? Eine Halbschwester genaugenommen? Das war schon eine Neuigkeit...


    Da die Stimmung etwas zu kippen drohte, ließ Durus auftragen:
    Sklaven brachten lukanische Würste, Brot, ein wenig Gemüse - ein einfaches Abendessen eben!
    Der Senator erhob seinen Becher - zu diesem Anlass wurde nicht das feine Tafelsilber verwendet.


    "Dann können wir ja eine kleine Familienzusammenführung feiern!"


    Er lächelte versöhnlich in die Runde, bevor es zu einem Streit um die Mutter kam.

    Durus war beleidigt. Der Praefectus Praetorio tat gerade so, als wäre der Senat eine Quasselkiste, die das Reservoir für ein paar Amtsträger bildete...er nahm sich vor, sich stärker für die Bedeutung des Senats einzusetzen um diesen Aufsteigern, die glaubten, der Kaiser wäre die alleinige Autorität im Reich, ein Riegel vorzuschieben. Immerhin war sein Patron damals Senator gewesen...


    "Eben eine solche Entscheidungshilfe wollte ich ja beantragen."

    Da diese Bemerkung eindeutig auf ihn gemünzt hatte - offensichtlich waren seine Worte doch etwas laut gewesen - beschloss Durus, noch etwas zu sagen.


    "Ich zweifle keinesfalls an Deiner Loyalität oder Deiner Person, Caecilius. Der einzige Grund für die Ablehnung Deines Vorhabens ist die, dass unabhängig von Deiner Person dadurch eine Machtkonzentration entsteht, die die res publica stets abzuwenden versuchte, indem sie alle Ämter kollegial gedacht hat.


    Ich hatte auch immer das Nebeneinander von Cohortes Urbanae und Praetoriae mit verschiedenen Oberkommandierenden als solches vestanden.


    Wie gesagt, Du darfst es nicht als Kritik an Deiner Person oder Deiner Loyalität verstehen, vielmehr als grundsätzlichen Einwand. Und aus diesem Grunde wäre mir eine Neubesetzung der Stadtpräfektur sehr am Herzen gelegen."


    Er setzte ein Lächeln auf, das ihm nicht hundertprozentig gelang.

    Durus erhob sich sofort und strich noch einmal seine Toga glatt. Erst danach warf er einen kurzen Blick auf die Notiz-Tabula und trat vor. Nach einem leisen Räuspern setzte er an.


    "Ich stehe heute vor Euch, um meinen Vetter Quintus Tiberius Vitamalacus zu vertreten, da dieser im Augenblick zum Schutze des Imperiums im Felde steht.
    Gegen eben diesen hochverdienten Senator wurde vor geraumer Zeit ein Edikt des Praefectus Urbi verhängt."


    Der Scriba reichte ihm das Edikt, beziehungsweise dessen Abschrift, sodass der Advocatus diese hochhalten konnte.


    "Dabei wird er folgenden Vergehens beschuldigt: Das Führen eines Lignarius, also die Unterhaltung eines Sägewerks auf seinen Landgütern verstieße gegen Paragraph 3, Absatz 5 der Lex Mercatus. Der Betrieb wäre also ein nicht-landwirtschaftlicher oder Landwirtschafts-Güter verarbeitender Betrieb.


    Zugegebenermaßen habe ich mich bei dieser Behauptung sehr gewundert, wie man auf diese Idee kommen kann. Schließlich wird seit Jahrhunderten auf römischen Landgütern Holz geschlagen und anschließend verarbeitet. Und seit jeher fand dies hauptsächlich auf großen Landgütern von Senatoren und Patriziern statt, wo immer wieder neue Felder urbar gemacht werden mussten. Es entspricht dem gesunden Menschenverstand die Holzwirtschaft als Teil der Landwirtschaft zu betrachten.


    Offensichtlich war der Praefectus Urbi anderer Meinung. Dabei ist es keineswegs so, denn ein Baum muss als nicht verändertes Naturprodukt betrachtet werden.
    Das Holz ist ein Nebenprodukt, das beim Urbarmachen der ausgedehnten Ländereien meines Klienten entsteht. So werden beispielsweise immer wieder auf seinen hispanischen Besitzungen Hügelketten gerodet um Platz für den Weinbau zu schaffen. Würde man dies verbieten, muss die Folge Verschwendung kostbaren Holzes sein, das die Eigentümer ihrer Ländereien nicht verkaufen dürfen.
    Eine weitere Bezugsquelle wären die Kirschbäume, die Tiberius Vitamalacus von meinen eigenen Gütern nahe Misenum bezieht. Man kann plädieren, dass sie vor allem zur Fruchternte dienen – wenn man sich dann jedoch ansieht, dass allein das Kirschholz, das man für den Bau einer einzigen Kline zu 20% die Produktionskosten des Schreiners ausmacht, dann stellt man fest, dass man beim Pflanzen des Baumes auch in einem gewissen Maße den Wert des späteren Holzes berücksichtigt. Auch hier würde eine derartige Auslegung der Lex Mercatus zu unkalkulierbaren Einbußen und nicht zuletzt drastischen Preiserhöhungen für Holz führen.


    Somit lässt sich Holzwirtschaft sehr gut mit Eierwirtschaft vergleichen. Die Eier sind gewissermaßen in ähnlicher Weise Nebenprodukte der Hühnerzucht wie Holz eines der landwirtschaftlichen Nutzung von Agrarflächen ist. Und wer würde es einem Senatoren verbieten, die Eier seiner Hühner verkaufen zu lassen, weil er diese ja nicht selbst gelegt hat?"


    Er sah fragend zum Praetor, dessen Scriba und schließlich zu Avitus. Es klang etwas komisch und tatsächlich fand Durus eine derartige Regelung geradezu lächerlich.


    "Folglich muss erkannt werden, dass Holz ein Nebenprodukt landwirtschaftlicher Arbeit ist. Es wäre völlig absurd, seine direkte Weiterverarbeitung durch die Bestimmungen der Lex Mercatus für einen Senator als verboten zu betrachten.


    Aus diesem Grunde beantrage ich, das Edictum Praefectus Urbi ANTE DIEM XVI KAL SEP DCCCLVII A.U.C. (17.8.2007/104 n.Chr.) gemäß dem Paragraphen 25, Absatz II des Codex Iuridicialis für unzulässig zu erklären."


    Damit war er am Ende seiner kleinen Rede angelangt und nahm Platz um sich auf die Defensio des Tribun zu freuen.

    Durus stand in der Menge und lauschte. Die Worte des Prudentiers machten ihn tatsächlich betroffen. Dennoch hatte er Mühe, sich das Schmunzeln über die Auswahl der Liktoren zu verkneifen - das war doch für gewöhnlich Aufgabe des Magistraten selbst...
    Danach war sein neutral-trauerndes Gesicht wieder perfekt und er hörte die sehr kurze Vita des Verstorbenen - genaugenommen hatte er selbst damals recht gehabt: Sein Leben war wirklich nicht übermäßig aufregend, keine besonderen Einschnitte. Aber dennoch hatte er das Consulat erreicht - folglich war er definitiv ein bewundernswerter Mann.


    Am Ende blieb es ihm nur, schweigend dazustehen und darauf zu warten, dass es weiterging.

    Vibulanus dachte einen Augenblick nach, ehe er meinte


    "Es sind meines Wissens VI Legionen. Aber sie scheinen sich geteilt zu haben. Dieser seltsame Ex-Prätorianer scheint das Kommando über die eine Hälfte übernommen zu haben."


    Durus erinnerte sich, ebenfalls vom neuernannten Praefectus Augusti gehört zu haben. Ein Helvetier...was ihn an Fabia erinnerte - was für eine Ironie, dass er genau mit einem Fabius zu Tische lag!


    "Man munkelt, er sei bei den Parthern gewesen. Schon seltsam, dass er plötzlich auftaucht..."


    Während Aemilia sich weiterhin mit dem Betrachten des Raumes beschäftigte und es Durus schon leid tat, dass er keine Frau hatte, mit der sich seine Gästin unterhalten konnte...vielleicht hätte er doch Albina einladen sollen?
    Der Fabier hingegen zog nun eine Augenbraue hoch.


    "Willst du damit etwa sagen..."


    "Nein, natürlich nicht. Ich vertraue dem Urteil des Princeps. Ich wollte nur meine Überraschung zum Ausdruck bringen, dass er just in dem Augenblick den Parthern entkommen konnte, in dem diese einen Angriff auf unsere Verbündeten beginnen... - wie geht es eigentlich deinem Sohn?"


    Da es möglicherweise ein etwas kontroverses und zugleich gefährliches Thema werden konnte (wer wusste schon, ob diese Prätorianer seine Sklaven bestachen?), beschloss Durus, das Thema zu wechseln. Offensichtlich verstand Vibulanus den Wink, zumindest ging er sofort darauf ein (was aber auch daran liegen konnte, dass er gerne von seinem Sohn erzählte).


    "Er hat ja schon das Vigintivirat absolviert und ist jetzt nach Moesia gegangen - zur Legio XXXI. Der Legatus ist ein alter Bekannter von mir - er ist noch recht neu, aber er wird sich schon einleben."


    Durus, der in seiner Kindheit selbst oft in einem Legionslager gewesen war, da sein Vater ja Tribun in Alexandria gewesen war, konnte sich sehr gut vorstellen, dass der Wechsel von der geräumigen Villa Fabia in das relativ kleine Tribunen-Häuschen einiges an Umgewöhnung benötigte.


    "Er war...Tresvir aere argento auro flando ferunde, oder?"


    Wieder lachte Vibulanus leicht amüsiert auf.


    "Ja, ja, richtig. Ich glaube, das Herumärgern mit Kupfer-, Silber- und Goldlieferungen hat ihn nicht so begeistert. Wenn er erstmal eingelebt ist, wird ihm das Tribunat wesentlich besser gefallen - und wenn nicht, dann wird er wenigstens ein richtiger Mann. Die Legion ist eben doch die Schule des Lebens."


    Bei dieser Bemerkung musste Durus unwillkürlich daran denken, dass er niemals eine Tribunen-Casa von innen gesehen hatte. Aber das musste man ja nicht an die große Glocke hängen...


    "Richtig, das ist schon sinnvoll. Außerdem kann so ein wenig militärische Erfahrung auch in der späteren Karriere nützen. Ich glaube kaum, dass ein Mann ohne diese jemals ein Legionskommando erhält..."


    "Genau. Meine Sorgen gelten auch weniger Gnaeus als Vibulana. Sie wird immer älter und es ist noch niemand vorstellig geworden..."


    Der ältere Fabier setzte eine leicht wehmütige Miene auf. Auch Paula sah auf, als es um ihre Tochter ging. Und natürlich horchte auch Durus auf - schließlich war er noch immer auf der Suche nach einer Frau. Wenn er für die Praetur kandidieren wollte, war das schon keine schlechte Sache...

    Am Abend nach dem Aufeinandertreffen im Senat hatte Durus alles herrichten lassen, um seinen Bekannten Fabius Vibulanus gebührend zu empfangen. Folglich war das Triclinium dezent hergerichtet, ein anständiges Mahl bestellt und Sklaven für allen möglichen Service bereit gehalten worden.


    Nun empfing Durus den Fabier, der außerdem seine Gattin aus dem Hause der Aemilier mitgebracht hatte, in seiner hellen Synthesis mit dem Latus Clavus.


    "Salvete, Fabius et Aemilia! Du siehst heute ja wieder ganz bezaubernd aus."


    Vibulanus lächelte - wie so oft - und grüßte freundlich zurück


    "Salve, Tiberius."


    Seine Frau hatte etwas beschämt zu Boden gesehen und lächelte Durus verschmitzt an.


    "Salve, Tiberius. Ich danke Dir für Deine Einladung."


    Die drei nahmen Platz und Sklaven eilten herbei um die Hände der Herrschaften zu waschen. Während andere Sklaven Wein herbeibrachten, begann Durus zu plaudern.


    "Habt ihr schon Neuigkeiten aus Parthia gehört? Man sagt, wir seien bereits tief ins Feindesland eingedrungen. Einer meiner Klienten hat erzählt, er habe gehört, wir würden schon Edessa belagern."


    "Also nein, da habe ich etwas anderes gehört...wobei das schon eine Weile her ist. Da hat man mir erzählt, der Marsch bleibt stecken - wegen den ständigen Angriffen der parthischen Kavallerie."


    Die Augen des Fabiers begannen ein wenig zu leuchten - Militär hatte ihn schon immer sehr interessiert. Seine Frau hingegen seufzte unmerklich und betrachtete ihren Weinbecher.


    "Tatsächlich? Dann brauchen sie vielleicht Verstärkung...aber sind es nicht sogar vier Legionen?"


    Plötzlich fragte sich Durus, wie es wohl Quintus ging. Er stand sicher an vorderster Front - der alte Haudegen!

    Nach einer Senatssitzung, die sich mit der Bewilligung von Geldern für ein unbedeutendes Projekt innerhalb Roms beschäftigt hatte, erhob sich Durus von seinem Platz und ging die Stufe hinab, auf der weitere Aediliciae saßen (beispielsweise Senator Macer). In diesem Augenblick erblickte er Quintus Fabius Vibulanus, der sich gerade von einem anderen Senatoren verabschiedete. Man konnte deutlich erkennen, dass der Fabier diese Senatsferien auf einem seiner Landgüter verbracht hatte (eine gesunde Bräune verbarg seine sonst eher helle Haut) und so beschloss Durus, ihn darauf anzusprechen - Kontakte pflegen war wohl eines der wichtigsten Dinge für einen Politiker.


    "Salve, Fabius! Ich habe Dich ja schon lange nicht mehr gesprochen!"


    sprach er Vibulanus daher an. Der Senator drehte sich um und sah Durus erst überrascht, dann freundlich an.


    "Oh, Tiberius - was für eine Überraschung!"


    "Wie ich sehe, sind Dir die Senatsferien gut bekommen?"


    "Ja, ich war auf meinem Landgut in Sardinia - sehr schöne Lage. Ich war ein paar Wochen mit meiner Familia...Du weißt ja - nach dem Rechten sehen eben."


    Durus nickte. Er selbst hatte ja seine Neu-Erwerbung in Baiae besucht.


    "Ich war in Baiae. Mein neues Landgut dort ist ganz nett, wenn auch nicht übermäßig groß."


    Für Vibulanus, den Spross einer derartig alten und mächtigen Gens war es vermutlich nicht viel mehr als ein Bauernhaus, aber das waren auch keine Maßstäbe...


    "Tatsächlich? Die Augusta soll ja ebenfalls dort gewesen sein...wie ich hörte."


    Da Durus keine Ahnung hatte, wo die Augusta den Sommer verbracht hatte, also kommentierte er dies nicht, sondern lächelte einfach.


    "Ich bin ihr jedenfalls nicht begegnet."


    Der Fabier lachte kurz auf.


    "Sie wird sicher auch nicht übermäßig viel in der Gegend herumspaziert sein."


    Während Durus in das Lachen einstimmte, kam ihm ein spontaner Gedanke.


    "Fabius, hast Du eigentlich heute Abend schon etwas vor?"


    Das Lächeln des Senators erstarb und er schien einen Augenblick nachzudenken. Dann meinte er schließlich.


    "Nein, durchaus nicht. - warum?"


    "Ich würde Dich und Deine Frau gern zu mir nach Hause einladen - ein wenig essen, ein wenig plaudern..."


    "Oh, gern. So um die 11. Stunde? Ich muss nämlich heute noch etwas wichtiges erledigen."


    Durus war mit dieser Zeit mehr als zufrieden - nicht zu früh, aber auch nicht übermäßig spät.


    "Gut, dann zur 11. Stunde."


    Die beiden Senatoren verabschiedeten sich, Durus plauderte noch mit dem ein oder anderen Senator und ging dann nach Hause.

    Durus hörte überrascht, dass Valens offensichtlich bereits an der Academia Militaris eingeschrieben war und sogar schon eine Prüfung absolviert hatte - der Junge war tatsächlich auf zack.


    Doch ehe er sich dazu äußern konnte, erschien auch schon Albina. Mit ihr hatte er doch Urlaub machen wollen...naja, das hatte ja Zeit.


    "Salve, Albina."


    entgegnete er ihr freundlich und wollte gerade ansetzen, Camilla vorzustellen, als diese das selbst übernahm. So blieb ihm nur noch, Albina vorzustellen.


    "Camilla, das ist Tiberia Albina, die Tochter von Gaius Tiberius Albinus."


    Er wusste ja nicht, dass Camilla damit Albinas Halbschwester war...

    Durus war etwas überrascht - es war ihm vorgekommen, als wäre dies eine inoffizielle Frage gewesen. Da Macer es jedoch lieber öffentlich wollte. Er beschloss, es sofort nach Beantwortung der Frage noch einmal zu sagen - er schämte sich nicht.

    Nach einer längeren Weiterfahrt und dem ein oder anderen Kurzgespräch passierte der tiberische Reisewagen die Porta Romana der Colonia Tibur. Ein kurzer Halt, wenige Worte der Begleiter mit den Vigiles und schon setzte sich der Wagen wieder mit einem Ruck in Bewegung. Durus zog den Vorhang beiseite und betrachtete die kleineren und größeren Häuschen der vormals griechischen Kolonie. Eher noch erkannte man die sabinischen Wurzeln dieser uralten Stadt.


    Bereits kurze Zeit später kam der Reisewagen zum Halten und der Blick aus dem Fenster zeigte das Forum der Stadt. Auf einem Hügel thronte die Akropolis des Ortes, vor dem Augusteum wartete bereits eine Delegation der städtischen Curia. Allen voran standen die beiden stolzen Duumviri - Caius Vibius Papus und Marcus Catillius. Beide trugen strahlend weiße Togen, doch auch die beiden Aedile hinter ihnen wirkten frisch herausgeputzt, obwohl sie offensichtlich bereits einige Zeit gewartet hatten.


    Durus erhob sich und die Wagentür öffnete sich, sodass ein Sklave mit der Toga des Senators hereineilen konnte. Es dauerte eine ganze Zeit, bis das lange und ausladende Kleidungsstück mit dem Purpurstreifen um die Schultern des Tiberiers gelegt waren, doch dann sah er endlich passend aus. Mit einem aufmunternden Blick zu Myrtilus öffnete er Tür des Reisewagens und schritt die wenigen Stufen hinab aufs Forum.


    Auch die Decurionen der Stadt machten sich nun auf, schritten die beiden Stufen des Augusteums hinab und auf den sonnigen Platz, wo Vibius Papus sich an Durus wandte.


    "Salve, Augur! Es ist mir eine große Ehre, Dich hier in unserer bescheidenen Stadt willkommen zu heißen. Dies hier ist Marcus Catillius, mein Amtskollege."


    Auch der zweite Duumvir trat hervor und begrüßte Durus und Myrtilus mit einem Lächeln. Im Anschluss wurde den beiden Auguren auch der Rest der anwesenden Honoratoren vorgestellt. Durus lächelte, grüßte jeden einzelnen zurück und vergaß die Namen sofort wieder.


    Nun meldete sich wieder Catillius zu Wort.


    "Wir haben geplant, die Literatio des Platzes morgen vormittag durchzuführen. Bis dahin könntet Ihr Euch die Stadt ansehen. Vielleicht wollt Ihr auch unsere Sybille befragen?"


    Durus wusste natürlich von der Tiburtinischen Sybille, die angeblich bereits Augustus große Prophezeiungen gemacht hatte. Aber da er zur Zeit wenig Bedarf an Zukunftserfahrungen hatte - und außerdem selbst einen besonderen "Draht" zu Iuppiter hatte, schloss er ablehnend, aber immernoch freundlich lächelnd die Augen.


    "Nein, danke. Aber ich würde gern die Akropolis besuchen. Ich habe schon viel von den beiden Tempeln gehört."


    Oben auf der Akropolis Tiburs befanden sich nämlich zwei Tempel: Der der Sybille und ein Vesta-Tempel, den Lucius Gellius damals gestiftet hatte. Sein Großvater hatte den Mann gekannt.


    "Es wäre uns eine Ehre, Euch als Gäste in unseren Häusern aufzunehmen."


    wandte nun wieder Papus ein. Offensichtlich freute er sich bereits darauf, einen römischen Senator mit seiner Sammlung griechischer Literatur beeindrucken zu können...

    Durus sah zu Macer hinüber, der ja glücklicherweise nicht weit von ihm saß. So konnte er antworten (offensichtlich war diese Frage ja nicht öffentlich gestellt), indem er sich ein wenig zu Macer hinüber vorbeugte.


    "Nein, kann er nicht. So besitzt der Praefectus Praetorio das Oberkommando über praktisch alle kampfstarken Cohorten innerhalb Roms - und Italias. Und Octavius scheint ja auch mittelfristig nicht arbeitsfähig zu sein, wenn er noch mit dem Tode ringt."

    Auch Durus war erschrocken - zugegebenermaßen hatte er den Praefectus Urbi nicht besonders gemocht, zumal dieser ihm diese Schatten von den Cohortes Urbanae auf den Hals gehetzt hatten. Bis jetzt hatten diese Burschen jedenfalls wenig gemacht, als eine seiner Sklavinnen zu verführen...


    Aber erst der Consul, dann der Praefectus Urbi...wer würde als nächster drankommen? Der Praefectus Praetorio? Oder steckte am Ende eben dieser hinter all diesen Anschlägen? Wollte er die Macht an sich reißen? Dem Kaiser die Rückkehr verweigern und eine Marionette installieren? Oder gar sich selbst?


    All diese Gedanken rasten durch den Kopf des Tiberiers, dann jedoch konnte er einen klaren Gedanken fassen.


    "Das heißt, dass der Kaiser einen neuen Praefectus Urbi ernennen muss. Ich schlage vor, wir helfen dem Imperator und empfehlen ihm jemanden aus unseren Reihen."


    Für den Kaiser war es sicher nicht leicht, jetzt auf die Schnelle aus der Ferne jemanden zu ernennen, wie Durus annahm.

    "Nunjaa..."


    meinte Durus und überlegte einen Augenblick. Tatsächlich war ein Großteil der Verwaltung den Rittern oder aber Vollsenatoren vorbehalten. Andererseits würde es schon klappen - Hungaricus hatte einen guten "Draht" zum Imperator. Außerdem hatte es bei dem anderen auch geklappt.


    "...aber es wird schon klappen."


    Durus lächelte aufmunternd.