Durus blickte nun leicht mitleidig. Diese Lage erinnerte ihn an jemanden...
"Das muss furchtbar für dich sein. Auch ich habe meinen Vater und meine Mutter verloren. Und nun auch meine Schwestern."
Einen Moment dachte er an all die verlorenen Geliebten. Sein Vater, den stolzen Tribun, der ihm alles beigebracht hatte, der streng, aber liebevoll gewesen war. Er sah sich gemeinsam mit ihm den Nil hinabfahren, auf der Jagd...es war eine schöne Zeit gewesen. Dann seine Mutter - voller Lebensfreude, stets voller Liebe für ihn und seine Schwester, eindeutig der vitalere Teil des Elternpaars. Von ihr hatte Honoria am meisten geerbt. Außer die Dickköpfigkeit, die auch Durus gelegentlich an den Tag legte. Schließlich Livilla, die jüngste. Durus hatte sie gerne beschützt, doch nun war sie in der Ferne von ihm gegangen...wie alle. Zurück zum Welt-Logos...sein verklärter Blick klarte wieder auf und war dann wieder freundlich.
"Aber man muss manchmal das vergangene hinter sich lassen. Nicht vergessen, aber nach vorn blicken."
Nun trugen die Sklaven kalten Braten, Brot, Wasser, sowie Eier auf. Auch eine kleine Platte mit Käse folgte, sodass Durus sich an dieser und dem Brot bediente.
"Der Körper stirbt, doch die Seele lebt weiter, Minervina. Vielleicht kann das ein Trost für dich sein."
Für ihn selbst war es beim Tod des Vaters nur ein sehr bedingter gewesen. Genaugenommen hatte er sich geärgert, dass seine Mutter ihn mit dem stoischen Geschwafel hatte trösten wollen. Inzwischen dachte er nicht mehr so...selbst wenn Zenons Ideen ein Hirngespinst waren, so waren sie doch ein tröstendes...