Durus erhob sich. Natürlich hatte er sich ein wenig vorbereitet, auch wenn er diese Frage nicht von Aelius Quarto erwartet hätte.
"Nunja, es ist natürlich immer eine schwierige Frage, wer vakante Posten innerhalb der Priesterkollegien bekleiden darf. Die mos maiorum sieht vor, dass die verbleibenden Mitglieder selbst entscheiden, wer sich zu ihnen gesellen darf. In diesem Falle haben sie sich für mich entschieden, wie der Princeps Senatus bestätigen kann. Trotzdem möchte ich kurz erklären, warum ich mich für dieses Amt als geeignet erachte.
Zuerst ist es natürlich die Frage, welche Voraussetzungen für dieses ehrenwerte Amt bestehen. Große Staatsmänner wie Tullius Cicero, Claudius Pulcher und zahlreiche Consuln, Praetoren und Heerführer gehörten diesem Collegium in der Geschichte an. Sie alle zeichneten sich durch ihren vorbildlichen Lebenswandel, die tiefe Verehrung der Götter - schlichtweg das, was wir heute pietas nennen.
Ich möchte nicht überheblich erscheinen, aber ich möchte behaupten, dass ich bis zu diesem Tage stets ein tugendhaftes Leben gelebt habe und nicht nur den häuslichen Laren, sondern auch den Staatsgöttern geopfert habe. Auch der Staatsdienst im öffentlichen wie im privaten, in dem all diese bedeutenden Männer standen und der auch mir das wichtigste im Leben ist ist, ist eine wichtige Voraussetzung.
Weiterhin sieht die Tradition vor, dass das Collegium stets zu gleichen Teilen von Patriziern und Plebeiern besetzt ist. Der ehrenwerte Fabius Acer, der vor kurzem zu den Göttern gegangen ist, gehörte dem meinigen Stand an, weshalb es auch sinnvoll ist, wieder einen Patrizier als seinen Ersatz einzusetzen.
Des weiteren gehört natürlich Wissen über die Religio Romana, ihre Vorschriften und Gebräuche weit über den Hauskult hinaus zu den Voraussetzungen für das Augurenamt - schließlich haben sie den Willen des Iuppiter Optimus Maximus selbst zu deuten! Ich habe seit jeher ein reges Interesse an der Religion und vor kurzem zur Bestätigung dessen die beiden Probationes rerum sacrarum an der Schola Atheniensis Phoebi Apollonis Divinis abgelegt.
Schließlich habe ich auch das Vertrauen des Collegium Augurum gewonnen, sodass dieses sich wünscht, mich in ihren Reihen aufzunehmen. Doch wie es die Tradition verlangt, liegt es nicht nur an ihnen, sondern auch an diesem ehrenwerten Gremium, dem der göttliche Augustus diese Stellvertreterrolle für das gesamte Volk anvertraut hat, ihre Wahl zu bestätigen.
Ich bitte Euch, patres conscripti, deshalb, das Collegium rasch zu ergänzen, sodass wieder genügend Augures Publici Populi Romani Quiritium bereit stehen, um all die Zeichen, die tagtäglich entstehen, zu deuten und damit dem Staate zu dienen."
Er setzte sich wieder, zu Quarto blickend, ob ihm diese Worte genügen würden.