Nach und nach erschienen die Sklaven des Hauses: Nicht nur die bekannten Diener, der Maiordomus und die Verwalter, sondern auch Stallknechte, der Heizer und junge Frauen und Männer, die Durus in seinem Leben noch nicht gesehen hatte.
Neben den Sklaven hatten sich auch viele Freigelassene eingefunden, die im Haushalt verschiedene Aufgaben versahen und der Gens als Klienten verbunden waren.
Schließlich war auch Iuvenalis anwesend und nur Flaccus fehlte noch - vermutlich war er in einem Tempel und betete für seine Cousine.
Nun trat Durus an das Lararium und verhüllte sein Haupt mit der Trauertoga. Daraufhin murmelte er leise ein Gebet für die Totengeister, die Manes und Lares, aufdass sie Tiberia Claudia aufnahmen und die Familie weiterhin schützten.
Als er schließlich die Toga vom Kopf nahm, drehte er sich um und begann eine kurze Ansprache:
"Liebe familia,
Lange habe ich Euch nicht mehr so versammelt gesehen, doch der traurige Anlass eint uns in der Stunde der Trauer. Tiberia Claudia, Eure Herrin und Verwandte, hat sich den Tod gegeben."
Ein leises Flüstern ging durch die Menge, aber Durus ließ sich nicht beirren. Auch wenn manche es vielleicht noch nicht gehört hatten - früher oder später hätten es die Sklaven, die Claudia entgegengenommen und hergerichtet hatten, weitererzählt.
"Voller Trauer müssen wir sie nun dem Fährmann anvertrauen. Und doch gibt es etwas zu tun:
Viele Probleme könnten aufkommen, wenn sich die Gerüchte über den Selbstmord verbreiten, möglicherweise könnte es unserer Familie zum Ärger gereichen. Deshalb bitte und ermahne ich Euch alle, die Ihr hier versammelt seid: Sprecht zu niemandem über die Ursache des Todes von Tiberia Claudia. Zu gegebenerzeit werden die Umstände dieses schlimmsten Ereignisses offenbar werden, doch können und werden wilde Spekulationen weder der Toten, noch uns Lebenden von Nutzen sein."
Wieder machte er eine Pause und ließ seinen Blick über die Sklaven und die Familienmitglieder schweifen.
"Dies ist mir ein großes Anliegen und ich erwarte von Euch, dass Ihr dieses Anliegen respektiert. Sollte ich erfahren müssen, dass Ihr das Ehre und das Ansehen der Gens Tiberia in den Dreck zieht, werde ich nicht nur bitter enttäuscht, sondern auch voller gerechten Zornes sein."
Sein Blick traf nun die Sklaven. Er würde keine Strafe aussetzen müssen, denn es war bekannt, dass Durus nicht scherzte, wenn er derartiges sagte.
"Nun geht zurück an Eure Arbeit und gedenkt der Toten, die unserer Familia viel Ehre und Freude gebracht hat."
endete er. Erst in einigen Tagen, wenn Claudia das Haus wieder verlassen würde, würde eine solche Menschenmenge um den Leichnam versammelt sein.
Mit langsamen Schritten trat er auf Iuvenalis zu.
"Appius, gut, dass Du gekommen bist. Es ist wichtig, dass die Gens bei solchen Anlässen Geschlossenheit zeigt."