Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Das war allerdings eine sehr rasche Entscheidung! Aber wer konnte schon ein solches Angebot abschlagen, dazu von seinem eigenen Patron? Daher lächelte der alte Tiberier zufrieden und meinte


    "Sehr, sehr gut. Es gibt noch einige Formalitäten zu klären, dann würde ich Dich einmal zum Essen einladen, damit ihr euch näher kennen lernt."


    Immerhin wollte er Orestes zumindest die Chance lassen, sich noch einmal zu Wort zu melden - schon aus Respekt vor den Aureliern!

    Für Durus' Geschmack hatte der Kaiser sich schon zuviel geleistet, als er diesen prunksüchtigen Nichtsnutz zum Praefectus Urbi und Stellvertreter ernannt hatte! Aber so offen zu sein konnte gefährlich werden...


    "Ich sage es Dir ganz offen, Vinicius: Er muss weg! Gerade als Pontifex pro Magistro muss ich auch die Pax Deorum beachten und ein Mann, der sich derartig gegen die Mos Maiorum stellt, gefährdet auch den Frieden mit den Göttern!"


    ...ganz zu schweigen von einem Pontifex Maximus, der an keinem Staatsopfer teilnahm!

    Für den alten Tiberius, der sich natürlich nicht im Traum vorstellen konnte, dass die Jugend von heute ebenso oder noch toller feierte als er es damals getan hatte, lag der wahre Grund für Ahalas Müdigkeit so fern wie der Mond. Dass er allerdings den Grundkurs noch nicht bestanden hatte, stimmte ihn ein wenig nachdenklich... - als Grund kam ihm natürlich erneut ein falscher:


    "Aulus, du darfst dich nicht so unter den Scheffel stellen. Der Grundkurs ist absolut nicht schwer, du hättest die Prüfung wirklich nicht so lange hinausschieben müssen."


    Und wieder hängte er sofort eine Belehrung an:


    "Du musst immer wieder auch etwas wagen. Später einmal wird dich auch niemand zu Kandidatur drängen - nur, wenn du selbst das Risiko des Scheiterns auf dich nimmst, kannst du den Sieg davontragen!"

    "Das ist natürlich günstig..."


    meinte Durus knapp und ging dann sofort in medias res.


    "Meine Cousine Tiberia Arvinia - du kennst sie vielleicht - musste kürzlich unerfreulicherweise ihre Verlobung zu Aurelius Orestes auflösen. Nun sind wir auf der Suche nach einem geeigneten Gatten und - ich muss sagen: Du bist mir sofort in den Sinn gekommen."


    Genaugenommen war dies gelogen: Zuerst hatte Durus natürlich die Single-Senatoren abgeklappert. Doch da sich bei diesen niemand interessiert gezeigt hatte, kamen nun die potentiellen Senatoren an die Reihe - und da war Lepidus natürlich ganz oben auf der Liste!


    "Wie du vielleicht weißt, liegt mir das Wohl meiner Arvinia sehr am Herzen, aber ich bin sicher, dass du ein guter Ehemann sein würdest."


    In jedem Falle in Prestige! Außerdem war eine Verbindung zur Claudia sowieso praktischer als zur Aurelia, zu der schon so viele Verbindungen bestanden!

    Am Anfang klang alles noch relativ unspektakulär: Natürlich war eine Störung eines Rituals eine Unverschämtheit, die auch die Pax Deorum gefährdete, doch dann wurde es gelinde gesagt erstaunlich: Eine Rinderherde! Mehrere Tote! Das konnte wirklich nichts Gutes bedeuten!


    Mit einem Kopfnicken deutete er auf die Frau.


    "Und was ist mit ihr? Hat die Rinderherde sie erfasst?"

    | Lukios


    Die Trennung - jaja, das hatte den alten Durus ziemlich geärgert. Lukios hatte es hingegen weniger gewundert: Selbst der tote Cato hatte mehr Aufmerksamkeit von seinem Herrn bekommen als seine Gattin - obwohl sie so hübsch und freundlich war! Kein Wunder, dass sie irgendwann durchgedreht war!


    Aber so etwas ließ sich natürlich ebenfalls nicht verraten - wenn es sich ganz Rom nicht sowieso schon denken konnte.


    "Das ist korrekt, ja. Aurelia und mein Herr haben sich...auseinandergelebt. Aber sie muss sich trotzdem nicht sorgen - es geht meinem Herrn gut und Aurelia...auch, vermutlich."


    Das war zwar nicht falsch, aber die Wahrheit würde wahrscheinlich sowieso schon überall kursieren.





    SCRIBA PERSONALIS - MANIUS TIBERIUS DURUS

    Die Stimme des Rex Nemorensis passte mehr zu einem sabinischen Bauern als einem Hohepriester der Diana, doch Durus hatte keine Zeit, auf den einfachen Mann herabzublicken, denn die Worte, die er fand, waren mehr als entsetzlich: Tote und Verletzte? Am Hain der Diana?


    Eigentlich hielt der alte Tiberier schon die Kultvorschriften ein und glaubte auch an die Götter - oder zumindest an eine höhere Macht - aber dass die Götter so etwas taten, konnte er sich doch nicht vorstellen! War Diana etwa leibhaftig erschienen und hatte die Feiernden mit ihrem Bogen niedergestreckt? Waren die Götter doch mächtiger, als er und die vielen intellektuellen Philosophen immer angenommen hatten?


    Es dauerte eine Weile, ehe ihm all diese Fragen durch den Kopf geschossen waren. Dann zwang er sich, wieder zu dem Gespräch zurückzukehren.


    "Was ist geschehen?"


    Diese Hiobsbotschaft ließ ihn sogar ganz die Frau vergessen, die noch immer gehalten wurde und dabei verdeckt war.

    Ach ja, die Verfolgungen des Domitian. Durus hatte in jener Zeit - wie seine Familie auch - das Glück gehabt, weitab von Rom gewesen zu sein. Doch natürlich wusste er von den damaligen Gräueln!


    "Das tut mir sehr leid."


    Andererseits waren diese Zeiten schon sehr lange vorbei...daher fragte er


    "Hast du einmal erwogen, erneut zu heiraten?"

    "Praefectus Viatorum, nicht Kalendarii!"


    betonte Durus noch einmal, da er annehmen musste, dass Lucianus sich verhört hatte. Der Curator Kalendarii war immerhin ein ritterlicher Posten - nichts für einen angehenden Senator!


    "Du als zukünftiger Vorgesetzter könntest doch möglicherweise eine Empfehlung abgeben. Vielleicht kannst Du direkt dem Kaiser schreiben - wenn dieser Vescularius nicht zu erweichen ist."


    Vielleicht konnte man ja auch mit Salinator handeln - auch wenn er ein widerwärtiger Prolet war! Solche Leute verspürten doch immer eine Gier nach mehr!

    | Stesichoros


    Erst jetzt erinnerte sich der Ianitor wieder an den nächtlichen Besuch und die gereizt-ernste Stimmung seines Herrn. Es war wohl das beste, wenn er den Rex Nemorensis sofort einließ!


    "Dann tritt ein!"


    Rasch öffnete er die Tür und ließ alle ein.





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Während Stesichoros die Männer ins Atrium führte, gab er rasch einem weiteren Sklaven Bescheid, den Herrn zu holen. Dieser hatte sich vermutlich wieder hingelegt, soweit dies möglich gewesen war.


    Doch es dauerte nicht lange, da war hörte man sein Nahen durch das ständige Klopfen seines Stockes auf dem Mosaikboden. Dann kam er um die Ecke, überraschenderweise um diese Tageszeit vollständig mit einer Senatorentunica bekleidet, wenn auch ein wenig blass wirkend.


    "Rex Nemorensis, gut, dass du hier bist. Doch wer bewacht unterdessen den Hain der Diana?"


    fragte er zielstrebig den bärtigen Priester.

    Natürlich wohnte auch der alte Tiberius der Debatte bei. Er war bereits überaus gespannt gewesen, wie Vescularius Salinator reagieren würde. Schien es anfangs noch gut und ungefährlich zu verlaufen, riss der Praefectus jedoch doch das Wort an sich und begann wieder damit, den Senat zu bedrohen - welch eine Unverschämtheit!


    "Ich schließe mich Vinicius Lucianus an:


    Niemand möchte die Auctoritas des Kaisers infrage stellen, Vescularius. Aber dennoch verstand sich der Kaiser bisher stets als Primus inter Pares. Seit Jahrzehnten hat er es stets dem Senat überlassen, die senatorischen Magistrate auf ihre Ämter zu verteilen. Schon der göttliche Augustus gab diese Aufgabe an den Senat und beschränkte sich auf Empfehlungen, der göttliche Tiberius gab gar die Wahl der Magistrate in unsere Hände und jeder Kaiser folgte ihrem Beispiel. Auch der Vater des Valerianus, der göttliche Iulianus, hat dies ähnlich gehandhabt und sich sogar jeglicher Empfehlung enthalten, so groß war sein Vertrauen in uns!


    Warum vertraut Valerianus uns nicht?"

    Durus nickte zustimmend. Schreibfaulheit kannte er auch sehr gut! Eigentlich war es wirklich kein Wunder, dass sein Patron sich auch nicht bei ihm meldete! Dass er es allerdings in solch einem abgelegenen und barbarischen Land genießen sollte, konnte er sich kaum vorstellen - obwohl Lucianus ja ebenfalls schon dort gewesen war!


    "Dein Amt, richtig! Das ist auch der Grund, warum ich hier bin!"


    Er blickte kurz zu Lupus, dann zurück zu Lucianus.


    "Lupus möchte eine politische Karriere beginnen. Nur leider entstammt er nicht dem Ordo Senatorius. Daher hatte ich mir gedacht, dass er sich vorerst Meriten verdienen sollte, am besten im Stab eines erfahrenen Senators."


    Einen Augenblick stockte er, eher um die Spannung zu erhöhen als aus Unsicherheit.


    "Wie man mir sagte, ist das Amt des Praefectus Viatorum vakant. Daher wollte ich Dir Tiberius Lupus hier für diesen Posten empfehlen. Ich kann Dir versichern, dass er überaus zuverlässig und hochmotiviert ist."


    Wieder machte er eine künstlerische Pause.


    "Natürlich würde ich mich im Gegenzug ebenfalls überaus dankbar zeigen. Etwa wenn Du oder einer Deiner Freunde Interesse an einem Platz in einem Collegium hätte..."


    Als Pontifex pro Magistro hatte der alte Tiberier schließlich nahezu uneingeschränkte Möglichkeiten bei der Besetzung der Priesterämter!

    Auch bei Durus erzeugte der Anblick des vielversprechenden Bauches seiner Nichte große Freude. Dass Stesichoros ihn nicht bemerkt hatte, war zwar überraschend, aber es kümmerte ihn wenig - jetzt gab es wirklich wichtigeres!


    Das nächste angesprochene Thema war aber leider ebenso unerfreulich wie vorher. Zwar war es schon eine Weile her, dennoch ärgerte sich der Tiberier noch immer - wie hatte er sie nur allein lassen können?


    "Ich auch nicht. Aber wir haben nichts mehr von ihr gehört. Corvinus ist ebenso erbost wie ich. Er hat mir sogar eine Aurelia als Ersatz angeboten."


    Er machte eine wegwerfende Handbewegung, den Blick nachdenklich in die Ferne gerichtet.


    "Aber reden wir nicht davon."


    Dennoch musste er sich einen Augenblick sammeln, ehe er fortfuhr.


    "Tiberius Dolabella ist vor einiger Zeit zu uns gekommen. Er ist ein großer Pferdenarr - noch schlimmer als ich es früher war. Manchmal ein bisschen seltsam, aber im Grunde kein schlechter Mensch. Er ist der Zwillingsbruder von Faustus Tiberius Dolabella, wenn du dich an ihn erinnerst. Aber wesentlich extrovertierter - er hat schon halb Rom zum Essen eingeladen!"


    Er lächelte. Das Thema Laevina war erfolgreich verdrängt!

    Seitdem Hungaricus nach Germania aufgebrochen war, war Durus selten hier zu Gast gewesen. Umso mehr freute er sich, als Lucianus ihn herzlich begrüßte.


    "Vinicius, es ist mir eine Ehre, Dein Gast sein zu dürfen! Das hier ist mein treuer Klient und Verwandter Tiberius Lupus."


    stellte er Lupus vor, dann begann er das Gespräch mit ein wenig Smalltalk:


    "Aber sprich: Wie geht es dir? Wie deinem Bruder? Ich habe lange nichts mehr von ihm gehört"

    | Stesichoros


    Die ganze Nacht hatte Stesichoros sich hin- und hergewälzt, ständig erwachend von Kopfschmerzen. Erst weit nach Mitternacht hatte er Schlaf gefunden, der nun jedoch jäh beendet wurde.


    Etwas benommen trat er an die Tür und entdeckte einen wild aussehenden Mann. Daneben weitere Menschen, eine Frau, die getragen wurde - was hatte das zu bedeuten?


    „Wer bist du? Was wollt ihr?“


    fragte er daher rasch und war sofort hellwach.





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Durus nickte knapp, als Lepidus so gute Nachrichten brachte. Währenddessen überlegte er jedoch bereits, wie er auf sein Anliegen kommen konnte - und schon lieferte ihm der Claudier eine Steilvorlage:


    "Erledigen...erledigen würde ich es nicht nennen, Claudius. Ich habe eigentlich eher ein Angebot für dich."


    Er machte eine dramatische Pause und fuhr dann nach einem tiefen Atemzug fort.


    "Hast du eigentlich schon eine Verlobte? Oder ist dein Vater bereits in Verhandlungen mit irgendeiner Familie? Wie du weißt, ist es wichtig hier in Rom, eine Frau vorweisen zu können, nicht nur für viele Priesterämter!"