Beiträge von Manius Tiberius Durus

    | Lukios


    Die nächste Frage war schon etwas...delikater. Natürlich gab es unter den Sklaven des Hauses viel Tratsch und auch Lukios interessierte sich immer für die schmutzigen Geheimnisse seiner Herren. Doch er wäre nicht der Privatsekretär eines Senators geworden, wenn er ein loses Mundwerk gehabt hätte. Also beschränkte er sich auf harte, unverfängliche Fakten.


    "Tiberius Dolabella ist vor kurzem hier angekommen. Sein Zwillingsbruder lebte vor einigen Jahren hier, ehe er unglücklicherweise verstarb. Deine Herrin wird ihn sicher noch kennen."


    Faustus Tiberius Dolabella war zwar eher unscheinbar gewesen, aber durchaus kein schlechter Kerl!


    "Er engagiert sich inzwischen stark im öffentlichen Leben, ist Vicarius einer Factio und hat einen Pferdezüchterverein gegründet. Wagenrennen sind seine Passion, wie daraus unschwer zu schließen ist. Ansonsten kann ich auch wenig sagen..."


    Sicherlich würde er nun nicht anfangen über Sym- und Antipathien zu philosophieren! Das war zu starke Spekulation!





    SCRIBA PERSONALIS - MANIUS TIBERIUS DURUS

    Offensichtlich war es Dolabella ein Bedürfnis, diese Geschichte zu erzählen und so hörte Durus geduldig zu. Vinicia Drusilla...der alte Tiberier hatte sie niemals kennen gelernt und auch sein Patron hatte nie erwähnt, dass seine Tante mit einem Tiberius verheiratet gewesen war. Aber wenn er die Geschichte weiterhörte, war es auch wirklich kein Ruhmesblatt: Verführung verheirateter Frauen und Ehebruch der Frau war keine Sache, auf die man stolz sein konnte! Wenn es dabei auch noch um den eigenen Bruder ging, war die Angelegenheit umso verwerflicher!


    Doch Durus war als Politiker geübt genug, jegliche Geschichte stoisch über sich ergehen zu lassen, sodass er an deren Ende nur ernst nickte.


    "Das...macht den Groll deines Bruders auf dich verständlicher, in der Tat. Und wo ist Drusilla jetzt? Hast du sie in Achaia gelassen?"

    Zitat

    Original von GAIUS ULPIUS AELIANUS VALERIANUS
    Valerianus bemühte sich, den Ausführungen des Flavius Furianus aufmerksam und aufrecht zu folgen, was ihm unter Aufbringung einiger Anstrengung auch weitgehend gelang. Die Rede trug jedoch nicht zu seiner Erbauung bei, so dass er langsam wieder in sich zusammen sank.


    "Du sprichst in schwammigen Worten, denen ich nicht ganz folgen kann. Mir ist nichts von einem Verbot von senatorischen Gesetzen bekannt. Hätte Salinator derartiges angeordnet, hätte er mich informiert. Ich habe keinen Zweifel an seiner Zuverlässigkeit und auch nicht daran, dass er zuverlässige Leute als seine Helfer auswählt. Es betrübt mich, dass ihr ihm weniger vertraut als mir oder meinem Vater."


    Schweigend verfolgte Durus die Vorbringungen den Consul. Sie waren unterwürfig, aber doch zumindest klar. Von einem offiziell Initiativ-Verbot wusste er allerdings nichts, weshalb er sich fragte, ob es klug war, ein solches zu erwähnen. Sicherlich würde Salinator dies abstreiten. Oder sich auf die göttlichen Kaiser berufen, die wohl auch die meisten Gesetzeswerke im Vorfeld abgenickt hatten. Und natürlich wusste auch der Kaiser nichts davon.


    "Princeps, natürlich ist es auch eine besondere Situation: Du kannst nicht in Rom sein und mit eigenen Augen verfolgen, was dort vorgeht. Doch versichere ich dir, dass des Consuls Warnungen wahr sind. Viele andere werden es dir auch bestätigen.


    Vescularius Salinator kann abgesehen davon auch für dich eine Gefahr werden! Du solltest dich auf jeden Fall stärker in das Gedächtnis der Plebs, wie den Senates bringen. Vielleicht solltest du dich häufiger direkt an uns wenden, wenn nicht persönlich, dann mit einem Brief. Und dir regelmäßig verschiedene Meinungen einholen."


    Fast kam er sich schon wie ein Berater vor. Doch solange er nicht einmal Furianus überzeugen konnte, würde es sowieso nichts werden mit einer sanften Revolution, deren Notwendigkeit er in diesem Augenblick eigentlich eher bestätigt sah. Aber vielleicht, wenn man mit offenen Karten spielte - vielleicht würde es auch ohne gehen!

    Frittieren...davon hatte Durus allerdings schon gehört! Aber so etwas war doch etwas seltsam. Vorsichtig griff er sich eine der scheinbaren Süßspeisen, tauchte sie in das Püree und schob es sich in den Mund. Es schmeckte...interessant! Auf jeden Fall extravagant! Mit einem knappen Nicken gab er zu verstehen, dass es schmeckte.


    Dann kam er jedoch zum Thema zurück. Irgendwie klang das ganze schon interessant!


    "Du sprichst in Rätseln, mein lieber Dolabella! Möchtest du mir nicht die ganze Geschichte erzählen?"

    Prinzipiell ist Kaiser ja ein Lehnwort, das auf Caesar zurückgeht. In unserer Zeit führte der Kaiser oder Princeps den Titel Imperator Caesar Augustus, wobei ursprünglich Imperator als Praenomen, Caesar als Gentilnomen und Augustus als Cognomen fungierte (obwohl die anderen Namen in unserer Zeit auch dazugehängt wurden, sodass Imperator Caesar Augustus wohl schon ein reiner Titel war).


    Princeps ist auch ein Titel des Kaisers, der wohl ursprünglich von dem republikanischen Titel "Princeps Senatus" für den angesehensten Senator abgeleitet ist (den es bei uns ja auch gibt). Theoretisch könnte der Kaiser dieses Titel auch ständig führen...


    Allerdings machts unter dem Strich wohl wenig aus, denn den Kaiser als Caesar zu bezeichnen (wenn man unseren Begriff mal rückübersetzt), ist genauso richtig oder falsch wie Augustus, Imperator oder Princeps. Allerdings ist es wohl gerade für Senatoren, die ja ein bisschen mehr die republikanische Fassade aufrechterhalten, die Anrede Princeps sehr passend.

    Während Durus sich von dem anstrengenden Abstieg erholte, machten sich seine Sklaven bereits daran, seine Toga wieder in die passenden Falten zu legen. Natürlich ignorierte er den Pförtner.


    Dafür war ein Sklave abgestellt, der nun mit dem Ianitor sprach, zuerst aber einmal sehr erstaunt zu ihm hinübersah: Welcher Diener eines Consulars kannte nicht den Consular Tiberius?


    "Man darf den ehrenwerten, allseits bekannten und geschätzten Consular und Pontifex pro Magistro Manius Tiberius Durus melden."


    Besonders betonte er dabei den 'allseits bekannten', um Antias nicht direkt tadeln zu müssen. Plötzlich fiel ihm ein, dass ja auch noch der Klient seines Herrn dabei war.


    "Und seinen getreuen Klienten Manius Tiberius Lupus."


    fügte er daher rasch an.

    Ad
    M' Aurelius Orestes
    Villa Aurelia
    Roma



    M' Tiberius Durus M' Aurelio Oresti s. p. d.


    Im Namen Deiner Verlobten Tiberia Arvinia wende ich mich an Dich. Lange Zeit bist Du nicht mehr in unserem Hause zu Gast gewesen oder ihr geschrieben. Zwar hörte ich von Deiner Krankheit und bete zu den Göttern, dass sie Dir Heilung schenken mögen, doch muss ich Verständnis zeigen für Arvinia, die sich durch Dein Schweigen trotz aller Nachrichten verletzt. All ihre Freundinnen laufen in den Hafen der Ehe ein, nur sie bleibt zurück und kann nicht einmal eine Perspektive mit ihrem geliebten Versprochenen bieten.


    Aus diesem Grund habe ich schweren Herzens ihrer Bitte zugestimmt, die Verlobung aufzulösen. Ich hoffe, Du kannst diese Entscheidung akzeptieren. Sei Dir dennoch weiterhin meiner ungebrochenen Freundschaft und Hilfe bewusst.



    Mögen Apoll Dir Heilung zukommen lassen,
    [Blockierte Grafik: http://img157.imageshack.us/img157/6083/siegelmtdsenatorhc0.gif]

    Durus lehnte sich entspannt zurück, als sein Sohn eintrat. Er wirkte etwas müde - hatte er sich so sehr seinen Studien hingegeben?


    "Richtig, Aulus. Ich wollte wieder einmal über deine Karriere sprechen."


    Er beugte sich erwartungsvoll nach vorn.


    "Wie sieht es aus?"

    | Lukios


    Lukios ließ die Wachstafeln los und offenbahrte, dass sie an seinem Handgelenk befestigt waren.


    "Ich bringe immer Wachstafeln mit."


    meinte er dann grinsend. Als sein Gegenüber dann in einen Plauderton wechselte, hoffte er schon fast, dass es doch nichts so ernstes war. Ungewöhnlich war es aber trotzdem...oder vielmehr überraschend, weniger ungewöhnlich!


    Daher rieb er sich nachdenklich am Kinn.


    "Puh, gute Frage. Ich müsste ihn 'mal fragen - wer ist denn der Glückliche? Und hat er schon Vorbildung? Oder wie alt ist er überhaupt?"


    Rhetorikunterricht - das konnte bestimmt eine interessante Aufgabe für den alten Durus werden!





    SCRIBA PERSONALIS - MANIUS TIBERIUS DURUS

    Durus bezweifelte sehr, dass Iulius Centho der Nachkomme eines Patriziers war: Praktisch jeder Provinziale und Italiker, der von einem der göttlichen, iulischen Kaiser das Bürgerrecht erhalten hatte, hatte sich zum Dank selbst Iulius genannt - und davon gab es mehr als genug:


    "Naja, sagen wir: Irgendein Iulius war einmal ein Patrizier - aber wenn du in die Provinzen gehst, triffst du so viele Iulii, selbst wenn hunderttausend auf einen Ahnen kämen, wärend die Gründer Roms wohl Millionen gewesen!"


    meinte Durus daher, die Frage nach der eigenen Homo-Novus-Herkunft ausblendend. Praktisch alle Senatorenfamilien ihrer Zeit konnten sich nicht gerade auf uralte republikanische Traditionen berufen, die meisten von ihnen waren sogar erst seit wenigen Generationen im Senat. Trotzdem sprach man nicht darüber!


    "Aber prinzipiell habe ich nichts gegen ritterliche Familien einzuwenden. Auch Cicero war der Sohn eines Ritters. Ich habe nur etwas gegen absolute Niemande."


    meinte er daher knapp.

    Seine Frau? Ein Feuer? Das überraschte Durus jetzt doch ein wenig - immerhin hatte es genau damals gebrannt, als Dolabella hier gewesen war! Auch der Raum, in dem sie gerade lagen, war noch recht neu!


    Und als würde sich das Thema auch auf die Speisen durchschlagen, knabberte Spurius Dolabella nun ebenfalls an etwas verbranntem herum...


    "Nein, er hat wirklich nichts davon erzählt. Ich erinnere mich nur noch, dass er in Ohnmacht fiel, als die Villa Tiberia brannte."


    erklärte er daher und fügte dann an, während er auf diese ominösen "Krapfen" deutete:


    "Magst du übrigens verbrannte Speisen?"

    Tatsächlich erinnerte Durus sich, hatte es aber irgendwie verdrängt. Natürlich würde er nicht bleiben, bis Sedulus kam. Und auch wenn die Stimme völlig vorwurfsfrei klang, konnte er die Zurechtweisung natürlich nicht überhören - obwohl er sie für völlig unangemessen hielt, denn Dolabella war neu hier in Rom, er war jünger und selbst, wenn er Durus' Onkel war, so war er doch Gast in Durus' Haus und hatte sich den Regeln des Pater Familias zu beugen.


    "Das können wir tun."


    meinte er daher knapp und wieder ein wenig befremdet. Als Dolabella dann auf seinen Bruder zu sprechen kam, begann der alte Tiberier zu erzählen:


    "Ich habe wenig mit Dola...deinem Bruder unternommen. Er hat eher zurückgezogen gelebt, war am Kaiserhof beschäftigt und hat sich sonst eigentlich hauptsächlich mit seiner Münzsammlung beschäftigt. Wir haben kaum über Familie gesprochen, von dir hat er genaugenommen gar nicht geredet."


    musste er gestehen. Er war sogar fast ein wenig überrascht gewesen, als er Spurius Dolabella getroffen hatte!

    Der Consular Manius Tiberius Durus, Pontifex pro Magistro und Senator, erschien in der Tat mit seinem Klienten Tiberius Lupus vor der Villa Vinicia. Ächzend stieg der alte Tiberier aus seine Sänfte und musste sich sofort auf seinen Elfenbeinstock stützen, während er sich der Porta näherte.

    Scheinbar wollten die Hiobsbotschaften für den großen Fädenzieher der Aurelier nicht enden - diesen Eindruck machte Corvinus zumindest auf Durus, als er, geradezu niedergeschlagen, antwortete. Die Nachricht über das Fieber und die Krankheit, die nun schon lange andauerte, war schlimm - aber vor allem auch ein schlechtes Omen! Wer konnte garantieren, dass er nicht noch Ewigkeiten dahinsiechte, und dann starb?


    "Es tut mir sehr leid, dass er an einer Krankheit laboriert - ich werde den Göttern um Gesundung opfern. Aber ich denke, ich werde ihm am besten selbst schreiben."


    Zwar glaubte Durus kaum, dass Orestes ihm antworten würde, aber einen Versuch war es wert - und man konnte sich solange ja schon anderweitig umsehen!

    Zwar war es für Durus ein wenig ungewöhnlich, wenn jemand einer Kultgemeinschaft beitrat, in der er nichts verloren hatte, aber letztendlich war es ihm auch egal. Er jedenfalls wäre eher zu den Augustales gegangen!


    "Iulius Centho? Ja, ein Homo Novus, aber ein motivierter...man sollte nur darauf achten, dass er sich gut bei unseresgleichen integriert..."


    bemerkte er dann über den jungen Iulier, dem er inzwischen ein paar Mal über den Weg gelaufen war. Er war ein Aufsteiger - in der Tat. Aber er tat inzwischen auch sein Bestes, um dazuzugehören. Zuletzt war er, wie der alte Tiberier wusste, sogar zum Augur geworden!