Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Durus nickte. Natürlich hatte er die besseren Kontakte.


    "Tiberia Arvinia lebt hier im Hause, nachdem ihr Verlobter verschwunden ist. Mein Sohn Tiberius Ahala ist ebenfalls hier unter uns. Dann hätten wir noch Tiberia Albina, die mit Purgitius Macer verheiratet ist. Sie lebt natürlich nicht mehr bei uns."


    zählte Durus auf. Er hoffte, dass er niemanden vergessen hatte - das wäre wirklich sehr peinlich gewesen!

    Tiberius Durus hatte die Anhörung bisher schweigend verfolgt: Er hatte keine Günstlinge als Kandidaten gehabt (oder zumindest keine, die weiterer Unterstützung bedurften) und ebenso keine Feinde. Also sah er keinen Grund, mitzumischen.


    Als allerdings Salinator die Debatte einfach abbrach und willkürlich entschied, blickte der alte Tiberier erzürnt auf: Was bildete sich dieser Mensch ein, dem Senat sein angestammtes Recht, über die Zuteilung der Magistrate zu entscheiden, einfach abzuerkennen? Das war eine empfindliche Störung der Rechte des Senats!

    "Ich habe schon einige gute Ärzte an mein Bein gelassen. Ich fürchte, dass auch dein Medicus wenig für mich tun können wird."


    meinte Durus knapp. Allein der Gedanke, sein Bein erneut zu brechen, bereitete ihm Qualen! Und in seinem Alter war ein neuerlicher Bruch sicherlich nicht unbedingt das Ungefährlichste!


    Als Dolabella dann erneut auf seine Tochter zu sprechen kam, grinste Durus. Natürlich hegte er immer solche Gedanken, aber sie zu äußern, wäre doch etwas unhöflich gewesen!


    "Ich? Es ist doch deine Tochter! Und ich wusste ja bis eben nicht einmal, dass sie bereits im heiratsfähigen Alter ist! Aber wenn du als ihr Vater ohnehin auf der Suche nach einem Gatten bist, kann ich gern die Ohren offen halten!"


    Immerhin hatte Durus einige gute Kontakte in alle wohlhabenden Schichten Roms!

    "Nun, was sind deine Pläne?"


    fragte Durus knapp und betrachtete Lepidus erwartungsvoll. So wie er ihn kannte, hatte er bereits welche.


    Dass es dann jedoch plötzlich um einen ganz anderen jungen Mann ging, erstaunte den alten Tiberier ein wenig. Duccius Vala...irgendwo hatte er diesen Namen schon einmal gehört! Nur wo?


    "Meine Gunst und Fürsprache? In welcher Angelegenheit?"


    Hatte dieser Duccius etwa etwas ausgefressen?

    Ein wenig hinter dem Jungen humpelte Tiberius Durus, gestützt auf seinen Stock, die Gänge entlang in die Exedra. Dabei war er stets darauf bedacht, seine dunkelbraune Toga nicht zu sehr in Unordnung geraten zu lassen. Eigentlich war ja niemand gestorben, doch angesichts all der unglücklichen Umstände erschien es ihm doch geboten, in Trauerkleidung zu erscheinen.


    Als man ihn endlich auf einen Stuhl bugsierte, nahm er mit einem Seufzen Platz, flankiert von Lukios, dem Sekretär. Natürlich nahm er auch gern einen Schluck zu Trinken.

    Tiberius Durus stützte sich bereits auf seinen elfenbeinernen Stock, während sein Sekretär die Formalien für ihn klärte. Gerade bei solch unerfreulichen Angelegenheiten schien sein Bein besonders zu schmerzen!


    Als der Knabe ihn schließlich losführte, humpelte er, gefolgt von Lukios, hinter jenem her hinaus in die Exedra.

    "Laevina weilt auf meinem Landgut in Baiae. Es geht ihr gut. Mir leider nicht ganz so - als ich das letzte Mal dort war, habe ich mir mein Bein gebrochen und es macht immer noch Ärger."


    begann Durus über sich zu plaudern. Dass er gealtert war, brauchte er wohl kaum zu erklären, denn man sah es ihm inzwischen recht deutlich an.

    Zitat

    Original von Leone


    Als Leone öffnete, entdeckte er eine kleine Versammlung vor dem Haus. Und den Consular Tiberius, den kannte er schließlich. Seine Braue rutschte hinauf, das einzige Zeichen seiner Überraschung, denn obwohl er zwar rasiert war und auch nur dunkle, nicht schwarz trug, musste der Nubier beim Aufzug des Tiberiers gleich daran denken, dass jemand gestorben war. "Salve, wie kann ich euch helfen?" fragte er dementsprechend höflich und zuvorkommend.


    "Der ehrenwerte Consular Manius Tiberius Durus wünscht den Herrn des Hauses, den ehrenwerten Senator Marcus Aurelius Corvinus zu sprechen. Es handelt sich um familiäre Angelegenheiten großer Dringlichkeit."


    erwiderte Lukios, der Sekretär des Tiberiers, während die Sklaven die Toga ihres Herrn richteten.

    Zusätzlich zu der geplanten Entlobung waren Tiberius Durus noch weitere Hiobsbotschaften ins Haus geflattert: Durus hatte seiner Gattin nachspüren lassen und nur noch in Erfahrung bringen können, dass dieser Crampus sie mit in Richtung Syrien genommen hatte, wie seine Schergen aus einem der Sklaven Laevinas herausgefoltert hatten, war Parthia das Ziel der Reise. Einen Augenblick hatte Durus erwogen, ein Killerkommando loszuschicken, das kurzen Prozess mit Crampus machte, und seine Frau für alle Ewigkeit in der Villa Tiberia einzusperren - davon war er jedoch auf gutes Zureden seines Sekretärs Lukios abgekommen. Stattdessen hatten sie sich zu etwas anderem durchgerungen: Die Ehe musste aufgelöst werden - letztendlich war all das doch ein Problem der Aurelier, denn Durus selbst würde sicherlich rasch eine neue Frau finden. Und so gut hatten sie sich ohnehin nicht verstanden!


    Und so zog an diesem Tag ein Trupp Sklaven, der eine Sänfte umgab, in Richtung Villa Aurelia. Einer der Sklaven klopfte, während Tiberius Durus, aufgrund der Ernsthaftigkeit des Anlasses angetan mit einer dunklen Toga und einem besonders ernsten Gesichtsausdruck.

    Darauf hatte Durus fast schon gewartet: Tiberia Arvinia war verliebt gewesen in den aufstrebenden Orestes, das war letztendlich nicht einmal für den greisen Tiberier zu übersehen gewesen, doch Verliebtheit war wie eine Blume: Sie blühte prächtig, doch eines Tages war sie verblüht und verdorrt. Das war nun wohl endlich eingetreten. Prinzipiell hätte Durus das Mädchen unter diesen Umständen ermahnt und ihr klar gemacht, dass eine Heirat nichts mit Liebe zu tun hatte, sondern eine politische Verbindung zweier Familien war, deren einziges Ziel die Zeugung von Kindern war!


    Doch in diesem Fall entschied er anders: Aurelius Orestes hatte sich ohnehin inzwischen als politische Niete erwiesen. Seit über zwei Jahren hörte man nichts mehr von ihm, soweit seine Spitzel sagen konnten, war er nicht einmal mehr in Rom. Solch ein Mann eignete sich kaum als Gatte für eine Tiberia, nach der sich sicherlich zahlreiche junge Männer alle Finger abschlecken würden! Abgesehen davon gab es ohnehin genügend Verbindungen zu den Aureliern.


    "Arvinia, ich verstehe deinen Groll. Orestes verhält sich tatsächlich unangemessen. Nach so langer Dauer ist es vielleicht wirklich das beste, wenn wir die Verlobung aufheben. Ich werde einen Brief an Corvinus schreiben und das erklären, dann entscheiden wir gemeinsam, wie wir vorgehen."


    Es war in jedem Fall wichtig, Aurelius Corvinus nicht zu sehr zu verärgern, denn immerhin handelte es sich um einen politischen Freund!

    "Oh, also im besten Heiratsalter!"


    meinte Durus erfreut, der langsam Routine darin hatte, junge Tiberierinnen an vielversprechende Ehemänner zu verteilen. Dass dies in diesem Fall Dolabella selbst zukommen würde, bedachte er in diesem Augenblick gar nicht.


    "Und was ist mit ihrem Bruder?"


    fragte er dann weiter.

    Nichtsahnend hatte Durus die Salutatio hinter sich gebracht und ließ sich Briefe vorlesen, als Arvinia das Tablinium betrat. Sie wirkte etwas verängstigt, gerade so, als bedrücke sie etwas.


    "Natürlich, mein Kind! Was liegt dir auf dem Herzen?"


    fragte er daher und gab Lukios ein Zeichen, die Arbeit zu unterbrechen.

    "Ein Einstieg? Ich würde dir empfehlen, dich direkt in ein Collegium kooptieren zu lassen."


    meinte Durus freimütig. Stellte sich natürlich noch das Problem, dass Lupus noch nicht die richtigen Voraussetzungen erfüllte...


    "Vorerst bietet sich aber wohl der Procurator Viatorum an. Ich werde mit Vinicius Lucianus diesbezüglich reden. Und wenn du dann den Ordo Senatorius hast, können wir dir ja einen Platz in einem Collegium beschaffen - oder irgendetwas anderes."

    "Oh, mir geht es gut."


    erwiderte Durus und musste lächeln, als Dolabella ihn vor seiner Tochter warnte. Er erinnerte sich nur noch dunkel an seine Kindheit, als er ebenfalls mit seinen beiden Schwestern hatte auskommen müssen. Honoria war immer recht lebhaft gewesen und man hatte sich oft gestritten!


    "Nein, ich kenne sie nicht. Wie alt ist sie denn? Und warum ist sie nicht mit dir hierher gereist?"


    Wenn er darüber nachdachte, war aber wohl die überraschendste Neuigkeit, dass Dolabella überhaupt eine Tochter hatte!

    Als man an diesem Vormittag nach der Salutatio die Post durchging, verstummte Lukios, als er die Anrede des dritten Briefes vorgelesen hatte. Durus blickte überrascht auf und konnte im Gesicht seines Sekretärs Unwohlsein erkennen.


    "Was ist? Lies weiter!"


    Lukios atmete tief durch, dann fasste er sich ein Herz:


    "Herr, ich habe dir erneut Unerfreuliches zu berichten. Deine Gattin hat die Villa Rustica Baiae am gestrigen Tage verlassen ... in Begleitung des Titus Dominicus Crampus."


    Durus erstarrte. Dominicus Crampus? War das nicht der Sprössling der Dominici von nebenan? Was wollte der denn mit Laevina? Mit einer Geste bedeutete er Lukios weiterzulesen.


    "Auf meine Nachfrage hin verweigerte sie eine Erklärung, doch wie ich von ihren Zofen und Dienern erfahren konnte, plant sie eine Reise gen Osten. Darüber hinaus musste ich erfahren, dass Deine Gemahlin in andern Umständen ist. Die Dienerschaft munkelt, dass jener Crampus der Verursacher ist.


    "Was???"


    brüllte Durus dazwischen. Laevina hatte ihn betrogen? Ihn, ihren Ehemann, den Consular, der sich tapfer durch den Cursus Honorum gekämpft hatte - etwa nur um sich von einem Aurelier-Mädchen Hörner aufsetzen zu lassen?


    "Lies weiter!"


    befahl er barsch und mit brüchiger Stimme fuhr der Sekretär fort.


    "Ich weiß, wie schrecklich dieses Gerücht ist, doch kann ich Dir versichern, dass ich alles unternehmen werde, es auszumerzen. Trotzdem: Sein längerer Zeit pflegt sie regelmäßigen Kontakt zu der Familie der Dominici, unserer Nachbarn, von denen ich nichts Böses ahnte.


    Ich bitte Dich demütigst um Verzeihung für meine Verfehlung, deine Gattin nicht besser beaufsichtigt zu haben. Vergib mir mein Unvermögen, ich war zu arglos! Ich habe versucht, Aurelia aufzuhalten, doch konnte ich es nicht wagen, gegen ihre Leibwächter und Diener anzugehen oder sie gar selbst anzurühren! Vergib mir, Domine!"


    Immer zorniger wurde der alte Tiberier, während er diese Worte hörten, die in seinen Stolz schnitten wie ein Skalpell in Fleisch. Wie konnte sie so etwas wagen?


    "Lukios, stell' eine bewaffnete Truppe zusammen! Wir werden diesen Ovidius schon zeigen, wie es einem Mann ergeht, der eine Consularin verführt!"


    befahl er knapp und schäumend vor Zorn. Er sprang auf, woraufhin ein siedender Schmerz durch sein Bein zog, der ihn sofort zum Zurückfallen zwang. Nicht einmal auf- und abgehen konnte er mehr!


    "Domine, der Brief hat einen langen Weg hinter sich. Bis wir nach Baiae kommen, sind die beiden schon längst über alle Berge!"


    versuchte Lukios seinen Herren zu beschwichtigen.


    "Dann töten wir seine Familie! Dann werden wir schon sehen, wie schnell er wieder da ist!"


    Irgendjemand musste für diese Beleidigung bezahlen! Wenn das Eherecht doch nur so wäre, wie in der guten alten Zeit, als Ehebruch mit dem Tod bestraft worden war!


    "Domine, beruhige dich doch! Im Affekt wurde noch keine weise Tat vollzogen!"


    Nun wurde Durus lauter.


    "Ich will mich aber nicht beruhigen! Meine Frau ist mit irgendeinem Möchtegern-Verführer auf und davon - meine Frau! Ich werde das Gespött von ganz Rom sein! Ein Mann, der nicht einmal seine eigene Familie unter Kontrolle hat!"


    Er schlug mit beiden Fäusten auf den Tisch. Dann fuhr er sich über die Stirn.


    "Wie konnte ich nur so blind sein? Natürlich, sie hat es wahrscheinlich die ganze Zeit mit ihm getrieben - kein Wunder, dass ihr nicht langweilig war!! Wie konnte ich nur diesem nichtsnutzigen Atticus meine Frau anvertrauen? Verflucht sei er! Und verflucht sei sie! Diese Hure!"


    Noch einmal trommelte er mit den Fäusten auf den Tisch, dann hielt er sich die Hände vor das Gesicht und brach zusammen. Rasch sprang Lukios auf und eilte zu seinem Herrn, um ihn zu stützen.

    "Lukios wird dich hinführen."


    meinte Durus und nickte seinem Sekretär zu, der stumm in der Ecke stand und dann und wann Notizen machte.


    Sim-Off:

    Ich denke, wir müssen das nicht ausspielen. Wegen dem Erbe muss ich nochmal nachschauen, ob das überhaupt bei mir angekommen ist...das Konto von Faustus existiert nämlich noch...wenn das geklärt ist, bekommst du es natürlich!

    "Zielstrebigkeit, mein Junge, ist von größter Wichtigkeit in der Politik! Wie auf dem Schlachtfeld muss ein Politiker rasch Entscheidungen treffen und Ziele verolgen!"


    ermahnte der alte Tiberier seinen Sohn bei dieser Gelegenheit, beschloss dann aber, die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen. Das nächste Mal würde Ahala sicher entschiedener vorgehen. Stattdessen wandte er sich der nächsten Frage zu.


    "Ich denke schon. Sie meldet sich zwar nicht so oft, aber ich nehme an, dass das ein Zeichen ist, dass es ihr gut geht!"


    antwortete er uneingedenk der Tatsache, dass seine Frau weder keusch, noch allein lebte.


    "Da fällt mir ein, dass ich für dich ja auch eine Frau suchen wollte - hast du vielleicht zufällig selbst eine vielversprechende Kandidatin gesehen?"