Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Einen Moment stutzte Durus. Das Erbe von Dolabella? Er hatte das Erbe ja damals für ihn angenommen, hatte aber völlig vergessen, worum es sich dabei gehandelt hatte. Da der gute Dolabella es aber nicht zu sonderlich viel gebracht hatte, war es wohl kein Problem, das Geld wieder abzugeben.


    "Kein Problem, auch das kannst du mit Syricus regeln. Ich habe jetzt nicht im Kopf, wie viel das war. Und ich glaube, er war mir ohnehin nichts mehr schuldig."

    Der tiberische Iudex verfolgte den Beginn der Sitzung interessiert. Decimus Mattiacus war einstmals sein Vorgesetzter gewesen und gehörte zu den bekanntesten und anerkanntesten Juristen Roms. Seine Meinung bezüglich der kleinen Gesetzeslücke, die Durus bedauerlicherweise selbst bei seiner Rechtsreform hinterlassen hatte, einfach wegzuwischen, erschien fast etwas vermessen. Der Consular selbst zumindest hielt die Argumentation des Verteidigers für weitaus plausibler, wenn ihm auch nicht ganz klar war, warum er dies überhaupt versuchte: Vor dem Kaisergericht, dem zweifelsohne der Praefectus Urbi oder ein ihm verbundener Iudex vorsitzen würde, hatte dessen erklärter Feind Livianus wohl kaum bessere Chancen als vor dem gewählten Praetor...wobei sich natürlich die Frage stellte, wie Modestus zu Vescularius stand...


    Als der Annaeer die Sitzung überraschend unterbrach, blickte Durus zum Fenster und musste feststellen, dass tatsächlich mehr Zeit vergangen war, als er angenommen hatte. Sich nicht weiter aufhaltend gab er seinem Tross daher den Wink, alles zusammenzupacken und zum nächsten öffentlichen Termin des Tages zu schreiten.

    "Tausend Sesterzen? Kein Problem."


    meinte Durus knapp. Das war nun wirklich keine bedeutende Summe! Scheinbar fehlten Dolabella wirklich nur ein paar Sesterzen, denn für einen angemessenen Lebenswandel reichten die paar Münzen wohl kaum lange genug aus.


    "Dann sprich mit meinem Procurator Syricus. Er wird dir das Geld auszahlen - kein Problem."

    Ein abgehetzter Bote aus Baiae erreichte die Villa Tiberia und gab einen Brief für den Hausherrn ab. Dieser war diesmal fest und doppelt versiegelt.


    Ad
    M' Tiberius Durus
    Villa Tiberia
    Roma, Italia



    M' Tiberianus M' L Atticus M' Tiberio Duro Domino suo s.p.d.


    Herr, ich habe dir erneut Unerfreuliches zu berichten. Deine Gattin hat die Villa Rustica Baiae am gestrigen Tage verlassen, in Begleitung des Titus Dominicus Crampus. Auf meine Nachfrage hin verweigerte sie eine Erklärung, doch wie ich von ihren Zofen und Dienern erfahren konnte, plant sie eine Reise gen Osten. Darüber hinaus musste ich erfahren, dass Deine Gemahlin in andern Umständen ist. Die Dienerschaft munkelt, dass jener Crampus der Verursacher ist. Ich weiß, wie schrecklich dieses Gerücht ist, doch kann ich Dir versichern, dass ich alles unternehmen werde, es auszumerzen. Trotzdem: Sein längerer Zeit pflegt sie regelmäßigen Kontakt zu der Familie der Dominici, unserer Nachbarn, von denen ich nichts Böses ahnte.


    Ich bitte Dich demütigst um Verzeihung für meine Verfehlung, deine Gattin nicht besser beaufsichtigt zu haben. Vergib mir mein Unvermögen, ich war zu arglos! Ich habe versucht, Aurelia aufzuhalten, doch konnte ich es nicht wagen, gegen ihre Leibwächter und Diener anzugehen oder sie gar selbst anzurühren! Vergib mir, Domine!




    Vale bene,
    Scitum per

    Atticus
    ----------------------------------------------------------
    Vilicus villae rusticae Tiberiae Baiae


    Durus seufzte. Arme Verwandte kamen in den letzten Jahren wirklich genügend. Dennoch verbot es die Pflicht zur Unterstützung der Seinen, ihnen diese Hilfe zu versagen.


    "Wie viel brauchst du denn für welche Zeit?"


    Einen Augenblick überlegte der Tiberier, ob er diese Angelegenheit seinem Procurator überlassen sollte...

    Natürlich hatte auch Tiberius Durus seine Salutatio zeitig beendet und war rechtzeitig in der Basilica eingetroffen. Wie seine Amtskollegen, so trug auch er die Toga Praetexta der Pontifices. Da er ausnahmsweise als Richter und nicht als Anwalt erschienen war, war auch sein Anhang diesmal etwas kleiner als üblich, da weder Beweismittel, noch Notizen zu transportieren waren. Nur ein paar Klienten und Sklaven, sowie der getreue Lukios standen ein wenig abseits des Tribunals.


    Sim-Off:

    So, bin ne gute Woche weg. Zieht mich mit, ich komme dann wieder zum Urteil :D

    So viel Bescheidenheit! Durus fragte sich, ob er seinem Sohn ein bisschen mehr Selbstvertrauen einflößen musste! Auf die Frage nach den Schwerpunkten konnte er dagegen prompt antworten, denn was gab es besseres als das, was er selbst getan hatte?


    "Die Rechtswissenschaft ist sehr wichtig, ebenso die Rhetorik. Mit solchem Griechenzeugs wie Musik oder Mathematik brauchst du dich hingegen nicht beschäftigen, das ist sowieso zu nichts zunütze!"


    erklärte er daher und nahm sich noch einen Schluck Wein.


    "Hast du denn schon einen Cursus gemacht?"

    Zitat

    Original von Quintus Claudius Lepidus
    Es dauerte auch nicht sehr lange, bis Lepidus seine Patron begrüßte. >Salve Patronus, ich habe zwei, drei Anliegen, die ich dir gerne vortragen würde jedoch möchte ich mich als erstes bei dir erkundigen, ob ich etwas für dich erledigen kann? Botengäne, Geld eintreiben oder einfach nur das einschüchtern von Zahlungssäumigern? Was kann ich für dich tun. Übrigens, dein letztes Anliegen, deine Person und deine Vorhaben zu unterstützen habe ich selbstverständlich durchgesetzt.<
    Auch wenn dies gerade im Kreise der Familie nicht schwer war.


    Zwar hatte Durus in letzter Zeit wenige Anträge in den Senat eingebracht, aber er war sich sicher, dass Lepidus auch in Zukunft für seine Sache arbeiten würde. Sonstige Aufgaben hatte er zur Zeit allerdings nicht - zumindest keine, die sich für einen jungen Aristokraten eigneten!


    "Gut, gut. Was kann ich für dich tun?"


    fragte er daher.

    Für Tiberius Durus war die Reise nach Misenum eine wahre Tortur gewesen. Zwar war er schon oft an den Golf von Neapolis gereist (besaß er doch auch eine Villa Rustica am Ort, in der die beiden Patrizier abgestiegen waren), doch forderte das Alter inzwischen endgültig seinen Tribut. Die schlecht gefederte Kutsche hatte die beiden richtiggehend durchgeschüttelt und auch der Wechsel der Schlafstätte erfreute den Tiberier wenig.


    Unterwegs hatte man zwar durchaus miteinander Konversation betrieben, doch hatte Durus darauf verzichtet, weiter zu versuchen den Flavier gegen den Kaiser aufzuwigeln - zuerst wollte er den Besuch abwarten. Stattdessen waren philosophische Themen, aber auch stadtrömischer Klatsch ausgetauscht worden, stets unterbrochen von den Arbeitszeiten der beiden (natürlich hatte jeder seinen Sekretär und einen Haufen Arbeit mitgenommen!).


    Erfreulicherweise hatten sie den letzten Weg mit der Sänfte zurückgelegt, sodass Durus nirgends herunterklettern musste (oder vielmehr getragen werden), sondern sich mit Hilfe seines Sekretärs Lukios einfach aufstand und sich auf seinen elfenbeinernen Gehstock stützte. So wartete er, dass die Liktoren ihnen Einlass verschafften.

    Nach Durus' Geschmack hätte die Betonung der eigenen Ahnen noch etwas ausführlicher ausfallen können und die Erwähnung der musischen Studien ein wenig fehl am Platze (welcher Senator schätzte es schon, wenn seine Standesgenossen die Lyra spielten?), doch alles in allem war die Rede des Flaviers wohl in Ordnung.


    "Als Flavius Pisos Mitbruder möchte ich bemerken, dass er seine Pflichten als Arvalis Frater stets gewissenhaft erfüllt und ich daher sicher bin, dass er auch seine Quaestur hervorragend meistern wird!"


    gab er dann zu Protokoll, wie er es versprochen hatte.

    Zitat

    Original von Quintus Claudius Lepidus
    Wie jeden Morgen stand als erstes die Salutatio auf dem Programm. Hierzu hatte sich Lepidus im Atrium der Villa Tiberia eingefunden und wartete geduldig, bis er an det Reihe war.


    Und wie jeden Morgen wurde Claudius Lepidus unter den ersten Klienten in das Tablinium vorgelassen, wo der Hausherr die wichtigen Klienten empfing (soweit sie ein Anliegen hatten).


    "Salve, Claudius!"


    begrüßte Durus den Besucher. Da er hier war, war davon auszugehen, dass er auch etwas wollte (sonst hätte er dem Nomenclator sicherlich Bescheid gegeben, dass er kein Zwiegespräch brauchte!).

    Zitat

    Original von Aulus Flavius Piso
    “Sehr gut! Danke vielmals!“, freute sich Piso, war er doch froh, die Unterstützung dieses einflussreichen Mannes gewonnen zu haben. Mit einem gewissen hoffnungsfrohen Unterton fügte er noch hinzu: “Gut... vielleicht könntest du ja auch noch bei meiner Ansprache im Senat ein paar Worte, dass du mich unterstützt, sagen“, formulierte er ein wenig zaghaft. Das konnte Tiberius sicherlich machen, ohne dass er dadurch irgendetwas verlor, Flavius Piso war immerhin kein dahergelaufener Plebejer. Pisos Dank wäre Durus dafür aber gewiss.


    Das war aber schon wieder weitaus mehr! Einen Augenblick überlegte Durus, ob er diese Bitte abschlagen sollte. Dann meinte er in einem Anflug von Milde jedoch doch:


    "Ich werde deine Zuverlässigkeit als Arvalbruder erwähnen, natürlich."


    Damit war offenbar alles erledigt. Der alte Tiberier sah den Flavier sicherheitshalber aber doch noch abwartend an.

    "Gut, dann werde ich dich gern unterstützen. Sei dir meiner Stimme sicher!"


    erklärte Durus auf die prompte Einwilligung. Wenn er ein wenig wartete, konnte die Stimme des Flaviers vielleicht wirklich noch etwas wert werden - denn gute Anlagen hatte er in jedem Falle (und vermutlich hätte Durus auch einfach so seine Stimme für ihn gegeben, wenn es nicht deutlich vielversprechendere Kandidaten gab).

    Durus nickte, obwohl er wenig davon hielt, länger über Verstorbene zu schwadronieren, die keine direkten Vorbilder waren. Aber wahrscheinlich rief die Erinnerung bei Spurius Dolabella viele Erinnerungen hervor.


    "Du möchtest kein Amt, aber Rom von Nutzen sein? Wie genau stellst du dir das vor?"


    fragte er dann verwirrt. Alles in allem klang es in jedem Fall so, als ob Dolabella der Familia Tiberia Romae für eine Weile auf der Tasche liegen würde...

    Das schwarze Schaf? Durus kannte diesen Zwillingsbruder Dolabellas eigentlich nicht (nur vom Hörensagen). Dass er aber offenbar nicht der beliebteste Spross der Familie war, hatte er irgendwo schon einmal gehört. Dennoch zeigte sich der alte Tiberier ungerührt. Stattdessen erwiderte er knapp


    "Er ist tot. Du findest sein Grabmal an der Via Latina. Es tut mir leid."


    Er wartete einen Augenblick um Dolabella die Möglichkeit zu geben, diese Information zu verdauen (obwohl er glaubte, dass er einen Brief nach Achaia geschrieben hatte).


    "Du kannst dich gern eine Weile hier bei uns erholen - was hast du eigentlich vor?"


    Wenn er das Leben in Achaia hinter sich ließ, musste logischerweise auch ein Leben vor ihm liegen, das er plante!