Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Mitten in der Nacht hatte das Atrium ein schauriges Flair. Durch das Loch im Dach strahlten die Sterne auf das Impluvium, auf dessen Wasseroberfläche sich ihr Licht spiegelte. An den Wänden hingen vereinzelt Öllampen, um den wenigen Nachtaktiven den Weg zu leuchten.


    Stesichoros stellte den müden Boten mitten im Raum ab und versprach, den Dominus zu holen. Allerdings dauerte es ziemlich lange, ehe Fußgetrappel laut wurde und schließlich der Senator, gehüllt in sein Nachtgewand, gefolgt von einem Sklaven, der ihn stützte, sowie seinem Sekretär Lukios, der völlig verschlafen aus der Wäsche blickte, im Atrium eintrafen.


    "Was ist geschehen?"


    fuhr der Pontifex ihn mit strenger Stimme an.

    Zitat

    Original von Tiberia Faustina
    Überzeugt das er, was die Schmerzen anbetraf, log, zog es Faustina vor nicht weiter darauf einzugehen. Was man über ihn so sagte, schien auch nicht zu stimmen. Er war freundlich und nett.


    "Ich freue mich das ich hier bin. Endlich werde ich den Rest der Familie kennenlernen. Vielleicht kann ich der Gens Tiberia auf die eine oder andere Weise nützlich sein. Man muss es mir nur sagen.".


    Das kam aus dem Herzen. Denn bisher hatte sie nur ihren Vater und selten ihren Halbbruder gesehen. Sie wusste das sie zu einer der grossen Familien gehörte. Doch von ihrem Vater war sie auf das was kommen könnte, nicht so richtig vorbereitet worden. Er mochte sein Faustinchen zu sehr, um sie damit zu belasten. Hier in Roma, am Sitz der Familie, würde sich ihr Leben ändern ... zwangsläufig.


    Durus nickte wohlwollend. Das Mädchen war ausgesprochen höflich und hilfsbereit!


    "Du kannst vielleicht Arvinia ein wenig bei der Führung des Haushalts zur Hand gehen. Das wird sie sicherlich sehr freuen."


    Gerade jetzt, wo Arvinia etwas unglücklich war, würde eine neue Freundin ihr sicherlich Ablenkung verschaffen!

    Aufmerksam hörte der Patron seinem Klienten zu. Alles in allem klang es nicht dumm - auch Durus hätte gern einmal etwas Legionsluft geschnuppert!


    "Ich kann dir das Militärtribunat wärmstens empfehlen, Claudius. Gerade in unseren Zeiten brauchen wir immer wieder fähige Senatoren, die Erfahrung auch im militärischen Bereich mitbringen. Gerade, wenn du weiter kommen wirst, ist ein Kommando eigentlich unabdingbar."


    Zwar hatte Durus es auch ohne Statthalterschaft und Legionskommando geschafft, doch wurde er dafür gelegentlich nicht nur von den Homines Novi belächelt. Ein Römer musste nunmal für seinen Staat kämpfen!


    Die zweite Angelegenheit war etwas anders. Er kannte Duccius Vala kaum und wusste auch nicht, warum er diesen unterstützen sollte. Daher blieb er unverbindlich:


    "Ich werde sehen, was ich für Duccius Vala tun kann."

    Die Jugend des Tiberiers lag gefühlt schon unfassbar weit weg. Jetzt war er alt und spröde und nur seine Familie konnte noch sein Herz erweichen! Insbesondere die Hilfsbereitschaft des Mädchens erzeugte bei ihm ein mildes Lächeln.


    "Ach, nicht einmal meine Ärzte können mir richtig helfen. Ich fürchte, auch du kannst kaum etwas für mich tun. Aber so schlimm ist es nicht."


    log Durus. Tatsächlich schmerzte es regelmäßig - aber was würde es helfen, Faustina weiter zu besorgen?

    Durus nickte. Es hatte in den letzten Jahrzehnten die eine oder andere Säuberungsmaßnahme in Rom gegeben. Sicherlich war Dolabella nicht der einzige, der nach Rom kam und keine Freunde mehr besaß. Das änderte aber nichts an der Gefahr, die von den Germanici ausging!


    "Die Factiones haben nicht mehr die Bedeutung, die sie einst hatten."


    stellte der alte Tiberier erst einmal klar. Auch er selbst hatte diese Zeit nicht mehr erlebt, doch natürlich wusste er um den politischen Einfluss, den sie vor vielen Jahren besessen hatten.


    "Die Germanici sind Menschen, die die Traditionen Roms mit Füßen treten und sie beleidigen, wo es nur geht. Germanicus Avarus etwa hat den göttlichen Romulus einst als Räuberführer bezeichnet, Germanicus Sedulus beleidigt uns Patrizier und unsere Ahnen, wo er nur kann. Sie sind einfach das typische Beispiel einer geldgierigen, traditionsvergessenen Aufsteigerfamilie, wie es leider so viele gibt. Du solltest Acht geben, dass sie dich nicht einwickeln mit ihrer gespielten Freundlichkeit. Ihr Einfluss ist schädlich wie Gift!"

    Durus lächelte ebenfalls, als er so viel Vaterstolz mitbekam. Und tatsächlich war sie sehr gut gewachsen und äußerst attraktiv, sodass sie sicherlich eine gute Ehefrau und Mutter abgeben würde.


    "Ave, Faustina! Sei willkommen hier bei uns!"


    Er blickte zu Dolabella.


    "Ist sie gerade erst angekommen?"

    Zitat

    Original von GAIUS ULPIUS AELIANUS VALERIANUS
    "So wie die Worte eines Mannes nicht immer die ehrliche Wahrheit über seine Taten berichten, berichtet das Äußere eines Mannes auch nicht immer die Wahrheit über seine Kraft."


    Hätte Valerianus seine Tage wieder durchgängig liegend verbracht, wie damals zeitweise im Illyricum, hätte er jeden Glauben an eine Genesung schon aufgegeben. So hielt ihn wenigstens dieser zusammen mit der Seeluft aufrecht.


    Dem Gebot der Ehrerbietung Folge leistend schwieg Durus und überließ dem Consul das Reden. Glücklicherweise war Furianus dabei recht forsch und ließ sich nicht von den Sekretären aufhalten, die scheinbar jeglichen Kontakt vom Kaiser fernhalten wollten. Wieder einmal musste der alte Tiberier an seine Theorie denken, wonach der Kaiser völlig regierungsunfähig war.


    Als sie dann dem Kaiser gegenübertraten, war Durus erstaunt, diesen aufrecht sitzend anzutreffen. Doch schon die orakelhaften Worte des Kaisers zu seiner Gesundheit sprachen nicht gerade dafür, dass er sich auf dem Weg der Besserung befand. Der Tiberier versuchte daher weitere Anzeichen für die Krankheit des Kaisers zu erkennen. Wirkte er nicht noch immer recht blass? Waren seine Augen nicht trüb? Und seine Lippen, waren sie nicht recht trocken?


    Er enthielt sich jedoch eines Kommentars, sondern wartete, dass Furianus das Gespräch eröffnete.

    Ad
    Tiberia Septima
    Castra Legionis I Traianae P F
    Mantua, Italia



    M' Septimae s. p. d.


    Es tut mir sehr leid, dass ich mich erst jetzt melde. Du weißt ja, dass ich viel zu tun habe und dabei sind deine Briefe dummerweise irgendwo dazwischengerutscht, sodass ich sie länger nicht finden konnte. Dafür wird dieser Brief aber umso ausführlicher sein!


    Zuerst möchte ich dir und deinem Gatten zu deinem Nachwuchs gratulieren. Natürlich wünsche ich euch aus tiefstem Herzen, dass es ein Stammhalter wird, der eure Familie und euer Andenken in die nächste Generation tragen wird!


    Zu gern würde ich zu euch kommen um meinen Großneffen selbst in die Arme zu schließen. Doch leider macht mein Bein mir immer wieder Beschwerden und die Ärzte haben mir untersagt, zu reisen. Deshalb muss ich mein Dasein diesen Sommer im stickigen Roma fristen. Ich weiß nicht, ob diese Luft für eine schwangere Frau nützlich ist, daher empfehle ich dir, mit deinen Ärzten zu sprechen, ob es sinnvoll ist, eine solche Reise zu unternehmen. Trotzdem würde ich mich selbstverständlich freuen, wieder einmal deine Gesellschaft genießen zu können, zumal es auch hier in Rom in den Senatsferien recht still geworden ist.


    Allerdings gab es auch hier wieder Überraschungen: Jener Spurius Tiberius Dolabella, der dir bereits geschrieben hat. Er ist der Zwillingsbruder von Faustus Tiberius Dolabella (und sieht ihm tatsächlich zum Verwechseln ähnlich!), lebt jedoch beiweitem nicht so zurückgezogen. Seit er hier ist, finden ständig Cenae mit verschiedenen Persönlichkeiten der Stadt statt und tatsächlich hat er scheinbar bereits viele Kontakte geknüpft. Leider sind wir noch nicht ausführlicher ins Gespräch gekommen, doch ich bin überzeugt, dass er es weiter bringen wird als sein Bruder. Im Übrigen hat er auch seine Tochter Faustina mit hierher gebracht. Vermutlich werden wir bald einen geeigneten Ehemann für sie suchen, denn sie ist im besten heiratsfähigen Alter.


    Anderes ist leider weitaus unerfreulicher: Ich habe beschlossen, mich von Aurelia Laevina zu trennen. Sie hat mich verlassen und ist mit einem dahergelaufenen Habenichts auf und davon. Wir konnten sie nicht einmal aufspüren. Solch eine Beleidigung konnte ich nicht auf mir sitzen lassen, doch denke ich, dass ich inzwischen über diesen Verlust hinweg gekommen bin.


    Nicht ganz so tragisch ist es mit Arvinia und Orestes. Doch dieser hat sich seit Monaten und Jahren nicht mehr gemeldet, weshalb wir die Verlobung aufheben werden. Es kann weder für unsere Familie von Nutzen sein, Arvinia so lange vom Heiratsmarkt fernzuhalten, während es nicht einmal klar ist, ob es jemals zu einer Heirat kommen wird. Ich hoffe, die Aurelier werden dies verstehen, doch noch haben wir ja die Verbindung zwischen Aurelius Ursus und dir, das wohl hinreichend unsere guten Beziehungen beweist.


    Ich denke, über die Wahlen muss ich dich nicht mehr unterrichten - die Ergebnisse werden inzwischen nach Mantua durchgedrungen sein. Allerdings scheint Vescularius Salinator Rom immer stärker in den Griff zu bekommen. Die Debatte über die Verteilung der gewählten Kandidaten auf die Posten brach er einfach ab und setzte mit Gewalt einen Beschluss durch - mit kaiserlicher Rückendeckung! Ich frage mich, ob der Kaiser überhaupt das Geschehen hier in Rom verfolgt. Ich hoffe, dass er nicht von alledem wusste, sonst sehe ich eine große Gefahr für Rom heraufziehen. Belaste dich aber nicht damit, sondern schone dich, damit es deinem Kind gut geht.


    Mögen die Götter über dich und die Frucht deines Leibes wachen!
    [Blockierte Grafik: http://img157.imageshack.us/img157/6083/siegelmtdsenatorhc0.gif]

    Durus gab einem Sklaven einen Wink, sodass dieser sofort kühles Wasser für die Dame einschenkte. Mit einem Ächzen setzte sich Durus unterdessen in den Korbsessel gegenüber.


    "Ach, mein Bein macht mir etwas zu schaffen. Aber im Übrigen geht es mir gut, danke. Und dir? Wie geht es dir? Wie geht es deinem Gatten? Er hat schon länger nicht mehr von sich reden machen!"


    Tatsächlich konnte Durus sich gar nicht mehr an die letzte öffentliche Äußerung des Purgitiers im Senat oder auf dem Forum erinnern. Hatte möglicherweise sein Abstieg begonnen?

    Im Tablinium thronte Tiberius Durus auf seinem Stuhl und diktierte einen Brief an einen senatorischen Freund, der beneidenswerterweise die Senatsferien außerhalb Roms verbringen konnte, während Durus' schlimmes Bein ihn hier fesselte.


    Als es klopfte, dauerte es eine Weile, ehe er verstummte und der Sekretär nachsah, wer da etwas wollte. Natürlich schob er sofort den Vorhang beiseite und ließ die beiden Tiberier eintreten.


    "Dolabella, welch eine Überraschung! Und wer ist die Dame an deiner Seite? Lass mich raten: Deine Tochter?"


    Eigentlich hatte er den Namen des Mädchens anfügen wollen, doch dummerweise kam Durus in diesem Moment nicht darauf, wie er lautete...

    Im Stillen dankte Durus seinem Freund Furianus für die klaren Worte. Die Antwort Salinators fiel allerdings noch unverschämter aus, als der Tiberier erwartet hatte! Wieder einmal bestätigte sich auf traurige Weise seine Einschätzung über diesen Homo Novus!


    Schließlich riss er sich an seinem Gehstock hoch und fuhr den Praefectus Urbi scharf an:


    "Willst du etwa einem Senatoren Roms mit Hochverrat drohen, weil er die Mores Maiorum für dieses ehrwürdige Gremium einfordert, Vescularius?"

    "Sedulus? Germanicus Sedulus?"


    Durus horchte erschrocken auf. Scheinbar war es noch nicht zu jedem seiner Verwandten durchgedrungen, dass ein Tiberius einen Germanicus zu verachten hatte! Und nun lud Dolabella ihn zum Essen? Das konnte wirklich nur mit seiner erst kurzen Anwesenheit in Rom erklärt werden!


    "Ich bitte dich, in Zukunft von Einladungen der Germanici in mein Haus abzusehen. Zwischen Germanicus Sedulus und Germanicus Avarus und mir liegen...unüberbrückbare Differenzen vor."


    erwiderte er daher frostig.


    "Iulia Corona kenne ich nicht. Aber Iulius Centho kannst du gern einladen. Was möchtest du denn von ihm?"

    Die Reaktion von Corvinus war verständlich, allerdings kaum mit den stoischen Forderungen nach Ataraxia kaum vereinbar. Dass dem Aurelier ähnliche Gedanken kamen wie Durus, als er vom ersten Mal von Laevinas Flucht erfahren hatte, hätte diesen möglicherweise zu einem ironischen Lächeln gebracht (wäre die Angelegenheit nicht viel zu ernst). Dass Corvinus es schließlich akzeptierte, beruhigte den Tiberier.


    Als er dann jedoch einen Ersatz anbot, stutzte Durus. Er hatte nicht mit einer so raschen Reaktion gerechnet! Was sollte er darauf sagen?


    "Das ist sehr großzügig von dir, Corvinus. Wir können zu gegebener Zeit gern darüber verhandeln. Gewähre mir nur einen Augenblick Zeit."


    Tatsächlich hatte Durus bei allem Ärger noch gar nicht über einen Ersatz nachgedacht! Vielleicht boten sich ja auch andere Verbindungen an, wo doch schon Septima mit einem Aurelius verheiratet war!

    Genaugenommen wusste Durus gar nicht, was Tiberius Dolabella getan hatte, aber dass er in Rom nicht politisch aktiv war, war ihm natürlich klar. Die Frage verwirrte ihn jedoch auch ein wenig: Wenn Albina mit Macer verheiratet war, konnten die Beziehungen doch kaum schlecht stehen!


    "Er gehörte zu den engsten Vertrauten von Iulianus. Allerdings scheint Valerianus kaum auf ihn zu bauen - wie überhaupt kaum auf einen Senator außer seinen Bruder und Vescularius Salinator."


    Um dann dennoch seine Frage zu berücksichtigen, fügte er noch an:


    "Wir unterhalten ausgezeichnete Beziehungen zu ihm. Deswegen habe ich Albina mit ihm verheiratet."

    Natürlich hatte man den Hausherrn prompt informiert, dass Tiberia Albina eingetroffen war. Sofort machte er sich auf und kam, gestützt auf seinen Sekretär, im Atrium an. Bereits von Ferne erkannte er Albina und kam lächelnd auf sie zu.


    "Albina, was für eine Überraschung! Setz dich doch! Möchtest du einen Schluck trinken?"


    Im August war Rom nahezu unerträglich, was besonders dem alten Tiberier zusetzte, sodass stets gekühltes Wasser in seiner Nähe sein musste.

    Durus hielt den Stock in der Hand und betrachtete die Exedra. Ob Laevina hier oft gesessen war? Er hatte nie groß mit ihr gesprochen! Ob das der Fehler gewesen war? Nun war es zu spät! Und es lag wohl auf der Hand, dass es ihr Fehler gewesen war!


    Der Blick von Durus wurde angesichts dieser Gedanken noch ein wenig kälter. Als dann Corvinus eintrat, erhob er sich allerdings doch mit einem Ächzen. Er hatte ganz vergessen, dass seine Kleidung ein wenig aufsehenerregend war, aber vielleicht war es ganz gut, wenn Corvinus etwas in Sorge war - denn dazu hatte er wohl allen Grund!


    "Salve."


    grüßte er knapp und musste auf die Frage des Aureliers wahrheitsgemäß antworten:


    "Ich weiß es nicht. Und das genau ist der Grund, warum ich hier bin."


    Mit traurigem Gesichtsausdruck sog er die Luft ein, was ein wenig Spannung aufbauen musste.


    "Aurelia Laevina war in der letzten Zeit auf meinem Landsitz in Baiae. Nun schrieb mir mein Verwalter, dass sie abgereist sei. Jedoch nicht zu mir, sondern gemeinsam mit einem Nachbarn, einem jungen Mann, in Richtung Süden. Meine Informanten konnten mir nur noch berichten, dass sie in Richtung Syria ein Schiff bestiegen haben."


    Er blickte einen Augenblick gedankenverloren zu Boden.


    "Es tut mir sehr leid, Aurelius, aber ein solches Verhalten kann ich nicht bei meiner Gattin akzeptieren. Nimm es nicht persönlich, aber ich habe beschlossen, mich scheiden zu lassen. Über solch einen Affront kann ich nicht hinwegblicken."


    Er sah mit entschuldigender Miene zu Corvinus, die jedoch eher gespielt war. Er war weniger traurig als wütend über dieses Flittchen, das sich als seine Gattin ausgegeben hatte! Einen Moment leuchteten seine Augen voll Zorn auf, dann hatte er sich wieder unter Kontrolle.