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Tiberia Septima
Castra Legionis I Traianae P F
Mantua, Italia
M' Septimae s. p. d.
Es tut mir sehr leid, dass ich mich erst jetzt melde. Du weißt ja, dass ich viel zu tun habe und dabei sind deine Briefe dummerweise irgendwo dazwischengerutscht, sodass ich sie länger nicht finden konnte. Dafür wird dieser Brief aber umso ausführlicher sein!
Zuerst möchte ich dir und deinem Gatten zu deinem Nachwuchs gratulieren. Natürlich wünsche ich euch aus tiefstem Herzen, dass es ein Stammhalter wird, der eure Familie und euer Andenken in die nächste Generation tragen wird!
Zu gern würde ich zu euch kommen um meinen Großneffen selbst in die Arme zu schließen. Doch leider macht mein Bein mir immer wieder Beschwerden und die Ärzte haben mir untersagt, zu reisen. Deshalb muss ich mein Dasein diesen Sommer im stickigen Roma fristen. Ich weiß nicht, ob diese Luft für eine schwangere Frau nützlich ist, daher empfehle ich dir, mit deinen Ärzten zu sprechen, ob es sinnvoll ist, eine solche Reise zu unternehmen. Trotzdem würde ich mich selbstverständlich freuen, wieder einmal deine Gesellschaft genießen zu können, zumal es auch hier in Rom in den Senatsferien recht still geworden ist.
Allerdings gab es auch hier wieder Überraschungen: Jener Spurius Tiberius Dolabella, der dir bereits geschrieben hat. Er ist der Zwillingsbruder von Faustus Tiberius Dolabella (und sieht ihm tatsächlich zum Verwechseln ähnlich!), lebt jedoch beiweitem nicht so zurückgezogen. Seit er hier ist, finden ständig Cenae mit verschiedenen Persönlichkeiten der Stadt statt und tatsächlich hat er scheinbar bereits viele Kontakte geknüpft. Leider sind wir noch nicht ausführlicher ins Gespräch gekommen, doch ich bin überzeugt, dass er es weiter bringen wird als sein Bruder. Im Übrigen hat er auch seine Tochter Faustina mit hierher gebracht. Vermutlich werden wir bald einen geeigneten Ehemann für sie suchen, denn sie ist im besten heiratsfähigen Alter.
Anderes ist leider weitaus unerfreulicher: Ich habe beschlossen, mich von Aurelia Laevina zu trennen. Sie hat mich verlassen und ist mit einem dahergelaufenen Habenichts auf und davon. Wir konnten sie nicht einmal aufspüren. Solch eine Beleidigung konnte ich nicht auf mir sitzen lassen, doch denke ich, dass ich inzwischen über diesen Verlust hinweg gekommen bin.
Nicht ganz so tragisch ist es mit Arvinia und Orestes. Doch dieser hat sich seit Monaten und Jahren nicht mehr gemeldet, weshalb wir die Verlobung aufheben werden. Es kann weder für unsere Familie von Nutzen sein, Arvinia so lange vom Heiratsmarkt fernzuhalten, während es nicht einmal klar ist, ob es jemals zu einer Heirat kommen wird. Ich hoffe, die Aurelier werden dies verstehen, doch noch haben wir ja die Verbindung zwischen Aurelius Ursus und dir, das wohl hinreichend unsere guten Beziehungen beweist.
Ich denke, über die Wahlen muss ich dich nicht mehr unterrichten - die Ergebnisse werden inzwischen nach Mantua durchgedrungen sein. Allerdings scheint Vescularius Salinator Rom immer stärker in den Griff zu bekommen. Die Debatte über die Verteilung der gewählten Kandidaten auf die Posten brach er einfach ab und setzte mit Gewalt einen Beschluss durch - mit kaiserlicher Rückendeckung! Ich frage mich, ob der Kaiser überhaupt das Geschehen hier in Rom verfolgt. Ich hoffe, dass er nicht von alledem wusste, sonst sehe ich eine große Gefahr für Rom heraufziehen. Belaste dich aber nicht damit, sondern schone dich, damit es deinem Kind gut geht.
Mögen die Götter über dich und die Frucht deines Leibes wachen!
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