Beiträge von Manius Tiberius Durus

    | Stesichoros


    Diese Aussage war so vage, dass sich gleichermaßen auch erfunden sein konnte. Eigentlich hätte er nun detaillierter nach der Verwandtschaft gefragt, doch da er nicht unverschämt sein wollte, beschloss er, den jungen Mann vorerst hinein zu lassen und dann, ehe er den Hausherrn holte, auf dem großen Stammbaum im Lararium nachzusehen.


    "Gut, dann folge mir. Deine Begleiter müssen vorerst warten."


    Und wehe, er hatte ihn angelogen!




    Lupus wurde in das weitläufige Atrium geführt. Stesichoros bat ihn dort zu warten und verschwand in einer Nische, aus der er nach einiger Zeit wieder herauskam und hinter einem Vorhang verschwand. Als er dort wieder hinauskam, hörte man das Klopfen eines Stockes auf Marmor.


    Kurz darauf trat zuerst ein jüngerer, dann ein älterer Mann aus dem Tablinium, gehüllt in eine weite Sommertunica und gestützt auf einen elfenbeinernen Stock mit einem Luchskopf. Sein Blick war hart und fast ein wenig grimmig, als er auf dem jungen Tiberier zukam.


    "Du bist also Manius Tiberius Lupus, der Sohn des Decimus Tiberius Lupus?"


    Der jüngere Mann trug Tabulae an seinem Handgelenk - es musste sich um den Scriba handeln!

    Durus atmete auf. Zwar ahnte er nichts von dem Plan, den der Stadtpräfekt verfolgte, doch war es zweifelsohne ein Fortschritt, wenn der Antrag nicht grundsätzlich blockiert wurde.


    "Dann schlage ich folgende Formulierung vor:


    I. Über die Provinzen des Imperium Romanum
    Es gibt kaiserliche Provinzen und Provinzen des römischen Volkes, welche gesondert bestimmt werden. Eine Provinz ist unterteilt in Civitates, welche für jede Provinz gesondert bestimmt werden. Die Etablierung und der rechtliche Status einer Provinz erfolgt in einer separaten Lex Provincialis, die gemäß den Bestimmungen des Codex Universalis verabschiedet wird.


    und
    V. Über die Verwaltung der Civitas
    Die Verwaltung einer Civitas wird bestimmt durch eine Lex Municipalis, welche gemäß den Bestimmungen des Codex Universalis verabschiedet wird.
    "


    Er seufzte und blickte in die Runde. Ob es noch inhaltliche Bemerkungen geben würde?

    | Stesichoros


    Wenn Lupus sich verdächtig gemacht hatte, dann jetzt: Zuerst Privat. Dann doch geschäftlich? Und dann zeigte er seine Unsicherheit auch noch durch eine Frage, mit der er offenbar auf eine Gleichbehandlung pochte! So etwas war höchst verdächtig!


    "Also solange ich hier Ianitor bin können fremde Geschäftsleute nicht mir nichts, dir nichts zu meinem Dominus vorgelassen werden."


    Ein 'Aber das ist dir sicherlich in deiner langen Wohnzeit in unserer Villa entgangen' ersparte er sich für den Fall, dass es tatsächlich stimmte, was er sagte. Aber es gab ja Möglichkeiten, das zu prüfen:


    "Kannst du mir denn sagen, inwiefern du mit meinem Dominus verwandt bist?"





    IANITOR – GENS TIBERIA

    | Stesichoros


    Manius Tiberius Lupus...Sohn eines Decimus Tiberius Lupus - Stesichoros verstand nur Bahnhof! Es gab definitiv zu viele Tiberii, doch dieser hier musste wohl zu einem eher wohlhabenden Zweig der Gens gehören, wenn er sich drei Begleiter und auch noch vier Pferde leisten konnte! Dennoch musste man vorsichtig sein: Jeder konnte so etwas behaupten (zumal wenn er beim Namen des Hausherrn stocken musste! Und überhaupt: Was wollte er denn?


    "Und was willst du vom ehrenwerten Consular Tiberius?"





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Zufrieden quittierte Durus die Zustimmung zu seinem Änderungsvorschlag, umso unzufriedener jedoch die Arroganz des Stadtpräfekten! Wie konnte er es wagen, sich einfach über die Tradition zu stellen? Wie konnte es überhaupt ein Vertreter des Kaisers wagen, den Senat so zu beleidigen!


    Einen Moment war er versucht, zu einer langen Rede über die Würde des Senates anzusetzen, als Macer einen Kompromiss vorschlug, der zwar zugegebenermaßen faul war, dennoch wohl die einzige Möglichkeit, diese entwürdigende Debatte zu beenden.


    "Dann schlage ich vor, jede Provinz wird durch eine spezielle Lex Provincialis eingesetzt, wie sie auch schon für Aegyptus vorliegt, ebenso jede Stadt durch eine Lex Municipalis, die nach § 3, Codex Universalis, zustandekommt."


    Er blickte in die Runde und verharrte bei Salinator, der dasaß, als wäre er zu Hause bei einem Convivium. Allein das war wieder eine Beleidigung für alle Anwesenden!

    Ad
    M Aurelius Corvinus
    Villa Aurelia
    Roma, Italia



    M' Tiberius Durus Pontifex pro Magistro Pontifici M Aurelio Corvino s.p.d.


    wie ich auf Deine Nachfrage hin feststellte, ist die betreffende Germanica Calvena gar nicht mehr in Roma gemeldet, weshalb ich ihre Entlassung aus dem Tempeldienst veranlasst habe. Ich danke Dir für deinen Hinweis. Ich glaube nicht, dass wir das Collegium mit diesem Bagatell-Fall belasten müssen, jedoch werde ich bei der betreffenden Aeditua noch einmal nachforschen.


    [Blockierte Grafik: http://img157.imageshack.us/img157/6083/siegelmtdsenatorhc0.gif]
    PONTIFEX PRO MAGISTRO

    "Wenn er keinen hat. Wie ich hörte, wirft er bereits seine Netze aus."


    bemerkte Durus, dem unklar war, warum Furianus so selbstverständlich von seinem Szenario ausging. Die Legionen an der Danuvia waren die größte Truppenkonzentration nach Germania in einer Provinz!


    "Weißt du im übrigen mehr über diesen Maioranus? Oder wo er steckt? Oder wie alt er überhaupt ist?"


    Valerianus hielt seinen Sohn immerhin ziemlich aus der Öffentlichkeit heraus - sogar noch mehr als sich selbst!

    Durus bedachte den Germanicer mit einem vernichtenden Blick. Natürlich mussten solche unqualifizierten Bemerkungen wieder aus diesem Mund kommen!


    "Danke für deine äußerst lehrreiche Geschichtsstunde, Germanicus. Die Intention meiner Bemerkung war lediglich, dass es von Anfang an die Aufgabe des Senates war und dies auch nie angetastet wurde!"


    Er blickte zu Salinator. Was würde er sagen?

    Zwar hatte der alte Tiberier durchaus mit Gegenstimmen gerechnet, doch nicht in dieser Heftigkeit. Dass Salinator dabei so aufbrauste, passte gut in sein Bild von diesem eingebildeten Homo Novus. Ehe er jedoch darauf antworten konnte, meldete sich Macer zu Wort - mit einem durchaus wichtigen Kommentar!


    "Es entspricht der ureigensten Tradition unseres Staates, dass der Senat über die Provinzen entscheidet! Schon unsere erste Provinz Sicilia wurde durch den Senat besetzt und auch der göttliche Augustus hat die Verwaltung der Provinzen an den Senat und das Volk zurückgegeben! Es ist ja nicht so, dass wir dem Kaiser die Verwaltung seiner Provinzen entreißen wollen - dennoch bin ich der Meinung, dass das Recht der Vergabe grundsätzlich dem Senat zusteht!"


    Dann wandte er sich Macers Meinung zu und überlegte sich rasch eine neue Formulierung.


    "Um dies zu betonen könnte man die ersten beiden Abschnitte folgendermaßen ändern:


    'Eine Provinz ist unterteilt in Civitates, welche für jede Provinz gesondert bestimmt werden. Diejenigen Provinzen, die der Verwaltung des Kaisers unterstellt sind, werden als kaiserliche Provinzen bezeichnet. Et cetera.


    Eine Provinz wird von einem Proconsul verwaltet, der durch den Senat ernannt wird. In Provinzen, in denen der Kaiser Proconsul ist, entsendet er als seinen Stellvertreter einen Legatus Augusti pro Praetore. Et cetera'"

    "Achso."


    meinte Durus und fragte sich, ob das wirklich Quartos Plan war: Einen kranken, einflusslosen Kaiser durch einen unbekannten, jungen, vermutlich ebenso einflusslosen Kaiser zu ersetzen! Der alte Tiberier konnte sich wahrhaft günstigere Szenarien für Rom vorstellen!


    "Wie dem auch sei: Ich halte den jungen Maioranus für zu unerfahren, dass er die Macht übernehmen könnte. Abgesehen davon wird Vescularius sich wohl kaum das Heft aus der Hand nehmen lassen! Und er verfügt immerhin über die Cohortes Urbanae und - wenn ich recht informiert bin - über die Truppen an der Danuvia. Sein dortiger Nachfolger soll ein ihm treuer Klient sein."


    Zwar glaubte Durus eigentlich nicht an einen Staatsstreich, doch konnte sich die Situation rasch ändern, wenn die Macht Salinators in Gefahr war!

    Es hatte unglaublich lange gedauert, ehe Durus dazu gekommen war, den versprochenen Antrag einzubringen: Zuerst war er zu beschäftigt gewesen mit seinem Consulat, später dann mit seiner Verletzung in Baiae. Nun jedoch war es endlich gelungen - natürlich hatte er alles noch einmal überdenken und anpassen müssen - und er ließ sich auf die Rednerliste setzen. Als er an der Reihe war, erhob er sich - natürlich gestützt auf seinen Gehstock - und begann zu sprechen:


    "Patres conscripti!


    schon während meines Consulats fiel die starke Reformbedürftigkeit unserer Provinzen auf, wie ihr euch sicherlich erinnert. Wir hatten eine Inquisitio Senatus einberufen, die Nachforschungen anstellen sollte. Doch offenbar liegen noch keine Ergebnisse vor. Dennoch bin ich der Meinung, dass wir das Wohl unserer Provinzen nicht hinausschieben können, weshalb ich eine Angelegenheit angegangen bin, die mir als Jurist wohl am angemessensten ist: Die Reform der Verwaltungsstäbe unserer Provinzen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Juristen, darunter die Gebrüder Vinicii und Caecilius. Wir haben eine neue Lex Provincialis aufgesetzt, die Verwaltungen der Provinzen in eine traditionellere Form gießen soll. Ich werde den gesamten Entwurf kurz verlesen und dann die Details erklären:


    Lex Provincialis


    Dieses Gesetz regelt die Verwaltung und das Recht für die Provinzen des Imperium Romanum.


    I. Über die Provinzen des Imperium Romanum
    Es gibt kaiserliche Provinzen und Provinzen des römischen Volkes, welche gesondert bestimmt werden. Eine Provinz ist unterteilt in Civitates, welche für jede Provinz gesondert bestimmt werden. Über die Etablierung sowie den rechtlichen Status einer Provinz verfügt der Senat.


    II. Über die Provinzverwaltung
    Eine kaiserliche Provinz wird von einem Legatus Augusti Pro Praetore, alle anderen von einem Proconsul verwaltet. Der Legatus Augusti Pro Praetore wird vom Kaiser, der Proconsul vom Senat ernannt.
    Der Statthalter verwaltet die Provinz umfassend, er stellt die öffentliche Ordnung sicher. Der Legatus Augusti Pro Praetore ist Befehlshaber des in der Provinz stationierten Militärs.


    Zur Unterstützung des Statthalters in der Rechtsprechung der Provinz wird ein Legatus Iuridicus, zur Verwaltung des kaiserlichen Privatbesitzes ein Procurator Rationis Privatae vom Kaiser ernannt. Die Steuerverwaltung einer Provinz des Kaisers übernimmt ein Procurator Augusti, die aller anderen Provinzen ein Quaestor Provincialis.


    III. Über den Verwaltungsstab.
    Der Statthalter ernennt einen Procurator Civitatium sowie einen Princeps Praetorii. Der Procurator Civitatium übt die Aufsicht über die Civitates aus und kann städtische Beamte bei groben Verfehlungen entlassen sowie ernennen. Der Princeps Praetorii ist der Sekretär des Statthalters.
    Zur Unterstützung der Verwaltung können Scribae, Beneficarii sowie Apparitores ernannt werden.


    IV. Über Civitates
    Eine Civitas besteht aus einem Hauptort (Oppidum) und Vici sowie Villae Rusticae. Das Oppidum kann als Vicus, Municipium oder Colonia organisiert sein. Über den rechtlichen Status einer Civitas verfügt der Kaiser bzw. der Senat von Rom.


    V. Über die Verwaltung der Civitas
    Die Civitas wird verwaltet von der Curia Civitatis, welche sich zusammensetzt aus einer Versammlung der Decuriones der Civitas, sowie gewählten Magistraten nach dem Vorbild der Stadt Roma.
    Näheres regeln die Civitates in einer Lex Municipalis. Diese muss durch den Kaiser oder den Senat von Rom verliehen werden.


    Wie ihr feststellt, entspricht diese Organisation genau dem, was vor der Provinzreform des göttlichen Traianus gewesen war. Der Hauptvorteil liegt dabei nicht nur bei seiner langjährigen Erprobung, sondern vor allem bei der Verlagerung der Verwaltung auf die Civitates. Damit ist es den Untertanen in den Provinzen möglich, ihre Angelegenheiten selbstständig zu regeln, während dem Statthalter zugleich die wichtigsten Privilegien nicht aus der Hand gegeben werden, nämlich die Aufsicht über die öffentliche Ordnung und die Steuererhebung - wobei der Einzug der Steuern in den einzelnen Civitates durchaus auch von diesen selbst organisiert werden kann. Den Menschen in den Provinzen wird damit ein stärkeres Gefühl vermittelt, dass sie ihr Leben selbst organisieren können, während der Eingriff Roms auf das notwendigste Minimum reduziert wird, während wir uns Geld für Personal sparen, ohne die wichtigen Gestaltungs- und Steuerrechte verlieren.


    Mit meinem Vorschlag fällt außerdem die nutzlose Zwischenebene der Provinzverwaltung, die Regio, heraus, was die Verwaltung verschlankt, ohne ihr Effektivität zu nehmen, da ihre Aufgaben vor allem auf die einzelnen Civitates abgegeben werden. Aus dem von oben aufoktroyierten Comes wird also ein regionalerer Duumvir, den das Volk sogar selbst wählen kann.


    Dies sind die primären Vorteile dieser Reform, weshalb ich - wie auch viele Mitsenatoren und Rechtsgelehrte - euch bitte, sie anzunehmen und damit die alte Lex Provincialis zu streichen."


    Durus war sehr gespannt, wie die anderen reagieren würden. Dass Lucianus seiner Meinung war, war natürlich gut - doch was würden die anderen sagen? Würde der Vorstoß ebenso scheitern wie der von Furianus? Oder hatte Lucianus alles vorbereitet und es würde durchgewunken werden?

    Natürlich war Durus gespannt, wie sich sein Sohn schlagen würde - und tatsächlich tat er es ganz gut. Zwar war er seiner Ansicht nach ein wenig zu bescheiden (die Abstammung von einem Consular war immerhin etwas Besonderes!), doch letztendlich konnte man zufrieden sein. Und so saß der alte Tiberier zufrieden auf seinem Stuhl und wachte darüber, dass niemand seinem Jungen unangenehme Fragen stellte.

    Da hatten sie es: Valerianus war schon jetzt nicht mehr regierungsfähig - und würde es wohl auch nie wieder werden! Und Aelius Quarto zum Caesar machen? Was legitimierte denn die Aelii nun wieder dazu? Valerianus war zwar der leibliche Bruder des Quarto, doch juristisch war er ebenso mit ihm verwandt wie mit Durus oder jedem anderen Senatoren Roms!


    "Du sagst selbst, dass er nicht mehr genesungsfähig ist. Wenn Quarto nicht sehr bald dafür sorgt, dass die Nachfolge seines Bruders geregelt wird, werden wir es in die Hand nehmen müssen."


    meinte er daher und kam damit wieder auf die vorherige Diskussion zurück, die ihn im Stillen noch immer hauptsächlich beschäftigte.

    Durus hielt diese Argumentation zwar für eher unwahrscheinlich, doch letztendlich war es doch ein interessanter Punkt: Furianus rückte daher auf seiner geistigen Liste der potentiellen Nachfolger von Valerianus weiter auf.


    "Hm...ich bin wirklich sehr gespannt, was Quarto vorhat. Fürchtet er etwa im Augenblick besonders um das Leben seines Bruders?"


    Wieder ein Grund, seinen Kurs weiter zu verfolgen.

    Durus saß in der Debatte und wusste nicht recht, ob es so eine kluge Idee von Furianus gewesen war, all das hier anzusprechen. Die Gegner des Consul waren offenbar zahlreich (wie er es erwartet hatte), die Fürsprecher dagegen wenige. Auch die patrizischen Freunde des Flaviers hielten sich zurück, möglicherweise aus Unsicherheit oder Unwissen.


    Doch vielleicht waren sie zu ermuntern, wenn sie wussten, wen es treffen würde und wen nicht. Daher beschloss der Tiberier, der Diskussion diesen Anstoß zu geben.


    "Da es nun fast so klingt, als wolltest Du uns alle gänzlich verarmen lassen, Consul: An welche Grenzen hattest Du denn gedacht?"


    Auch er wusste nicht, wie viel es genau war. Doch er erinnerte sich, dass Furianus etwas erwähnt hatte, dass er auch sich selbst etwas beschränken wollte.