Zitat
Original von Titus Duccius Vala
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Ein paar Tage nach dem letzten Gespräch mit dem Tribun Duccius Vala fand sich Victor also wieder im ehemaligen Officium des Praefectus Praetorio wieder. Viel hatte sich seit der vorangegangenen Unterhaltung nicht geändert, vielleicht war die Kleidung des Octaviers ein wenig derangierter, aber im Carcer mangelte es eindeutig an Ankleidesklaven, die sich um sowas kümmerten. Wie es schien sollte das Gespräch diesmal auch in eisigerer Atmosphäre stattfinden. "Salve, Tribun Duccius." Weder gab es eine ordentliche Begrüßung noch wurde dem Senator ein Sitzplatz angeboten. Also sollten wohl heute die sprichwörtlichen (die wortwörtlichen sah Victor zumindest nirgendwo) Daumenschrauben angelegt werden.
Höflich hörte Victor dem Wortschwall des Tribunen aufmerksam zu, verdrehte allerdings innerlich ein wenig die Augen. Das gleiche hatte der Duccier ja so ähnlich auch schon letztes von sich gegeben und Offensichtliches mehrmals hintereinander an den Kopf geworfen zu bekommen, war nicht gerade spannend. Tatsächlich erinnerte Victor die Tirade des Tribunen stark an seinen ersten praeceptor. Der hatte auch die Angewohnheit gehabt eine Lektion, die jedermann auf Anhieb verstanden hatte, so häufig zu wiederholen, dass sich am Ende niemand mehr dafür interessierte, was er überhaupt zu sagen hatte.
"Ich glaube ich habe dich schon das letzte Mal gebeten, Tribun, mich nicht für blöde zu halten. Ich weiß genau wieviel gegen mich spricht und wie wenig für mich." Auch der spielweltbedingten Unsicherheiten war sich Victor durchaus bewusst (mehr oder weniger), aber mittlerweile auch schon zu alt, um seine letzten Tage bibbernd am barbarischen Arsch der Welt zu verbringen... um es mal salopp auszudrücken. Wenn er etwas besseres herausholen konnte, wäre das perfekt, wenn nicht... lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. "Und wenn ich mich recht erinnere, habe ich mich auch beim letzten Mal nur erkundigt, was ich denn bestenfalls zu erwarten hätte, wenn ich meinen Teil leiste um Vinicius Lucianus rein zu waschen. Wenn der neue Princeps entscheiden sollte, dass es einfach so weitergeht, wäre ich bestimmt überglücklich. Wenn ich mein Ende beim einsamen Züchten von Rosen auf Cyprus finde, wäre ich auch einverstanden. Wenn ich aber irgendwo Schafe in einer Gegend zählen muss, die ich vermutlich nicht mal aussprechen kann, dann und nur dann würde ich ein blutiges aber schnelles Ende vorziehen."
Als Vala darauf zu sprechen kam, was Victor denn zu bieten hätte, zuckte der Octavier nur mit den Achseln. "Viel habe ich vielleicht nicht zu bieten, das mag sein. Irgendwas scheint das Wenige aber wert zu sein, sonst würden wir wohl kaum dieses Gespräch hier führen, sondern ich würde wohl eher irgendwo darauf warten mein Leben als abschreckendes Beispiel auszuhauchen." So ähnlich wie es Lucianus ergangen war halt. Die Parallele war wirklich ironisch. Noch ironischer war allerdings, dass Lucianus im Anschluss als Held dastehen würde, obwohl er einen Mord am rechtmäßigen Kaiser begangen hatte und Victor als Abschaum in die Geschichte einging, weil er geholfen hatte die Anklage gegen ihn durchzubringen. "Vielleicht möchte sich der Cornelier ja auch als erhabener Augustus darstellen und seine clementia caesaris präsentieren. Wie dazumal die Gegner des Iulius Caesar wäre auch ich bestimmt dadurch beeindruckt."
"Um deine Frage aber mal zu beantworten und einem abrupten Abbruch unserer netten Unterhaltung vorzubeugen, weil du mal wieder meinem Gedankengang nicht ganz folgen kannst," vermutlich hatte der Tribun doch eh nur vorhin ein "Aber" gehört und daraus einen endgültigen Entschluss gemacht. "Ich will für den Vescularier - was passiert eigentlich mit dem? - ganz sicher nicht in den Tod gehen. Dafür müsste ich schon wahnsinnig oder durch Eid dazu verpflichtet sein. Wenn ich schon für etwas sterben muss, dann doch bitte etwas, das sich lohnt."