Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Ich stoppte vor dem Raum und richtete erst einmal die toga. Durch den raschen Schritt bis hierher waren die Falten ein wenig mitgenommen, was nach zwei, drei Handgriffen jedoch in Ordnung gebracht war. So klopfte ich und trat kurz darauf in den Raum ein, den mir ein scriba als Veranstaltungsort genannt hatte. Senator Macer stellte soeben die Männer in der Runde vor, und als er geendet hatte, sagte ich: "Salvete. Verzeiht meine Verspätung, ich wurde aufgehalten. Ich bin Aurelius Corvinus, quaestor urbanus et septemvir", stellte ich mich vor, suchte mir einen leeren Platz - zwischen dem praefectus und dem centurio - und setzte mich.



    Sim-Off:

    Entschuldigt die Verzögerung. Ich hatte das Thema hier absolut vergessen (danke für die Erinnerung, Macer), zudem komme ich derzeit nicht so recht zum Schreiben, aber übers Wochenende sollte das besser werden. Für unsere illustre Runde sollte ich aber Zeit finden.

    Der CD sollte alles andere als unbekannt sein, schließlich versuchen seine wenigen Mitglieder alles, um ihn präsent zu gestalten... Einen zweiten Kult nur für Frauen zu eröffnen halte ich zudem für ziemlich sinnfrei, denn der erste (die Vestalinnen) wird schon nicht genutzt, wie könnte es da mit einem zweiten besser laufen, abgesehen davon, dass die Priesterinnen der Sibylla wohl kaum etwas mit der Reichschronik zu tun haben.


    Ich denke, den CD (weiterhin) als mögliche Option zu sehen, ist indiskutabel. Wenn du selbst etwas tun willst, Corva, melde dich und werde sacerdos. Was die Hilfe anbelangt: Corvus hat darum gebeten, deswegen gibt es den Originalthread, und er hat, wie ich sehe, auch bereits Hilfe erhalten. Solange das so funktioniert und ihn die gewaltige Aufgabe der Geschichtsschreiberei nicht über Gebühr einschränkt oder frustriert, siehe ich gar keinen Bedarf für eine Aufgabenverteilung SimOn. Die Chronik dient nach meinem Empfinden ohnehin in erster Linie denen, die (SimOff) informiert sein wollen über das Who-is-who und die Aktivitäten in den Provinzen.


    [SIZE=7]2x Rechtschreibung editiert. Um diese Uhrzeit sitz ich scheinbar schon auf den Augen.[/SIZE]

    Ein wenig Scham hatte mich schon befallen, als ich nun endlich einmal die Zeit fand, meine Nichte zu besuchen. Ich stand vor der Tür zu ihrem Zimmer, einen Brief von Ursus in der Hand, und klopfte einfach an, ohne einen Plan und ohne eine Entschuldigung parat zu haben, betreffend meine späte Begrüßung. Natürlich hatten wir uns flüchtig schon gesehen, doch da die letzten Wochen recht turbulent verlaufen waren und ein Ereignis das nächste gejagt hatte, war auch hier nicht viel Zeit für ausführlichere Gespräche gewesen. Unsere gewechselten Worte hatten sich daher auf ein Salve und ein wenig belangloses Geplauder belaufen. Ich wollte nun nachholen, was ich bisher versäumt hatte.


    Ad
    Titus Aurelius Ursus
    legio II Germanica in Mogontiacum
    Germania



    Sei mir gegrüßt, Titus,


    eine so rasche Antwort hatte ich nicht erwartet. Umso mehr freut es mich, dass du dich so bald meldest.


    Dir sei versichert, dass es uns gut geht. Ganz überraschend sind auch Tiberius und Gaius angekommen. Sie lassen dich herzlich grüßen und senden dir die besten Wünsche. Camilla ist auf dem Weg der Besserung, von Appius habe ich lange nichts mehr gehört. Helenas Lebensgester scheinen zu neuem Leben erwacht, auch wenn ich gestehen muss, unser Gespräch wohl in den Sand gesetzt zu haben. Ich sprach zuerst mit Prisca, dann suchte ich Helena auf, musst du wissen. Ich glaube nicht, dass unser Verhältnis sich jemals wieder zum Guten wenden wird. Ihre Worte waren wie Salz, das in eine Wunde gelangt. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich ihr unbefangen begegnen soll, wo doch die Befürchtung stets präsent ist, dass sie erneut versuchen könnte, das zu vollenden, was sie zuvor nicht geschafft hat. Und ich scheine machtlos zu sein, dies zu verhindern.


    Du schriebst, dass Merit-Amun einer Krankheit anheim gefallen ist? Vermutlich ist es der Götter Verdienst, denn zweifelsohne verdient sie es, für ihr Verhalten zu leiden. Nichtsdestotrotz ist der Verlust einer Sklavin natürlich wenig wünschenswert. Ich gehe davon aus, dass du entsprechende Maßnahmen bereits getroffen hast, damit sie genesen kann. Wenn du mir die Summe nennst, die ich dir darob schuldig bin, werde ich veranlassen, dass dir das Geld zukommt.


    Nicht ganz klar ist mir, wie in dem Haus nicht alles zum Besten sein kann. Schließlich wurde eigens ein vilicus eingestellt, um zu gewährleisten, dass das Haus jederzeit bewohnbar bleibt. Ich bitte dich, mit diesem Mann, sein Name ist Harlif Phelanson, in Kontakt zu treten und ihn ggf. zu entlassen, wenn er seinen Aufgaben nicht vereinbarungsgemäß nachgekommen sein sollte. Da du vor Ort bist, wirst du dies besser beurteilen können als ich von Rom aus. Matho soll sich mit mir in Verbindung setzen, was die Auslagen für die notwendigen Reparaturen anbelangt.


    Die Reiterei haben sie dir anvertraut? Nun, ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich selbst wohl gescheitert wäre, hätte man mich mit dieser Aufgabe bedacht. Aber ich bin mir sicher, dass du sie zu jedweder Zufriedenheit erfüllen wirst.


    Meine Quaestur verläuft bisherig eher ruhig. Nur selten findet jemand den Weg in die villa, um eine Transportgenehmigung zu erbitten. Demnächst habe ich einen Termin mit der Stadtwache zwecks Koordination der Straßen- und Passwegkontrolle, die offiziellen Kaisersiegel für Valerianus sind derzeit ebenso in Arbeit. Insgesamt betrachtet, hat wohl ein vigintivir während seiner Amtszeit weitaus mehr zu tun als ein quaestor.


    Ich war vor einigen Tagen übrigens bei Aelius Callidus, einerseits, um eine Erhebung zum eques betreffend Artorius Reatinus vorzuschlagen, andererseits, um den geplanten Anbau zu konkretisieren. Aelius Callidus genießt einen guten Ruf als Architekt, ich bin mir sicher, dass wir zu einer einvernehmlichen Einigung kommen werden. Mir ist nur noch nicht ganz klar, in welchem Stil die exedra erbaut werden sollte, ob griechisch oder ägyptisch. Beides hat seinen eigenen Reiz, ganz ohne Frage. Welches Ambiente würdest du präferieren?


    Du fragtest nach aktuellen Geschehnissen in Rom. Nun, derzeit gibt es kaum Interessantes zu berichten, abgesehen von dem recht amüsanten Theaterstück, das Flavius Gracchus ausgerichtet hat. Es scheint ganz so, als hätte er damit dem aufstrebenden Autor die Tore weit geöffnet, halb Rom spricht begeistert von dem ganz außergewöhnlichen Stück, und ich teile diese Meinung. Sonst gibt es nicht viel, abgesehen davon, dass man den Kaiser voller Ungeduld erwartet. Viele Informationen kannst du zudem der Acta entnehmen, was mich sogleich zum nächsten Punkt bringt. Übersende deine Artikel in die domus der Acta, damit unsere lectrix sich ihrer annehmen kann. Der Redaktionsschluss ist stets der zweite Tag der zweiten Woche, denn die Acta erscheint zweiwöchentlich. Nach ein paar Artikeln werde ich dich nach Abstimmung mit meiner Stellvertreterin, so du es dann noch möchtest, als subauctor in die Redaktion aufnehmen.


    So schließe ich nun in Erwartung deines nächsten Briefes. Lasse es dir gut ergehen, Titus. Mögen die Unsterblichen auf dich achten.


    Vale.


    [Blockierte Grafik: http://img382.imageshack.us/img382/1798/macunterschriftow2id8.png]


    ROMA, PRIDIE ID APR DCCCLVIII A.U.C. (12.4.2008/105 n.Chr.)



    Sim-Off:

    Wertkarte :)

    "Für den Fall der Fälle wäre es dir lieb, du hättest eine Genehmigung", schlussfolgerte ich und nickte verständig. "Nun, da wird die allgemeine Gebühr fällig, Neratius. Du wirst sicher verstehen, dass ich da keine Ausnahme machen kann. Komm doch mit in mein officium, da klären wir alles weitere." "Ja, natürlich, quaestor. Ich hab das Geld dabei, ich hatte gehofft, dass du mir hilfst. Sehr freundlich von dir, wirklich, sehr freundlich", erging sich Neratius Flaccus in Dankeshymnen, während er mir zu meinem Arbeitsraum folgte, der direkt an das atrium angrenzte.


    Drinnen wies ich dem Händler einen Platz, setzte mich selbst hinter den Schreibtisch und zog ein frisches Pergament hervor. Ich griff nach einer der drei Federn und dem Tintenfässchen, entkorte letzteres und tauchte die Kielspitze in die dunkle Tinte ein. "Dein praenomen, Neratius? Und den Namen deines Unternehmens." sagte ich und blickte den Mann erwartungsvoll an. Gerade nestelte er an dem ledernen Beutelchen herum, den er mit sich führte. "Publius. Und das ist der negotiatio Neratii", erwiderte Flaccus und beobachtete mich dabei, wie ich seine Sondergenehmigung ausstellte. Schweigen breitete sich im Raum aus, nur durchbrochen vom Kratzen der Feder auf Pergament. Scheinbar sah sich Neratius im Zugzwang, mich zu unterhalten. Er räusperte sich. "Kommen...kommen eigentlich viele vorbei und wollen eine Sondergenehmigung?" Ich hob nur kurz den Blick. "Dieser Tage? Nein." Ich war nicht daran interessiert, eine lockere Unterhaltung mit einem Mann zu beginnen, den ich weder kannte noch wiedersehen würde. Zumindest ging ich momentan noch davon aus. Und auch Flaccus schien das zu dämmern, denn er nickte nur lahm und schiweg dann, bis ich über das Schriftstück blies, um die Tinte zu trocknen.


    "Das sollte es gewesen sein. Damit bist du befugt, am morgigen Tag deine Ware auszuliefern, sollte dies notwendig sein", sagte ich, während ich mit dem amtlichen Siegel hantierte. Rotes, zähes Wachs tropfte auf das bräunliche Papier, dann drückte ich das Amtssiegel hinein.

    Außer mir befinden sich noch 3 weitere IDs im CD, zuzüglich der derzeitigen Anwärter macht das 7, wie man im übrigen auch hier einsehen kann. Dass sich kaum einer für den Götterkult interessiert, sieht man an ausgesimmten Feiertagen recht gut, denn dort tauchen immer wieder die gleichen Gesichter auf und bewahren uns CDler davor mit uns selbst spielen zu müssen.


    MMn würde es dem CD in keinster Weise zu mehr Ansehen führen, wenn die Chronicusa auf uns übertragen wird, von einem Zulauf ganz zu schweigen. Vielmehr ist mit weiterem Rückgang zu rechnen, da zu den bisherigen Aufgaben noch eine weitere hinzukommt, ohne dass sich jemand dafür interessiert. ;)


    Ich halte das Bearbeiten der Reichschronik für eine recht zeitraubende und aufwendige Aufgabe, da man möglichst alle Geschehnisse irgendwie verfolgen muss. Daher habe ich großen Respekt vor Corvus, dass er sich dessen angenommen hat. Ich finde auch, dass es durchaus sinnvoll ist, wenn eine Person die Chronik betreut. Andererseits hat man nun als Quästor nichts weiter zu tun, als regelmäßig auf den Reiseregelvertoßbutton zu klicken - im Vergleich zur Arbeitsmenge im Vigintivirat auch nicht sinnig. Vielleicht könnte man den Landverkauf für die Zeiten, in denen es einen Quästor in Rom gibt, wieder aufnehmen?

    "Neratius, salve. Es ist ungewöhnlich, dass man zu solch später Stunde um ein Gespräch bittet", begrüßte ich den wartenden Mann, der sich nach kurzer Musterung als ein untersetzter Mittvierziger mit exzentrischem Modegeschmack herausstellte. Mein Blick verweilte ein wenig länger auf seiner tiefvioletten, hellgrün gesäumten toga, als es vielleicht notwendig gewesen wäre, doch im Grunde wunderte mich hier, im Herzen der Welt, nichts mehr. "Verehrter Aurelius, ich kann dir gar nicht genug danken, dass du mir so spät noch Gehör schenkst! Ich würde dich auch nicht stören, wenn es nicht ungeheuer wichtig wäre!" erwiderte mein Besucher mit einer zerknirschten Miene und rang dabei mit den Händen. Mir wäre es durchaus lieber gewesen, er wäre sogleich zum Punkt gekommen und hätte all die Höflichkeiten unter den Tisch fallen lassen. "Selbstredend. Was ist dein Begehr?" hakte ich daher nach und machte keine Anstalten, den Mann zum Bleiben einzuladen, indem ich auf die Sitzgelegenheiten verwies. Meine Gedanken hatten sich noch immer nicht gelegt und wirbelten wirr durch meinen Geist, sodass es mir schwer fiel, mich angemessen zu konzentrieren. Ich wollte den Neratier zwar schnellstmöglich aus dem Hause haben, konnte und wollte dies aber nicht allzu offensichtlich offenbaren. Also ließ ich mich auf ihn ein.


    "Oh, natürlich, natürlich. Verzeih. Nun, ich betreibe ein kleines Handelshaus in Ostia und beliefere in weitem Umkreis viele römische Familien. Einer meiner Kunden feiert morgen die Hochzeit seiner Tochter. Das Problem ist, dass er leider vergaß zu erwähnen, dass er die Waren nicht an die bei uns hinterlegte Adresse geliefert haben möchte, sondern in sein Stadthaus hier in Rom!" Neratius Flaccus verstummte und sah mich klagend an. Ich versuchte, nachzuvollziehen, was der Mann nun eigentlich von mir wollte, doch es gelang mir nicht. Gerade, als ich eine entsprechende Frage stellen wollte, fuhr er fort. "Verstehst du, ich bin nicht befugt, tagsüber Waren auszuliefern. Und gerade vorhin habe ich zudem erfahren, dass das Schiff sich wohl verspätet, deswegen kann ich nicht einmal garantieren, dass ich im Laufe der nächsten Stunden überhaupt liefern kann." Neratius seufzte gemartert und schüttelte niedergeschlagen den Kopf. "Und du möchtest nun, dass ich dir für den morgigen Tag eine Sondergenehmigung ausstelle?" fragte ich sicherheitshalber noch einmal nach und musterte den Mann vor mir zweifelhaft. Jener nickte verdrießlich. "Ja, deswegen bin ich hier. Ich weiß noch gar nicht, ob ich sie überhaupt brauchen werde, wie gesagt, das Schiff hat Verspätung, ich weiß nur nicht wie viel. Wenn ich Glück habe, bekomme ich die Lieferung heute Nacht noch durch. Nur wenn nicht...." Neratiur schwieg, hob die Schultern und sah mich hoffnungsvoll an.

    "Ja, aber es ist lange her, dass ich da war. Ich hatte es damals mit einem meiner Brüder besucht. Wir wollten wissen, was die Zukunft und bringen würde. Rückwirkend kann ich schon behaupten, dass das meiste zugetroffen ist, was die Sibylle prophezeiht hat", fasste ich meine Erfahrung zusammen. Doch war es unmöglich gewesen, die Weissagungen der Sibylle nicht zu erfüllen. Das Orakel hatte vorhergesagt, dass sowohl Maxentius als auch ich selbst in ein fernes Land reisen würden, um dort zu lernen - dies war eingetreten, denn ein jeder Spross aus gutem Hause verbrachte eine gewisse Zeit für Studien im Ausland. Ebenso war von mehreren, nicht näher definierten Schicksalsschlägen die Rede gewesen, die ebenfalls eingetreten waren. Zugegebenermaßen blieb doch ein gewisses Maß an Skepsis zurück, nun, wo ich darüber nachdachte. Doch da die meisten Frauen von Orakelprophezeihungen viel hielten, verschwieg ich meine ehrliche Schlussfolgerung.


    Ein wenig unsicher ob ihres flatterhaften Wesens verfolgte ich nun Celerinas Worte, äußerlich ruhig und interessiert bleibend. Schließlich musste ich den Kopf schütteln und abwinken. "Ein Vergleich wäre vermutlich sinnfrei, da ich dem Vermächtnis meines Vaters nicht einmal halb so viel Aufmerksamkeit zolle wie dem Garten", erklärte ich. "Was nicht heißt, dass ich ein Lesemuffel bin. Mich interessiert das Sammeln seltener Schriften nur nicht halb so sehr wie die lebendige Vielfalt exotischer Pflanzen." Ich lächelte Celerina an und war gleichermaßen erstaunt darüber, dass sie der Pflanzenwelt ebenfalls etwas abgewinnen konnte. Allerdings...ein Kräuterweib? "Heilmittel und Kosmetik?" Irritiert musterte ich sie. Ihre Hände waren feingliedrig und schienen zart - insgesamt konnte ich sie mir durchaus vorstellen, wie sie Wurzeln schnitt und Blätter zerdrückte, hier einen Trank braute und dort eine Salbe zusammenrührte. Andererseits hätte sie sich keine untypischere Sache erwählen können für eine Frau ihres Standes. "Wie steht es mit Wagenrennen, Gladiatorenkämpfen und dergleichen?" fragte ich sie.

    Na, das ist mir klar. Nur ging es hier um die historisch belegten Aufgaben, nicht um das, was ich mir ausdenken könnte dazu.


    @ Kleochares: Mein Französisch wär glaub eh zu eingerostet, um da was Brauchbares rauszulesen, selbst wenn ich in der Nähe einer solchen Stadt wohnen würde. :D

    Selbstverständlich hatte ich nicht vermutet, den Aelier selbst Hammer und Meißel schwingen zu sehen, obwohl die Vorstellung dessen jedoch amüsant war. Während der procurator sprach, strich ich mir nachdenklich über das Kinn und versuchte im Kopf zu überschlagen, was gemacht werden sollte.


    "Grieche sagst du? Hmm. Die Vorstellung eines griechischen Zimmers gefällt mir, muss ich sagen. Ich bin mir selbst noch unschlüssig, was das anbelangt, auch der ägyptische Stil sagt mir zu. Sind deine Handwerker in beiden Milieus bewandert?" Sollte dies nicht der Fall sein, würde die Entscheidung wohl leichter ausfallen. "Es wäre mir ganz recht, würdest du dich da einmal umhören. Ich dachte an ein Motiv, das zum Baustil passt, also entweder mit ägyptischer Note oder griechisch angehaucht, eine detaillierte Vorstellung habe ich allerdings noch nicht. Nun, aber das sind Dinge, die man auch später noch besprechen kann. Du kennst die Örtlichkeiten, Aelius, ich dachte an einen länglichen Anbau, der eine exedra beinhaltet und zwei weitere, schlichte Zimmer, sowie einen direkten Zugang zum Peristyl."

    "Nun, relativ gesehen ist es doch eine Hilfe, wenn man sich überhaupt äußert", erwiderte ich schmunzelnd. "Es gibt viel zu viele von jenen, die sich nur beschweren, wenn ihr Name schändlich erwähnt wird oder ihnen sonst etwas nicht passt, das in der Acta veröffentlicht wurde. Meistens haben sie allerdings keine Vorstellung davon, was man besser machen soll, und so verlaufen sich die Beschwerden dann allmählich im Sand. Ein gewisser Didius Gordianus ist so ein Beispiel." Besagter Didier hatte wiederholt angedroht, selbst etwas schreiben zu wollen, doch nie war etwas bei der Redaktion eingegangen.


    Überrascht wandte ich Seiana meinen Blick zu. Solche Scherze war ich von Frauen nicht gewohnt, erst recht nicht, wenn ich sie kaum mehr als flüchtig kannte. Mit Deandra oder Prisca war das etwas anderes, nun, im ersteren Falle gewesen, denn ich wusste nicht einmal mehr, ob sie überhaupt noch in Rom weilte oder ob Menecrates sie inzwischen sogar anderweitig versprochen hatte. Einen kurzen Moment in Gedanken versunken, nahm ich die Worte Lucilla betreffend nur am Rande wahr und kommentierte sie lediglich mit einem schlichten Nicken, bis Seiana mich mit ihrer raschen Bewegung wieder in die Realität holte und ich ihren überraschten Blick gleicher Natur erwiderte. "Ich wage zu behaupten, dass es niemals genug Schreiber geben wird. Früher gab es viel mehr freie Schreiber, doch scheinbar hat sich eine Lethargie ausgebreitet, was das angeht. Inzwischen ruht die Staatszeitung auf den Schultern einiger weniger fest engagierter Autoren, was einerseits beachtlich ist, andererseits desolat." Ich wiegte den Kopf hin und her und zuckte schlussendlich mit den Schultern. "Umso besser, wenn man Interessen fördern und neue Mitarbeiter bekommen kann. Wenn du mitwirken möchtest, empfehle ich dir den Einstieg als freie Autorin. Nach ein paar tatsächlich publizierten Artikeln besteht dann die Option, fest in die Redaktion aufgenommen zu werden, wenn du dann immer noch möchtest. Wie klingt das?"

    Ihr war also langweilig? Das klang geradezu banal in meinen Ohren, nach dem, was passiert war. Natürlich war es verständlich, aber es klang eben doch seltsam. Froh darüber, dass ich den Zugzwang, den ich verspürte, praktisch direkt auf Prisca übertragen konnte, lauschte ich dem weiteren Gespräch zwischen Mattiacus und Prisca und machte schließlich sogar noch einen kleinen Vorschlag. "Wenn man eine cline in den Garten schaffen würde, wäre es ihr doch sicherlich auch möglich, länger zu verweilen?" fragte ich den Arzt und lächelte flüchtig Prisca zu.


    "Nun, Decimus, ich muss gestehen, dass ich eigentlich schon viel eher auf dich hätte zutreten müssen, um dir zu danken", fuhr ich dann fort. "Ohne deine Hilfe wäre meine Base nun tot, um es einfach auszudrücken. Selbstverständlich stehe ich damit tief in deiner Schuld. Falls du jemals Hilfe benötigst, lasse es mich wissen. Zudem habe ich schon vor einiger Zeit etwas vorbereiten lassen, das ich dir übergeben wollte", sagte ich aufgeräumt. "Sofia - würdest du bitte den Beutel vom Regal hinter der Tür meines Arbeitszimmers herbeiholen?" wies ich die Sklavin an, welche augenblicklich davonhuschte.

    "So schlimm?" erwiderte ich und hob prüfend eine Braue. Nun gut, Tante Agrippina konnte ab und an ein wahrer Besen sein. Als Sohn hatte man es da vermutlich noch schwerer denn als Neffe, der seine Tante so gut wie nie sah. Als Agrippina mit ihrem Mann nach Spanien gegangen war, hatte es mich noch nicht gegeben. Vermutlich war ich auch noch nicht in Planung gewesen. "Ein geschicktes Täuschungsmanöver? Oder ist das tatsächlich deine Absicht?" stichelte ich weiter und grinste ungeniert. "Appius - du wirst doch nicht etwa ein tugendhafter Patrizier?" Mit gespielt entsetzten Blick, nur unterbrochen von der Sklavin, welche soeben auch mir Wein kredenzte - dazu war es nie zu früh -, musterte ich Callistus und konnte mich schlussendlich ein Lachen nicht verkneifen.


    "Einen Flavier bringt so leicht nichts um, nicht einmal eine Horde dreckiger Parther. Das sieht man an deinem Verwandten, Aristides. Er scheint es irgendwie bewerkstelligt zu haben, sogar noch zugelegt zu haben während des Kriegs", kommentierte ich und dachte an unsere flüchtige Begegnung während Aquilius' res gestae. "Zu früh? Mitnichten. Für einen guten Tropfen ist immer die richtige Zeit. Auf deine Gewitztheit, mit der du den spanischen Gefilden entflohen bist!" kommentierte ich die Geste, mit der ich den Becher anhob und Callistus zuprostete. Ich trank, nachdem ein Schluck für die Götter vergossen worden war.


    "Dann willst du also wirklich länger hier in Rom bleiben?" hakte ich nach, kaum dass der Becher abgestellt war. "Und was planst du? Gedenkst du Caius nachzueifern und dich im cultus zu engagieren? Gerade gestern sind auch meine beiden Neffen angekommen. Sie haben die gleichen Pläne wie du, wissen aber noch nicht, wofür genau sie sich entscheiden wollen."

    Onkel Corvinus. Mir lief ein kleiner Schauer den Rücken hinunter. Die beiden waren nur wenige Jahre jünger als ich, was zweifelsohne daran lag, dass ich der jüngste Spross meines Vaters war und meine Brüder mir allesamt weit voraus geeilt waren. Auch, was eigene Nachkommen anbelangte. Doch Onkel Corvinus löste in mir ein Altersbewusstsein aus, das nicht da sein sollte, zumindest noch nicht. "Gut", war die Antwort auf die Frage zu meinem Befinden. "Ich habe zwar so einiges zu tun, aber..." ließ ich den Satz unvollständig und zuckte schmunzelnd mit den Schultern. Ich wusste nicht, inwieweit die beiden über mich und meine Tätigkeiten Bescheid wussten.


    "Tilla", wandte ich mich an die Sklavin, die auf irgendetwas zu warten schien. "Holst du etwas Wein?" fragte ich sie und schloss danach eine Frage an die beiden Brüder an. "Habt ihr schon Bescheid gegeben, dass man euch Zimmer richtet und ein Bad einlässt, falls ihr das wollt?" Zufrieden nickte ich hernach. "Ah, das ist gut. Und sicher werden sich auch die anderen freuen. Minervina und Prisca sind hier, ebenso Helena", erzählte ich. "Ihnen geht es soweit gut. Appius ist zur Zeit übrigens auf einer Reise in Ägypten unterwegs." Die Wirrungen um Helena ließ ich ersteinmal beiseite. Das ging nun zu sehr ins Detail und würde beide gewiss beunruhigen, also verschwieg ich die Geschichte vorerst, lehnte mich zurück und musterte Catulus und Avianus.


    "Gerade vorhin ist ein Brief von Titus gekommen. Es scheint ihm ganz gut zu gehen. Ich bin gespannt, was das Soldatendasein aus ihm macht." Und das war ich wirklich. Mich hatte es nur in wenigen Belangen verändert, was gewiss auch an meiner Begleitung damals gelegen hatte. Wie sich das Lagerleben auf Ursus auswirken würde, wäre interessant zu erkunden. Zumindest im Brief hatte er schon nicht mehr so störrisch und bockig geklungen wie kurz vor seiner Abreise... Avianus' Frage ließ mich den Kopf wenden. "Eine Karriere starten?" fragte ich, milde lächelnd. Für einen Plebejer wären Worte des Lobens nun gewiss angemessen gewesen, aber für einen Patrizier war eine Karriere ein vorherbestimmter Weg. Einer, der zumeist in die Hallen des Senats führte. "Es gibt nicht den richtigen Weg. Ein Weg muss sich richtig anfühlen, sonst erscheint er stets falsch, wenn man ihn bereist", erwiderte ich. "An was hattet ihr denn gedacht? Der Dienst für die Götter wäre sicherlich geeignet, um in Rom Fuß zu fassen."

    Auf Celerinas Worte folgte ein amüsiertes Schmunzeln meinerseits, doch ehe ich etwas erwidern konnte, stieß Aquilius zu uns, und sein Auftauchen sollte ein wenig Klarheit in meine Vermutungen bringen, welche Celerina betrafen. Sie nannte ihn Onkel, folglich war sie seine Nichte. "Caius", grüßte ich ihn mit einem Nicken, mehr hätte ich ohnehin nicht erwidern können, da es erneut Celerina war, die das Wort ergriff. Bei ihrer Erklärung sah ich Aquilius ein wenig schief an und fabrizierte ein leicht verunglücktes Grinsen, was ihm gewiss mehr verraten würde als jedes Wort es hätte gekonnt.


    Flavia Celerina. Ich wusste immer noch nicht recht, was genau ich von ihr halten sollte.Sie wirkte frisch und voller Tatendrang auf mich, zugleich aber schien sie mich manchmal regelrecht zu überrollen mit der ihr eigenen, flatterhaften Art. Sie war so anders als jede Frau, für die ich bisher etwas - irgend etwas in irgend einer Weise - empfunden hatte, und bei Celerina wusste ich einfach nicht, was sie in mir auslöste - von Verwunderung stets aufs Neue einmal abgesehen. Soeben besiegte Kresh das Monster, und ich warf einen nachdenklichen Seitenblick auf die Flavierin. Sponn sie vielleicht ein Netz, um mich zu fangen? Gedankenverloren entging mir der folgende Monolog des Kresh, der ohnehin beinahe unterging in einem Kauderwelsch, dass meine Nackenhaare zum Sträuben veranlasste. Die zugehörige Sklaven indes schien die der Flavia zu sein, und so sagte ich nichts, hob einen Mundwinkel und reichte Celerina erneut die Tüte mit den Nüssen.