Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Während Siv sprach, verengten sich meine Augen mal mehr, mal weniger. Meine Vermutung, sie rege sich tatsächlich nur deshalb auf, weil sie sich selbst in Merit sah, bestätigte sich mit den gesagten Worten der Sklavin. Jede andere hätte ich vermutlich postwendend aus dem Raum geworfen, doch Siv war nahezu niedlich, wenn sie sich aufregte, unbewusst die Nase kraus zog und hitzige Debatten in ihrem lateinischen Kauderwelsch begann. Das bedeutete jedoch nicht, dass ich billigte, wie sie mit mir sprach. Mein Gesichtsausdruck war nun tatsächlich finster, und als sie scheinbar fertig war - und sogar zugab, selbst nicht zu wissen, was sie sonst noch wollte, was ich erst einmal geflissentlich ignorierte - ließ ich noch einen Moment verstreichen, ehe ich ruhig auf ihre Bemerkung antwortete, dass dieses Warten schlimmer war als eine Strafe. "Ich weiß", entgegnete ich schlicht, und das erklärte, warum ich Merit-Amun warten ließ, statt sie explizit zu bestrafen für eine Tat, die Jahre zurück lag.


    "Sie mag vielleicht kein unnützer Hund sein, aber sie hat sich aufgeführt wie einer, Siv. Also werde ich sie dementsprechend behandeln, bis sie zur Vernunft kommt. Glaubst du denn, sie wäre freiwillig wiedergekommen? Leone sagte, dass jemand sie begleitet hat. Ich kenne den Sachverhalt nicht, und wenn ich ehrlich bin, interessiert er mich auch nicht. Aber eines kann ich dir sagen: Merit-Amun ist ganz gewiss nicht von sich aus hergekommen." Wenige Herzschläge später fuhr ich mir durchs Haar, seufzte und schlug einen weniger hitzigen Ton an. "Ich weiß noch nicht, was ich mit ihr machen werde. Vielleicht sollte ich sie ungesehen verkaufen, das wäre vermutlich das beste." Ich setzte mich wieder und sah zu Siv auf. Mir stand der Sinn nach diesem Schlagabtausch eindeutig nicht nach innigem Körperkontakt. "Du kannst jetzt gehen, Siv", sagte ich abweisend, wohl wissend, dass ich sie damit vermutlich vor den Kopf stieß. "Ahja, du wirst mich morgen früh begleiten, ich habe einen Termin mit dem Vorsteher des Saturntempels", fügte ich noch an, denn meine Aufgaben als quaestor urbanus umfassten auch regelmäßige Kontrollen des aerarium, deren Hüter im Saturntempel ansässig waren.

    Zitat

    Original von Kassandros
    Aber ich denke der Ordo wird nur vererbt, wenn ein echter Senator da war. War er aber offensichtlich nicht.... ?(


    Richtig. Deswegen stimmt das mit der Vererbung von Antoninus an Ursus ja auch nicht. Ursus hat - warum auch immer - den ordo gehabt und ist dann allerdings in den CH eingestiegen. Das bedeutet: den ordo kann man ihm jetzt nicht wieder wegnehmen, da er die Grundvoraussetzung für den CH ist.


    Ich wäre dafür, (aber da kann ich eigentlich nur für den aurelischen Stammbaum sprechen) all jenen den ordo wieder zu streichen, die ihn nicht geerbt haben können, ihn nicht selbst erhalten haben und nicht selbst brauchen zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

    "Und?" gab ich zurück, ohne mit der Wimper zu zucken, als Siv von Merits einstiger Vergangenheit und ihrer Herkunft sprach. Sie schwieg kurz, dann sprach sie weiter, und ihre Worte ließen meine Augen schmal werden, während ich lauschte. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte den Kopf ein wenig zurück. Scheinbar hatte sich Siv bereits angefreundet mit dem Mädchen, oder sie sah in ihr sich selbst wiedergespiegelt. Sonst würde sie sich doch nicht für sie stark machen. Ich setzte zu einer Antwort an, als Siv sich umwandte, meine Tunika schnappte und zu mir kam, um sie mir zu reichen. Diese Handlung verwirrte mich, und ich runzelte die Stirn, den Stoff natürlich nicht beachtend. Immerhin war das hier mein Zimmer, sie hatte nicht geklopft und ich wollte ohnehin schlafen. Ich nahm ihr die Tunika also ab und ließ sie dann fallen. Natürlich verstand ich den Grund dieser Geste, doch ich ging nicht darauf ein. Ich erhob mich und stand - mit gerunzelter Stirn - nun genau vor Siv.


    "Jeder von uns ist in einer bestimmten Art von jemandem abhängig, Siv. Du weißt das. Was also willst du von mir? Dass ich sie mit offenen Armen empfange, nachdem sie damals einfach fortgelaufen ist wie ein nichtsnutziger Hund, der Angst vor seinem Herrn hat? Du solltest mich inzwischen gut genug kennen um zu wissen, dass ich niemanden zum Spaß quäle oder bestrafe. Wenn du also gekommen bist um einzufordern, dass ich Merit ohne Konsequenzen wieder in diesem Haus aufnehme, bist du umsonst gekommen, denn das werde ich nicht tun. Sie muss lernen, dass sie bestimmte Regeln einzuhalten hat. Und wenn sie das getan hat, wird sie behandelt werden wie jeder andere von euch auch." Ich schwieg nach dieser lauten Rede, in Sivs Gesicht hinabsehend. Unter anderen Umständen hatte ich sie für diese Nacht nicht wieder gehen lassen, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt verspürte ich keine große Lust darauf, sie hier zu behalten. "War das alles, weswegen du ohne zu klopfen hineingekommen bist?" fragte ich sie mit einem entsprechenden Blick.

    Den Arm noch erhoben, wartete ich auf eine Reaktion seitens Usus. Doch es kam keine. Langsam ließ ich den Arm mit der Amphore sinken. Er schlief doch nicht etwa? Nun skeptisch geworden, kam ich etwas näher und zuckte kurz zusammen, als Usus im Schlaf grunzte. Ich zog eine Grimasse. Nun gut, er war tatsächlich nicht weggelaufen, nur seine bloße Anwesenheit nutzt aber nichts. Ich setzte mich auf die Kante seines Bettes und betrachtete meinen schlafenden Neffen. Wie er dort in seinem Sessel hing, wirkte er glatt unschuldig. Doch ich wusste es besser. Die Vergangenheit hatte schließlich gezeigt, dass Ursus wieder ein Kind noch harmlos war. War ich wirklich zu streng mit ihm gewesen?


    Die Amphore lag inzwischen neben mir auf dem Bett, und ich machte es mir etwas gemütlicher, indem ich den Rücken an die Wand lehnte. Nur kurz die Augen schließen… Wenn Ursus erst einmal in Germanien war, hatte ich genug Zeit, um zu überlegen, wie ich ihn einbeziehen konnte, wenn er erst wieder da war. Über diesen für meinen gegenwärtigen Geisteszustand doch viel zu anstrengenden Gedanken schlief ich schließlich doch ein, und so sägten die Sägen bald im Duett.



    ~finis~

    Nach einem erfrischenden Mahl - Niki hatte eine neue Kreation ausprobiert - hatte ich mich in mein Zimmer zurückgezogen, um noch ein wenig zu lesen. Mit einem Stück eines wenig bekannten Autors in der Hand hatte ich noch den einen oder anderen Becherwein genossen, ehe es Zeit für mich wurde, ins Bett zu gehen. Nachdem das Schriftstück gut verstaut auf meinem Schreibtisch lag, hatte ich alle Lichter im Raum bis auf die Öllampe neben meinem Bett gelöscht und stand nun mitten im Raum, wo ich mir soeben die tunica über den Kopf zog. Der dunkle Stoff verdeckte mein Sichtfeld noch, als Siv bereits im Raum stand. Kaum hatte ich mich befreit, starrte ich sie entgeistert an. Sie hatte nicht geklopft. Und überhaupt - was wollte sie denn hier? Schon glaubte ich, zu wissen, weshalb sie gekommen war, was mir zugegebenermaßen schmeichelte, als sie mich anfuhr. Kurz stand ich noch mit gerunzelter Stirn da, dann begab ich mich gemächlich zu meinem Bett, setzte mich auf dessen Rand, und wandte erst dort wieder den Blick zu Siv. "Wie?" fragte ich sie, noch ehe es mir wie Schuppen von den Augen fiel: Sie meinte Merit. Verwundert darüber, dass sie mich deswegen aufsuchte, musterte ich Siv. Ihr Germanisch bereitete mir noch Schwierigkeiten, daher verstand ich sie nicht. "Du meinst Merit? Meinst du nicht, dass sie es verdient hat? Immerhin hat sie mich jahrelang warten lassen. Hat sie dir das erzählt? Sie ist ein Früchtchen sondergleichen, Siv."

    „Das freut mich zu hören", erwiderte ich. Kinder waren etwas Schönes. Zumindest, wenn sich andere um sie kümmerten, sobald sie zu schreien begannen. Bei Hungaricus' nächsten Worten indes blickte ich ihn erstaunt an. Die Heirat war etwas, über das ich mir selbst bereits Gedanken machte. Nur welche Dame sollte es sein? Viel Auswahl hatte das Imperium ja gegenwärtig nicht zu bieten. Genau genommen beschränkte sich die Zahl der infrage kommenden Damen auf weniger denn eine Hand voll, wenn überhaupt. Ich konnte gerade noch vermeiden, dass ich unruhig hin und her rutschte, dennoch dauerte es einen Moment, bis ich in meinem Patron antwortete. "Nun, ich suche gegenwärtig noch nach einer Dame zwecks geeigneter Verbindung", gab ich zurück. Ob ich den Spieß nun umdrehen sollte? Immerhin hatte auch Hungaricus keinen Erben vorzuweisen... Doch ich entschied mich dagegen, schließlich wollte ich ihn nicht vor den Kopf stoßen.

    Antoninus war auch "mal kurz" im CH. Vermutlich liegt hierin auch der Ursprung der ganzen ordo-Geschichte in meinem Zweig. Vielleicht sollte man die ordines austragen bei denen, die ihn gar nicht erst hätten erben dürfen. Dann sollte es in Zukunft keine Missverständnisse mehr geben diesbezüglich. Damit würde zudem die Interaktion mit einem Patron gefördert werden.

    Ah, okay, ich dachte, das bezieht sich auf den ordo senatorius und nicht darauf, dass man tatsächlich im Senat gesessen haben muss. Dann habe ich allerdings rein interessehalber noch mal ne Frage dazu: Woher haben dann Corvinus' andere Brüder und der Aurelius-Cicero-Zweig den ordo? Weder Vater nocht früherer Vorfahr sind dort als Senator eingetragen und im CH waren auch die wenigsten.

    Na, Beispiele, was man ausspielen kann, sind sowohl in den bereits hierzu existierenden Themen SimOff nachzulesen als auch im Spiel selbst. Schaut euch mal die patrizischen Mädels an, von denen macht so gut wie keine Karriere, und trotzdem haben sie sichtlichen Spaß. Eine Frau(en-ID) kann auch ohne eigene Karriere politisch tätig sein, indem sie ihren Herzallerliebsten lenkt, leitet und beeinflusst. Frau(en-IDs) können zudem die Ritterwürde erlangen und entsprechende Posten bekleiden. Frauen im Senat halte ich für indiskutabel, auch wenn das Vorgehen der Spielleitung zur Umsetzung der neuen Regelungen betreffend der Frauen (die sich da teilweise bereits im CH befanden) für nicht optimal befinde.

    Du führst da aber auch ein Beispiel mit ziemlichen Einschränkungen an. Vestalinnen leben ja nicht bei ihren Familien, sondern zusammen mit den anderen Vestalinnen. Zudem dürfen sie keine Techtelmechtel haben. Das schränkt die Spielmöglichkeiten doch recht ein. Nichtsdestotrotz haben wir gerade eine Bewerberin, die jedoch wohl mit vestalischen NPCs Vorlieb nehmen muss.


    @ Cyprianus: Mir fallen auf Anhieb mindestens 5 Spielerinnen ein, die nur weibliche IDs spielen und daran teilweise sogar mehr Spaß haben als beim Führen von männlichen IDs.

    "Mhm", erwiderte ich auf den Kommentar den Senat betreffend. Ein Gesicht tauchte vor meinem inneren Auge auf, eines, das ich flüchtig als Sophus erkannte, aber ich hatte ihn noch nie leiden können, was nicht geringfügig an seiner dauernden Absenz lag, uns so zählte ich ihn nicht dazu, wenn es um Senatoren unserer Familie ging. Ebensowenig, wie ich Commodus dazugezählt hatte. Natürlich wusste ich, dass Ursus damit auf mich anspielte, aber ich sah keinen Grund, alles darauf auszulegen, die Senatorenehre schnell zu erhalten. Wenn man mich für geeignet erachtete, würde man mich in den Senat beordern, wenn nicht, dann nicht. Das einzige, was zählte, war dass man gute Arbeit leistete, mit der man auch selbst zufrieden war. "Du machs daschon", gab ich gönnerhaft zurück und meinte bereits die Suche nach dem Patron, was man aber auch durchaus auf das vorherige Thema beziehen konnte. Das aber war mir selbst nicht so bewusst. Ein tiefer Seufzer folgte, und ich ließ mich im Sessel etwas tiefer sinken, um Ursus beim Husten zu begutachten.


    "Vielleich, wenn ihr wie'er da seid", gab ich zum Thema Unterricht zurück und winkte dann ab. "Deannra warn Flop. Sch'ätt nie dieser Verlobung ssuustimmn solln. Merk dir einss, Dietuss: Fang niemals was mit deier Schwesser an. Auch wennses gar nich is." Weitläufige Handbewegungen untermalten diese corvinische Weisheit, die in einem Kopfschütteln endete. "Siehsja, was nu Sache is. Die Klau..dija verrennt sich in Racheaksjonen, hätts mal Mennekin...krates Gesich sehn solln alsich vorm Senat stand un meine Kannidatur bekannt gegehm hab. Als wär'ch der Sch...daadsfeind Nummer einss. Ma kanns auch übertrei'n" Ich zeigte Ursus nun einen etwas verunglückten Vogel, winkte in der gleichen Bewegung ab und öffnete erneut die Amphore, nur um festzustellen, das noch für jeden ein halber Becher darin war - mehr nicht. Die Amphore halb erhoben, blickte ich perplex zu Ursus, der mich nach potentiellen Ehefrauen fragte. "Ich?" fragte ich, und es klang wie ein Hickser. "Hmnee. Da gibbs szwar wohl ne Tiberiah, aber das bringt uns ja auch nichs. Klaudija kannse vergessn. Mal Cahjuss fragn, vielleich hat der ja wen anner Hand." Ich zuckte mit den Schultern und stemmte mich aus dem Sessel hoch, die Amphore in der Hand. "Schgeh ma was Neues holn", verkündete ich. "Lauf nich weg."


    Der Weg aus Ursus Zimmer hinaus war eindeutig zu kurvenreich und lang, und als ich vor seinem Zimmer stand, fragte ich mich allen Ernstes, wie ich neuen Wein bekam, ohne tatsächlich den Weinkeller aufsuchen zu müssen. Glücklicherweise eilte Dina vorbei, und der drückte ich die Amphore in die Hand und trug ihr in einer wortgewaltigen und instruktionsgefüllten Rede auf, eine neue der gleichen Art zu holen, während ich hier an die Wand gelehnt wartete. Minuten später hielt ich eine volle Amphore in der Hand und begab mich wieder hinein. Die Tür schloss sich erst beim dritten Anlauf, was mich leicht zerstreut grinsen ließ, dann wedelte ich mit der frischen Amphore. "Ich hoff, du kanns nochn bisschen vertra'n..."

    "Ja, er ist mein Patron. Ich habe diese Entscheidung bisher auch noch nicht bereut. Bedauerlicherweise stellt unsere Familie keine besonders herausragenden Senatoren, weswegen ich mich außerhalb umgesehen habe. Hungaricus genießt nicht nur Vertrauen und Sympathie vieler Senatoren, er ist zudem ein beim Volk angesehener Mann und war es auch für Iulianus", erklärte ich. "Wenn ich dir einen Tipp geben darf, Titus, suche dir jemanden, der präsent ist und deine Interessen auch vertreten kann. Ein Patron in einer Provinz bringt dir viel, wenn du ebenfalls dort bist und dort Karriere machen möchtest, aber kaum etwas, wenn du in Rom und er zu weit weg vom eigentlichen Geschehen ist."


    Na sowas, da war der Becher doch tatsächlich schon wieder leer. Verdutzt sah ich die kleine Pfütze am Boden an, dann zuckte ich mit den Schultern und schenkte uns erneut nach, ebenfalls amüsiert grinsend über Ursus' Witz. "Wirst es ja sehen, wenn ihr da seid", meinte ich. "Ich habe überlegt, jemanden zzzu... engagieren, der Latein lehrt und vielleich auch Griechisch. Gut ausgebildete Sklaven sind ihr Geld wert, und ich lege wert darauf, dass sie uns auch angemesssn präsentieren." Allmöhlich wurde die Zunge schwerer, der Geist umnebelter. Der reife Wein tat seine Wirkung. Wir waren allein, und ein wenig angetrunken sein machte vielleicht das Reden leichter. Also nippte ich kleine Schlucke und musterte Ursus über den Becherrand hinweg. "Hast du dir eigentlich mal überlegt...zzuheiratn?" fragte ich ihn aus einem Reflex heraus.
    "Lusiuss Funeribusss ist nicht so alt, dass er die Sch..trapazen der Reise nicht mehr auf sich nehmen könnte", belehrte ich Ursus dann und gab mir bei der fehlerfreien Aussprache doch schon Mühe. "Der warn junger Hüpfer, als er Klient von deinem Großvater wurde. Bisschen seltsam, der Gute, aber...wird schon wer'n." Ich nickte bestätigend, beugte mich etwas vor und klopfte Titus, bei dem ich ganz aufmerksam darauf achtete, dass er seinen Wein auch trank, auf die Schulter. "Prima. Ich werd auf sie aufpassn, währ'nduu weg bist. Prost, Titus, üb schonmal für dassssoldatendasein." Ich grinste ind bewegte meinen Becher - der wievielte war es eigentlich? - zu dem Ursus', wo er mit einem dumpfen Klonk anstieß.

    "Oh fein", freute sich Domitilla und klatsche in die Hände, was mit dem Stock doch recht seltsam anmutete. Mein Blick traf derweil beim Näherkommen des Flaviers sein Opfertier, ein kleines Schweinchen. Er trug es selbst und führte scheinbar keinen Sklaven mit sich. "Salve, Flavius", erwiderte ich den Gruß, als der junge Mann bei der sacerdos und mir angekommen war. "Salve", hauchte auch Domitilla und lächelte verzückt. Noch ehe ich fortfahren konnte, sprach sie weiter. "Du möchtest also dem cultus Iunonis beitreten? Das ist ja sagenhaft, nahezu...wundervoll. Ich-" "Ich denke, wir sollten den jungen Herren nun das Opfer zelebrieren lassen, werte Domitia. Flavius, dies hier ist Domitia Domitilla, die Tempelvorsteherin", kürzte ich das Ganze etwas ab, indem ich die Dame ungeniert unterbrach. Sogleich zeigte sich auch eine zarte Rötung auf Domitillas Wangen, und hastig nickte sie. "Oh ja, ja natürlich. Ehm, nun, gib mir am besten das Ferkelchen, dann hast du freie Hand." "Nach dir, Flavius", sagte ich und deutete die wenigen Treppen hinauf.

    "Besser vielleicht", gab ich zurück. "Allerdings muss ich wissen, wen ich zukünftig allein auf Botengänge schicken kann und wen nicht. Deswegen wirst du Siv und Fhionn mitnehmen. Zudem wird euch Lucius Funeribus begleiten, ein Klient der Familie." Er war nicht meine erste Wahl gewesen, aber da er sowohl treu ergeben als auch gegenwärtig amtlos war, stellte er die beste Wahl dar. Matho nickte langsam und bedächtig. "Kann ich die Liste sehen? Dann kann ich besser planen, was die Dinge betrifft, die wir mitnehmen müssen", erklärte er, und ich schob ihm die Wachstafel hin. "Ihr braucht einen Wagen, mehr nicht. Jeder, der dich begleiten wird, kann reiten, also nehmt ihr die entsprechende Anzahl Pferde mit." Erneut nickte Matho. Er würde zusammen mit Hektor die ausdauerndsten Tiere auswählen und es den Frauen überlassen, den Proviant zusammenzustellen. "Dann werde ich alles nötige veranlassen", sagte Matho, in Gedanken bereits die Aufgaben delegierend. "Danke, Matho. Du kannst dann gehen." Was er auch tat.




    Am Nachmittag
    Merit-Amun war also zurückgekehrt. Mit aneinandergelegten Fingerspitzen sann ich über ihr Abhandenkommen damals in Achaia nach. Von einem auf den anderen Moment war sie plötzlich verschwunden gewesen und ich hatte sie nie wieder gesehen. Wie lange war das nun her? Es mussten sechs Jahre sein, wenn nicht sogar mehr.


    Unschlüssig darüber, was ich mit ihr anstellen sollte, hatte ich Siv geschickt, um ihr auszurichten, dass ich noch zu tun hatte, was genaugenommen nicht stimmte. Vielmehr dachte ich schwer darüber nach, welche Strafe ich ihr angedeihen lassen sollte, und ob überhaupt. Meine erste Sanktion war die Nichtbeachtung der Sklavin, und je länger ich darüber nachdachte, desto sinnvoller erschien es mir, sie spüren zu lassen, wie unwichtig sie für mich war. Ich hatte sie ohnehin längst abgeschrieben, und dass sie nun scheinbar freiwillig wieder aufgetaucht war - weshalb auch immer - überraschte mich zutiefst. Hin und her überlegte ich, lenkte mich mit einer Lektüre und dem Studium der Finanzbücher des letzten Monats ab, und bald war es Abend und ich war ihr noch immer nicht gegenüber getreten. Ohne einen weiteren Gedanken an sie zu verschwenden, begab ich mich schließlich ins triclinium und hernach ins Bett.


    Zwei Tage später, ich hatte Merit-Amun immer noch nicht zu mir gerufen, war meine Entscheidung gefallen. Ich würde sie ungesehen mit nach Germanien schicken, in ein Land, das ihr allein wegen seiner Beschaffenheit alles abverlangen würde. Diesen Entschluss teilte ich Matho mit, ebenso wie ich ihm den Termin für die Abreise und alles weitere Relevante nannte. Die Reisegruppe würde demnach aus folgenden Personen bestehen: Matho, Lucius Funeribus, Siv, Fhionn, Merit-Amun, Alexandros und Hektor, und sie würden zusammen mit Ursus und vermutlich auch Caelyn und Sertorio reisen.

    Ob es tatsächlich nur ein Gerücht war, würde man spätestens dann feststellen, wenn der Kaiser hier in Rom eintraf. "Wollen wir hoffen, dass es sich wie mit dem zweiköpfigen Kalb verhält", erwiderte ich daher nur und schwieg ansonsten. Vermutlich erlaubte es ihm sein Posten auch nicht, offener über diese drohende Gefahr zu sprechen, daher bohrte ich auch nicht weiter nach.


    Schmunzeln musste ich, als mein Patron doch recht abwertend über einige seiner Senatskollegen sprach. Wen er damit iinsbesondere meinte, konnte ich natürlich nur mutmaßen. "Mein Dank ist dir gewiss", erwiderte ich. Damit schienen die beiden Hauptgründe meines Besuchs weitestgehend abgehandelt, und ich war selbst erstaunt, wie schnell das vonstatten gegangen war. "Wie geht es deiner Tochter?" begann ich damit die etwas entspanntere Phase des Gesprächs. Einen flüchtigen Blick warf ich auf Siv, die sich ruhig verhielt und nahe einer Säule stand.


    Ad
    Marcus Matinius Ticinius
    casa Matinia in Roma



    M. Aurelius Corvinus M. Matinio Ticinio s.d.


    Matinius, hiermit teile ich dir mit, dass der dich bis zu deiner Prüfung begleitende sacerdos Caius Flavius Aquilius sein wird. An seiner Seite lernen zudem zwei weitere Schüler, die du sicher bald kennenlernen wirst. Flavius Aquilius wird sich zwecks Ort und Termin der Lehrstunden in Bälde mit din Verbindung setzen.


    Vale.



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    ROMA, ANTE DIEM XIV KAL APR DCCCLVIII A.U.C. (19.3.2008/105 n.Chr.)


    Ad
    Caius Flavius Aquilius
    villa Flavia in Roma



    M. Aurelius Corvinus C' Flavio Aquilio s.d.


    Mein Freund, ich setze dich hiermit davon in Kenntnis, dass du einen weiteren Schüler in deine Lehrgruppe aufnehmen wirst. Sein Name lautet Marcus Matinius Ticinius, er ist der Sohn des Senators Agrippa. Kenntnisstand und Vorwissen kongruieren in etwa mit dem deiner beiden Schülerinnen, sodass eine Eingliederung kein Problem darstellen sollte. Eine Wahl bezüglich seiner späteren Dienstes im Tempel hat er bisherig nicht getroffen, sodass es dir obliegt, ihn darin zu unterstützen. Er machte auf mich einen wissbegierigen und pflegeleichten Eindruck, was mich in meinem Entschluss festigt, dass er bei dir am besten aufgehoben ist.


    Zu erreichen ist er in der domus seiner familia hier in Rom, ich würde dich bitten, dich zwecks Ort und Termin der Lehrstunden mit ihm in Verbindung zu setzen. Ich selbst werde dich zudem in Kürze aufsuchen, um mit dir über den Fortschritt deiner Schüler zu sprechen.


    Vale.



    [Blockierte Grafik: http://img408.imageshack.us/img408/7103/siegelmacsvbx5.gif]



    ROMA, ANTE DIEM XIV KAL APR DCCCLVIII A.U.C. (19.3.2008/105 n.Chr.)

    Zitat

    Original von Marcus Matinius Ticinius
    "Dann danke ich dir für deine Mühe", sagte Ticinius zu dem Aurelier. Das Gespräch neigt sich nun wohl dem Ende zu. "Du hast Recht, im Moment kann man mich in der Casa Matinia erreichen."


    Aufmerksam schaute er den Septemvir an, ob dieser noch etwas zu sagen hatte. Wem er wohl zugeteilt werden würde? Hoffentlich einem Priester, der nicht allzu streng mit ihm und seinem mangelnden Wissen sein würde.


    "Dann werde ich dich in Kürze wissen lassen, wer dein Lehrmeister ist", schloss ich und erhob mich. "Keine Ursache, Matinius. Möge Minerva über deine Ausbildung wachen, dich leiten und dir zur Seite stehen."