Während Siv sprach, verengten sich meine Augen mal mehr, mal weniger. Meine Vermutung, sie rege sich tatsächlich nur deshalb auf, weil sie sich selbst in Merit sah, bestätigte sich mit den gesagten Worten der Sklavin. Jede andere hätte ich vermutlich postwendend aus dem Raum geworfen, doch Siv war nahezu niedlich, wenn sie sich aufregte, unbewusst die Nase kraus zog und hitzige Debatten in ihrem lateinischen Kauderwelsch begann. Das bedeutete jedoch nicht, dass ich billigte, wie sie mit mir sprach. Mein Gesichtsausdruck war nun tatsächlich finster, und als sie scheinbar fertig war - und sogar zugab, selbst nicht zu wissen, was sie sonst noch wollte, was ich erst einmal geflissentlich ignorierte - ließ ich noch einen Moment verstreichen, ehe ich ruhig auf ihre Bemerkung antwortete, dass dieses Warten schlimmer war als eine Strafe. "Ich weiß", entgegnete ich schlicht, und das erklärte, warum ich Merit-Amun warten ließ, statt sie explizit zu bestrafen für eine Tat, die Jahre zurück lag.
"Sie mag vielleicht kein unnützer Hund sein, aber sie hat sich aufgeführt wie einer, Siv. Also werde ich sie dementsprechend behandeln, bis sie zur Vernunft kommt. Glaubst du denn, sie wäre freiwillig wiedergekommen? Leone sagte, dass jemand sie begleitet hat. Ich kenne den Sachverhalt nicht, und wenn ich ehrlich bin, interessiert er mich auch nicht. Aber eines kann ich dir sagen: Merit-Amun ist ganz gewiss nicht von sich aus hergekommen." Wenige Herzschläge später fuhr ich mir durchs Haar, seufzte und schlug einen weniger hitzigen Ton an. "Ich weiß noch nicht, was ich mit ihr machen werde. Vielleicht sollte ich sie ungesehen verkaufen, das wäre vermutlich das beste." Ich setzte mich wieder und sah zu Siv auf. Mir stand der Sinn nach diesem Schlagabtausch eindeutig nicht nach innigem Körperkontakt. "Du kannst jetzt gehen, Siv", sagte ich abweisend, wohl wissend, dass ich sie damit vermutlich vor den Kopf stieß. "Ahja, du wirst mich morgen früh begleiten, ich habe einen Termin mit dem Vorsteher des Saturntempels", fügte ich noch an, denn meine Aufgaben als quaestor urbanus umfassten auch regelmäßige Kontrollen des aerarium, deren Hüter im Saturntempel ansässig waren.