Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Zitat

    Original von Cnaeus Flavius Lucanus
    "Unter den genau kontrollierten Bedingungen von Druck, Temperatur, Volumen, Feuchtigkeit und anderen Veränderlichkeiten wird der Organismus tun, was ihm gefällt."


    Eigentlich hatte ich eine Verabschiedung erwartet, aber Aurelius Corvinus - oder habe ich etwas getan, was ihm nicht gefällt? "Ich, äh, habe Aurelia Helena auf dem Markt kennenlernen dürfen, als mein Onkel Aquilius und ich eine, äh, einen Inspektionsrundgang machten. Er war so freundlich uns einander vorzustellen." Aurelius Corvinus wollte wissen, woher wir uns kennen. Also: daher. Daß daraus ein ganzer Tagesausflug wurde, nun, das ist eine andere Geschichte ...


    Auf dem Markt also, soso. Nun gut, daran war nichts auszusetzen, und eigentlich konnte ich mir wohl auch nur wünschen, dass genau so etwas passierte oder begann, seinen Lauf zu nehmen. Helena war zudem keine Frau, die Verwegenes tat, und genaugenommen setzte ich auch den Flavier anständig ein. Etwas beruhigter nickte ich also, auch wenn die aufkommende Nervosität des jungen Flaviers es doch nicht schaffte, die Falte auf meiner Stirn restlos zu beseitigen. "Dann werde ich ihr deine Grüße ausrichten", teilte ich ihm also mit. "Grüße du deinen Onkel von mir. Du wirst bald von mir hören", schloss ich hernach mit Worten, die beinahe eine Drohung hätten sein können und nickte nochmals zum Abschied.


    Ad
    Cnaeus Flavius Lucanus
    villa Flavia in Roma



    M. Aurelius Corvinus Cn. Flavio Lucano s.d.


    Flavius, du wirst hiermit zu deiner Opferprüfung in den Tempel der Iuno moneta bestellt. Finde dich ANTE DIEM XIII KAL APR DCCCLVIII A.U.C. (20.3.2008/105 n.Chr.)* zur vierten Stunde dort ein. Die gebräuchlichen Opferutensilien werden dir gestellt werden. Du solltest jedoch für ein entsprechendes Voropfer, das Opfertier und ein angemessenes Gebet Sorge tragen. Der Prüfung werden die sacerdos Domitia Domitilla und ich selbst beiwohnen.


    Vale.



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    ROMA, ANTE DIEM XV KAL APR DCCCLVIII A.U.C. 18.3.2008/105 n.Chr.)


    Sim-Off:

    *gern auch früher, wenn du es zeitlich schaffst


    Domitia Domitilla wartete bereits, als ich selbst eintraf. "Salve septemvir, hast du den Jungen gar nicht mitgebracht?" fragte sie mich und ich musste schmunzeln. "Salve. Er hat die Benachrichtigung erhalten und wird ganz gewiss ohne Verzögerung hier erscheinen, Domitia, sei dir gewiss. Er ist Flavier und zudem hat er recht anständig auf mich gewirkt." "Oh, gutgut. Dann will ich mal nichts gesagt haben. Die Flavier sind ja alle recht anständig. Na gut, die meisten zumindest", plapperte die Junopriesterin in mittleren Jahren drauflos und malte mit ihrem Stock kleine Kreise in den Sand vor dem Tempel.


    Einen kurzen Moment schwieg sie, und nur das Klappern der Tafeln war zu hören, welche mein scriba mit sich führte, um für mich Notizen zu machen. Dann... "Ach, es ist so schön, dass wir endlich mal wieder einen echten Mann dazubekommen! Ich hab den Mädels gleich erzählt, dass da ein junger Hüpfer kommt, und alle waren sofort Feuer und Flamme. Und wenn's sogar ein Flavier ist...die sollen ja alle so gut aussehen, nicht wahr?" Irritiert blinzelte ich und gab dann ein. "Hm, najaa..." von mir. Doch die Sichtung des jungen Flaviers überspielte die Situation und ich war froh, mit dem Kinn in seine Richtung weisen und sagen zu können: "Da kommt er."

    Zitat

    Original von Cnaeus Flavius Lucanus
    Und da sagte der Igel zum Hasen: 'Ich bin aber schon da.' Ist's nicht Vorrecht der Jugend, Springinsfeld zu sein, denn alt werden wir alle schon von alleine, warum also vor der Zeit erlahmen? Obwohl natürich im Umgang mit Bürokratie und denen, die darin sich eine Parallelwelt zur richtigen geschaffen haben, das Motto zu beachten ist: 'Wir sind hier auf der Arbeit und nicht auf Flucht'. Trotzdem hab' ich's natürlich eilig, Priester zu werden, nicht nur wegen der Pfründe, aber nein ...


    "Ich danke Dir herzlichst für Deine Mühen" sage ich, während ich mich erhebe. :) "Und grüße bitte ebenso, nein: noch herzlicher, so das möglich ist, Aurelia Helena. Ich freue mich sehr, wenn ich sie alsbald wieder sehen würde." Ach, Helena. Täglich schaue ich von den Mauern Troias herba, ob Du nicht in einem Nachen an die Küste Ilions kommtst ... trippelseufz


    "Gern geschehen, Flavius", erwiderte ich und erhob mich ebenfalls, nur um danach etwas verwirrt dreinzusehen. "Helena?" Leichtes Misstrauen schlich sich in meinen Blick. "Du kennst sie?" War mir da etwas entgangen? Auf der Meditrinalia war der junge Bursche nicht zugegen gewesen, und bei der Saturnalienfeier war Helena nicht mitgekommen... "Ich werde sie gern grüßen, wenn du mir verrätst, woher ihr euch kennt", entgegnete ich alsdann und sah den Flavier aufmerksam an.

    Zitat

    Original von Marcus Matinius Ticinius
    "Senator Matinius Agrippa ist mein Vater.", antwortete Ticinius auf die erste Frage des Aureliers und begann, die anderen zu beantworten: "Ich habe schon einige Vorkenntnisse, doch viele Dinge sind mir noch unbekannt. Eine präferierte Gottheit habe ich noch nicht."


    Überrascht hob ich die Brauen. Der Knabe hatte kaum Ähnlichkeit mit dem alten Senator, doch das zu sagen, ersparte ich mir. So räusperte ich mich nur und ritzte den Namen des Matiniers in das Täfelchen ein, das vor mir lag. "Dann würde ich dich nach meiner Einschätzung einem entsprechend versierten sacerdos zuteilen, ungeachtet der Tatsache, dass du bisher keine Gottheit bevorzugst. Es wird dir während oder auch nach deiner Ausbildung zudem möglich sein, eine Entscheidung zu treffen. Ich erreiche dich in der casa Matinia hier in Rom? fragte ich und schrieb auf der Tafel herum.



    Sim-Off:

    PN

    "Der bin ich, ja", bestätigte ich und nickte. Ein Matinier, das war ja interessant. Sonst hörte man diesen Namen nur in Spanien, wenn er überhaupt noch fiel. "Das ist korrekt, ja. Gestatte mir zuvor eine Frage, bist du zufällig näher mit Senator Matinius Agrippa verwandt?" Ich musterte den jungen Mann und zog dann eine frische Wachstafel hervor. "Marcus Matinius Ticinius, ja? Gut. Dann wollen wir mal. Hast du bereits Vorkenntnisse? Irgendeinen Wunsch, was deinen späteren Dienst in einem der Tempel anbelangt - also eine präferierte Gottheit, der du dienen möchtest?"

    "Ja, gehen wir", pflichtete ich Ursus bei, nachdem ich mich endlich losgerissen hatte. Die Meute begann bereits zu rempeln und drängeln, die Prätorianer hatten alle Hände voll zu tun und wir waren mittendrin - der denkbar schlechteste Ort, um sich ungezwungen zu unterhalten. Ich folgte Ursus, der sich bereits um Lucilla kümmerte, und suchte im Gehen - oder besser Drängeln - sein Ohr. "Bringe sie nach Hause. Oder nimm sie mit zu uns, erst einmal. Das hier könnte nur zu leicht eine handfeste Auseinandersetzung werden, die sich in halb Rom ausbreitet. Es ist besser, wenn sie sich dann nicht mehr auf den Straßen befindet", wies ich Ursus leise an.

    Mein Kinn war selbstverständlich rasiert, nur eben morgens, und da es gerade Abend war und zwischen dem gegenwärtigen Zeitpunkt und der morgendliche Rasur gute zwölf Stunden lagen, kratzte es nun mal ein wenig... :D


    "'Kennen' ist zuviel des Guten. Er war mein direkter Vorgesetzter, aber gesehen haben wir uns so gut wie nie, sieht man von den üblichen Stabsbesprechungen einmal ab", sagte ich und grinste kurz. "Jeder Kommandeur, der seine Truppe noch nicht auf Valerianus hat schwören lassen, macht sich verdächtig, Titus. Ihm blieb nichts anderes übrig, selbst wenn er nicht hinter dem Kaiser stünde. Aber du hast ganz recht, der Vinicier ist kaisertreu, so wie sein Bruder auch. Hungaricus, den praefectus urbi - du kennst ihn doch?" fragte ich nach und nahm erneut einen Schluck Wein. Selbstverständlich schmeckte er pur am besten, doch hatte die unverdünnte Flüssigkeit zudem die Eigenschaft, recht schnell auf Zunge und Geist einzuwirken. Noch verspürte ich allerdings nur eine angenehme Wärme in der Bauchgegend, die mir zudem das wölfische Grinsen erleichterte.


    "Wenn es dir nur um eine schneidige Germanin ginge, müsstest du dich nicht einmal nach Germanien begeben. Manchmal glaube ich, wir haben die meisten germanischstämmigen Sklaven in ganz Rom", witzelte ich - nicht ahnend, wie groß der Wahrheit Kern in diesen unbedacht gewählten Worten doch war. Hätte ich es geahnt, wäre der Abend wohl anders verlaufen als geplant. Es gab nur weniges, das ich ganz ausdrücklich untersagte, doch wer mich kannte, der wusste, dass ich es dann bitterernst meinte, wenn ich es tat. So aber dachte ich mir nichts weiter dabei und nickte nur. "Natürlich, nichts anderes habe ich auch erwartet, Titus. Und wenn du Sertorio mitnehmen möchtest, kannst du das gern tun. Niki kam jahrelang allein mit den anderen aus, da wird sie ein weiteres Jahr nicht umbringen", fuhr ich fort. "Das kann man tatsächlich nur hoffen. Caelyn sollte vorerst nicht mehr allein umherwandern, damit so etwas nicht nochmals passiert. Aber daran hast du sicher gedacht. Was Lucius Funeribus betrifft...nein, du kennst ihn nicht. Er war schon Klient meines Vaters, kein allzu großes Licht, wenn du verstehst. Aber er ist treu und hat das Herz am rechten Fleck. Ich bin mir sicher, dass er zusammen mit Matho ein Auge auf die Gruppe werfen wird." Genaugenommen war ich mir da gar nicht so sicher, sondern hoffte einfach das Beste - was in diesem Fall bedeutete, dass der alte Lucius noch lebte, wenn die aurelische Truppe wieder hier ankam.... "Nicht länger als es notwendig ist", schloss ich schließlich.


    Ob jetzt der passende Moment war, ganz nebenbei das zu fragen, was mir auf der Zunge lag? Ich verschob ihn noch etwas und konzentrierte mich einen Moment lang auf mich selbst. Mein Gefühl sagte mir, dass dies hier alles nur Schein war. Noch hatte die große Aussprache nicht stattgefunden, auch wenn sie längst ausstand. Aber weder Ursus noch ich überwand sich dazu, den ersten Schritt zu machen. Warum er es nicht wagte, wusste ich nicht zu sagen, bei mir indes war es einfach die Zermürbnis, nicht wieder einen Streit entfachen zu wollen. Als auch der zweite Becher geleert war, räusperte ich mich schließlich, blickte Ursus ernst an und sagte folgendes: "Angesichts deiner Abreise vielleicht auch nicht gerade der beste Zeitpunkt, aber ich wollte dich bitten, die tutela für deine Schwester zu übernehmen." Da war der Schritt, der erste, und er war von mir gekommen. Zwar hatte es sich als recht schwierig herausgestellt, mich zu überwinden, aber schlussendlich war es mir doch gelungen, und Ursus würde ganz gewiss auffallen, dass ich ihm damit ein Stück weit Verantwortung übertrug.

    Beide Arme locker auf die Lehnen des Sessels gebettet, studierte ich Ursus' Verhalten und nickte. "Natürlich", erwiderte ich. "Dass Iulianus' Sohn dafür Sorge trägt, dass die laufenden Vorgänge im Reich auch weiterlaufen, spricht für ihn." Ich strich mir über das leicht stoppelige Kinn und dachte nach. "In meine Amtszeit fiel ja der Wechsel der Legaten. Ich habe unter Decimus Meridius und Vinicius Lucianus gedient, ersterer war nicht begeistert von meiner Bitte, in der villa nächtigen zu dürfen, also habe ich das auf ein Mindestmaß reduziert. Bei mir war es aber auch etwas anderes als bei dir, da Deandra mich begleitet hatte und später Helena und Prisca dazugestoßen sind", erzählte ich und war zugleich verwundert darüber, dass ich darüber noch nie mit Ursus gesprochen hatte. "Ich würde in deinem Fall vermutlich im castellum bleiben, das stärkt zudem das Mannschaftsgefühl. Du kannst aber auch den Legaten fragen, ob er Einwände hat, wenn du ab und an in der villa schläfst. Es sollte zudem kein Problem sein, Sklaven mit im Lager zu haben, denn die Tribunen bekommen jeweils ein kleines domus zur Verfügung gestellt. Vergiss nicht, du bist der Führer der Legion, sollte der Legat verhindert sein, das bringt eine Menge an Vorteilen mit sich."


    Genussvoll leerte ich den Becher in kleinen Schlucken zur Hälfte, spähte gleichsam zu Ursus und seinem Becherinhalt hinüber. "In der Tat. Und nicht unbedingt ein Umstand, der mich freut, wenn ich ehrlich bin", entgegnete ich, Cotta betreffend. "Er hat nicht geschrieben, wie lange er beabsichtigt, dort zu bleiben, Titus. Zahlen laufen nicht fort." Für mich überraschend, schenkte ich ihm ein aufmunterndes, kurzes Lächeln und neigte alsdann den Kopf zur Seite. "Dir ist hoffentlich bewusst, dass du auch mir dieses Versprechen geben musst?" fragte ich mit amüsiert zukenden Mundwinkeln. "Aber gut, wen mitnehmen... Ich denke, deine Leibsklavin wirst du allemal mitnehmen. Was sonstige Sklaven betrifft, lasse ich dir die Wahl. Einzig auf der Anwesenheit von Cadhla und Siv bestehe ich, wobei gerade Siv einen Sonderfall darstellt, den ich gern gleich noch mit dir besprechen würde. Vielleicht nimmst du Sertorio mit, Matho ist der Ansicht, dass sich die beiden gut verstehen. Eventuell lässt sich damit auch etwas anfangen im Hinblick auf eine weitere Generation." Die Amphore wurde aufs Neue entkorkt, die Becher wieder gefüllt und während ich das tönerne Gefäß zurückstellte, fuhr ich fort. "Ich hatte ohnehin vor, eine kleine Gruppe nach Mogontiacum zu entsenden, musst du wissen. Umso besser, dass du ebenfalls dorthin gelangen musst, ihr könntet zusammen reisen. Ich beabsichtige, Matho und eine Handvoll der anderen zu schicken. In der villa befinden sich noch einige Dinge, die ich besser hier wüsste als in Germanien. Siv und Fhionn werden auch mit von der Partie sein, ich möchte beide auf die Probe stellen. Matho wird sie begleiten und ebenso Lucius Funeribus, einer meiner Klienten. Sie werden ein Auge auf die anderen haben, ich muss sehen, ob ich ihnen trauen kann."

    Die Tür war richtig, doch der Besucher einen knappen Moment eher zugegen als ich selbst. So stand der Matinier einen Moment ohne Rückmeldung vor verschlossener Tür, bis ich - in ein belangloses Gespräch mit einem augur den Gang entlang kam. Ich verabschiedete den Priester und wandte mich dann an den frühen Besucher, während Pyrrus bereits das Schloss entriegelte und uns beide einließ. "Salve, du wolltest zu mir?" fragte ich und trat ein, ging um den Schreibtisch herum und setzte mich, gleichsam auf den Stuhl vor demselben verweisend.

    So schnell, wie der junge Flavier die Themen wechselte, konnte man gar nicht reagieren. Etwas lahm entgegnete ich daher: "Dann wünsche ich dir viel Glück bei deinem Unterfangen. Ich werde mir die Rennen sicher nicht entgehen lassen."


    Livius Pyrrus klapperte schräg hinter mir mit einigen Wachstafeln, murmelte aber eine Entschuldigung für die Störung, als ihm die Stille auffiel, die sich kurz ausgebreitet hatte. "Ich werde heute noch einen Brief an den Vorsteher der Iunopriester schicken. Vermutlich kannst du in einer Woche mit einer Rückmeldung meinerseits rechnen, spätestens. Zeitpunkt und Ort für die Prüfung werde ich dir, wie gesagt, dann schriftlich mitteilen."

    "Dann hoffe ich doch, dass uns der kleine Decimus später präsentiert werden wird", entgegnete ich fröhlich und nahm einem der herumlaufenden Sklaven einen Becher verdünnten Wein ab. Tiefdunkler Wein war darin, ein vollmundiger Iberer, wie es ihn in der Heimat des Senators gab.


    "Danke dir", sagte ich zu Mattiacus, in dessen Schuld ich stand und wohl immer stehen würde, seit der Sache mit Helena. Ich entschied mich für eine Dattel, prostete kauend mit den anderen und wandte mich nach dem Schlucken dem weiblichen Neuankömmling zu, den es sogleich in die Nähe der anderen Damen zog. Als Decima Seiana stellte sie sich vor, sie lächelte kokett und schien sogleich Anschluss zu finden. "Es freut mich, dich kennenzulernen. Bist du eine nähere Verwandte des Senators?" fragte ich und hob erneut den Becher an die Lippen.

    Ich nickte und goss den herrlich duftenden Rebensaft in die bereitstehenden Becher, setzte dann die Amphore ab, verkorkte sie und platzierte sie auf dem Tisch. Hernach schob ich Ursus einen der beiden Becher hin. "Darüber muss ja dann nicht ich mir Gedanken machen", entgegnete ich und schmunzelte. "Aber das ist ohnehin noch lange hin."


    Die folgende Geste und vor allem die Information, die Ursus mir gab, hatte zur Folge, dass ich den bereits ergriffenen Becher wieder sinken ließ und den Kopf ein wenig zur Seite neigte. Zuerst sagte ich gar nichts, dann lächelte ich vage. "Ich weiß, dass du dich um ein Tribunat beworben hattest, und ich hatte gehofft, man würde dich den cohortes urbanae oder der Secunda zuteilen." Warum, verschwieg ich noch. "Welche Sklaven wirst du mitnehmen, weißt du das schon?" fragte ich, schüttelte aber ob seiner Bemerkung den Kopf. "Wieso sollte es ein Fehler sein?" Mein Blick fiel nach einer kurzen Wanderung wieder auf den Becher in meiner Hand, und wieder hob ich ihn. "Auf das Ende deiner Amtszeit und auf den Beginn der meinen", sagte ich und vergoss einen kleinen Schluck für die Götter, bevor ich einen tiefen Schluck nahm. Der aurelische Weinkeller war gut bestückt, dafür trug der cellarius Sorge, und so würde einem feuchtfröhlichen Abend nichts im Wege stehen - wenn nicht Ursus wieder zanksüchtig sein würde.


    "Ein wunderbarer Tropfen", drückte ich mein Gefallen aus und drehte den Becher einige Male in der Hand, ehe ich ihn abstellte. "Genaugenommen ist das tatsächlich der einzige Grund." Zumindest fadenscheinig. "Aber ich wollte dich zudem eigentlich etwas fragen. Appius hat mir geschrieben. Scheinbar plant er eine Reise nach Ägypten. Im Zuge dessen wäre es natürlich nicht besonders logisch, würde er sich weiterhin um die Kontrolle der Bucher und dergleichen kümmern. Allerdings macht es angesichts deines Tribunats in Germanien keinen Sinn mehr, dich zu bitten, dies zu übernehmen." Ein weiterer Schluck aus dem Becher fand seinen Weg unter meinen Gaumen. Ob zum Mutmachen oder des Durstes wegen, war dahingestellt. "Deswegen hätte ich dich gern in Rom gewusst, abgesehen davon, dass besonders die Frauen dich vermissen werden."

    Ich trat ein, schloss die Tür mit meinem Fuß und sah mich danach im Raum um. Er wirkte ganz so, als wäre Ursus in Aufbruchstimmung. Verwundert ließ ich den Blick durch den Raum schweifen, bis er an Ursus haften blieb, der soeben zu sprechen begann. Er hielt mich für seine missratene Sklavin - natürlich war mir nicht entgangen, was sie sich geleistet hatte - und sah mich dann verwundert an. Zur Erklärung hob ich nur die Amphore und die beiden Becher, nun wieder in der Rechten haltend, ein wenig an.


    "Ich dachte, wir könnten das Ende deiner Amtszeit feiern", erwiderte ich auf seinen Gruß hin und setzte mich an den Tisch, nachdem die Gefäße dort platziert worden waren. Nebenbei hantierte ich am Kork der Amphore herum und warf einen Blick auf Schreibutensilien, Siegelzeug, Tuniken und ein Wirrwar aus Schnürden, Kordeln und dünnen Seilen, die Ursus nun vom Tisch räumte. Ich hatte den Korken nun aus der Amphore gefingert, schloss die Augen und roch genießerisch am Wein. "Mmh...siebzehn Jahre alter Falerner..." murmelte ich und blickte dann ein wenig überrascht zu Ursus. "Danke dir. Aber sag mal... Es wirkt ganz so, als hättest du keine Zeit. Err... Sollte ich dich besser allein lassen?" fragte ich, die Hand mit der Amphore über den beiden Bechern schweben lassend und Ursus fragend musternd.

    Falerner aus Kampanien, eine siebzehn Jahre alte Amphore aus den Tiefen des aurelischen Weinkellers. Ein angemessener Wein, befand ich. Ausstaffiert mit zwei einfachen, ineinandergestapelten Bechern und besagter amphora wanderte ich den Gang entlang und blieb schließlich vor der Tür zu Ursus' Gemächern stehen. Unschlüssig musterte ich das riefige Holz. Wege entstehen dadurch, dass man sie geht! Genaugenommen war der Weg sogar bereits vorgezeichnet. Das einzige, was ich noch tun musste, war die Hand heben und klopfen. Vielleicht würde Ursus einen guten Tag haben und mich nicht wieder fortwährend missverstehen. Ich sog ein letztes Mal die unbeschwerte Luft des Ganges ein, klemmte mir die beiden Becher unter den Arm, dessen Hand die Amphore hielt - und klopfte. Aus heiterem Himmel heraus ward mir wieder unbehaglich zumute. Ich hasste Streit, und da ich partout nicht wusste, was mich hinter dieser Tür erwarten würde, war mir unweigerlich mulmig zumute. Alles, was ich wollte, war kein weiteres Fiasko der Art, wie es im letzten Jahr eindeutig zu oft stattgefunden hatte.

    Die Hand ans Kinn gelegt, stand ich unter den Zuhörern und lauschte überaus interessiert. Nicht nur, dass Ursus' Starrsinn ihn so gut wie nie mit seinen Fragen zu mir geführt hatte, er hatte ihn auch dazu gebracht, sich selbständig durchzubeißen - und das wiederum hatte ich nicht erwartet. Vielleicht war es Ursus ja vergönnt, eine Anerkennung vom Senat zu erhalten, wo mir eine solche bisher verwehrt geblieben war.


    Ich kniff die Augen ein wenig zusammen und nickte anerkennend, als er seine Rede beendet hatte. Zusammen mit den anderen Zuhörnen, von denen auch einige Klienten und Freunde der Familie waren, applaudierte ich. Dann führte mich mein Weg vom forum herunter und zurück zur regia des cultus deorum.

    Nicht wenige waren gekommen, um die neuen Magistraten für das kommende Jahr zu begutachten. Dass Gracchus die Wahl gemeistert hatte, war nicht weiter verwunderlich gewesen, was den Germanicer anbelangte, war ich schon eher überrascht. Bevor dessen Name aufgerufen wurde, trat ich einen Schritt vor, schloss nur kurz die Augen und leistete dann mit fester Stimme den Eid.

    "EGO, MARCUS AURELIUS CORVINUS HAC RE IPSA DECUS IMPERII ROMANI
    ME DEFENSURUM, ET SEMPER PRO POPULO SENATUQUE
    IMPERATOREQUE IMPERII ROMANI ACTURUM ESSE
    SOLLEMNITER IURO.


    EGO, MARCUS AURELIUS CORVINUS OFFICIO QUAESTOR URBANUS IMPERII ROMANI ACCEPTO,
    DEOS DEASQUE IMPERATOREMQUE ROMAE IN OMNIBUS MEAE VITAE
    PUBLICAE TEMPORIBUS ME CULTURUM, ET VIRTUTES ROMANAS
    PUBLICA PRIVATAQUE VITA ME PERSECUTURUM ESSE IURO.


    EGO, MARCUS AURELIUS CORVINUS RELIGIONI ROMANAE ME FAUTURUM ET EAM
    DEFENSURUM, ET NUMQUAM CONTRA EIUS STATUM PUBLICUM ME
    ACTURUM ESSE, NE QUID DETRIMENTI CAPIAT IURO.


    EGO, MARCUS AURELIUS CORVINUS OFFICIIS MUNERIS QUAESTOR URBANUS
    ME QUAM OPTIME FUNCTURUM ESSE PRAETEREA IURO.


    MEO CIVIS IMPERII ROMANI HONORE, CORAM DEIS DEABUSQUE
    POPULI ROMANI, ET VOLUNTATE FAVOREQUE EORUM, EGO
    MUNUS QUAESTOR URBANUS UNA CUM IURIBUS, PRIVILEGIIS, MUNERIBUS
    ET OFFICIIS COMITANTIBUS ACCIPIO."

    Als neuer auctor musste ich mich noch in die teilweise abstruse Welt der legalen und auch illegalen Informationsbeschaffung hereinfuchsen. Eine Angelegenheit, mit der ich noch nicht so recht zufrieden war bisher, die sie aber gewiss bald einpendeln würde. So zuversichtlich war ich zumindest schon. Daher erwiderte ich nichts weiter auf den Hinweis und nickte nur bei der Erwähnung des neuen Kaisers. "Soviel steht fest. Andererseits kursiert das hartnäckige Gerücht, dass es nicht allzu gut um seine Gesundheit steht. Was, wenn der schlimmste nur mögliche Fall eintritt? Es würde eine Rangelei um den Platz des princeps entbrennen. Rom und dem Reich stünden dann schwere Zeiten bevor", wagte ich das Unaussprechliche auszusprechen und neigte den Kopf.


    "Das ist gut. Kontinuität gibt Sicherheit." Ich schwieg einen kurzen Moment. "Ich denke, ich werde zum Quästor kandidieren, Patron. Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich diesen Schritt vertreten kann angesichts der Tatsache, als septemvir und noch dazu als auctor recht neu im Amt zu sein. Daher würde ich dich neben deiner Wahlunterstützung auch um deinen Zuspruch vor dem Senat bitten, mich in Rom einzusetzen."