Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Rostrot. Ich hatte auf die rostrote toga ausweichen sollen, da meine schönste, beste, die mir liebste toga - die dunkelrote mit der goldenen Verzierung und den schicken Stickereien - noch nicht trocken war. Missmutig hatte ich mich schließlich in ein helles Braun hüllen lassen, welches Alexandros als sandfarben betitelte. Wie auch immer. Jedenfalls trug ich ein einigermaßen passendes Ensemble, als ich mich zu Cotta gesellte, der die Dekoration bewunderte. Und auch ich musste zugeben, dass 'meine Mädels' ganze Arbeit geleistet hatten. Etwas, so gestand ich mir selbst ein, graute mir vor diesem Abend, an dem natürlich auch Deandra eingeladen war, doch nach unserem letzten Zusammentreffen hatte ich jeden Gedanken an sie mit mehr oder minder akzeptablem Erfolg verdrängt.


    "Na, Appius, bewunderst du den Geschmack unserer Damen? Ich muss schon sagen, wäre ich heute nicht in diesem Hause aufgewacht, hätte ich mich angesichts dieser ganzen Veränderungen gefragt, wo ich bin", grüßte ich Cotta locker und legte ihm kurz die Hand auf die Schulter. "Hast du dir einige Worte zurechtgelegt?" fragte ich ihn. "Es wäre eine ausgezeichnete Möglichkeit für Titus und dich, eure Kandidatur in der nächsten Amtszeit anzukündigen."


    Formvollendet überspielte ich meine Besorgnis Deandra in persona und auch die vermutlich auftauchenden Fragen sie betreffend. Wann wohl die ersten Gäste kamen?

    Hatte ich zuvor noch angenommen, man sei ob meiner verminderten Aufmerksamkeit weniger davon angetan, dass sich an meine bisherige Zeit als magister eine weitere anknüpfte, so wurde ich hier nun eines besseren belehrt. Während sich einige wenige noch uneins mit sich selbst zu sein schienen, sagte niemand etwas, was ich als Zustimmung wertete. Ich selbst enthielt mich meiner Stimme.


    Kurze Zeit später hatten wir diesen Punkt auch abgehakt - nach einer kurzen Danksagung meinerseits - und konnten zum letzten fortschreiten: Die Vorbereitung zum Armilustrium. "Meine Herren, ich habe mir die Freiheit herausgenommen, eine neue Aufstellung aufzusetzen. In der ersten Reihe wird mittig Menenius Mela stehen, rechts neben ihm Cornelius Castus und Aquilius Fulmens, zur seiner Linken finden sich Horatius Crassipes und Aemilius Plautus. Die mittleren drei der zweiten Reihe bilden Aurelius Pegasus, Aurelius Cotta und Aurelius Ursus, damit sie sich an den vor ihnen Tanzenden orientieren können. Rechts findet sich bitte Claudius Novus ein und links Flavius Fluctus. Den Abschluss bilden Flavius Lucullus in der Mitte, zu seiner Linken Ulpius Subrex und Claudius Stilo, zur Rechten Cloelius Quadratus und Menenius Frugi." Ich ließ die Tafel sinken und sah in die Runde. "Darf ich bitten?" fragte ich und deutete auf den freien Platz, wo einige Eifrige bereits an ihren neuen Plätzen Aufstellung genommen hatten. Zu Cotta und Ursus sagte ich im Vorübergehen: "Wir gehen jetzt die Schritte einige Male durch, richtig geübt wird dann daheim." Cloelius Quadratus indes auf Ursus zuging und ihn leicht verplant fragte: "Entschuldige, du hast nicht zufällig mitbekommen, wo ich...äh....?"

    In dunklem Rot waren die Tuniken der Sklaven gehalten, eine güldene Kordel hielt die Kleidung auf Hüfthöhe ordentlich zusammen. Ihre Häupter waren bekränzt mit geflochtenem Weinlaub und jeder Sklave, vom größten bis zum kleinsten und vom jüngsten bis zum ältesten, trug am linken Handgelenk einen vergoldeten Armreif.


    Die Wände der Räume, welche die Augen der Gäste erblicken würden - atrium, tablinum und das große triclinium - waren sporadisch mit edlen, hinabhängenden Stoffbahnen im gleichen Dunkelrot geschmückt. Um Büsten, Statuen und Wachsmasken im atrium rankten sich frisch geschnittene Weinranken, ins impluvium hatte man rotes Pulver gegeben, welches das Wasser im von einer Statue des Bacchus bewachten Becken rot färbte wie Wein und auch die porta selbst war nicht vergessen worden. Von außen war dort ein Gesteck befestigt worden, an welchem echte Trauben verführerisch herab hingen. Leone oblag es, aufzupassen, dass kein Gast sich an diesen Trauben gütlich tat, denn im Gegensatz zu den sich überall in der villa befindlichen Trauben in verschiedenartigen Schalen waren sie nicht zum Verzehr sondern ausschließlich zur Zierde gedacht. An der rechten Längsseite des atrium befand sich zudem auch ein kleiner, eigens für diesen Abend hier aufgebauter Altar, auf welchem Statuen des Iuppiter und der Meditrina in Eintracht nebeneinander standen und auf Opfergaben warteten.


    Im tablinum, welches durchaus vom atrium aus einsehbar war, befanden sich bequeme Sessel und Stühle, um den Gästen später, bei einem der Hochpunkte des Festes, Sitzgelegenheit zu bieten. Doch noch waren sowohl diese Stühle als auch die Stühle um den großen Tisch herum auf der sich an der Stirnseite des Raumes befindlichen Bühne leer.


    Das große triclinium glänzte gleichsam vor Sauberkeit und erstrahlte ebenfalls in den Farben dieses Abends, die zugleich auch die Farben der gens selbst waren, namentlich dunkelrot und golden. Zahlreise kristallene Kelche standen parat, jede Liege und jeder Sessel war gewissenhaft drapiert worden, und auf Geheiß des Hausherren hatte man die bestehende Anordnung aufgelöst und kleine Gruppen gebildet. Insgesamt waren sehr viel mehr Liegen und Sessel vorhanden als Gäste erwartet wurden, und so würde es den Gästen möglich sein, sowohl während der cena als auch danach einfach den Platz zu wechseln, was eine offene Gesprächsrunde ermöglichte. Die irdenen Öllampen auf den zahlreichen kleinen Tischen und auch die schmucken Öllampen an den Wänden des Raumes wurden ebenfalls von Wein umrankt und warfen warmes, einladendes Licht auf die rot bezogenen Polstermöbel mit den goldenen Fransen.


    Ein Großteil der wunderschönen und stimmigen Dekorationen war Prisca und auch Helena zu verdanken, welche sich – mit Sisennas Hilfe – zahlreicher Sklavenhände bemächtigt und Anweisung um Anweisung erteilt hatten. In der Küche schwang Niki bereits fleißig Löffel, Messer und so manches Mal auch den Zeigefinger, wenn einer der Mägde mehr naschte als nötig. Was nun also noch fehlte, waren die Gäste, die in Kürze eintreffen sollten.

    Die offene Feindseligkeit des Jungen konnte ich mir nicht erklären. Aber vermutlich war er allen Männern abgetan, und dass ich seinen Namen falsch genannt hatte, fiel mir nicht einmal auf. Indes Naavi einer Sklavin aus dem Tross der Dame schöne Augen machte, weswegen es vermutlich auch den Namen der hübschen Patrizierin vergessen hatte, die sich nun selbst vorstellte - als Claudia. Überrascht hob ich die Brauen und musste mich glatt noch einmal vergewisssern. "Claudia?" Neuerlich musterte ich sie. Deandra, Epicharis, Prisca, sie alle kannte ich, aber Claudia Callista war mir fremd. Und da die Claudia nicht nur bekannt, sondern auch befreundet war, schloss ich daraus, dass Callista sonst nicht in Rom lebte oder eine nur entfernte Verwandte der mir bekannten Claudier war. "Gestattest du mir die Frage nach deiner Herkunft? Die Claudier und meine Familie sind befreundet, doch zu meinem Bedauern höre ich deinen Namen heute zum ersten Mal", sagte ich und lächelte höflich. "Es freut mich daher umso mehr, deine Bekanntschaft zu machen."


    Als ich dem Blick meiner hübschen Begleitung folgte, bemerkte auch ich, dass die flamines bereits im Aufbruch begriffen waren und die Handlanger mit dem Aufräumen begonnen hatten. Den enttäuschten Blick Callistas konnte ich nur erwidern. Da hatte man sich solche Mühe gegeben mit Vorbereitung und Durchführung, und dann wurde die Prozession regelrecht abgebrochen. "In der Tat bedauerlich", pflichtete ich bei, während Callista absent erschien, was ich allerdings nicht merkte, da ich noch kurz vorn beim Geschehen weilte, ehe ich mich umwandte.


    Dennoch veranlasste ihre Frage mich dazu, meine Aufmerksamkeit wieder vollends der Claudierin zuzuwenden. Sie ließ mich schmunzeln, indes ein Großteil der Zuschauer bereits wieder abzog. "Bedrückend ist vielmehr, die richtigen Worte zu finden, wenn man die Zurückgebliebenen benachrichtigt. Nicht alle sind bereits über den Tod eines Verwandten informiert, und dass man nicht um den vorhandenen Wissensstand weiß, macht es schwer, gleichsam beileidsbekundend zu sein, ohne neuerlich die Gemüter aufzuwühlen", gestand ich. "Alles andere sind nur Zahlen in Wachs, deren Handhabung relativ einfach ist. Aber ich möchte dich nicht langweilen, werte Claudia. Wirst du nach diesem Opfer zur villa Claudia zurückkehren? Falls dem so ist, nun, sie liegt auf dem Weg und es wäre mir eine Ehre, dich zu begleiten."

    Guten Morgen,


    Mohnrauch wurde konsumiert, die Griechen haben auch Cannabis indica schon von den Assyrern her gekannt. Vermutlich wurden diese beiden Drogen aber eher gegessen oder in flüssiger Form als Saft genossen.


    Die Kelten hatten auch schon eiserne Pfeifen (was ich mir persönlich ziemlich unpraktisch vorstelle, da Eisen ein guter Wärmeleiter ist und man sich somit beim Gebrauch der Pfeife schnell verbrennen kann). Vermutlich hat man zu unserer bespielten Zeit in allen Kulturen auch Kräuter geraucht, z.B. Thymian und Lavendel. Räucherharze wurden, soweit ich weiß, in Wasser gegeben und in speziellen Pfeifen (also Wasserpfeifen) geraucht, auch wenn die ganz anders ausgesehen haben müssen als die Shishas, die man heute kennt.


    Das einfache Volk hat übrigens getrockneten Ochsenmist geraucht - nein, das ist kein Scherz. Und wenn man sich anschaut, dass die Römer auch Cannabis kannten, dann sollte klar sein, woher manche Priester und Orakel ihre Visionen hatten...

    Während Cotta noch grübelte - wie immer :D - setzte ich mich bereits in Bewegung, um Modestus zu folgen, der einige bequeme Sitzmöbel mit exzellentem Ausblick ansteuerte. Als ich die Zerstreutheit meines Vetters bemerkte, blieb ich stehen, sah ihn an und deutete mit einer kleinen Kopfbewegung, Annaeus und mir zu folgen. Auch Ursus empfing ein Schmunzeln von mir, ehe ich mich neuerlich um- und Modestus zuwandte. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Götter gerade bei einem Tempelbau nichts einzuwenden haben werden, Modestus. Und du hast zudem fachkundige Leute hier", erwiderte ich auf seine geäußerten Bedenken. Ich war der Annahme, dass auch Tiberius Durus in seiner Funktion als augur zugegen war und nicht als Gast.

    "Annaeus Sophus, Annaeus Varus", grüßte ich beide und neigte zum Gruße den Kopf. Ob Modestus seinen Magistraten informiert hatte, dass ich auch einmal duumvir Mantuas gewesen war? Später würde noch genug Zeit sein, um zu plaudern, doch nun warteten alle ersteinmal, dass die Zeremonie begann und der Boden geweiht werden würde. Auch Durus trat hinzu, was mich nicht wunderte, war er doch selbst ein augur, zumindest noch. "Durus, schön dich zu sehen", grüßte ich auch ihn. Dass Cotta und Modestus sich bereits kannten, überraschte mich allerdings, und wenn ich in Ursus' Gesicht sah, so war ich in meiner Überraschung nicht allein.
    "Ein schöner Tag, um eine Weihe zu vollziehen", bemerkte ich.

    Ernst nickte ich. Natürlich hatte ich nicht behaupten wollen, der Senator halte sich für Besseres. "Es ist in jedem Falle eine Ehre, zum Beraterstab des Kaisers zu gehören, und es ist die Pflicht eines Römers, dem Ruf seines princeps zu folgen", pflichtete ich bei. Ich würde ohne Zweifel dasselbe tun.


    "Ah, das Rechtswesen. Ja, mir ein fundiertes Wissen hierüber anzueignen, ist auch eines meiner Ziele, auch wenn die Prätur noch in weiter Ferne liegt", erwiderte ich. Dass der Kaiser Männern in den Senat half, die es verdienten, daran zweifelte ich nicht. Doch die Frage war, ob man es verdiente. Ich äußerte mich niht dazu, denn dies konnte ich weder entscheiden noch vorhersagen. Statt hierauf zu antworten, trank ich einen Schluck und ging nachfolgenden auf das Anliegen ein, welches der procurator hatte. "Obgleich du mich weder langweilst noch in irgendeiner Weise aufhältst, bin ich ganz Ohr", entgegnete ich schmunzelnd und war gespannt, was nun also folgen sollte.

    Zu den verschollenen Erbfällen, derer sich Gracchus angenommen hatte, gab es nichts weiter zu sagen, da Gracchus selbst bereits alles geäußert hatte, also nickte ich nur, statt seine Worte nochmals wörtlich, doch umformuliert zu bestätigen. Was er indes über den cultus deorum und auch die Wahl eines Patrons sagte, stimmte mich neuerlich nachdenklich, und ich sann noch über seine Worte nach, als man uns zu Tisch bat. Wir leisteten der Aufforderung sogleich Folge, was mindestens in meinem Falle auch eine Sache des Hungergrfühls war, das ziemlich vorhanden war.


    Mir wurde ein mittlerer Platz zugewiesen, zu meiner Rechten lagerte sich Flavius Gracchus und zu meiner Linken... Nun ja. Mein Verwandter. Ein Fremder für mich. Ich war noch ein kleiner Junge gewesen, als ich jenen Mann zum letzten Mal gesehen hatte. Mehr als einige Blicke waren auch nicht gewechselt worden. Ich hatte nie verstanden, warum es tatsächlich Mitglieder meiner Familie gab, die vollkommen allein nahe Roms residierten und sich nicht einmal blicken ließen. Angesichts der Vorfälle um Cicero jedoch hatte ich mich öfter bei dem Wunsch ertappt, auch jener hätte sonstwo gelebt. Der Ausschank von mulsum brachte meine Gedanken ins Jetzt zurück. "Salve, Commodus", grüßte ich. "Salvete, senatores. Aelius", wandte ich mich auch jene, die ich bis hierhin noch nicht begrüßt hatte.


    Auf den Appetitanreger folgte die gustatio. Der Siebenschläfer sah köstlich aus, und die kursierenden Themen fanden in mir einen interessierten Zuhörer. Das Gerücht über die schwere Krankheit des flavischen Senators war auch bis zu mir durchgedrungen, doch da Gracchus zusicherte, es sei nichts Ernstes, gab ich auf das grassierende Gewäsch nichts weiter. Ich deutete Tilla, mir von allem etwas anzureichen.

    Einige Tage nach den anderen Einladungen brachte ein cursor auch hier eine Schriftrolle der besonderen Art vorbei. Sie war zwar gerollt, wie es üblich war, doch nicht nur durch ein Siegel geschlossen worden. Vielmehr räkelte sich eine Ranke leicht rötlichen Weinlaubes um den hochwertigen Papyrus. Der Bote gab die Schriftrolle persönlich beim ianitor ab und wies darauf hin, dass der Hausherr diese Einladung mit unversehrtem Blattblaub bekommen sollte. Alsbald verließ er das Haus und trug auch die weiteren Einladungen aus.



    Ad
    Aelius Callidus
    domus Aeliana in Roma
    Italia



    In wenigen Tagen ist es soweit,
    für Meditrina* ist wieder Zeit!
    Für Speis und Trank und amüsante Sachen
    und natürlich zum ausgiebig Lachen.


    Doch was wär' schon ein Lachen ganz allein?
    Deswegen wollen wir gesellig sein!
    Gen Abend bist du eingeladen
    im Hause Aurelia Spaß zu haben.


    So ströme denn freudig und gut gelaunt her
    - was will ein Gastgeber denn noch mehr?
    Die gens Aurelia läd also ein
    zur zwölften Stunde hier Gast zu sein!



    Sim-Off:

    *Donnerstag, den 11.10.2007


    Moin,


    das geht im Profil.
    Dort auf "Avatare" klicken, "eigenen Avatar verwenden" markieren und dann auf deiner Festplatte nach einem geeigneten Bildchen suchen. 100x100px darf das groß sein. :)


    Grüße

    audite, audite !


    Die gens Aurelia bietet folgende Betriebe zum Verkauf an:


    Cave pecos, Metzger (I)
    Dolce et Gabania, Schuster (I)
    Ponderosarius, Viehzucht (II)
    Die Göttin der Biere, Brauerei (I)
    Sägewerk No. IV, Sägewerk (I)
    Theatri Culinari Mantuana, Taberna (I)


    Interessenten melden sich bitte bei
    M. Aurelius Corvinus,
    villa Aurelia zu Roma

    Erfreut nickte ich ob des Senators Worten. Austern...hm, ich musste mich bei Matho erkundigen, denn dieser hatte zusammen mit der Köchin Niki den Speiseplan aufgestellt. Abgesegnet hatte den entweder Cotta oder Ursus, und ich selbst hatte ihn nicht einmal zu Gesicht bekommen, fiel mir gerade auf. Daher sagte ich vorerst nichts dazu und ging gleich auf die Frage nach der Begleitung ein. "Du meinst sicher Decima Lucilla, nicht? Sie hat ebenfalls eine Einladung erhalten. Wir trafen und neulich in der Via Ardeatina. Sie hat mich sozusagen gerettet", erzählte ich. "Es ist dir also selbstverständlich erlaubt, eine Begleitung mitzubringen", schloss ich.


    Zum Rahmenprogramm selbst verriet ich gar nichts, denn die Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten liefen seit Wochen auf Hochtouren. Perücken waren bestellt worden und würden hoffentlich noch rechtzeitig geliefert werden, man hatte sich einen kleinen Tintenvorrat angelegt und das Fell einer großen Raubkatze beschafft. Ein Stück wurde fleißig einstudiert, die Dekoration war eingekauft worden und alle fieberten dem Fest entgegen, in dem so gut wie jeder Aurelier in irgendeiner Weise die Finger im Spiel hatte. "Dann darf ich also hoffen, dich und Decima Lucilla am kommenden Donnerstag begrüßen zu dürfen, Senator?" fragte ich abschließend, denn sicherlich hatte der vielbeschäftigte LACP noch anderes zu tun, als mit einem niederen Magistrat auf dem Sklavenmarkt zu plaudern. 8)

    Vorwitzig, zugleich aber gedanklich abwesend fuhr meine Hand über ihre Rundungen. Ihr Interesse schien echt zu sein, und das wiederum erfreute mich insgeheim. Camryn hatte schon immer eine besondere Stellung bei mir genossen, nicht zuletzt wegen ihrer Fähigkeiten. Menschlich gesehen wäre sie so ziemlich meine letzte Wahl gewesen, denn dass ihre Selbstsucht kaum Grenzen kannte, war selbst mir bewusst. Zudem hatte sie kaum Freunde in der Sklavenschaft, trat der sonstigen Familie eher überllaunig entgegen und erschein oft arrogant. Dennoch hielt sie mit ihren Künsten ihren Sonderstatus aufrecht, und gerade heute merkte ich wieder einmal, wie gut es tat, eine Frau neben sich liegen zu haben, der solche Fähigkeiten inne wohnten.


    "Ich stehe der ganzen Geschichte skeptisch gegenüber, Camryn. Ich kenne diesen Mann nicht, und ehe ich ihn hier aufnehme, will ich wissen, ob ich seinem Wort trauen kann oder ob er ein Schwindler ist. Und deswegen sollst du ins Spiel kommen. Ich will, dass du nach Capua reist und Nachforschungen anstellst. Er sagte, dass seine Mutter auf einem ansehnlichen Landgut in der Nähe der Stadt gehaust hat bis zu ihrem Tod. Wenn dem so ist, muss es Beweise dafür geben, und die will ich sehen. Aquilia Noctua hieß die Dame, sagte er. Und ich will, dass du gleich morgen losziehst." Meine Lippen senkten sich und begannen, die Brust der Sklavin zu kosen.

    Mattigkeit breitete sich allmählich in mir aus. Es war mir nach der halben Weinamphore nicht schwer gefallen, mich an Camryn zu vergehen. Der Geist war bereits umnebelt gewesen, doch auch der Körper hatte sich nach Entspannung gesehnt. Und zwar auf eine Art, deren letztes Mal weit zurück lag. Viel zu weit.


    Noch hob und senkte sich der Brustkorb rasch. Die zierliche Keltin wollte mir keine Pause gönnen. Wölfisch grinsend ließ ich sie einen kurzen Moment in ihrem Kosen gewähren, ehe ich ihre Hand ergriff und fortführte. Das enttäuschte Gesicht sprach Bände, aber es war mir egal. "Ich habe einen Auftrag für dich", sagte ich unvermittelt. "Da ist dieser Fremde angekommen, heute. Er nennt sich Paullus Pegasus und behauptet, der Sohn meines Bruders Iustus zu sein. Damit wäre er Priscas Halbbruder", erzählte ich und hob die Hand, um nachdenklich über die zarte Haut der Sklavin zu fahren.

    Gerade noch rechtzeitig hatte mich die Einladung erreicht, um noch Teil des Zeitplans zu werden. Ich musste allmählich aufpassen, dass ich mich nicht verzettelte. Da ich vermutlich nur für den Tag der Einweihung und eventuell für den darauffolgenden bleiben konnte, hatte ich Ursus und Cotta gefragt, ob sie mich nicht begleiten wollten. Für beide war es eine exzellente Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit zu zeigen, und so hatten sie eingewilligt. Am Abend vor der Einweihung waren wir erst spät angekommen, hatten in einem nahen Gsthaus genächtigt, zusammen gefrühstückt und kamen nun - leicht verspätet, wie es ob der zahlreichen Gäste schien - hierher. "Einer der amtierenden duumviri ist ein Freund von mir, Annaeus Modestus. Ich stelle euch dann einander vor", sagte ich zu Cotta und Ursus, während wir uns den Weg nach vorn bahnten. Ich wusste nicht, wer außerdem noch eingeladen worden war, ließ mich aber überraschen.


    Am Ort des Geschehens angekommen, gewahrte ich Modestus, einige mir fremde Männer und einen augur und führte meinen Vetter und meinen Neffen sogleich dorthin. "Salvete", grüßte ich die Umstehenden. "Sind wir zu spät? Modestus, hab Dank für die Einladung. Ich konnte nicht widerstehen, einem so wichtigen Ereignis in meiner Heimatstadt fernzubleiben. Darf ich meine bedein Begleiter vorstellen? Aurelius Ursus, mein Neffe, und Aurelius Cotta, mein Vetter."