Hätte ich geahnt, dass sie mich innerlich zu denjenigen in der Schublade der nicht ganz Hellen steckte, so hätte ich wohl befunden, dass das Wörtchen drollig sogar noch eine Untertreibung war, und sei es nur aus jenem Grund, da sie sich über dieses Adjektiv ärgerte. So aber behielt jeder seine Gedanken schön bei sich und niemand hatte Anlass, tödlich beleidgt zu sein oder vor Scham im Erdboden zu versinken. 
"Ah, das ist wirklich gut zu wissen", bemerkte ich hinsichtlich der Berufskunst ihres Verwandten Mattiacus. Ihre weiteren Ausführungen zur lex mercatus vernahm ich mit einem Schmunzeln und der stillen Frage hinter meiner Stirn, ob sie denn wusste, dass patrizische Bürger steuerbefreit waren. Im Wesentlichen konnte ich ihr allerdings uneingeschränkt zustimmen. "Das stimmt. Es sind auffällig viele edicti in letzter Zeit verhängt worden. Das legt die Vermutung nahe, dass ein sich benachteiligt fühlender Bürger den Anschlag auf den praefectus urbi verübt haben könnte", gab ich zu bedenken und dachte anschließend kurz über diesen ominösen Zusatz zur lex mercatus nach. "Mir hat sich der Sinn hinter diesem Anhang auch noch nicht erschlossen, muss ich gestehen. Im Endeffekt zwingt man damit die Leute, die ihres Standes wegen oder aufgrund ihrer Tätigkeit bestimmte Betriebe nicht führen dürfen, aber sie behalten wollen, ihre Betriebe zum Schein an Dritte zu überschreiben. Zumindest vorläufig. Das ist sicherlich nicht das, was beabsichtigt wurde mit der Erweiterung des Textes. Es bleibt indes zu hoffen, dass sich jemand dieses unsinnigen Zusatzes annimmt." Da ich nicht glaubte, dass dies baldigst geschehen würde, setzte ich diesen Punkt ingeheim auf meine persönliche Was-Corvinus-tun-wird-wenn-er-mal-Senator-ist-Liste. Eigennutz konnte mir schließlich niemand vorwerfen, immerhin besaß ich lediglich einen kleinen Olivenhain auf Sardinia, und der warf sogar gerade einmal genug ab, um den Bedarf der Familie und einiger Klienten zu decken. Aber da ich finanziell nicht unbedingt auf den Umsatz des Olivenverkaufs angewiesen war - womit wir nun beim Finanziellen angelangt waren, über das Lucilla auch gerade nachsann. 
Natürlich wusste ich um die Gerüchte, die man sich in Rom erzählte. Es war beinahe unmöglich, nichts darüber zu wissen. Was das aurelische Vermögen indes anbelangte, hüllten sich selbst die Waschweiber in Schweigen, und dieses Schweigen konnte nur einen Grund haben: Es waren keine Informationen vorhanden. Und das würde - zumindest von meiner Seite aus - auch so bleiben. Immerhin wusste ich, warum ich Cotta die Oberaufsicht über die uuuunzähligen aurei übertragen hatte....
Das kleine Mädchen schien Lucilla nicht wirklich zu stören, und auch ich hatte Kinder eigentlich gern. Die Kleine erinnerte mich an Sisenna, und auch ich sah den beiden kurz lächelnd hinterher. "Es muss in jedem Falle ein ungewöhnliches Fest gewesen sein, so inmitten eines Militärlagers", erwiderte ich auf ihre Umschreibung der Feierlichkeiten. Mehr wusste ich darauf schließlich auch nicht zu sagen, denn die Anzahl der Hochzeiten, die ich in meinem Leben bisher besucht hatte, war nicht gerade weit oben angesiedelt. "Ja, auf diese Idee sind sie nach einiger Überlegung dann auch gekommen. Sie hatten zwar recht schnell ein hübsches domus mit Garten gefunden, angesichts der zukünftigen Aussichten aber beschlossen, doch erstmal kein Haus in Mantua zu erwerben. Es war, denke ich, die richtige Entscheidung. Obwohl das Haus wirklich ein Schmuckstück war." Aber ich hätte es auch nicht gekauft, wenn ich ein paar Wochen später bereits auf unbestimmte Zeit nach Parthien gezogen wäre. Lucilla hatta also - wieder einmal, wie ich verblüfft feststellte - recht. Verstohlen musterte ich sie von der Seite. Was hatte sie gesagt? Iberiern war sie? Vielleicht waren die iberischen Damen besonders bevorteilt, was die Intelligenz anging, überlegte ich. Oder es lag an der acta-Arbeit, da musste man sicher auch viel lesen. Kein Wunder, dass das ein oder andere hängen blieb.

Aus der Überlegung gerissen, nickte ich. Medeia arbeitete für die schola, das wusste ich. Aber Ägypten? "Hm, sicherlich keine uninteressante Reise. Africa wäre auch eine Provinz, die ich gern einmal bereisen würde." Noch durfte ich ja, ohne jemanden um Erlaubnis bitten zu müssen. Als Lucilla stehen blieb, wandte ich mich fragenden Blickes um. Auch ich hatte nicht weiter auf die Hausnummern geachtet. Und nun standen wir tatsächlich schon vor dem richtigen Haus? Ein Blick auf die an der Fassade prangenden Lettern verriet, dass dem so war. Ein schickes Gebäude. Ich sah zu Lucilla. "Fast wären wir vorbei gelaufen", bemerkte ich und schmunzelte. "Und zum zweiten Mal an diesem Tag rettest du mich." Ich überlegte - sollte ch mich einfach verabschieden oder konnte ich verantworten, dass...? Ich entschloss mich, die zweite Variante zumindest zu versuchen. "Tja, aber was mache ich nun, mein scriba treibt sich irgendwo herum und wird so schnell nicht hier aufschlagen..." resümierte ich. "Aber vielleicht hat die ehrenwerte auctrix ja Zeit und Lust, sich mit mir in dieses Haus zu begeben und Hirrius Crassipes etwas auszufragen?" Vermutlich war das so uninteressant, dass es nicht mal eine annähernd lesenswerte Geschichte für die acta abgab, aber versuchen konnte man(n) es ja mal. ![Freude :]](https://imperium-romanum.info/images/smilies/smiley102.gif)