Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

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    Kaum hatte Caecus die Latrine betreten, wanderte sein Blick auch schon oben und suchte die Wände unterhalb der Decke ab. Er dankte Fortuna mit einem Stoßgebet, als er die schmale Fensteröffnung dicht unter der Decke gewahrte. Wenn er dort durchpasste, so nahm er sich vor, würde er nie wieder einen Aushang abreißen, damit er nicht nochmals in eine solch prekäre Lage kam. Caecus erklomm die steinerne Latrine, zog sich am Sims hoch und steckte den Kopf durchs Fenster. Die Schultern folgte, und da diese passte, passte auch sein Becken. Bauch hatte er keinen sonderlich dicken, und so war der Sklave bereits aus dem Gebäude heraus, als die Soldaten gerade Madam Roswitha befragten.


    Nichts blieb von ihm zurück außer einem kleinen Gerüchlein, das sich in der ganzen Aufregung verflüchtigt hatte - aber definitiv in den eben verlassenen Raum gehört hatte. Nur wenig später rannte Caecus durch die Gassen Roms, bis er wieder auf dem Markt ankam, seine Schritte normalisierte und ungesehen in der Menge untertauchte. Zwei Worte schwor er sich: NIE - WIEDER.

    Hätte ich geahnt, dass sie mich innerlich zu denjenigen in der Schublade der nicht ganz Hellen steckte, so hätte ich wohl befunden, dass das Wörtchen drollig sogar noch eine Untertreibung war, und sei es nur aus jenem Grund, da sie sich über dieses Adjektiv ärgerte. So aber behielt jeder seine Gedanken schön bei sich und niemand hatte Anlass, tödlich beleidgt zu sein oder vor Scham im Erdboden zu versinken. 8)


    "Ah, das ist wirklich gut zu wissen", bemerkte ich hinsichtlich der Berufskunst ihres Verwandten Mattiacus. Ihre weiteren Ausführungen zur lex mercatus vernahm ich mit einem Schmunzeln und der stillen Frage hinter meiner Stirn, ob sie denn wusste, dass patrizische Bürger steuerbefreit waren. Im Wesentlichen konnte ich ihr allerdings uneingeschränkt zustimmen. "Das stimmt. Es sind auffällig viele edicti in letzter Zeit verhängt worden. Das legt die Vermutung nahe, dass ein sich benachteiligt fühlender Bürger den Anschlag auf den praefectus urbi verübt haben könnte", gab ich zu bedenken und dachte anschließend kurz über diesen ominösen Zusatz zur lex mercatus nach. "Mir hat sich der Sinn hinter diesem Anhang auch noch nicht erschlossen, muss ich gestehen. Im Endeffekt zwingt man damit die Leute, die ihres Standes wegen oder aufgrund ihrer Tätigkeit bestimmte Betriebe nicht führen dürfen, aber sie behalten wollen, ihre Betriebe zum Schein an Dritte zu überschreiben. Zumindest vorläufig. Das ist sicherlich nicht das, was beabsichtigt wurde mit der Erweiterung des Textes. Es bleibt indes zu hoffen, dass sich jemand dieses unsinnigen Zusatzes annimmt." Da ich nicht glaubte, dass dies baldigst geschehen würde, setzte ich diesen Punkt ingeheim auf meine persönliche Was-Corvinus-tun-wird-wenn-er-mal-Senator-ist-Liste. Eigennutz konnte mir schließlich niemand vorwerfen, immerhin besaß ich lediglich einen kleinen Olivenhain auf Sardinia, und der warf sogar gerade einmal genug ab, um den Bedarf der Familie und einiger Klienten zu decken. Aber da ich finanziell nicht unbedingt auf den Umsatz des Olivenverkaufs angewiesen war - womit wir nun beim Finanziellen angelangt waren, über das Lucilla auch gerade nachsann. :D


    Natürlich wusste ich um die Gerüchte, die man sich in Rom erzählte. Es war beinahe unmöglich, nichts darüber zu wissen. Was das aurelische Vermögen indes anbelangte, hüllten sich selbst die Waschweiber in Schweigen, und dieses Schweigen konnte nur einen Grund haben: Es waren keine Informationen vorhanden. Und das würde - zumindest von meiner Seite aus - auch so bleiben. Immerhin wusste ich, warum ich Cotta die Oberaufsicht über die uuuunzähligen aurei übertragen hatte....


    Das kleine Mädchen schien Lucilla nicht wirklich zu stören, und auch ich hatte Kinder eigentlich gern. Die Kleine erinnerte mich an Sisenna, und auch ich sah den beiden kurz lächelnd hinterher. "Es muss in jedem Falle ein ungewöhnliches Fest gewesen sein, so inmitten eines Militärlagers", erwiderte ich auf ihre Umschreibung der Feierlichkeiten. Mehr wusste ich darauf schließlich auch nicht zu sagen, denn die Anzahl der Hochzeiten, die ich in meinem Leben bisher besucht hatte, war nicht gerade weit oben angesiedelt. "Ja, auf diese Idee sind sie nach einiger Überlegung dann auch gekommen. Sie hatten zwar recht schnell ein hübsches domus mit Garten gefunden, angesichts der zukünftigen Aussichten aber beschlossen, doch erstmal kein Haus in Mantua zu erwerben. Es war, denke ich, die richtige Entscheidung. Obwohl das Haus wirklich ein Schmuckstück war." Aber ich hätte es auch nicht gekauft, wenn ich ein paar Wochen später bereits auf unbestimmte Zeit nach Parthien gezogen wäre. Lucilla hatta also - wieder einmal, wie ich verblüfft feststellte - recht. Verstohlen musterte ich sie von der Seite. Was hatte sie gesagt? Iberiern war sie? Vielleicht waren die iberischen Damen besonders bevorteilt, was die Intelligenz anging, überlegte ich. Oder es lag an der acta-Arbeit, da musste man sicher auch viel lesen. Kein Wunder, dass das ein oder andere hängen blieb. :P :D


    Aus der Überlegung gerissen, nickte ich. Medeia arbeitete für die schola, das wusste ich. Aber Ägypten? "Hm, sicherlich keine uninteressante Reise. Africa wäre auch eine Provinz, die ich gern einmal bereisen würde." Noch durfte ich ja, ohne jemanden um Erlaubnis bitten zu müssen. Als Lucilla stehen blieb, wandte ich mich fragenden Blickes um. Auch ich hatte nicht weiter auf die Hausnummern geachtet. Und nun standen wir tatsächlich schon vor dem richtigen Haus? Ein Blick auf die an der Fassade prangenden Lettern verriet, dass dem so war. Ein schickes Gebäude. Ich sah zu Lucilla. "Fast wären wir vorbei gelaufen", bemerkte ich und schmunzelte. "Und zum zweiten Mal an diesem Tag rettest du mich." Ich überlegte - sollte ch mich einfach verabschieden oder konnte ich verantworten, dass...? Ich entschloss mich, die zweite Variante zumindest zu versuchen. "Tja, aber was mache ich nun, mein scriba treibt sich irgendwo herum und wird so schnell nicht hier aufschlagen..." resümierte ich. "Aber vielleicht hat die ehrenwerte auctrix ja Zeit und Lust, sich mit mir in dieses Haus zu begeben und Hirrius Crassipes etwas auszufragen?" Vermutlich war das so uninteressant, dass es nicht mal eine annähernd lesenswerte Geschichte für die acta abgab, aber versuchen konnte man(n) es ja mal. :]

    Zitat

    Original von Medicus Germanicus Avarus
    ...wenn ich simon ein Gut transportiere, macht es auch Sinn, das jenes nicht vor dem meist dazugehörigen Brief beim Empfänger ankommt.


    ....falls überhaupt etwas ankommt. :P ;)
    [SIZE=7]Irgendwie stockt es immer bei wichtigen Sachen.[/SIZE]

    Meridius, Gracchus, Corvinus


    Erfreut lächelnd nickte ich dem Flavier zu, klangen seine Worte doch genauso aufrichtig, wie ich die meinen zu sprechen beabsichtigt hatte. "Da muss ich dir zustimmen. Für einen Außenstehenden ist gegen Ende der Amtszeit alles überschaubar und strukturiert gegliedert. Unsere Aufgabe war es, ein System zu konzipieren, nach welchem die Gliederung uns selbst ebenfalls leicht fiel. Ich muss gestehen, zu Anfang das Ausmaß des Amtes doch unterschätzt zu haben. Rückwirkend bereue ich es, dir nicht gleich zu Beginn einen Besuch abgestattet zu haben und nach deiner Systematisierungsmethode gefragt zu haben. Aber nun denn, es ist vollbracht, nun stehen nur mehr die Antworten der Erben aus, denn benachrichtigt sind alle. Allerdings", fuhr ich fort, "ist mein Respekt gegenüber der von dir geleisteten Arbeit während der vergangenen Monate stetig gewachsen. Du hattest gut zwei Drittel mehr Fälle als ich zu bearbeiten. Ich habe mich, wenn ich mich ausgelaugt gefühlt habe, stets daran erinnert und so neuen Elan gewonnen." Ein Schmunzeln begleitete die ausklingenden Worte.


    "Tilla, organisiere uns etwas zu trinken", wies ich sodann die Sklavin an, weil ich keinen tiberischen Sklaven mit einem Tablett ausmachen konnte. Mit uns meinte ich nicht nur Gracchus und mich, sondern gleichsam Senator Decimus Meridius. Eine entsprechende Geste begleitete meine Weisung an die Sklavin. Wissend neigte ich hernach den Kopf, als Gracchus von der traurigen Pflicht des unheilkündenden Botens sprach, die man als decemvir bisweilen zu erfüllen hatte. "Es ist schwer, die richtigen Worte in einem solchen Fall zu finden", bestätigte ich. "Zumal man mitunter nicht einmal weiß, ob die erbberechtigten Hinterbliebenen bereits informiert sind oder nicht." Aus diesem Grund hatte ich mir Worte zurechtgelegt, die ich gleichsam als anteilnehmend wie unaufdringlich empfand. Nichts war schlimmer, als ein die eben zur Ruhe gekommenen Gefühle erneut aufpeitschender Brief, noch dazu von einem Außenstehenden. "Ich habe zudem das Glück gehabt, sehr kompetente Mitdecemviri gehabt zu haben. Wie sah das bei dir aus? Aus deiner Amtszeit ist mir sonst kein weiterer Name geläufig", sagte ich.

    Die düstere Miene bestätigte meine schlimmste Vermutung nur noch. Schon sog ich die Luft ein, um einen tiefen Seufzer auszustoßen und mich erst einmal wieder hinzusetzen, als Prisca ebenfalls aufstand und ich den Seufzer zurückhielt. Vorerst. Doch was war das? Sie hatte ihr Kleid zeigen wollen? Verständnislos blinzelte ich sie an, für das gewiss kostbare Gewand nicht einen Blick erübrigend. Die beleidigte Stimme nahm ich nicht einmal war, denn der Seufzer kam nun, gewandelt in einen erleichterten, doch über meine Lippen. Die zwei Schritte zwischen Prisca und mir überwand ich, dann legte ich ihr meine Hände auf die Schulter, strahlte sie an und sagte: "Aber das ist ja wunderbar!"


    Natürlich passte das nicht einmal entfernt auf das, was sie eben gesagt hatte, aber für mich war alles glasklar: Es war wundervoll, dass Prisca nur von einem Kleid sprach und nicht von einem feschen Jüngling, der ihr den Verstand geraubt hatte. Endlich ließ ich auch einen flüchtigen Blick über ihr neues Gewand streifen. "Schick", meinte ich mit fachkundiger Miene, obwohl Kleidung so ziemlich das Letzte war, was mich ehrlich interessierte, sofern es nicht darum ging, selbst etwas zu repräsentieren. Die Enttäuschung im Gesicht meiner Nichte veranlasste mich schließlich dazu, dennoch weiter über diesen sündhaft teuren Stoffstreifen zu sprechen. "Wie...ähm...nennt man diese Farbe heutzutage?" fragte ich etwas unbeholfen. Jederman(n) wusste, dass Grün für eine Frau nicht einfach nur Grün war. Nein. Grün war auch nicht einfach nur hell oder dunkel, sondern konnte die unverständlichsten Nuancen annehmen. Olivgrün. Lindgrün. Grasgrün. Jadegrün. Und so weiter. Ein normaler Mensch, also jemand, der nicht gerade eine Frau war, wusste zumindest zwischen den letzten drei Grüns keinen Unterschied festzumachen. Aber nun ja, dafür hatte man ja dann die Frauen, die wussten die Unterschiede. Schließlich hatten die diese verschiedenen Farbschläge auch eingeführt. Unnötig, zu erwähnen, dass es nicht nur mit grün so war, sondern auch mit blau, rot, gelb....und was es da eben so gab.


    "Sergia?" fragte ich dann unvermittelt, als ich gerade an lila dachte. Den Namen kannte ich. Nur woher? Wie mir das Fallbeispiel 'Decima Lucilla' bewiesen hatte, kannte man Namen, die einem bekannt vorkamen, im Zweifelsfall immer aus der acta diurna. "Sie hat nicht zufällig etwas mit der acta diurna zu tun?" fragte ich Prisca daher, ließ sie verspätet los und ging um den Schreibtisch herum, um mich - nun beruhigt - wieder zu setzen. Doch auf halbem Wege hielt ich mit dem Hintern inne, weil Prisca neuerlich dieses Thema aufgriff. Ich seufzte, setzte mich schlussendlich und erwiderte ganz unschuldig: "Och. Nur so?"

    Eben noch hatte ich ob ihres Gesichtsausdrucks befürchtet, dass sie schlicht umkippen würde. Gewappnet für das Auffangen einer ohnmächtigen Cousine, betrachtete ich Helena eine Spur intensiver und befand aus einem spontanen Gedanken heraus, dass sie mir viel besser gefiel, wenn ein leicht roséfarbener Teint ihre Wangen bedeckte. So blass und käsig wirkte sie einer Krankheit verfallen. Doch der Schluck schien sie nicht nur zu erfrischen, sondern auch ihre Contenance wiedererlangen, sodass ich mich etwas beruhigter zurücklehnte und meine Aufmerksamkeit auf den Tonfall ihrer Worte richtete. Was sie sagte, klang an sich normal. Doch war nicht ein ganz leiser Unterton hinauszuhören? Einer, der Missfallen ausdrückte? Falls da wirklich etwas war, ging ich nicht darauf ein. Es war ihre Pflicht, den Namen der Familie unbefleckt hoch zu halten, sowie ein jeder von uns Pflichten hatte. Ehe hin oder her, falls sie ihr Herz irgendwann einmal jemand anderem schenkte, so stand es ihr frei, zig Liebhaber zu halten, solange sie nach außen hin die glückliche Ehe vorgaukelte. Es waren solcherlei Ränke, für die gerade wir Römer bei den anderen Völkern dieser Erde bekannt waren.


    So nickte ich denn nur, Kenntnis nehmend und des Umstandes sicher, dass sie mich nicht enttäuschen würde. Dass es dabei längst nicht nur um Durus ging, sondern auch Aquilius mit gewissen Erwartungen zum Essen kommen würde, war nicht nötig zu erwähnen, und darüber hinaus fragte Helena auch nicht. Für mich war das Thema damit erledigt, vorerst, denn ich würde natürlich darauf achten, dass sowohl Prisca als auch Helena sich für dieses geplante Abendessen besonders schick machen ließen. Immerhin war der erste Eindruck jener, der prägte. Auf die fügsamen weiteren Worte hin nickte ich recht verspätet, denn ich hatte eine Tirade an Fragen erwartet und keine sofortige Zustimmung. Unwillkürlich drehte ich den Siegelring, den mir Cicero vermacht hatte. Das war vor langer Zeit gewesen, damals war er noch klar im Kopfe und ein anständiger Mann gewesen. Nun ja.


    "Die Betriebe werden wir dann veräußern, sofern sie nicht den Gesetzen für unseren Stand entsprechen. Eventuell kann man den einen oder anderen auch an einen besonders eifrigen Klienten geben, das werden wir dann sehen." Verspätet fiel mir auf, dass Helena nun doch wieder blasser um die Nase geworden war. Schräg gelegten Kopfes und fragenden Blickes taxierte ich meine Base. "Geht es dir nicht gut, Helena?" äußerte ich schließlich leicht vorgebeugt meine Bedenken.

    "Ja, ich hörte davon, dass der princeps ihn als Mitglied seines Beraterstabs mit nach Parthien genommen hat. Zweifelsohne wird er mit einigen sehr interessanten Erfahrungen heimkehren. Es bleibt nur zu hoffen, dass sein Stammhalter bis dahin nicht schon aus seiner Kindheit hinausgewachsen ist. Sicher würde es ihn sehr grämen, wenn er die frühe Phase gänzlich verpasst", überlegte ich laut. Natürlich kannte ich Aelius Quarto kaum, und privat sogar gar nicht, doch über die wichtigsten Dinge - wie eine Geburt beispielsweise - war man in Rom stets informiert. Alles weitere waren Mutmaßungen, bei denen ich von mir selbst ausging und projizierte.


    Auf Callidus' Frage indes musste ich schmunzeln. "Mir geht es bestens, ich danke dir. Du bist richtig informiert - der Kaiser entsandte mich zur legio Germanica Secunda und verlängerte meine Amtszeit um ein weiteres Jahr. Auch wenn ich zu Anfang nicht überzeugt von der Entscheidung war, nach Germanien entsandt zu werden, so bin ich dem princeps rückblickend für seine weise Entscheidung dankbar und bewundere seine Weitsicht. Ich habe mir einiges an Wissen aneignen können während meines Tribunats", erwiderte ich und nickte. "Das Amt eines decemvir ist ein ehrenvolles und ich habe es derzeit inne, das ist korrekt. Und ebenso trifft deine Vermutung zu, was mein Ziel betrifft, Aelius, so der Kaiser es befürwortet." Abermals nickte ich. Einen Schluck Wein später maß ich meinen Besucher mit forschendem Blick. "Zieht es denn dich nicht in den Senat? Du bist ein begabter Mann, rector scholae, gewesener comes und bekleidest nun eine herausragende Stellung am Hof des Kaisers. Es wäre dir sicherlich ein Leichtes, den cursus honorum zu beschreiten."

    Meridius, Gracchus, Corvinus


    Mehr beiläufig als interessiert bemerkte ich, wie ein Namensträger meiner Familie ebenfalls den Raum betrat und sich unters "Fußvolk" mischte. Ich hatte bisher die jüngste Vergangenheit betreffend nur Negativa gehört über Commodus, der zurückgezogen und in seiner eigenen kleinen Welt vor den Toren Roms legte. Dennoch nickte ich ihm höflich zu, schließlich mussten die Meinungen anderer sich nicht zwangsläufig mit der meinen decken, und da ich bisher nie groß etwas mit dem Wahleinsiedler zu tun gehabt hatte, wollte ich unvoreingenommen sein. Auch den Aelier entdeckte ich unter den frisch eingetroffenen Gästen. Er hatte mich kürzlich erst aufgesucht und dabei einen guten Eindruck bei mir hinterlassen. Auch ihm nickte ich grüßend zu, während Meridius noch sprach.


    "Das freut mich zu hören. Ich wünsche ihr und dem Kind die beste Gesundheit. Mögen Apollo, Endovelicus und Meditrina diese gewähren", erwiderte ich. "Die albanus mons? Ein wahrhaft schöner Landstrich, in der Tat. Ich hatte vor kurzem sogar selbst in Erwägung gezogen, mir dort etwas Land anzueignen. Deandra geht es den Umständen ensprechend. Sie ist ja nun schon seit längerem eine Claudia und hatte einigen Ärger mit den cohortes urbanae, aber erfreut sich bester Gesundheit. Momentan weilt sie in Ostia." Diese ganzen Irrungen und Wirrungen sie betreffend wollte ich lieber nicht weiter ausführen, zumal dies hier kein Familientreffen war. Oder doch? Neuerlich wandte ich Albina den Blick zu, zu welcher sich inzwischen eine weitere Dame gesellt hatte, die ihr ohne weiteres mit ihrer Aufmachung den Rang ablief. Ich schenkte jener ein Lächeln, die Durus kurz darauf als Camilla vorstellte. Äußerst hübsch, wirklich. "Decimus, meine Familie plant im Übrigen, bald ein Fest abzuhalten. Sollte es deine Zeit erlauben, bist du als princeps factionis der Aurata natürlich eingeladen, auch wenn deiner Gattin der weite Weg natürlich nicht zumutbar ist. Eine schriftliche Einladung wirst du selbstverständlich noch erhalten."


    Kurz darauf betrat ein Gast den Raum, den ich von etlichen öffentlichen Opferungen bereits zumindest vom Sehen her kannte: Flavius Gracchus, seines Zeichen sacerdos - zumindest glaubte ich das - und mein Vorgänger als decemvir. Ich wartete, bis er den Gastgeber gebührend begrüßt hatte und ansprechbar erschien, ehe ich mich ihm zuwandte, denn weit entfernt stand er nicht. "Flavius Gracchus, es ist mir eine Ehre, dich ebenfalls hier zu treffen. Gestatte mir, mich vorzustellen: Ich bin Aurelius Corvinus und führe dein Werk während dieser Amtszeit fort."

    Während Sofia ihre schmerzende Wange hielt - die Ohrfeige hatte ich nicht miterleben dürfen - schien Camilla indes ganz ruhig zu sein. Dennoch war der Handabdruck auf Sofias Wange Aussage genug. "Räum das fort", wies ich sie nur an, vielleicht eine Spur zu freundlich, doch das Soffchen nickte, beeilte sich und war froh, sich entfernen zu dürfen. Mit baren Händen sammelte sie Keramitscherben und Silberschalen ein, las einen Großteil der auf dem marmornen Boden verstreuten Leckereien auf und türmte sie auf ihrem Tablett auf. Doch das alles bemerkte iich nur am Rande des Sichtfeldes, denn die klebrige und feuchte Camilla nahm meine Aufmerksamkeit vollends in Beschlag. Sie ließ mir gerade genug Zeit, um sie hinreichend zu mustern, ehe sie sprach. Die triefenden Haare, die runierte tunica, die verschmierte stola und nicht zuletzt das besudelte Antlitz der älteren Dame ließen sie so jämmerlich wirken, dass ich fast schon ein schlechtes Gewissen bekam, obwohl doch niemand hätte ahnen können, dass Sofia wieder einmal den größten Tollpatsch des imperium mimte. Diskret blickte ich zur Seite, als Camilla sich einen Keks aus ihrem Ausschnitt fischte. Erst, als sie mich ansprach, wandte ich mich ihr neuerlich zu, noch darüber grübelnd, warum sie hier war und ob ich nicht vielleicht träumte.


    "Es ist wirklich schön, dich zu sehen, Camilla. Aber..." Warum zum Henker war sie hergekommen? Wieso hatte sie ihren Landsitz in Ravenna verlassen? Weshalb nicht ihren Besuch angekündigt? Fragen standen mir auf die Stirn geschrieben. "Seit..wann bist du denn hier? Und warum hast du deinen Besuch nicht angekündigt?" fragte ich sie. Mir fiel kurz darauf auf, dass es klang, als sei sie unwillkommen. Hastig fügte ich daher an: "Ich meine, wir hätten einen kleinen Empfang vorbereiten können...dir jemand entgegensenden....sowas in der Art." Donnerwetter, ich verhaspelte mich, und obwohl die Frau vor mir ohne Weiteres meine Mutter hätte sein können, bekam ich rote Ohren. Vielleicht, weil sie mich zum einen in der Tat an meine Mutter erinnerte, zum anderen, weil sie mich schlicht überrumpelt hatte. Cotta, Lupus und Philonicus fielen mir ein, während Sofia mit ihrem Tablett davonklapperte. "Wissen Lucius, Appius und Manius schon von deiner Ankunft?" fragte ich Camilla, sagte mir aber im gleichen Moment, dass dem wohl der Fall war, denn es sah nicht so aus, als sei Camilla erst vor wenigen Minuten angekommen. Insgeheim tadelte ich Caecus, der mich nicht von der Ankunft Camillas unterrichtet hatte. Als Sofia wiederkehrte, führte sie Eimer und Lappen mit sich. Ich reichte Camilla meine Hand. "Komm, meine Liebe, setzen wir uns doch. Oder möchtest du dich erst umkleiden lassen?" Sofia warf der Aurelierin einen knappen Blick zu und stürzte dann im Versuch, den Apfel aus dem Becken zu angeln, in selbiges. Sie richtete kaum eine Verschwemmung an, war aber klitschnass, als sie aus dem flachen Becken wieder auftauchte und hundsmiserabelen Blickes zu mir hinübersah. Ich schüttelte lediglich den Kopf. "Lass dir besser von jemandem helfen, du Tollpatsch", sprach ich tadelnd. Camillas Antwort indes noch ausstand.

    Dina lächelte schüchtern, aber doch erfreut über den Großmut des Besuchers. Dezent neben einer Säule stehend, wartete sie darauf, dass die Becher nur mehr zur Hälfte gefüllt sein würden, was für sie der Anlass war, erneut nachzuschenken.


    Nur wenig später kehrte der Junge mit mir zurück ins atrium. "Aelius Callidus, procurator a libellis, dominus. Mein Herr, Aurelius Corvinus, decemvir litibus iucandis", sagte der Knabe pflichtbewusst und mit ein wenig zuviel Elan in der Stimme, ehe er mich mit den Besuchern allein ließ. Wer waren die anderen beiden? Sie sahen weder wie Sklaven noch wie Leibwachen oder Prätorianer aus. Es mussten Klienten sein oder gar Verwandte des Aeliers?


    "Salvete, meine Herren. Aelius Callidus, ich bin überrascht und erfreut, dich in meinem Hause willkommen zu heißen. Setzt euch doch bitte. Was verschafft mir die Ehre deines Besuchs?" fragte ich und deutete gleichsam auf die einladend gepolsterte Sitzgruppe nahe des impluvium. Selbst setzte ich mich ebenfalls, voller Interesse, was einen verdienten Mann wie den gewesen comes , rector der schola und amtierenden procurator a libellis zu mir führen konnte. Gedanklich ging ich die Erbschaftsliste durch. Nein, ein Aelier war dieses Mal nicht unter den Verstorbenen gewesen. Doch erinnerte ich mich daran, dass Aelius Quarto mit dem Kaiser nach Parthien gezogen war. "Wie geht es deinem Verwandten, Aelius Quarto?" wollte ich wissen und ließ mir von Dina ebenfalls einen Becher Wein reichen.

    Es war allgemeinhin bekannt unter Sklavenschaft wie Aureliern, dass die Sklavin Sofia nicht grundlos auch als Soffchen bezeichnet wurde.


    Unsere Geschichte trug sich an einem Mittwochnachmittag zu. Die herbstliche, tieferstehende Sonne hatte bereits an Kraft verloren, strahlte aber heute von Wolken ungehindert durch das compluvium ins atrium hinein und durchflutete die helle Halle mit ihren Wachsmasken und Büsten mit güldenem Licht. Ein verirrter Sonnenstrahl spiegelte sich auf jenem silbernen, blitzblank poliertem Tablett wieder, welches, gehalten von zwei zugegebenermaßen tollpatschigen Sklavenhänden, angefüllt war mit georderten Leckereien und Schmeckewöhlerchen für meine Wenigkeit.


    Ich fläzte mich gerade mit einer amüsanten Lektüre auf einer dunkelrot bespannten Liege, nippte gelegentlich an meinem Weinglas und schmunzelte hin und wieder über gewisse Stellen im Text, als ein gehöriger Tumult aus dem atrium an mein Ohr drang. Ich schloss genervt die Augen und wartete, bis das Scheppern und Klirren verklungen war, dann legte ich die Schrftrolle beiseite und erhob mich, ganz entgegen meiner sonstigen Art. Ich ahnte schon, was ich vorfinden wurde, wusste ich doch, wer mir den Imbiss hatte bringen sollen. Dennoch stutzte, als ich Sofias Stimme vernahm, wie sie bettelnd auf jemanden einredete. Mit verwundert gerunzelter Stirn beschleunigte ich den Schritt und betrat das atrium just in dem Moment, als ein pausbäckiger Apfel mit einem dumpfen Platscher im impluvium versank. Ich hob den Blick und wandte mich dem Geschehen zu. Was war passiert?


    Das war passiert: Sofia war zu schnellen Schrittes in die Halle getreten und hatte dabei eine Hausbewohnerin schlicht übersehen und daher umgerannt. Bedauerlicherweise mit besagtem Tablett in den Händen. Neben diversen Schüsselchen und Schälchen auf dem Boden, befanden sich also Honig, Feigenpaste, Dattelsaft und andere Leckereien auf dem Gewand jener, mit der Sofia zusammengestoßen war. Dies war niemand geringerer als...


    "Camilla?" fragte ich verdutzt. Mein Erscheinen trieb Sofia nun vollends die Röte ins Gesicht und ließ sie peinlich berührt verstummen. Mit gesenktem Kopf und in demütigerHaltung verweilte sie an Ort und stelle, während ich über eine Honigspur hinwegtrat und eine Milchpfütze umging, um näher zu treten. "Was machst du denn hier?" fragte ich weiters, ungeachtet der Tatsache, dass sich der halbe Speiseplan auf ihrer Kleidung befand. Ein zäher Tropfen germanischen Honigs löste sich gerade von ihrer Brust und tropfte in einem langen Faden gen Boden. Ich blieb stehen.

    "C-a-d-h-l-a", wiederholte ich langsam mit belustigt spöttischem Unterton und entsprechendem Blick. Da ich gut gelaunt war, übersah ich die leichte Verbesserung und filterte lediglich die Information heraus. Eine Kriegerin hatte Leone also gekauft? Sicherlich, ihre Oberarme verrieten Kraft, doch ob es zum Schleudern eines Speeres reichte, wagte ich zu bezweifeln. Dass sie aber betonte, mit den Haaren töten zu können, glaubte ich ihr aufs Worte. Solch eine behelfsmäßige Tötungsart war Frauen zu eigen. "Dann sollte ich mich wohl besser vorsehen", erwiderte ich. "Oder dafür sorgen, dass du eine hübsche Kurzhaarfrisur bekommst und auch behältst." Ein Schmunzeln huschte über meine Züge. Ich genoss diese Art von Sticheleien, das wurde mir in jenem Moment bewusst.


    Grinsend stieg ich ins Bad, nachdem Cadhla mir versichert hatte, dass alles bereit sei. Wieder einmal bewies das Ambiente, dass hier eine Frau am Werk gewesen war. Überflüssiger Schnickschnack im Form von Blüten und Blütenblättern trieb auf dem Wasser und ein Krug Milch wartete auf seinen Einsatz. Ich ließ mich bis zum hals ins Wasser gleiten und seufzte entspannt. Ihre Frage vernahm ich zwar, doch reagierte ich erst mit Verzögerung auf sie, indem ich einen Arm hob und ins Becken deutete. "Deswegen bist du hier, Cadhla", gab ich ihr zu bedenken und schloss die Augen, um die Sinne zu erweitern und den angenehmen Duft des mit Ölen und Essenzen versetzten Wassers besser aufnehmen zu können. Mit nur einem geöffneten Auge verfolgte ich sodann die Bewegungen der Sklavin, die gewiss meiner Aufforderung nachkommen würde. Nach Wochen des Reisens, der unbequemen Nächte und der tristen Tage entspannte ich mich zum ersten Mal wieder richtig. Träge legte ich den Kopf an den Rand des Beckens, an welchem ein Kissen bereit lag. "Erzähl mir etwas von deinem Dorf", wies ich Cadhla an. "Warum müssen Frauen dort kämpfen? Habt ihr nicht genügend Männer?" Leichter Spott schwang mit, als ich sie das fragte.

    Ich nahm die Tafel und las, was Tilla darauf geschrieben hatte. Allerdings runzelte ich die Stirn. Kürbisse und Kürbissuppe? Sie musste den Flaschenkürbis meinen, den aber konnte man doch das ganze Jahr über erwerben? Ich schüttelte leicht den Kopf, um die Irritation loszuwerden, dann las ich weiter. Blumen gießen und im Garten helfen konnte sie also wirklich, musizieren eher nicht. Ich seufzte. Vielleicht konnte Prisca dennoch etwas mit ihr anfangen. Nachdenklich sah ich kurz in den Garten, ehe ich die Frage las.


    Schmunzelnd blickte ich sodann auf. "Prisca ist meine Nichte. Ich gehe nicht davon aus, dass du sie bereits gesehen hast. Und meine Cousine heißt Sisenna. sie ist fünf Jahre alt", erklärte ich. "Du wirst beide noch kennenlernen. Nachher wirst du aber erst einmal gezeichnet werden, damit dich jeder als aurelischen Sklaven erkennen kann", fuhr ich fort. Unvermittelt erhob ich mich sodann. "Komm mit, ich möchte dir etwas zeigen", forderte ich Tilla sodann auf und verließ den Frühstückstisch, um auf einem schmalen, mit Natursteinplatten ausgelegten Gartenweg eben jenen zu betreten. Ich steuerte eine Gruppe dreier mickrig wirkender Bäumchen an, die in der vollen Sonne lagen und dennoch nur wenige Blätter besaßen. Ein Sklave harkte gerade den Boden um die Bäumchen. "Das dort sind Sykomoren aus Africa, die leider nicht gedeihen wollen. Sie brauchen besondere Pflege und die richtige Menge an Wasser", erklärte ich im Näherkommen. Verträumt hoppelte ein Kaninchen fort, das zuvor an einem jungen Trieb gekaut hatte. Ohne dass es einer Aufforderung bedurft hatte, ergriff der Sklave nun seine Harke und setzte dem Tier nach. "Kaninchen sind eine Plage", sagte ich. "Es ist mir immer wieder ein Rätsel, wie sie es bis nach Rom hinein und in unsere Gärten schaffen. Selbst die Hunde werden ihrer nicht Herr. Nun ja. Eine deiner Aufgaben wird sein, dein Können an diesen Pflanzen zu beweisen. Sie sind nicht die einzigen Exoten in diesem hortus, aber dich sollen vorerst nur die Sykomoren beschäftigen." Nun wandte ich mich wieder um und machte mich auf den Weg zurück zum Frühstückstisch. Man würde ja sehen, wie gut die Sklavin ihr Handwerk beherrschte. Vorerst aber musste sie sich zeichnen lassen. Der Tätowierer war eben eingetroffen, richtete mir Caecus aus, nachdem ich mich wieder gesetzt hatte. "Sehr gut", entgegnete ich. "Tilla, gehe mit Caecus ins Peristyl. Alles weitere klären wir dann später, wenn du wieder hierher kommst."

    IN NOMINE IMPERII ROMANI
    ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI


    ERNENNE ICH

    Appius Aurelius Cotta,
    Titus Aurelius Ursus et
    Paullus Aurelius Pegasus


    MIT WIRKUNG VOM
    ANTE DIEM V NON OCT DCCCLVII A.U.C. (3.10.2007/104 n.Chr.).


    ZU
    SODALES- SALII COLLINI


    Marcus Aurelius Corvinus

    magister der salli collini

    Insgeheim begrüßte ich den Umstand, dass die Arvalbrüder meinen Vetter Sophus am Halse hatten. Ohne mit der Wimper zu zucken hätte er seinen wie meinen Neffen afgrund zu geringer Verdienste abgelehnt. Falls ich dereinst aus irgendeinem Grund einmal auf ihn stoßen sollte und er gleiches kundtun würde, so würde ich ihn darauf hinweisen, dass der Posten eines praefectus castrorum auch nicht gerade eine rühmliche Angelegenheit war, nahm ich mir vor.


    Doch nun zurück zur Abstimmung. Überraschenderweise hatte niemand etwas dagegen, anderen war die AUfnahme schlicht gleich. Ich wartete noch einen kurzen Moment, dann blickte ich zu Ursus und Cotta. "Hiermit seid ihr in den Reihen der collinischen Saliern aufgenommen. Meinen Glückwunsch", sagte ich und nickte den beiden nicht ganz ohne Stolz im Blick zu. Doch meine Funktion als magister gebot, mich nun des zweiten Punktes der Versammlung anzunehmen. "Kommen wir nun zur Wahl des magister. In der vergangenen Zeit habe ich, so muss ich gestehen, meine Aufgaben etwas vernachlässigt, was zu einem nicht geringen Anteil sich auch daran liegt, dass ich mein Tribunat in Germanien abgeleistet habe. Es liegt an euch, verehrte sodales, einen neuen magister zu ernennen oder mich in dieser Funktion zu bestätigen." Getuschel brach unverzüglich aus. Menenius Mela wäre insgeheim am liebsten selbst zum Führer geworden, machte daraus auch keinen Hehl. "Also ich bin ja dafür, dass mal ein neuer Wind hier reinkommt", sagte er. "Gern stelle ich mich zur Wahl." Aemilius Plautus maß seinen Nachbarn leicht abfällig. Leise gemurmelte Worte wie "..eitler Pfau...wähle ich eher einen Laib Brot zummagister" waren zu hören, woraufhin sich Mela entsetzt verschluckte und zu husten begann. Cloelius Quadratus indes stellte mir eine Frage. "Aurelius", begann er, bis ihm klar wurde, dass ihn eindeutig zu viele Augenpaare ansahen, weswegen er hinzufügte: "äh...Corvinus. Würdest du dich wiederwählen lassen?" "Falls es der Wunsch der Mehrheit ist, werde ich die Geschicke dieses gremium für eine weitere Amtszeit lenken, ja", erwiderte ich. Mich verwunderte, dass gerade Cloelius danach fragte, hatte ich ihm doch unzählige Einzelübungen aufgrund seines fehlenden Taktgefühls verordnet.

    Ich Corvinier, der ich ja eigentlich ein Aurelier war, wandte mich just in jenem Moment um, als zwei weitere Personen den Raum betraten. Ich gewahrte Albina, die hübsch zurechtgemacht war und doch meine Verwunderung auslöste, da ich angenommen hatte, in eine Männerrunde eingeladen worden zu sein. Und auch Decimus Meridius war eingetreten, der ehemalige Statthalter Germaniens und Vorsitzender der factio Aurata. Ein erfreutes Lächeln zeigte sich auf meinem Gesicht, als Meridius Durus begrüßt hatte und sich mir zuwandte. Doch zuerst wollte die Dame begrüßt werden, das gebot allein schon die Höflichkeit. "Tiberia Albina, du siehst wahrhaft bezaubernd aus", sprach ich also und schenkte ihr ein Lächeln. "Die Freude ist ganz auf meiner Seite. Und Decimus, wie erfreulich, dich ebenfalls hier anzutreffen. Wie geht es deiner Gattin?" fragte ich. Es war unter den factiomitgliedern zwar bekannt, dass Meridius und seine Frau ein Kind erwarteten, doch wie weit die Schwangerschaft inzwischen fortgeschritten war, wusste ich nicht. Gewiss würde Meridius darüber sprechen, vermutete ich, sprachen doch alle werdenden Väter gern über ihren ungeborenen Erben. Dass Tilla sich in meiner Nähe aufhielt, registrierte und billigte ich. Sie sollte zusehen und lernen.

    Soweit ich weiß, besitzt das Instrument der Soldaten einen Schalltrichter aus Tierhorn. Vermutlich stammt der Name daher? Denn ein lituus ist ja eigentlich ein Krummstab. Der wurde unter anderem von Auguren benutzt, die damit ihren Vogelschaubereich abgegrenzt haben.

    Ich konnte eigentlich nur beipflichten. Denn auch wenn meinen Verwandten nicht meine Stärken und Schwächen mit dem aurelischen Blut gegeben worden waren, so besaßen doch beide eine bemerkenswerte Persönlichkeit, die sie einmal in den Senat bringen würde, sofern sie sich keine größeren Patzer leisteten, hieß das. Aber davon ging ich eigentlich nicht aus.


    Aquilius erschien mir mit seiner Odyssee gleichsam ruhiger und besonnener geworden zu sein. Während wir uns stumm musterten, dachte wohl jeder über den anderen nach. Ich ertappte mich bei der Frage, was ihn wohl in jenem Moment beschäftigte, doch dann sah ich fort, hinein in den Weinbecher, der erneut nur noch zur Hälfte gefüllt war uns seinen aromatischen Weinduft verströmte. Es waren gleichermaßen wehmütige wie reumütige Gedanken, dich mich beschäftigten. Doch allesamt schob ich sie fort und ging umso bereitwilliger auf das von mir selbst angestoßene Thema ein. "Ja, da hast du ganz recht." Zu den Feierlichkeiten würde natürlich ein Gros an Gästen geladen werden, Verwandte, Bekannte, Freunde und die höheren Persönlichkeiten, sofern sie nicht ohnehin zu den ersteren drei Gruppen gehörten. "Was deinen Vetter betrifft, so kannst du es gern schon erwähnen. Ich werde der Form halber aber auch noch eine Einladung an ihn und seine Gattin überbringen lassen. Möchtest du auch eine oder darf ich dich außen vor lassen?" fragte ich Aquilius und grinste breit. Den Wein stürzte ich anschließend hinunter, doch das Grinsen konnte er dennoch nicht aus meinem Gesicht fortwaschen. Ich wusste allerdings, dass ich am heutigen Abend mehr Wein allein in meinem cubiculum konsumieren würde als es sonst der Fall war. Zu viele Gedanken kreisten in meinem Kopf umher, und die meisten waren schwer und träge. Zu negativ, um ohne die angenehme Sinnesbetäubung bestehen zu können. "Wie hat es das collegium egentlich aufgefasst, dass es einen Marspriester verloren und nun wiedererlangt hat?" erkundigte ich mich. "Du bist doch noch im Tempel tätig, nicht wahr? Oder eher gesagt wieder."