Zitat
Original von Claudia Aureliana Deandra
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"Ich habe nicht den leisesten Schimmer, Deandra. Um ehrlich zu sein, weiß ich selbst kaum mehr als von der Existenz jenes Gerüchts. Ich dachte, du wüsstest mehr, da du mit dem Senator in Briefkontakt stehst. Nun ja, lassen wir uns überraschen."
Wie um das Ende des Satzes zu bestätigen, ruckte sie Sänfte kurz und stand dann sicher auf dem Boden vor dem Platz des Geschehens. Ein Sklave kam herum und schob die Vorhänge zur Seite, damit wir aussteigen konnten. Zuerst entkletterte ich der Sänfte, dann reichte ich Deandra eine helfende Hand, und bald standn wir beide nebeneinander auf dem schmutzigen Pflaster inmitten der anpreisenden Händler. Einige der teils aurelischen, teils claudischen Sklaven schafften die Sänfte beiseite und der Großteil verblieb bei Deandra und mir. So traten wir den Weg an.
"Ein Geschmeide, um die Schönheit der jungen Dame vorzuheben?" erklang es von der Seite. Ich wandte den Blick nicht einmal, doch wenn ich es geta hätte, so hätte mir ein zahnloses Gesicht entgegengegrinst und mit einem goldenen Kettchen geklimpert. "Wahre Schönheit hat keinen billigen Tand nötig", entgegnete ich nur im Vorübergehen und führte Deandra auch weiterhin unbehelligt weiter.
"Was den Vinicier betrifft, so kann es eigentlich nur der vinicische Konsular sein, ein anderer käme nicht in Frage," erklärte ich meine Vermutung und deutete dann nicht nach links, sondern weiter geradeaus, was bedeutete, dass wir nicht jene Tribünen ansteuerten, die für Patrizier reserviert waren, sondern uns den Weg zur Tribüne des Kaisers bahnten.
"Hier entlang, meine Liebe. Ahm...es kann sein, dass es eine Überraschung für dich geben mag", begann ich vorsichtig und schenkte Deandra ein verschmitztes Grinsen. Für mich gab es vielleicht auch eine. Ich wünschte mir so sehr, in der Legion meiner Ahnen dienen zu dürfen, der legio prima. Und doch würde ich dem Kaiser ohne zu zögern dort dienen, wo er mich sehen wollte, denn die Kaisertreue war neben der Familientreue das höchste Gut eines Mannes, genaz besonders eines Patriziers. "Semper fidelis, semper paratus", murmelte ich in meinen nicht vorhandenen Bart und drückte mir selbst mit klopfendem Herzen die Daumen.
Prätorianer schirmten die Tribüne ab, und da es in dem Brief gehießen hatte, dass ich mich bei der kaiserlichen Garde anmelden sollte, nickte ich einem der Soldaten knapp zu und stellte mich also vor, während mein Sklave Trautwini dem Mann den Brief zeigte.
"salve, ich bin Aurelius Corvinus, das ist Claudia Deandra. Ich erhielt einen Brief."