Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Die liebe Nachbarschaft, ja. Das war ein Thema, mit dem ich mich hier in Mantua den Göttern sei Dank nicht richtig beschäftigen musste, denn die Landgüter standen nicht dicht an dicht und das nächste Anwesen war das der Claudier, die man nicht hörte, selbst wenn Musiker anwesend waren. Der Gedanke allerdings, dass Claudius Vesuvianus frühmorgens zum Schreck der Leute die Laute quälen würde, rang mir ein knappes Grinsen ab. In Rom hingegen sah es schon anders aus mit den Nachbarn. Dort waren die villae zwar auch mächtig, standen aber dichter aneinander. Manches Mal hatte man dort schon Keramik an Wänden zerbrechen hören, was vermutlich mit der lauen Stadtluft aus der casa vinicia herangetragen worden war und nichts anderes als einen Ehestreit verhieß.


    "Keine Sorge, es sind ruhig gelegene Häuser, die sicher euren Ansprüchen genügen werden und auch noch Platz für Erben vorweisen können. Alle besitzen übrigens einen hortus, das letzte einen angelegten Rosengarten", versicherte ich beruhigend, weil ich Medeias Blick auffing. Pyrrus scharrte genervt mit dem Fuß, wobei er aussah wie eines jener Wildschweine, welche die umliegenden Wälder Mantuas beheimateten. Sein Blick bedeutete nichts anderes als die stumme Frage, ob wir uns noch lange die Füße in den Bauch stehen oder endlich los gehen wollten, und so bedeutete ich dem grimmigen scriba und den beiden baldigen Brautleuten, gen Südwesten voranzugehen.


    Während uns die Schritte über den Markt trugen, entbrannte schräg hinter mir eine voreheliche Diskussion die Domizile betreffend. Ich verbarg mein Schmunzeln und meinte, sogar Pyrrus' Mundwinkel kurz zucken zu sehen. Vermutlich war er froh, weder Weib noch Kinder zu haben. Andererseits fragte ich mich, wie man denn froh sein konnte, wenn man eine schäbige insula in der Nähe der cloaka sein Heim nennen konnte. Mysteriöserweise sprach diese Vorstellung mein Mitgefühl an und ich beschloss, Livius Pyrrus ein Extrataschengeld zukommen zu lassen, wenn er den heutigen Tag und seine Aufgaben nicht in den Sand setzte. Der praefectus indes hatte wahrlich gute Gründe, die gegen ein villengleiches Anwesen sprachen, und er ahnte vielleicht nicht, wie Recht er mit seiner zur Lotterbande mutierten Sklavenschaft hatte. Ich dachte da an die aurelischen Sklaven, die schon in der kurzen Abwesenheit für die Tagesgeschäfte in der curia aufmüpfig und faul wurden. Wir verließen gerade den mercatus und bogen in eine Seitengasse ein, als Plautius etwas erwähnte, auf das ich eingehen wollte.


    "Die villa tiberia habe ich selbst auch schon mit eigenen Augen von innen gesehen. Selbst in einer Stube der legio ist es wohnlicher als dort, auch wenn ein wirklich nettes impluvium ihr atrium ziert."...was allerdings auch das einzige war, das den Aufenthalt in dieser villa angenehm gestaltete, sah man von der Anwesenheit meiner alten Bekannten, Tiberia Albina, einmal ab.


    "Vielleicht sieht man sich die Häuser erstmal an, ehe man über die Inneneinrichtung nachdenkt", murrte Pyrrus vor mir her schlurfend leise und entlockte mir ein theatralisches Seufzen. Die Summe des zusätzlichen Taschengeldes schrumpfte um ein Viertel, ehe ich mich fragte, ob Medeia tatsächlich aus Griechenland stammen mochte. Ich ließ mich zwei Schritt zurück und neben die beiden fallen, musterte sie kurz und entschloss mich, sie einfach zu fragen.
    "Deine Heimat ist Griechenland? Ich war während meiner Ausbildung dort und habe das Land und dessen Einwohner sehr zu schätzen gelernt."


    Kaum hatte die Artorierin hierauf geantwortet, blieb Pyrrus stehen und wandte sich mit einem triumohierenden Grinsen um.
    "Wir sind da", krähte er und deutete mit einem Ellbogen auf ein Haus, das sich von den anderen insofern abhob, dass es keinen direkten Kontakt zu nebenstehenden Häusern hatte. Es wirkte grün drumherum, vielleicht etwas ungepflegt, aber das war nichts, was man von einer kräftigen Sklavenhand nicht bewältigen lassen könnte. Es hatte zwei Stockwerke und schien alles in allem mehr casa denn domus zu sein. Der Garten schloss sich hinter dem Haus an, ein Peristyl fehlte.

    Bei venus verlockenden Rundungen und mars mächtiger Männlichkeit! Wie konnte mir nur etwas derartiges widerfahren? Mir, der ich nie eine Gelegenheit ausgelassen hatte, mir in Liebesdingen Ausdauer und Technik anzueignen!


    Deandras Beine umschlossen mich wie eine verlockende Muschel, deren Kostbarstes, die Perle, nur greifbar nahe und nun unendlich fern lag. Ich hatte mir mit meinem fortwährenden Denken selbst die Möglichkeit geraubt, baldestmöglich die Erlösung im Schoße einer Frau - im Schoße Deandras - zu erfahren. Frustriert und ärgerlich auf mich selbst ließ ich den Kopf auf ihre Brust sinken und genoss das tröstliche Streicheln, dass sie mir zuteil werden ließ. Wunderlich, dass sie trotz ihrer Unerfahrenheit erriet, was geschehen war, und dafür größtes Verständnis zeigte. Das Herz klopfte noch immer hinauf bis zum Hals und verursachte zusammen mit der trockenen Kehle ein Halskratzen, das ich nur durch wiederholtes Schlucken weg bekam. Deandras Hand vergewisserte sich nun auch selbst von der peinlichsten Peinlichkeit, der ein Mann wohl jemals in Gesellschaft einer bezaubernden Frau erliegen konnte, und zeigte Einfühlvermögen, wie ich es sicherlich nicht erwartet hatte. Und doch registrierte ich den Umstand nur am Rande, dass sie Verständnis aufbrachte und ihrer Enttäuschung nicht verärgert oder auch nur in einem vorwurfsvollen Blick Luft machte.


    Noch über meine mangelnde Standhaftigkeit erbost und verbittert, wollte ich eben von ihr ablassen, um schweigsam an die Decke über dem Bett zu starren, als ich ihre Worte vernahm. Eine Dummheit, vor der uns die Götter bewahrt hatten? Ich lächelte angesäuert, was sie zum Glück nicht sehen konnte, da ich den Kopf gedreht hatte. Ob die Götter von dem Vergnügen und der Erfüllung der fleischlichen Lust wussten, darüber dachte ich besser nicht nach. Das Ergebnis hätte mich nicht milder mit mir selbst gestimmt. Aber Deandra sagte, sie wollte mir helfen. Ob sie wusste, was sie selbt damit meinte? Wie ich es verstand? Ich seufzte und befreite mich aus ihrer liebevollen Umarmung, nicht weil ich sie nicht genoss, sondern weil es vermutlich besser so war, wenn ich nicht nahe ihres Schoßes verweilte und ihre Unschuld im Fall der Fälle vielleicht doch noch zu rauben im Stande war, auch wenn gerade eben nichts mehr stand.


    Frustriert seufzend bettete ich mich neben ihr, bedeutete Deandra, sich in meinen Arm und an mich zu kuscheln und schloss die Augen, um neben der vielen Gedanken in meinem Kopf nicht auch noch die Reize des Sehens aufnehmen zu müssen. Ihre Bereitschaft hatte ich sehr wohl bemerkt, doch noch war ich unschlüssig, ob ich darauf eingehen oder einfach so verharren sollte. Was mochte sie nun von mir denken? Gab sie sich letzten Endes die Schuld? Der Aurelier, der nicht kann, selbst wenn er will. Ob sie mich einst so nennen würden? Nein! Deandra war verschwiegen, würde verschwiegen sein, das war ihr Wesen und das würde sie auch weiterhin sein. Sie würde sich nicht wegen mir ändern, nicht das Ansehen, was ich vielleicht einst erlangen mochte, im Vorfeld mit solchen Gerüchten zerstören. Wieder seufzte ich und drehte mich auf die Seite, um sie zu streicheln.


    "Denke nicht, es läge an dir", versicherte ich ihr, merkte aber gleich, dass es ein Fehler war, darauf zu sprechen zu kommen. Ich war ein Dummkopf, das nun zu thematisieren. Es musste unweigerlich alles zerstören, jetzt wie auch für die Zukunft, was je körperlich zwischen uns ablaufen sollte. Ich seufzte tief und küsste Deandra auf die Stirn. Die Lust war nicht verraucht, nur zwischengeparkt, wie ich merkte, und doch würde es mir nicht möglich sein, nach ihren Worten noch mit ihr zu schlafen, selbst wenn mir mein Körper nicht doch einen Strich durch die Rechnung machen würde. Ich griff nach ihrer Hand und legte sie auf meine Brust, schloss die Augen und genoss, was sie tun würde.

    Zitat

    "Ich bin ein wenig unsicher. Zum einen erhoffe ich eine Erhebung in den Senatorenstand, zum anderen kann ich aber nicht genau sagen, was ich dann tun will. Meine bisherige Tätigkeit wäre unstandesgemäß, so viel steht fest.
    Ich wollte auch mein Militärtribunat nachholen, was aber dank des großen Andrangs eher unwahrscheinlich erscheint. Ich denke, vorerst werde ich möglicherweise auch von meinen Landgütern leben und sehen, welche Stellen frei sind. Im Cursus Honorum habe ich ja ohnehin eine Pause einzuhalten."


    "Aber wie ist es mit dir? Wird man dich in Zukunft auch ein wenig mehr in Roma auf den Rednertribünen, die die Welt bedeuten, antreffen?"


    Ich kaute bedächtig an einem Stück Fleisch, während ich Durus' Worten folgte und durchaus nachvollziehen konnte, was ihn bewegen mochte. Es war so eine Sache, einer standesgemäßen Tätigkeit nachzugehen. Als duumvir tat ich das auch nicht, und doch hatte ich über die Monate eine besondere Bindung zur Stadt und deren Geschicke in der Zukunft entwickelt, sodass es mir schwerfallen musste, Mantua den Rücken zu kehren.


    "Du könntest einen Platz im cultus deorum anstreben, so dir an den Göttern liegt und du dich für das einsetzen möchtest, was sie verkörpern", schlug ich vor, schüttelte dann jedoch den Kopf.
    "Aber du wirst dir sicherlich schon selbst Gedanken zur Genüge gemacht haben."


    Interessant war, das auch er ein Militärtribunat anstrebte, obwohl man jenes doch vor dem Quästorenamt bekleidete. Schmunzelnd trank ich einen Schluck Wein und musterte den Tiberier.


    "Nun ja, ich bin einer jener, die an dem Andrang auf einen Posten als tribunus mitschuldig sind", erklärte ich.
    "In meiner Funktion als vicarius principis curiae hatte ich eine Audienz beim imperator, in deren Rahmen ich ihn um eine Zuteilung auf jenen Posten bat. Noch war ich nicht einmal vigintivir, dessen bin ich mir bewusst, doch befinde ich mich im ordo senatorius durch die Verdienste meines Vaters. Als Patrizier muss man dieses Trubunat nicht ableisten, doch ich sehe es als meine familiäre Pflicht an, dies zu tun. Am liebsten wäre mir die Erfüllung des Mandats in der legio prima, doch steht es mir nicht zu, Wünsche zu äußern, und so werde ich dort dienen, wo man mich sehen will."


    Vesuvianus musste die letzten Worte vernommen haben, doch das bemerkte ich erst, als er mich ansprach.


    Zitat

    Original von Herius Claudius Vesuvianus
    "Ich hoffe, der Abend birgt einiges an Unterhaltung und Vergnügen auch für dich, Aurelius. Ein Mann kann nicht nur von seiner Arbeit leben." Ein Grinsen begleitete diese Feststellung, zu der der Offizier durchaus stand, wenngleich er damit keineswegs seine eigenen Auffassungen dargelegt hatte.


    So wandte ich den Kopf und ging auf die freundlich gemeinten Worte ein.
    "Ganz recht, es ist ein angenehmer Abend und das Essen ist so gut wie die Gesellschaft. Einzig etwas Musik würde das ganze Ambiente noch auflockern, doch auch ohne instrumentalische, da bin ich mir sicher, haben deine Gäste Freude an diesem Treffen."


    Dass ein Mann nicht nur von der Arbeit leben konnte, dieser Ausspruch war seltsam anzuhören aus dem Munde eines Mannes, der doch eigentlich genau das tat, auch wenn ich es bei seinen zwei, nein drei hübschen Töchtern kaum mehr nachvollziehen konnte, warum es den Claudier so häufig im castellum hielt.

    Deandras Gedanken, ihr Anrufen der Götter und die aus Unerfahrenheit resultierende Scham bezüglich ihrer Körperreaktionen bemerkte ich nicht. Was ich allerdings bemerkte, war, dass ich wohl ihren Forschergeist geweckt haben musste. Ich legte den Kopf in den Nacken und genoss eine Weile lediglich die Erkundungen und Streicheleinheiten ihrerseits, die sie mir verabreichte und die ihre Wirkung ganz sicherlich nicht verfehlten. Darauf verzichtend, ihre Hand zu dirigieren, überließ ich ihr eine Weile die Initiative, verdeutlichte mit der Atmung, wenn mir etwas gefiel und richtete mich dann endlich auf. Einen Kuss raubte ich ihren Lippen noch, dann küsste ich ihren Hals, ihr Schlüsselbein, ihre Brustwarzen. Dort hielt ich mich eine Weile auf, bis ich Deandra schlussendlich sanft in Position schob und meine pochende Leidenschaft nurmehr handbreit davon entfernt war, das zu bekommen, was mich trunken machen würde, mehr noch als der Wein es vermochte, wenngleich es nur einen kurzen Moment anhalten mochte. Schnell atmend betrachtete ich ein letztes Mal Deandras Körper, Verlangen überkam mich wie eine Platzregen eine Waldlichtung - und dann dachte ich daran, dass ich früher mit ihr zusammen Streiche ausgeheckt hatte. Dass sie mich Corvi genannt und mit mir in Germanien gewesen war, als meine Schwester. Ohne, dass ich es verhinden konnte, veränderte sich eine gewisse Konsistenz und machte ein augenblickliches Fortfahren unmöglich. Verwundert darüber, verweilte ich in dieser Position und ärgerte mich ungemein über die Unfähigkeit, selbst in angetrunkenem Zustand und selbst in dieser Situation die Gedanken nicht abschalten zu können und mich damit selbst zu blockieren. Was mochte Deandra nur denken? Heftig atmen sah ich nach, welcher Ausdruck auf ihrem Gesicht stehen mochte.

    "Ah, das erklärt es", sagte ich und neigte den Kopf zur Seite, um Helena nachdenklich zu mustern. Sie besaß doch wirklich kaum mehr Ähnlichkeit mit der verzogenen kleinen Göre von damals, die meine Streiche immer einem Erwachsenen gepetzt und mich angeschwärzt hatte. Ich würde die Vergangenheit ruhen lassen müssen, das wurde mir schlagartig klar, denn für den Moment war ich der einzige aurelische Mann im Haus und hatte somit Sorge dafür zu tragen, dass es ihr gut ging und sie vor allem keinen Blödsinn anstelte.


    "Hm, Cicero ist schon seit etwas mehr als anderthalb Monaten nicht mehr hier gewesen, vermutlich findest du seinen Brief ungeöffnet vor, wenn du in seinem cubiculum auf den Schreibtisch schaust", überlegte ich laut. Mit der Vorwarnung hatte sie durchaus Recht, aber ich sagte nichts weiter dazu, zumal sie sich gebessert zu haben schien. Wenn auch nur teilweise, wie ich durch ihr beinahe herausfordernd erklingendes Lachen feststellen musste. In jenem Moment kam der Sklave mit den gewünschten Erfrischungen. Verdünnten Wein für mich und Fruchtsaft für Helena, denn dass Frauen dem Wein frönten, missbilligte ich zutiefst, also wollte ich es gar nicht erst so weit kommen lassen, schließlich lag ein korrekter Lebenswandel Helenas nun in meinem Sinne und in meinem Ermessen. Dass Onkel Cicero sich seit seiner uberstürzten Abreise nicht mehr gemeldet hatte, verschwieg ich ihr. Nichts wog schwerer als die eigene Ankunft nach langer Reise, nur um feststellen zu müssen, dass jene Personen nicht auf den Heimkehrenden warteten.


    Ich lauschte Helenas Worten und bedeutete dem Sklaven mit einer Handbewegung, noch zu warten, ehe er ging.
    "Hast du schon jemandem aufgetragen, ein Bad zu bereiten?" fragte ich sie und staunte direkt im Anschluss nicht unerheblich über die einsichtigen Worte, die sie bezüglich ihrer Tante sprach. Schon seltsam, die eigene Cousine sp sprechen zu hören, wo sie doch früher mit ihrer scharrenden Stimme alles zunichte machen wollte, was ich je ausgedacht hatte. Von dem Gedankengang in ihrem Inneren bekam ich schließlich auch rein gar nichts mit, denn sie hatte so gut zu schauspielern gelernt, dass alles, was sie sagte, zu einhundert Prozent glaubwürdig klang.


    "Nun ja, vielleicht sollte ich dir zuerst einmal die Ruhe gönnen, die du nach deiner langen Reise brauchst. Von Ostia hierher ist es schließlich auch kein angenehmer Landweg. Würdest du heute Abend mit mir zu Abend essen? Außer mir ist derzeitig niemand von der Familie zugegen, und darüberhinaus gibt es auch die ein oder andere... nun ja, nennen wir es tiefgreifende Veränderung, was die familia betrifft."

    Das Lächeln blieb aus, stattdessen reagierte Deandra gar nicht auf meine Worte, sondern senkte nur den Kopf. Ein Verhalten, das ist nicht recht nachvollziehen konnte, drückte es doch in erster Linie Unterwürfigkeit aus. Dann aber fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Deandra war von Scham behaftet, anders konnte ich ihr Verhalten nicht deuten. Einnehmend lächelte ich sie an, legte Zeige- und Mittelfinger einer Hand unter ihr Kinn und zwang es sanft nach oben, um ihr in die Augen sehen zu können.


    "Du brauchst dich nicht fürchten", versicherte ich ihr leise und drückte sie neuerlich an mich. Die Berührung ihrer nackten Haut, die Hitze ihrer Körpermitte und ihre augenscheinliche Unsicherheit ließen mich nun doch selbst handeln. Ich schob Deandra noch ein Stück rückwärts, bis ihre Kniekehlen das Bett berührten und sie sich unweigerlich setzen musste, dann löste ich das subligaculum, das schließlich mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden fiel. Den fliegenden Händen fielen auch die cabatinae zum Opfer, sodass ich mich innerhalb kürzester Zeit neben Deandra auf das Bett legen konnte.


    Ich lag auf der Seite, wollte den Moment der Vereinigung noch kurz hinauszögern, weil das Unterbewusstsein des ehemaligen Bruders mir verdeutlichte, dass gerade etwas nicht stimmte mit Deandra, und dass diese Sache besser vorher ausgemerzt sein wollte. Ich hob die Hand und streichelte ihre Schulter, ihre Taille, fuhr tiefer und sah sie dabei an, um ihre Reaktion zu betrachten. Alles in mir schrie danach, mir jetzt zu nehmen, wonach ich dürstete, aber das warnende Unterbewusstsein des Corvinus, der Deandra einst zur Schwester gehabt hatte, obsiegte trotz des beträchtlichen Falernerkonsums. Darin sollte auch das Problem liegen, doch noch kam es nicht zum Ausdruck.


    Bebemd griff ich erneut nach Deandras Hand, legte sie auf meine Brust und rückte noch ein Stück näher. Meine lag auf ihrer, als ich sie langsam tiefer führte, ihr zeigte, dass ich in diesem Moment ihr allein gehören wollte. Den Kopf dich an ihrem gebettet, formten meine Lippen erneut schwankende Worte, als ihr Hand mit meiner Hilfe dort anlangte, wo ich sie haben wollte.
    "Ich begehre dich..."

    Ich war, nun ja, erstaunt. Das traf es vermutlich am ehesten. Deandra verhielt sich ganz und gar nicht so, wie ich es angenommen hatte. Statt mir die Initiative zu lassen, sie zu führen und ihr zu zeigen, was sie tun sollte, nahm sie das Ruder kurzzeitig in die Hand. Ihre warme, kleine Hand wanderte von meiner Wange hinab auf die Schulter, wo sie sich mit einer kleinen Bewegung Camryns Zorn einhandelte, denn mit einer knappen Handbewegung rauschte die toga gen Boden und bildete hinter meinen Füßen einen schon recht ansehnlichen Berg, zu dem in Kürze noch mehr Stoff hinzukommen würde. Hoffentlich wusste Deandra, was sie tat, und konnte mir hinterher wieder dazu verhelfen, die toga wieder anzulegen. Anderenfalls hatten wir ein minderschweres Problem, denn wenn ein Sklave kommen musste, mochten gerüchte ihre Bahn ziehen und Vesuvianus erreichen. Und was sich dann abspielen mochte, nein, daran wollte ich jetzt nicht denken. Wichtig war jetzt nur, dass Deandra mir nahe war und mich, ja, entkleidete. Das allein war schon seltsam genug. Unter er toga kam allmählich eine tunica zum Vorschein, denn ich war nicht jener extreme Traditionalist, den Deandra vielleicht hinter mir vermutete. In deckendem Beige war sie gehalten, und hob sich somit kaum von der Haut ab, an die sie angrenzte und welche sie bedeckte. Deandra indes schien es nicht zu stören, denn sie legte ihre Hand auf meine Brust und fuhr daran entlang gen Boden, wo sie unweigerlich das streifen musste, was sich inzwischen nach der hitzigen Umarmung ihres Schoßes sehnte. Die toga löste sich nun gänzlich, und so stand ich lediglich in tunica und subligaculum vor ihr, die cabatinae noch tragend und ein drängendes Verlangen in der Brust nährend, das mit jeder Berührung Deandras immer noch weiter anwuchs und bald aus mir herausbrechen würde. Die toga ließ ich liegen, wo sie war; pochenden Herzens und mit sichtlichem Widerwillen angelte ich ihr Handgelenk, ehe sie mich an meiner intimsten Stelle berühren konnte. Auch das andere Handgelenk umfasste ich und unterband somit jegliche Aktivität ihrerseits, um sie nun, selbst langsam vorwärts gehend, rückwärts zu dem großen Bett hin zu dirigieren. Ohne Worte verstanden wir uns, so hatte ich den Eindruck. Ohne Gesten gingen wir aufeinander ein, denn wir kannten uns schon so lange. Heiße Leidenschaft durchflutete meinen Körper, brachte ihn zum Lodern und ließ mich die tunica über meinen Kopf ziehen. Nun hatte sie nurmehr das subligaculum zu lösen, welches seitlich verknotet und mit einer geschickten Hand zu öffnen war. Kaum hatte ich mich des lästigen Stoffes entledigt, der mir die feuchten Haare etwas vom Kopfe abstehen ließ, machte ich mich auch an Deandras rechter Fibel zu schaffen, die mit einem Klicken der forschen berührung nach- und Deandras Körper freigab. So hatte ich sie noch niemals gesehen, und daher war es auch wenig verwunderlich, dass ich einen Moment einfach nur vor ihr stand und ihre nackte Haut betrachtete, auf der das Mondlicht bläuliche Reflexe zu erzeugen schien. Hellwach und nurmehr vom Gedanken beseelt, ihr in dieser Nacht meine Liebe zu beweisen. Bald hatte ich meine Erkundungstour mit den Augen beendet, trat erneut an Deandra heran, sodass ich ihre Brüste an meiner nackten Haut in einer innigen Umarmung fühlen konnte. Ich führte den Kopf an ihr Ohr, atmete ein, zweimal konzentriert und flüsterte sodann mit vor Verlangen zitternder Stimme: "Aphrodite wäre neiderfüllt, würde sie dich nun sehen."


    Der Verlockung, selbst das subligaculum zu lösen und sie auf das Bett zu drängen, widerstand ich nur mit knapper Not. Sie war nicht einfach nur eine Liebelei, sondern jemand, das mir sehr wichtig war. Vielleicht die wichtigste Person, die ich hatte. Ihr Vertrauen wollte ich nicht missbrauchen, indem ich nun einfach nahm, was ich begehrte, sondern sie miteinbezog.

    "Nein, das haben wir nicht - es wäre mir gewiss im Gedächtnis geblieben", entgegnete ich und grinste kurz
    "Ich wünsche eigentlich nichts besonderes - außer dich zu begrüßen. Immerhin hat dich mein Kollege eingestellt, da wird er dich sicher auch über anfallende Aufgaben unterrichtet haben, nehme ich an?"

    Ich blinzelte kurz und grinste dann, die beiden Hände überrumpelt und abgewehrt erhoben.
    "Immer langsam mit den jungen Pferden. Erzähle mir zunächst etwas über deinen Werdegang. Was hast du bisher gemacht? Und wo hast du in Achaia gelebt? Ich war nämlich während meines Studiums dort."


    Ich erhob mich und schenkte ihm und mir verdünnten Wein ein, während ich noch sprach, dann setzte ich mich und deutete mit dem Becher in der Hand auf Drakontios.
    "Woll'n doch mal sehen.." sagte ich und fuhr sodann auf griechisch fort. Es lag gute fünf Jahre zurück, seitdem ich diese Sprache fließend beherrscht hatte.
    "Ich war natürlich in Athena, eine wunderbare Stadt, aber auch eine sehr belebte. Obwohl sie so groß war, kam sie mir dennoch lockerer als Roma vor. Vielleicht lag es an der Mentalität der Griechen. Sie sind ruhig und aufgeschlossen, und ich kann nicht leugnen, dass ich viel gelernt habe, auch wenn es eine harte Zeit in der Fremde war. Aber nun erzähl du doch bitte."

    Nachdem ich recht überraschend davon erfahren hatte, dass Mantua über einen neuen scriba verfügte, beschloss ich, ihm einen Besuch abzustatten. Natürlich wunderte ich mich schon etwas darüber, dass Albinus neuerdings keine Rücksprache mehr mit mir hielt, was ich als äußerst bedauernswert empfand, doch konnte der neue Mann schließlich nichts dafür - auch wenn er sich selbst auch hätte vorstellen können. Ich klopfte also und trat nach einer entsprechenden Aufforderung ein, um den Annäer zu begrüßen.


    "Salve, Annaeus! Ich bin Aurelius Corvinus, neben Didius Albinus ebenfalls duumvir. Wie ich sehe, hast du dich schon gut eingerichtet? Das officium stand lange leer. Es freut mich, dass es nun wieder jemanden hat, der dafür sorge trägt, die Regale nicht verstauben zu lassen."


    Mit einem Schmunzeln setzte ich mich.

    Gute zwanzig Minuten, nachdem ich diesen Vorschlag gemacht hatte, war ich wieder auf dem Heimweg in die villa Aurelia zu Rom. Albina hatte scheinbar etwas anderes geplant, denn ein Spaziergang kam badeuernswerter Weise nicht zustande. Wir hatten uns allerdings freundschaftlich und im Einvernehmen getrennt, ihn baldestmöglich nachzuholen, sollte sie dereinst in Mantua verweilen oder ich in Rom anzutreffen sein. Früher oder später führten mich die Geschäfte sicherlich wieder in die urbs aeterna, wenngleich sie mich auch ganz gewiss nicht wieder in die tiberische villa führen mochten, die von dieser Person augenscheinlich regiert wurde.

    Sim-Off:

    Es wäre wirklich umwerfend gewesen, wenn man SimOn und SimOff in dieser villa hätte trennen können. Sehr schade, aber meine Befürchtung bestätigend.


    Als Albina das atrium mit einem t betrat, wandte ich meinen Blick auch sogleich in ihre Richtung. Sie war zu einer Rose erblüht und hatte alles Jugendhafte zugunsten der Fraulichkeit verloren.


    "Tiberia Albina, die Freude ist ganz auf meiner Seite. Mich führt kein Zufall her sondern der Wunsch nach Überzeugung. Ich hörte, du weiltest nicht länger in Ambarcia, sondern in der urbs aeterna, und da mich Geschäfte nach Rom zogen, entschloss ich mich für diesen Besuch."


    Ich lächelte die junge Dame an und stellte fest, wie sehr sie sich verändert hatte seit unserem letzten Treffen. Wie lange es wol her sein mochte? Gute sechs Jahre gewiss.
    "Hättest du etwas gegen einen kleinen Spaziergang einzuwenden? Es gibt bestimmt viel zu erzählen."

    Zwar schien sie sich kurz erschreckt zu haben, doch wirkte Helena inzwischen doch wieder gefangen und locker. So locker, wie ich sie vermutlich noch nie zuvor bewusst wahrgenommen hatte. Nun gut, damals war ich auch noch ein kleiner Junge gewesen, jemand, der sich lieber mit vor Seifenkisten gespannten Ziegen als der zickischen Cousine abgegeben hatte. Sie mochte jetzt sechzehn oder siebzehn sein, war also rund sechs, sieben Jahre jünger als ich. Damals, ehe ich nach Achaia gegangen war, um dort die septem artes liberales zu studieren, war sie mir schon ein Klotz am Bein gewesen. Dauernd hatte es gehießen, Corvinus, nimm doch Helena mit, pass doch mal auf sie auf, spiel doch auch mal mit ihr. Das war mir verhasst gewesen, denn abgesehen davon, dass ein Mädchen nicht mit Jungenspielen kompatibel war, bedeutete ihre Anwesenheit auch Launenhaftigkeit und die ständige Aufsicht von mindestens zwei Leibsklaven.


    Jetzt aber saß sie hier vor mir und wirkte nicht mehr wie das kleine Mädchen, das mir dauerhaft verhasst gewesen war. Das war schwer zu begreifen, ebenso schwer, wie dass sie nun wirklich zu einer Dame herangereift werden sollte. Sie reagierte ähnlich reserviert wie ich, was mich innerlich schmunzeln ließ. Nach außen hin wirkte ich solide und gefasst, reichte ihr dennoch die Hand und hielt ihre einen Moment fest, um das Gefühl der Abneigung zu übertünchen, das mich bei ihrem Anblick befallen hatte und nun tatsächlich wich. Zwar langsam und widerstrebend, aber imemrhin.


    "Informiert? Nein. Das heißt, doch, nur fiel dein Name nicht, weshalb ich mir zeit ließ. Verzeih, dass du auf mich warten musstest. Aber sag, hattest du einen Brief geschickt? Ich bin nicht sicher ob Onkel Cicero von deiner Ankunft benachrichtigt wurde, aber zumindest ich selbst habe keinerlei Informationen erhalten."


    Forschend las ich in ihrem Gesicht wie in einem Buch, das in fremder Schrift verfasst war und gab es schließlich auf. Ich mochte Helena zwar kennen, doch kannte ich sie nicht. Ich wusste nicht, was sie mochte oder was sie bewegte, denn das hatte mich niemals interessiert. Die Vergangenheit schien mich einzuholen.


    "Tja, hm, weißt du, dein Vater befindet sich derzeitig auch nicht in Mantua", begann ich vorsicht und nahm die Hand wieder fort, um lässig winkend einen Sklaven Erfrischungen organisieren zu lassen.
    "Aber sag, wie geht es dir? Wie war Spanien und wie ist die Reise verlaufen? Es ist ja wirklich sehr lange her... Ich war elf oder zwölf, als ich fortging."

    Vermutlich hatte Deandra sich weitaus mehr Gedanken darum gemacht, ob uns jemand sah und wer das war. Mich würde sicherlich niemand so schnell vermissen, und auch Deandra nicht, denn sie war die einzige gewesen, die als Dame noch anwesend gewesen war, soweit ich mich entsinnen konnte. Sie ging voraus, ihre kleine Hand geborgen in meiner, und schleuste mich so durch die Gänge in ihr Gemach. Die Tür schloss ich hinter uns, ließ Deandra gleichermaßen los und wandte mich dann im Dunkel ihres cubiculum um. Ihre Augen glitzerten im spärlichen Mondlicht, welches durch das hohe Fenster hereinfiel, und meine Augen brauchten einen Moment, um das zu erahnen, was man im diffusen Licht nurmehr erahnen, nicht aber deutlich sehen konnte. Das war es auch, was den Reiz ausmachte. Diese vielen zerfaserten Konturen dunkler Schatten, die fließend ineinander überzugehen schienen und so ein ununterbrochen Muster der eigenwilligen Art bildeten.


    Ich trat mit bedächtigen Schritten an Deandra heran, griff nach ihrer Hand und legte sie auf jene Stelle meiner togabedeckten Brust, unter der mein Herz kräftig und in gleichmäßigem Takt schlug. Heißer Atem entfloh meinen Lippen, in Vorfreude dessen, was sich bald ereignen würde. Das Wort, eine Abwandlung meines praenomen, ließ mich innehalten in der Bewegung, die Deandra an mich gezogen hätte, wenn sie weiter ausgeführt worden wäre. So aber blinzelte ich lediglich irritiert. Deandra hatte mich nie Marcus genannt, wie es andere taten. Familienmitglieder und enge Freunde, um Beispiele zu nennen. Sie war die einzige, die es nie getan hatte. Und nicht nur deswegen war ich irritiert, sondern auch, weil sie wie bei der Erwähnung meines cognomen nun auch den praenomen abwandelte und ich mir durchaus darüber im Klaren war, was ebendies implizierte. Eigentlich mochte ich keine Kose- oder Spitznamen, denn sie verniedlichten den Namen eines Mannes und machten aus dem ehrbaren gens-Mitglied ein niedliches Kuschelbärchen, das doch keiner mehr so recht ernst nehmen mochte. Aber es war Deandra, und solange sie mich nicht öffentlich Marc nannte, konnte ich damit leben, wenn sie diesen Namen für mich auserkoren hatte, um meine besondere Stellung in ihrem Herzen deutlich zu machen.


    Schlussendlich zog ich sie nun doch an mich heran und küsste sie, ohne auf die Erwähnung des Namens einzugehen. Der Blick hatte sicher auch Bände gesprochen und verdeutlicht, dass ich diese Entwicklung wertschätzte. Den eventuellen Blicken streunender Sklaven und angetrunkener Gäste entflohen, nahm ich nun keine Rücksicht mehr auf die Umgebung, sondern tauchte gänzlich in Deandras Atmosphäre ein. Meine Hände flossen förmlich von ihrem Kopf, wo ich sie eben noch gehalten hatte, über den Nacken zu den Schultern, wo mich bei der Berührung der goldenen Fibeln die Fantasie durchzuckte, die ich gehabt hatte. Sie jagte einen Schauer in meine Lenden und ließ mich aufseufzen. Nichts und niemand hielt mich mehr davon ab, die Spangen zu lösen und diese Fantasie nun auszuleben, sie tausendmal intensiver und um so vieles schöner zu erleben, als sie ein Mann allein in einem Badezuber erleben konnte. Die linke Fibel löste sich mit einem leisen Klicken, und der Stoff sank halbseitig gen Körpermitte. Ich hielt inne und sah Deandra an, wie schön sie war, wie begehrenswert. Sie war älter als ich - na und? Meine Lippen zitterten vor Begierde, sodass ich sie in einem neuerlichen Kuss mit ihren zarten Lippen bedecken musste, während meine Rechte behutsam tastend vorrückte, schließlich ihre Brust umschloss und sacht streichelte.

    Den stilus beiseite gelegt, hatte ich Camryn gebeten, einzutreten. Sie kleine Sklavin hatte mir mit sehr knapp gewählten Worten mitgeteilt, dass "Besuch" im atrium auf mich wartete und hatte sich dann entschuldigt. In der Annahme, es müsste sich demnach um einen Gast handeln, der es weder eilig hatte noch sonderlich wichtig war, hatte ich zuerst noch den Brief zu Ende geschrieben und gesiegelt, ehe ich mich ächzend erhoben und das Arbeitszimmer verlassen hatte.


    Wenige Schritte führten mich an einer Büste des Aurelius Crassus vorbei, der pikiert unter seinem Lorbeerkranz hervorlugte, dann passierte ich eine Säule und trat von hinten an eine der kleinen Sitzgruppen heran, die sich um einen Abstelltisch gruppierten. Skeptisch bleib ich stehen und fragte mich, warum man der Dame weder Speis noch Trank gebracht hatte und wer sie wohl war. Ich räusperte mich, in der Hoffnung, sie nicht mit der prompten Anwesenheit zu erschrecken, und trat gemessenen Schrittes um ihren Sessel herum, um dann ungläubig zu erstarren und die junge Schönheit vor mir zu mustern. Das war doch...


    "Helena?" fragte ich reichlich verwirrt und mit gerunzelter Stirn. Ich zog mir unbewusst einen Sessel heran, setzte mich jedoch nicht. Aurelia Helena, meine kleine Cousine, die sich seit geraumer Zeit zu Erziehungsgründen in Spanien befand - oder eher befinden sollte.


    "Was machst du denn hier? Ich meine: Schön dich zu sehen..."
    Nun gut, vielleicht nahm sie das nicht ganz ernst, denn immerhin waren wir nicht gerade ein Herz und eine Seele gewesen, als Onkel Cicero sie nach Tarraco gesandt hatte, weil ihr einfach eine Mutter zur Erziehung fehlte. Vermutlich hatte sie mir daher früher auf der Nase herumgetanzt, selbst als sie noch recht klein war. Schließlich setzte ich mich doch. Der Schock wog eben schwer. :D

    Mit aneinandergelegten Fingerkuppen betrachtete ich den Griechen und dachte darüber nach, wie ich ihm nun weiterhelfen konnte, doch recht einfallen wollte mir nichts.
    "Es tut mir wirklich leid, dass du den weiten Weg umsonst gemacht hast, sollte der Beweggrund wirklich nur das Wiedersehen eines alten Freundes gewesen sein. Ich kann dir in dieser Sache nicht weiterhelfen, denn mir liegt auch keine Anschrift in Achaia vor."


    Ich überlegte noch eine Weile hin und her. Die lateinische Sprache schien keine Schwierigkeit für den Griechen darzustellen, und da er scheinbar ohne weitere Pläne hergekommen war, entschloss ich mich zu einer Frage.
    "Was hast du nun vor, Drakontios, und kann ich dir noch irgendwie behilflich sein? Ich bräuchte einen scriba personalis, jemanden, auf den ich mich verlassen kann. Wäre dies ein Grund, deinen Besuch in Italien auszudehnen?"

    Die Nähe ihres Körpers und die daraus resultierende Hitze ließen mich die Kühle der uns umgebenden Nacht und mein erst angetrocknetes Haar vergessen. Von der Warte einer Patrizierin aus gesehen musste es so falsch sein, was wir zu tun beabsichtigten, aber ich dachte schon seit einigen Minuten nicht mehr an die lästige Etikette oder eventuell aus dem Tun resultierende Folgen. Ich wollte Deandra, und ich wollte sie jetzt. Aus diesem Grunde klang ihre Zustimmung wie Musik in meinen Ohren. Ich lächelte breit und hob Deandra kurzerhand auf die Arme.


    "Ich kann ja schon mal üben", grinste ich und machte exakt zwei Schritte, ehe ich meine Freundin, die Säule, erneut als helfende Stütze missbrauchen musste, diemal seitlich. Aus der Traum vom stolzen Daheinschreiten der Simulation eines Über-die-Schwelle-tragens, das musste ich mir eingestehen.


    "Hoppla. Vielleicht isss es doch besser, wenn....?" sagte ich und lachte, nachdem ich Deandra wieder sanft abgestellt hatte. Wenn sie selbst ging, war es vermutlich besser, schließlich wollte ich sie nicht fallen lassen, wenn ich des Falerners wegen aus dem Gleichgewicht kam und schwankte. So ließ ich ihr den Vortritt, zumal ich auch gar nicht wusste, wo ich denn mit ihr im Schlepptau hätte hingehen sollen. Sicher, ich war bereits in ihrem claudischen cubiculum gewesen, doch der Weg dahin war mir weniger als schwammig im Gedächtnis geblieben und angetrunken, in Ordnung, betrunken wie ich jetzt war, würden wir eher in einer Besenkammer landen und am nächsten Morgen für Gerüchte sorgen, die man nurmehr schwerlich ausmerzen konnte. Ich küsste Deandra erneut, diesmal auf den linken Handrücken, und deutete eine Verbeugung an.


    "Nach dir."

    Mochte der Mann denken, was er wollte, es war mir gleich.
    "Nein, Tiberius. Wir trafen uns am Stadtrand und sie erklärte mir freundlicherweise den Rückweg zum Tor, denn ich hatte mich verlaufen."


    Sim-Off:

    Tu uns beiden den Gefallen und lass es dabei beruhen. Ich möchte mit Albina posten und mich nicht unnötig mit IDs aufhalten, die sich mit allem was sie meinen, bieten zu können, in den Weg stellen.

    Es mochte sein, dass der Mann vor mir ein eingefleischter Soldat war, aber herumkommandieren lassen wie einer seiner probati auf dem Exerzierplatz würde ich mich ganz gewiss nicht. Ich streifte den gemütlich aussehenden Korbsessel daher nur eines kurzen Blickes, ehe ich höflich aber bestimmt entgegnete, doch lieber noch eine Weile zu stehen. Begleitet wurde diese Entgegnung von einem Blick, der sehr wohl die probatus-Gedanken von eben deutlich machte. Der Tiberier setzte sich und unterzog mich eines Verhörs, das ich nach dieser Sitzaufforderung beinahe erwartet hatte.


    "Ich lernte sie auf einer der excursiones nach Ambarcia kennen, während meiner Ausbildung in Griechenland. Da sie nun in Rom weilt, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um sie zu besuchen."


    Viel mehr musste der Tiberier eigentlich nicht wissen, die näheren Umstände gingen lediglich Albina und mich etwas an, Obhut hin oder her.

    Der eindringlichen Musterung konnte ich mich als Besucher wohl nur schwer entziehen, war es doch augenscheinlich der Hausherr, der mir gegenüber stand. Bisher hatte ich persönlich nur Durus kennengelernt, nicht aber jenen Mann, über den vielerlei unrühmliche und einige rühmliche Geschichten im Umlauf waren. Das Beste war stets, sich selbst ein Bild zu machen, also versuchte ich, ihm unvoreingenommen entgegenzutreten.


    "Salve, Tiberius. Es freut mich, deine Bekanntschaft zu machen. Ganz recht, ich möchte Tiberia Albina sehen, so sie zugegen ist. Wir sind alte Bekannte."