Die liebe Nachbarschaft, ja. Das war ein Thema, mit dem ich mich hier in Mantua den Göttern sei Dank nicht richtig beschäftigen musste, denn die Landgüter standen nicht dicht an dicht und das nächste Anwesen war das der Claudier, die man nicht hörte, selbst wenn Musiker anwesend waren. Der Gedanke allerdings, dass Claudius Vesuvianus frühmorgens zum Schreck der Leute die Laute quälen würde, rang mir ein knappes Grinsen ab. In Rom hingegen sah es schon anders aus mit den Nachbarn. Dort waren die villae zwar auch mächtig, standen aber dichter aneinander. Manches Mal hatte man dort schon Keramik an Wänden zerbrechen hören, was vermutlich mit der lauen Stadtluft aus der casa vinicia herangetragen worden war und nichts anderes als einen Ehestreit verhieß.
"Keine Sorge, es sind ruhig gelegene Häuser, die sicher euren Ansprüchen genügen werden und auch noch Platz für Erben vorweisen können. Alle besitzen übrigens einen hortus, das letzte einen angelegten Rosengarten", versicherte ich beruhigend, weil ich Medeias Blick auffing. Pyrrus scharrte genervt mit dem Fuß, wobei er aussah wie eines jener Wildschweine, welche die umliegenden Wälder Mantuas beheimateten. Sein Blick bedeutete nichts anderes als die stumme Frage, ob wir uns noch lange die Füße in den Bauch stehen oder endlich los gehen wollten, und so bedeutete ich dem grimmigen scriba und den beiden baldigen Brautleuten, gen Südwesten voranzugehen.
Während uns die Schritte über den Markt trugen, entbrannte schräg hinter mir eine voreheliche Diskussion die Domizile betreffend. Ich verbarg mein Schmunzeln und meinte, sogar Pyrrus' Mundwinkel kurz zucken zu sehen. Vermutlich war er froh, weder Weib noch Kinder zu haben. Andererseits fragte ich mich, wie man denn froh sein konnte, wenn man eine schäbige insula in der Nähe der cloaka sein Heim nennen konnte. Mysteriöserweise sprach diese Vorstellung mein Mitgefühl an und ich beschloss, Livius Pyrrus ein Extrataschengeld zukommen zu lassen, wenn er den heutigen Tag und seine Aufgaben nicht in den Sand setzte. Der praefectus indes hatte wahrlich gute Gründe, die gegen ein villengleiches Anwesen sprachen, und er ahnte vielleicht nicht, wie Recht er mit seiner zur Lotterbande mutierten Sklavenschaft hatte. Ich dachte da an die aurelischen Sklaven, die schon in der kurzen Abwesenheit für die Tagesgeschäfte in der curia aufmüpfig und faul wurden. Wir verließen gerade den mercatus und bogen in eine Seitengasse ein, als Plautius etwas erwähnte, auf das ich eingehen wollte.
"Die villa tiberia habe ich selbst auch schon mit eigenen Augen von innen gesehen. Selbst in einer Stube der legio ist es wohnlicher als dort, auch wenn ein wirklich nettes impluvium ihr atrium ziert."...was allerdings auch das einzige war, das den Aufenthalt in dieser villa angenehm gestaltete, sah man von der Anwesenheit meiner alten Bekannten, Tiberia Albina, einmal ab.
"Vielleicht sieht man sich die Häuser erstmal an, ehe man über die Inneneinrichtung nachdenkt", murrte Pyrrus vor mir her schlurfend leise und entlockte mir ein theatralisches Seufzen. Die Summe des zusätzlichen Taschengeldes schrumpfte um ein Viertel, ehe ich mich fragte, ob Medeia tatsächlich aus Griechenland stammen mochte. Ich ließ mich zwei Schritt zurück und neben die beiden fallen, musterte sie kurz und entschloss mich, sie einfach zu fragen.
"Deine Heimat ist Griechenland? Ich war während meiner Ausbildung dort und habe das Land und dessen Einwohner sehr zu schätzen gelernt."
Kaum hatte die Artorierin hierauf geantwortet, blieb Pyrrus stehen und wandte sich mit einem triumohierenden Grinsen um.
"Wir sind da", krähte er und deutete mit einem Ellbogen auf ein Haus, das sich von den anderen insofern abhob, dass es keinen direkten Kontakt zu nebenstehenden Häusern hatte. Es wirkte grün drumherum, vielleicht etwas ungepflegt, aber das war nichts, was man von einer kräftigen Sklavenhand nicht bewältigen lassen könnte. Es hatte zwei Stockwerke und schien alles in allem mehr casa denn domus zu sein. Der Garten schloss sich hinter dem Haus an, ein Peristyl fehlte.