Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Die Stimme Deandras riss mich aus der bewunderung für das Kunstwerk vor meiner Nase. Immer noch zum Erkunden leicht nach vorn gebeugt, wandte ich den Kopf und blickte ihr entgegen, wie sie zaghaft auf der Schwelle stand und mir beinahe furchtsam entgegenblickte. Ihre tunica war von strahlendem Weiß, die Fibeln golden. Ihre Aufmachung harmonierte wunderbar mit ihrem Haar und der hellen Haut. Das einzige, was nicht ganz so gut passen wollte, war der Ausdruck auf ihrem Gesicht. Ich wurde mir bewusst, dass ich sie anstarrte, räusperte mich und ging auf sie zu, um meine Hände auf ihre Schulter zu legen und sie auf die Wange zu küssen.


    "Guten Abend, Deandra. Du siehst bezaubernd aus, wenn du mir diese Bemerkung gestattest", sagte ich und lächelte ihr ermutigend zu. Sie schien mir nervös zu sein und ich ahnte, dass es mit der Frage nach den Kindern zu tun hatte. Ich selbst war nicht minder angespannt, überspielte es allerdings recht gut. Der süße Duft nach Honig und Rosenholz stieg mir in die Nase und ich blinzelte, um die Trunkenheit zu vertreiben Ich ließ sie los und deutete auf die Sitzgelegenheiten. Der geruch ihres Parfums war nun nicht mehr überwältigend.


    "Wollen wir schon Platz nehmen oder warten wir auf deine Schwester?"

    Wie jeden Morgen war ich nicht allzu spät nach dem Erscheinen der ersten Sonnenstrahlen erwacht. Mein cubiculum lag im Osten, weswegen es des Morgens sonnendurchflutet im Schein der goldenen Himmelsscheibe dalag und mir den Einstieg in den Tag erleichterte, selbst im Winter. Ich ließ mir wie immer mein ientaculum, bestehend aus Brot, Eiern, Honig und moretum, auf mein Zimmer bringen, um es dort wie gewöhnlich allein zu verzehren. Alle Sklaven wussten, dass sie mich vor dem Ende des Frühstücks besser nicht ansprachen, denn ich redete früh morgens nicht gern. Anschließend ließ ich Camryn kommen, damit sie mich ankleiden konnte. So hielt ich es jeden Morgen, so auch diesen.


    Mit einem Sklaven im Schlepptau, der die tabulae und Schriftrollen trug, die ich abends noch bearbeitet hatte, verließ ich kurz darauf die villa Aurelia in Richtung curia. Lange hielt ich mich allerdings nicht dort auf, vielmehr tauschte ich den Sklaven gegen einen hageren, hakennasigen und griesgrämig dreinblickenden scriba und verließ das Rathaus wieder, um mich auf die Märkte zu begeben, ebenfalls wie jeden Morgen. Mantua lag zu weit abseits von Rom, als dass die Magistrate der ewigen Stadt die ständige Marktaufsicht hätten übernehmen können. Also oblag es Didius Albinus und mir, die Händler zu kontrollieren. Albinus und ich hatten jedoch die Aufgaben eines duumvir untereinander aufgeteilt, und somit oblag mir die allmorgendliche Marktbegehung. Heute allerdings stand neben dieser Angelegenheit noch eine weitere an, denn der praefectus castrorum, Matinius Plautius, suchte nach einem einem geeigneten Wohnhaus in der Stadt. Natürlich hätte ich diese Angelegenheit auch auf den hakennasigen Mann neben mir abwälzen können, doch Livius Pyrrus war nicht gerade dafür bekannt, besonders freundlich zu sein, noch besonders gut anpreisen zu können. Außerdem betrachtete ich die Bitte des Matiniers als eine Art privaten Gefallen, den ich ihm tun würde. Ich hatte ihn heute auf den Markt gebeten, damit wir die vier Häuser begehen konnten, die ich ihm anzubieten hatte, weil sie seinen Kriterien entsprachen. Bald erreichten wir den Markt.


    "Wie sieht denn der aus, dieser Martinibus?" "Matinius. Pyrrus, tu mir einen Gefallen und reiß dich zusammen. Diese Angelegenheit könnte für mich privat von Wert sein und ich möchte nicht, dass du sie in deiner bekannt liebenswürdigen Art zunichte machst." Pyrrus murmelte etwas, das ich lieber nicht verstand, zuckte mit den Schultern und schüttelte den Kopf. Ich sah suchend über die für den Morgen schon erstaunlich große Menge an Menschen, die ihre täglichen Einkäufe auf dem mercatus tätigten.


    "Vielleicht der da?" meinte Pyrrus ziemlich lustlos und deutete mit der Schulter auf einen Lastenträger. Ich schüttelte den Kopf. "Wir suchen einen Soldaten, Pyrrus. Einen hochrangigen Offizier.." Pyrrus zuckte abermals mit den Schultern und schlurfte weiter. Manchmal schämte ich mich für ihn, aber ihn hinauszuwerfen, brachte ich auch nicht übers Herz. So seufzte ich und ging weiter über den Markt. Es wäre vermutlich doch besser gewesen, einen konkreten Treffpunkt zu vereinbaren. Diese Idee kam allerdings einen Tick zu spät.Wir überquerten den Platz einmal und kehrten dann um. Einige Bürger erkannten und grüßten mich, andere hasteten eilends vorbei. Und schließlich stand ein ziemlich kleiner Mann vor mir, sah von unten zu mir auf und nannte mich beim Namen. Sichtlich verdutzt blickte ich auf den Knirps herunter und fragte mich, was er getan hatte, dass die Götter ihn mit einer solchen Gestalt straften.


    "DAS ist er?" scharrte es neben mir. Livius Pyrrus stemmte seine dürren Arme in die Seite, die Wachstafeln darunter geklemmt, und grinste von einem Ohr zum anderen. "Natürlich nicht", berichtigte ich entnervt und seufzte. "Ja, Aurelius Corvinus. Du stehst vor ihm. Kann ich dir in irgendeiner Weise behilflich sein?" fragte ich den Winzling, obwohl ich nicht glaubte, dass ich hierzu im Stande war. Wer die Götter derart gereizt hatte, dem war nicht mehr zu helfen.

    Samira geleitete mich wohlbehalten durch das atrium ins triclinium, wo ich mich nicht sofort setzte. Immerhin wusste ich nicht, ob eine besondere Sitzordnung geplant war, auch wenn ich wusste, dass wohlerzogene Damen sich seltenst der Blöße hingaben, sich während des Essens zu legen. Die bereitstehenden Korbmöbel bestätigten meine Vermutung, und ich blieb trotzdem stehen und wartete darauf, dass mich jemand in Empfang nahm. Ich war nicht nur neugierig darauf, wie Deandras neugewonnene Schwester aussah und sich ihr und mir gegenüber gab, sondern auch darauf, wie Deandra mir begegnen würde.


    Geduldig wartend, besah ich mir eine kunstvoll gefertigte Vase, deren schwarze Bemalung auf braunem Grund das Einbringen der Ernte zeigte.

    "Naja, es liegt auch nahe. Aber lass das die Soldaten nicht hören, ich glaube, sie wären nicht allzu begeistert davon", sagte ich und zwinkerte Albinus zu. Die prima war natürlich mehr, das wussten wir beide.
    "Ich würde dich gern noch etwas fragen, und zwar beabsichtige ich, den Kaiser um einen Platz beim Militär zu bitten. Das würde bedeuten, dass ich nicht mehr dein Kollege wäre, vermutlich schon bevor die nächste Amtszeit beginnt. Kann Mantua auf dich zählen?

    Zitat

    Original von Marcus Decimus Livianus
    Livianus nahm diese Einladung gerne an und setzte sich auf den ihm angebotenen Stuhl.


    „Nun Dummvir! Obwohl ich bereits einige Zeit hier bin, habe ich zu meinem Bedauern bisher nicht die Gelegenheit gefunden, den Verantwortlichen Magistraten dieser Stadt meine Aufwartung zu machen. Du kannst dir sicher vorstellen, dass es nicht einfach ist, eine neues Kommando über knapp sechstausend Soldaten anzutreten und dabei noch Zeit zu finden, um sich der Stadtverwaltung vorzustellen. Dennoch war es bisher so, dass ich immer ein sehr gutes und intensives Verhältnis zu den Stadtcurien und ihren gewählten Vertretern gepflegt habe, wenn ich mit dem Kommando der hiesigen Einheit betraut war. Ich hoffe das wird sich auch hier in Mantua nicht ändern. Daher bin ich gekommen um dir zum einen meine vollste Unterstützung zuzusichern und auch um uns ein ersten Austausch über eventuelle Probleme oder Aufforderungen zu ermöglichen.“


    Aufmerksam verfolgte ich die Worte des legtaus. Ich schätzte seine Ehrlichkeit und nickte langsam, als er geendet hatte.
    "Ich danke dir für deine ehrlichen Worte und dein Angebot, Senator. Ich muss gestehen, dass ich schon darauf gewartet habe, dass dieses Gespräch einmal stattfindet. Es wäre meinerseits schon eher gewesen, war ich doch vor kurzem im castellum, um mich über den Bauplan der Legion zu informieren. Es ist der Bau eines Tempels geplant. Man verwies mich an deinen praefectus castrorum, sonst hätten wir uns vermutlich schon früher getroffen. Den Tempelbau werde ich selbst finanzieren, doch vielleicht könntest du dich bei der Einweihung des Theaters einbringen. Es sind ein Theaterstück und Gladiatorenkämpfe in Planung. Mein Kollege Didius Albinus kümmert sich darum, doch es fehlen uns noch Sponsoren."

    Zitat

    Original von Quintus Didius Albinus
    "Vielleicht solltest du lieber gehen ich selbst werde dann wohl wieder ausfallend;). Was Sponsoren angeht würde ich auch selber zur Verfügung stehen. Noch was zum Programm: neben dem Theater sollten dann ja auch Glaiatorenspiele stattfinden. Gibt es diese spanische Schule noch? Dann würde ich mich an die wenden.


    "In Ordnung", sagte ich und grinste.
    "Hmm. Ich denke schon, dass es diese Schule noch gibt. Ein Brief kann nicht schaden. Welchen Termin schlägst du vor - oder möchtest du zunächst die Rückmeldung der Theatergruppe abwarten?

    Weit war der Weg nicht. Trotzdem hatte ich die Sänfte gewählt, um später am Abend nicht zu Fuß durch die Dunkelheit laufen zu müssen. Wer wusste, ob ich dann noch laufen konnte. Vielleicht war Vesuvianus ebenfalls zugegen. Wenn nicht, würde ich darauf achten müssen, dass mir die zwei Mädels nicht übermäßig viel Wein einflößten. Ein Sklave klopfte bereits, als ich noch die Treppe zur porta emporstieg.

    "Hm. Richte ihr bitte aus, dass ich pünktlich eintreffen werde", sagte ich und widmete mich demonstrativ wieder meiner Briefe, auch wenn ich mich nicht richtig konzentrieren konnte, da die Geschehnisse des gestrigen Tages wieder auf mich einströmten. Bald sah ich ein, dass es keinen Sinn hatte, und ließ die Arbeit liegen, um mich herrichten zu lassen für die cena.


    Eine gute Dreiviertelstunde später verließ ich an Bord einer Sänfte die villa.

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    Original von Spurius Purgitius Macer
    Ja, für den Ordo Senatorius gibt es das Tribunat bei der Legion und den CU.


    Die Ernennungen zum Tribun macht der Kaiser.


    Nächste Frage: Im Wiki ist vermerkt, dass das Militärtribunat ein Teil des CH ist. Muss das Vigintivirat vorhergehen oder kann man das Tribunat absolvieren, wann man möchte bzw. wann man gebraucht wird?

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    Original von Marcus Decimus Livianus
    Livianus betrat das Officium und nickte dem Duumvir freundlich zu, als dieser ihm grüßend entgegentrat. Als er seine Einladung hörte, kam er nicht um ein verschmitztes Schmunzeln herum.


    “Salve Duumvir! Danke für diese Aufwartung. Gegen einen iberischen Wein hätte ich wahrlich nichts einzuwenden. Es tut immer gut auf so angenehme Art und Weise an seine Heimat erinnert zu werden.“


    Der Legat trat näher, wartete jedoch auf eine Einladung des Duumvirs um sich zu setzen.


    So goss ich also die süßlich-herbe, rote Flüssigkeit in zwei Becher, vermischte sie mit etwas Wasser und reichte dem legatus einen hiervon. Danach deutete ich auf den Stuhl vor meinem Schreibtisch.


    "Setz dich doch bitte. Ich muss gestehen, dass ich mich über deinen Besuch freue und dich vermutlich selbst innerhalb der nächsten Tage aufgesucht hätte. Aber da du nun schon hier bist, bleibt mir dieser Weg erspart. Also, was kann ich für dich tun, Senator?"

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    Original von Quintus Didius Albinus
    "Nun jetzt wo der Bau fertig ist sollten wir uns Gedanken machen wegen der Eröffnungsfeierlichkeiten. Sponsoren müssen gefundn werde, die Theatergruppe muß angeschrieben werden usw. Deswegen bin ich hier um dies mit dir zu besprechen."


    "Du hast natürlich recht. Morgen ist eine Baubegehung, vielleicht möchtest du vielleicht diesen Termin wahrnehmen? Ansonsten würde ich gehen. Bezüglich der Sponsoren werde ich mit dem Legaten der prima reden und auch selbst einen Teil beisteuern. Hast du sonst noch Vorschläge, an wen man sich wenden könnte?"

    "Das ist richtig, mein Kaiser. Dies ist meine Vermutung, auch wenn er Aurelius Cicero zuvor noch als politischen Freund bezeichnet hat. Ich kann dir bedauerlicherweise keine genaue Auskunft über die Absichten Ciceros mitteilen, doch glaube ich nicht, dass er sich zum Kandidat für das Amt des comes hätte aufstellen lassen, wenn er sich des Ernstes dieses Amtes nicht bewusst gewesen wäre. Die Fortsetzung des cursus honorum beabsichtig er daher gewiss nicht sofort.", sagte ich. Ich wusste, dass Onkel Cicero bisher jeden Weg zu Ende gegangen war. Er selbst hatte verlauten lassen, den cursus honorum weiter zu beschreiten.

    Zitat

    Original von Spurius Purgitius Macer


    Für den Ordo Senatorius gibt es im Prinzip nur das Tribunat oder später ein Legionskommando. Aber es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass man sich bei entsprechend starkem persönlichen Interesse auch ein wenig "unter Wert" einsetzen lässt. Für einen Patrizier wäre es dann wohl das üblichste, es auf persönliche Empfehlung hin als Quereinsteiger zum Decurio in der Legion zu versuchen. Für begrenzte Zeit, versteht sich. Außerhalb der Legionen kommt für einen Patrizier nichts ernsthaft in Frage.


    Moment, das schließt aber das Tribunat bei den CU mit ein, oder nicht? Ich habe an sich nichts dagegen einzuwenden, wenn Corvinus sich "unter Wert" einsetzen lässt, ich möchte die ganze Chose allerdings SimOn gescheit und möglichst historisch korrekt ausspielen. Zum Kaiser müsste er jedoch in jedem Falle, oder?