Der Legat musste nich lange warten, da erspähte in ein scriba auf seinem Weg zum aurelischen duumvir und machte Halt, um ihn nach seinem Begehr zu fragen.
"Ave, Legat! Kann ich dir in irgendeiner Weise behilflich sein?"
Der Legat musste nich lange warten, da erspähte in ein scriba auf seinem Weg zum aurelischen duumvir und machte Halt, um ihn nach seinem Begehr zu fragen.
"Ave, Legat! Kann ich dir in irgendeiner Weise behilflich sein?"
Hatte ich mich eben noch aufgeführt wie ein Hornochse, wurde ich mir nun bewusst, dass ich mich wie einer aufgeführt hatte. Mit Daumen und Zeigefinger fuhr drückte ich kurz meine Nasenwurzel, als ich Deandras Tränen und ihr Entsetzen bemerkte. Es tat mir schon wieder leid, was ich gesagt hatte. Ich hatte nicht das Recht dazu, ihr die Sache mit Sophus zu vermiesen, denn schließlich war sie deswegen nicht mehr meine Schwester.
Von meinem schlechten Gewissen blieb ich noch einen Moment gefesselt an meinen Stuhl sitzen, ehe ich mich endlich erhob. Deandra schaffte es in dieser Zeit bis fast zur Tür, wo ich sie schließlich mit einigen großen Schritten einholte und nach ihrem Unterarm griff.
"Deandra! Warte. Das war nicht so gemeint."
Ich drehte sie mit sanfter Gewalt zu mir herum und sa zu ihr herunter. Sie weinte, und wieder war es meine Schuld. Wie zu dem Zeitpunkt, als sie mir die Adoption offenbart hatte. Ich machte ein zerknirschtes Gesicht. Sicher glaubte sie jetzt, ich würde das nur sagen, weil sie weinte und nicht, weil ich es ernst meinte. Frauen waren in dieser Hinsicht äußerst schwierig, das wusste ich von einer Bekannschaft in Griechenland. Ich hob die Hände und legte sie an ihre Wangen, um mit den Daumen die Tränen fortzuwischen.
"Deandra, nicht weinen", sagte ich leise.
"Es ist nur...es macht mich ganz krank, wenn ich mir vorstelle, dass du und Sophus.."
Stocken. Fehlende Worte. Hilflos zuckte ich mit den Schultern und hoffte, dass sie verstehen würde, worum es mir ging.
"Ja. Nein. Manchmal. Deandra, hör mal....warum lässt du das nicht einfach auf dich zu kommen?" fragte ich sie und sammelte meine Bilder wieder ein, damit ich etwas zu tun hatte. Ein bittender Blick streifte sie. Ich hätte es vermutlich jungeren Mädchen erklären können. Vielleicht sogar Frauen, die nicht derart viel über mich wussten wie Deandra es tat. Über den Beischlaf an sich zu reden war mir nicht unangenehm, es war der Umstand, dass es ausgerechnet Deandra war, die danach fragte. Natürlich überging sie auch dieses Mal meine stumme bitte, mich nicht weiter über eine der angenehmsten Freizeitbeschäftigungen auszufragen, die ich mir vorstellen konnte. Ein ergebener Seufzer kam über meine Lippen.
"Es gibt kein Gefühl, dass sich damit vergleichen lässt", erklärte ich kategorisch und legte den geordneten Stapeln an Bilder wieder fort. Gerade wollte ich meine Worte näher erläutern, da brachte sie Sophus ein. Natürlich schätzte ich ihn, er war in seiner Art und seiner Denkweise genau so, wie ein Aurelier sein sollte, etwas eigenbrötlerisch vielleicht, aber jeder hatte so seine kleinen oder größeren Makel. Trotzdem behagte es mir gar nicht, dass ich hier den Aufklärungsdeppen spielte, damit er Spaß haben konnte. Ich setzte eine grimmige Miene auf und verschränkte die Arme vor der Brust. Ihre Euphorie würde sich vermutlich noch in der Hochzeitsnacht legen. Und vielleicht kam sie später zu mir und beschwerte sich darüber, dass diese Art der Krisenbewältigung bei Sophus nicht funktionierte. Nein danke, darauf hatte ich keine Lust, abgesehen davon, dass mich die Erwähnung von Sophus' Namen gerade in diesem Moment ziemlich störte. Noch war Deandra nicht einmal verlobt. Da sollte sie keinen Sex haben, weder mit Sophus noch mit sonstwem, so! Eine steile Falte bildete sich auf meiner Stirn, während ich sie musterte und sie mir augenblicklich einige Worte präsentierte, zu denen mir eine gehässige Antwort auf den Lippen lag.
"So ist das auch. Die Heirat zwingt den Mann nur zur Treue", gab ich zurück und funkelte Deandra wütend an. Warum ich so schlecht zu sprechen war, gerade, wusste ich selbst nicht. Vielleicht war es wirklich der Umstand, dass Deandra einmal meine Schwester gewesen war. Der wichtigste Mensch in meinem Leben, Anlaufpunkt für alle Fragen und Sorgen, für Ängste und einfach nur nette Gespräche.
Die Runzeln auf meiner Stirn lösten sich im gleichen Augenblick, da mir klar wurde, dass sie immer noch der wichtigste Mensch in meinem Leben war.
Deandra wäre nicht Deandra gewesen, wenn sie nicht noch etwas gefragt hätte. Ich wusste das, und doch sehnte ich den Zeitpunkt herbei, an dem ein Themenwechsel angemessen war. Die Art wie sie saß, wie sie mich wissbegierig ansah und mich verhörte, denn nichts anderes war es, machte mir klar, dass es ihr tatsänlich ernst war. Ich hätte nun lügen und sagen können, dass es nicht nur für den Mann stets und in allen Lebenslagen ein unglaublich erlösendes wie entspannendes Gefühl war, aber man hörte nur zu oft davon, dass gerade Frauen bei ihrem allerersten Akt Schmerzen empfanden und hofften, dass es schnell wieder vorbei war. Ich dachte da an einen Artikel aus der acta, verfasst von einem griechischen medicus, schüttelte aber innerlich den Kopf und entschloss mich dazu, Deandra die Vorfreude nicht zu nehmen.
"Es fühlt sich außerordentlich entspannend an."
Deandra hing mir so sehr an den Lippen, dass ich meinen Weinbecher nahm und mich einen Moment ganz dem locker machenden Gesöff widmete. Wie ich an diesem Tag noch einen klaren gedanken fassen sollte, war mir schleierhaft. Welch wunderbar samtene Farbe so ein Wein doch hatte. So tiefsinng, unergründlich und doch so wandelbar.
Corviiii drang es an mein Ohr. Ich sah ertappt auf. Wie es wächst?
"Er wächst, wenn der Mann Gelüste verspürt. Wenn man ihn reizt. Wenn eine Frau gut aussieht und zeigt, das sie auf mehr denn eine Unterhaltung auf ist. Das ist, hm, jedenfalls meistens so. Berührungen helfen auch", erklärte ich ohne mit der Wimper zu zucken.
"Und wie tief ist unterschiedlich. Mal mehr, mal weniger tief."
Ich fragte mich, welcher Art die Sorgen des mächtigsten Mannes der Welt sein mochten.
"Ich hoffe doch, es sind Sorgen, die sich recht bald in Wohlgefallen auflösen mögen", sprach ich und ging danach auf die Frage des Kaisers ein.
"Das ist korrekt, mein Kaiser. Der amtierende comes stellte sich erneut zur Wahl, als sein Konkurrent ließ sich Aurelius Cicero aufstellen. Beide Kandidaten lagen gleich auf, eine Einigung konnte bedauerlicherweise nicht erzielt werden. Ich darf vielleicht noch anfügen dass Aelius Callidus sich zuerst nicht zur Wahl hat aufstellen lassen, sondern lediglich auf die Neuwahl des comes aufmerksam machte. Seine Entscheidung zur erneuten Kandidatur erfolgte erst, als man Aurelius Cicero in Betracht zog."
Das konnte noch heiter werden. Natürlich genügten ihr die wenigen Bilder nicht, was hatte ich auch anderes erwartet. Nach einem Stoßgebet an Venus, die mir hoffentlich beistehen und mir die richtigen Worte in den Mund legen würde, zog ich mir einen Stuhl heran und setzte mich vor Deandra darauf. Das Bett verbot sich irgendwie von selbst, ich hätte ständig nur daran denken müssen, was ich hier schon alles erlebt hatte.
"Na schön. Also. Sieh mal hier", sagte ich und griff nach dem erstbesten Bild, das einen phallus abbildete. Mit dem zeugefinger tippte ich darauf. Was tu ich hier nur..
"Das ist, nun ja, ein...ein..."
Der Blick fiel auf meine Hand, an der noch Tinte klebte, und plötzlich hatte ich eine sagenhafte Idee.
"..ja, das ist eine Art Feder. Stell dir eine Feder vor. Und der Schoß der Frau ist das Tintenfass. Um ein Kind zu zeugen, müssen Feder und Tintenfass zusammengeführt werden. Siehst du, so wie....", ich kramte nach einem anderen Bild und deutete auf die Stelle der Vereinigung, "hier. Jeder Mann und jede Frau besitzen Samen, wie die eines Baumes. Und damit ein Kind entstehen kann, muss der Mann seinen Samen in sein Weibe geben, damit er aufgehen und zu einem stattlichen Sohn heranwachsen kann."
So. Damit war das geklärt, der Unterricht wäre für heute vorbei. Erleichtert gab ich ihr das Bild wieder und lehnte mich zurück. Doch schon im nächsten Augenblick, noch ehe ich die Befriedigung genießen konnte, dass ich Deandra soeben erfolgreich erklärt hatte, wie Kinder entstanden und was dazu nötig war, brachte sie mich mit der nächsten Frage aus dem Konzept, sodass ich ziemlich dumm aus der Wäsche sah.
"Du willst was? Du willst, dass ich eine Orgie organisiere? Deandra..."
Ich fuhr mir mit der Hand übers Gesicht. Nicht, dass ich nicht schon an einer teilgenommen hätte, die waren alltäglich, wenn man nur wusste, wo man suchen musste, aber mit meiner, wenn auch ehemaligen, Schwester? Beileibe, nein! Noch ehe ich antworten konnte, setzte sie noch eins drauf und fragte mich, warum ich nicht können würde, wenn sie... Ich schüttelte den Kopf und fühlte mich einfach nur überfordert. Ganz gewiss war das nicht mein Tag. Sie hätte doch besser Assindius fragen sollen. Ich erhob mich und begann damit, mit auf dem Rücken verschränkten Armen im Zimmer auf und ab zu gehen. Eine Antwort, ich brauchte eine Antwort!
"Deandra...der phallus ist im Normalzustand... er ist, nun ja, wie ein Katzenschwanz. Längst nicht so lang, zwar, aber biegsam. Wenn ein Mann Lust empfindet, so ist es wie...der phallus..."
Verdammt, ein Vergleich!
"..eine cucumis."
Eine Gurke. Eine Gurke? Herrje! ich begann zu schwitzen. Weiber! Warum mussten sie auch immer alles so genau hinterfragen? Warum konnte Deandra nicht warten, bis es soweit war, bis die Hochzeitsnacht heran war? Unwirsch schüttelte ich den Kopf.
"Naja, jedenfalls ist er nicht mehr biegsam. Sozusagen, damit er leichter seinen Weg in den Schoß einer Frau finden kann."
Ich setzte mich nun wieder und betete zu den Göttern, dass Deandra meine Not sehen und nicht weiter fragen würde.
Ich saß nur da und sah sie an. Wie beim iuppiter meinte sie denn das? Wenn sie doch nicht in den Armen ihres Liebste, ihres Sophus, wie ich wusste, seufzen und von schönen Dingen träumen konnte, warum verließ sie dann die gens? Blinzelnd betrachtete ich Deandra. Ihre Worte versetzten mich in Staunen und sollten mich noch lange beschäftigen, obwohl sie vielleicht einfach nur dahergesagt waren. Erst die indirekte Aufforderung, sie allein zu lassen, lockte mich aus der Starre.
"Ähm, ja. Natürlich."
Ich erhob mich und stand einen Augenblick unschlüssig im Zimmer herum. Wie sagte ich am besten Lebewohl?
"Tja dann...bleibt mir ja nichts anderes, als dir alles Gute zu wünschen. Ich hoffe, ich sehe dich bald wieder. Du wirst mir fehlen", sagte ich und lächelte sie zerknirscht an. Nicht gerade die beste Wortwahl, aber es kam von Herzen. Ich seufuze gemartert und zuckte mit den Schultern.
"Lebwohl."
Und damit verließ ich ihr Zimmer, um mich meinem zuzuwenden und mehrere Stunden damit zu verbringen, einfach nur nachzudenken.
Einen entnervten Seufzer konnte ich gerade noch unterdrücken. Weiters schwieg ich nun, da ich ihr nicht noch mehr Potential zur Wut auf einem Tablett darreichen wollte. Schließlich hatte ich eine gute Handvoll Abbilder gefunden und sah eines davon lange an. Es war ein seltsames Gefühl, die bisher gut gehüteten Abbildungen sich Liebender nun einfach so Deandra Preis zu geben. Ich fühlte mich, als verriet ich mich damit selbst. Sie mochte es vielleicht nicht verstehen, aber die Scham verpasste mir rote Ohren.
"Weil das nicht so einfach ist", entgegnete ich mürrisch, gab mir schließlich einen Ruck und wandte mich zu ihr um. Langsamen Schrittes ging ich zu Deandra und blieb unschlüssig vor ihr stehen, die Pergamente in meiner Hand haltend.
"Es wäre einfacher, es dir zu zeigen, als es dir zu erklären. Aber du bist eine Patrizierin und ich dein Bruder, zumindest war ich das mal. Da ist es nichts mit einem Schäferstündchen zur Veranschaulichung. Es schickt sich nicht. Und ich könnte es auch gar nicht, selbst wenn ich es wollte. Ähm, ja. Hier."
Und damit reichte ich ihr den ganzen Stapel, in der Hoffnung, dass es ihr als Erklärung genügen würde.
http://img217.imageshack.us/img217/6307/eros12nq8.jpg
http://img443.imageshack.us/img443/3621/eros13qk7.jpg
http://img364.imageshack.us/img364/2627/eros23mg6.jpg
http://img217.imageshack.us/img217/8343/eros9hx3.jpg
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http://img444.imageshack.us/img444/876/eros19ng7.jpg
Da hätte es sich also gelohnt, noch zwei Seiten weiterzusuchen...
Vielen Dank, Lucidus. ![]()
Das dachte ich zuerst auch, allerdings haben die Bilder auf den 9 Seiten der Bildersuche bei Google kaum Ähnlichkeiten mit meinem Avatar, daher hatte ich Jude Law ausgeschlossen und frage nun hier.
ZitatAlles anzeigenOriginal von Camillus Matinius Plautius
"Wenn Renovierung nicht bedeutet, daß ich eine abgebrannte Ruine komplett neu aufbauen darf, wäre auch das eine Option. Die Renovierung lasse ich dann durch lokale Handwerker oder die Legio nach Dienstschluss durchführen."
Ein Scriba brachte eine Wachstafel und übergab sie dem Duumvir.
Schlussbericht zum Bauprojekt "Amphitheater"
Nach nur zehnmonatiger Bauzeit (davon zwei Monate Stillstand wegen Frobin hier, um mehr über den Bau und dessen Materialbedarf zu erfahren. Wie ich hörte, so ist das Amphitheater nun fertiggestellt. Daher würde ich gerne wissen wie viel und welche Rohstoffe dafür verwendet werden mussten, wie lange der Bau an sich dauerte. Dies alles aufgrund eines Berichtes, den ich anfertigen muss." st) konnte der auf der Legion lastende Anteil der Arbeiten bei dem oben genannten Projekt - nämlich die Erstellung des Rohbaus inklusive der uns möglichen dekorativen Steinarbeiten - abgeschlossen werden. Für die noch ausstehenden Mosaik- und weiteren Verschönerungsarbeiten wollte die Curia aufkommen, da die Legion nicht über derartige Fachkräfte verfügt.
Als noch ausstehende Arbeiten sind die Fertigung der Zuwege und damit die Beseitigung der Baustraßen sowie die Aufforstung und Gestaltung des Umfelds in unmittelbarer Nähe des Theaters zu nennen.
gez.
H. Claudius Vesuvianus
Tribunus Angusticlavius
Im Übrigen besteht die Möglichkeit die ehemalige Baustelle auch mal mit mir und einem Optio zu besichtigen."
Ich nickte geflissentlich.
"Das sollte sich machen lassen. Ich werde mich umhören und dir dann eine Nachricht zukommen lassen, wenn es recht ist", entgegnete ich, während ein scriba eintrat und eine tabula brachte. Ich nahm mir hier und jetzt die Zeit, sie zumindest einmal schnell zu überfliegen, damit ich im Bilde war. Schon beim ersten Satz runzelte ich fragend die Stirn, las weiter, schüttelte schließlich aber den Kopf.
"praefectus, so leid es mir tut, bist du sicher, dass dies die korrekte Abschrift ist? Schon der erste Satz bereitet mir Schwierigkeiten. Ähm, wer oder was ist Frobin? Mir scheint, der scriba hat einiges verwechselt. Naja, eine Abschrift kann auch nachgereicht werden, das macht nichts", sagte ich und legte die Wachstafel auf den Schreibtisch.
"Hier steht etwas von Zuwegen, die noch ausgebaut werden müssen. Ist das korrekt? Was die Baubegehung angeht, bin ich gern dabei."
Ich überlegte einen Moment und sprach dann das nächste Anliegen an.
"Ich bin allerdings nicht nur wegen des theatrum hergekommen, praefectus. Es geht in der Tat noch um ein weiteres Bauvorhaben, genauer gesagt um einen neuen Tempel, der dem iuppiter geweiht werden soll. Um mich vorab über den Zeitplan eurer Einheit zu informieren, suche ich dich auf. Einen augur und die sonstigen Instanzen werde ich erst aufsuchen, wenn alles mit der legio vereinbart ist, damit der Bau zügig von statten geht und weder ihr noch die curia unter Zeitdruck steht."
Es ist mir ja beinahe peinlich, danach zu fragen, aber kann mir jemand sagen, wie der Kerl auf meinem Avatar heißt? ![]()
Ich verfolge dieses Thema mit Spannung. Nicht nur, dass es mir eindeutig Spaß macht, Corvinus bei Deandras Verhör reagieren zu lassen, ich bin ja außerdem stets bestrebt, möglichst chraktertreu und getreu der damaligen Zeit zu spielen. Daher finde ich es sehr interessant, was hier bisher zum Thema "Sex im antiken Rom" geschrieben wurde.
Ein aufmerksamer Leser ![]()
"Na, dann wäre ich auch gleich an der richtigen Adresse", entgegnete ich zwinkernd.
"Aber im Ernst, Deandra. Wenn du irgendwann Schwierigkeiten haben solltest, bei was auch immer, und Hilfe nötig hast: ich bin für dich da. Also zögere nicht, mich um etwas zu bitten. In Ordnung?"
Hätte ich gewusst, dass sie diese Hilfe schon bald in Form der unmöglichen Frage nach der Entstehung von Kindern in Anspruch nehmen würde, hätte ich mein Angebot sicherlich irgendwie eingeschränkt und diesen Punkt herausgenommen. Aber ich wusste es ja nicht, also beging ich hierbei wohl einen fatalen Fehler...
"Eine Liebste.." murmelte ich und überlegte, auf wen dieser Eindruck am ehesten gepasst hätte. Im Grunde genommen auf niemanden, denn das Wort beinhaltete ein anderes, und zwar Liebe. Natürlich fühlte man sich ab und an einer Person zugetan, die bei mir sowohl eine Frau als auch ein Mann sein konnte, aber in den seltensten Fällen kam es zu mehr als ein paar wenigen Worten. Trotzdem kam ich meistens auf meine Kosten. Aber Liebe? Höchstens Aquilius, aber bei ihm war es eher starke Zuneigung und keine Liebe.
"Behüten, in den Arm nehmen und dergleichen... Deandra, man kann das alles auf zweierlei Weise tun. Begehrend oder liebend, eben wie ein Bruder. Es käme mir nicht in den Sinn, eine Liebschaft so zu behandeln wie dich. Ebensowenig würde ich dich wie eine Liebschaft behandeln. Verstehst du, was ich damit sagen will?"
Aufmerksam und ernst betrachtete ich sie und fragte mich, wie wir eigentlich auf dieses Thema zu sprechen gekommen waren. Es behagte mir nicht, denn ich fühlte mich nicht in der Lage, die richtigen Antworten auf ihre Fragen zu geben, von der Wahl der richtigen Worte einmal abgesehen, denn ich wollte sie weder verletzen noch für dumm verkaufen.
Sie errötete zurecht, wie ich fand, wusste ich doch nicht, dass sie es wegen dem vergessenen Gruß tat, sondern nahm an, es sei Beschämung über die gestellten Fragen. Nun neben ihr sitzend, bemerkte ich den angewiderten Gesichtsausdruck, als sie einen Schlick nahm. Sie war und blieb einfach ein Banause, immerhin war das ein Qualitätswein und kein billiges Gesöff aus der suburba, zudem war ihr Wein verdünnt und schmeckte nach kaum mehr als Traubensaft. Ich zog eine Braue hoch, behielt meine Gedanken aber für mich. Die geäußerten Worte hinterließen bei mir ein angenehmes Gefühl der Erleichterung, ohne dass ich sagen konnte, warum genau es mich freute, dass noch keine sponsalia geplant war. Während sie jedoch weitersprach, musterte ich sie zweifelnd. Ich hätte es schon gemacht. Das war belustigend, äußerst sogar. Froh darüber, dass ich mich schon zuvor gesetzt hatte und es nicht an diesem unmöglichen Punkt nachholen musste, seufzte ich leise. Ihre neuen Schwestern konnten ihr also nicht das erklären, was sie wissen wollte. Na prima, also kam sie zu mir.
Plötzlich funkelte der Trotz in ihren Augen und war auch in ihrer Stimme eindeutig als solcher zu identifizieren, als sie auf Assindius verwies. Ich sah sie an. Hatte ich das richtig vernommen? Sie wollte einen Sklaven bitten, ihr das zu erklären?
"Du musst nicht ganz bei Sinnen sein, Deandra", stellte ich empört fest. Im nächsten Moment klopfte es bereits an der Tür. Aha, Rettung nahte! Deandra sprang auf und übernahm den Besuch, was mir Zeit gab, über alles nachzudenken. Welche Worte wählte man, um ihr Sex zu erklären? Hatte ich nicht irgendwo Abbildungen, die den Beischlaf veranschaulichten? Grübelnd ging ich gedanklich die Bibliothek durch. Nein, in der aurelischen Bibliothek befand sich kein solches Werk. Da musste ich schon meine eigene Sammlung durchstöbern. Natürlich besaß ich solcherlei Kunst, immerhin hatte Mann auch hin und wieder Gelüste, derer es einer Vorlage betraf, um sie auszuleben, wenn man schon kein lupanar aufsuchen und sich mit sonstwelchen Krankheiten infizieren wollte.
Ich stellte den Weinbecher ab und ging zu einem Regal. Hier und dort zog ich ein Buch oder eine Schriftrolle hervor, warf einen kurzen Blick hinein, nickte oder steckte sie wieder fort. Deandras an ihren Sklaven gerichteten Worte hörte ich zwar, doch ihr Blick traf meinen Rücken, weil ich mit Suchen beschäftigt war. Herrje, was tat ich hier eigentlich...
Der Sklave verließ den Raum, denn ich hörte das Schlagen einer Tür, und kaum später stand meine Schwester hinter mir und verlangte nach Einzelheiten. Leicht entnervt wandte ich mich um.
"Deandra, Geduld! Was du verlangst, ist Frauensache. Setz dich dort rüber und warte einen Augenblick."
Ohne eine Antwort abzuwarten, denn ich ging einfach davon aus, dass sie den Wink mit dem Zaunpfahl verstand und meinem Wunsch folge leistete. Während ich mich umwandte und weitersuchte, murmelte ich leise und mürrisch vor mich hin.
"....sind auch nicht mehr, was sie einmal waren.....sogar der eigenen Schwester so etwas erklären....sie mir hoch anrechnen....kann einfach nicht warten, bis es soweit ist...."
Seufzend winkte ich ab. Ich konnte mir beinahe denken, was hinter der Stirn meiner Schwester nun vorgehen mochte, wollte aber lieber nicht näher auf das Thema eingehen. Seitdem ich ihr die Sache mit Aquilius verraten hatte, dachte sie bestimmt nur noch daran, dass ich ein frauenverachtender Lüstling war, der irgendwann einmal ihr kleiner Bruder gewesen war. Mit den Augen folgte ich ihren Bewegungen zum Bett hin - warum setzte sie sich aufs Bett, wo doch genug freie Stühle herumstanden? - und seufzter erneut, diesmal vernehmbar.
"Ja, salve Deandra, ich begrüße dich auch..." murmelte ich, erhob mich und trottete dann zum Tisch herüber, auf dem Getränke standen. Ich schenkte ihr und mir einen Becher verdünnten Wein ein, während sie erzählte. Worte rauschten an mir vorbei. Sehnsucht, Hochzeit, Abend, Erfahrung, Kind. Kind? Entsetzt stellte ich den krug ab und fuhr herum. Das kam davon, wenn man nur halbherzig zuhörte.
'Ein Kind?' wollte ich sie schon vollkommen perplex fragen. Dann sickerten ihre Worte langsam in mein Gedächtnis zurück. Was Mann und Frau am Abend tun. Ich stellte die Kanne weg und griff nach einem frischen Becher, den ich nun mit reinem Wein füllte. Herrje, was war nur in sie gefahren, dass sie ausgerechnet mich danach fragen musste! Schweigend wandte ich mich um, ging zum Bett und drückte ihr den gemischten Wein in die Hand, ich selbst blieb stehen und trank einen tiefen Schluck des puren Rebensaftes.
"Mir ist bisher keine Einladung zu einer sponsalia zugetragen worden. Gibt es da etwas, das ich wissen müsste?" fragte ich sie kühl, ja beinahe eifersüchtig, von oben herab, denn noch stand ich ja schräg vor ihr.
"Und wie kommst du überhaupt auf die Idee, gerade mich zu fragen? Ich meine, du hast zwei neue Schwestern, nicht? Die könnten dir das ganz bestimmt viel besser erklären als ich es vermag."
Ohne Zweifel, ich wollte mich drücken. Dann kam der letzte Satz. Ich musste mich setzen. Ich suchte schon die Spione der Prätorianer. Wer wusste schon, was in der nächsten acta dann über den unwissenden Aurelier stand, der sich weigerte, seiner ehemaligen Schwester den Beischlaf zu erklären...
Gerade setzte ich meine Unterschrift unter einen Brief, den ich sorgfältig auf einem Bogen Pergament verfasst hatte, da wurden vor der Tür Schritte laut. Ich machte mich auf ein hektisches Klopfen gefasst, aber ehe ich die Feder absetzen und den stürmischen Besucher hereinbitten konnte, kam auch schon meine, ach halt, das war sie ja nicht mehr, in den Raum hineingewirbelt und schien vollkommen aufgelöst. Leider brachte dies meine Hand dazu, einen unangebrachten Schlenker zu machen, der meine Unterschrift und damit auch den kompletten Brief zunichte machte. Ich seufzte, legte die Feder ordentlich und absichtlich langsam weg, nahm dann den verschwendeten Bogen Papier und schüttelte den Kopf. Kritisch beäugte ich meine Schwester, die rasch atmend, vermutlich der Stufen wegen, im Raum stand, die Klinke noch in der Hand.
"Wie du weißt, freue ich mich ja immer um deinen Besuch, Deandra. Aber ganz so stürmisch solltest du nicht hereinplatzen. Diesmal war es nur ein Brief, den ich mir nun schenken kann, wer weiß, wie du mich nächste Mal hier im Zimmer vorfindest, wenn du derart fix bist."
Ein ernster Blick traf Deandra, doch sie wusste, dass die Worte nur der Fassade wegen gesprochen waren, so hoffte ich es zumindest. Theatralisch seufzend sah ich Deandra nun an.
"Also was gibt es? Ein Verehrer, den ich in die Schranken weisen müsste? Jemand, der dir keinen Respekt zollt? Oder ist es einfach die Sehnsucht nach mir, die dich hierher geweht hat, kleiner Wirbelwind?"
Als der Imperator den Saal beetrat, verbeugte ich mich, wie es sich meines Erachtens gehörte. Positiv überrascht, nahm ich die freundliche Begrüßung des Kaisers auf (wer hatte mir damals von einem griesgrämigen Mann erzählt? Ich wusste es nicht mehr) und erwiderte sogleich:
"Ave, geschätzter Imperator Caesar Augustus. Italia blüht und gedeiht, auch wenn es Winter sein mag."
Gar nicht so schlecht für den Anfang, dachte, nein, hoffte ich. Was nun? Am besten trug ich gleich man Anliegen vor, oder sollte ich damit warten, bis der Kaiser mich aufforderte? Andererseits sollte er nicht darum bitten müssen. Herrje, ich war nervös wie ein Schuljunge, überspielte es aber. Zumindest einigermaßen, hoffte ich.
"Ich danke dir, dass du dir Zeit für mein Anliegen genommen hast, das im Grunde das Anliegen der curia ist, denn als ihr Vertreter bin ich hier. Mein Kaiser, bei der Wahl zur Nachfolge des amtierenden comes gab es ein Patt. Das lex de administratione Italiae sieht vor, dass du in diesem Fall einen neuen comes bestimmst."
Hoch aufgerichtet wartete ich auf das Eintreffen des Kaisers. Zugegebenermaßen hatte ich leicht feuchte Finger, denn es war das erste Mal, dass ich ihm selbst gegenüberstehen würde. Den Imperator bei Wagenrennen und öffentlichen Festen zu sehen, war etwas gänzlich anderes, als ihn selbst zu treffen und ihn wohlmöglich mit einem Thema zu belästigen, das ihm vielleicht nichtig vorkam.
ZitatOriginal von Lucius Aelius Quarto
“Gut, dann bitte ich dich, mir in die Aula Regia zu folgen.“
Aelius Quarto stand auf, um seinen Besucher ebendort hin zu führen.
Auch ich erhob mich, sprach ein "Hab Dank." und folgte dem ehrenwerten Senator in die Aula Regia.