Das war natürlich eine gute Frage. Was würde ich tun, wenn sie unfreundlich zu Deandra waren? Ich überlegte eine Weile hin und her und entschloss mich schlussendlich dazu, eine Antwort zu geben, über die man schmunzeln musste.
"Ich würde an der porta klopfen und mich bei Claudius Vesuvianus beschweren wollen, immerhin ist er der pater gentis. Wer wird eigentlich dein neuer Vater sein?"
Fragend blickte ich Deandra an, als sie den Umstand mit der gens maior erwähnte. In der Tat, das würde ein Problem darstellen können. Ich dachte nach.
"Naja, eine Bestechung würde vermutlich nicht den gewünschten Effekt bringen, sondern sie vermutlich noch mehr aufstacheln", erwähnte ich, während ich hinter ihrem Rücken eine meine Worte begleitende Geste machte, bei der mir auffiel, dass sie die gar nicht sehen konnte. Also ließ ich sie los und legte meine Stirn an ihre, lächelnd, weil ich ihr Mut machen wollte. Doch das Lächeln schwand recht schnell, als sie mir diese vermaledeite Frage stellte, so völlig aus dem Zusammenhang gerissen, so vollkommen unerwartet, dass sich mein Gesicht im ersten Moment in eine versteinerte Maske verwandelte, auf der noch die letzten Züge eines Lächelns eingemeißelt waren. Das vermeintlich schlimmste aber an dieser Frage war, dass ich über sie nachdenken musste und mir schnell klar wurde, dass das Verhältnis zwischen Deandra und mir schon immer etwas besonderes hatte und noch immer besonders war.
"Es gab niemanden, der mein Herz je so berührt hätte wie du es tust. Und deswegen wird unser Verhältnis auch immer etwas besonderes bleiben, ob du nun eine Aurelia bist oder eine Claudia", sagte ich, in der festen Annahme, dass es das war, was sie hören wollte. Natürlich hatte es die ein oder andere Liebelei gegeben, aber etwas wirklich ernstes war nie dabei gewesen, zumindest nicht für mich. Ich dachte kurz an Flavia Arrecina, aber auch das war nur flüchtig gewesen, auch wenn es beinahe in etwas anderes ausgeartet wäre.
Ich sah Deandra in die Augen und sinnierte über ihre zweite Frage nach. So behandelt wie sie...warum fragte sie so etwas? Mir fiel auf, dass ich eine Spur zu dicht bei ihr saß. Augenblicklich rutschte ich etwas zurück, vermutlich war das der die Frage auslösende Auslöser gewesen.
"Wie meinst du das, so behandelt wie dich?" fragte ich sie trotzdem, vielleicht etwas tumb, aber einen Reim konnte ich ich mir auf ihre Frage nicht machen.