Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Mit rotem Gesicht und einem Sklaven im Schlepptau, der Wachstafeln mit Abschriften der neuesten acta trug, rauschte ich in den Sitzungssaal. Ich verplemperte keine Zeit, sondern nickte einigen neuer Kollegen nur kurz zu und riss dem Sklaven dann mit einer energischen Geste eine bestimmte Wachstafel aus der Hand.


    "Verehrte sodales", hob ich an und hielt die Tafel in die Höhe.
    "Dies ist die Abschrift der letzten acta diurna. Gesetzt den Fall, dass es einige von euch noch nicht gelesen haben: Wir scheinen eine undichte Stelle zu haben! Ich zitiere:


    'In aufbrausenden Rededuellen debattierte die Curia über die Vorzüge und Qualitäten der Kandidaten sowie ihre Nachteile und dazu auch noch Verfahrensfragen. Gerade, als sich der Wind etwas legen konnte, überraschte Marcus Aelius Callidus mit der Ankündigung, nun doch erneut als Comes anzutreten und fachte die Diskussion wieder an. Es darf gespannt erwartet werden, wer im Auge des Sturms als Letzter stehen bleiben wird.'


    Nun ist die Frage: Wer gibt diese Informationen an die Öffentlichkeit weiter? Es muss doch niemand daran erinnert werden, dass all das, was hier gesagt wird, in erster Linie die sodales betrifft, bis die besprochenen Dinge und Sachlagen spruchreif sind, oder etwa doch? Ich frage euch ganz salopp, verehrte sodales, was geht es die Öffentlichkeit an, wie hier debattiert wird, wer als candidatus genannt ist und was dessen Vor- und Nachzüge sind? Ich muss mich schon sehr wundern, so etwas in der acta zu lesen. Als ob wir derzeit nicht schon genug Probleme zu bewältigen haben, nein, wir müssen uns nun auch noch vor der Öffentlichkeit rechtfertigen, denn danach schreit dieser Artikel förmlich! Gibt es Meinungen hierzu?"


    Ich sah mich im Saal um, meinen Ärger unterdrückend, auch wenn meine Stimme laut wie die des Mars persönlich gewesen sein musste.

    Ich, Marcus Aurelius Corvinus, derzeit duumvir dieser schönen Stadt,
    gebe hiermit meine Kandidatur zum Amte des


    DUUMVIR


    der Stadt Mantua bekannt.


    Interessierten werde ich gern in meinem Officium für Fragen bereitstehen und mich im Falle einer erfolgreichen Wahl mit Leib und Seele für das Volk Mantuas einsetzen, wie ich es in dieser Amtszeit bereits tat.

    Ich seufzte.
    "Nun ja, die legio scheint sehr, hm, gewissenhaft vorzugehen...." sprach ich mit besonderer Betonung auf dem Worte 'gewissenhaft'. Durus würde sicherlich verstehen, was ich damit meinte.
    "Dennoch hoffe ich, dass sie den Bau bis zum Jahresende abgeschlossen haben werden."

    Wie zum Henker kam Durus von Wahlen auf Feiern? Ich blinzelte einen Moment verwirrt und schüttelte dann den Kopf.
    "Nein, sofern du die dies festati nicht berücksichtigst, heißt das. Anderenfalls gäbe es sicher das ein oder andere Fest, ausgehend vom cultus deorum. Aber ansonsten nichts. Park und Theater werden wohl nicht rechtzeitig fertiggestellt werden."

    Samiras Missmut entging mir nicht, aber um ehrlich zu sein, kümmerte er mich nicht im Geringsten. Ich kratzte mich nachdenklich am Kopf und gab leise dann die Anzahl Tage zur Antwort, die ich mich auf der Heimreise befunden hatte. Ich schüttelte gedankenverloren den Kopf.


    "Sie klagte über leichte Kopfschmerzen, Cicero. Du weißt doch, dass Frauen manchmal welche haben. Wenn ich gewusst hätte, dass ihr etwas zustößt...ich wäre doch in Mogontiacum geblieben!" jammerte ich.
    Ganz bestimmt war ihr etwas zugestoßen. Es konnte ja gar nichts anderes sein.

    Ein Bote erreichte die Villa Aurelia.


    Vorladung


    MARCUS AURELIUS CORVINUS VICARIUS PRINCIPIS CURIAE CREATUS
    TITO AURELIO CICERONI QUAESTORIS S. D.


    Da in der curia dein Name während der Besprechung eines geeigneten Nachfolgers für das ehrenwerte Amt des comes der regio Italia fiel, lade ich dich hiermit vor, auf dass du vor der curia zum Thema befragt werden und gegebenenfalls deine Kandidatur bekannt geben kannst.


    Erscheine bitte, sobald es dir möglich ist.

    M. Aurelius Corvinus




    VICARIUS PRINCIPIS CURIAE


    Nachdem sich niemand sonst gemeldet hatte um Einspruch zu erheben gegen die Ladung des Aurelius Cicero, erhob ich mich.
    "Nun denn, Aurelius Cicero wird geladen und das Thema wird auf einen geeigneten Termin vertagt werden, per decretum curiae."
    Ich erhob mich nun und verließ den aal, um meinem Onkel eine offizielle Ladung zukommen zu lassen.

    Ich lachte kurz und musste ebenfalls an Deandra denken. Ja, sie war eigenwillig, aber so war sie schon immer gewesen, eigenwillig und charmant. Eine äußerst erfrischende Konstellation. Ich schmunzelte und vernahm Ciceros Worte dann ernst und lächelte ihn dankbar an. In solchen Situationen wusste ich nie, was ich erwidern sollte, so schwieg ich und schloss Cicero noch mehr in mein Herz als er es ohnehin schon war. Anschließend nickte ich.


    "Nun ja, als ich deinen Namen mit ins Spiel warf, hörte ich nur positive Stimmen. Allerdings waren einige der Meinung, dir könnte die einstweilige Doppelbesetzung als quaestor und comes zu schaffen machen, sollte unser ehrenwerter Imperator zustimmen, dich zum comes zu machen. Einzig Claudius Vesuvianus ist derzeit der gleichen Meinung wie ich, nämlich dass du das sehr wohl meistern kannst...."
    Ich grinste schelmisch und fügte hinzu: "...in deinem Alter."

    Ich sah fragend in die Runde.
    "Nun....wenn niemand sich dagegen ausspricht, werde ich Aurelius Cicero nächstmöglich vorladen, damit er hier vor den ehrenwerten sodales der curia zum Thema befragt werden kann", sprach ich.


    Sim-Off:

    Ich warte noch bis zum 22.10., 15h auf Gegenstimmen, danach lade ich einfach 8) :P

    Mit kritischem Blick musterte ich Cicero. Während er sprach, hellten sich meine ernsten Züge auf und schließlich lächelte ich hoch erfreut. Das war es, was ich hören wollte, das war der Aurelier, den ich kannte, mein Onkel Cicero, der schon Mantua nach bestem Wissen und Gewissen geleitet hatte und der nun das Amt des quaestor so gut ausfüllte, wie es ihm nur möglich war. Nun war ich es, das meinem Onkel die Hand auf die Schulter legte und ein paarmal klopfte.


    "Auch wenn es dir vielleicht unangemessen scheint, ich hegte für einen kurzen Moment Zweifel an deinen Absichten, Onkel. Dennoch kann ich zurecht sagen, dass ich stolz darauf bin, dein Neffe zu sein. Du bist ein stattlicher, aufrechter Mann, auf den ich Stolz bin und zu dem ich aufsehen kann."


    Seine Worte über mich ließen mich schmunzeln, ich verschränkte die Arme hinter meinem Rücken und ging wieder neben Cicero entlang. Er wählte seine Worte weise und drückte sich geflegt aus. Stetst hatte ich, wenn ich mit ihm zusammen war, das Gefühl, dass ich noch sehr viel zu lernen hatte.


    "Dann werde ich der Curie vorschlagen, dich vorzuladen, damit du deine Kandidatur bekannt geben kannst", sprach ich.
    "Ah, erzähle mir doch bitte auch von den Rennen, die du planst."

    Zitat

    Original von Publius Decimus LucidusWir haben mitgelesen, wir haben mitdiskutiert, wir haben unsere Schlüsse daraus gezogen, wir haben intern diskutiert, wir haben uns über mögliche Pläne und Szenarien beraten und wir haben uns irgendwann entschieden. "Wir" sind übrigens nicht nur 6 SL, sondern insgesamt 13 Leute die das SL-Team bilden, die über lange Zeit immer wieder mit diesem Thema konfrontiert wurden.


    Dann schreibe doch hier stellvertretend für die SL, dass diese Diskussion so keine Früchte tragen wird. Damit wäre dann alles gegessen und man könnte sich wieder auf das Wesentliche beziehen, namely das Spiel an sich - ohne Frauen im CH, wie es sich gehört, wenn man sich der Historizität annähern möchte.

    Ich trank noch einen Schluck, ehe ich Ciceros Aufforderung nachkam und mit ihm einige Schritte ging. Verwirrt sah ich ihn von der Seite an, denn er schien keinen Einwand dagegen zu haben, dass die Iulierin (die in der Tat intelligent und attraktiv war) zum comes kandidierte.


    "Aber ihr Bestreben, comes zu werden, ist nicht gerechtfertigt, Onkel", vollendete ich seinen angebrochenen Satz daher.
    "Sie mag gescheit und ansehnlich sein, aber dennoch ist sie eine Frau. Eine Frau, die eine mit mir gleichwertige Erfahrung vorweisen kann, was die Ausführung der Verwaltungsämter betrifft. Onkel, die curia sucht jetzt nach einem Nachfolger für den Aelier. Nutze deine Chance, vertage sie nicht auf später. Es ist Not am Mann."


    Ich blieb stehen und sah ihn eindringlich an. Die Idee der Rennen in Mantua interessierte mich durchaus sehr, aber das Gespräch bezüglich des Amt des comes war nicht aufzuschieben. Ich wollte hier und jetzt eine Antwort und hoffte natürlich, dass sie positiv ausfallen würde - nicht nur, damit ich vor der Curie nicht das Gesicht verlor, sondern auch, damit eine Frau nicht comes wurde.

    Ich machte nur eine unwillige Geste. Während Samira uns also den Wein kredenzte, rasten die Gedanken in meinem Kopf nur so dahin. Hatte ich sie gar so sehr verschreckt mit dem Beginn meines Geständnisses? Schreckensbleich sah ich Cicero an. Nein, das konnte nicht sein, immerhin hatte ich kaum etwas gesagt. Kurz blitzte das Lächeln Aquilius' wieder in meinen Gedanken auf, ehe das Bild Deandras folgte.


    "Sie sagte bei der Abreise, dass es ihr nicht so gut ginge und ich schon vorreisen sollte. Hätte ich doch nur gewusst, dass sie....", murmelte ich und barg mein Gesicht in den Händen.
    Wein. Ich brauchte jetzt guten Wein. Dankbar griff ich nach dem Becher und leerte ihn fast in einem Zug. Ich war so gesehen Schuld daran, wenn Deandra nun etwas passierte. Was, wenn sie hinterrücks von Germanen ermordet in einem Graben lag, wo Krähen nach ihren Augen pickten? Oder was, wenn sie entführt und gefangen genommen worden war von den Barbaren des Nordens? Mir wurde schlagartig übel. Ich leerte den Becher und hielt ihn Samira gleich wieder hin. Mochte mich Cicero in diesem Moment auch für einen einen Trinker halten, ich brauchte das jetzt. Ich liebte meine Schwester. Ein Leben ohne sie war für mich undenkbar.

    Meine Hoffnung auf eine positive Antwort erstarb schon, als ich härte, wie mein Onkel das sonst vertraute 'Neffe' aussprach. Die folgenden Worte ließen meine Mundwinkel jedoch noch weiter nach unten fallen und was ich hörte, führte dazu, dass ich eine Hand hob und mir unwirsch über das Gesicht fuhr. Ich lehnte mich schwer an eine Säule, legte den Kopf in den Nacken und seufzte mit geschlossenen Augen. Hier war sie nicht, Cicero wusste auch nicht mehr als ich selbst. Wieder fuhr ich mir durch Haar, dann trug ich Samira, die uns gerade verlassen wollte, mit barschen Worten auf:


    "Bring uns Wein. Ins tablinum."


    Meinem Onkel nickte ich zu, dann ging ich vor ihm her in den genannten Raum. Dort ließ ich mich achtlos auf eine cline fallen.


    "Deandra wollte noch bleiben, also ließ ich sie zurück. Du weißt, die Geschäfte in Mantua... Und jetzt? Sie müsste längst wieder zurück sein. Ich hatte gehofft, in Rom weiß man mehr. Ich mache mir große Sorgen, Onkel. Was, wenn ihr nun etwas passiert ist?"

    Ich grinste breit und erhob mich.
    "Ja... Naja. Wir wollen hoffen, dass die Baustelle bald abgeschlossen werden kann. Ich werde demnächst öfter in dem zukünftigen Park vorbeisehen und die Arbeiten dort überwachen. Aber ich gebe dir vorher Bescheid, wenn ich außerhalb der Curie sein sollte. Ich bin dann jetzt in meinem officium."
    Albinus ernetete noch ein Lächeln, dann verließ ich ihn.

    Ich enthalte mich komplett der Diskussion mit meiner eigenen Meinung über den Entscheid, möchte allerdings erwähnen, dass die Art, wie es bekannt gemacht wurde, mich selbst auch aufregen würde, wenn ich eine weibliche ID hätte, für die ich den Weg des CH geplant hätte.


    Die Frage ist allerdings nicht nur "Wie hätte man es anders bekannt machen sollen?", sondern auch "Wann hätte es bekannt gemacht werden sollen?".
    Ich denke, eine Diskussion zu letzterem ist müßig, denn es gibt keinen "richtigen" Zeitpunkt. Zwei Monate in der Zukunft wären sicherlich für einige ebenso unpassend gewesen wie der jetzige Zeitpunkt oder auch einer, der schon zurück liegt. Die Frage allerdings, wie man etwas hätte bekannt geben können und auch sollen, kann ich selbst auch nicht beantworten, ebensowenig wie die Frage, wie man sich in zufriedenstellendem Einverständnis einigen könnte für diejenigen, die es gerade betrifft. Vielleicht kommen hierzu von den Betroffenen Vorschläge. :)


    Das ist eine heikle Sache, aber ich bitte doch alle, sachlich zu bleiben. Anfeindungen helfen bekanntlicherweise niemandem etwas und führen in dieser Diskussion auch nicht weiter.


    Abschließend möchte ich einfach mal eine Frage in den Raum stellen, die die Spielleitung betrifft:
    Gibt es denn überhaupt noch eine Möglichkeit, den SL-Entscheid umzukehren oder zu beeinflussen - oder ist das bereits eine unumstößliche, feststehende Sache?


    Wenn man die Antwort auf diese Frage kennt, dann kennt man auch die Antwort auf die Frage, ob diese Diskussion zu etwas führen wird oder nicht. :)


    Corvinus

    Mein Kopf ruckte herum und mein Blick taxierte Samira. Die spöttische Bemerkung ließ ich ihr gerade noch mal so durchgehen, ich hätte allerdings gut Lust gehabt, sie hier und jetzt zu sanktionieren.


    "Samira!" donnerte ich.
    "Wenn ich in Rom bin, dann will ich mir nicht deine vorlauten Äußerungen anhören, sondern...."


    In diesem Moment kam Onkel Cicero. Alledings besserte das meine Laune nicht im Geringsten. Zuerst schien er aufgebracht, dann verwirrt. Und schließlich fragte er mich nach meiner Aufmachung, was ihm einen verständlos-mürrischen Blick meinerseits einbrachte. Samira ließ ich einfach stehen, ich hatte jetzt einfach keine Muße, mich mit ihr zu beschäftigen.


    "Onkel! Sag mir, dass Deandra hier ist oder du etwas von ihr gehört hast! Das hast du doch, oder?" verlangte ich zu wissen.

    Ehe sich meine Amtszeit dem Ende neigte, wollte ich auch die Tempel Mantuas besichtigen. Man hörte hier selten Klagen vom ansässigen cultus deorum, doch man hörte auch keine positive Rückmeldung, was die Opferbereitschaft der Bürger oder die Zustände der Tempelgebäude anging. Also wollte ich mich selbst davon überzeugen, dass alles in Ordnung war. So betrat ich das capitolinium, in eine eher zweckmäßige toga gehüllt, und suchte nach demjenigen, der für diesen Tempel zuständig war und mir würde weiterhelfen können.

    Während ich den Sklaven recht ungeduldig dabei zusah, wie sie die Utensilien zusammenschraubten und die Ausrüstung aufbauten, schob sich die leuchtende Himmelsscheibe noch ein weiteres Stückchen am Himmel empor. Ich fragte mich, ob man wohl regen Gebrauch von diesem Park machen würde, wenn er denn ersteinmal fertig war, aber das konnte man nicht vorhersagen oder wissen, sondern nur hoffen.


    Kurze Zeit später legte ich selbst Hand an, als es ans Vermessen ging. Wir verbrachten ganze zwei Stunden damit, das Gelände zu vermessen. Zwei Stunden, die mir beinahe den letzten Nerv raubten. Camryn dachte wahrscheinlich, sie sei für diese Arbeit sowieso nicht zu gebrauchen und stellte sich dementsprechend dumm an, sodass ich sie nach einer knappen Stunde mit Zornesröte im Gesicht zur Ordnung rief. Danach ging es glücklicherweise etwas besser und wir kamen schneller mit der Arbeit voran. Besonders Marcus stellte sich als mathematisch begabter Sklave heraus und ich nahm mir vor, das bei der nächsten Aktion dieser Art zu berücksichtigen.


    Gute zwei Stunden später also hatten wir zwei tabulae mit Maßen und Längenangaben gefüllt. Die Sklaven räumten alles wieder zusammen und packten es ein, während ich einen letzten Blick auf 'mein' Projekt warf. Kurze Zeit spöter zogen wir von dannen. Die Sklaven schickte ich zurück in die villa, während ich selbst meine Schritte der curia entgegen lenkte.