Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Im Grunde war es mir gleich, wer von den scribae, die dieser Tage um mich herumwuselten, diese Briefe aufsetzen und dafür sorgen würde, dass sie auch möglichst rasch ankamen. Ich ließ einfach nach dem erstbesten Schicken.


    "Salve... Ich habe hier ein Schreiben, das bitte noch einmal kopiert werden müsste. Der Name der zweiten Empfängerin lautet Iunia Serrana. Sie wird ihren Einsatzort auf dem Nervaforum finden, im Minervatempel dort. Das ist also entsprechend zu ändern. Sonst bleibt der Text identisch. Ah, und beide benötigen eine Abschrift der Urkunde, die inzwischen hoffentlich aushängt..." Ich blickte auf und sah überhaupt jetzt erst, wer vor mir stand.
    Es war Pyrrus, der seine Arbeit wie gewohnt zügig erledigte.


    Sim-Off:

    edit: Na, wenn keiner möchte... ;)



    Ad
    Germanica Calvena
    casa Germanica in Roma



    M. Aurelius Corvinus Germanicae Calvenae s.d.


    Du wirst hiermit über deine erfolgte Ernennung zur aeditua in Kenntnis gesetzt, deine Ernennungsurkunde hängt diesem Dokument an.


    Der Tempel der Iuno Moneta wird vorerst dein Haupteinsatzgebiet sein, doch scheue nicht davor zurück, Germanica, auch in anderen Tempeln auszuhelfen, so dies erforderlich sein wird. Eine Koordination der aeditui untereinander ist diesbezüglich ausdrücklich erwünscht. Das collegium pontificium wird nur im Schlichtungsfalle entsprechend eingreifen und leiten. Sollte es diesbezüglich zu unklärbaren Gegebenheiten kommen, so wende dich bitte jederzeit vertrauensvoll an meine Person. Ich werde das Anliegen dann weiterleiten.


    Eine baldestmögliche Aufnahme der Arbeit deinerseits ist gewünscht.


    Mögen die Unsterblichen dich behüten.


    Für den cultus deorum
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    - senator et pontifex -




    ROMA, ANTE DIEM XIII KAL MAR DCCCLX A.U.C. (17.2.2010/107 n.Chr.)


    Ich lächelte nachsichtig ob ihrer Freude, dachte mir jedoch gleichsam, dass Ro gute Priester, die angemessen leiten und lehren konnte, immer gebrauchen konnte. Bei ihrer Erklärung nickte ich - da würde ich also auch bei der folgenden Opferung keiner Eingeweideschau durch den Prüfling beiwohnen. Nun, so wusste ich immerhin, was mir bevorstand. Anschließend musste ich schmunzeln. Zu dem Wein sagte ich nichts sons, denn ihre rötlich verfärbten Wangen waren schon genug. Ich war mir sicher, dass sie beim nächsten Mal anders handeln würde, das würde sie die Scham, die sie jetzt empfand, dann gelehrt haben.


    "Das höre ich gern", bemerkte ich auf ihre Äußerung hin, dass ihr im Grunde die Wahl des Tempels weniger wichtig war. Immerhin mussten die aeditui flexibel und überall einsetzbar sein. "Minerva also. Gut, dann werde ich versuchen, das zu berücksichtigen. Du bist dann hiermit offiziell entlassen, aeditua Iunia. Sobald deine Ernennung offiziell ist, bekommst du ein Schreiben und kannst deine Arbeit in dem Tempel aufnehmen, der dir zugewiesen werden wir." Hiermit war nun auch der offizielle Teil erledigt, und ich lächelte die Iunia offen an. "Gut gemacht. Ich hoffe, wir sehen uns einmal wieder."

    Wie mir schien, hatten die beiden Damen sich abgesprochen, denn auch Serranas Antwort hatte in etwa diesen Wortlaut gehabt. "Nun denn, damit gebe ich mich zufrieden - solange du dir auch zutraust, beim nächsten Opfer selbst den Willen der Götter zu lesen", erwiderte ich, und damit hatte sich die Sache für mich gegessen. "Ich werde deine Ernennung zur aeditua veranlassen. Gibt es einen Tempel, der deine Aufmerksamkeit dermaßen erregt hat, dass du gern in ihm dienen würdest? Ich kann dir nur versprechen, den Wunsch weiterzugeben, ob ihm entsprochen wird, kann ich allerdings nicht entscheiden." Flavius Piso indes schien recht still zu sein. Ob er überlegte, nicht doch lieber ein Tempelvorsteher geworden zu sein denn einer der Siebenmänner? Durmius hingegen lächelte selig. Für ihn waren diese beiden Schülerinnen die letzten Auszubildenden vor dem wohlverdienten Ruhestand.

    Als Celerina, die genau genommen Ursus' Tante war und nicht seine Schwägerin - immerhin war Ursus mein Neffe und nicht mein Bruder ;) - eintrat, warf ich ihr einen kurzen Blick zu. Sie sah auch nicht besser aus als ich oder einer der anderen, mit Ausnahme von Septima vielleicht. Ich winkte müde ab. "Der ganzen Stress um die Hochzeit", erklärte ich ihr und hielt ihr dann meinen halb geleerten Becher mit dem heißen Weidenrindensud hin. Man konnte riechen, was drin war, und vielleicht konnte sie ein Mittelchen gegen einen dröhnenden Schädel genauso gut gebrauchen wie ich selbst.


    Ich wartete, bis Celerina sich gesetzt hatte. "Brix hat erzählt, dass es irgendwer nicht rechtzeitig zur Latrine geschafft hat. Ich fürchte, der Kübel mit dem Oleanderbusch hat darunter gelitten. Ansonsten kann ich leider nicht viel berichten. So genau habe ich nicht wahrgenommen, ob und was noch passiert ist." "Ein paar Soldaten haben versucht, mit dem Wandteppich aus dem tablinum ein Floß zu bauen um im impluvium zu angeln!" wusste Sofia da allerdings kichernd zu berichten. Ich sah sie an, dann Ursus und seufzte. "In Ordnung, am besten wendest du dich direkt an Sofia, wie mir scheint", bemerkte ich recht locker mit einer auffordernden Handbewegung. Ich fragte mich nur, ob das der Teppich war, den Prisca mir mitgebracht hatte. Sofia stellte den Brotkorb ab, den sie getragen hatte, und einen Krug Milch. Dann wandte sie sich wieder zum Gehen.

    Aha? Ich maß Celerina mit einem erneuten Blick, diesmal fragender, dann verabschiedete ich mich von der Priesterin und dankte ihr noch einmal. Celerina führte ich anschließend aus der Grotte heraus. Während wir sie verließen, fragte ich mich, ob sie auch darüber nachdachte, was die einzelnen Elemente dieser kuriosen Weissagung wohl zu bedeuten hatten. Im Gehen klappte ich die Tafel noch einmal auf und las den Teil, den ich in meinem Schrecken verpasst hatte. Ein Schiff ohne Segel? Ich runzelte die Stirn, las den Rest auch noch einmal und klappte die Tafel dann wieder zu. War damit eine Ehe ohne Liebe gemeint? Ich biss mir grübelnd auf die Unterlippe. Alles Humbug! Vielleicht hatte ich Glück und Celerina würde eine Ewigkeit darüber nachdenken und mir damit etwas Ruhe gönnen.


    Draußen blendete die Sonne uns kurz. Ein strahlend blauer Himmel empfing uns, Möwen kreischten in der Ferne und stritten sich um etwas, das am Boden lag. "Ein seltsamer Orakelspruch", sagte ich zu Celerina, um überhaupt etwas dazu zu sagen. Nicht dass sie mir wieder mangelndes Interesse vorwerfen konnte. "Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber ich bin nicht viel schlauer als zuvor." Ich zuckte mit den Schultern. "Also - Puteoli?"

    Dass die Priesterin auf dem Rückmarsch war, hatte ich nicht bemerkt, so vertieft war ich in das Gespräch - oder eher die Verhandlung - mit Celerina gewesen. Erst als die leisen Fußtritte des Mädchens zu hören waren, wandte ich den Kopf. Celerina blieb mir die Antwort auf die Einkaufsfrage erst einmal schuldig, denn nun war die Priesterin mit unserem Orakelspruch da. Ich erhob mich und zog kurzerhand Celerina an einer Hand mit auf. Da begann das Mädchen auch schon, unseren Spruch zu verlesen, während wir Hand in Hand dastanden.


    Als sie die erste Zeile vollendet hatte, schnürte sich mir schon die Kehle zu. Aus drei werden fünf. Ich wusste, was das hieß. Ich hoffte nur, dass Celerina es nicht ahnte. Drei... Celerina, Siv und ich. Und fünf... Diese Zahl stand für die Kinder, welche beide jeweils bekommen würden, anders ergab es keinen Sinn! Da ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts von Chimerion wusste, erschien mir diese Interpretation als die einzig logische. Aber Celerina wusste ebensowenig, und deswegen konnte sie nicht ahnen, was das bedeutete, zumindest in bezg auf Siv. Vielleicht dachte sie dabei an Chimerion, was wiederum ich nicht ahnte.


    Ich setzte mit dem Aufpassen erst irgendwo im zweiten Vers des Orakelspruchs wieder ein. Das Kind hinter dem Spiegel, das manchmal nur der Wind ist? Was sollte denn das beeduten? Auch der Rest ergab nur wenig Sinn für mich, bis auf die Sache mit der stumpfen Klinge, dem Löffel und dem Messer. Manchmal fühlte ich mich selbst wie eine stumpfe Klinge, allerdings nur in Celerinas Nähe. Ich wusste, dass ich versuchte, ihr alles recht zu machen. War das damit gemeint? Den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen? Und die Sache mit den Trauben... Damit waren ganz bestimmt Erben gemeint. Das stimmte dann also auch, denn was war ein Mann schon ohne einen Erben?


    Am Ende des Orakelspruchs hatte ich die Lippen aufeinander gepresst und riskierte einen kurzen Blick zu Celerina, um zu sehen, ob ich erahnen konnte, was in ihr vorging. Dann hallte das Geräusch des Tafelzuklappens durch das Gewölbe, und als die Priesterin mir die tabula hinhielt, nahm ich sie automatisch entgegen. "Ja. Vielen Dank", sagte ich. Irgendwie fühlte ich mich seltsam.

    Ich war doch tatsächlich eingenickt. Anders erklärte sich nicht, wie plötzlich die zwei Frischvermählten aufgetaucht waren, und obendrein noch Narcissa. oder war es Flora? Ich ächzte, als ich mich ein wenig hochstemmte, fuhr mir dann mit einer Hand übers Gesicht und wünschte mir, wieder im Bett zu sein. "Guten Morgen, ihr zwei. Drei", erwiderte ich und bekam sogar ein Schmunzeln hin, dass ein wenig anzüglich wurde, als ich Ursus betrachtete. Sicherlich hatte er einen netten Abend verlebt. Im Grunde hatte ich das auch, allerdings nicht mit Celerina, sondern mit der ein oder anderen Amphore Wein, und das rächte sich nun. Ich fühlte mich wie eine große Glocke, in deren Inneren jeder zu laute Ton von außen den Klöppel schwang.


    Jemand reichte mir einen Tonbecher mit einer ungustiös riechenden Flüssigkeit darin an. Ich verzog das Gesicht, trank aber davon, auch wenn es mich schüttelte. Immerhin erhoffte ich mir etwas Linderung der Kopfschmerzen damit. Die anderen bekamen sehr stark verdünnten, heißen Wein angereicht, denn man sagte, dass dies das beste Mittel zum Wachwerden sei - auch wenn ich das manchmal bezweifelte. "Gestern ist gut", erwiderte ich zwischen den Schlucken und sah zu Septima hin. Irgendwie war sie die einzige bisher, die nicht nur frisch, sondern auch munter aussah. Und hinreißend obendrein. "Ich glaube, ich bin erst mit der Dämmerung ins Bett gekommen." So genau wusste ich das nämlich nicht mehr, weil ich irgendwann einfach in meine Gemächer getragen worden war. Kurz erwägte ich zu fragen, ob sie denn gut geschlafen hatte, verwarf das aber schnell wieder. Ich wollte sie nicht am ersten Tag inmitten der Familie in Verlegenheit bringen. Also wich ich auf ein unverfänglicheres Thema aus. "Heute habt ihr noch mal einen anstrengenden Tag vor euch. Ich weiß noch, wie das bei mir und Celerina war", sagte ich. "Da waren wir froh, dass wir abends umfallen konnten." Und überhaupt, wo steckte meine Frau eigentlich? Ich warf einen kurzen Blick zur Tür und konnte mich eines leisen Seufzen nicht erwehren. Septima und Ursus traten als Einheit auf. Bei Celerina und mir war das, soweit ich mich erinnern konnte, noch nie so gewesen. Nun ja, zumindest hatte es sich niemals so angefühlt.

    Viel war während der vergangenen Tage passiert. Celerina und ich waren aus dem Urlaub gekommen, die Zwillinge waren angekommen, Orest und ich hatten die Wahl gewonnen, Siv würde bald ihr Kind bekommen und gestern hatte Ursus seine Tiberia geheiratet. An den Ausklang des gestrigen Abends erinnerte ich mich nicht mehr. Irgendwer musste mich in mein Bett geschafft haben, und heute früh hatte ich mir nach dem Wecken gewünscht, weniger getrunken zu haben. Ich wusste nicht einmal mehr, mit wem ich Becher um Becher vernichtet hatte - war das tatsächlich Durus gewesen oder doch Orestes? Einige Soldaten von der Ersten waren auch anwesend gewesen. Mit dröhnendem Schädel hatte ich mich nach dem Aufstehen schließlich einigermaßen herrichten lassen. Der Tag nach der Hochzeit war noch einmal eine Pflichtveranstaltung für uns alle, aber wenigstens blieb uns noch etwas Zeit, bis wieder eine Fuhre Gäste und Glückwunschüberbringer ins Haus flatterten. Auf das Frühstück hatte ich mich gestern noch gefreut, aber das war vor dem Wein gewesen...


    Während ich mich rasieren ließ, hatte man mir eingeweichte Pfefferminzblätter auf Stirn und Schläfen gelegt. Das half ein wenig, aber die Kopfschmerzen verschwanden davon leider nicht gänzlich. Ein Sklave versprach, mir bald einen heißen Aufguss aus Weidenrinde zu bringen und verschwand, und kurz darauf verließ ich, einigermaßen frisch, mein Schlafgemach und steuerte das große triclinium an. Ganz offensichtlich war ich, abgesehen von ein paar Sklaven, der erste, was mich ein wenig ärgerte. So hätte ich noch ein wenig mehr Schlaf abbekommen können, und wenn es nur Minuten gewesen wären. Ich ließ mich seufzend auf eine der Liegen fallen, lehnte den Kopf zurück und schloss noch einmal die Augen. Um ein Haar wäre ich wieder eingeschlafen.

    Celerina wirkte immer noch skeptisch, aber wenigstens schien ich sie besänftigt zu haben. Mit einem vagen Lächeln um die Mundwinkel nickte ich ihr zufrieden zu und hoffte, dass die Sache damit gegessen war. Wenn nur die Priesterin zurück käme. Dann hätte Celerina etwas anderes, über das sie grübeln und sinnieren konnte, und würde mich in Frieden lassen. Ich wollte eigentlich nichts mehr sagen, bis wir den Orakelspruch bekommen hatten, und die kühle Abgeschiedenheit der Grotte noch etwas genießen, doch Celerina schien ein plötzliches Mitteilungsbedürfnis zu entwickeln und fragte mich schon wieder etwas. Sie verwirrte mich. Das tat sie wirklich. Eben noch war sie angesäuert, fast wütend gewesen, und jetzt fragte sie mich, was wir im Anschluss unternahmen? Sie brachte mich damit ins Schwitzen, denn so weit hatte ich noch nicht gedacht. Ich hatte gehofft, dass der Spruch der Sibylle sie vorerst beschäftigen würde. Und so schlug ich quasi in Ermangelung der Zeit zum Nachdenken mein eigenes Ende vor, um sie nicht mit meinem Schweigen oder einer stark verzögerten Antwort schon zu verärgern: "Ich dachte mir, wir fahren nach Puteoli und ich kaufe dir ein schönes Kleid. Was meinst du?" Kaum ausgesprochen, verbog ich die Mundwinkel zu einem Lächeln. Wenn sie darauf nicht ansprang, hatte ich wahrhaftig ein Problem.

    Nachdem auch der letzte Klient an diesem Morgen gegangen war, hatte ich meine toga abgelegt und sowohl Imbrex als auch Vala informieren lassen, dass ich nun Zeit zur Planung hatte und ich freuen würde, wenn sie selbiger beiwohnen würden. Ich selbst saß inzwischen mit einer dunkelblauen tunica bekleidet an dem runden Tisch in meinem officium und ging einige Dokumente durch, die vor mir auf dem Tisch neben einem Becher stark verdünntem Wein lagen. Hin und wieder fügte ich der bereit liegenden Wachstafel einen weiteren zu erledigenden Punkt hinzu oder strich einen durch, während ich wartete.


    Es war ein schöner Tag. Die Vögel zwitscherten und läuteten allmählich den Frühling ein. Im Garten konnte man schon die ersten grünen Spitzen entdecken, und alles in mir brannte darauf, das Haus heute verlassen zu können.

    Zustimmendes Gemurml erklang von einigen im Raume, andere schwiegen. Avianus machte vorerst keine Anstalten, weiterzusprechen, weshalb ich mich nun einsetzte. "Ich möchte gern die Beteiligung der Salier an der Festivität des quando rex comitiavit fas ansprechen. Vermutlich sollten wir, dem Fest vorangehend, ein paar Übungsstunden einplanen", sagte ich und sah zu Avianus hin, der nun sicher alles weitere einleiten würde.

    Die Fleischportion bei diesem Opfer war noch kleiner als die, die Durmius und ich nach dem vorangegangenen Opfer erhalten hatten, doch das war verständlich. So ein kleines Tier barg schließlich nur eine endliche Menge Fleisch, und ich hatte das Gefühl, dass hier mehr Beteiligte anwesend waren als zuvor bei Serrana. Wir mussten auch hier eine Weile warten, und vertrieben uns die Zeit mit der Plauderei über das Siebenmännerkollegium, dem ich schließlich auch einmal angehört hatte, und sprachen über das Wetter.


    Als Calvena dann vor uns stand, nickte ich ihr zu. "Meinen Glückwunsch, Germanica. Das war ein angemessenes Opfer." Durmius strahlte über sein faltiges Gesicht. "Ein wenig gewundert hat es mich allerdings, warum du die vitalia nicht selbst untersucht und die litatio verkündet hast."

    Nach der erfolgreichen Annahme des Opfers folgte eine ganze Weile, in der Durmius und ich warten mussten. Hier und dort wuselten Opferhelfer herum, bauten ab oder stellten auf, säuberten hier und schnitten dort. Der ehemalige Lehrer der Iunierin und ich unterhielten uns über größtenteils belanglose Dinge, und doch war ich letztenendes überrascht, dass Serrana so schnell wieder vor uns stand, um uns den Anteil des Fleisches zu bringen. Viel war es nicht, war es doch ein kleines Lämmchen gewesen, das heute sein Leben gegeben hatte, um der Göttin zu gefallen. Dennoch dankte Durmius artig. "Vielen Dank", schloss ich mich an. "Lasst uns ein paar Schritte gehen." Wir setzten uns in Bewegung, mein Körbchen hatte ich einem der Sklaven gegeben, die mich begleiteten. "Nun, Iunia, das war im Großen und Ganzen eine gelungene Vorstellung. Deiner Ernennung zur aeditua steht damit nichts mehr im Wege. Allerdings möchte ich dir noch auf den Weg geben, dass du auch ruhig selbst eine Eingeweidelesung vornehmen kannst. Das hat mir etwas gefehlt, muss ich gesetehen. Allerdings hat Durmius mit versichert, dass ihr die Lehren der Eingeweideschau verinnerlicht habt, du und deine Mitschülerin." Ich warf ihr einen Seitenblick zu. "Dein Wein beim Voropfer solltest du demnächst vielleicht nicht direkt auf die Kohlen gießen", fügte ich hinzu und schmunzelte.


    Beim Tempelvorplatz angekommen, blieb ich stehen und wandte mich ihr zu. "Ich werde deine Ernennung in die Wege leiten und wünsche dir für die Zukunft alles Gute. Gibt es einen Tempel, den du für deinen Dienst bevorzugen würdest? Ich kann dir nicht versprechen, dass du auch wirklich einen Platz dort erhalten wirst, doch ich kann es versuchen."

    "Es hält sich in Grenzen. Meine Arbeit beschränkt sich derzeit darauf, fertige Artikel zu prüfen und neue Schreiber zu akquirieren", erwiderte ich auf Macers Rückfrage bezüglich der Acta. Hin und wieder verfasste ich selbst natürlich auch Artikel, doch der Batzen der Verwaltungsarbeit war mein Part. Zwar standen derzeit auch eine interne Umstrukturierungen an, doch darüber reden, solange es nicht wahrhaftig spruchreif und getestet war, wollte ich nicht. Über den schnellen Themenwechsel wunderte ich mich auch eher weniger. So ließen wir uns beide einölen, und als das geschehen war, blickte ich Macer ebenso tatkräftig an wie er mich zuvor taxiert hatte.


    "Dann wollen wir doch mal sehen, wie gut sich so ein praetor im Ringkampf schlägt", bemerkte ich stichelnd und grinste ihn kurz an. Mein Sklave war inzwischen samt den Utensilien zurückgetreten und hatte es sich stehend bequem gemacht. Ich suchte mir einen guten Stand und wartete, dass Macer den Anfang machen würde. "Wirst du dich nach deiner Prätur eigentlich wieder um die Wasserangelegenheiten kümmern?" fragte ich ihn.

    Ich lächelte ein wenig schief und ließ erneut Celerina den Vortritt. "Danke", eriwderte ich schlicht und nickte ihm dankend zu. "Vielleicht bietet sich die Gelegenheit zur Zusammenarbeit", fügte ich höflich hinzu, auch wenn ich kaum glaubte, dass das der Fall sein würde. Damit war auch schon der nächste an der Reihe, ganz offensichtlich ein flavischer Klient, der sich nun regelrecht auf Piso stürzte. Ich führte Celerina ein wenig zur Seite hin, und nachdem wir noch kurz die Gelegenheit bekommen hatten, ein paar weitere Worte mit Piso zu wechseln, verabschiedeten wir uns wieder und strebten Momente später wieder der aurelischen villa zu.

    Wenn er es nur gewusst hätte? Hatte ich ihn nicht hereingebeten? Nun, es war ja auch egal, nun war ich wieder auf und setzte mich schließlich doch hin. Es war nicht so, dass ich todmüde war und mich kaum noch auf den Beinen halten konnte, insofern machte ich eine gleichmütige Handbewegung, als Avianus versprach, sich zu beeilen. "Keine Hektik."


    Ich lehnte mich bequem zurück und lauschte den Worten meines Neffen und nickte zum Zeichen, dass mir diese Tatsache natürlich ein Begriff war. Immerhin war ich selbst anwesend gewesen während dieser Senatssitzung. Dann kniff ich prüfend die Augen zusammen und überlegte, aber einen rechten Reim konnte ich mir nicht darauf machen, was Avianus nun eigentlich von mir wollte. "Macer möchte wissen, ob ich Informationen über den Personalmangel in den Provinzen habe, die er nicht hat?" wiederholte ich so, wie es mir am sinnigsten erschien, dann kratzte ich mich nachdenklich am Kinn, was von einem leisen Kratzen begleitet wurde. Immerhin war der Barbier am Morgen gekommen, und die Bartstoppeln nun schon wieder gesprossen. "Hm."

    "Ja, das halte ich für sinnvoll. Nicht nur, weil er der Bruder des Kaisers ist, sondern weil er ein angesehener Consular ist, der weitreichende Beziehungen hat. Viele Mitsenatoren betrachten ihn als ihren Patron", erwiderte ich Vala. "Wenn du ihn überzeugen kannst, hast du vermutlich mit einem Schlag viele Stimmen für euer Projekt gewonnen." Ich tat es meinem Gast gleich und nahm mir einen Hühnerflügel. Viel Fleisch war nicht daran, aber dafür war die gewürzte Haut umso krosser als es bei Hühnerbeinen der Fall war. Mit beiden Händen den Flügel haltend, begann ich, ihn abzunagen.


    "Ja, das stimmt. Eben, so besonders fand ich ihn nicht, um ehrlich zu sein. Er hatte scheinbar eine Unmenge an Handelsverträgen mit dem Königreich Tylus, konnte aber meines Wissens außer seiner Präfektur bei der Flotte nicht allzu viel vorweisen. Inzwischen ist es auch sehr still um ihn geworden. Ich glaube, er befindet sich gar nicht mehr in Rom", erwiderte ich, nachdem ich einen Bissen mit Wein heruntergespült hatte. Ein Sklave reichte sowohl Vala als auch mir in diesem Moment eine Schüssel mit warmen Wasser an, und ich tauchte die Finger kurz hinein, um sie mit einem anschließend angereichten Tuch abzutrocknen. "Nun", begann ich. "Ich könnte Hilfe benötigen, sofern ich zum aedilis curulis gewählt werde. Wenn du möchtest, könnten wir da ins Geschäft kommen." Ich schmunzelte. "Zumindest würdest du etwas anderes sehen als eine castra, obwohl es sicherlich auch nicht schlecht ist, wenn man alles einmal gesehen hat."

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    Trautwini hatte inzwischen einen Blick auf diesen Chimerion geworfen. Er wirkte nicht mehr unsicher, sondern wütend, doch das war ihm gleich. Für ihn stand der Mitsklave noch unter ihm, immerhin gehörte er nur der Frau des Hausherren und nicht selbigem selbst, wie es bei ihm der Fall war. So wandte er sich schnell wieder Celerina zu, die gerade seine doch recht neutralen Worte als Drohung aufgefasst hatte. Trautwini dachte an Prisca und wie viel einfacher es doch war, mit ihr einen Einkaufsbummel zu machen und auf sie aufzupassen. Celerina war da ein gänzlich anderes Kaliber. Da musste man ständig auf der Hut sein, dass man nichts Falsches sagte oder tat, und vor allem musste man für seinen Geschmack viel zu viel nachdenken. So auch jetzt.


    "Schrecklich, jawohl. Ich kannte auch einmal einen Sklaven, dessen Tod ich miterlebt habe. Allerdings war er nicht übereifrig, sondern wusste nur nicht, was gut für ihn war", sagte Trautwini langsam und sah dann zu Chimerion hin. "Weißt du, was gut für dich ist?"