Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Zitat

    Original von Medicus Germanicus Avarus
    Mal so gesehen ist eine richtige Zeitung ja eh net historisch. Wenn man also die Plattform der Acta eher in ein Anschlag-Board verändern würde...


    Witzig daran ist, dass wir seit gut drei Monaten genau diese Idee diskutieren. Der Ausgang dessen bleibt spannend. :D


    @ Dragonum: Unterstützung ist gern gesehen. Weiter oben hier im Thread stehen auch nähere Infos dazu. Du kannst auch als Spieler Artikel einschicken, das muss nicht über eine ID laufen.

    Wie gerufen traten Arvinia und Laevina auf den Plan. Ich musste schmunzeln - sie hatten doch nicht etwa gelauscht?
    ”Laevina, es wird dich sicher freuen, dass wir zu einer Übereinkunft gekommen sind. Du wirst bald Durus’ Frau sein”, offenbarte ich ihr und lächelte sie an. Es war eine Ehre für sie selbst wie für uns als gens, immerhin hatte Laevinas Vater ihr keinen entsprechenden Status mitgegeben, sah man von ihrer adeligen Herkunft einmal ab. ”Natürlich gibt es nun noch einige Formalitäten zu klären”, bemerkte ich und warf Durus einen Blick zu. Es war eine Sache der beiden, sich darüber zu unterhalten, ich würde ihrer Entscheidung nicht im Wege stehen. Wenn mein Mündel eine Feier wollte, wurde gefeiert, wenn nicht, dann nicht. Nun gut, vielleicht im kleinen Kreis.

    Ein wenig später als geplant fand ich mich am Ort des Geschehens ein. Celerina hatte wieder einmal eine halbe Ewigkeit im Bad benötigt, und schließlich war es mir zu bunt geworden und ich hatte mich allein auf den Weg gemacht. Sollte sie nachkommen, wenn sie soweit war.


    Bereits von weitem entdeckte ich Durus, Gracchus und den flamen Martialis. Ich ging auf sie zu, begleitet von einigen Sklaven, und bekam eben noch den letzten Rest des Satzes mit, den Durus zur Antwort auf eine Frage gab, die ich mir denken konnte. "Salvete, die Herren. Ihr sprecht über die Einladungen? Sie gingen früh genug an die Kommendeure. Fehlen lediglich die Seemänner, wie ich sehe", stieg ich ins Gespräch ein. Zu den Meditrinalia im Hause des Suavis war ich nicht geladen worden, daher konnte ich nichts dazu beitragen. Wir hatten in diesem Jahr nur innerhalb der Familie gefeiert, es war ein eher ruhiges Fest gewesen, auch wenn Prisca absent gewesen war.

    Zitat

    Original von Publius Annaeus Domitianus
    verdünnisier mich ja schon wieder ins Exil...


    Was auch gut so ist - "nur eine Feststellung, bitte nicht böse nehmen. ;)"


    @ Cyprianus: Nach Erscheinen wird SimOn ein Anschlag getätigt. Anhand der Umfragen kann man aber auch sehen, dass nur ein bestimmter Personenkreis die Acta wirklich liest. Wir zerbrechen uns momentan die Köpfe, wie man die derzeit lange Zeitspanne zwischen den Ausgaben kürzen kann, ohne dass sich einer allein hinsetzt und eine ganze Ausgabe sozusagen fast allein schreibt. Das ist eine Sache, aber es schadet ja nichts, hier hin und wieder darauf aufmerksam zu machen, dass mehr Schreiber gesucht sind, die gern ihre Artikel einreichen und sich etwas nebenbei verdienen.

    Ich möchte - wieder einmal - hierauf aufmerksam machen. Die früher geschilderte Problematik ist nach wie vor dieselbe.


    Einigen von euch mag es vielleicht aufgefallen sein - den meisten wohl nicht, wie man aus den ausbleibenden SimOn-Reaktionen leicht schließen kann - die Acta kam vor ein paar Tagen raus, nachdem die letzte Ausgabe im April erschienen ist. Wir brauchen Schreiber. Vor allem Schreiber, die bereit sind, regelmäßig etwas einzureichen.

    "Herr, es steht ein Sklave vor der Tür, der hier ein Artikel für die neue Ausgabe der Acta abgeben will. Soll ich ihn zur domus schicken oder willst du den Artikel hier annehmen?" Caecus' fragender Blick ruhte auf mir. Der Sklave hatte geklopft und dann den Kopf zur Tür hinein gesteckt. Jetzt wartete er. Ich raschelte mit den Papieren, die ich soeben durchging. "Hm. Schick den Sklaven fort, aber lass dir vorher den Artikel geben. Von wem stammt er denn?" erwiderte ich. "Sieht mir nach flavischem Sklave aus, dominus, aber der Verfasser möchte anonym bleiben, sagt er. Genau weiß ich es nicht." "Naja. Dann lass dir den Artikel geben. Bring ihn mir gleich."


    Ein wenig später erschien Caecus wieder, zwei Wachstafeln in den Händen. Er legte sie auf meinen Schreibtisch und zog sich dann wieder zurück. Später, als ich Zeit fand, ihn durchzulesen, verstand ich auch, warum derjenige lieber unbekannt bleiben wollte. Doch bei einem solchen Text musste dem Verfasser eigentlich klar sein, dass man ihn nicht in einer staatlichen, vom Kaiser höchstselbst finanzierten Zeitung veröffentlichen konnte. Mit jedem Satz, den ich weiterlas, schüttelte ich mehr den Kopf. Hier musste zensiert werden. Drastisch. Oder eher: Es musste das, was stehen bleiben konnte, um- und herausgeschrieben werden, damit ein ganz neuer Artikel entstand. Hoffentlich konnte Caius Columnus etwas in Erfahrung bringen.



    Captio Extraordinaria in Misenum – was sagt sie über den Zustand des Kaisers aus?


    Die Einwohner der Stadt Misenum können nun in der Gewissheit leben, dass sich in ihrer Stadt ein Ereignis ohne Präzedenz zutrug, die Captio einer Vestalin. Dass ein solches Ereignis außerhalb von Rom stattfindet, ist, gelinde gesagt, ungewöhnlich. Und ungewöhnlich ist vieles an dieser Captio.


    Der erste Faktor, der – nomen est omen – diese Captio wirklich extraordinär macht, ist der Platz. Eine Captio findet, wie die Tradition es vorschreibt, in Rom statt. Zumindest, wie es die Tradition vorschrieb. Durch die Änderung dieses Protokolls zog der Kaiser den Unmut des Cultus Deorum auf sich. Doch die Frage, die sich stellt, ist: Warum kam der Kaiser nicht einmal für ein solch wichtiges Ereignis nach Rom, sondern ließ es sich nach Rom bringen? Fühlt der Kaiser sich so schwach und krank, dass er sich nicht einmal mehr zu dieser verhältnismäßig kurzen Reise aufmachen kann? Ein bedenklicher Gedanke könnte sich fast einschleichen: der Kaiser will nicht nach Rom kommen, er will der Macht und der Verantwortung demonstrativ fernbleiben, und es nicht riskieren, dass ihn in der ewigen Stadt Regierungsaufgaben ereilen, die ihn dann dort halten. Oder steckt etwas anderes dahinter? Fühlt er vielleicht eine Bedrohung, vor der er nur in Misenum sicher ist? Oder geht es ihm aber so schlecht, dass er nicht wollte, dass das Volk von Rom ihn so sieht?


    Der zweite Grund, aus der man diese Captio wirklich als ungewöhlich erachten kann, ist die Wahl der neuen Vestalin. Claudia Romana mag auf den ersten Blick die höchsten Kriterien der Auswahl erfüllen: Sie ist Patrizierin, aus angesehenem Hause, Tochter eines Senatoren, gebildet und fromm. Nun aber gibt es Unstimmigkeiten bei dieser Persönlichkeit. Erstens ist sie einiges über dem vorgeschriebenen Alter. Allerdings wurde eine Ausnahme gemacht, da sie sich freiwillig zum Dienst an Vesta gemeldet hatte, und so könnte man das noch abtun. Zweitens aber schrieb sie einen eigenartigen Bericht an den Kaiser – ihr sei Vesta erschienen und habe sie dazu berufen, Vestalin zu werden. Nun ist dies durchaus möglich, aber solch eine Aussage hätte weiterer Untersuchungen bedarft. Nun tritt eine junge Frau den Vestalinnen bei, bei der nicht sicher ist, ob sie eine Heilige... oder aber eine Verrückte ist. Dass der Kaiser die Aussage der Claudierin für bare Münze genommen hat, ohne auch nur einen Funken von Misstrauen aufkommen zu lassen, weckt Verwunderung und ein wenig Sorge. Fast könnte man sich fragen, ob dem Kaiser die Fähigkeit, rationale Entscheidungen zu treffen, abhanden gekommen ist.


    Widersprüchliche Meldungen trafen aus Misenum ein, den Gesundheitszustand des Kaisers betreffend. Aus verschiedenen Quellen erfahren wir, dass der Kaiser ein sehr gesundes Bild bei der Captio abgegeben hätte, er sei sehr stark und selbstbewusst aufgetreten. Andere Quellen berichten uns, dass dieses Auftreten bloß Fassade gewesen ist, welche dazu dienen sollte, den wahren fürchterlichen Gesundheitszustand des Kaisers zu verschleiern.


    Es ist nicht leicht, sich aus diesen Beobachtungen ein klares Bild über die Gesundheit des Kaisers zu machen. Nur eines ist klar – die komplette Abschottung des Kaisers in Misenum ist einigermaßen verwunderlich. Abgesehen von wenigen Audienzen, die der Kaiser diversen Senatoren – wie jüngst Decimus Livianus oder Annaeus Florus – zugesteht, wird niemand an ihn herangelassen. Der Grund dafür ist Praefectus Urbi Vescularius Salinator, der penibel daruf achtet, dass der Kaiser nicht überbeansprucht wird. Ist er auch dafür verantwortlich, dass die Captio nicht in Rom, sondern in Misenum stattfand?


    Die Captio Extraordinaria in Misenum wirft, wie man sieht, also einige Fragen auf, die kaum zu beantworten sind. Und vor allem vergrößern sie in Rom die Sorge um den Kaiser. Der Kaiser wäre gut beraten, einmal nach Rom zu kommen, sich dem Volk zu zeigen und zu demonstrieren, dass es ihm gut geht. Denn seine absolute Isolation in Misenum vergrößert unsere Sorgen von Tag zu Tag.


    Ich zückte den stylus.

    Ich nickte bestätigend. Je eher er die Verhandlungen hinter sich brachte, desto besser wäre es für ihn selbst. "Ja, ein Grundstück in Iberien. Durus sagte, es würde sich auch ein Haus darauf befinden", erwiderte ich. "confarreatio... Wenn Durus da zustimmt, soll es mir auch recht sein. Dann solltest du aber den flamen dialis frühestmöglich über den Termin der Heirat informieren. Und das Ziel, das du da anstrebst, werde ich natürlich nach Kräften unterstützen, wenn es dazu kommen sollte." Ich selbst hatte einst erwogen, den Posten des flamen des Quirinus anzustreben, was Orestes gewiss auch bekannt war, denn ein Geheimnis war dies schließlich nicht. Für den Moment allerdings lag diese Option auf Eis, nicht zuletzt dadurch, dass ich meine Frau sine manu geheiratet hatte. Ich hatte schlichtweg auch zu wenig Zeit, um mich darauf vorzubereiten.


    "An sich spricht nichts dagegen, bei den nächsten Wahlen zu kandidieren, Manius. Ich selbst möchte mein Ädilat wiederholen. Derart beschämend, wie es aufgrund dieser unpassenden Krankheit war, kann ich es so nicht stehen lassen. Was möchten sonst die Leute denken?" ich schüttelte den Kopf. "An welches Quästorenamt dachtest du denn?"

    Ich selbst hielt es noch knapper als jene Mitsenatoren, die ihre Zustimmung bekundeten, denn ich gab lediglich ein Nicken zum Besten. Es brachte schließlich nichts, jemandem ein Amt aufzuzwingen, dass dann doch nur halbherzig und mit wenig Elan ausgeführt wurde. Die meisten jungen Männer drückten sich vor den zeitaufwändigen und langwierigen Tätigkeiten, daran war wohl nichts zu ändern. Mein Banknachbar allerdings erhob sich.


    "Ich stimme ebenfalls zu. Falls niemand sonst einen Einwand vorzubringen hat, können wir auch zügig zum nächsten Thema voranschreiten!"

    Prisca, Prisca. Ihr Glück - und meines auch - war es, dass ich in jenem Moment einfach nur die Sonnenstrahlen genoss, die zwar nicht äußerlich wärmten, es jedoch innerlich taten. Hätte ich von diesem Fest gewusst und von der damit verbundenen Umstrukturierung, ja Renaturierung! des Gartens, wäre mein herz vermutlich schlagartig in einen ungezügelten Galopp gefallen. So aber ließ ich den Blick besonnen schweifen, über eben jene saepes non grata, und die daran angrenzenden Blumenrabatten und seufzte tief. Allein der Anblick trug zur Entspannung bei, fand ich. Auf Priscas Lippengekaue achtete ich dabei nicht, was ihr sicher nur recht war.


    Erst, als sie gestand, öfter hier zu sein demletzt, wandte ich den Kopf und sah sie an. "Tatsächlich?" Konnte es denn sein, dass sie begann, sich auch an Farben und Formen zu erfreuen, sich gar für die einheimische wie fremdländische Pflanzenwelt zu interessieren? "Ah, na dann bin ich beruhigt", erwiderte ich anschließend auf ihre Zusammenfassung bezüglich der Freundinnen. "Ein Fest ist sicherlich etwas sehr Nettes für ein Mädchen in deinem Alter. Celerina hat eine Einladung für die fontinalia erhalten, ins Haus der Germanicer. Ich denke, ich werde nicht darum herumkommen, dort mitzugehen... Sie hat mich ausdrücklich darum gebeten." Für mich war Prisca schließlich immer noch mein Mädchen, auch wenn sie inzwischen eine junge Frau war. Doch das übersah ich nur zu oft und zu gern, denn eine Heirat hätte bedeutet, dass sie nicht mehr hier im Hause lebte. "Ägyptische Hieroglyphen aus goldenen Fäden?" Ich versuchte wahrhaftig, mir das vorzustellen. Meine Stirn runzelte sich und ich ging ein wenig langsamer, aber meine Vorstellungskraft reichte nicht ganz aus, um mir Prisca in diesem Kleid vorzustellen, von dem ich vorhin lediglich einen Blick auf den Stoff hatte erhaschen können. "Ich bin mir sicher, es wird dir ganz ausgezeichnet stehen", sagte ich daher recht überzeugend, einfach, weil ich genau das dachte - ohne ein wirkliches Bild von der frisch gewandeten Prisca in meinem Kopf zu haben. "Werden denn nur Damen anwesend sein?" wollte ich dann ganz arglos wissen und warf Prisca einen Seitenblick zu. Derjenige, der es wagen würde, meine Prisca zu bezirzen, würde sich noch wundern.


    "Setzen? Na, nicht doch. Mir geht es gut, Prisca. Lass uns ruhig noch ein wenig spazie..." Mir stockten die Worte, als mein Blick auf das Beet fiel, welches gerade in Sichtweite kam. Es war mein ganzer Stolz. Die Orchidee, die ich damals von Celerina geschenkt bekommen hatte, wuchs dort, nebst einigen Geschwistern aus ihrer fernöstlichen Heimat. Doch von gesunden jungen Pflanzen war nicht mehr viel zu sehen. Abgeklickte Triebe lagen am Boden, vertrocknete Blüten und matschige Blätter. Ich presste die Lippen aufeinander und schob den Unterkiefer knirschend zur Seite. Gleichzeitig war ich stehen geblieben. Ich verbot nun wirklich niemandem, den Garten zu betreten, nicht einmal den ungelenken Stallburschen. Doch das, was ich hier sah, war für mich ein Grund, den Garten zum Tabubereich zu erklären. So wurde es einem gedankt, dass man jedem erlaubte, sich zu erfreuen. Ich atmete langsam und schnaufend aus und starrte auf das grauenvolle Massaker.


    Ja, ich hatte einen Spleen.

    "Das solltest du", bestätigte ich. "Durus' Angebot war ganz angemessen. Wenn er dabei bleibt, wäre es vermutlich das beste, es anzunehmen. Auf spanischem Boden gedeihen Reben recht gut, will ich meinen. Vielleicht gehören Weinberge zum Anwesen mit dazu. Das solltest du in Erfahrung bringen." Ich starrte in meinen Becher, der dunkelroten Wein beinhaltete. Vielleicht kam er auch aus Iberien. In meinem momentanen Stadium konnte ich das nicht mehr so klar beurteilen. "Willst du die Tiberia immer noch cum manu heiraten?" Wenn Durus dabei zustimmen würde, wäre das ein riesiger Schritt, um den alten Zwist zwischen den Familien endgültig beilegen zu können. Ich blinzelte nachdenklich und nahm mir vor, Ursus mit Fragen nach seinem Legaten abzulenken, wenn er erst einma zurück sein würde.


    "Die Acta, oh ja... Momentan haben wir ein großes Problem, denn es gibt einerseits zu wenig Schreiber, als dass sie regelmäßig erscheinen könnte, andererseits gibt es nichts über den Kaiser, das ich guten Gewissens publizieren könnte. Du weißt ja, dass er in Misenum weilt momentan. Er hat von dort aus eine neue Vestalin berufen. Und sonst hört man nichts von ihm, von widersprüchlichen Gerüchten einmal abgesehen. Es geht ihm wohl schlecht, aber das können wir kaum veröffentlichen. Und dieser Vescularius hat nichts anderes zu tun, als ihm den Rang abzulaufen. Er sollte ihn vertreten, aber meiner Meinung nach verdrängt er ihn. Und der Senat ist machtlos, zumindest, solange niemand das Wort öffentlich gegen ihn erhebt. Das ist grausam." Ich selbst würde mich hüten, dabei den Anfang zu machen, zumindest öffentlich. Allerdings hatte ich Caius Columnus beauftragt, beim Bruder des Kaisers einmal anzuklopfen und durch die Blume zu fragen, was Sache war.
    "Unser Tiberius kandidiert zum quaestor consulum und Tiberius Durus zum consul. Prudentius Macer geht sein Prätorenamt an, zumindest hege ich keinerlei Zweifel, dass er mit herausragender Mehrheit gewinnen wird. Für die unteren Ämter kandidieren einige bisher Unbekannte. Ahja, Decimus Verus - du weißt schon, der nauta, der Celerina aus den Klauen der Piraten befreit hat - ist im Senat während seiner Kandidaturrede zusammengebrochen. Ich gehe davon aus, dass er nicht gewählt werden wird, aber warten wir es ab."


    Ich nickte geflissentlich und nahm einen weiteren Schluck Wein. "Dann achte auf dich, wie es der iatros verlangt. Ich bitte dich nur, mir beim nächsten Mal bescheid zu geben, wenn du Rom für eine so lange Zeit verlässt. Wir haben uns alle Sorgen gemacht."

    "Frühestens in zehn Tagen. Vielleicht acht", sagte ich. Die Strecke bis Mantua war weit, und man musste nicht nur Ursus' Weg einplanen, sondern auch den des Sklaven, dem ich den Auftrag gegeben hatte, die Nachricht zu überbringen. Und selbst, wenn beide weder ihr Pferd noch sich selbst schonten, so wären zehn Tage doch unwahrscheinlich. Ursus musste einen Vertreter bestimmen und gewiss noch einige Dinge regeln. "Wahrscheinlicher ist, dass es länger dauert." Was die Wahrscheinlichkeit erhöhre, dass Minervinas lebloser Körper vor ihm hier eintraf und bereits aufgebahrt sein würde, wenn er heimkehrte. Ich seufzte tief. In dieser tragischen Zeit konnten wir nicht viel mehr tun, als ihm etwas von der Last zu nehmen, wie auch immer das möglich war.


    Sivs nächste Frage überraschte mich nicht. "Mir?" Insgeheim hatte ich mich schon gewundert, warum sie sie nicht schon viel eher gestellt hatte. Siv war ein Mensch, den es interessierte, wie es anderen ging. Sie stellte häufig solche Fragen oder fragte, ob sie etwas tun konnte und wenn ja, was. Ich versuchte, meine auf Wein treibenden Gedanken zu ordnen und zuckte im Liegen mit einer Schulter. "Ich kann es nicht ausstehen, wenn mir die Hände gebunden sind. Das weißt du. Und bei Minervinas Krankheit konnte keiner von uns etwas ausrichten. Es ist als... Als würde man dabei zusehen müssen, wie das einst blühende Leben verwelkt und einem zwischen den Fingern hindurch rinnt, ohne dass man auch nur das Geringste dagegen tun kann. Wie muss sich Titus erst fühlen? Sie war seine Schwester!" Ich schnaubte. Wut auf jemand Unbestimmten war immer noch besser als allzu viel Trübsal. Und dennoch, es war ungerecht. Ungerecht denen gegenüber, die Minervina liebten und alles getan hätten, damit es ihr nur besser ging.


    Ich schluckte. Den ganzen Abend hatte ich vermieden, daran zu denken. Doch hier und jetzt stand das Abbild eines Gesichts im Raum und ließ sich nicht mehr leugnen. "Es ist wie mit Helena damals", stellte ich flüsternd fest. Helena, für die ich verantwortlich gewesen war und die mir dennoch beinahe entglitten war - weil ich nicht gemerkt hatte, wie schlecht ihre Gemütsverfassung gewesen war. "Wenn ich etwas tun könnte, um es ungeschehen zu machen, so würde ich es tun", sagte ich und meinte damit Minervina wie Helena gleichermaßen. Dumpfer Donner grollte draußen und schreckte abermals ein paar Vögel auf.


    Ad
    Potitus Vescularius Salinator
    castra praetoria in Roma
    ITALIA



    M. Aurelius Corvinus P. Vesculario Salinatori s.d.


    Es ist mir eine Freude, dir mitteilen zu dürfen, dass das collegium pontificium eine Abordnung der cohortes urbanae zum bevorstehenden Armilustrium einlädt. Im Zuge dessen soll die rituelle Reinigung der Waffen vollzogen werden.


    Es wird darum gebeten, lediglich eine Abordnung von nicht mehr als zwanzig milites zum Schauplatz zu entsenden. Die lustratio wird wie gewohnt auf dem mons Aventinus stattfinden. Es bedarf keines Bestätigungsschreibens.


    Mögen die Unsterblichen unsere Soldaten behüten.


    Vale bene.


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    - senator et pontifex -




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    ROMA, ANTE DIEM V ID OCT DCCCLIX A.U.C. (11.10.2009/106 n.Chr.)



    Ad
    Tiberius Prudentius Balbus
    castra praetoria in Roma
    ITALIA



    M. Aurelius Corvinus T. Prudentio Balbo s.d.


    Es ist mir eine Freude, dir mitteilen zu dürfen, dass das collegium pontificium eine Abordnung der cohortes praetoriae zum bevorstehenden Armilustrium einlädt. Im Zuge dessen soll die rituelle Reinigung der Waffen vollzogen werden.


    Es wird darum gebeten, lediglich eine Abordnung von nicht mehr als zwanzig milites zum Schauplatz zu entsenden. Die lustratio wird wie gewohnt auf dem mons Aventinus stattfinden. Es bedarf keines Bestätigungsschreibens.


    Mögen die Unsterblichen unsere Soldaten behüten.


    Vale bene.


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    - senator et pontifex -




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    ROMA, ANTE DIEM V ID OCT DCCCLIX A.U.C. (11.10.2009/106 n.Chr.)


    Sim-Off:

    Wertkarte des CD, bitte.



    Ad
    Titus Aurelius Ursus
    castra legionis I in Mantua
    ITALIA



    M. Aurelius Corvinus T. Aurelio Urso s.d.


    Es ist mir eine Freude, dir mitteilen zu dürfen, dass das collegium pontificium eine Abordnung der legio prima zum bevorstehenden Armilustrium nach Rom einlädt. Im Zuge dessen soll die rituelle Reinigung der Waffen vollzogen werden.


    Es ist dem Legaten Tiberius gewiss bekannt, dass er das pomerium nur auf Geheiß des Kaisers betreten darf, weswegen darum gebeten wird, lediglich eine Abordnung von nicht mehr als zwanzig milites nach Rom zu entsenden. Die lustratio wird wie gewohnt auf dem mons Aventinus stattfinden. Es bedarf keines Bestätigungsschreibens.


    Mögen die Unsterblichen unsere Soldaten behüten.


    Vale bene.


    [Blockierte Grafik: http://img382.imageshack.us/img382/2755/macunterschriftmn6.png]
    - pontifex et senator -




    [Blockierte Grafik: http://img231.imageshack.us/img231/7353/siegelaureliavn5.png]


    ROMA, ANTE DIEM V ID OCT DCCCLIX A.U.C. (11.10.2009/106 n.Chr.)


    post scriptum: Titus, bitte veranlasse du die Entsendung einer Abordnung. Ich habe die Einladungdirekt an dich gesandt, da in Rom nichts über den gegenwärtigen Verbleib oder den gesundheitlichen Zustand des Tiberius Vitamalacus bekannt ist. Es heißt nur, du hättest als sein Stellvertreter seinen Platz eingenommen. Nach deiner Rückkehr sollten wir dringend darüber reden und ggf. die erforderlichen Maßnahmen in Gang setzen.



    Ad
    praefectus classis
    classis Misenensis
    ITALIA



    M. Aurelius Corvinus praefecto classis s.d.


    Es ist mir eine Freude, dir mitteilen zu dürfen, dass das collegium pontificium eine Abordnung der classis Misenensis zum bevorstehenden Armilustrium nach Rom einlädt. Im Zuge dessen soll die rituelle Reinigung der Waffen vollzogen werden.


    Es wird darum gebeten, lediglich eine Abordnung von nicht mehr als zwanzig milites nach Rom zu entsenden. Die lustratio wird wie gewohnt auf dem mons Aventinus stattfinden. Es bedarf keines Bestätigungsschreibens.


    Mögen die Unsterblichen unsere Soldaten behüten.


    Vale bene.


    [Blockierte Grafik: http://img382.imageshack.us/img382/2755/macunterschriftmn6.png]
    - senator et pontifex -




    [Blockierte Grafik: http://img231.imageshack.us/img231/7353/siegelaureliavn5.png]


    ROMA, ANTE DIEM V ID OCT DCCCLIX A.U.C. (11.10.2009/106 n.Chr.)


    Ein grelles Leuchten erhellte den Raum und überzog die Möbel mit einem flüchtigen, gespenstischen Schein. Dann war alles wieder dunkel. Kurz darauf war ein finsteres Grollen zu hören, ganz so, wie es der Cerberos selbst ausstoßen mochte. Meine Mutter hatte mir früher stets weißmachen wollen, dass die Götter in ihrem Himmelsreich mit großen, unförmigen Bauklötzen spielten, doch ich hatte mich schon früh von dieser Vorstellung verabschiedet. Gewitter waren nichts, was ich mochte, doch Angst hatte ich auch nicht. Sie waren mir unangenehm, und seit ich Geschichten von auf dem Felde erschlagenen Bauern gehört hatte, vermied ich es, hinauszugehen, wenn Iuppiter seine Blitze schleuderte. Doch jetzt, da ich im Bett lag und Siv sich in meinem Arm befand, war es beinahe beruhigend, wie es draußen gluckste und rauschte. Hinzu mochte noch kommen, dass ich mit Orest getrunken hatte und darob meine Sinne nicht gänzlich geschärft waren.


    Ich konzentrierte mich auf das leise Prasseln, das entstand, wenn eine plötzlich aufkommende Windbö die Regentropfen an die dünngeschabte Tierhaut warf, die das Fenster überzog. Ich konzentrierte mich auch auf Sivs viel gleichmäßigere Atemzüge. Es war ein schlimmer Tag gewesen. Siv war wortlos zu mir gekommen und ich hatte sie mit in mein Bett genommen. Seitdem lagen wir hier und sprachen nicht. Es war keine bedrückende Stille, sondern eine ernsthaft traurige. Ab und an drehte ich den Kopf und drückte einen Kuss in ihr Haar oder auf ihre Stirn, hin und wieder seufzte ich leise. "Titus kommt sicher nach Hause, so schnell es geht", sagte ich, gedanklich bei meinem Neffen. Ausnahmsweise einmal passte das Wetter zu den Begebenheiten des Tages.