Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Zugegebenermaßen schmeichelten mir die Worte des Peregrinen ein wenig, andererseits ahnte ich auch, warum er seinen Honigpinsel auspackte. Ich war nun wachsam. Er wollte also dem Götterkult beitreten und wusste augenscheinlich bereits um die Schwierigkeit, die sich für den weiteren Verlauf seiner Karriere als Nichtbürger unweigerlich ergeben würde. Interessiert hörte ich auch sein zweites Anliegen an, kniff ein wenig prüfend die Augen zusammen und legte den Kopf um einen digitus schräg. Als er geendet hatte, umspielte ein Schmunzeln meine Mundwinkel. Er hatte sich wahrlich gut vorbereitet, sich die Worte sicherlich zurechtgelegt und hernach meisterlich vorgetragen. Nichtsdestotrotz stand die Frage nun im Raum, ob ich ihn als Klienten akzeptieren würde.


    "Bevor ich dazu Stellung nehme, gestatte mir, ein wenig mehr über dich erfahren zu wollen. Du kommst aus dem Norden Italiens, sagst du. Was ist geschehen, dass du die civitas romana nicht dein Eigen nennen kannst, dein Name klingt doch römisch? Erzähl mir ein wenig über dich, Quintus Philo." Gewiss hatte er Geschwister, suggerierte dies doch sein praenomen. Nur warum er kein römischer Bürger war, erschloss sich mir nicht.

    Decimus? Als Quarto den Namen erwähnt hatte, war ich gespannt gewesen. Nun, da ich wusste, wer das angeblich war, sah man mich die Stirn runzeln. Decimus Flavus, Sohn des Livianus. Letzterer war ein Name, mit dem ich peripher etwas anfangen konnte. War das nicht dieser verschollene Legat? Seine Rede war mir eine Spur zu klischeehaft, aber wenn man unten anfing, war das durchaus vertretbar, ich selbst war ja auch nicht besser eingestiegen. Dennoch griff er sehr weit aus. Obgleich seine Familie sich den Goldenen verschrieben hatte, war er mir noch nie begegnet. Nun, man würde sehen, wie er sich schlagen würde.


    "Gestatte mir die Frage, warum es die Rechtspflege sein soll und nicht die Erbschafstangelegenheiten. Mit juristischen Vorkenntnissen, wie du sagst, sollte doch beides interessant für dich sein", fragte ich interessiert, denn ich selbst war einst ein decemvir litibus iucandis gewesen.

    Abgesehen davon, dass mir sowohl sein Name als auch der Mann trotz vieler kongruenter - und auf seiner Seite zu vielfältiger - Betätigungsfelder gänzlich unbekannt vorkam, war ich verwundert über seine Berichte. Es schien, als hätte er hin und wieder wie ein Vogel nach einer Krume selbst nach einem Amt gepickt. Und dass er in Spanien ausgezeichnet worden war, hätte ich an seiner statt lieber verschwiegen. Nichtsdestotrotz wirkte er recht selbstbewusst. Durus stellte einige bissige Fragen, deren Beantwortung ich amüsiert folgte. Selbst hatte ich keine Fragen, und jene, welche ich gehabt hätte, waren bereits gestellt worden.

    Interessiert hatte ich der Rede gelauscht. Was Avianus bei Ursus geleistet hatte, wusste ich nicht. Doch abgesehen von einem Abend, als er mir geholfen hatte, die Aufzeichnungen der Geldbewegungen des cultus und des Fabius zu prüfen, war mir nichts in Erinnerung geblieben, dass sich herauszustellen gelohnt hätte. Ich lehnte mich zurück. Gewiss würde ich ihn nicht hereinreiten, ihn sogar verteidigen, wenn es denn darauf ankommen würde. Er war schließlich mein Neffe. Doch ich fand nun einmal, dass seine Zeit noch nicht gekommen war. Wenn er nur zuvor mit mir das Gespräch gesucht hätte! Ich hätte ihm geraten, zunächst noch mehr Erfahrungen zu sammeln. Doch würde er wohl lernen, wie ich gelernt hatte: aus Erfahrung, nicht mit ihr.


    Einige Senatoren warfen mir Seitenblicke zu, von denen sie wohl dachten, ich merkte nichts. So nickte ich Avianus nur zu, das Gesicht undurchdringlich. Was ich über seine Kandidatur dachte, war ihm ohnehin bewusst, denn ich hatte keinen Hehl daraus gemacht, als er mir seinen Entschluss mitgeteilt hatte.

    Natürlich verfolgte ich die Kandidaturen meiner beiden Neffen. Vielleicht sogar kritischer als jeder andere im Saal. Ein wenig störte ich mich daran, dass Ursus sein Rederecht vor dem Senat als eine Art res gestae statt einer Wahlrede nutzte und doch nicht viel sagte, außer, dass er dem consul geholfen habe. Ich mochte gar nicht glauben, dass die Bestandsaufnahme und Arbeitsüberprüfung ein ganzes Jahr in Anspruch genommen hatten, und dementsprechend skeptisch war auch mein Blick. Vorgebeugt saß ich auf der marmornen Bank, eine Hand am Kinn, wie auch schon bei Avianus. Interessiert, doch undurchsichtig. Es war gut, dass nicht ich selbst auch noch kandidiert hatte, drei wären wohl zu viel des Guten gewesen.

    Leone, der dem Besucher zum Abschied den Kopf geneigt hatte, war hernach zu mir gekommen. Er hatte mich in der Bibliothek gefunden und mir berichtet, dass ein Mann namens Quintus Philo im atrium auf mich wartete, und so hatte ich die Schriftrolle sinken lassen, in der ich bis dahin gelesen hatte, um mich auf den Weg zum Empfang meines Besuchs zu machen.


    Durch einen Korridor betrat ich also das atrium und trat auf den Wartenden zu. "Salve, ich bin Marcus Aurelius Corvinus", stellte ich mich vor und setzte mich dem Peregrinen gegenüber. Meine Ämter erwähnte ich nicht, denn wenn er wegen dem gekommen war, was Leone mir ausgerichtet hatte, so würde er bereits darum wissen. "Man sagte mir, du hättest zwei Anliegen?" fragte ich nach und stellte mit einem Seitenblick fest, dass Leone nichts zu trinken angeboten hatte. Suchend blickte ich mich in der Empfangshalle um, um einen vorübergehenden oder wartenden Sklaven damit zu beauftragen.

    Es war nun beinahe Zeit für die cena. Sklaven hatten den Raum aufgeräumt und hergerichtet und bereitstehende Kohlebecken wärmten das Zimmer behaglich. Auf eine toga hatte ich verzichtet, immerhin war dies hier ein privates Essen, an dem außer Durus und mir niemand teilnehmen würde. Es gab da einiges, das ich gern im Vertrauen mit ihm besprechen wollte.


    Um die Wartezeit zu überbrücken, hatte ich mir eines dieser neu auf dem Markt erhältlichen Geschicklichkeitsspiele mitgenommen und lag auf einer der Liegen, um es zu lösen. Zwei Schlaufen umschlossen eine dritte, und irgendwie sollte sie lösen, ohne die beiden anderen ebenfalls zu öffnen. Das stellte sich als schwerer heraus, als es sich angehört hatte, und so knobelte ich eine Weile geduldig vor mich hin, während ich auf Durus wartete.



    Sim-Off:

    edit: Dies soll ein persönliches Gespräch zwischen Durus und Corvinus werden. Bitte nicht dazuschreiben, danke. :)


    Ad
    Appius Claudius Sabinus
    villa Claudia in Roma



    M. Aurelius Corvinus A. Claudio Sabino s.d.


    Claudius, du wirst hiermit gebeten, dich ANTE DIEM VIII KAL DEC DCCCLVIII A.U.C. (24.11.2008/105 n.Chr.) zur vierten Stunde in der regia des cultus deorum einzufinden, um dein Gelübde vor den Göttern abzulegen. Anwesend sein wird der sacerdos apollonis Memmius Mummius Alimentus, der dir zum magister zugeteilt wurde. Er wurde entsprechend instruiert und wird dir fortan in Belangen des cultus zur Seite stehen.


    Vale.


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    ROMA, ANTE DIEM IX KAL DEC DCCCLVIII A.U.C. (23.11.2008/105 n.Chr.)


    Ob sie nun Cousine des kleinen Flavius von Epicharis werden würde oder nicht, er würde sie wohl dennoch eine Tante nennen, sobald er sprechen konnte. So war das eben mit Kindern, jeder, der älter war als sie, war automatisch ein Onkel oder eine Tante. Selbst, wenn nur wenige Jahre zwischen ihnen liegen mochten, erinnerte ich mich an meine eigenen Verhältnisse und schmunzelte ein wenig.


    Ein wenig abwesend griff ich nach einem gefüllten Ei und ließ es im Mund verschwinden, dann brach ich mir einen Zweig Trauben und zupfte hin und wieder an einer der süßen Früchte. Das Schauspiel auf der Bühne gefiel mir, es passte zu diesem Abend, und auch Celerina schien ihre Freude zu haben. Hin und wieder betrachtete ich Celerina mit einem Seitenblick und stellte ebenso erleichtert wie erfreut fest, dass wohl ihr Geschmack getroffen war. Insgeheim nahm ich mir vor, Brix für die Wahl des Stückes zu danken. Allmählich wurde es heikel auf der Bühne, und die Freude neben mir konnte ich nun auch deutlich spüren. Die Tatsache, dass Celerina flüsterte, obwohl wir das gesamte Theater für und allein hatten, war mir Indiz genug dafür, dass sie wirklich mitgerissen war. Ein zufriedenes Lächeln umspielte meine Mundwinkel. "Was meinst du, ob der Freund wirklich seinen Kopf hinhält für diesen Damon?" fragte ich sie.


    Derweil verschwanden kurz alle Mimen von der Bühne, und ein bisher Ungesehener betrat sie, sitzend auf einem Stuhl. Damon folgte, sichtlich geknickt, griff nach der Hand des Freundes und stand mit hängendem Kopf vor ihm. Grave und gramerfüllt war seine Stimme.
    Und er kommt zum Freunde: »Der König gebeut,
    Daß ich am Kreuz mit dem Leben
    Bezahle das frevelnde Streben.
    Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,
    Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
    So bleib du dem König zum Pfande,
    Bis ich komme zu lösen die Bande.«

    Eine Weile geschah nichts, dann stand der Mann von seinem Stuhl auf und schloss Damon in seine Arme.
    Und schweigend umarmt ihn der treue Freund
    Und liefert sich aus dem Tyrannen;
    Der andere ziehet von dannen.

    Plötzlich sah man Soldaten außerhalb der Bühne warten, und als sich die beiden Freunde aus ihrer Umarmung gelöst hatten, huschte Damon eilig von der Bühne, sein Freund jedoch begab sich mit hoch erhobenem Haupte zu den wartenden Soldaten, die ihn sogleich in ihre Mitte schlossen und abführten.


    Im folgenden Akt geschah zunächst nichts Besonderes. Man sah Damon, wie er mal hierhin, mal dorthin über die Bühne huschte. Man sah am Rande der Bühne ein glückliches Paar einherschreiten. Und nur die angenehme Stimme des Erzählers war zu vernehmen.
    Und ehe das dritte Morgenrot scheint,
    Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
    Eilt heim mit sorgender Seele,
    Damit er die Frist nicht verfehle.


    Da gießt unendlicher Regen herab,
    Von den Bergen stürzen die Quellen,
    Und die Bäche, die Ströme schwellen.
    Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,
    Da reißet die Brücke der Strudel herab,
    Und donnernd sprengen die Wogen
    Dem Gewölbes krachenden Bogen.

    Paukenschläge undTambourin machten den Regen hörbar. Damon stand inmitten der Bühne und starrte auf den Boden hinab, den ein blaues Tuch zierte - der Fluss. Hin und her lief er, zunehmend panisch, schaute rechts, schaute links, doch vergebens.
    Und trostlos irrt er an Ufers Rand:
    Wie weit er auch spähet und blicket
    Und die Stimme, die rufende, schicket.
    Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,
    Der ihn setze an das gewünschte Land,
    Kein Schiffer lenket die Fähre,
    Und der wilde Strom wird zum Meere.

    "Gut", entgegnete ich recht knapp und entgegen meiner sonstigen Handhabe. Das fiel mir dann auch auf, und ich schob ein Lächeln hinterher. "Also denn, Claudius, ich werde dir mitteilen, wann die Versammlung stattfindet, und du wirst auch von mir hören, wenn es Neuigkeiten bezüglich deines magister gibt. Danke für deinen Besuch, es hat mich gefreut, dich einmal kennenzulernen", sagte ich und erhob mich ebenfalls, um den jungen Mann noch zur Tür zu geleiten.

    Zornig die Stufen hinabeilend, kam mir nun auch noch der Claudier entgegen. Flüchtig wägte ich ab, ihn schlichtweg zu ignorieren, doch konnte der junge Mann schließlich nichts für das, was soeben innerhalb des Sitzungsraumes passiert gewesen war, und so blieb ich letztlich stehen und versuchte, meine brodelnden Gefühle im Zaum zu halten. Dass der Claudier mich beim cognomen nannte, trug allerdings nicht gerade dazu bei, mich versöhnlicher zu stimmen.


    "Claudius", erwiderte ich und neigte knapp den Kopf. "Im Grunde nichts, das deiner Aufnahme im Wege stünde. Einige der Herren scheinen allerdings der Meinung zu sein, mich selbst neu kooptieren zu müssen, und das habe ich, ehrlich gesagt, nicht nötig, nach all den Jahren, denen ich Mitglied der Salier bin und ihnen sogar vorstehe." Es war ein Gräuel, dass ich nicht wahre Worte sprechen und offenlegen konnte, was nun tatsächlich der Grund war. Diese Sache rüttelte heftigst an meiner Achtung des Kaisers, und ich musste aufpassen, dass ich nicht gefährlich schlingerte. Was innerhalb der Mauern der regia am Tage der Anhörung geschehen war, wusste niemand, der sich nicht auch dort befunden hatte. Es sei denn, Antistes und seine beiden Komplizen hatten ausgepackt, was ich mir angesichts der Umstände allerdings nicht vostellen konnte. Für jeden Römer musste es zwar seltsam anmuten, dass gleich drei pontifices suspendiert worden waren, doch über die genazen Beweggründe des Kaisers durfte nichts bekannt sein.


    In diesem Moment sah ich auch Ursus kommen, seufzte tief und zwang die Wut auf ein erträgliches Maß zurück. Es war zum Mäusemelken! Antistes hatte wohl die Mehrheit der Salier hinter sich stehen, vermutlich würde das auch Ursus zu spüren bekommen, schließlich war er mein Neffe.

    "Marcus Aurelius Corvinus, Sohn des Marcus Aurelius Antoninus und der Aurelia Severina. Ich beantrage hiermit aus Gründen des Misstrauens eine erneute Abstimmung ob deiner Würdigkeit, Mitglied der collinischen Salier zu sein." Süffisant grinsend pflanzte sich der Fabier wieder und grinste mich hämisch an. Ich sah ihn fassungslos an. Mit allem hatte ich gerechnet, doch nicht hiermit. Zu meinem Unglauben sah ich nicht nur die Söhne des Antistes nicken, sondern auch einige andere. Plötzlich wurde mir klar, worum es hier ging, und meine Stirn legte sich verächtlich und deutlich missbilligend in Falten. Ich erhob mich. "Mir scheint, du hast nicht begriffen, was du für einen Fehler begangen hast, Fabius!" donnerte ich. "Du zeigst nicht einmal Reue vor den Göttern, wenn schon nicht vor dem Kaiser selbst! Und euch sollte klar sein, worauf dies hier hinauslaufen wird", wandte ich mich an die anderen. Schlagartig wurde mir bewusst, warum man nicht auf den Flavier und Ursus gewartet hatte: beide wären wohl für mich eingetreten, der eine aus familiären, der andere aus politischen Gründen.


    Hatte Antistes die anderen Salier geschmiert? Konnte es sein, dass die meisten dieser Männer so wenig Ehrgefühl im Leibe hatten, einen der Ihren in Frage zu stellen? Offensichtlich ging es ihnen nicht nur um die Leitung der Gremiums, die ich ohne zu zögern abgetreten hätte. Doch dies hier war ungeheuerlich. Und ich stand auf verlorenem Posten, wenn er den Großteil wahrhaftig bestochen hatte, um ihre Stimmen zu kaufen. Ich ballte ärgerlich die Hand zur Faust und funkelte Antistes an. "Du widerst mich an, Fabius. Ich verzichte hiermit darauf, mich einer erneuten Kooptation zu unterziehen. Wählt einen anderen aus eurer Mitter zum magister. Ich stehe für dieses Amt nicht mehr zur Verfügung. Acus? Meinen Mantel!"


    Wütend wartete ich darauf, dass der Sklave mir den Umhang reichte, dann riss ich ihn ihm aus der Hand und verließ die curia. Fabius Antistes hatte nichts mehr gesagt. Ein hämisches Grinsen stand jedoch auf seinem Gesicht, auch, nachdem ich das Gebäude bereits verlassen hatte. "Das war einfacher, als ich gedacht hatte", sagte er halb zu sich, halb zu den anderen, von denen einige zwiegespalten, einige gleichgültig und wieder andere zerknirscht wirkten. Geld genommen hatten sie doch beinahe alle, und jene, die nicht bereit gewesen waren hierzu, waren anderweitig unter Druck gesetzt worden. Antistes hatte sich schließlich nicht wegen seiner Nächstenliebe so lange auf dem Posten des rex sacrorum gehalten.

    Als ich die curia betrat, wie immer zeitlich, war ich doch ein wenig verwundert, aus dem Inneren bereits Stimmen zu hören. Dann betrat ich den Versammlungsraum, bemerkte, dass Ursus noch nicht dort war, und grüßte dann die Anwesenden. "Guten Abend, meine Herren." Einige nickten, andere taten gar nichts, keiner sagte etwas. Manche sahen betreten in eine andere Richtung. Ich ließ mir den Umhang abnehmen und blickte fragend in die Runde. "Nanu, ist etwas passiert, von dem ich wissen sollte?" fragte ich verwundert und ging zu der cline, die ich immer belegte. Dabei streifte mein Blick Fabius Antistes und seine beiden Söhne, die alle drei hasserfüllt zu mir sahen. Ich hatte mir schon etwas in der Art gedacht, nicht aber, dass es so offensichtlich sein würde.


    "Nichst von Belang, magister, nichts von Belang", presste der Ex-Rex zwischen den Zähnen hervor. Irgendwo räusperte sich jemand, anderenorts hörte man ein Hüsteln. Antistes erhob sich. "Ich denke, wir warten nicht länger, nun, da unser magister auch endlich eingetroffen ist", spottete Antistes, was mich, der ich mich eben gesetzt hatte, dazu verleitete, die Brauen zu heben. "Wir werden-" "Wir werden nicht warten auf deinen nichtsnutzigen Neffen und diesen tölpelhaften Flavius!" fiel mir Antistes ins Wort, was ich irritiert gestattete. Solche Dreistigkeit war ich nicht gewohnt. Langsam dämmerte mir indes, was hier vor sich ging.

    Ich schloss die Tür hinter mir und lehnte mich von innen an das kühle Holz. Dämmerung herrschte im Zimmer und ließ die sonst vertrauten Gegenstände fremdartig wirken. Seufzend lehnte ich den Hinterkopf an die Tür und schloss die Augen. Es war der Tag, an dem die Acta herausgekommen war. Der Tag, an dem kurzfristig noch ein Artikel hereingereicht worden war von der lectrix.


    Warum passierte das immer mir? Nun schon zum zweiten Mal. Es musste daran liegen, dass die Götter aus irgendeinem Grund nicht wollten, dass ich heiratete, wie es sich für jeden anständigen Senator gehörte. Erneut drang ein tiefes Seufzen aus meiner Brust, ich stieß mich ab und ging zu dem Sessel hinter meinem Schreibtisch. Die Lehne umgriffen, blieb ich stehen und betrachtete das Zimmer, dann verwarf ich das Vorhaben, mich zu setzen, und ging stattdessen zu dem schmalen Tisch hinüber, auf dem Wein und Wasser stand. Ich goss mir einen unverdünnten Becher ein, nahm ihn auf und ging zum Fenster, um in den unfreundlichen, dunklen Garten hinauszusehen. Gelegentlich nippte ich am Wein, triste Gedanken im Kopf und Leere im Körper. Es hätte alles gut enden können. Vielleicht wäre ich sogar glücklich geworden. So aber musste ich ein drittes Mal von vorn beginnen. Und um Celerina war es schade. Sie wr lebenslustig und gewitzt gewesen. Es würde schwer werden, nun wieder jemanden zu finden, der einerseits politisch geeignet, andererseits menschlich annehmbar war.

    Ein Nicken bestätigte, dass ich verstanden hatte. Die villa Claudia also, gut, dann würde ich den Brief dorthin senden. Bei dem anderen Thema indes hatte ich Mühe, nicht schockiert dreinzusehen. Nach allem, was gewesen war, hatte ich ihr doch niemals gewünscht, den Tod zu finden. Und das in ihrem Alter. Ich blinzelte und senkte den Blick, unfähig, etwas zu erwidern. Das war eine Nachricht, die, so nebensächlich sie auch hervorgebracht worden war, mich dennoch traf. "Danke für..." murmelte ich, riss mich dann zusammen und blickte den Claudier wieder an. "Danke für die Information." Durcheinander, überrascht und mich durch und durch seltsam fühlend, fiel mir nichts ein, was ich weiters noch sagen konnte, und so schüttelte ich nach einer Weile nur ansatzweise den Kopf. "Kann ich dir sonst noch behilflich sein, Claudius?"

    Ein Bote war angewiesen worden, einen Brief hier abzugeben.



    Ad
    Manius Tiberius Durus
    villa Tiberia



    M. Aurelius Corvinus M' Tiberiio Duro s.d.


    Vielleicht ein wenig unerwartet erreicht dich dieser Papyrus.
    Nach deinem interessanten convivium wäre es mir Freude und Ehre zugleich, mich mit einer Einladung zur cena zu revanchieren. So du es kurzfristig einrichten kannst, erwarte ich dich ANTE DIEM X KAL DEC DCCCLVIII A.U.C. (22.11.2008/105 n.Chr.)* hier in der villa. Ich bin mir sicher, dass wir äußerst interessante Gesprächsthemen finden werden.


    Vide ut valeas.


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    [Blockierte Grafik: http://img231.imageshack.us/img231/7353/siegelaureliavn5.png]


    ROMA, KAL DEC DCCCLVIII A.U.C. (21.11.2008/105 n.Chr.)


    Sim-Off:

    * Wir können gern auch schon heute mit dem Simmen beginnen.


    Gnaeus Fabius Antistes war ein durch und durch nachtragender Mann. Für all die Scherereien, die ihm verursacht worden waren, wollte er Rache. Er war nicht mehr rex sacrorum, nicht einmal mehr pontifex. Und für diese Demütigung war seiner Meinung nach nur ein Mann Schuld: Marcus Aurelius Corvinus.


    Von dem Geld, das er über Monate hinweg eingestrichen hatte, war kaum etwas übrig geblieben. Dennoch war er großzügig gewesen unter den sodales, sodass er nun die Mehrheit der Stimmen hinter sich und seiner Entscheidung wusste. Fleißige Boten des Aureliers hatten am gestrigen Tage die collinischen Salier zu einer Zusammenkunft zwecks Kooptation eines Claudiers zusammengerufen. Deswegen waren sie heute hier. Fabius Antistes hatte dafür gesorgt, dass jene, die bestechlich gewesen waren, sehr viel früher anwesend waren als Aurelius Corvinus. Mit einem untrerdrückten, hämischen Grinsen auf dem Gesicht wartete der Ex-Rex darauf, dass der Senator eintraf und sein Rachefeldzug seinen Lauf nehmen konnte.

    Vermutlich stürzte er sich deswegen so sehr ins Lernen, weil er hier in Rom keine andere Ablenkung hatte. Zumal seine Familie in Germanien ansässig war und nicht hier in Rom. Ich grübelte allerdings nicht allzu lange darüber nach, denn Verus sagte bald, dass sie bisher keinen Besuch von einem septemvir bekommen hatten. Missbilligend runzelte ich dir Stirn. Aber was hatte ich erwartet? Fulvius Frugi war nicht gerade zuverlässig, wie ich fand, also war es eigentlich kein Wunder, dass Verus und Orestes noch nicht besucht worden waren. Ich seufzte. Und Louan begann zu lachen. Diesmal ließ ich mich anstecken und grinste breit mit. "Ja, schon ein seltsamer Name. Du müsstest ihn erst einmal sehen, dann wüsstest du auch, warum er wohl so heißt", erwiderte ich ein wenig schadenfroh, aber dennoch gemessen leise. "Wie dem auch sei, es ist schon seltsam, dass er euch nicht besucht hat. Da werde ich wohl mal nachfragen müssen."

    Wie glücklich ein wenig Geld doch machen konnte. Ich schmunzelte ein wenig vor mich hin und setzte mich dann wieder. "Das freut mich", erwiderte ich und warf erneut einen Blick auf die Orchidee auf der Tischplatte. "Du kannst dir mit der Illustration ruhig die Zeit nehmen, die du dafür brauchst. Mir ist es lieber, die Bilder sehen schön aus, als dass sie schnell fertig sind und nur halb so gut aussehen wie die Orchidee. Was wirst du machen mit dem Geld? Ich hoffe doch, dass du es sparen wirst", sagte ich. Ich wusste nicht warum, aber der Junge erinnerte mich kurioserweise an mich selbst, obwohl es dazu eigentlich keinen Grund gab.