Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Die versteckte Drohung bewirkte rein gar nichts bei Fabius Antistes. Einzig der Umstand, dass Ursus von Unterlagen wusste, machte ihn ein wenig skeptisch hinsichtlich des tatsächlichen Wissens. Was wusste Ursus wirklich? Wie viel hatte sein Onkel ihm verraten, obwohl er zum Schweigen vereidigt worden war? Im Grunde war es allerdings einerlei: Es gab die Unterlagen vermutlich nicht mehr, denn jeder Makel auf der toga des rex sacrorum war auch ein Makel auf der kaiserlichen toga. So stand Antistes weiterhin lächelnd vor der versammelten Mannschaft und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Was dieser Aurelier da nun abzog, war ein letztes Aufbegehren, das musste er so gut wissen wie Antistes es tat. Auch über die drohende Neukooptation machte er sich keine Gedanken, vermutlich würde er sogar der neue magister werden, immerhin hatte er genügend dafür hingeblättert.


    "So beginnen wir also mit der deinen, Aurelius, denn ich sprach zuerst. Solltest du erneut kooptiert werden, besitzt zu selbstverständlich das Recht, ebenfalls eine Bestätigung zu verlangen", erwiderte der Ex-Rex ruhig. Statt, wie es bisher üblich gewesen war, die Anwesenden zu fragen, ob jemand etwas gegen die Mitgliedschaft eines Neuen einzuwenden hatte, kürzte der Fabier die Sache legitim ab, indem er mit leicht herrischem Unterton fragte: "Gibt es jemanden in diesem Raum - von dir, Claudius, einmal abgesehen - der Aurelius Ursus weiterhin als Mitglied dieser ehrbaren Gemeinschaft sehen möchte?"


    Antistes sah sich um. Hier und dort zuckte eine Hand, wanderte jedoch nicht empor. Der junge Mann von eben wirkte unglücklich mit seiner gesenkten Hand, vermied es jedoch, Ursus dabei anzusehen. So wie er handhabten es beinahe alle, sah man von zweien ab, die sich offensichtlich gegen den Fabier stellten: Cornelius Imbrex und Cloelius Quadratus. Antistes blickte den Flavier an. Ihn hatte er nicht geschmiert, aus Angst vor dem pontifex Gracchus, der doch mit dem Aurelier befreundet war, dem er dies hier alles zu verdanken hatte. "Nun?" hakte er nach, doch war es auch einerlei, wie der Flavier sich entschied. Zwei wären ebenso zu wenig gewesen wie drei Stimmen für den Verbleib des Aurelius Ursus im Gremium der collinischen Salier. Überlegen grinsend wandte sich Antistes an Ursus. "Tja. Heute endet also deine Mitgliedschaft in dieser Sodalität. Ich wünsche einen angenehmen Heimweg."



    Sim-Off:

    Das Ausscheiden ist abgesprochen

    Nachdenklich betrachtete ich meinen neuen Klienten. Seiner Antwort entnahm ich, dass es wohl nicht nur die Gastfreundschaft dieser Freunde war, die er nicht länger strapazieren wollte, sondern auch eine möglichst schnelle Eigenständigkeit, die er erreichen wollte. Mir fiel Horatius Pansa ein. Es wäre vielleicht gar keine schlechte Idee, ihm diesbezüglich einen Brif zu senden, überlegte ich. "Ich habe einen alten Freund, dem einige Wohnungen in der Nähe der horti maecenatis gehören. Das ist keine schlechte Wohngegend und sie liegt relativ zentral. Wenn du möchtest, spreche ich ihn auf freie Liegenschaften an. Ich könnte dir vorerst auch anbieten, hier ein Gästezimmer zu beziehen, allerdings glaube ich zu ahnen, dass dies nicht das ist, was du möchtest", schlug ich vor und lächelte kurz.


    "Was die Finanzen betrifft... Sobald du dich als discipulus verdingst, wirst du ein wenig Geld bekommen. Vermutlich wird das aber nicht reichen, dich über Wasser zu halten, bis du das Bürgerrecht erhalten hast. Wenn du etwas benötigen solltest, zögere nicht, mich das wissen zu lassen, Quintus Philo. Mit Horatius Pansa, dem die Wohnungen gehören, ließe sich auch sicherlich eine zufriedenstellende Lösung finden."

    Ein schräges Schmunzeln zeichnete sich auf meinem Gesicht ab, als Philo mir beinahe überschwänglich dankte. Ein Nicken später streckte ich ihm meine Hand entgegen. "Dann besiegeln wir die Zusammenarbeit", sagte ich und wartete, dass er einschlug.


    Nachfolgend offenbarte er mir seinen Wunsch, Apollo dienen zu dürfen. Mir fiel der Claudier wieder ein, den ich zu einem Priester des Apollo gesteckt hatte. Wie hieß er doch gleich, Mummius? Vielleicht wäre es doch besser, Philo bei dem Claudier zu platzieren, das würde allerdings den Nachteil haben, ihm gegebenenfalls keine Schützenhilfe geben zu können. So verwarf ich den Gedanken wieder. Orestes würde ihm ein guter Lehrer sein. Erneut nickte ich Philo zu. "Sehr gut, dann verlasse ich mich auf dich. Hast du bereits eine Bleibe hier?" erkundigte ich mich, denn wenn er recht frisch aus Patavium kam, war er vermutlich nur in einem Gasthaus untergekehrt und suchte noch nach einer entsprechenden Behausung.

    Ein wenig gestelzt vielleicht, wirkten die Worte des Pompeius dennoch aufrichtig auf mich. "Nun gut. Dann wirst du fortan mein Klient sein. Du brauchst nicht jeden Tag zur salutatio kommen, doch ich erwarte natürlich, dass du mir Wissenswertes berichtest und mich über deine Vorhaben und deine Karriere auf dem laufenden hältst - letzteres allerdings wird wohl recht einfach vonstatten gehen, immerhin wandert deine Akte über meinen Schreibtisch." Ein Schmunzeln folgte hierauf.


    "Ich will dir also vertrauen und hoffe, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht, ebenso, wie ich auf deine Loyalität Wert lege", fuhr ich fort und reichte dem Pomperius hernach die Hand, um das Patronat zu besiegeln.

    Obwohl beide Unterhaltungen in gewisser Weise interessant waren, musste ich mir eingestehen, dass ich mehr dem neu aufgekommenen Thema der selbstgewählten Heiratsverordnungen Gehör schenkte als Aristides. Für ihn war es nun ohnehin eher belanglos, sah man von den Arrangements seiner Kinder später einmal ab. So schwieg ich, statt zu antworten, und versuchte, aus beiden Unterhaltungen möglichst viel mitzubekommen, was sich bisweilen als gar nicht so einfach erwies. Da ging es um Stände und zeitgleich um jagende Adler, und es kostete meine ganze Konzentration, Aristides Überraschung zu signalisieren und zeitgleich mir Worte zu überlegen, die meine Meinung zum standesübergreifenden Heiraten deutlich machten.


    Eigentlich hatte Orestes etwas dazu sagen wollen, doch durch den Zwischenfall mit dem Alten war er unterbrochen worden. Fragend sah ich ihn an, doch als ich den Kopf wieder wandte, spürte ich Durus' Blick auf mir ruhen. Im Großen und Ganzen hatte er schon recht, wie ich fand. Natürlich musste man stets Für und Wider abwägen.... Ich nickte einige Male, um meine Zustimmung zu signalisieren. "Ich würde keine meiner Nichten an einen Plebejer verheiraten, dessen Name unbekannt ist. Natürlich hatten wir-" - wobei ich die Patriziergeschlechter meinte - "-einmal einen ganz anderen Stand, als das heutzutage der Fall ist. Manchen mag das Standesdenken daher nicht zeitgemäß vorkommen oder unnötig erscheinen, für mich ist es allerdings nach wie vor ein wichtiger Faktor, auch wenn ich es längstens nicht so streng sehe wie beispielsweise mein Vater es tat", fuhr ich fort und ließ mir Wein nachschenken. Den Vergleich mit dem Claudier hätte ich, wäre er ausgesprochen worden, Durus krumm genommen. So aber... "Ich kann dir daher nur zustimmen, Durus, man sollte sich nicht unter Wert verkaufen, aber auch nicht darüber."


    Ich warf Aristides einen Blick zu. "Flavius, hättest du deine Frau auch geheiratet, wenn sie von niederem Stand gewesen wäre?" fragte ich ihn.

    Fabius Antistes hatte inzwischen einen düsteren Gesichtsausdruck aufgesetzt und bedachte Ursus mit eisigem Blick. Keiner konnte ahnen, wie schwach der Kaiser wirklich war, keiner, der nicht so oft mit ihm zu tun gehabt hatte wie er selbst. Abfällig schürzte er die Lippen. "Und hast du dich nie gefragt, warum er so viele wichtige Entscheidungen anderen überlässt? Seinem Bruder oder diesem fetten Stadtpräfekten?" scharrte er. "Nur leider kann ihm niemand die Entscheidungen abnehmen, nicht wahr? Die muss er noch schön selbst treffen, aber da kommt es bisweilen wie gerufen, wenn jemand scheinbar echte Beweise vorlegt. Da prüft keiner nach, denn das würde ja Arbeit bedeuten. Ressourcenverschwendung, die man anderweitig einsetzen könnte. Oder gar etwas wie Eigeninitiative!"


    Der Fabier schälte sich nun von seiner Liege und erhob sich ein wenig schwerfällig. Im gleichen Moment trat der Flavier ein - auch so ein Schmarotzer, aber ungefährlich...und damit ebenso nutzlos. Fabius verschwendete nicht einmal ein Nicken in dessen Richtung. "Dein Onkel ist ein hinterlistiger Betrüger! Was glaubst du, worauf er es abgesehen hat? Hmh? Nun, da gleich drei ehrbare Männer des Gremiums verwiesen wurden? Hm?" Antistes war sich sicher, dass der Aurelier es auf den Posten des Opferkönigs abgesehen hatte. Aber da würde er sich lange freuen, denn weder war er weise genug noch hatte er die nötige Erfahrung vorzuweisen. Allfällig würde man ihm einen Platz im collegium zugestehen. Der Kaiser würde ohnehin nur ja und amen sagen, wenn nur der Vorschlag durchdacht vorgebracht wurde. Elendige Marionette, die er war. Antistes' Gesicht zierte ein bitterer Zug bei diesen Gedanken, dann brach sich langsam ein Lächeln Bahn und er wandte sich demonstrativ von Ursus ab. "Meine Freunde, ich hege den Verdacht, dass wir einer Verschwörung anheim fallen. Ich schlage, resultierend aus dieser zweifelhaften Lage, damit vor, den höchstverehrten Aurelius Ursus ebenfalls mit einer Neuwahl zu bestätigen, oder aber der Sodalität zu verweisen." Schmeichlerisch waren die Worte gewesen. Stille folgte auf sie. Dann setzte leises raunen ein, die meisten der Anwesenden hatten fortgesehen, als Ursus sie mit seinem Blick fixiert hatte. Nun erhob sich einer. "Das...das ist..." begann er, doch ein Freund legte ihm hastig die Hand auf den Unterarm und schüttelte den Kopf. Antistes' Kopf ruckte herum. "Was wolltest du sagen, Pomonius?" Der Besagte tauschte einen Blick mit seinem Freund und setzte sich wieder. "Nichts...ich meine... Eine gute Idee", murmelte er, was Antistes zutiefst befriedigt nun wieder sich zu Ursus umwenden ließ.

    Sim-Off:

    Wertkarte der Familie, bitte.




    Ad
    Decima Seiana
    insula angularis, habitatio Aeliana in Alexandria
    AEGYPTUS



    M. Aurelius Corvinus Decimae Seianae s.d.


    Es hat mich sehr gefreut, etwas von dir zu hören, Seiana, und ich danke dir für die Glückwünsche anlässlich meiner Berufung in den Senat.


    Die alexandrinischen Neuigkeiten dich betreffend habe ich mit Interesse verfolgt, und ich kann dir nur sagen, dass du sowohl meine Unterstützung als auch meine Anerkennung dafür hast, dich im Bildungswesen zu engagieren. Ich bin gespannt, ob das Museion zu Alexandria erkennt, welchen Vorteil es aus deiner Mitarbeit ziehen kann. Zwar ist mir nicht ganz klar, ob und wie die schola und das Museion zusammenarbeiten, doch sollte diese Beziehung nicht ohnehin schon von engen Kontakten geprägt sein, bietet sich dir vielleicht die Möglichkeit, zwischen beiden Institutionen vermitteln zu können. Der Senator Germanicus ist ein Mann, mit dem es sich recht gut verhandeln lässt. Mein Rat für dich wäre, dich nicht unter Wert zu verkaufen.


    Und wo wir nun schon bei der Wirtschaft angelangt sind, würde ich gern Neues über deine Betriebe erfahren. Mein vilicus schwärmt zwar von der Güte der in deinem Betrieb produzierten Tonwaren, doch wie steht es um die Bilanzen?


    Mir ist nun es leider vergönnt, Alexandrien einmal selbst zu bereisen. Als Senator besteht ohne die kaiserliche Erlaubnis keine Möglichkeit, die Provinz zu erkunden, und ich habe es bedauerlicherweise nicht geschafft, in den Süden zu reisen, ehe ich berufen wurde. Wie ich hörte, sollen die Menschen dort sehr sonderbare Essgewohnheiten und eine sehr ausgeprägte Wettleidenschaft haben?


    Der Name Aelius Archias sagt mir leider nichts, was vielleicht auch daran liegen mag, dass er sich nicht in Rom einen Namen gemacht hat. Dennoch kann es nur von Vorteil sein, eine Verbindung zum Kaiserhaus einzugehen. Ist er denn Ritter oder hat er einen einflussreichen Patron? Ist er vielleicht sogar nahe mit Aelius Quarto oder dem Kaiser selbst verwandt? Ich kann dir auf der Basis meines derzeitigen Kenntnisstandes nur empfehlen, ihn zu ehelichen, wenn dies seine Absicht ist.


    Die Lage in Rom ist derzeit turbulent. Die Wahlen stehen an, zwei meiner Neffen kandidieren und der Dienst an den Göttern scheint aus irgendeinem Grunde gerade sehr gefragt zu sein. Wie du zudem sicher weißt, steht die einhundertste Ausgabe der Acta kurz bevor. In diesem Sinne möchte ich dich bitten, die Augen weiterhin nach interessanten Themen aufzuhalten, denn leider kommen die Provinzen sehr oft zu kurz, was Mitteilungen und Berichte betrifft.


    In der Hoffnung, bald mehr über Alexandrien und seine Bewohner, sowie über dich selbst und deine Ambitionen zu erfahren - gern auch in einem Artikel für die Acta! - schließe ich.
    Die Götter mögen über deine Pfade wachen.


    Vale.


    [Blockierte Grafik: http://img382.imageshack.us/img382/2755/macunterschriftmn6.png]





    [Blockierte Grafik: http://img231.imageshack.us/img231/7353/siegelaureliavn5.png]


    ROMA, KAL DEC DCCCLVIII A.U.C. (29.11.2008/105 n.Chr.)


    Der kühle Luftzug war das erste, das den nahenden Gast ankündigte. Obwohl im Speisezimmer Kohlebecken aufgestellt worden waren, strich der Lufthaus einem dennoch um die Beine. Schließlich gab ich das Knobelspiel auf, seufzte und legte es auf einem Beistelltisch ab. Dann kam auch schon Saba herein, dicht gefolgt von meinem Gast. Ich erhob mich von der cline und nickte Saba zu, die eine Verbeugung andeutete und dann verschwand, wohl, um in der Küche Bescheid zu geben.


    "Durus, mein Freund", grüßte ich ihn und umgriff zum Gruße mit der Rechten seinen Unterarm. "Es freut mich, dass du es so kurzfristig einrichten konntest. Bitte, nimm doch Platz." Hernach deutete ich auf die Gruppe von Liegen, denn Durus würde sich aussuchen können, wo er gern liegen wollte. Im Idelafall suchte er sich einen mittleren Eckplatz aus, so würde es sich über Kreuz sehr gut reden lassen. Ich ließ mich entsprechend nieder. Davon, dass er ursprünglich noch eine Begleitung gehabt hatte, ahnte ich nichts. Ein Sklave bot das obligatorische Wein-Wasser-Gemisch und süßen mulsum zur Auswahl auf einem Tablett dar, und ich wählte selbst den Honigwein, der, ebenso wie Durus' Wahl, in ägyptischen Kelchen aus blauem Glas gereicht wurde.


    "Nun", begann ich und fragte mich, ob es wohl gut wäre, mit dem vermutlich heikelsten Thema gleich einzusteigen. Über einen Umweg würde man sicher noch darauf zu sprechen kommen. "Habt ihr schon einen Nachfolger für Fabius Antistes gewählt?"

    Antistes verzog das Gesicht, als der Aurelier zunächst nicht auf seine Worte einging, sondern demonstrativ den Claudier begrüßte. Als er dann an der Reihe war, hatte er Mühe, seinen Unmut über den Konter zu überspielen. Seine Lider kniffen sich zu schmalen Schlitzen zusammen, dann aber entspannte er sich merklich und zeigte ein süffisantes Schmunzeln.


    "Dein Onkelchen ist schon wieder gegangen, ihm war wohl nicht so gut...." erwiderte der Fabier und verursachte damit verhaltenes Gelächter bei einigen Anwesenden. "Deine Frage solltest du überdies besser an den Kaiser richten. Aber sei vorsichtig, mit seiner schier gottgleichen Macht scheint er manchmal über die Strenge zu schlagen." Boshaft und abfällig waren die letzten Worte gewesen. Es wurde offensichtlich, dass Antistes nicht nur die Entscheidung, sondern auch den Kaiser selbst kritisierte. Diesmal lachte niemand, einige blickten betreten zu Boden, andere zeigten gar keine Regung. "Oder du fragst dein Onkelchen, Aurelius, der wird doch sicher gern damit prahlen, dass er einem ehrbaren Mann glaubhaft Lügenmärchen andichten konnte!" Fabius Antistes schnaubte, dann aber nickte er verstehend. "Ach, lass mich raten... Er spricht nicht darüber, was? An deiner Stelle würde ich das vielleicht auch nicht tun, sonst verhaspelt er sich noch und die Wahrheit kommt ans Licht. Antistes' Blick bohrte sich in den Ursus'.

    Sim-Off:

    Solange du dir das alles merken kannst :D
    Unter suum cuique > deine Tabulariumsseite > Charakterbeschreibung kannst du solche Dinge auch vermerken, das kann teilweise für dich selbst hilfreich sein :)


    Es war also eine der typischen Vater-Sohn-Geschichten, wie sich herausstellte. Zwar konnte ich nicht recht nachvollziehen, weshalb der Vater seinem Sohn die civitas versagt hatte - die Abneigung das Militär betreffend war ein Grund, der mich selbst niemals so weit gehen lassen würde - doch nun war das Kind nun einmal in den Brunnen gefallen, und das bereits vor sehr langer Zeit.


    Abschließend ließ sich also zusammenfassen, dass Vater und Sohn sich uneins gewesen waren, und dass der Sohn nun den Weg seiner Ahnen einschlagen und sich die civitas romana zurückverdienen wollte. Auch bestand irgendwann das Interesse, sich politisch zu betätigen, und wer wusste, ob jemand, der jetzt ein peregrinus war, später nicht vielleicht ein wertvoller politischer Verdündeter würde sein können? Dass er vermutlich kaum über Mittel verfügte, musste nichts heißen. Es gab viele equites oder gar homines novi, die sich binnen kurzer Zeit einen Namen gemacht hatten.


    Ich schwieg noch einen Augenblick lang, nachdenklich mit den Fingerkuppen einer Hand über das Kinn streichend, dann nickte ich andeutungsweise. "Also gut, Quintus Philo aus Patavium. Ich will dir gern dabei helfen, deiner Familie wieder zu einem Namen zu verhelfen." Was nicht nur zweideutig klang, sondern auch so gemeint war. "Natürlich wirst du dir vorerst kleine Ziele stecken müssen. Wir müssen den Kaiser auf dich aufmerksam machen, aber das geht nur, wenn deine Taten für dich sprechen. Ich werde sehen, inwiefern ich in deine Ausbildung eingreifen kann. Manius Orestes, einer meiner Vettern, ist Priester des Iuppiter. Gegenwärtig betreut er zwei Schüler, allerdings wird einer der beiden in Kürze seine Prüfung absolvieren. Das bedeutet, dass ich dich bei ihm unterbringen könnte. Präferierst du denn eine bestimmte Gottheit?" fragte ich.


    "Was deine finanziellen Mittel betrifft, mache dir keine Sorgen. Ich werde dich unterstützen, allerdings setzt das voraus, dass du dich an mich wendest, wenn du in einen Engpass gerätst. Ich schätze Ehrlichkeit und Offenheit an meinen Klienten. Du wirst aber nicht tagtäglich zur salutatio herkommen und Bericht erstatten müssen, dennoch wünsche ich natürlich, dass du mich über Veränderungen und Schwierigkeiten in deinem Leben informierst", fuhr ich fort und nahm einen Schluck Wein, ehe ich Philo kurz zulächelte. "Ist das mit deinen Vorstellungen vereinbar?"

    Ein wiederholtes, abwägendes Nicken, das war meine Antwort. Die Begründung klang sinnig, doch noch war ich nicht recht davon überzeugt, ob ich ihn wählen sollte oder nicht.


    Die Frage des Avarus indes ließ mich dann wieder aufhorchen, konnte man sie doch allzu leicht als Infragestellung seiner Herkunft deuten. Ebenso heikel waren die folgenden Worte, doch entbehrten sie ganz sicher nicht der Logik. Tatsächlich erschien es nun auch mir zweifelhaft, dass der junge Mann lieber für ein politisches Amt kandidierte als sich der Expedition angeschlossen zu haben. Interessiert verfolgte ich die weitere Diskussion und vor allem die Antwort des Decimers.

    "Was!" Ein Ruf hallte von fern durch die villa, dicht gefolgt von einigen Geräuschen. Ein Scharren, Schritte. Eine leise Stimme, die etwas erwiderte. Dann erneut ein Ruf, ein wenig leiser diesmal. "Und ... sagt mir ... keiner?" Irgendwo fiel eine Tür ins Schloss, dann näherten sich schnelle Schritte. Meine Schritte.


    Kurz darauf betrat ich das atrium, ein freudiges Strahlen auf dem Gesicht. Dort standen Tilla und Hektor, der einen Teppich trug. Und einige andere Sklaven, die herumwuselten und Dinge trugen. Ich sah von Tilla zu Hektor und an Hektor vorbei, dann blieb ich neben ihm stehen. Allmählich wich der erwartungsvolle Ausdruck einem fragenden Stirnrunzeln. Ich wandte mich an Hektor. "Wo ist sie?" wollte ich wissen. Es durfte auf der Hand liegen, wen ich meinte. Wo war Prisca? Ich musterte Hektor scharf. Sie war doch nicht etwa...? Es ging ihr doch gut? Ein ungutes Gefühl beschlich mich. "Hektor, wo ist sie? Wo ist Prisca?" fragte ich erneut, diesmal nicht mit einem Lächeln, sondern mit großer Sorge im Gesicht.

    "So ist es", erwiderte ich nur. "Viel Erfolg, wir sehen uns später." Ob ich später tatsächlich die Lust haben würde, mich über diesen korrupten Fabius zu unterhalten, würde sich zeigen. Vorerst jedenfalls machte ich mich - allerdings ein klein wenig milder gestimmt - auf den Heimweg.


    Drinnen diskutierte man gerade über irgendeine Belanglosigkeit, doch der Kopf hinter der ganzen Intrige sah auf, als zunächst ein Claudier und dann Ursus eintrat. Der Blick eben noch interessiert, schaltete Antistes mehrere Gänge zurück, als er Ursus' gewähr wurde. "Was los ist, quaestor?" fragte Antistes scheinbar arglos und bedachte Ursus nun mit einem listigen Blick. "Ah, da ist ja auch unser vermutlich neues Mitglied. Guten Abend, Claudius."

    "Er braucht keine, es ist das gute Recht jedes sodalis, Titus", erwiderte ich und seufzte. Das war ja das verzwickte an der Geschichte. Und da der Ex-Rex über genügend Überzeugungskraft verfügt hatte, stand auch im Vornherein schon fest, dass meine Zugehörigkeit nicht bestätigt werden würde. "Nein. Aber das ist auch nicht ausschlaggebend. Wäre nicht ich es gewesen, hätte ein anderer das Schicksal seiner Karriere besiegelt." In dieser Hinsicht war es sogar gut gewesen, dass ich es gewesen war und nicht Ursus selbst, der schließlich quaestor consulum gewesen war.


    "Ehe ich gehend gemacht werde, gehe ich selbst", erklärte ich. "Aquilius ist neuer magister der Palatiner. Ich werde ihn um Kooptation bitten. Es ist ungeheuerlich, da hast du recht. Aber so etwas muss ich mir nicht bieten lassen, und ich stehe dem machtlos gegenüber, wenn er die Mehrheit hinter seinem Rücken weiß." Ich musterte Ursus. "Vielleicht haftet diese Sache nur mir an und nicht dem Namen der gens. Dann hättest du Glück."

    Tatsächlicherweise kamen nicht täglich Bittsteller, um mich um ein Patronat zu bitten. Allerdings musste man einräumen, dass es in letzter Zeit auffallend mehr geworden waren, die mich dahingehend aufsuchten. Gestern erst hatte ich einen Brief von Decima Seiana erhalten, und vor ein paar Tagen hatte mich ein Pompeius gebeten, sein Patron zu werden. Auffallend hierbei war, dass auch Quintus Philo in den Dienst der Götter treten wollte.


    "Dann bist du in Patavium geboren worden und hast dennoch nicht die civitas romana?" hakte ich nach. Diesen Umstand verstand ich nicht, waren doch mit der lex Plautia Papiria vor beinahe zweihundert Jahren all jene mit dem Bürgerrecht ausgestattet worden, die südlich des Eridanos gelebt hatten. Später war mit der lex Pompeia de Transpadanis auch der Norden bedacht worden, wenngleich auch nicht derart konsequent.


    "Ah, ich verstehe. Ein hehres Anliegen, das du da hast", fuhr ich dann fort, nachdem er geendet hatte. Nun brachte auch endlich ein Sklave den georderten Wein, und bot ihn zunächst dem Gast, dann mir auf einem Tablett dar. Ich nahm meinen Glaskelch und hielt ihn zunächst locker in der Hand, ohne davon zu trinken. "Das ist sie nicht, da hast du ganz recht. Ehe ich in die Politik ging, war ich der Meinung, dass sich beide Bereiche strikt trennen ließen, aber inzwischen weiß ich, dass dies ein Irrglaube war." Ich trank einen Schluck Wein. "Dann hast du also vor, nachdem du eine Weile im Tempeldienst tätig gewesen bist, dich der Politik zuzuwenden und den cursus honorum zu absolvieren? Oder reizt dich die Ritterlaufbahn? Ich will ehrlich sein, erst jüngst ist ein sehr angesehener, tatkräftiger Mann nicht zum Senator erhoben worden, weil er nicht als römischer Bürger auf die Welt gekommen ist. Vielleicht wäre es günstiger, zum eques hinzuarbeiten." Mein Gegenüber wirkte vom Intellekt her nicht so, wie ich mir einen Peregrinen vorstellte. Allein aus diesem Grunde heraus war ich schon geneigt, seinem Anliegen zuzustimmen. Doch noch gab es Klärungsbedarf, und mein Urteil wollte ich erst ganz am Schluss fällen. "Verfügt deine Familie über genügend Mittel?"

    Ich hatte nicht zu abweisend geklungen, oder doch?`Ein wenig nachdenklich sah ich dem Claudier hinterher, als er davonzog und das Gebäude betrat. Wenigstens musste ich nun nicht mehr die Fassade aufrecht erhalten, was Ursus an einem entrüsteten Schnauben meinerseits auch bemerken durfte. "Selbst wenn ich wollte, kann ich nicht", erwiderte ich. "Dem guten Fabius Antistes scheint allerdings der Wein nicht bekommen zu sein. Er verlangt eine erneute Kooptation meinerseits, und er hat fast alle Anwesenden geschmiert, dieser... Sohn einer räudigen Hündin", sagte ich zynisch, und gerade der letzte Teil des Satzes musste meinen Ärger nur allzu offensichtlich werden lassen, gebrauchte ich doch sonstig nie solcherlei gossenhafte Ausdrücke. Ich machte eine unwirsche Geste. "Er schiebt mir seinen Karriereabstieg in die Schuhe."

    Es kostete mich einige Mühe, zumindest einen der beiden Mundwinkel hinlänglich hinaufzuziehen, was das geplante Lächeln auch der nicht hinzugezogenen Augen wegen ohnehin platonisch wirken ließ. So gab ich es recht schnell auf und schob einen Seufzer hinterher. "Dies ist nicht deine Angelegenheit, Claudius. Hab dennoch Dank für deine Worte", erwiderte ich, als Ursus schon in Hörweite war. Er zog sich an der toga herum. Ich sah ihm auf den letzten paar Schritten entgegen, straffte mich dann ein wenig. "Nein." Eine kurze Pause entstand, dann fuhr ich fort. "Und nein. Geht ohne mich hinein. Vielleicht hat das Geld für dich nicht mehr gereicht, Titus", fügte ich lakonisch hinzu und kräuselte freudlos die Lippen.

    Mit der erneuten Versicherung war alles gesagt, und so schrieb ich als Gottheit Apollo auf die Wachstafel und schob sie anschließend ein wenig fort, um mich nun ganz dem anderen Anliegen zu widmen. Die Erklärung bezüglich dieses Kultes genügte mir vollkommen, was ich durch ein anerkennendes Nicken zeigte. Auf die Begründung indes, warum er mich zum Patronen auserkoren hatte, erwiderte ich ein kurzes Lachen. "Ah, ich würde von meinem Patron mehr erwarten als den Umstand, dass er selbst ein schönes Leben hat, Pompeius." Ein Grinsen. "Aber ich verstehe, was du sagen willst. Treue und Aufrichtigkeit sind wichtige Eigenschaften. Ich verlange beides von meinen Klienten, denn nur so kann man einvernehmlich agieren. Du sagst, du bist nicht nahe mit Antipater von den Pompeii verwandt? Und erzähle mir noch ein wenig über dich. Was hast du gemacht, ehe du hergekommen bist?"

    Ihre Worte hingen einen Moment im Raum. Wie Wolken, die sich vor einem Berg stauen und Kraft sammeln, um ihn zu überwinden. Ich erwägte Fhionns Worte, blickte ihre zerschundenen Rücken an. Dann sah ich fort, nach rechts. Und die Tür bewegte sich. Im entstehenden Spalt erschien Tilla, und sie war der Grund, aus dem nun wieder meine Wut emporbrodelte. Mit einigen langen Schritten war ich bei der Tür und riss sie vollends auf. Brix, der nicht weit entfernt stand, sah mich erschrocken an. Ich schubste Tilla mit einer energischen Bewegung fort. Sicher würde sie straucheln ob der Wucht. "Was muss ich noch tun, damit du endlich einmal lernst, wann du besser bleibst, wo du bist? Das hier ist kein Kinderspielplatz, hier geht es gesittet zu! Lerne es, oder trage die Kosequenzen!" Mit Ingrimm wandte ich mich um, ließ den Blick über Brix und Siv schweifen und verschloss dann ein weiteres Mal von innen die Tür, um mich Fhionn zuzuwenden. Tilla schien keinen sonderlich guten Spürsinn für brisante Situationen zu haben. Sie tauchte immer dann urplötzlich auf, wenn man sie partout nicht gebrauchen konnte.


    Ich griff nach Fhionns Tunika und zog sie ihr wieder über die Schultern. Das musste ich mir nicht länger ansehen, es war genug. Ich hatte auch so verstanden, dass Matho nicht der gewesen war, für den ich ihn gehalten hatte. langsam ging ich um meinen Schreibtisch herum und setzte mich, barg den Kopf für einen Moment in den Händen. "Also gut", sagte ich nach einer kleinen Ewigkeit. "Ich erspare dir den Tod am Kreuz." Hernach lehnte ich mich zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und musterte Fhionn. "Aber dir ist klar, dass ich dich nicht hierbehalten kann. Ich schicke dich fort. Nach Sardinien, auf meine Olivenplantage." Erneut musterte ich sie, um die Reaktion abzuschätzen.