Caius Cossius Calenus hatte nicht lange Zeit zum Verschnaufen. Als hätten sie sich abgesprochen, fuhr nun eine ganze Reihe von Wagen auf das Marsfeld und auf ihn zu. Zunächst entsetzt, fand er doch recht zügig wieder zurück zu seiner Contenance und winkte seine fleißigen Helferlein herbei, auf dass sie einen Wagen nach dem anderen nach verbotenen Vorrichtungen absuchten.
Ein Wagen, der aus der factio Aurata tammen musste, war der erste, dem Cossius sich widmete. Voller Elan sprang der junge Lenker herunter und kam ihm schwungvoll entgegen. Cossius besah sich den Mann, es schien ihm, als habe er ein übergroßes Selbstbewusstsein. Na hoffentlich ging dem Jungspund das nicht während jeder Runde mehr verloren, dachte Cossius bei sich. Wer so lange dabei war wie er selbst - immerhin hatte er es bis zum Rennleiter geschafft, was durchaus ein verantwortungsvoller Posten war - wusste, dass Mut so manches Mal schwand während eines Rennens. Er winkte den Helfern, dass sie beginnen sollten, woraufhin sie Deichseln, Speichen und Gestänge genaustens untersuchten. Cossius selbst wandte sich dem Mann zu, der sich als Decimus Serapio vorstellte. Er überflog seine - kurze - Liste und und tippte schließlich mit dem Griffel auf den Namen des Decimus. "Faustus Decimus Serapio, da haben wir dich. Schicker Wagen, übrigens." Der stylus ritzte einen Haken ins Wachs hinter dem Namen, dann legte Cossius die Tafel wieder auf den Tisch zurück. "So, für die Aurata." Er zuckte mit den Schultern, man hatte bewusst darauf verzichtet, die erfahrenen Rennfahrer der Ställe einzuladen. "Tja, dann wünsch' ich dir man Glück für's Rennen, nech. Wenn du einen Rat von mir willst, dann denk' am besten nicht zu viel über den Gewinn nach, den der Sieger am Ende bekommt." Er beugte sich zu Serapio und fügte in verschwörerischer Manier hinzu: "Und sag deinen Pferden nich', dass eins von ihnen hin is', wenn du's wirklich machst. Die merken sowas!" Er grinste den Decimus an, zwinkerte und warf dann einen Blick zu seinen Kollegen. Sie schüttelten mit dem Kopf, was ein Zeichen war, dass alles in Ordnung war, und Cossius klopfte dem Decimus wuchtig auf die Schulter. "Also, Hals un' Beinbruch denn, nech?"
Kaum hatte er sich dem einen ab- und dem nächsten zugewandt, wuselten die Helfer auch schon um den nächsten Wagen herum. Er war in blau gehalten, und Cossis schlussfolgerte daraus, dass er von der Veneta zur Verfügung gestellt worden war. Diese Leihgaben waren durchaus üblich bei solchen zivilen Rennen, immerhin hatte kaum jemand, den kurzfristig die Lust packte, an einem solchen Wettbewerb teilzunehmen, eine bigae im Keller stehen. An den Speichen dieses Wagens waren einmal Dornen angebracht worden, man sah die dunkle Verfärbung noch am Holz, doch hatte man sie augenscheinlich abmontiert für das heutige Rennen. Der Fahrer war bald angemeldet, der Wagen kontrolliert, und so wurde Platz geschaffen für den nächsten in der Reihe.
Die Pferde spielten neugierig mit den Ohren, als Cossius, mit seiner Wachstafel bewaffnet, dem Fahrer entgegen ging - Decimus Crassus. Er klopfte einem der beiden Tiere auf die Kuppe und lehnte sich dann leicht ans Holz der Kanzel. "Salve, Decimus. Ha, ich hab' grad nen Dejá vu, ein Verwandter von dir hat sich eben auch angemeldet." Cossius suchte und fand den Namen und machte einen Anwesenheitsvermerk dahinter. Die Helfer nahmen derweil den Wagen in Augenschein. "Nen Netten Wagen hast'e da. Von der Russata geliehen?" fragte er den Mann, den er irgendwo doch schon einmal gesehen hatte... "Also, ich wünsch' dir nen angenehmens Rennen. Den Senator hab' ich vorhin auch schon geseh'n." Er deutete unbestimmt in die Richtung, wo die ganzen Senatoren saßen, und grinste. Die Männer, die ihm halfen, fanden auch an diesem Gespann nichts auszusetzen, und Cassius winkte ihn durch. "Hals un' Beinbruch, Junge!"
Allmählich stieg die Sonne, und Cossius förderte sein Tuch zu Tage und wischte sich über die Glatze. Der nächste Fahrer war nicht weit, sein Gespann nicht als Leihgabe eines bestimmten Rennstalls zuzuordnen. Das war aber auch nicht weiter schlimm, denn den Wagen konnte der Rennleiter ohnehin nicht zulassen. Dornenbewährt bis an die Zähne, ausstaffiert mit allerlei raffinierten Tücken, musste Cossius den Fahrer samt Gefährt leider sperren. Während der Fahrer tobte, schaffte man seinen Wagen aus dem Weg, um so Platz für den nächsten zu machen.