Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Ich folgte Tillas Bewegung mit den Augen und ließ den Blick kurz auf dem Messer weilen. Dass sie eines trug, störte mich nicht, denn gerade die kleine Tille hatte sich in der Vergangenheit doch als loyal erwiesen. Die Sache um Matho herum hatte sie zwar verschreckt, doch dass sie selbst mit dem Messer etwas anderes tun würde als Obst zu schneiden oder dergleichen, kam mir nicht in den Sinn. Dazu war die Klinge vermutlich weder groß noch scharf genug. Laevina indes schien sich zu freuen. Kurz dachte ich, sie würde mich umarmen - so wie Prisca es oft tat - dann jedoch bedankte sich Laevina sittsam und ich seufzte stumm. "Gern geschehen, Laevina", erwiderte ich nur und schmunzelte.


    Dann trat Caecus heran und verkündete, dass ein Besucher im atrium wartete, der mich zu sprechen wünschte. Ich sah in den Himmel hinauf und blickte dnan Caecus an. "Jetzt?" fragte ich, und der Sklave nickte beteuernd. Ich seufzte abermals und trank meinen Saft in einem Zuge leer. "Entschuldige mich bitte", sagte ich zu Laevina gewandt und erhob mich. "Wenigstens habt ihr nun genügend Zeit, euch kennenzulernen." Ich zwinkerte Laevina zu und fügte dann an: "Aber denk bitte an die Begleitung, ich möchte nicht, dass etwas passiert." Damit verließ ich die Terrasse und begab mich ins atrium.

    "Dann herzlichen Glückwunsch", erwiderte ich auf die Information bezüglich der Kooptation hin, wirkte allerdings dann ein wenig zerstreut. "Ja... Catulus. Das ist eine Sache für sich, er überlegt, wieder zurück zu reisen. Scheinbar hat er sich Rom ganz anders vorgestellt." Ich zuckte mit den Schultern, noch unwissend darüber, dass Catulus binnen einer Woche bereits nicht mehr in der villa in Rom wohnen und sich dann schon auf dem Heimweg befinden würde. Ich seufzte leise.


    Orestes lenkte das Gespräch wieder in - für ihn - erfreulichere Gefilde, und ich machte zum ganzen Sachverhalt ein Gesicht, als hätte ich soeben in einen sauren Apfel gebissen. "Vieles kann man sich auch schön reden, Manius." Wie Tiberius mit der Wahl seines Patrons beispielsweise, dachte ich mir und räusperte mich. Dann sagte Orestes etwas, das mich ihn ebenso mitleidig wie entsetzt ansehen ließ. "Herrje, Manius!" Ich schüttelte den Kopf. "Das ist keine gute Grundlage, wenn du dein Weib mit Bedacht wählen willst." Ich schwieg betreten und spielte mit den Fingerkuppen am Rand des Weinbechers herum. "Denk an Deandra, und wie blind mich das gemacht hat, damals. Tu mir bitte einen Gefallen, und bewahre dir deinen kühlen Kopf, insbesondere, was diese Entscheidung angeht." Ein eindringlicher Blick folgte, ich seufzte tief. "Ich wollte dich eigentlich fragen, ob du mit mir kommen möchtest. Tiberius Durus hat mich eingeladen zu einem Gastmahl. Das wäre ideal für dich, soweit ich weiß, kommen auch einige bedeutende Senatoren. Nur... Kann ich mich darauf verlassen, dass du keine Dummheit begehst in Bezug auf diese Tiberia? Wir könnten dann im Anschluss nachforschen, wer dafür Sorge zu tragen hat, dass sie einen geeigneten Ehemann erhält. Jenachdem..." Orestes mochte mich vielleicht für ein wenig paranoid halten ob dieser Worte - und er hatte recht! Mit den Tiberiern machte ich nie gern gemeinsame Sache, sofern es nicht Durus war, mit dem ich sehr gut auskam.

    Sim-Off:

    Ach, na dann! :P


    Hätte ich gewusst. welche innerlichen Qualen der junge Mann erlitt, so hätte ich ihn gewiss nicht so auf die Folter gespannt. Allerdings konnte man nun förmlich sehen, wie die Anspannung von ihm abfiel. Ich bedachte ihn mit einem freundlichen Lächeln. "Wirklich, das ist sehr schön, Louan. Als du sagtest, dass du zeichnen kannst, hatte ich viel weniger erwartet als...dies hier. Das ist ein Kunstwerk, dass diese Bezeichnung wahrhaftig verdient", lobte ich weiterhin mit vollem Ernst und betrachtete das Pergament erneut von allen Seiten und allen erdenklichen Winkeln. Proportionen, Farben, Strichführungen - es stimmte einfach alles. ich war ernsthaft begeistert. Wieder sah ich den Jungen an, diesmal mit deutlicher Anerkennung im Blick. "Ja? Hm... Vermutlich hast du recht, Louan", erwiderte ich nachdenklich mit gerunzelter Stirn. Einen Moment noch sann ich darüber nach, dann lächelte ich ihn ob der Frage an, die er stellte. "Du könntest in der Bibliothek nachsehen, wenn du möchtest. Es steht dort ein recht dickes Werk mit dem Namen Liber plantae. Und eine Abschrift der De materia medica, das hat ein gewisser Pedianos Dioskorides verfasst, in dem du allerdings nur wenige Pflanzen finden wirst, die hier im Garten wachsen. Das Liber plantaeist eine Sammlung, die ich..." Da fiel mir etwas ein. Ich hob die Brauen und sah Louan an. "Dieses Buch ist eine Art Studienbuch von mir... Allerdings ist es bisher nicht illustriert, ich habe da nicht so das Händchen für, musst du wissen." Ich machte eine Pause. "Du schon."

    Als ich nach der salutatio das Haus auf dem Weg zum Senat verließ, spazierte ich an den Pferden vorbei, die, gehalten von Sklaven, auf ihre Reiter warteten. Mir war die Einladung zwar auch angetragen worden, doch hatte ich sie mit einem aufgesetzten, milden Lächeln dankend abgetan - ich vermochte mich nicht auf einem Pferd zu halten. So nickte ich Ursus schlichtweg zu, während ich an ihm vorbeiging, und hoffte, dass die aurelischen Damen sich ihres Standes und ihrer Würde bewusst genug waren und nicht den Rücken eines Pferde besteigen würden, wie Plebejerinnen und Sklaven es bisweilen taten. Meinen persönlichen Sklaven, darunter auch Siv, hatte ich es freigestellt, ob sie sich anschließen wollten oder nicht.

    Kaum betrat eine junge Dame den Raum - zunächst dachte ich mir nichts dabei - schien Orestes taub für jedes weitere Wort zu sein und nur mehr Augen und Ohren für die zugegebenermaßen ansehnliche Dame zu haben. Spätestens bei der Veränderung seines Verhaltens - und sei sich als noch so gering zu erachten gewesen - registrierte ich, wer die junge Dame war. Kurz darauf bestätigte Durus die Feststellung noch einmal. Ob jemand anderer Orestes' Aufmerksamkeit bemerkt hatte, wusste ich nicht zu sagen. Ich selbst allerdings war bereits vorgewarnt gewesen, und so war es kaum verwunderlich, dass mir auffiel, welcher Art die Blicke waren, die er ihr zuwarf. Ich unterdrückte ein Seufzen. Später stünde wohl ein diskreteres Gespräch mit Durus an. Dass ich nicht begeistert war von Orestes' Verhalten, lag auf der Hand, doch ich versuchte es zu überspielen, was mir meiner Meinung nach auch recht gut gelang.


    Der nächste Gang war ebenso delikat wie der vorherige, und ich tat es Aristides gleich und widmete mich zunächst erst einmal meinem gut gefüllten Teller. Die anderen waren derweil beim Erbrecht angelangt, wie ich mit einem Ohr vernahm. Locker auf den rechten Ellbogen gestützt, lauschte ich dann den Worten des Flaviers. Bisweilen erschien er mir ein wenig unbedarft, doch war er ein Mann des Krieges, und ein Krieg zog an niemandem vorbei, ohne Spuren zu hinterlassen. Erneut wirkte er ein wenig orientierungslos, fand ich. "Ganz recht", erwiderte ich und kostete erneut von dem zarten, rosafarbenen Fleisch. "Vermutlich ist da jeder anders, aber mir persönlich hilft es, bei schwierigen Entscheidungen die Götter um Rat zu fragen." Und die Ahnen, fügte ich für mich selbst gedanklich hinzu und hatte im nächsten Moment Mühe, ein amüsiertes Lachen zu unterdrücken. Das ganze andere Zeug davor... Es klang so banal und bedeutungslos. Was es im Grunde wohl auch war, aus der Sicht von jemandem, der dem leibhaftigen Feind auf dem Schlachtfeld gegenüber gestanden hatte. So schwand mein Schmunzeln recht bald. Ich konnte zwar nicht mitreden, was den Krieg betraf, doch wenn ich ehrlich war, so war mir dies ganz recht. Und jemandem, der sein Leben gegen den Feind zu verteidigen gewusst hatte, dem hatte ich keine lehrreichen Worte entgegenzubringen bezüglich der Politik, das stand mir nicht zu. Zumal der Flavius auch viel älter war als ich selbst.


    "Vielleicht kannst du diesen traditionellen Weg berücksichtigen, wenn du dich irgendwann aus dem Kriegsgeschäft zurückziehen möchtest", erwiderte ich also freundlich und trank einen Schluck Wein. Dass Epicharis das eine wie das andere gutheißen würde, dachte ich mir schon. Immerhin wäre ihr Mann damit aus der Schussbahn, und dass ihr an ihm lag, war nicht nur auf der Hochzeit offenbar geworden. Seine nächste Frage überraschte mich dann allerdings - ich hatte geglaubt, er hätte das vor Jahren geführte Gespräch längst wieder vergessen. Erfreut hob ich eine Braue. "Bedauerlicherweise nicht, nein. Zunächst hat es mir an einem geeigneten Jagdgefährten gefehlt, dann an der Zeit, und letztens fehlt es mir an beidem", erklärte ich und stellte den Weinpokal ab. "Zudem wüsste ich nicht einmal, welches Gebiet lohnend wäre oder was es zu beachten gilt." Das entsprach der Wahrheit, denn lesen konnte man viel, das eigentliche Tun allerdings war dann schon etwas anderes. Und gejagt hatte ich bisher noch nie.

    Bei der anschließenden, abrupten Bewegung hin zum Quell der Stimme rutschte der Docht meiner Öllampe ein wenig tiefer ins Öl hinein, was nach sich zog, dass das ohnehine schon kleine Flämmchen nur noch etwas mehr schrumpfte. Dunkle Haare umrahmten ein dunkles Gesicht - nicht weiter verwunderlich angesichts der mondlosen Nacht - doch das ersehnte Ja kam nicht als Antwort, sondern sein Gegenpart. Enttäuschung schlug über mir zusammen wie die Welle über dem Ertrinkenden, ich schalt mich gedanklich einen Narren - natürlich hätte Prisca ihr Kommen angekündigt, wie ich sie gebeten hatte.


    Nun wollte ich allerdings genauer wissen, wen ich dort vor mir hatte. Prüfend kniff ich die Lider zusammen, als die Frau im Dunkel erriet, wen sie dort vor sich hatte. Corvinus. Warum nur glaubte letztlich jeder in dieser Familie, er müsse mich so förmlich anreden? Ich seufzte leise. "Ja", gab ich zur Antwort und schritt nun näher heran. Es war doch schon kühl, allmählich in dieser Jahreszeit, und ganz besonders zu solch später Stunde, wenn man draußen war. Was mich zur Frage brachte, warum sie draußen war, wer immer sie auch sein mochte. Helenas Stimme klang definitiv anders, zudem wusste ich sie im Süden Italiens bei ihrer Tante. Mit jedem Schritt, den ich näher kam, erkannte ich mehr von - wie sich jetzt herausstellte - Severas Gesicht. Nun stahl sich auch ein Lächeln auf meine Züge. "Severa? Ja ist denn das möglich?" fragte ich mit deutlich zum Positiven hin veränderter Stimme und blieb schließlich nahe bei ihr stehen. "Man erkennt dich ja fast nicht wieder, und daran ist sicherlich nicht nur die Dunkelheit schuld", sagte ich und schmunzelte. "Ich wusste gar nicht, dass du wieder zu Hause bist - bist du heute Abend angekommen?" Anders würde es kaum Sinn machen, dann hätte ich doch davon erfahren, dass Severa anwesend war. "Kannst du nicht schlafen?"

    Es war spät gewesen, als Orestes und ich vom Gastmahl bei Tiberius Durus in die villa zurückgekehrt waren. Wir beide hatten dem Wein gut zugesprochen, auch wenn Orestes sich ob der Anwesenheit einer ganz bestimmten Tiberia doch sehr gezügelt hatte. Vermutlich war er bereits ins Bett gegangen, überlegte ich. Selbst jedoch bar jeder Müdigkeit, hatten mich meine Schritte vor den kleinen Hausaltar geführt, wo ich die Glut geschürt und mit geübten Gesten die so vertrauten Handgriffe durchgeführt hatte. Weihrauch verströmte seinen intensiven Duft immer noch, obwohl die Glut bereits erkaltet war. Lediglich eine Öllampe spendete schummriges Licht. Ich hatte Zwiesprache gehalten mit den Ahnen, hatte ihnen leise von Celerina erzählt und den Dingen, die mir eine Bürde waren. Es erleichterte stets, sie mit jemandem zu teilen, und nur die Ahnen waren mir geblieben, seitdem Prisca durch Italien reiste.


    Schlussendlich, die Morgenstunde musste bereits näher denn Mitternacht sein, erhob ich mich. Mit steifen Gliedern und dumpf pochendem Schädel nahm ich die Öllampe und strebte jedoch nicht etwa meinem Gemach entgegen, sondern lenkte meine Schritte zum Peristyl hin, um noch ein wenig der klaren, frischen Luft zu schöpfen, mit der die Nacht Rom zumeist überzog. Ich hatte die Schwelle hinaus gerade erreicht, als ich einen schwachen Lichtschein sah. Innehaltend runzelte ich dir Stirn und strengte die Augen an, doch außer dem Schein konnte ich nichts entdeckten, weder Quelle des Lichts noch etwas anderes. Ich sah in das Licht meiner Öllampe und dachte nach. Bis eine zarte Stimme erklang, hatte ich noch vermutet, es handelte sich um eine vergessene Öllampe. Doch dann kniff ich überrascht die Augenlider zusammen. War sie es wirklich? War sie zurück?


    Zügig machte ich einen Schritt hinaus, und schalt mich gedanklich einen Narren, dass ich eben ins Licht hatte schauen müssen - nun sah ich rein gar nichts mehr, zumindest für eine Weile. "Prisca?" fragte ich und blieb stehen, um nicht noch gegen eine Säule zu laufen, die ich schlichtweg nicht sah. Die Ohren gespitzt, nur noch die tunica tragend, die ich unter der toga auf dem Bankett getragen hatte, harrte ich der erlösenden Antwort. Wenn sie zurück war, würde ich endlich wieder jemanden haben, dem ich bedingungslos all das anvertrauen konnte, was mich bewegte.

    Du hast geschrieben:


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    Coco ist für sämtliche Büroarbeiten zuständig


    Du nimmst den Text raus bis auf folgenden, dann geht's.


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    Coco ist für sämtliche Büroarbeiten zuständig

    Nach und nach stimmten die Herren ab. Letztendlich entstand eine Parrsituation, und die Befürchtung, die ich während der Diskussion entwickelt hatte, wurde zur Gewissheit, als der Kaiser abstimmte. Oder es nicht tat. Genau genommen tat er gar nichts und wirkte ebenso desinteressiert an der Abstimmung wie an der gesamten Diskussion. Ich nagte verstohlen auf meiner Unterlippe. Ging es ihm denn so schlecht, dass ihn Wohl und Weh der religiösen Seite des Reiches derart wenig am Herzen lag? Zumindest ein Nein hätte doch kommen können. Ich war enttäuscht, nicht ob des Ergebnisses wegen, sondern vielmehr ob der Trägheit des höchsten pontifex dieses collegiums wegen.


    Wie befürchtet, wurde der Verzicht auf eine Stimme statt als Enthaltung als Gegenstimme gewertet. Allein diese Tatsache verärgerte mich ein wenig, doch dass es der Fabier war, der so selbstgefällig dieses Ergebnis präsentierte, machte mich erst recht wütend. Ich schluss für einen Moment die Augen und sammelte mich. Letztendlich war des Kaisers Trägheit mit der Hauptgrund, aus dem ich nicht mit ihm allein sprechen, sondern dem versammelten collegium mitteilen wollte, welche Schlangen sie in ihrer Mitte nährten.


    Ich erhob mich, als ich dazu aufgefordert wurde, zu gehen. "Das Ergebnis eurer Abstimmung werde ich dem collegium septemvirorum mitteilen." Erfreut würde wohl keiner darüber sein, dachte ich mir, doch mehr denn vorschlagen konnten wir nicht tun. Ein wenig Unruhe ergriff mich nun. "Verzeiht, ehrenwerte pontifices, doch es gibt noch eine zweite Sache, ob derer ich gern Bericht erstatten will. Ich wage zu behaupten, dass sie ungleich wichtiger ist." Die Pause, die ich machte, war nur kurz, denn ich konnte mir nicht sicher sein, dass man mir gestatten würde, ein weiteres Anliegen vorzutragen. "Es betrifft die pax deorum."

    Wenn ich auch nur geahnt hätte, was während des Weges hinter Celerinas Stirn vorgegangen war, so wäre es mir wohl nun gänzlich unmöglich gewesen, etwas wie den Keim von Unbegafangenheit vorzuspielen. Doch ich ahnte nichts, wusste noch viel weniger, und so nahm das Wort Liebe in meinen Gedanken keinen Platz ein, als ich ihr aus der Sänfte half. Achtung und Respekt waren sehr wohl vorhanden, die dringliche Notwendigkeit der Heirat war mir ebenfalls stets präsent im Sinn, Freude darüber, sie wiederzusehen, war genauso vorhanden, wenngleich sie auch einher ging mit dem Unwohlsein der unkontrollierbaren, möglichen Wendungen des Schicksals wegen.


    Ein marginales Schmunzeln umspielte meine Mundwinkel, als sie ihre Freude äußerte - ich glaubte ihr aufs Wort, dass dem so war, was mir einersetzt ein wenig des flauen Gefühls nahm, andererseits bedauerte, ihr gerade einmal halb so viel erwidern zu können, wenn überhaupt. Doch spielte ich meine Rolle, die des Werbenden, und als solcher sollte man nicht unbedingt sein Innerstes zum Äußersten kehren und ein Gesicht ziehen, das wie drei Tage Regenwetter wirkte. Dennoch, ihre Reaktion betrachtete ich gespannt, denn wenn ich mit der Überraschung falsch liegen mochte, wäre dies ein schlechter Einstieg in das Vorhaben, welches ich heute zu vollziehen gedachte. Einmal mehr achtete ich penibelst darauf, keine Emotion in solche Überlegungen einfließen zu lassen. Die Vergangenheit hatte gezeigt, dass dies bei weitem besser war. - Es gefiel ihr. Erleichterung schwappte träge an die Ufer der Anspannung, und ich lächelte. "Nun ja, das Horaztheater ist nicht gerade für seine Größe bekannt, aber mir gefällt seine Lage. Mit guten Schauspielern lässt sich hir durchaus ein angenehmer Abend verbringen, und genau das habe ich mit dir vor." Ich lächelte Celerina an und deutete nach unten, wo mittig die Kissen bereit lagen. Ich führte Celerina auf eine der kleinen Treppen zu, die hier und dort das Theater unterteilten, und geleitete sie hinunter. "Ich hoffe, du hast meinetwegen keine Schelte bekommen", sagte ich auf dem Weg zu den Kissen und meinte natürlich die verzwackte Situation im flavischen Garten und warf Celerina einen Seitenblick zu.

    Sim-Off:

    Das macht nichts, es geht mir ja derzeit nicht anders. :)


    "Sehr gut, dann danke ich dir. Hast du sonst noch Fragen, Decimus? Ansonsten wünsche ich dir viel Erfolg. Ich werde natürlich ebenfalls auf dem Marsfeld dabei sein und sehen, wie du dich schlägst." Ich schmunzelte den jungen Mann an. Ob er wusste, dass ich einmal Mitglied der Goldenen gewesen war? Sicherlich nicht, sein Gesicht erschien mir unbekannt, und Meridius hatte doch immer daran gelegen, uns mit allen möglichen seiner Verwandten bekannt zu machen.

    Caius Cossius Calenus hatte nicht lange Zeit zum Verschnaufen. Als hätten sie sich abgesprochen, fuhr nun eine ganze Reihe von Wagen auf das Marsfeld und auf ihn zu. Zunächst entsetzt, fand er doch recht zügig wieder zurück zu seiner Contenance und winkte seine fleißigen Helferlein herbei, auf dass sie einen Wagen nach dem anderen nach verbotenen Vorrichtungen absuchten.


    Ein Wagen, der aus der factio Aurata tammen musste, war der erste, dem Cossius sich widmete. Voller Elan sprang der junge Lenker herunter und kam ihm schwungvoll entgegen. Cossius besah sich den Mann, es schien ihm, als habe er ein übergroßes Selbstbewusstsein. Na hoffentlich ging dem Jungspund das nicht während jeder Runde mehr verloren, dachte Cossius bei sich. Wer so lange dabei war wie er selbst - immerhin hatte er es bis zum Rennleiter geschafft, was durchaus ein verantwortungsvoller Posten war - wusste, dass Mut so manches Mal schwand während eines Rennens. Er winkte den Helfern, dass sie beginnen sollten, woraufhin sie Deichseln, Speichen und Gestänge genaustens untersuchten. Cossius selbst wandte sich dem Mann zu, der sich als Decimus Serapio vorstellte. Er überflog seine - kurze - Liste und und tippte schließlich mit dem Griffel auf den Namen des Decimus. "Faustus Decimus Serapio, da haben wir dich. Schicker Wagen, übrigens." Der stylus ritzte einen Haken ins Wachs hinter dem Namen, dann legte Cossius die Tafel wieder auf den Tisch zurück. "So, für die Aurata." Er zuckte mit den Schultern, man hatte bewusst darauf verzichtet, die erfahrenen Rennfahrer der Ställe einzuladen. "Tja, dann wünsch' ich dir man Glück für's Rennen, nech. Wenn du einen Rat von mir willst, dann denk' am besten nicht zu viel über den Gewinn nach, den der Sieger am Ende bekommt." Er beugte sich zu Serapio und fügte in verschwörerischer Manier hinzu: "Und sag deinen Pferden nich', dass eins von ihnen hin is', wenn du's wirklich machst. Die merken sowas!" Er grinste den Decimus an, zwinkerte und warf dann einen Blick zu seinen Kollegen. Sie schüttelten mit dem Kopf, was ein Zeichen war, dass alles in Ordnung war, und Cossius klopfte dem Decimus wuchtig auf die Schulter. "Also, Hals un' Beinbruch denn, nech?"


    Kaum hatte er sich dem einen ab- und dem nächsten zugewandt, wuselten die Helfer auch schon um den nächsten Wagen herum. Er war in blau gehalten, und Cossis schlussfolgerte daraus, dass er von der Veneta zur Verfügung gestellt worden war. Diese Leihgaben waren durchaus üblich bei solchen zivilen Rennen, immerhin hatte kaum jemand, den kurzfristig die Lust packte, an einem solchen Wettbewerb teilzunehmen, eine bigae im Keller stehen. An den Speichen dieses Wagens waren einmal Dornen angebracht worden, man sah die dunkle Verfärbung noch am Holz, doch hatte man sie augenscheinlich abmontiert für das heutige Rennen. Der Fahrer war bald angemeldet, der Wagen kontrolliert, und so wurde Platz geschaffen für den nächsten in der Reihe.


    Die Pferde spielten neugierig mit den Ohren, als Cossius, mit seiner Wachstafel bewaffnet, dem Fahrer entgegen ging - Decimus Crassus. Er klopfte einem der beiden Tiere auf die Kuppe und lehnte sich dann leicht ans Holz der Kanzel. "Salve, Decimus. Ha, ich hab' grad nen Dejá vu, ein Verwandter von dir hat sich eben auch angemeldet." Cossius suchte und fand den Namen und machte einen Anwesenheitsvermerk dahinter. Die Helfer nahmen derweil den Wagen in Augenschein. "Nen Netten Wagen hast'e da. Von der Russata geliehen?" fragte er den Mann, den er irgendwo doch schon einmal gesehen hatte... "Also, ich wünsch' dir nen angenehmens Rennen. Den Senator hab' ich vorhin auch schon geseh'n." Er deutete unbestimmt in die Richtung, wo die ganzen Senatoren saßen, und grinste. Die Männer, die ihm halfen, fanden auch an diesem Gespann nichts auszusetzen, und Cassius winkte ihn durch. "Hals un' Beinbruch, Junge!"


    Allmählich stieg die Sonne, und Cossius förderte sein Tuch zu Tage und wischte sich über die Glatze. Der nächste Fahrer war nicht weit, sein Gespann nicht als Leihgabe eines bestimmten Rennstalls zuzuordnen. Das war aber auch nicht weiter schlimm, denn den Wagen konnte der Rennleiter ohnehin nicht zulassen. Dornenbewährt bis an die Zähne, ausstaffiert mit allerlei raffinierten Tücken, musste Cossius den Fahrer samt Gefährt leider sperren. Während der Fahrer tobte, schaffte man seinen Wagen aus dem Weg, um so Platz für den nächsten zu machen.

    Auf die Frage hin nickte ich. "Das ist eine wichtige Frage. Der sacerdos, dem du dann vorerst zur Seite stehen wirst, entscheidet diese Angelegenheit mit dir gemeinsam", erwiderte ich. "Der Prüfung wird dann ein Mitglied eines collegium beiwohnen. Es kann schon passieren, dass man dir vor oder nach dem Opfer einige Fragen stellt, also solltest du nicht nur praktische Erfahrung haben, sondern auch das nötige theoretische Grundwissen. Jetzt wo ich weiß, dass du nicht ganz unerfahren bist, werde ich einen Priester vorziehen, der bereits einen Schüler unterrichtet, zu dem du dann hinzustoßen kannst, wenn dir das nichts ausmacht." Ich dachte an Orestes und den Duccier, die Grundlagen mochten die beiden bereits abgeklärt haben, Tiefergreifendes war gewiss noch nicht durchgenommen worden seit der Ernennung des Ducciers. "Gibt es sonst noch etwas?" fragte ich die Decima und lächelte.

    Selbst der freundschaftliche Knuff schien Aquilius nicht von den vermeintlich trüben Gedanken abbringen zu können. Ich seufzte leise, nippte an dem Weinbecher und verfolgte die Zeremonie von hier aus. Epicharis hatte das Gelübde inzwischen erwidert, und beide Ehepartner schienen plötzlich losgelöster zu sein. Ob es mir auch sio ergehen würde, irgendwann? Ich sann noch über diese Fragestellung nach, als gerade Celerina auf Aquilius und mich zukam, inne hielt und dann ihren Weg fortsetzte. Ich lächelte ihr kurz zu. Wie sie mich ansah, war mir einen Moment lang unheimlich, doch schnell war der Augenblick vorüber. Ich beeilte mich, mein Lächeln aufrecht zu erhalten, was mir auch gelang, bis ein flavisches Oh Corvinus erklang. Ein wenig durcheinander, warf ich Aquilius einen flüchtigen Seitenblick zu. Plötzlich war das Gefühl des Unwohlseins wieder da. "Nie könntest du stören, Flavia", erwiderte ich, was zwar nicht ganz der Wahrheit entsprach, da es mitunter auch Dinge zu bereden gab, bei denen weibliche Ohren nur störten, doch da wir ohnehin nichts geredet hatten, störte Celerina tatsächlich nicht.


    Weiter vorn hielt man gerade ein weiteres kleines Opfer ab, Epicharis und Aristides hatten sich auf ein schneeweißes Schaffell gesetzt, wie es Tradition war, und brachen gerade den Kuchen. Ich nippte erneut an dem Wein. Epicharis schien so glücklich, als würde sie wahrhaftig sogleich dieser Welt entschweben. Gracchus war der erste, der im Anschluss an das Opfer Die Glückwünsche herausrief. Ich hob den Becher halb in die Höhe. "Feliciter!" wünschte ich den beiden ebenso, dann fixierte mein Blick Celerina, da ohnehin alle möglichen Gäste nun auf das frischvermählte Paar zu stürmten, um zu gratulieren. "Was schenkst du den beiden? Ich habe lange überlegt und bin selbst jetzt noch nicht sicher, ob es wirklich das Richtige war." Das würde sich dann erst am morgigen Tage herausstellen.

    Zunächst einmal vorweg: Ich stecke hinter dieser Geschichte, und sie dient im Grunde nichts anderem als einerseits der Beschäftigung von CD und CU, die derzeit beide den gleichen schweren Stand (kein bzw. kaum Interesse von der breiten Masse der Spieler) im IR haben, andererseits der Beschäftigung der involvierten Spieler, um mal nicht schon wieder zum x-ten Mal die "wann verlobt, gab es Zeugen, ok ich trag's ein"-Story abzuspulen.


    Interna dieser Sache wurden mit Stella, Varus und der CU bereits SimOff hinreichend diskutiert und geklärt, es sollte dir genügen, wenn ich dir sage, dass natürlich gen Ende die Unschuld herauskommen und sich alles zum Guten wenden wird. Persönliche Wünsche wie der Verzicht auf Verhörung und derlei werden ebenso selbstverständlich berücksichtigt.


    Es sei dir Versichert, dass diese Geschichte lediglich als Spielpotential dient, nicht etwa als Kanal für nicht existierende SimOff-Streitereien. Und da halb Rom derzeit über die Sache spricht, scheint zumindest das gelungen zu sein. ;)



    Es war ein windiger Tag. Schals und Stolen flatterten munter im Wind und selbiger trieb bisweilen kleine Sandwolken über den campus. Caius Cossius Calenus, seines Zeichens Rennleiter, stand hinter einem provisorisch aufgestellten Tisch am Rande des Marsfeldes und wartete auf die mutigen Rennfahrer, die sich heute beweisen wollten. Er hatte sich sagen lassen, dass es nicht gerade viele mutige Männer in Rom und den Provinzen zu geben schien. Vielleicht war auch das ausgesetzte Preisgeld von dreitausend Sesterzen einfach zu gering, wer wusste das schon? Calenus zückte weiches ein Tuch und polierte sich die Glatze - dies war seine Unart. Ein Weilchen später steckte er es wieder fort und glich die Daten des ersten Fahrers mit denen ab, die auf der Wachstafel der Rennleitung vorlagen. Sosimus Imbrex, hieß der Mann, und seine Daten waren in Ordnung. Zwei fleißige Helferlein inspizierten die bigae und nickten dem Cassier anschließend zu, der daraufhin den Fahrer durchwinkte. Einige Vögel zogen träge über das Feld hinweg. Die Ränge füllten sich nur zögerlich. Ob das am Wind lag? Oder gar an der mangelnden Religiosität der....aber nein, das konnte nicht sein. Cossius schüttelte über sich selbst den Kopf und wartete auf den nächsten Fahrer...