Kurz erwägte ich, ob ich ein wenig enttäuscht fragen sollte, ob sich nur Aquilius über einen Besuch freuen würde, doch ich verwarf den Gedanken beinahe so schnell, wie er gekommen war. Solcherlei Kommentare grenzten an Schamlosigkeit, und ebendiese lag mir nicht besonders - oder eher bei exorbitantem Weinkonsum, der gegenwärtig nicht gegeben war.
Die Brisanz, die sich schlagartig entwickelte, als Celerina wieder auf Siv aufmerksam wurde, ließ mich die Situation mit noch mehr Aufmerksamkeit betrachten. Ich hatte seit dem Beginn unserer kleinen Expedition argwöhnt, dass Celerina lieber allein mit mir den Garten besichtigt hätte... Und auch bei ihrem Kommentar wurde - wenn man darauf achtete - deutlich, dass sie Siv nicht gerade zu mögen schien. Allerdings, wer hätte ihr dies verübeln können, nach dem Auftritt der Germanin? Das würde ohnehin noch ein Nachspiel haben, Siv musste das so klar sein wie mir selbst, auch wenn ich dem nicht gerade begeistert entgegensah. Doch wenn ich verhindern wollte, dass Sivs Verhalten nochmals entgleiste, und dieses Verhalten womöglich abermals dicht daran entlangschlitterte, wie meine Zukunft verlaufen mochte, so musste dieses Gespräch später sein.
Celerinas Kommentar wollte ich irgendwie auf amüsante Weise überspielen, damit wir wieder zur eigentlichen Intention hinter diesem Gartenrundgang zurückkommen konnten, da antwortete Siv ihr bereits, und ich gab mir die größte Mühe, nicht zu schmunzeln. Celerina kannte Siv nicht, wusste nicht, dass sie mit ihrer Bemerkung einen wunden Punkt getroffen und sie damit zum Kontern veranlasst hatte. Nebenbei stellte ich fest, dass sich ihr Latein deutlich gebessert hatte, seit sie bei dem flavischen Lehrer Stunden nahm. Ich fragte mich, ob sie der Flavierin absichtlich erzählte, mit welch primitiven Mitteln sie die exotischsten Pflanzen zum Gedeihen brachte. Doch damit nicht genug, sie fuhr fort, sprach von der derzeitigen Königin dieses Gartens und wies sogar zu ihrem Standort. Eigentlich hatte ich mir dieses Schmankerl für später aufheben wollen. Siv brachte damit also meine ganze vorgeplante Führung durcheinander. Was tun? Ich konnte mir doch unmöglich von einer Sklavin das Zepter aus der Hand nehmen lassen. Andererseits hatte ich wohl auch kaum eine Chance, Celerina von dieser Sehenswürdigkeit abzuhalten, und so lächelte ich zerknirscht. "Ahje. Eigentlich wollte ich mir die Orchidee bis zuletzt aufheben", sagte ich zu Celerina. "Um dich richtig auf die Folter zu spannen. Aber ich bin mir sicher, dass du jetzt nicht nein sagen kannst, wo du weißt, wo sie steht." Ich wies also einladend hinter Siv her, folgte jener dann mit Celerina am Arm. "Wenn sie ersteinmal blüht, wird sie die Zierde des Gartens sein." Kaum dort angelangt, musterte ich das zarte Pflänzchen. Bildete ich es mir nur ein oder war es tatsächlich gewachsen? Ich studierte es jedoch nicht weiter, sondern hatte erst einmal nur Augen für meine Begleitung. Diese Orchidee hatte ich vor Wochen eigens aus Asia bringen lassen. Sie war vermutlich die einzige ihrer Art in ganz Italien, und vermutlich hatte sie deswegen auch ein kleines Vermögen gekostet. "Gefällt sie dir?" fragte ich Celerina, obwohl die Pflanze bisher aus kaum mehr als aus Blättern und Wurzelwerk bestand.