Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Kurz erwägte ich, ob ich ein wenig enttäuscht fragen sollte, ob sich nur Aquilius über einen Besuch freuen würde, doch ich verwarf den Gedanken beinahe so schnell, wie er gekommen war. Solcherlei Kommentare grenzten an Schamlosigkeit, und ebendiese lag mir nicht besonders - oder eher bei exorbitantem Weinkonsum, der gegenwärtig nicht gegeben war.


    Die Brisanz, die sich schlagartig entwickelte, als Celerina wieder auf Siv aufmerksam wurde, ließ mich die Situation mit noch mehr Aufmerksamkeit betrachten. Ich hatte seit dem Beginn unserer kleinen Expedition argwöhnt, dass Celerina lieber allein mit mir den Garten besichtigt hätte... Und auch bei ihrem Kommentar wurde - wenn man darauf achtete - deutlich, dass sie Siv nicht gerade zu mögen schien. Allerdings, wer hätte ihr dies verübeln können, nach dem Auftritt der Germanin? Das würde ohnehin noch ein Nachspiel haben, Siv musste das so klar sein wie mir selbst, auch wenn ich dem nicht gerade begeistert entgegensah. Doch wenn ich verhindern wollte, dass Sivs Verhalten nochmals entgleiste, und dieses Verhalten womöglich abermals dicht daran entlangschlitterte, wie meine Zukunft verlaufen mochte, so musste dieses Gespräch später sein.


    Celerinas Kommentar wollte ich irgendwie auf amüsante Weise überspielen, damit wir wieder zur eigentlichen Intention hinter diesem Gartenrundgang zurückkommen konnten, da antwortete Siv ihr bereits, und ich gab mir die größte Mühe, nicht zu schmunzeln. Celerina kannte Siv nicht, wusste nicht, dass sie mit ihrer Bemerkung einen wunden Punkt getroffen und sie damit zum Kontern veranlasst hatte. Nebenbei stellte ich fest, dass sich ihr Latein deutlich gebessert hatte, seit sie bei dem flavischen Lehrer Stunden nahm. Ich fragte mich, ob sie der Flavierin absichtlich erzählte, mit welch primitiven Mitteln sie die exotischsten Pflanzen zum Gedeihen brachte. Doch damit nicht genug, sie fuhr fort, sprach von der derzeitigen Königin dieses Gartens und wies sogar zu ihrem Standort. Eigentlich hatte ich mir dieses Schmankerl für später aufheben wollen. Siv brachte damit also meine ganze vorgeplante Führung durcheinander. Was tun? Ich konnte mir doch unmöglich von einer Sklavin das Zepter aus der Hand nehmen lassen. Andererseits hatte ich wohl auch kaum eine Chance, Celerina von dieser Sehenswürdigkeit abzuhalten, und so lächelte ich zerknirscht. "Ahje. Eigentlich wollte ich mir die Orchidee bis zuletzt aufheben", sagte ich zu Celerina. "Um dich richtig auf die Folter zu spannen. Aber ich bin mir sicher, dass du jetzt nicht nein sagen kannst, wo du weißt, wo sie steht." Ich wies also einladend hinter Siv her, folgte jener dann mit Celerina am Arm. "Wenn sie ersteinmal blüht, wird sie die Zierde des Gartens sein." Kaum dort angelangt, musterte ich das zarte Pflänzchen. Bildete ich es mir nur ein oder war es tatsächlich gewachsen? Ich studierte es jedoch nicht weiter, sondern hatte erst einmal nur Augen für meine Begleitung. Diese Orchidee hatte ich vor Wochen eigens aus Asia bringen lassen. Sie war vermutlich die einzige ihrer Art in ganz Italien, und vermutlich hatte sie deswegen auch ein kleines Vermögen gekostet. "Gefällt sie dir?" fragte ich Celerina, obwohl die Pflanze bisher aus kaum mehr als aus Blättern und Wurzelwerk bestand.

    "Einhundertzehn aktuell, fünfzig nach der Wertstellung, ah, hm... Na, dann wäre es doch sinnvoll, wenn ich dir Karte sogleich wieder auffülle", erwiderte ich und nickte. "Was kannst du mir da anbieten?" Sonst hatte stets ein vilicus sich darum gekümmert, doch wenn ich schon vor Ort war, konnte ich es auch selbst tun. Varus' Worte bezüglich des Postboten erwiderte ich mit einem Grinsen. "Soso... ist er so flink oder so träge?" fragte ich nach. "Ah, ich kann nicht klagen. Das letzte Mal war in Mantua, dass wir uns gesehen haben, nicht? Da war ich noch frisch in der Politik..." Und wenn Fortuna mir hold war, würde ich bald die Senatorenwürden tragen. "Was hat dich denn dazu bewogen, Mantua den Rücken zu kehren? Ach nein, du brauchst gar nicht antworten - es wird das Gleiche gewesen sein wie bei mir. Rom ist doch ein ganz anderes Pflaster. Dagegen ist Mantua ein verschlafenes Nest", sagte ich lachend.


    Sim-Off:

    Soll ich dir den Inhalt des Beutels aufs CP-Konto überweisen und du verteilst es dann von da aus an den Richtigen?

    "Das ist im Grunde bei uns nicht anders", erwiderte ich auf Verus' Erklärung hin. "Natürlich gibt es Leibsklaven, aber ob die der ganzen Familie zur Verfügung stehen oder nicht, regelt eigentlich jeder anders." Ich erwiderte den nickenden Gruß von Senator Avarus. Das würde interessant werden. Sein Gesprächspartner bot, Orestes bot. Ich schmunzelte in mich hinein und widmete mich wieder Verus.


    "Nun, wenn sie interessant für euch wäre, würde sich doch gewiss eine Möglichkeit finden lassen", entgegnete ich. Die Familie der Duccier war groß, und irgendwo unter den Familienmitgliedern würde sich notfalls doch auch ein spendabler Patron finden, vermutete ich. Louan benahm sich derweil wieder gewöhnungsbedürftig. "Hm? Ach, das ist Germanicus Sedulus. Er hat gleichzeitig mit mir für eine Quästur kandidiert und wurde nach Germanien geschickt. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, Ursus ist recht dicke mit ihm." Verus' schlagfertige Antwort trieb mrir ein Grinsen aufs Gesicht. Es war gutes Wetter, roch zwar etwas unangenehm hier, aber ich hatte dennoch gute Laune. "Was haltet ihr davon, wenn wir später was trinken gehen? Ich lade euch ein. Wenn wir erfolgreich bieten, können wir auf den Sklavenkauf anstoßen." Ansonsten könnten wir uns aus Frust betrinken. Louans Entgegnung ließ mich eine Augenbraue heben. Kritisch musterte ich ihn. "Louan, lass es gut sein", sagte ich mahnend. "Oder willst du hier einen Streit vom Zaun brechen?" Dieser Bengel. Man merkte eben doch, dass er von der Straße kam, der Hitzkopf.

    "Hm? Ah. Na, das freut mich zu hören. Als septemvir wie als Verwandter", erwiderte ich. Ob Verus sich nur nicht traute, schlecht von Orestes zu sprechen? Nein, das war unsinnig, schoss es mir durch den Kopf. Der Duccier hatte schließlich schon bei unserem ersten Zusammentreffen seinen Ehrgeiz durchscheinen lassen, sicher würde er nicht damit hinter den Berg halten, wenn Orestes wider erwarten die Dinge schleifen ließ.


    Bei Verus' Worten wandte ich meinen Blick erneut der Sklavin zu. Ansehnlich war sie, aber hübsch fand ich sie nicht so sehr. Sie entsprach nicht meinem Geschmack, aber das war ja nicht weiter schlimm. Orestes bot soeben die Summe, die er zuvor vorgeschlagen hatte. Ich war gespannt, wann das Erwiderungsgebot von Senator Avarus folgte, und sah flüchtig zu ihm hin. Derweil fragte Orestes Louan aus. Aha, also waren sie sich auch noch nicht begegnet. "Hast du denn Verwendung für eine solche Sklavin?" fragte ich Verus. Nicht, dass sie bei uns etwas Außergewöhnliches würde zu tun haben, aber wenn Orestes sie kaufen wollte, würde er schon Aufgaben für sie haben. Und eine Sklavin, die schreiben und die Kithara spielen konnte, war sicher für vieles zu gebrauchen.

    Gerade, als Orestes bekundete, dass neun oder zehn Goldmünzen geboten waren, pickte sich der Sklaventreiber natürlich die bessere Zahl von beiden heraus. Amüsiert schmunzelnd nahm ich die pfiffige wie ebenso nichtssagende Antwort zur Kenntnis und war gespannt, wie der Senator darauf reagieren würde. "Nun, Duccius, wie-" begann ich, als jemand auf uns zu steuerte, der mir gerade noch gefehlt hatte. Ich hielt inne und seufzte leise. Allein die Begrüßung war schon wieder ein Grund, den Knaben achtkantig hinauszuwerfen, sobald wir wieder zu Hause waren. "Sein Name ist Louan. Ursus hat ihn angeschleppt", erwiderte ich leise, während der Knabe noch im Anmarsch war. Natürlich blickten wir ihm jetzt beide entgegen.


    Als er endlich bei uns angelangt war, was nicht einmal so einfach war angesichts der vielen Menschen, lehnte ich mich ein wenig zu ihm hin. "Louan, es wäre wirklich fabelhaft, wenn du hier nicht so einen Aufriss machen würdest. Ein paar Manieren täten dir ganz gut." Und zu Orestes gewandt fügte ich dann an: "Willst du sie? Nur zu, biete mit."

    Sim-Off:

    Lass uns lieber anschließend an den Sklavenmarkt-Thread was trinken gehen :)


    "Enttäusche besser die Götter nicht", erwiderte ich in aufgesetztem, ermahnendem Ton, lachte dabei aber. "Ah, leider kann ich noch nicht hier weg", erwiderte ich bedauernd und hob die Schultern. Meine Ablösung kam erst in gut vier Stunden, so lange hatte ich noch die Stellung zu halten. Vielleicht wollte noch jemand Priester werden oder trat mit einem anderen Anliegen an die septemviri heran. "Aber ein andermal klappt es bestimmt. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag, Duccius Verus. Du wirst bald von mir hören bezüglich deines Ausbilders."

    "Bitte, bleib sitzen", erwiderte ich, als der Annaeus aufsprang und mir entgegen lief. Kurz fragte ich mich, was ich getan hatte, um so aufopferungsvoll begrüßt zu werden. "Eine Quittung brauche ich nicht, nein. Mir reicht es vollkommen, wenn der Brief samt Geld auch sicher ankommt, aber daran habe ich keinen Zweifel. Das kostet allerdings extra, wenn ich es recht in Erinnerung habe? Ah, und dann würde ich gern in Erfahrung bringen, wie viel noch auf der Wertkarte verbucht ist." Der Präfekt schien ganz schön im Stress zu sein, doch er wirkte ganz so, als hätte er dennoch Spaß an seiner Arbeit. Ich beobachtete ihn eine Weile, wie er in das Wachs seiner Tafel ritzte. "hast du viel zu tun dieser Tage?" fragte ich dann. Ich stellte mir das Amt eines Postbeamten recht langatmig vor. Sicher hatte man selten Abwechslung.

    "Dann habe ich seinerzeit wohl Glück gehabt, dass Felix nicht in der Nähe war, als ich deinen Verwandten Aquilius besucht habe", erwiderte ich schakhaft. Wir waren damals nicht gerade zimperlich mit einem kleinen Tisch verfahren, wie ich mir in Erinnerung rief. Auch die Rosen hatten damals ihren Teil abbekommen, doch weiter schwieg ich darüber, denn das Thema war eines, von dem Celerina besser nichts weiter wusste. Ich musterte Celerina von der Seite. "Vielleicht ist es mir gestattet, irgendwann den flavischen Garten noch einmal unter professioneller Aufsicht zu erkunden?" Amüsiert hob ich eine Braue, lugte seitlich zu Celerina - und erstarrte innerlich.


    Beinahe hätte ich vergessen, mir die Antwort ihrer Frage zu merken. Hatte sie mich eben tatsächlich Marcus genannt? Wieder überkam mich dieses Unwohlsein - das ging hier alles viel zu rapide. Sollte nicht ich derjenige sein, der in die Vollen ging? Nicht zum ersten Mal hatte ich den Eindruck, dass nicht ich es war, der den Takt vorgab. Doch wenn nur etwas Gutes daraus entstand, sollte es mir recht sein. Dennoch dehnte sich das Schweigen eine Nuance zu lange für meinen Geschmack, und ich räusperte mich, um die Stille zu durchbrechen. Ein Lächeln folgte ganz automatisch. Ich durfte sie nicht merken lassen, wie seltsam mir zumute war, ich konnte es ja nicht einmal beschreiben! "Blau", wiederholte ich recht einfallsreich, suchte dies jedoch mit einer nachdenklichen Miene zu übertünchen. Dass Siv zur Seite trat, bemerkte ich aus den Augenwinkeln heraus, doch ich widerstand dem Drang, ganz hinzusehen. "Lapislazuli also. Da wären wir ja wieder in Ägypten, dort gibt es, soweit ich weiß, einige Minen, in denen man Lapislazuli und Türkis abbaut."


    Erst jetzt riskierte ich einen Blick zu Siv, die nunmehr mit dem Rücken zu uns stand. Ich konnte nicht sehen, was sie da tat, aber widersinnigerweise keimte das schlechte Gewissen in mir. Ob sie sich ausgeschlossen fühlte? Ich sah wieder zu Celerina. "Nun, wenn du Blau gern hast, sollten wir vielleicht hier entlang gehen..." Ich wies vom Weg hinunter zur Linken und setzte mich in Bewegung. An einigen gepflegten, aber weniger spektakulären Rabatten mit Blumen und Büschen, wie sie hier allerorts zu finden waren, führte ich Celerina vorbei, tiefer in den Garten hinein. Direkt vor uns kam dann ein kreisrundes Beet in Sicht, mit einem noch kleinen Exemplar einer ravenala madagascariensis. Am Boden unschmeichelten viele kleine blaue Blüten den Stamm des Baumes, der später einmal sehr groß werden würde. Dort hielt ich inne und wandte mich, mit Blick auf das Bäumchen, an meine Sklavin. "Siv?" Ich sah über meine Schulter. "Wie hast du es geschafft, dass er in der kurzen Zeit so sehr gewachsen ist?" erkundigte ich mich und fuhr dann zu Celerina gewandt fort: "Siv ist für den Garten verantwortlich, musst du wissen. Ich habe lange gesucht, bis ich jemanden wie sie gefunden habe. Ich weiß nicht, wie sie es macht, aber seitdem sie sich um die Pflanzen kümmert, ist kein Neuzugang mehr eingegangen. Die Orchidee stellt, so glaube ich, bisher ihre härteste Prüfung dar."

    Ich war schon lange nicht mehr selbst hier gewesen, sondern hatte die letzten Briefe stets einem cursor überlassen, der sich darum kümmerte, dass sie hier abgegeben wurden. Heute aber, da ich ohnehin am Gebäude vorbei kam, klopfte ich selbst hier an und trat nach der Aufforderung ein.


    "Salve, Annaeus", grüßte ich den praefectus vehiculorum, der seinerzeit diesen Posten noch nicht inne gehabt hatte. Allerdings erfuhr man so einiges, wenn man die Ernennungen und Beförderungen in der Acta mitverfolgte oder gar selbst einpflegte. "Lange ist es her. Wie geht es dir?" fragte ich und setzte mich. Die Schriftrolle in ihrem gesiegelten Behältnis legte ich vor mir auf den Tresen. "Ach, lass uns zuerst das Geschäftliche erledigen, dann fühlt man sich nicht so unter Zeitdruck. Den hier hätte ich gern nach Germanien versandt, und zwar als Einschreiben mit Frachtzustellung." Und neben die Schriftrolle legte ich einen gut geschnürten Lederbeutel.



    Ad
    Servius Artorius Reatinus
    legio Secunda in Mogontiacum
    GERMANIA



    M. Aurelius Corvinus S. Artorio Reatino s.d.


    Reatinus, ich hoffe, es geht dir gut? Ich habe schon eine ganze Weile nichts mehr von dir gehört, was mich einerseits verwundert, andererseits enttäuscht. Neuigkeiten aus Germania erreichen mich nur mehr als auctor der Acta, wie auch dein letzter Artikel dort (den ich im Übrigenn sehr gelungen fand). Ich hege den Verdacht, dass es an der Barschaft liegt, denn als centurio verdient man zwar besser als ein Legionär, aber doch nicht allzu gut, nicht wahr? Abhilfe wird dir gewiss das Mitbringsel schaffen, welches der Bote mit sich führt.


    Nun, Reatinus, was gibt es Neues in Mogontiacum und der Legion? Bereitet ihr euch schon auf den Winter vor? Wie geht es dem Landhaus? Hier in Rom steht die Luft nach wie vor, es ist schwül und drückend. Mein Neffe Ursus kandidiert zur nächsten Wahl, mein maiordomus ist vor kurzem ermordet worden und meine Großtante auf ihrem Landgut ihrem Leiden erlegen. Du siehst, viel passiert, doch nicht viel kann man ändern, selbst wenn man es möchte.


    Ich sende dir allerdings auch erfreuliche Nachrichten. Zuerst etwas, das dich gewiss schon eine ganze Weile beschäftigt... Nachdem mein Ansuchen um deinetwillen auf dem Schreibtisch des procurator a libellis verloren gegangen schien, habe ich meinen Patron gebeten, sich dessen anzunehmen. Er hat deine Standeserhebung auf dem letzten conventus zur Sprache gebracht und kam mit guten Neuigkeiten für uns zurück. Ich gehe davon aus, dass dich bald ein Brief von der kaiserlichen Kanzlei erreichen wird. Doch es gibt noch eine zweite Mitteilung, die ich zu machen habe. Ich werde heiraten. Mein zukünftiges Eheweib wird eine Flavia sein. Sie ist eine durchaus angenehme Person und ich hoffe, dass sie mir recht bald einen Erben schenken wird. Noch steht kein Termin für die Hochzeit fest, doch sobald es ihn gibt, werde ich dir wieder schreiben. Ich hoffe sehr, dass der Legat dir gestatten wird, teilzunehmen, zumal wir eine etwas ausgefallenere Feier planen als sie sonstig üblich ist.


    In der Hoffnung, bald etwas von dir zu hören,



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    ROMA, KAL SEP DCCCLVIII A.U.C. (20.8.2008/105 n.Chr.)

    "Ah, ich hatte mich schon gefragt, wann du wieder hier aufschlägst", begrüßte ihn ein bärtiger Geselle, der auf ihn zu kam, und klopfte ihm auf die Schulter. "Guten Morgen Myronides. Na, alles fit? Bei dir und ihr?" fragte Birx. "Ach ja, wie man's nimmt. Es geht eben auf und ab im Leben, nicht wahr? Meine Frau ist schon wieder schwanger. Eigentlich sollte mich das freuen..." "Aber das tut es nicht?" fragte Brix höflich weiter. "Nah. Ich hab ja jetzt schon meine liebe Mühe, die anderen acht satt zu kriegen. Aber genug von mir, wie geht es dir, alter Halunke?" Brix enthielt sich besser eines weiteren Kommentars dazu, zumal er ohnehin nichts beitragen konnte, und zuckte mit den Schultern. "Gutgut."...


    An dieser Stelle folgte eine kleine, oberflächliche Unterhaltung. Die Sache mit Matho erzählte er nicht. Seeleute waren mitunter schlimmer als Waschweiber, und auch wenn Myronides genau genommen kein Seemann mehr war, so steckte ihm die Angewohnheit, mehr zu erzählen als gut war, immer noch tief in den Knochen. Eine halbe Stunde später standen sie an Deck. "Hier auf dem Schiff?" fragte Myronides gerade verwundert und kratzte sich durch seinen dicken, schwarzen Bart hindurch nachdenklich das Kinn. "Ja. Ist mal was anderes. Bisher ist das allerdings nur so eine fixe Idee, daher wär ich dir sehr verbunden, wenn du das nicht überall rumerzählst." "Hm? ich? Klar doch. Mach ich nicht, mein ich. Und wann...?" "Kann ich dir nicht sagen. ich vermute, das weiß er nicht einmal selbst." Brix zuckte mit den Schultern. "Ah. In Ordnung. Schon verstanden. Ja alsoo... Die Takelage sollte, sagen wir, morgen Abend fertig sein. Meine Leute bauen unten gerade noch die Schotts ein und - err, willst du mal sehen?" Mit einer lässigen Bewegung hatte Myronides auf die breite Luke gedeutet. "Ach, muss nicht sein. ich vertrau dir da voll und ganz." Myronides wirkte ein wenig enttäuscht, doch er zuckte mit den Schultern und fuhr fort mit seinem Bericht. "Im Grunde sind's nur Kleinigkeiten, die noch fehlen. Aber auch ein Kiesel kann eine Lawine ins Rollen bringen, nicht wahr?" Er lachte keckernd über seinen eigenen Scherz - Brix grinste mit - und sprach dann weiter. "An der Ruderpinne stimmt noch was nicht, die haben wir gestern noch mal ausgebaut und zum Schleifen gebracht, irgendwie hat das Mistding nicht so ganz gepasst. Und dann müssen wir natürlich die Segel noch vertäuen, aber das geht erst, wenn die Gaffeln und Wanten soweit sind. Und..."


    Brix hatte während des letzten Teils des Monoglos - und Myronides war ein Meister der Monologie - einer vorwitzigen Möwe zugesehen, die auf einem Bein auf der Reling stand und ihr Gefieder putzte. Jetzt war sie gerade fertig geworden, wandte sich um und flog davon, nicht ohne etwas zu hinterlassen. Brix wandte sich zu Myronides um, der ihn erwartungsvoll ansah. "Ah, ja... Also, wie lange noch? So in etwa?" fragte er. "Hm, so...zwei Wochen?" erwiderte der Schiffsbauer. "Zwei Wochen, alles klar. Dann komme ich in drei Wochen wieder, oder ich schicke jemanden."


    Als Brix sich verabschiedete, wirkte Myronides ein wenig enttäuscht, doch als der Germane sch auf sein Pferd schwang, vernahm er schon wieder die volltönende Stimme des Griechen, der gut gelaunt Befehle austeilte. "...sonst mach ich euch Beine, ihr räudigen Hunde!" Brix schmunzelte in sich hinein, wandte sein Pferd und ritt zurück nach Rom.

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    Alexandros seufzte gepeinigt, nickte nur auf Fhionns Einverständnis hin. Am Horizont zeigte sich erstes Rot, vermischt mit grauen Schlieren. Einige Öllampen erhellten den Raum, doch bald würden sie nicht mehr nötig sein. Alexandros zog einen grobzinkigen Kamm unter der Kordel seiner tunica hervor, rutschte herum und begann, Fhionns Haar zu kämmen. Sie hatten zu wenig Zeit und nur wenige Gelegenheiten gehabt, um einander kennenzulernen, fand er, doch die Einheit gegen Matho hatte sie zusammengeschmiedet, jeden einzelnen, der unter ihm hatte leiden müssen.


    Lethargisch kämmte Alexandros Fhionns Haar, tief versunken in Gedanken. "Also", sagte er plötzlich, hielt mit dem Kamm inne und vollführte eine theatralische Geste mit selbigem. "Das...das kann er doch nicht machen! Ich mein, wir haben ihm doch alle die Pest an den Hals gewünscht!" Aufgewühlt sah er von Fhionn zu Siv, die er jetzt auch ohne Öllampe sehen konnte. "Oder nicht?" Die Hand mit dem Kamm sank wieder, ebenso wie Alexandros' Schultern. "Das ist so ungerecht."

    Ich versuchte, Siv einfach auszublenden. Das war allerdings leichter vorgenommen als getan. Doch mit jedem weiteren Schritt in den Garten hinein, merkte ich, wie die Anspannung mehr und mehr von mir abfiel. Das war schon immer so gewesen, solange ich zurückdenken konnte. Vermutlich war der Garten deswegen der mir liebste Ort am ganzen Haus, und vermutlich hatte ich deswegen die Passion entwickelt, die mir zu eigen war. Ich musterte verstohlen die Anmut an meiner Seite, sie schien glücklich zu sein, dass sie hier war.


    Ob ihres indirekten Kompliments musste ich schmunzeln. "Dann will ich mal sehen, was ich dir bieten kann", erwiderte ich verschmitzt und führte sie weiter den Weg entlang. Einige Schritte später blieb ich stehen und deutete an Celerina vorbei nach rechts auf ein grün-orangenes Feuerwerk. "Das ist ein leonotis leonurus. Allerdings ein kleineres Exemplar. Ich musste es vorletztes Jahr stutzen lassen, sonst hätte es das leucospermum cordifolium erdrückt. Beide Pflanzen stammen aus Afrika, das Löwenohr war mein erstes Sammlerstück", erzählte ich. "Wart einmal." Ich löste mich kurz von Celerina, reckte mich nach einem elastischen Zweig des Löwenohrs und brach jenen dicht unter der orangefarbenen Blütentraube. Mit dem Stengel in der Hand wandte ich mich zu Celerina um. "Schließ die Augen", forderte ich sie auf, dann führte ich die pelzigen Blüten über ihre Wange. Flüchtig warf ich einen Blick auf Siv, während die pfirsichzarten Blüten Celerinas Haut schmeichelten. "Mit dem Saft der Blüten kann man angeblich Mückenstichen Abhilfe schaffen", fuhr ich fort und lächelte die Flavierin an, als sie mich wieder ansah. Den Stengel gab ich ihr hernach. Die Blüten dufteten herrlich, beinahe ein wenig zu schwer, und um den gesamten Strauch schwirrte und summte eine Wolke Bienen herum. Schmetterlinge waren ebenso vertreten, auch wenn es nur eine Handvoll waren. "Den flavischen Garten dominieren Rosen", erinnerte ich mich. "Senator Felix hat ein Händchen dafür, nicht wahr? Welches ist eigentlich deine Lieblingsfarbe, Celerina?" fragte ich ganz schlicht und deutete weiter in den Garten hinein. Ob ihr aufgefallen war, dass ich sie ganz bewusst Celerina genannt hatte?

    "Nanana", sagte dann plötzlich jemand hinter Orestes und Verus. Ich trat hervor und grinste. "Habe ich da eben richtig gehört, dass sich jemand keine Chancen ausmalt, nur weil Senator Avarus Interesse bekundet?" Amüsiert sah ich Orestes an, dann wandte ich mich zu Verus, um auch ihn zu grüßen. "Manius, Duccius. Wie läuft die Ausbildung? Und wie viel ist eigentlich geboten?" Zum zweiten Mal an diesem Tage wanderte mein Blick zum Podest hinauf. Interessante Fragen waren bereits gestellt, die Antworten darauf würden hoffentlich etwas mehr Aufschluss geben. Die Sklavin wirkte ganz annehmbar, endlich mal nicht wieder so eine kleine Kratzbürste, wobei die ja auch ihre Vorzüge hatten. Ihr Instrument würde sicher hervorragend zu Sofias kunst passen. Allein deswegen war ein Gebot schon eine Überlegung wert.

    Sim-Off:

    Ersetz mal fix den rex sacrorum mit deinem Namen :D


    Zufrieden nahm ich zur Kenntnis, dass der Duccier den Eid leistete. Ein aufmunterndes Nicken wurde ihm zuteil, als er sich erneut zu mir umwandte. "Willkommen im cultus deorum, Duccius Verus", begrüßte ich ihn. "Falls du während deiner Ausbildungen Fragen haben solltest, die dein Ausbilder nicht beantworten kann, komm zu mir. Ich werde dich ohnehin während der Lehre ab und an besuchen, um deinen Wissensstand zu prüfen."

    [Blockierte Grafik: http://img231.imageshack.us/img231/9905/sklave4zp0.jpg]


    Alexandros hatte tiefe Augenringe, als er kurz vor Sonnenaufgang an das Gemach der Sklavinnen klopfte. Kaum ein Sklave hatte in dieser Nacht Schlaf gefunden. Die einen waren froh darüber, dass Matho nicht mehr unter ihnen weilte, die anderen entsetzt über die Courage, die Fhionn gezeigt hatte, doch keiner trauerte Matho nach. Es war, als konnte die Sklavenschaft endlich wieder aufatmen, auch wenn man dies bisher nur im Stillen tat und sich hütete, es auch nur leise auszusprechen.


    "Mädels?" erklang es von vor der Tür. "Ich bin's. Darf ich rein kommen?" Und schon öffnete sich die Tür und der hagere Sklave schleppte sich in den Raum, um auf Fhionns Bett Platz zu nehmen. "Ach je. Dass es so enden soll", sagte er traurig und hob die Schultern, Fhionns Bein dabei tätschelnd. Er hütete sich, eine Wertung abzugeben. "Soll ich dir die Haare machen?" fragte er matt. Er musste doch irgendetwas tun können! "Die erwarten dich eine Stunde nach Sonnenaufgang. Da bleibt noch ein bisschen Zeit."

    Ich machte eine entrüstete Geste und schüttelte den Kopf. "Gut vertreten... Du sprichst gerade so, als gäbe es eine Prämie bei den Göttern, je mehr Priester wir aufzuweisen haben", erwiderte ich. In Germanien nicht geopfert - das war, wenn man die Reise einplante, über ein Jahr her! Da war es kein Wunder, wenn man hier zu Hause gestraft wurde. Wie konnte Ursus nur derart fahrlässig sein? Ich erhob mich.


    "Du sagst, es sei deine Sache, wann du opferst. Du bist immer noch ein Mitglied dieser Familie, Titus Ursus, vergiss das nicht! Wie kannst du unser aller Schicksal auf die leichte Schulter nehmen, nur weil du dich in Germanien nicht heimisch genug fühlst?" fragte ich ihn. Ich war maßlos enttäuscht, schüttelte den Kopf. Am liebsten hätte ich ihn augenblicklich vor den Hausaltar geschleift. Und mit diesem Gebaren sollte ich ihm glauben, Für und Wider abgewägt zu haben? Selbst als Knabe hatten wir anderen gewusst, was es bedeuten konnte, wenn man die Götter vernachlässigte. "Dann ist eine Kandidatur wohl auch nur etwas, das dich etwas angeht, zumal du mich vor vollendete Tatsachen stellst. Und ebenso liegt es wohl auch an mir allein, die Götter zu besänftigen wegen deines fahrlässigen Verhaltens", fuhr ich ruhig fort. "Was nutzen einem zahlreiche Auszeichnungen, wenn man die römischen Tugenden nicht ehrt und lebt? Nun ja. Lass mich jetzt bitte allein. Das nächste Opfer muss größer ausfallen als die letzten. Es gibt wahrlich etwas Dringliches, um das ich bitten muss." Damit wies ich zur Tür, unterbrach Ursus, wann immer er gedachte, etwas zu erwidern, und als Ursus gegangen war, seufzte ich und ließ mich kopfschüttelnd wieder in den Stuhl sinken. Met und Fell - viel lieber hätte ich mir ein wenig des Nachdenkens von ihm gewünscht.

    Ich nickte nur bei der Frage. Was gab es da sonst zu sagen? Ebenso gab es von mir nur ein Nicken zu seiner Schlussfolgerung, die Tiberia eher unbeachtet zu lassen. Es gab mit Sicherheit noch die ein oder andere lohnende Verbindung, die geeigneter war.


    Was die weiteren Worte angingen, runzelte ich unwillkürlich die Stirn. Mitteilen, dass er kandidierte, wollte er. "Sagtest du nicht, dass du in der Götter Dienst treten wolltest?" fragte ich nach. Es konnte natürlich auch sein, dass ich mich seinerzeit gravierend verhört hatte. Das Eisen schmieden, solange es heiß ist... Ich sah Ursus an. Unreifes Erz ließ man noch in der Erde, bis es reif war, zum Eisen zu werden, dachte ich mir, doch ich sagte es nicht. "Dann hoffe ich, dass du dir diese Entscheidung gut überlegt hast. Manchmal ist es sinniger, sich zuerst vor Ort wieder in Erinnerung zu bringen, In Germanien magst du bekannt sein, aber es dringen nur wenige Nachrichten von dort nach Rom. Ich hätte es besser gefunden, wenn du zufürderst deine Gottesfürchtigkeit unter Beweis gestellt hättest, Titus. Wann hast du zuletzt geopfert?" fragte ich ihn und blickte dabei ernst. Ich mochte es gar nicht, wenn man vor lauter Eifer dem Ziel entgegen strebte, ohne dabei auf die notwendigen Umstände acht zu geben. Nein, mit seiner Kandidatur, kaum dass er in Rom war, war ich nicht einverstanden. Doch untersagen konnte ich es ihm nicht, so sehr es mir missfiel.

    Da standen wir also. Alles war wie eh und je, die prunkvolle Tafel mit dem Eid, der kleine Altar mit den kleinen und doch filigranen Statuetten der Götter. Nur der Mensch an meiner Seite war stets ein anderer, wenn ich diesen Raum betrat. Helles Sonnenlicht fiel in schrägen Bahnen durch ein schmales Fenster an der Oberseite der Wand zu unserer Linken. Stäubchen tanzten darin. Jemand hatte frische Blumen bereitgestellt. Ich deutete nach vorn, auf den Platz direkt vor dem sonnenbeschienenen Altar. "Jetzt ist es an dir."

    Schmunzelnd, denn ich hatte bereits erwartet, dass der junge Duccier Feuer und Flamme sein würde, erhob ich mich also. "Dann gehen wir", erwiderte ich auf seine Worte und trat an ihm vorbei, um die Tür zu öffnen.


    Den langen Gang bis zur Treppe gingen wir in einvernehmlichem Schweigen, dann brach ich selbiges. "Du strahlst einen Stolz aus, den ich lange nicht mehr bei jemandem entdeckt habe, der sich für den Dienst an den Göttern entschieden hat", sagte ich mit ehrlicher Anerkennung. Wenn er nur seinen Eifer beibehielt, würde er es eines Tages weit bringen können in den Reihen der Priesterschaft. Ich würde alles daran setzen, Orestes zu gewinnen, wenn es an die Ausbildung des Ducciers ging.


    Zwei Abzweigungen und eine Tür später fanden wir uns im kleinen Heiligtum wieder, das ich während der vergangenen Jahre so oft gesehen hatte.

    Ich wusste nicht so recht, was ich von dem jungen Mann halten sollte. Empfindungen wie Verwirrung und Ratlosigkeit wechselten sich auf seinem Gesicht mit Gefühlen wie Angst und Erkenntnis ab, doch wirklich zu dominieren schien keine dieser Ausdrücke seinen Geist. Seine gestammelte Entschuldigung nahm ich amüsiert und nur wenig naserümpfend zur Kenntnis, dann jedoch, als sich mir die Bedeutung der folgenden Worte erschloss, starrte ich den Knaben so entgeistert an, als hätte er mich soeben einen Hurensohn genannt.


    "Du bist mit Ursus hierhergekommen?" fragte ich rhetorisch, und gleichsam bildete sich eine steile Falte auf meiner Stirn. Das hatte er wohl vergessen zu erwähnen. Die weiteren Bemerkungen des Jungen flossen eintönig an meiner plötzlichen Missstimmung vorbei, geistesabwesend rollte ich den Papyrus zusammen, den ich zuvor auf den Tisch gelegt hatte, wo er hernach auch seinen Platz wieder fand. Ich schluckte meinen Ärger herunter, sagte mir, dass der Junge nichts mit Ursus' mangelndem Verständnis des Wortes Hausherr in Bezug auf Gäste - noch dazu wildfremde! - zu tun hatte, und versuchte, mich an das zu erinnern, was nach dieser Information gesagt worden war. Mit meinem Neffen würde ich indes noch ein Huhn zu rupfen haben. Eines, das allmählich die Ausmaße einer villa annahm. Was hatte er mir noch alles verschwiegen? Sein Glück war es, dass ich von der Wahl wusste, weil er es erzählt hatte!


    "Ausbildung. So", versuchte ich den verloren gegangenen Faden wiederzufinden. "Was hat dir mein Neffe denn noch so alles versprochen?" fragte ich spitz. Ob er noch jemanden aufgegabelt hatte in Germanien? Oder war er ein Sklave? Abgerissen genug sah er aus, befand ich. Seufzend kratzte ich mir die Stirn und lehnte mich, auf der Suche nach Beruhigung, ein wenig zurück. "Hat er dich gekauft? Oder beim Stehlen erwischt?" Irgendetwas dieser Art musste es schließlich sein.