Verus lächelte und nickte. "Ja, ich nehme, wie immer, Wein."
Er setzte sich auf einen Sedes in der Ecke. Er schaute die beiden abwartend an. Verus überließ erstmal Sedi und Calvena das Feld. Er hatte schon genug gesagt.
Verus lächelte und nickte. "Ja, ich nehme, wie immer, Wein."
Er setzte sich auf einen Sedes in der Ecke. Er schaute die beiden abwartend an. Verus überließ erstmal Sedi und Calvena das Feld. Er hatte schon genug gesagt.
Verus nahm die gesamte Situation nur halbwegs wahr. Er spürte keinen Schmerz, dennoch vibrierte das Blut in seinen Adern. Seine gebrochenen Beine zitterten, sie schlugen förmlich aus.
"Berichtet dem Präfekt davon," brachte Verus mit geschloßenen Augen hervor. Es waren die rationalen Dinge, an die man in solchen Situationen dachte. "Er muss es wissen..."
Verus stöhnte und wimmerte. Er atmete schwer. Er riss die Augen auf. "Informiert meine Familie in Rom...," sagte er fast schreiend.
"Ich vererbe mein Grundstück meinem Sohn, das Vermögen soll zwischen Germanica Calvena und meiner Tochter je zur Hälfte aufgeteilt werden," stellte er abwesend sein Testament aus. Sein Blick wurde leerer. Langsam verließ ihn das Leben, während er unsanft über den Weg getragen wurde. - Aber Verus war noch nicht tot. Irgendetwas klammerte sich krampfhaft an das Leben.
"Ich war nie ein guter Mensch, es tut mir leid..."
Verus, einsam und verlassen, ging auf der Stützpunktmauer entlang. Er tat dies öfters, um eventuelle Risse oder Sonstiges aufzuspühren. Zumal er sich bei dieser Aufgabe gut ablenken konnte.
Er ging ermattet auf der Mauer entlang und blickte mit einem tiefen Atemzug zum orange-roten Horizont. Die Sonne ging unter. Er hatte zu viel im Leben falsch gemacht, zu viele Wege waren Irrwege. Er wusste nicht mehr, wer er war und was er wollte. Er lebte sinnlos in den Tag hinein: Er funktionierte nur noch aber er war kein Mensch mehr. Sein Blick war von Augenringen gezeichnet, ein Ausdruck seiner instabilen Verfassung. Der Sonnenuntergang war wundervoll. Verus lehnte sich auf die Mauer. Sie fühlte sich an seinen Unterarmen kalt und leblos an, wie er selbst. Gefühle kannte er keine mehr. Verus war kein Mensch, er hatte nur gelernt, wie einer zu wirken. Das Gefühl der Unzulänglichkeit nagte an ihm. Sein Herz pocherte leblos vor sich hin. Doch dieser Sonnenuntergang hatte etwas Mysteriöses. Langsam sank die Sonne hinter den Erdball. Verus atmete ruhig weiter. Er lebte noch, warum wusste er selbst nicht aber er lebte ohne etwas zu erleben im Sinne des Wortes.
Es wurde langsam kalt. Verus zog seinen schweren Mantel enger an sich, sein Blick auf den Horizont gewandt. Plötzlich rumorte es. Morsche Steine brachen aus der Mauer. Es waren nicht viele, doch die Zinnen vor Verus brachen weg. Langsam rutschte er ab, da er sich auf diese gestützt hatte.
Er fiel. Die Steine flogen ihn herum. Die Luft umstreifte sein Gesicht. Er verlor seinen Mantel, der einige Meter davonflog. Der Sturz setzte ein oder hatte er schon lange eingesetzt, Verus wusste es nicht. Würde er endlich sterben?
Sein Atem wurden ruhiger. Die Sekunden zogen sich endlos hin, wie einst in der Schlacht. Sein Blick wurde enger. Er schloss die Augen. Der letzte Sonnenstrahl erreichte seinen Körper und trug ihn unsanft Richtung Boden.
Er fiel und fiel. Innerlich stellte er sich auf den Aufprall ein, was ging ihm durch den Kopf? - Die Familie oder sein Leben?
Es zogen Bilder aus seiner Kindheit vorbei. Einige Steine schlugen bereits auf dem Boden auf. Verus träumte stattdessen, fernab des Momentes. Er träumte von einem wilden Garten, von fließendem Wasser und viel Licht. War er tot? - Noch nicht.
Sein Atem wurde erneut langsamer. Er befand sich in einer Art Trance. Der Aufprall stand kurz bevor. Seine Muskeln spannten sich instinktiv an. Eine Hand ergriff ihn. Es war die Hand seiner Mutter. Verus riss die Augen auf. Bildete er es sich nur ein? Seine Mutter hielt seine Hand im Sturz. Er lächelte. Sie nickte zutraulich. Er wusste, dass er in guten Händen war. - Auch wenn es nur eine Vorstellung war.
Verus wandte seinen Blick in Richtung Boden. Der staubige Sand kam immer näher. Er schaute erneut zu seiner Mutter, die weiterhin zutraulich lächelte. Er holte Luft.
Sein Körper schlug dumpf auf. Knochen brachen, Haut riss und Schmerz erschütterte seinen Körper. Seine beiden Beine waren gebrochen und sein rechter Armknochen ragte aus seinem Fleisch. Der Schmerz war so groß, dass Verus schrie.
Blut lief auf den Boden und umhüllte Verus. Der Schmerz wich einer weiteren Trance. Sein Körper konnte nichts mehr fühlen, da er sich bereits abschaltete. Sein Blick wurde verschwommen. Er atmete immer langsamer. Das Blut düngte weiterhin den Boden mit seiner Lebenskraft. Er hörte seltsame chorale Gesänge. Seine Mutter kniete neben ihm und hielt weiterhin seine Hand. Es war ein Bild aus der Erinnerung. Er war damals ebenso gestürzt und seine Mutter half ihm aufzustehen. Es wirkte erschreckend real.
Nun lag er da. Es wurde dunkel um ihn. Verus wimmerte leicht. Seine Lebenskraft verließ ihn. Der Tod griff nach ihm, doch er wollte noch nicht gehen. Er wollte seine Fehler gut machen, er wollte wieder leben.
Aus Verus' Augen ergossen sich einige Tränen. "Götter, hört mein Flehen, schickt jemanden der mich rettet, schickt...," betete er.
Langsam schlossen sich sie eine Blut verschmierten Augen. Er wurde ohnmächtig. Nun lag er vor der Stützpunktmauer.
In der Nähe war ein kleiner Weg, auf dem sich öfters Reisende befanden, hoffentlich würde jemand dort gehen, wenn nicht würden die Wachen kommen, so hoffte er unbewusst.
Wer möchte Held sein? - Offen für alle.
Alles Gute nachträglich!
Verus grinste verschämt. "Oh Verzeihung!"
Er drehte sich schnell um. "Ich werde mich natürlich in die Liste eintragen und nicht den Rector belästigen. - Da bin ich glatt ins falsche Officium geraten."
"Vielen Dank," sprach Verus und verschwand, um sich in die Liste einzutragen.
Verus klopfte dezenten Mutes an die Tür und öffnete diese dann leicht. Er hatte nur wenig Zeit und momentan Hummel im Hintern.
Er fragte vorsichtig: "Salve! Kann man sich hier für den Rebus Mercatoris und Muneribus Ludis Aleisque anmelden?"
Verus war sich nicht sicher in diesem Officium richtig zu sein.
Verus strich sich durch seinen Bart und überlegte kurz. Ihm kam schnell eine Idee, die Calvena gefallen sollte. "Ich denke auf den Kleider- und Stoffmarkt. Was meinst du, Calvena?"
Er schaute Calvena freundlich einladend an. Einen Moment später setzte Verus dezenten Schrittes zum Sturm auf den Markt an und lud auch den Patrazier mit einem freundlichen Wink ein.
Verus trat mit seinem obligatorischen Sonnescheinlächeln ein. "Sedulus," begrüßte er seinen Freund freudig mit seinem Namen. Er ging auf ihn zu und reichte ihm brüderlich die Hand zum römischen Freundschaftsgruß.
"So schnell hast du mich bestimmt nicht erwartet, oder?" - Verus nickte scherzend.
Er deute zur Tür in der Calvena wohl stand. Wie Verus eben war, schoss er gleich in medias res: "Darf ich dir Germanica Calvena vorstellen, oder du kennst sie wohl besser als Aoide. Es stellte sich durch einen Zufall heraus, dass sie wohl das uneheliche Kind eines Germanicus ist. Sie führt eine Brosche bei sich, die ihre Identität bestätigen sollte. Höre am Besten selbst, was sie zu sagen."
Er beugte sich leicht nach vorn, um zu flüstern. "Du solltest ein wenig Acht geben, sie hat ihre gesamte Sippe von Schaustellern verloren und ist momentan angeschlagen. Ich konnte sie vor einem grausameren Schicksal bewahren aber ich finde keinen Zugang zu ihr."
Er nickte nun ernst.
Verus nahm Calvena vorsichtig bei der Hand und betrat sanften Schrittes mit ihr das Haus.
Verus grinste breit. "Darf ich dich informieren, dass dein Herr Holzwürmer in seiner Tür hat?"
Er deutete auf Calvena. "Das ist Germanica Calvena und ich bin Decimus Verus, der Senator Germancius Sedulus kennt mich. Ich habe ihm eine Verwandte vorzustellen," sprach er erleichtert. "Er wird sicherlich überrascht sein, ebenso wie ich es war."
Verus benutzte bereits ihren Gens-Namen, denn ihm war bewusst, dass es irgendwann Zeit sein würde, diesen offiziell zu benutzen.
Verus lächelte sie verliebt an. Er wandte sich von der staubigen Tür ab, die bereits von Würmern zersetzt war.
Er überlegte und fand auch bald die richtigen Worte:
"Ich kenne Senator Germanicus Sedulus sehr gut. Er ist ein alter Freund von mir. Wir kennen uns bereits sehr lange. Damals war ich Magister Scriniorum und er Princeps prior. Wir beide hatten damals unsere wilde Zeit, wenn du verstehst. Wir haben heute immer noch Kontakt, nicht das wir uns sehr häufig sehen aber des Öfteren."
Verus grinste breit als er sich an die wilden Zeiten erinnerte.
"Senator Germanicus Avarus ist hingegen ein Geizkragen, zumindest wird er so gehandelt," sprach er etwas leiser und verspielt in ihr Ohr. "Das siehst du ja an der Tür."
Er nickte.
"Alles in allem sind sie sehr nette Menschen und gute Bürger."
Verus wandte sich um und rief seinem alten Freund hinterher: "Man sieht sich immer mehrmals im Leben, auch wenn du es garnicht erwartest..."
Danach machte er sich wieder an seine Arbeit.
Verus hatte Calvena zur Casa begleitet, um sie Sedulus vorzustellen. Besser gesagt, er hatte sie hierher gezwungen, da es notwendig war, dass sie ihre richtige Familie kennenlernte. Er hielt sie an der Hand und klopfte mit der freien Hand an die Tür.
Plötzlich schlug er ein Loch in die Tür. Das Holz wirkte, wie Pulver. Verus schaute sich das Loch an und nickte verstehend. "Die haben Holzwürmer," sagte er lachend.
Er klopfte den Holzstaub von seiner Hand. Verus würde es Sedi mitteilen, sowas ging ja nun garnicht an: Holzwürmer...
Er klopfte nochmal vorsichtig an, an einer anderen Stelle.
Nach einigen Stunden war die Arbeit getan. Das Lager stand. Verus schaute sich zufrieden um. "Gute Arbeit, Männer!"
Er näherte sich seinem Zelt in der Mitte des Lagers, es war etwas größer als die normalen Zelte und bot ein wenig mehr Komfort als die gewöhnlichen Soldatenzelte, die meist mit vier Mann überbelegt waren.
"Ich wünsche eine geruhsame Nacht. Achja, Wein und Cervisia sind erlaubt!"
Verus begab sich in sein Zelt und verschloss den Eingang mit einem großen Stück Stoff. Seine Männer würden sich schon alleine organisieren. Was wenn nicht? - Er ging sicherheitshalber noch einmal heraus. "Nauta Tiridates Castor und Nauta Marcus Classicus haben mit," es folgten einige Namen, die Verus in den Sinn kamen,"Wache!"
Nach diesem Satz drehte er sich wieder um und verschloss das Zelt erneut.
Verus schaute überrascht auf. Das es sich der Iulier so schnell überlegen würde! "Also ziehen wir jetzt unsere Villa rustica auf?"
Er stand auf und öffnete die schwere Holztür zum Büro des Präfekten. "Geh' einfach durch. Der Präfekt kennt dich ja."
Verus überflog die Tabula. Er nickte. "Antonius Hadrianus also?"
Er stand auf. "Ich werde dich eben anmelden."
Verus ging militärischen Schrittes in das Büro seines Präfekten.
"Mein Präfekt, Antonius Hadrianus, ein Scriba, möchte dir seine Glückwünsche zur erfolgreichen Piratenjagd überbringen und ebenso eine Unterredung mit dir führen. Ich denke er ist im Auftrag der Stadtverwaltung von Misenum hier. Ich lasse ihn nun eintreten, sofern du nichts dagegen hast."
Verus winkte den Scriba zu sich. Er dürfte eintreten.
Verus nickte verstehend. Er überforderte sie ein wenig, dabei wollte er doch nur ihr Bestes. Er schaute sie deprimiert an und wandte sich mit einem Stimmungswandel urplötzlich an die Zaungäste der Unterredung:
"Gut, lasst uns aufbrechen. Ich bin willig viel Geld auszugeben!"
Er lächelte zu Claudius Verus. "Natürlich kannst du uns begleiten, Claudius Verus."
Zum Soldaten nickte er nur, denn er machte schlichtweg seine Arbeit und benötigte keine extra Einladung.
Verus stand auf. "Ich werde dich besser allein lassen," sprach er, denn er wusste, dass er ihr momentan nicht helfen konnte und er ihr mehr eine Belastung als eine Hilfe war. "Du findest mich in meinem Officium!"
Er verließ das Zimmer müden Schrittes und schloss die Tür hinter sich.
Plötzlich stürmte Verus auf Calvena zu. "Calvena, du kannst doch nicht einfach das Haus verlassen. Ich bin krank vor Sorge! Du weißt, dass du immer noch verletzt bist!"
Verus drängte sich zwischen die Soldaten, den Patrazier und Calvena. Er holte tief Luft. "Der Medicus hat dir doch Bettruhe verschrieben! Ich und er haben ganz Rom nach dir abgesucht!" Er achtete nur Calvena und ignorierte vorerst die anderen um sich herum. "Gut, da du nun hier bist, können wir gerne einkaufen gehen. Ich möchte nur nicht, dass du alleine vor die Tür gehst. Was ist, wenn du einen Schwächeanfall bekommst? Wer rettet dich?"
Verus schien ernstlich besorgt zu sein. Schließlich schaute er den Soldaten an. "Salve, ich bin Decimus Verus," sprach er überrascht und gab somit seine Identität preis. Anschließend nickte er dem Patrazier zu, von dem er ja nicht wusste, dass er ein Adeliger war. Schließlich lachte Verus auf. "Wie ich sehe bist du bereits in besten Händen, Calvena..."
Verus schaute sich um. Alle hatten es durch den Bach geschafft, oh Wunder! Er nickte erleichtert.
"Nun Männer, wir errichten in 100 Fuß von hier unser Feldlager. Die Lagersicherung ist, wie gehabt, unsere erste Pflicht im Feld. Wenn keine weiteren Fragen sind, rücken wir nun ab!"
Verus ging vor. Schließlich erreichte der Trupp den ausgesuchten Lagerplatz. "Bene, beginnt mit den Schanzarbeiten und danach errichtet ihr die Zelte!"
Er warf seine Tragestange auf den Boden, denn er war gewillt mitzuhelfen. "Los! Anfangen!"