Beiträge von Titus Decimus Verus

    Verus nickte erleichtert, nachdem dieses Verhör endlich vorbei war.


    "Präfekt, ich würde dir noch weiter als Soldat dienen, wenn ich dies könnte aber mein Trauma lässt mich des Nachts nicht mehr schlafen. Ich denke, dass nun der Zeitpunkt, nach einem langen Dienst, gekommen ist, sich zu verabschieden. Ich hoffe du verstehst das." - gab er ehrlich von sich.


    Verus nickte nun dankend.


    "Ich danke dir auch für deine Mühen, um meine Erhebung, Präfekt."

    Verus hatte sein Ei an seinen Nachbarn weitergereicht. Er war nicht der Typ Mensch, der andere Menschen mit Eiern bewarf. Er ließ ihnen ihre Fehler ohne sie dafür zu verurteilen. Es lag nicht in seiner Mentalität jemanden unnötig zu demütigen.


    Natürlich würde er dem Patrazier auch nicht von sich aus helfen, da er momentan recht sicher auf der Bühne schien und ihn keiner töten wollte. Ein wenig Schmach hat jeden Mann von seiner Dekadenz befreit. Doch, wenn die Sache aus dem Ruder laufen würde, würde Verus dazwischen gehen. Er wollte keinen Toten an seinem freien Tag.


    Er trank still einen Schluck und lächelte breit zu Labeo, auch ihn hatte die Vorstellung ein wenig amüsiert. Zumal ihn Aoide für alle Ohrenschmerzen entschädigt hatte mit ihrem wunderschönen Gesang.

    Verus erschrag als es plötzlich an der Tür klopfte. Er stieg aus seinem weichem Holzbett. "Ich komme gleich..."


    Verus wusch sich das Gesicht und legte seine hellblaue Flottentunika an. Er war stolz darauf Offizier zu sein und dies zeigte er auch gerne. Langsam näherte er sich der Tür. Er öffnete sie mit einem Ruck.


    Sein Blick wanderte über das junge Mädchen. Er kannte sie. Sie sah genauso aus, wie seine Sicinia Selena. Sein Mund öffnete sich leicht, dennoch konnte er nicht sprechen. Es konnte sich nur um seine Tochter handeln. Sein Herz schlug heftig. Er war ihr nie ein Vater gewesen, dennoch sie war hier und er hatte die Chance von den Göttern erhalten alles gut zu machen. Er wusste es.


    Verus streckte seine Arme väterlich aus, um sie zu umarmen. Die Umarmung war wohl die verdiente Begrüßung, so dachte Verus.


    "Ich...", er stotterte, "Es tut...mir leid..."


    Er wollte und musste sich für die Fehljahre entschuldigen. Er musste nun mehr der Mann und Vater sein, den sie brauchte.

    Verus hielt ihre Hände sanft ohne Druck. Es war mehr väterliche Fürsorge und sein reifes Alter, das ihn dazu bewegten diesem Mädchen Trost zu spenden. Es waren väterliche Hände, die einem Kind Halt gaben.


    "Ich danke dir." - sprach Verus freundlich und zugleich ernst. "Du hast mich aus einer Trauer befreit, die mich hätte auffressen können. Unser Gespräch hat mir gezeigt, warum ich Rom als Soldat diene."


    Er schaute sie weiterhin mit den väterlichen Augen an. Augen, die ebenso Halt gaben, wie seine Hände.


    "Doch verzeih' mir. Ich muss nun aufbrechen. Sofern du weiterhin Probleme haben solltest, kannst du dich jederzeit an mich mit einem Brief wenden. Schreibe einfach an Centurio Decimus Verus, Misenum, Flottenstützpunkt."


    Verus umschloss Albinas Hände noch kurz, um sie zu wärmen, dann ließ er sie los.

    Eine Wache


    Die Wache nahm das Schriftstück entgegen. "Also mal wieder was für den Chef," stellte der beleibte Soldat fest und ging Richtung Wachbüro. Dort würde er es an den Wachhabenden übergeben und dieser wiederum an seinen Chef, der eben Decimus Verus war.

    Zitat

    Original von Gnaeus Iulius Labeo


    Der Wirt war an einem guten Geschäft interessiert, so dass die Becher bald wieder gefüllt waren. Ein kurzer Blick auf die Bühne, ließ Labeo auflachen, als er sah, dass ein anscheinend vornehmer Römer, das Podest bestieg und anscheinend der schönen und äußerst begabten Muse Konkurrenz machen wollte. Ja, das hat sie. Aber schau nur, irgend so ein Geck, will sich mit ihr messen, das scheint ja ein wirklich vergnügliches Spektakel zu werden.", sagte er und lachte schon wieder.


    Verus nahm seinen gefüllten Becher vom Tresen und betrachtete das Schauspiel. Er lachte ebenso auf. Der Wein erheiterte seine Stimmung deutlich.


    "Von der Kleidung her, scheint es ein betuchter Bürger zu sein," stellte Verus fest. Er lachte erneut auf.


    Er trank einen Schluck.


    "Mal sehen, ob uns Baccus an diesem Tag ein heiteres Fest beschert...", sprach Verus zu Labeo gewandt und auf den Bürger deutend, der sich an dem Gesangswettstreit versuchte.

    Verus nickte ernst.


    "Optio Iulius hielt sich während der Schlacht ein wenig zurück, während andere, darunter auch ich, nach Vorne stürmten und den Feind angingen. Ich Verurteile seine Zurückhaltung nicht, dennoch möchte ich als Kommandant dieser Einheit, den Mut der anderen Soldaten höher schätzen. Ich muss als Centurio Prinzipien über Menschen stellen, auch über mich selbst. Deswegen würde ich meine Auszeichnung ablehnen, sofern du es wünscht. Jedoch ist der Mut der beiden Nautae überaus herausragend und sie verdienen diese Auszeichnungen mehr als jeder andere, der an dieser Schlacht teilnahm."


    Er nickte erneut unterschreichend.

    Verus musste schmunzeln über den kleinen Wirbelwind. Er erkannte sich selbst in dem Alter als er noch Barbaren jagte. Verus spielte weiter die Rolle eines römischen Soldaten. Er genoss es zu sehr einfach mal ohne die Bürde des Erwachsenseins zu sein. Als sie gegen die Germanen kämpften, kämpfte Verus symbolisch mit. Natürlich im Bewusstsein eines Erwachsenen, jedoch versuchte auch er sich auf Optatus' Fantasie einzustellen.


    "Du hast einen großartigen Sieg errungen, Feldherr." - sprach Verus und reichte Optatus das Holzschwert auf dem sein Name eingraviert war und ebenso das Wappen der res publica.


    "Darf ich dir mein Gladius reichen? Es wurde von den Göttern im Höllenfeuer des Orcus geschmiedet und gehörte einst Iulius Caesar. Es soll dir dienen, wie es mir diente. Du verdienst es mehr als ich, Feldherr."


    Verus verneigte sich grinsend vor dem Jungen.


    "Oh, seht ein Wunder. Das Schwert trägt urplötzlich deinen Namen. Die Götter haben es dir vermacht!"


    Verus deutete auf die Gravur.


    "Die Götter beschützen dich, Feldherr."

    Zitat

    Original von Gnaeus Iulius Labeo


    Von hinten sah er Verus, und wenn er im ersten Moment noch nicht absolut sicher war, spätestens zwei Schritte hinter seinem Freund und Centurio war kein Zweifel mehr möglich. Also drängte er sich neben ihn und sagte: "Auch für mich von dem guten Wein - der Typ hier neben mir zahlt." - auf Verus deutend. Die erste Reaktion abwartend, begrüßte er ihn erst darauf:


    Mensch, salve, Verus! Die Märkte sind doch so groß und: ecce, da treffen wir uns wieder einmal hier!


    Verus schaute überrascht auf. Labeo? Hier? Er verschluckte sich am Wein und hustete kurz. Er klopfte sich auf die Brust. Endlich die Atemwege waren wieder frei. Verus lächelte breit.


    "Jaja, mach' ruhig. Er wird mir schon nicht die Taschen leer trinken," scherzte Verus in Richtung Wirt, der auch alsbald den Becher für Labeo brachte.


    Danach wandte er sich wieder zu seinem Freund. "Die Götter scheinen unsere Lebensfäden verwoben zu haben. Schön dich zu sehen, endlich mal ohne Uniform. Dabei bin ich extra drei Tage später aufgebrochen, um dir deinen Urlaub nicht zu versauen."


    Er hob seinen Becher an.


    "Auf uns und die mysteriösen Zufälle!" - prostete er zu Labeo. "Ad fundamentum!"


    Er stürtzte den Schluck Wein in seinen Rachen und wischte sich die Resttropfen von der Lippe. Mit einem Handwink zeigte er dem Wirt an den beiden Soldaten nachzufüllen. Verus wollte sich in Anwesenheit seines Freundes nicht des Geizes schuldig machen.


    "Hat sie nicht eine schöne Stimme," sagte Verus beiläufig und mehr unbewusst in Richtung Bühne.

    Verus stürzte in das Zimmer als ob er kämpfen würde. Das Holzgladius erhoben zum Kampf. Er ließ sich ganz auf die Rolle ein. Die eines römischen Soldaten.


    "Der Feind ist hinter uns..." - rief er vorsichtig in den Raum. Er spielte seine Rolle mit viel Liebe zum Detail.


    Langsam ging er weiter in den Raum. "Wo ist bloß unser Feldherr, Optatus?!"

    Verus lächelte.


    "Mit Feldzügen kenne ich mich aus. Warte ich habe meine Lorica Hamata glaube ich dabei..."


    Er öffnete seinen Seesack und zog das Kettenhemd heraus, ebenso seinen Soldatengürtel und den kleinen Dolch. Sein echtes Gladius verbarg er ebenso im Rucksack. Den Helm, die Bein- und Armschienen führte er jedoch nicht mit sich.


    "Ich führe diese Sachen immer mit mir, vielleicht wird man auf Reisen von Dieben überfallen und muss sich verteidigen. Ich denke er wird sich über einen echten römsichen Soldaten freuen."


    Verus schlüpfte mit Leichtigkeit in das Kettenhemd, legte den Gürtel an und steckte sich das Holzschwert an den Gürtel. Er wollte den jungen Optatus ja nicht verletzen.


    "Ich bin dann soweit. Lass' uns in den Krieg ziehen!" - scherzte er. "Kannst du mich zu ihm bringen?"

    Verus nickte abschließend.
    Er machte sich jedoch insgeheim Sorgen um Meridius, da dieser bereits lange überfällig war, so weit er wusste. Es gab scheinbar Probleme. - Aber er wollte diese Problematik nun nicht hier bei einer Begrüßung ansprechen.


    "Das wäre nett. Ich bräuchte das Zimmer auch nur für einige Tage."


    Verus hob seinen Seesack wieder an und warf ihn sich über die Schulter.
    "Ich finde den Weg schon selber..."


    "Wo steckt eigentlich der kleine Decimus? - Du sprachst es vorhin an. Ich habe eine nette kleine Überraschung für ihn...," er deutete auf das eingewickelte Holzschwert, das in seinem Seesack steckte.

    Verus drängte sich durch die Menge. Er war einige Tage nach Labeo in Rom eingetroffen. Er selbst hatte sich mal wieder einige Tage freigegeben. Er wollte sich wieder darin erinnern, warum er Rom als Offizier diente.


    Verus schob einen stämmigen Fischhändler zur Seite. Seine körperlichen Kräfte, geschult durch Kriege und Militär, waren wahrscheinlich jedem normalen Bürger überlegen. Zu ihrem Leidwesen und zu Verus' Vorteil. Er konnte sich ganz einfach Platz schaffen. Er kämpfte sich mühsam zu einer Taverne am Rand des Platzes. Sein Rachen war ausgetrocknet.


    Er setzte sich an den Tresen.


    "Vinum, pergite." - bestellte Verus. Der Wirt nickte unfreundlich und stellte einen gefüllten Tonbecher vor Verus' Nase. Verus hingegen warf dem Wirt einen Sesterz zu. Er war ein Mensch, der gerne gleich seine Rechnungen bezahlte.


    Die Frau hatte wahrlich eine schöne Stimme, dachte sich Verus als sein Blick zur Bühne wanderte, die über die Menge ragte. Ebenso war sie wunderschön. Er konnte alles gut von hier aus beobachten und dies ohne vom nervigen Pöbel belagert zu werden. - Der perfekte Platz, um der Melodie zu lauschen.


    Er lehnte sich an den Tresen, um weiter zu lauschen und bei Gelegenheit einen Schluck von seinem süßen Wein zu trinken.

    Verus wurde vom Sklaven Menas ein wenig überrascht. "Salve," grüßte er schnell zurück. Er drehte sich zum Sklaven um und stellte seinen Beutel vor seinen Füßen ab.


    "Also ein reiner Frauenhaushalt, das kann ja was werden..." - scherzte er ebenso zurück. ;)


    "Es wäre nett, wenn du dies tun könntest. Ich möchte sie gerne begrüßen. Ich werde auch nicht lange in Rom verweilen."


    Er schaute sich noch einmal um. Er war wieder Zuhause, ein sehr gutes Gefühl.


    "Wann wird Maximus zurückkehren? - Ich würde gerne mit ihm sprechen." - fragte er, da er nicht wusste, wie lange Meridius bereits auf der Mission war.

    Verus wandte seinen Blick vom Himmel ab und schaute Albina direkt ins Gesicht. Ein kurzer Atemzug und er setzte wieder zu einem Satz an.
    "Albina, du hast immer die Wahl zwischen einem leichten Weg und einem schweren Weg, der Zweite verlangt aber wesentlich mehr Kraft und ist mit vielen Hindernissen verbunden. Wenn du Albina sein willst, sollltest du ihn gehen. Nur auf dem harten Weg kannst du wahrlich zu dir Selbst finden, wie einst Herakles am Scheideweg. Du musst nun entscheiden, wer du sein willst."


    Er lächelte sie wieder an, wie es ein Vater tun würde.


    "Ich sage dir, in einem Schatten zu leben ist nicht richtig, denn es fehlt das Licht der eigenen Erkenntnis. Zumal du niemanden etwas beweisen musst. Du kannst ein anständiger Mensch sein ohne deiner Familie zu dienen, wenn deine Familie dich in eine Rolle zwingt, die du nicht erfüllen kannst. Gehe deinen Weg, wie du es für richtig hälst. Auf diesem leider schweren Weg wirst du jedoch Liebe, Vertrauen und Hoffnung finden. In einem Schatten findest du nur Trostlosigkeit und ein sinnloses Leben. Unabhängigkeit entsteht im Geist, Albina. Befreie dich von Zwängen und du wirst frei sein."


    Verus nahm ihre Hand. Er hielt sie tröstend und nickte ihr verständnisvoll zu.

    Verus lächelte breit. "Du hast mir gerade gesagt, dass ich der Erste bin und ich vertraue dir da."


    Verus lehnte sich leicht nach hinten und stützte sich mit seinen Armen auf der Bank ab. Er deutete in den Himmel.


    "Ist er nicht wunderschön blau? - Diese Farbe hat er nur im Winter. Ich finde sie faszinierend. Dieses göttliche endlose Blau." - Sprach er zart.


    "Du bist, wie dieser Himmel, endlos und schön. Doch fehlen dir Akzente und Visionen. Du musst nicht in den Dienst der Götter treten, wenn du es nicht möchtest. Es bleibt bei deinen Entscheidungen, du musst niemanden gefallen. Du bist Albina und nicht Severa. Dein Leben ist völlig anders, sofern du es willst. Du musst auch keine Lücken füllen und die Erwartungen deiner Eltern sind Erwartungen, die du auch nicht erfüllen brauchst. Hör' auf dein Herz und sprich' mit ihm. Verstand und Herz werden gemeinsam einen Weg für ein ansprechendes Leben finden..." - er unterbrach kurz seine Rede.


    "Ich hätte öfters auf mein Herz hören sollen."

    Verus trat in das Atrium. Er holte tief Luft. Er war lange nicht mehr hier gewesen und hatte diese heimischen Wände vermisst. Er hatte hier schöne Zeiten verlebt: Gute Gespräche mit Meridius geführt und sogar auch den einen oder anderen Streit. Er hatte den Garten zum Teil neu bepflanzt, es war zum Teil auch seine Casa geworden.


    Sein Blick wanderte durch das helle Atrium. Es war merkwürdig still im Haus. Die Haussklaven, die ihn kannten, beachteten ihn nicht weiter und gingen ihrer Arbeit nach.


    Seine Schritte führten ihn tiefer in das Atrium. Er zog das in Stoff gewickelte Holzschwert hervor, dass er Optatus schenken wollte.


    "Ist jemand da?"- rief er vorsichtig. Mal sehen, ob jemand antworten würde.