Wie bunte Scherben in einem Kaleidoskop wirbelten die Eindrücke um mich herum, setzten sich für Momente zu prächtigen Bildern zusammen, nur um sogleich wieder zu zersplittern, in farbigen Strömen zu zerfließen und sich erneut zu formieren, zu noch gewaltigeren und merkwürdigeren Bildern.
"Ich bringe euch Feuer!" röhrte ein Prometheus, der auf den Tischen umhersprang und über den Köpfen der Rasenden ein Feuerrad schwang. Der Schweif der Lohe zeichnete verschlungene, glühende Spuren, rätselhafte Zeichen vor dem fernen Firmament unseres Olymps.
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Dann war da Celeste – Celeste??! Eine blonde Göttin, aufreizend in einem weinroten Hauch von einem Nichts, in inniger Umarmung mit einer dunklen, gefährlich anmutenden Exotin...
Ungläubig starrte ich sie an, hoffte sie sei nur ein Trugbild, hervorgebracht von meinem Rausch, doch sie wandte den Kopf zu mir, unsere Blicke trafen sich und ich sah in ihren Augen das Erkennen aufblitzen... Mierda! - Meine Arme lagen unmissverständlich um den schönen Sonnengott geschlungen, mein Körper war bestrebt sich um ihn zu ranken, wie der Efeu um die Säule... Der Schreck durchzuckte mich, ein greller Blitz, Celestes Gesicht war ein böses Zwinkern der wahren, der unbarmherzigen Welt. Was, wenn sie es herumerzählte?!
Doch nicht einmal diese Erschütterung hatte Bestand vor dem Zauber des Aton, als der mich einfach mit sich zog. Willig folgte ich ihm durch den Taumel des Festes, strebte ihm zu, nur ihm, und von meinem Erschrecken blieb bloß eine leichte Benommenheit, vermischt mit Belustigung, wenn ich daran zurückdachte, dass ich tatsächlich einmal, wenn auch sehr halbherzig, versucht hatte, Celeste schöne Augen zu machen.
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Original von Manius Flavius Gracchus
Endlich waren wir alleine, hatten ein Separé für uns, am Rande des Festwahns, gefunden. Die verbliebenen Hüllen fielen auf der Stelle, und ein "Ja.....", flammend dahingehaucht, war für lange Zeit mein letztes Wort. Halb drängte er mich, halb sank ich hin, auf die Kline mit ihm, nur mit ihm, und nun wurden all die Worte vom Feuer, der Lohe und der Lust ineinander zu vergehen, auf das wunderbarste in die Tat umgesetzt – nein vielmehr, Worte vermögen in keinster Weise auch nur von ferne heranzureichen an die eruptive Ekstase dieser Vereinigung. Es war wahrhaft göttlich.
Als ich dann, noch immer schwer atmend, meine Stirn aus dem nassgeschwitzten Kissen hob, spürte ich mich umhüllt von einer so wunderbaren, trägen Glücksseligkeit... Vom Scheitel bis zur Sohle durchrieselte mich warm der Nachhall der Lust, und Aton lag neben mir, lächelnd.
Ganz langsam hob ich die Hand, fuhr mit den Fingerspitzen zärtlich die Konturen seines Gesichts nach, die Brauen, den Nasenrücken, den feinen Schwung der Lippen, ihr subtiles Kräuseln. Es war schön, so zu liegen, schön, dass er nicht gleich wieder aufsprang, schön, den flüchtigen Moment des Einklangs auf diese Weise noch ein wenig länger währen zu lassen. Und so verschwendete ich keinen Gedanken daran, dass dies bei einem Orgien-Intermezzo doch ein bisschen arg gefühlsselig sein mochte, als ich meinem Gespielen den Arm über die Brust legte – von den aufgemalten Ornamenten dort waren nur noch verwischte Spuren geblieben - und meinen Kopf in die Neige, die sich zwischen Schulter und Hals erstreckte, und die für diesen Zweck absolut prädestiniert war. (Meine Perücke war irgendwann verloren gegangen, jetzt bildete sie zusammen mit dem zerrupften Festkranz, Atons goldenem Strahlenschmuck, dem ledernen Rock und dem weinbefleckten Chiton ein Stillleben auf dem Boden.) So verharrte ich. In der Ruhe. Dem Atem. Dem Herzschlag. Seinem Geruch. Haut an Haut. Ich war glücklich, es war ein vollkommener Augenblick, und der Rest des Spektakels konnte mir gestohlen bleiben. Meine Lider wurden schwer, mein Atem ging langsam und entspannt.
"...Aton..." flüsterte ich irgendwann ganz leise, als die Augen mir schon beinahe zufielen, "...lass uns zusammen von hier fortgehen...wir steigen in deinen feurigen Streitwagen... oder nein, deine Sonnenbarke...!" Sonnenbarke... dieses Wort ließ in meinem schläfrigen Geist Bilder aufsteigen, von Weite, von Glanz und von Sommer... "...zusammen überqueren wir die Meere... ich zeige dir unsere... erhabenen Gebirge und du mir deine glutheiße Wüste... und den Nil und das alles... und dann reisen wir immer weiter... immer weiter... zusammen... und machen die Nacht zum Tage....."
Ich lächelte noch immer, träumerisch, in Atons Halsbeuge hinein, als der Schlaf mich umfing.
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