Beiträge von Faustus Decimus Serapio

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    Original von Potitus Vescularius Salinator
    Potitus schob sich eine weitere Dattel in den Mund, wie um die gewonnene wie verlorene Wette zu unterstreichen. Während der Centurio berichtete, zerkaute er sie genüßlich. "Wie ausgesprochen schade, dass wir so um eine Doppelhinrichtung kommen. Sonst hat der Kerl nichts interessantes gestanden? Dann überstellt das Paket aus Gefangenem und Protokollen komplett. Der Praetor wird seine Freude daran haben." Das war tatsächlich gute Arbeit gewesen. Salinator sah zufrieden aus, als er seinen Centurio betrachtete.


    Angesichts der Rohheit, die sich in seiner Tat offenbahrte, vermutete ich stark, dass Burrus nicht zum ersten Mal zugeschlagen hatte, aber ich hatte in dieser Hinsicht nichts aus ihm herausbekommen. So machte ich eine verneinende Geste. Die Bemerkung mit der Doppelhinrichtung erschien mir etwas zynisch... andererseit, klar, so etwas ist immer auch ein Spectaculum. Ich war da wohl bloß etwas empfindlicher, weil ich bei den langen Verhören nicht nur mit den abgebrühten, sondern auch mit den jämmerlichen, ja, bemitleidenswerten Seiten des „Sadales“ in Berührung gekommen war.
    “Jawohl Praefectus!“ bestätigte ich schneidig. Ich hoffte wirklich, dass der Mörder seine gerechte Strafe bekam.


    Der zufriedene Blick, der da auf mir ruhte, ermutigte mich, jetzt auf ein Thema umzuschwenken, welches mir sehr am Herzen lag.
    “Wenn du erlaubst, Praefectus, möchte ich noch etwas anderes ansprechen. Es geht um einen überaus fähigen und verdienstvollen Offizier, den ich gerne deiner geneigten Aufmerksamkeit empfehlen würde.“
    Ich sprach voll Überzeugung, denn ich hatte eine sehr, sehr hohe Meinung von dem Mann, für den ich hier ein gutes Wort einlegen wollte. Was mich etwas unsicher machte, war einzig der Gedanke, dass hier, an genau dieser Stelle, sicher ständig Leute standen, um Vescularius Salinator um solche Dinge zu bitten. Respektvoll wartete ich auf die Erlaubnis fortzufahren, und mein Anliegen vorzubringen.

    "Sie wurde heute morgen erwürgt und ausgeraubt in der Subura aufgefunden.", berichtete ich, in meiner Betretenheit, dass ich Livianus diese Nachricht überbringen musste, so sachlich wie nur möglich.
    "Ist wahrscheinlich während der ersten oder zweiten Wache gestorben. Ein paar Meter weiter lag die Leiche eines Luden, der im Leben ein ziemlich brutaler Schläger war. Sieht so aus, als hätte sie ihn mit ihrem Dolch erstochen, und als wäre er nicht alleine gewesen."
    Ich räusperte mich. Mein Hals kratzte. Verdammtes Wetter. Ich fragte mich, ob Alaina für meinen Vater mehr als nur eine Scriba gewesen war.
    "Hast du eine Idee, was Alaina in der letzten Nacht in die Subura geführt haben könnte? Und hat sie jemals durchblicken lassen, dass jemand ihr übel wollte?"

    Der Wächter, der den Liktor hineinbegleitet hatte, brachte ihn zum Optio carceris, der liess sich das Anliegen erklären, rief einen der Wärter herbei, und dieser führte den Quintilier zu den Gefängniszellen. Düster war es hier, und zwischen den dicken Steinwänden stand die muffige Luft, dazu mischte sich der saure Geruch ungewaschener Körper, vermischt mit einer Note von gammligem Stoh. Der Wärter – es war ein langer, hagerer Mensch, bleich wie eine Made – trug eine Fackel, deren flackerndes Licht im Vorübergehen auf massive Türen und dicke Gitterstäbe fiel.
    Vor einer dieser Türen blieb er stehen.
    “Hier. Varius Burrus.“
    Er steckte die Fackel in eine Halterung, öffnete mit einem Ruck ein vergittertes Fensterchen, das auf Augenhöhe in die Eichenbohlen der Türe geschnitten war, und trat mit einer auffordernden Geste zum Liktor einen Schritt zurück. Das Innere der Zelle und die Gestalt ihres Insassen war in dem spärlichen Licht, welches durch eine schmale Öffnung hoch oben in der Decke fiel, eher zu erahnen.





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    Routiniert nahm die Torwache auch den zweiten Liktor dieses Tages in Empfang. Zumal die Soldaten es sehr schätzten, wenn ein Besucher, so wie dieser hier, ganz professionell den Namen, das Anliegen, und sogar den Auftraggeber nannte! Die ganze Prozedur klappte wie am Schnürchen, und nach der Durchsuchung wurde der Liktor sogleich ins Innere der Castra geleitet.




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    Endlich, endlich gaben die Kleinen mal kurz Ruhe! Ausser Puste, und schwindelig von der Rennerei im Kreis, stiefelte ich meiner Tante und den Kindern hinterher. An der Bude mit den süßen Sachen kaufte ich eine Menge Nüsse und Trockenfrüchte und Gebäck für uns alle. Gerade steckte ich mir eine sehr verlockende Pistazien-in-Honig-Schnitte in den Mund, als meine Tante in harmlosem – heimtückisch-harmlosem! - Tonfall die böse Frage stellte:

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    Original von Duccia Venusia
    "Mein lieber Faustus. Wie sieht es denn bei dir mit der Familienplanung aus."?


    Familie? Kinder? Womöglich eine Ehefrau?! 8oIch?!!
    Vor Schreck bekam ich den Bissen in den falschen Hals, und auf einmal keine Luft mehr! Ich hustete heftig, es schüttelte mich und mir traten die Tränen in die Augen, bis ich endlich wieder den Hals frei hatte. Bona Dea! Mitgenommen ließ ich mich auf eine der Bänke sinken, die da neben den Essensständen errichten waren, und atmete erst mal tief durch.
    "Ach, liebe Tante..." stammelte ich dann mit aufgerauhter Stimme, "... darüber mache ich mir noch gar nicht so viele Gedanken... weißt du, ich fühle mich noch viiiel zu jung, um Vater zu werden... und ausserdem, als Soldat, da darf ich doch gar nicht heiraten! Hat ja auch seinen Grund, schließlich ist unsere Arbeit nicht ungefährlich."
    Ja, das Ehe-Verbot, eines der Dinge die ich am Soldat-sein am höchsten schätzte. :] Ich machte Hundeaugen, zuckte die Schultern, wie jemand, der sich mit etwas unausweichlichem abgefunden hat, und stellte fest:
    "Tja, so sind nun mal die Gesetze. Da hat man ab-so-lut keine Chance."

    Schweigend führte ich den Quintilier hinaus aus dem Raum, dem Gebäude, dann durch die nächtliche Castra, die Via Praetoria entlang, auf die massiven Mauern zu, die das Kastell umschlossen. Wir erreichten das Haupttor, dort wechselte ich ein paar Worte mit den wachhabenden Soldaten. Sie öffneten das Tor, und ich verabschiedete unseren unfreiwilligen Gast – einerseits bedauernd, dass ich jemanden, der mir so interessant erschien, unter derart widrigen Umständen getroffen hatte, andererseits einfach nur fix und fertig von der ereignisreichen Nacht.
    “Vale.“
    Ich erlaubte es mir nicht, ihm hinterherzusehen.


    Erst auf dem Weg zu meiner Habitatio, als ich alleine zwischen den dunklen Baracken entlangging, in einer Stille, die nur vom Geräusch meiner müden Schritte durchbrochen wurde, und, wenn man genau hinhörte, vom Zwitschern einer Fledermaus, die über den Dächern umherflatterte, und bisweilen auch von einem Schnarchen aus den Unterkünften – da erst, als ich das Gesicht des Quintilius Sermo nicht mehr vor Augen hatte, und statt dessen an das Verhör dachte, das ich morgen in Angriff nehmen würde, da erst fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich erkannte endlich, welche Ähnlichkeit es war, die mich bei seinem Anblick so seltsam angemutet hatte, so ins Grübeln gebracht hatte... Ich blieb stehen, und wandte den Blick gen Himmel. Hoch über mir flimmerten die Sterne, verschwommen im Dunst der Stadt. Ich seufzte leise, aus tiefster Seele. Natürlich.
    Quintilius Sermo hatte eine nicht von der Hand zu weisende Ähnlichkeit mit Hannibal.

    Wie bunte Scherben in einem Kaleidoskop wirbelten die Eindrücke um mich herum, setzten sich für Momente zu prächtigen Bildern zusammen, nur um sogleich wieder zu zersplittern, in farbigen Strömen zu zerfließen und sich erneut zu formieren, zu noch gewaltigeren und merkwürdigeren Bildern.
    "Ich bringe euch Feuer!" röhrte ein Prometheus, der auf den Tischen umhersprang und über den Köpfen der Rasenden ein Feuerrad schwang. Der Schweif der Lohe zeichnete verschlungene, glühende Spuren, rätselhafte Zeichen vor dem fernen Firmament unseres Olymps.


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    Original von Celeste


    Dann war da Celeste – Celeste??! Eine blonde Göttin, aufreizend in einem weinroten Hauch von einem Nichts, in inniger Umarmung mit einer dunklen, gefährlich anmutenden Exotin...
    Ungläubig starrte ich sie an, hoffte sie sei nur ein Trugbild, hervorgebracht von meinem Rausch, doch sie wandte den Kopf zu mir, unsere Blicke trafen sich und ich sah in ihren Augen das Erkennen aufblitzen... Mierda! - Meine Arme lagen unmissverständlich um den schönen Sonnengott geschlungen, mein Körper war bestrebt sich um ihn zu ranken, wie der Efeu um die Säule... Der Schreck durchzuckte mich, ein greller Blitz, Celestes Gesicht war ein böses Zwinkern der wahren, der unbarmherzigen Welt. Was, wenn sie es herumerzählte?!
    Doch nicht einmal diese Erschütterung hatte Bestand vor dem Zauber des Aton, als der mich einfach mit sich zog. Willig folgte ich ihm durch den Taumel des Festes, strebte ihm zu, nur ihm, und von meinem Erschrecken blieb bloß eine leichte Benommenheit, vermischt mit Belustigung, wenn ich daran zurückdachte, dass ich tatsächlich einmal, wenn auch sehr halbherzig, versucht hatte, Celeste schöne Augen zu machen.


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    Original von Manius Flavius Gracchus


    Endlich waren wir alleine, hatten ein Separé für uns, am Rande des Festwahns, gefunden. Die verbliebenen Hüllen fielen auf der Stelle, und ein "Ja.....", flammend dahingehaucht, war für lange Zeit mein letztes Wort. Halb drängte er mich, halb sank ich hin, auf die Kline mit ihm, nur mit ihm, und nun wurden all die Worte vom Feuer, der Lohe und der Lust ineinander zu vergehen, auf das wunderbarste in die Tat umgesetzt – nein vielmehr, Worte vermögen in keinster Weise auch nur von ferne heranzureichen an die eruptive Ekstase dieser Vereinigung. Es war wahrhaft göttlich.


    Als ich dann, noch immer schwer atmend, meine Stirn aus dem nassgeschwitzten Kissen hob, spürte ich mich umhüllt von einer so wunderbaren, trägen Glücksseligkeit... Vom Scheitel bis zur Sohle durchrieselte mich warm der Nachhall der Lust, und Aton lag neben mir, lächelnd.
    Ganz langsam hob ich die Hand, fuhr mit den Fingerspitzen zärtlich die Konturen seines Gesichts nach, die Brauen, den Nasenrücken, den feinen Schwung der Lippen, ihr subtiles Kräuseln. Es war schön, so zu liegen, schön, dass er nicht gleich wieder aufsprang, schön, den flüchtigen Moment des Einklangs auf diese Weise noch ein wenig länger währen zu lassen. Und so verschwendete ich keinen Gedanken daran, dass dies bei einem Orgien-Intermezzo doch ein bisschen arg gefühlsselig sein mochte, als ich meinem Gespielen den Arm über die Brust legte – von den aufgemalten Ornamenten dort waren nur noch verwischte Spuren geblieben - und meinen Kopf in die Neige, die sich zwischen Schulter und Hals erstreckte, und die für diesen Zweck absolut prädestiniert war. (Meine Perücke war irgendwann verloren gegangen, jetzt bildete sie zusammen mit dem zerrupften Festkranz, Atons goldenem Strahlenschmuck, dem ledernen Rock und dem weinbefleckten Chiton ein Stillleben auf dem Boden.) So verharrte ich. In der Ruhe. Dem Atem. Dem Herzschlag. Seinem Geruch. Haut an Haut. Ich war glücklich, es war ein vollkommener Augenblick, und der Rest des Spektakels konnte mir gestohlen bleiben. Meine Lider wurden schwer, mein Atem ging langsam und entspannt.
    "...Aton..." flüsterte ich irgendwann ganz leise, als die Augen mir schon beinahe zufielen, "...lass uns zusammen von hier fortgehen...wir steigen in deinen feurigen Streitwagen... oder nein, deine Sonnenbarke...!" Sonnenbarke... dieses Wort ließ in meinem schläfrigen Geist Bilder aufsteigen, von Weite, von Glanz und von Sommer... "...zusammen überqueren wir die Meere... ich zeige dir unsere... erhabenen Gebirge und du mir deine glutheiße Wüste... und den Nil und das alles... und dann reisen wir immer weiter... immer weiter... zusammen... und machen die Nacht zum Tage....."
    Ich lächelte noch immer, träumerisch, in Atons Halsbeuge hinein, als der Schlaf mich umfing.



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    Nachdem wir unsere bescheidenen Opfergaben niedergelegt hatten, setzten die beiden Kleinen es sich in den Kopf, dass wir unbedingt auch zu dieser Drehkonstruktion mussten. Ich schmunzelte – was waren sie niedlich, wie sie zogen und mit den Fingerchen deuteten. Aber während wir darauf warteten, dass wir drankamen, gelang es mir, mich wirklich voll in die Nesseln zu setzen.
    Faustus! Wo hatte ich nur meinen Kopf! Das hätte ich mir doch denken, können, dass eine tugendhafte Matrone solche Scherze gar nicht amüsant finden würde. Ich war wohl ein wenig abgestumpft, dadurch dass ich fast die ganze Zeit nur mit Soldaten zusammen war. Wo waren meine Manieren geblieben? Verlegen betrachtete ich die Spitzen meiner Caligae.
    "Ähm... ja, also ich mache so etwas ja auch nicht! Und dieser, ähm, Bekannte, von dem ich gesprochen habe, mit dem war ich in Parthien in einer Zeltgemeinschaft, da, ähm, lernt man sich eben gut kennen, und muss sich aufeinander verlassen, auch wenn man sonst gar nichts miteinander gemeinsam hat. Wirklich, Tante Venusia, ich gebe dir ja recht, Ecken-Rempler sind absolut stillos, und genauso die Markt-Schubser, ich wollte dich bloß vor ihnen warnen, damit du dich immer gut vorsiehst..."


    Dann schwieg ich, ganz zerknirscht dass meine Tante so einen schlechten Eindruck von mir bekommen hatte. Es war eine willkommene Ablenkung, als der Drehbalken vor uns frei wurde, rascher als es zunächst geschienen hatte. Aber dem Mann, der da die ganze Zeit im Kreis gerannt war, dem hing die Zunge schon fast am Boden. Ich hob Secundus auf den Sitz und schärfte ihm ein:
    "Gut festhalten!"
    Dann sah ich den Erschöpften auffordernd an, aber der japste, er brauche jetzt dringend eine Pause. Tja. Leider hatten wir keinen Sklaven dabei. Ich fügte mich in mein Schicksal, und als die lieben Kleinen gut sassen, stemmte ich mich gegen den Balken. Je weiter aussen man lief, desto einfacher war es natürlich, ihn in Schwung zu versetzen, und so trabte ich also über die Wiese, immer im Kreis, wie ein Muli in der Ölmühle, damit die Kinder ihren Spass hatten. Und sie hatten jede Menge davon, jauchzten und konnten gar nicht genug bekommen. Ich konnte nur hoffen, dass jetzt niemand aus meiner Centurie vorbeikam und mich hier so erblickte!

    Ich hatte die Wette gewonnen. (Und gleichzeitig auch verloren.) Aber mein Schreibtisch würde heute abend vergeblich auf mich warten. :]


    “Bei dem Komplizen ist uns leider der Tod zuvorgekommen, Praefectus. Sein Name war Strepitus, er war eine Zeit lang der Mitbewohner von Varius Burrus in der Insula des Ennius in der oberen Kanalgasse. Er ist letzten Sommer an einem Fieber gestorben, ich habe das überprüft.“
    Die Luft war schlecht in der Kanalgasse, voll übler Miasmen.
    “Natürlich“, musste ich einräumen, “besteht auch die Möglichkeit, dass unser Gefangener einen Toten belastet hat, um einen Lebenden zu schützen, aber ich habe ihn lange und scharf verhört, und er hat schließlich wirklich umfassend ausgepackt. Deshalb halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass er in dieser Hinsicht weiter gelogen hat.“
    Aber ganz genau wissen würden wir es nie. Gab es nicht einmal einen Erfolg ohne Einschränkungen, einen Sieg auf ganzer Linie gegen das Verbrechen...?


    “Wenn es zum Prozess kommt, soll ich den Gefangenen dann mitsamt des Verhörprotokolls an den Praetor überstellen, Praefectus?“
    Bisher hatte noch keiner der Übeltäter, die ich erwischt hatte, einen richtig großen Prozess bekommen. Wenn es hier dazu käme, wäre das eine Premiere, da wollte ich alles ganz korrekt machen. Manche derer, die ich bisher verhaftet hatte, waren formlos abgeurteilt worden, andere freigekommen, andere wiederum waren auf seltsame Weise aus dem Carcer verschwunden. Wenn ich dann nachgefragt hatte, wo sie geblieben waren, hatte der Kerkermeister immer gesagt, sie seien 'verlegt worden', und dabei hatte er so ungut gegrinst.

    Es gibt ein Standbild im Porticus Octaviae, welches einen der Söhne der Niobe darstellt. Ein Jüngling, der, vom Pfeil des Apoll getroffen, zu Boden sinkt, und dabei noch immer um sein Leben ringt. Eine Hand hält er vor der Brust, er versucht den Pfeil des zornigen Gottes herauszuziehen, die andere stemmt er gegen den Erdboden, um sich wieder aufzurichten. So anmutig ist seine Haltung, und sein Gesicht, vom Tode gezeichnet und doch dem Leben zugewandt, so edel.
    War es dieses Standbild, von welchem das seltsame Gefühl herrührte, eine Ähnlichkeit zu etwas Bekanntem an dem Quintilier wahrzunehmen? Natürlich, er lag weder im Todeskampf noch war er ein Jüngling, aber die Haltung in der er da sass, und sich trotz der offensichtlichen Erschöpfung keine Blöße gab... sich nicht unterkriegen ließ, beinahe herausfordernd... diese ganze Ausstrahlung, die erinnerte mich wirklich ein wenig an den Sohn der Niobe. Es war aber noch etwas anderes dabei... etwas, das ich nicht zu fassen bekam.


    Jetzt musterte er mich, düster, ließ mich kaum aus den Augen. Ich erwiderte den Blick unverwandt, auch ich wollte mir natürlich keine Blöße geben, obgleich ich unter diesem Blick ein Kribbeln im Nacken verspürte, von dem ich nicht sagen konnte ob es aufregend oder doch eher unheimlich war. Mein Mund war schon wieder trocken, ich leerte meinen Becher, während der Quintilier das selbe mit dem Krug tat.
    Auf seine Frage hin trat kurz ein schiefes Lächeln in mein Gesicht. Das klang ja fast, als ob er hier das Verhör umkehren wollte. Ich machte eine bereitwillige Kopfbewegung, meinen Namen verriet ich ihm natürlich gerne.
    “Faustus Decimus Serapio.“ sprach ich, wobei ich ihm direkt in die Augen blickte. Sie waren blau, was ich nicht vermutet hätte. Dann waren aus der einen Frage auf einmal zwei geworden.
    “Er hat, aller Wahrscheinlichkeit nach, einen schweren Raubmord begangen, an einer nicht unbedeutenden Person. Ich bin ihm schon über ein Jahr auf der Spur...“
    Bevor ich auch noch Namen und so weiter ausplaudern konnte, fiel mir auf, dass das ermittlungstaktisch ziemlich dumm wäre... und dass ich absolut keinen Grund hatte, dem Quintilier Vertrauen zu schenken. (Auch wenn ich ihn gerne mit tollen Ermittlungserfolgen und gefährlichen Verbrecherjagden beeindruckt hätte.) Bevor ich hier völlig den Kopf verlor, sollte ich das besser beenden!
    “Ich denke das genügt.“, schloß ich also, stellte meinen Becher beiseite – er traf mit einem vernehmlichen Klacken auf die Tischplatte - und erhob mich. “Ich begleite dich hinaus, Quintilius Sermo.“

    Zitat

    Original von Aurelia Prisca


    [Blockierte Grafik: http://img25.imageshack.us/img25/7963/alexanderdergroe.jpg] | Alexander der Große


    Alexander der Große wartete. Und wartete. Ganz untypisch war es, wie er da stand, ohne einen Blick für die ihn umtanzenden Schönheiten, die Augen auf den Torbogen gerichtet, hinter dem seine Göttin verschwunden war.
    Und siehe da: ein fliederfarbener Schimmer! Ein amethystener Glanz. Ein heller Arm winkte, golden funkelte die Maske der Athene im Schein der Fackeln. Alexander strebte auf sie zu, bahnte sich den Weg durch die Tanzenden, stieg über verschlungene Leiber, doch bevor er den Torbogen erreicht hatte, war Athene ihm schon wieder entwischt, floh leichtfüßig eine Treppe hinauf. Kurz blitzte lockend ein bloßer Schenkel, spähte die Maskierte hinter einer Säule hervor, und war schon wieder fort, als der große Alexander dort anlangte. Doch unverdrossen verfolgte er sie weiter, jagte die Göttin durch die Gänge der Villa, bis er sie schließlich in einem Cubiculum in die Enge getrieben hatte. Nur wenige Kerzen erhellten das üppig eingerichtete Schlafgemach, und die Gestalten auf dem breiten Himmelbett waren mehr zu erahnen als zu erkennen: die Maskierte in Amethyst, sich lasziv auf den Kissen räkelnd, und über ihr die Sirene Peisinoe, welche lockend die Hand nach dem Eroberer reckte.
    Da lächelte der große Alexander ein überaus zufriedenes Lächeln, und zögerte nicht lange. Er gesellte sich hinzu, und in den nächsten Stunden genoss er mit den beiden Schönen all die Liebeswonnen, nach denen es ihm verlangte. Im Rausch des Weines und der Sinne, im Halbdunkel und vor allem im Bewusstsein seiner eigenen Unwiderstehlichkeit bemerkte der Verführer dabei nicht, dass er genarrt worden war.
    Und so kam es, dass der große Alexander in dieser Nacht davon überzeugt war, dass nicht einmal die Göttin der Weiheit ihm hatte widerstehen können.


    Erst am nächsten Morgen, als blasses Licht in langen Bahnen in das Schlafgemach fiel, und der Eroberer mit dröhnendem Schädel zwischen den beiden Grazien erwachte, kam ihm seine Athene mit einem mal gar nicht mehr so vollkommen vor. Die goldene Maske war verrutscht, sie lag neben der Schlafenden auf dem Kissen. Der gewesene Alexander hob die Maske auf, betrachtete sie mit gerunzelter Stirn und weckte das Mädchen. Große braune Augen blinzelten ihm verschlafen entgegen. Athenes waren aber blau gewesen, dessen entsann Alexander sich deutlich.
    "Wer... was... wo ist Athene geblieben?!"
    Jetzt dämmerte ihm der Betrug. Alexander schnappte nach Luft und schüttelte die arme Sklavin, die vor Schreck kein Wort herausbrachte. Doch Peisinoe rettete sie.
    "Halt, halt!" rief sie, und erhob sich aus den Kissen. "Athene lässt dir etwas ausrichten, Alexander. Halt ein, höre lieber die Worte der Göttin!"
    Und bass erstaunt vernahm der Feldherr die Botschaft.
    "Leb wohl mein starker Held. Es mag dir zwar verwehrt sein die echte Athene zu lieben, da eine Göttin nun einmal unantastbar ist und es bleiben muss. Doch wisse Eines. Die echte Athene beneidet die Sterblichen um diese eine Nacht mit dir und sie wird deinen letzten Kuss niemals vergessen …"
    Das war zuviel am frühen Morgen. Mit der goldenen Maske in der Hand taumelte der Betrogene wie vor den Kopf gestossen aus dem Schlafgemach.
    Athene hatte ihm das Herz gebrochen! Ganze drei Tage trauerte Alexander, der eigentlich Tricostus hieß, ihr hinterher. Danach lernte er einen reizenden jungen Freskenmaler kennen, der ihm half, über seinen Kummer hinwegzukommen. Die goldene Maske aber bekam einen Ehrenplatz unter den Trophäen, die Tricostus in seiner Laufbahn angesammelt hatte.



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    "Oh."
    Bona Dea, kein Wunder dass sie nicht damit hatte rausrücken wollen. Einen Augenblick lang starrte ich sie erschrocken an, sah wie sie die Augen niederschlug und sich anscheinend sehr schämte. Zu recht! Eine Mutter sollte ihr eigenes Kind nicht im Stich lassen. Ich trank einen großen Schluck von meinem Wein, der mittlerweile nur noch lauwarm war, und versuchte damit auch meine Empörung herunterzuschlucken. Wenn ich daran dachte, wie hart mich der Tod meiner Mutter getroffen hatte, und dabei war ich da schon beinahe erwachsen gewesen! Ich biss mir auf die Lippen, um jetzt nichts falsches zu sagen. Natürlich gab es eine Menge Mütter, die ihre Kinder im Stich ließen, manche schickten sie zum Betteln und Stehlen auf die Strasse, andere vernachlässigten sie, weil sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren... aber sich zu töten... das war doch eine ganz andere Dimension! Diese Frau musste ganz entsetzlich verzweifelt sein, wenn selbst die Sorge um ihr Kind sie nicht von diesem Schritt hatte abhalten können. Als würde ein kalter Wind mich anwehen... das war monströs.
    Ich nahm an, dass der Vater des Kindes wahrscheinlich nicht damit einverstanden war, dass Bridhe es mit sich nach Hibernia nähme – wer sähe sein Kind schon gerne unter Barbaren aufwachsen – und dass das die Wurzel des Dilemmas war.
    "Du solltest dich jetzt noch etwas ausruhen, Bridhe.", sagte ich dann ziemlich reserviert. "Und danach werde ich dich zurück zu deiner Familie begleiten!"
    Meine Zuversicht, irgendwie helfen zu können, hatte einen gewaltigen Dämpfer erhalten. Vor dem Abgrund, der sich da auftat, fühlte ich mich machtlos.

    Sim-Off:

    Ja klar.


    Es stimmte soweit alles überein, auch die Details, auf denen ich nur herumritt, um den Gefangenen nervös zu machen. Er hatte einen Wettschein auf das Frettchen, und, auch wenn ich mich nicht mehr so ganz genau erinnerte, siebenundvierzig klang gut. Besonders die zornige Reaktion erschien mir sehr authentisch, und ich muss zugeben, in dem Augenblick war ich ganz froh dass er noch gefesselt war. Für gewöhnlich nahm ich die Dinge, die in solchen Situationen gesagt wurden, nicht persönlich, aber für gewöhnlich waren die Verdächtigen auch nicht so attraktiv wie dieser hier. Der hier gab mir das Gefühl, ein fieser Urbaner zu sein, nicht besser als der miese Princeps Prior, der mich damals genau hier verhört und mit seinen gemeinen Unterstellungen fast zur Weißglut gebracht hatte. Ich presste die Lippen zusammen, und sagte mir, dass es immer noch einen Unterschied gab... ganz bestimmt.
    Über den Kopf des Quintiliers hinweg warf ich Musca einen fragenden Blick zu. Ich schätzte seine Menschenkenntnis und wollte mich vergewissern, dass er das selbe dachte wie ich. Tja. Es wäre auch zu schön gewesen, mit unserer Zielperson auch gleich noch den Komplizen zu erwischen, von dem die alte Katzenfrau damals erzählt hatte. Aber die Frau war ziemlich durch den Wind gewesen, vielleicht gab es gar keinen Komplizen. Und selbst wenn es einen gab, der Quintilier war eine arg unwahrscheinliche Besetzung für diese Rolle. Ich atmete schwer aus, als ich mir das klarmachte, und legte die ganze bedrohliche Attitüde ab wie eine Theatermaske.

    “Ich glaube dir ja.“ sagte ich resigniert, beinahe besänftigend, und beugte mich herunter, um ihm die Fesseln aufzuknoten.
    “Musca, du kannst gehen, lass aber noch jemanden auf das Bein schauen.“
    Mein Kamerad nickte und verschwand. Ich konzentrierte mich auf den Knoten, und ausserdem darauf, mich nicht darauf zu konzentrieren, dass bei dieser Tätigkeit ein, zweimal meine Hand in Berührung mit der unseres unfreiwilligen Gastes kam. Dann löste sich der Strick, und ich kehrte wieder auf meine Seite des Tisches zurück.
    “Den hier muss ich beschlagnahmen.“ Ich nahm den Dolch von der Tischplatte und steckte ihn zu mir. Mehr würde ich wegen der Waffe nicht unternehmen, das war zwar nicht so ganz korrekt, aber ich fand es nicht fair jemandem aus so einer Lappalie einen Strick zu drehen. Mein Mund war trocken. Darum ging ich zu einem Schränkchen an der Wand, und entnahm ihm einen abgedeckten Krug mit Posca und zwei angeschlagene Tonbecher. Mit dem Ende meines Focale wischte ich noch mal an ihrem Rand entlang, dann schenkte ich sie voll.
    “Möchtest du einen Schluck trinken, Quintilius Sermo? Ist aber nur Posca.“
    Ich stellte ihm einen Becher hin und schob die Öllampen beiseite, damit sie ihm nicht mehr ins Gesicht schienen. An der Tischkante lehnend trank ich aus meinem Becher, dabei zerbrach ich mir den Kopf nach einer geistreichen Möglichkeit, den Quintilier noch etwas länger hierzubehalten. Aber es war spät, ich war müde und zerschlagen, und nachdem die Anspannung des Verhörs nachgelassen hatte, wurden meine Gedanken zunehmend schwerfällig.

    Wenn ich an die vielen Besucher dachte, die sich jeden Tag vor dem Tor stauten und eine Audienz haben wollten, dann kam ich mir doch recht privilegiert vor, dass ich so schnell vorgelassen wurde. Es war schon etwas besonderes, so nahe am Zentrum der Macht zu arbeiten. Während des Wartens überprüfte ich nochmal, ob mein Cingulum militare auch exakt mittig saß, und dass sich auch ja kein Staubkorn auf meine Tunika verirrt hatte, und dass ich um Himmels willen nicht meine Notizen vergessen hatte. Im Geiste veranstaltete ich eine kleine Wette mit mir selbst: würde ich den Stadtpräfekten wieder mal beim Essen antreffen? (Ja – und ich würde heute abend ins Theater gehen. Nein – und ich würde endlich den unsäglichen Papyrus-Kram auf meinem Schreibtisch erledigen.)


    Dann war ich dran. Dankend nickte ich den Scriba zu, und trat in das Officium des Präfekten. Führte zackig die Faust zur Brust und nahm vor ihm Haltung an.
    “Ave Praefectus Urbi Vescularius! Ich melde die Festnahme des Mörders von Caius Octavius Cato.“
    Welch eine Genugtuung, endlich diese Worte aussprechen zu können! Ich war richtig stolz auf diesen Erfolg. Da ich dem PU ja schon mal über die Ermittlungen berichtet hatte, verzichtete ich darauf, weit auszuholen und präsentierte nur die Neuigkeiten.
    “Es ist mir gelungen, seine Spur wieder aufzunehmen, und beim diesjährigen Finale des Rattenbeissens – das ist eine Wettkampf-Veranstaltung in der Subura – konnten wir ihn verdeckt aufspüren und festnehmen. Nach einigen Verhören hat er gestanden, Octavius Cato gemeinsam mit einem Komplizen aus Geldgier ermordet und beraubt zu haben. Es handelt sich bei dem Subjekt um einen Tagelöhner aus Lanuvium, der seit Jahren in der Subura lebt. Er ist dort bekannt als 'Sadales Polxemidas', eigentlich ist er aber römischer Bürger und trägt den Namen 'Gnaeus Varius Burrus'. Die Familie des Ermordeten habe ich bereits informiert und darauf hingewiesen, dass es an ihnen ist, Anklage zu erheben.“

    Er sah so gut aus, wenn er sich aufregte. Und der ganze Schmutz, den er sich gerade im Gesicht hin und her wischte... über die hohe Stirn und die klassische Nase... das gab ihm so eine verwegene Note. Ich sah einfach nur hin... hätte diesen Anblick gerne noch viel länger vor Augen gehabt... aber seltsam, mir war, als würde er mich an irgendetwas erinnern. Faustus, reiß dich zusammen! Heiß war es hier drinnen geworden. Ich lockerte mein Focale, fuhr mir über den Nacken, zuckte dann bloß die Schultern zu seinem berechtigten Kommentar.
    “Dura lex, sed lex.“
    Er blieb bei seiner Geschichte, brachte sie ohne Zögern vor, aber ganz so ungerührt wie er sich am Anfang gegeben hatte, wirkte er jetzt nicht mehr.
    “Dann kannst du mir bestimmt sagen, wieviele Ratten Ultor erwischt hat.“ fuhr ich leichthin fort, und griff nach der Geldbörse, leerte ihren Inhalt auf den Tisch und begutachtete ihn. Es interessierte mich nämlich, ob ich einen Wettschein darin finden würde. Die Sesterzen waren jedenfalls nicht sehr zahlreich. Ich legte sie zurück in den Beutel und richtete wiederum meinen Blick auf dieses faszinierende - will sagen verdächtige - Antlitz. Und als hätte ich all seine Beteuerungen gar nicht gehört, insistierte ich noch ein bisschen. Ich erhob mich und ging um den Tisch herum auf ihn zu, während ich die nächsten Fragen stellte, und Musca, der das Spiel gut kannte, rückte ihm gleichzeitig von der Seite her näher. Nun hatten weder Musca noch ich das Aussehen brutaler Schlägertypen, trotzdem war dieses Manöver für gewöhnlich der Bedrängnis förderlich. Direkt vor dem aparten Verdächtigen blieb ich stehen und schoß von oben meine Fragen wie scharfe Pfeile ins Blaue hinein.
    “Was verbindet dich mit dem Mann, dessen Festnahme du da beinahe vereitelt hättest? Ich versichere dir, Quintilius, er wird dir deinen Einsatz nicht mehr danken können. Ist dir bewusst, dass der, mit dem du dich da eingelassen hast, ein gesuchter Meuchelmörder ist?!“

    "Kann ich bestätigen. So is es, und nich anders. Der Bursche ist gesund und munter. Sitzt hier gemütlich unter seinesgleichen und lässt sich vom Staat durchfüttern. Wird zum Prozess frisch geliefert."
    Der Optio nickte und klappte mit einem Knall die Wachstafeln zu.





    Tatsächlich, sie lachte. Das fand ich ein gutes Zeichen. Wir hatten bei den CU ja immer mal wieder mit Selbstmördern zu tun, und viele davon wirkten so ganz erstarrt, wie tot, obwohl sie noch am Leben waren, richtig unheimlich, zu denen konnte man dann gar nicht mehr durchdringen, egal was man sagte.
    Bridhe nahm meinen Gedanken mit dem Glück auf, aber ganz so einfach wie ich es gerne hätte, schien die Sache hier nicht zu sein. Jedoch, ich gab noch nicht auf, denn ich wollte gar zu gerne ein Retter auf einem weißen Ross sein.
    "Kannst du da denn nicht vielleicht irgendwie... rauskommen? Ich meine natürlich, ohne dich gleich umzubringen.", fragte ich freundlich, in meinem Bemühen hilfreich zu sein. Meine Phantasie malte wilde Bilder vor meinem inneren Auge. Vielleicht hatte sie einen brutalen Ehemann, von dem sie nicht loskam. Oder sie war für immer dem Dienst an einem Götzen in irgendeinem ausländischen Tempel geweiht.
    "Du kannst mir ruhig sagen was es ist. Wir kennen uns ja gar nicht.", fügte ich hinzu, da ich das Gefühl hatte dass es ihr unangenehm war. Das klang zwar, so gesagt, absurd, aber ich finde es manchmal leichter mit Fremden zu reden, nachts, in Tavernen, die man niemals wiedersieht (die Fremden, nicht die Tavernen), als mit Kameraden oder der Familie.
    "Ich will dir wirklich gerne helfen.", bekräftigte ich, und machte ein treuherziges Gesicht, "Allein schon damit ich nicht umsonst in diese stinkige Brühe gesprungen bin."
    Gedankenverloren kratzte ich mich am Knöchel. Nachher würde ich gründlich baden müssen. Der Tiber war so dreckig, angeblich konnte man von dem Wasser eklige Ausschläge bekommen. Ich streckte den Fuß unter der Decke hervor und betrachtete ihn kritisch. Sah (noch) ganz normal aus.

    An der Seite meiner germanischen Tante schlenderte ich durch das Gewühl. Ich hielt meinen kleinen Cousin auf dem Arm und betrachtete das bunte Treiben. In letzter Zeit war ich wegen des Sadales-Falles sehr eingespannt gewesen, da tat es gut, einfach mal ganz entspannt unterwegs zu sein, ausserdem machte es mir Spass zu sehen wie meine Tante, die ja noch nicht so lange in Rom war, auf die Stadt reagierte. Es öffnete auch meinen Blick wieder, der sonst über vieles, an das ich mich mittlerweile gewöhnt hatte, einfach hinweg ging.
    "Wollen wir den Lares Compitales ein kleines Opfer bringen?", meinte ich mit Blick auf den Schrein an der Wegkreuzung. An einer Bude kaufte ich ein paar Opferkuchen und Lorbeer-Zweiglein und verteilte sie unter uns vier.
    "Das ist für die Laren, nicht zum selber essen" erklärte ich Secundus und Sevilla. "Damit sie auf euch aufpassen, wenn ihr auf der Strasse unterwegs seid. Vor allem an den Kreuzungen, damit euch da nichts passiert."
    Neben uns spielte ein Musikant eine fröhliche Weise, und ein Jongleur ließ eine Menge roter Äpfel durch die Luft wirbeln. Auf der Wiese neben der Strasse war eine interessante Konstruktion errichtet worden: ein großer Stamm stand aufrecht, von seiner Spitze liefen Seile zu zwei weiteren Stämmen, welche ihn etwa auf Hüfthöre kreuzten. Sie wiesen in der Mitte eine Aussparung auf, und drehten sich horizontal um den großen Pfahl herum, wenn man sie anschob. An den Enden hockten jeweils zwei Kinder und jauchzten, während ein schnaufender Mann, schon hochrot im Gesicht, das Ding am rotieren hielt. Armer Kerl, dachte ich.


    A propos Kreuzungen und Ecken...
    "Hast du in der letzten Acta über die Zusammenstöße gelesen?", fragte ich Venusia. "Dieser Leserbrief. Ich finde, der Autor hat schon in mancher Hinsicht recht – an einigen Ecken kommt es wirklich fortwährend zu solchen Kollisionen. Aber der Einfall, uns Urbaner dafür in die Pflicht zu nehmen ist doch selten dämlich. Als ob wir nicht schon mehr als genug zu tun hätten! Und die meisten Kollisionen sind doch sowieso gewollt. Du musst wissen, Tante Venusia, das ist so eine stadtrömische Sitte, ideal für Schüchterne um zwar plump aber dafür unkompliziert Bekanntschaften zu machen - einfach anrempeln und dann tiefzerknirscht zur Entschuldigung 'auf einen Becher Wein einladen'. Das ist schon ein geflügeltes Wort, mit dem Becher Wein. Aber richtig rempeln will auch gelernt sein, damit es nicht allzu plump erscheint. Ich habe einen Freund, der hat es darin zur Meisterschaft gebracht, wenn der rempelt, das wirkt so natürlich, da merkt man überhaupt keinen Unterschied zu einem natürlichen Zusammenstoß."
    Wenn meine Tante hier in Rom unterwegs war, dann musste sie so etwas wissen. Schließlich war sie jung und hübsch, da sollte sie gewarnt sein, falls jemand diesen Trick bei ihr versuchen würde.

    >>
    Nachdem ich den Mörder des Octavius Cato endlich gefasst, und ihm sogar ein Geständnis hatte entlocken können, begab ich mich zu meinem Kommandanten. Beziehungsweise, erstmal begab ich mich natürlich in sein Vorzimmer. Wie immer bei diesen Anlässen war ich sehr akkurat gekleidet, penibel rasiert, und hatte mein Cingulum auf Hochglanz gebracht. Nur auf meiner Wange, da zeichneten sich noch die Spuren der Rauferei mit dem Mörder ab.
    “Salve,“ grüßte ich den Schreiber, “Centurio Decimus Serapio, hier um dem Praefectus Urbi Bericht zu erstatten. Ist er zu sprechen?“