Bei Mars und Bellona! Mit einem Anflug von Erstaunen besah ich mir meine Faust, dann machte sich ein triumphierendes Grinsen auf meinem Gesicht breit, und unwillkürlich blickte ich auf, um mich zu vergewissern dass meine Tat auch nicht unbemerkt geblieben war. Musca hinkte heran, auf seinen Stab gestützt, er hatte beim ersten Handgemenge, als er dem Schurken sein Messer abnahm, einen „Kratzer“ an der Wade abbekommen. (Bei sowas war Musca ein Pechvogel.) Zusammen fesselten wir den Gefangenen, verschnürten ihn gut und durchsuchten ihn auf weitere Waffen. Ich vergewisserte mich, dass er noch atmete, und dass die beiden Wunden nur leicht bluteten, band ihm einen Stoffstreifen um den Kopf, dann schleppten wir die schlaffe Gestalt zu zweit, zwischen uns, zurück zu den anderen.
Bei mir setzte jetzt die Erleichterung nach dem Kampf ein, und mit ihr das flaue Gefühl in den Beinen, dazu die Euphorie es gut überstanden zu haben. Nur meine linke Wange, die schmerzte und fühlte sich geschwollen an, und als ich vorsichtig mit den Fingerspitzen mein Jochbein betastete, zuckte meine Hand gleich wieder zurück. Autsch.
Natürlich war die Sache noch nicht gegessen, wir waren noch immer inmitten der Subura, und jetzt, wo ich mich wieder auf meine Umgebung konzentrierte, hörte ich deutlich den Lärm, der aus der Richtung der „Arena“ der Rattenbeißer drang. Da schien es drunter und drüber zu gehen. Auf das Einlösen meines Wettscheines sollte ich wohl verzichten. Ich erwog einen Moment lang, dort nach dem Rechten zu sehen... aber nur einen sehr kurzen Moment lang. Wir mussten den Gefangenen hinter Schloss und Riegel bringen, ausserdem hatte ich nur drei Männer bei mir und (begründete!) Angst vor den hiesigen Banden.
Mit angespannten Sinnen sah mich nach weiteren Angreifern um, spähte in die Schatten, und tatsächlich konnte ich vage eine Gestalt ausmachen, die uns im Visier hatte... erst auf den zweiten Blick erkannte ich in ihr Celeste. Dankbar grinste ich ihr zu und hob kurz verstohlen die Hand zum Gruß, doch um unsere Zusammenarbeit nicht an die große Glocke zu hängen nahm ich ihre Anwesenheit ansonsten nicht weiter zur Kenntnis. Von Celeste abgesehen, schien die Gasse bis auf uns leer zu sein, trotzdem nahm ich an, dass der ganze Aufruhr nicht unbemerkt geblieben war und befand, dass wir uns so schnell wie möglich aus dem Staub machen sollten.
Zuvor galt es aber noch, unseren Lockvogel zu belohnen. Ich überließ Musca für den Moment den Gefangenen, und nahm die Hure beiseite, wobei ich ein zerknirschtes Gesicht machte. Es war mir doch etwas unangenehm dass sie so rüde behandelt worden war. Ausserdem hoffte ich, dass sie nicht zu verstimmt war, dass ich nichts von Stadtkohorten gesagt hatte als ich sie anwarb.
“Auf ein Wort, Venustas. Ich danke dir für den Dienst, den du uns erwiesen hast.“, meinte ich zu ihr, wobei ich meine Stimme gedämpft hielt, um die Frau nicht als „Kollaborateurin“ bloßzustellen. Im Schutze meines Umhanges kramte ich in meiner Börse, suchte die Summe, die ich ihr schuldete zusammen, und legte für ausgestandene Ängste noch eine Handvoll Denare drauf. “Ich hoffe, du nimmst meinen Männern ihren, ähm, Übereifer nicht zu sehr übel“, entschuldigte ich mich und reichte ihr möglichst diskret das Geld. Da fiel mir noch was ein... “Und falls dir bei deiner Arbeit mal was interessantes über die Banden hier in der Gegend zu Ohren kommen sollte... – ich bin Centurio Decimus von den Stadtkohorten. Vale!“
Darauf kehrte ich zu meinen Soldaten und zu unserem Fang zurück.
“Abmarsch.“
Mit aller Strenge musterte ich den mutmaßlichen Komplizen, der da in unsere Verhaftung geplatzt war (im Geiste nannte ich ihn den „Katapult-Mann“). So auf den ersten Blick machte er vor allem eine schlammige Erscheinung, aber ich würde ihm auf jeden Fall noch genauer auf den Zahn fühlen – in einer angemessenen Umgebung, versteht sich.
“Und du kommst mit. Furius, sorg dafür. - Pergite!“
Gemeinsam mit Paeonius lud ich mir unseren bewusstlosen Gefangenen auf und gebeugt von der schweren Last, wie ein Jäger nach einem erfolgreichen Beutezug, schickte ich mich an, mit meinen Männern das Feindesland, die Subura, zu verlassen.