Beiträge von Faustus Decimus Serapio

    [Blockierte Grafik: http://img165.imageshack.us/img165/3010/princepspriorgargoniusrl1.jpg] | Princeps Prior M. Gargonius Marsus


    Der diensthabende Offizier war ein grimmiger alter Princeps Prior. Er thronte hinter einem Schreibtisch und musterte den jungen Furier mit stechendem Blick. Der rechte Ärmel seiner Militärtunika war leer, an der Schulter umgeschlagen, und mit einer Nadel sehr ordentlich festgesteckt. Lage Regale mit wabenförmigen Fächern voll Wachstafeln und Pergamentrollen säumten die Wände.
    ”Alter? Geburtsort? Eltern? Römischer Bürger? Ledig? Warum willst du hier Dienst tun?!”, hub Gargonius unverzüglich mit rauher Kasernenhofstimme an. Seine Linke ergriff einen Stylus, und die Spitze bohrte sich ins Wachs wie ein Gladius in den Wanst eines Barbaren, als der Alte den Namen des Anwärters notierte.






    Dass Seiana mein Gespann so würdigte, das ließ die Anspannung, die da zwischen uns in der Luft hing, ein wenig abflauen.
    "Mhm. Ich hoffe nur, man hält mich damit nicht für einen Albata-Anhänger." Das wäre ja peinlich. "Ich denke, ich werde hier und hier noch Aurata-Wimpel anbringen..."
    Ich bemalte weiter die Leisten, als Seiana zu meinen schönen Pferden ging, und sich mit ihnen bekannt machte. Die Apfelschimmel-Stute schien sie zu mögen.
    "Klar kannst du mitfahren." meinte ich großzügig, und vielleicht auch etwas großspurig "Kein Problem."
    Das war doch nett, das sie das gefragt hatte. Ich sah auf, und mein Groll begann schon wieder dahinzuschmelzen, als ich ihr zögerliches Lächeln sah. Vielleicht war der Streit doch nicht ganz so katastrophal wie ich gedacht hatte. Ebenso zögerlich verzog auch ich den Mund, jedenfalls den rechten Mundwinkel, zu dem Anflug einer Erwiderung.


    Dann tropfte mir Farbe auf die Sandalen. Ich kniete mich hin und wischte sie weg, wusch dann den Pinsel in einem Napf aus. Dabei hörte ich Seiana etwas murmeln. Hatte sie da gerade wirklich gesagt, dass es ihr leid tat? Vielleicht hatte sie auch gesagt, "Braves Pferd, gutes Pferd", und ich hörte einfach nur das was ich hören wollte. Wenn ich jetzt sagen würde "Mir tut es auch leid.", und sie hatte sich gar nicht entschuldigt, dann würde das nach Schwäche meinerseits aussehen. Es war ja auch ein Machtkampf. Ich musste ihn einfach mal zeigen, dass ich nicht mehr der kleine Bruder war – also, natürlich war ich immer noch ein bisschen jünger, aber ich war nicht mehr der kleine Bruder, der heulend zu ihr gelaufen kam, weil die bösen Fischerjungs ihm die Mütze geklaut hatten, und die große Schwester sie zurückerobern musste. Zum Glück war ich das nicht mehr!


    Ich wischte mir die Hände an einem fleckigen Lappen ab, und ging auch zu den Boxen rüber. Aus einem Fass nahm ich mir einen Apfel, dann lehnte ich mich neben Seiana an den Verschlag und gab der Stute den Leckerbissen auf der flachen Hand. Sie nahm ihn mit weichen Lippen und zermalmte ihn zwischen ihren großen Zähnen. Ich hob die Hand, und streichelte langsam ihren Hals, auf der entgegengesetzten Seite wie Seiana.
    "Ich hatte so einen Scheiß-Tag heute. Ich muss zur Zeit einen Kerl verhören, der wahrscheinlich wen umgebracht hat. Natürlich gibt ers nicht zu. Der ist so widerlich... und zugleich... so jämmerlich, dass er einem echt leid tun kann."
    Ich fuhr mir über den Nacken und blickte Seiana schief an.
    "Hast du Lust, was mit mir zu rauchen?" Aus meiner Gürteltasche nestelte ich ein kleines, tönernes Haschischpfeifchen, und einen Beutel mit Gras. Es war gutes Zeug, und der Duft stieg auch der Stute in die Nüstern. Sie reckte den Hals und haschte mit den Lippen danach.
    "He, das ist kein Heu!" Grinsend entzog ich den Beutel ihrer Reichweite.

    Alaina schien eine Frau mit Geheimnissen gewesen zu sein. Aber wer in dieser dreckigen Stadt war schon was er schien... Ich blickte meinen Adoptivvater an. Es gab sicherlich sehr vieles, was ich nicht über ihn wusste. Und es gab vieles, was er nicht über mich wusste. Vor mir sah ich den Regen, wie er sich in den Strassengräben sammelte, gurgelnd in die Keller hineinlief, jede Ritze war erfüllt von schlammigem Wasser, und der aufgewühlte Schmutz, er trieb hoch, quoll auf, verbreitete sich, eine trübe Brühe floss durch die Gassen, und nach dem Regen würde alles überzogen sein von einer schmierigen Dreckschicht. Konnte man überhaupt jemals von jemandem sagen, dass man ihn kannte...
    Livianus schloss aus, dass der Mord irgendwie mit ihm zu tun hätte, und so entschied ich, diesen Gedanken erst mal beiseite zu lassen.
    "Der Senator Flavius Furianus?" Ich hatte mir doch geschworen, nie wieder einen Fuß in deren verdammte Villa zu setzen... "Dann werde ich dem wohl mal nachgehen...", meinte ich zögernd. "Danke. Ich hoffe wir finden diesen Würger." Aber ich glaubte nicht daran.
    "Ich werde dann gleich einen Sklaven zu dem Libitinarius, der ihren Leichnam mitgenommen hat, schicken, mit Geld für die Bestattung." Sie sollte ja nicht in den Gruben landen.



    Da ich in der Castra wohnte, bekam ich Livianus nur selten zu Gesicht. Zumal er immer so bedeutend und beschäftigt und damit natürlich ständig unterwegs war. Das war eine Konstante, die ich seit meiner Kindheit mit ihm verband. Und das war der Grund warum ich jetzt, obwohl es ein unpassender Moment war, ein anderes Thema anschnitt. Bisher hatte ich nichts dazu gesagt, weil ich meine Schwester nicht verpetzen wollte, aber mittlerweile betraf es nicht mehr nur Seiana.
    "Ähm... es gibt da etwas ganz anderes, was ich dir noch erzählen wollte... da ich schon mal hier bin. Du hast ja sicher gehört, dass meine Schwester sich mit einem Aelier verlobt hat. Schön, ich weiß dass es - auch wenn er ausser seinem Namen nichts vorzuweisen hat - von Vorteil ist, Bande zu dieser Gens zu haben, aber... der Mann ist ein ungehobelter Trottel. Er war wohl früher mal wegen Seiana bei Meridius, der ihn damals weggeschickt hat, was kein Wunder ist, so nassforsch wie der Kerl auftritt. Und jetzt hat er es gar nicht mehr für nötig gehalten, hier bei uns um Seianas Hand anzuhalten, oder sich überhaupt mal vorzustellen! Er missachtet unsere Familie in der Sache vollkommen! Und als ich dann deswegen eine, ähm, kleine Auseinandersetzung mit ihm hatte, sagte er dazu nur:" – hier setzte ich eine blasierte Miene auf, und blickte dünkelhaft von oben herab, als ich zitierte – " Ein Aelier bettelt nicht."

    “Das freut mich zu hören.“, kommentierte ich den Umstand, dass es so bald zum Prozess kommen würde. Allerdings kratzte es ein wenig an meinem Stolz, dass ein einfacher Liktor, wie attraktiv er auch sein mochte, meinte, mir Anweisungen geben zu können. “Wenn der Praetor das will, werden wir ihm den Gefangenen natürlich überstellen.“, stimmte ich kurzangebunden zu. Lautlos huschte eine grosse Ratte an unseren Füssen vorbei. Der kalkige Wärter trat nach ihr, doch er verfehlte das Ungeziefer, das spurlos in der Dunkelheit des Ganges verschwand. Vielleicht sollten wir uns auch ein paar Frettchen zulegen.
    “Miles“, wies ich den Wärter (dessen Namen ich nicht kannte) an, “notiere den Prozesstermin gleich auf der Übersicht am Eingang.“
    Ich wollte den Soldaten nicht länger hier herumstehen haben. Das Erscheinen des Quintiliers war überraschend, ich wusste nicht so recht ob ich es gut fand oder nicht, wahrscheinlich wäre es besser, wenn er mir überhaupt gar nicht mehr über den Weg gelaufen wäre, aber was ich auf jeden Fall und mit Sicherheit sagen konnte, das war, dass er mich nicht kalt ließ.


    Der Wärter bejahte und verschwand, ebenso spurlos und ebenso zielsicher wie die Ratte eben, im dunklen Gang. Ich griff mir die Fackel, hielt sie nahe an das Guckloch und leuchtete, soweit das durch die kleine Öffnung möglich war, in die Zelle, um einen kurzen Blick auf den Gefangenen zu werfen. Dazu war ich ja eigentlich hier runter gekommen. Der Komfort da drin ließ zwar zu wünschen übrig, aber es war eine deutliche Verbesserung zu dem Loch, in dem wir ihn zuvor hatten schmoren lassen, und somit war ich zufrieden.


    Wieder wandte ich mich dem Liktor Quintilius Sermo zu. Die Ähnlichkeit, die mir nach dem Verhör auf einmal so evident erschienen war, war nun wieder schwer zu fassen. Es war nicht so sehr die Physiognomie... oder doch, ein wenig schon... aber es war vor allem die Ausstrahlung... nicht die ganze Zeit... aber in manchen Momenten schimmerte da etwas durch, und dann war es... als würde ich einem Geist gegenüberstehen.
    “Bist du dann fertig hier?“
    Ich machte eine auffordernde Geste, und setzte mich mit der Fackel in der Hand in Bewegung, Richtung des Ausganges.
    So, Faustus, jetzt gehst du mit ihm bis zur Treppe, und zwar schweigend, da sagst du dann: 'Adios', und dann gehst du wieder an deine Arbeit und machst, das du ihn dir ganz schnell aus dem Kopf schlägst! - Das war meine innere Stimme der Vernunft. Aber sie stand auf verlorenem Posten.


    “Quintilius“, begann ich wagemutig, mit einem schrägen Seitenblick zu ihm, “wegen der Unannehmlichkeiten, die du hier hattest – ich würde das gerne, also ansatzweise jedenfalls, wieder gut machen...“ “Oh, Verzeihung!“, höhnte meine innere Stimme, “Wie unachtsam von mir! Darf ich dich vielleicht zur Entschuldigung auf einen Becher Wein einladen?“ Aber ich hörte gar nicht hin.
    “...indem ich dich zur Cena einlade. Was hältst du von, ähm, sagen wir in vier Tagen, in der Taberna zum Centauren? Die ganz oben auf dem Esquilin.“ Ich blickte ganz ernsthaft drein, als ginge es mir hier wirklich nur darum, ein bedauerliches Mißverständnis wieder gut zu machen. “Oder, wenn du etwas exotischeres bevorzugst, auf der Tiberinsel hat gerade ein arabisches Lokal aufgemacht, das auch nicht schlecht aussieht.“

    Zitat

    Original von Potitus Vescularius Salinator
    Potitus staunte nicht schlecht angesichts dieser ausgesprochen ausführlichen und voller Enthusiasmus vorgetragenen Lobrede. Sie klang zugegebnermaßen durchaus überzeugend. "Wie kommst Du dazu, Dich so für diesen Centurio einzusetzen? Was verbindet Dich mit ihm?" Der Blick, der Serapio nun traf, war durchdringend,


    Natürlich hatte ich mir im vornherein schön zurechtgelegt, was ich hier alles sagen wollte. Aber der Präfekt sah mich so durchbohrend an, dass mein Kopf auf einmal wie leergefegt war. So jovial er sonst auftrat, dieser Blick machte unmißverständlich klar, dass er auch ganz anders konnte.
    “Ich, ähm...“ Ganz ruhig, Faustus.
    “Iulius Licinus ist ein Kriegskamerad, und ein Freund.“, sagte ich dann schlicht. “Wir haben gemeinsam das Tor von Circesium aufgestossen. - Aber ich spreche für ihn, weil ich wirklich von seinen Fähigkeiten und Verdiensten ganz und gar überzeugt bin, Praefectus.“
    (Und auch weil ich der altmodischen Meinung war, dass man nach Verdiensten anstatt nach Verwandschaft befördert werden sollte. Aber natürlich sagte ich in dieser Situation hier lieber mal nichts, was man womöglich als Kritik hätte verstehen können.)

    Einer der Wachleute wandte sich dem Besucher zu und musterte ihn abschätzend.
    "Salve Tiro. So, du willst also Soldat werden. Dir ist klar, dass das heißt, dem Kaiser zwanzig Jahre lang treu zu dienen, ja? - Dann mal die Arme ausstrecken zur Durchsuchung."
    Mit diesen Worten machte der Miles sich daran, den Anwärter sorgfältig zu durchsuchen.




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    Ich schloss die Türe hinter uns, und machte eine einladende Handbewegung zu einem der Stühle, die um den großen ovalen Tisch herumstanden. Ja, wir waren unter uns, ich bestätigte es mit einem Nicken und setzte mich dann. Volusus Rabuleianus Toranianus, das war ein wohlklingender Name, der mir rein gar nichts sagte.
    "Nein. Wer ist das?"

    Am Tag der Verhandlung ließ ich es mir nicht nehmen, den Gefangenen selbst zu Basilica Ulpia zu überführen. Ich war ihm so lange hinterher gewesen, da wollte ich auch dabei sein wenn ihn (hoffentlich) endlich die Gerechtigkeit ereilte. Dass der Schurke selbst nur herumgeflucht hatte, als er über den Prozess in Kenntnis gesetzt worden war, dass er anscheinend gar nicht dabeisein wollte, das spielte keine Rolle. Für sein Verbrechen sollte er sich verantworten.
    Zwei Soldaten flankierten den Gefesselten, und ich ging vorneweg, so traten wir in die Basilica Ulpia. Das Hallen der Caligae kündigte uns an. Die Milites drückten den Gefangenen auf die Anklagebank und nahmen neben ihm Aufstellung, ich trat vor den Praetor und führte grüßend die Faust zur Brust.
    "Salve Praetor Purgitius! Centurio Decimus Serapio, ich bringe dir den Angeklagten Gnaeus Varius Burrus. Ich war in diesem Fall mit den Ermittlungen und dem Verhör betraut. Hier die Ergebnisse der Vernehmungen."
    Mit diesen Worten reichte ich ihm das Protokoll, auf dem fein säuberlich vermerkt war, was ich während der langen unschönen Sitzungen aus dem Messermörder hatte herausquetschen können.



    Protokoll – Verhör des Gnaeus Varius Burrus


    Name des Gefangenen:
    Gnaeus Varius Burrus alias "Sadales Polxemidas"
    Stand:
    Römischer Bürger
    Festname:
    ANTE DIEM IV NON SEP DCCCLIX A.U.C., Petersilienweg, Subura, wegen Verdacht des Mordes an Caius Octavius Cato



    Ergebnisse des Verhörs:


    Vorgeschichte:
    Gnaeus Varius Burrus stammt aus Lanuvium in den Albaner Bergen. 33 Jahre alt. Ledig. Eltern sind Kleinbauern, konnten sich nicht gegen Latifundienbesitzer behaupten, sind verarmt. Varius ging nach Rom, um Arbeit zu finden. Wohnt seitdem in der Subura. Wechselnde Tätigkeiten als Tagelöhner, Hafenarbeiter, Fuhrknecht und Rausschmeißer. Änderte seinen Namen in Sadales Polxemidas. (Sadales nach einem Gladiator aus Lanuvium, Polxemidas nach dem Protagonisten der Schundgeschichte "Polxemidas, Held der Ägäis".) Verfiel der Trunksucht und dem Wettfieber, machte Schulden.


    Tathergang:
    Am Wahltag ANTE DIEM VIII KAL SEP DCCCLVIII A.U.C. wurde Varius wegen Mietschulden von seinem Vermieter (L. Ennius Probus, Besitzer einer Insula in der oberen Kanalgasse) vor die Türe gesetzt. Ebenso sein Kumpan "Strepitus", mit dem er sich das Zimmer geteilt hatte. Die beiden Männer lungerten daraufhin am Fuße des Viminal herum, tranken und bettelten um Almosen. Gegen Mittag trafen sie auf ihr Opfer: Caius Octavius Cato, ohne Leibwächter oder sonstige Begleiter, auf dem Rückweg von der Curia Iulia, wo er sich vergeblich zur Wahl gestellt hatte. An der purpurgesäumten Toga erkannten sie seinen Stand. Bettelten ihn vergeblich an. Folgten ihm bis in die Gasse "Krumme Stiege", wo sie ihn hinterrücks angriffen.
    Varius hat im Verhör gestanden, Octavius mit einem Messer in den Rücken gestochen zu haben. Das Opfer drehte sich daraufhin um, es kam zu einem kurzen Handgemenge. Laut Aussage des Varius war es Strepitus, der den Octavier dann mit einem Stich ins Herz endgültig tötete. Nach dem Mord raubten die beiden dem Opfer die Geldbörse, wurden dann gestört und flohen.
    Sie teilten die Beute. Varius verbrauchte seinen Anteil u.a. für seine Wettleidenschaft. Sein Komplize Strepitus starb im letzten Sommer an einem Fieber. (Diese Aussage bez. Strepitus wurde inzwischen von uns überprüft, sie entspricht der Wahrheit.)


    Einschätzung des Gefangenen:
    In unserem Gewahrsam zeigte sich Gnaeus Varius Burrus als abgestumpfter Gewalttäter mit verrohtem Wesen. Er offenbarte einen starken Groll gegen bessergestellte und reiche Personen, und legte keinerlei Reue für seine Bluttat an den Tag.



    F. Decimus Serapio
    Centurio Cen IV Coh I Cohortes Urbanae

    Tante Venusia verströmte die Tatkraft eines Feldherrn. Tante Lucilla war eine Naturgewalt. Zusammen wären sie... eine Naturkatastrophe!! Bei dem Gedanken, sie könnten sich verbünden, konnte ich nur hilflos die Augen aufreissen. Ach, warum fiel es mir bloß immer so schwer, mich gegen die Frauen meiner Familie zu behaupten?!
    Venusia zeigte leider gar kein Verständnis für die Risiken des Soldatenlebens. Da wo sie herkam, lief man wahrscheinlich sowieso jeden Tag in Gefahr, von einer wilden Bestie aus den Wäldern gefressen zu werden. Ob ich schon jemanden hätte?! Gequält rang ich mir ein Grinsen ab. Und den Mattiacus-Köder schluckte die germanische Wölfin auch nicht. Statt dessen sollte ihr etwas von einem "netten Mädchen" erzählen... Ich verspürte ein beklemmendes Gefühl, eine Enge im Rachen, den Wunsch zu fliehen... Und dabei meinte sie es sicherlich auch noch gut.


    "Liebe Tante Venusia", wollte ich sagen, offen und aufrecht, und ihr dabei kämpferisch ins Auge sehen, "ich will und werde nicht heiraten. Du musst wissen, ich ziehe die Männer den Frauen bei weitem vor, und das ist auch gut so, und auch wenn du dich auf den Kopf stellst, werde ich mich ganz sicher nicht mit den Fesseln der Ehe an so ein weichkurviges, wechselhaftes, weibliches Wesen ketten. Basta."


    Aber was sagte ich in Wirklichkeit?
    "Naja... also, da gibt es schon jemanden...Aber du musst das wirklich für dich behalten. Es ist nämlich so... Wir kennen uns noch nicht sehr lange!" Heuchlerisch beugte ich den Kopf etwas näher zu Venusia, und sprach leise, als wolle ich ihr aus übervollem Herzen ein Geständnis machen.
    "Aber ich habe das Gefühl, sie könnte wirklich die Richtige sein! Nur... ähm, also, sie ist eine ziemlich unabhängige Frau, und wir lassen es langsam angehen, um, ähm, nichts zu überstürzen und so..." Hoffentlich brachte das einen Aufschub. Ohne mein Zutun fuhr meine Hand über meinen Schmiss, rieb mir dann den Nacken. Ich schwitzte.
    "Von daher möchte ich erst einmal abwarten, wie sich das zwischen meiner Freundin und mir weiter entwickelt, bevor du dich anderweitig umsiehst." Ich lächelte breit und falsch und schwärmte: "Sie ist wirklich zauberhaft! - Aber.. wie war das eigentlich bei dir und Onkel Magnus, als ihr euch kennengelernt habt? Erzähl doch mal!"
    Vielleicht konnte ich sie so etwas ablenken.

    Ich biss mir auf die Lippen, und nickte, und schwieg. Draussen fiel endlos der Regen, troff in schmutziggrauen Wassersträhnen vom Dach des Hauses. Meine Rüstung knirschte, als ich das Gewicht von einem Bein auf das andere verlagerte.
    "Es ist nur...", meinte ich dann schließlich zögerlich, "dass der Tote recht, ähm, zielsicher erstochen wurde. Meint jedenfalls unser Capsarius. Es scheint, dass Alaina ihren Dolch durchaus zu benutzen wusste. Und ihre Anwesenheit in dieser verrufenen Gegend, bei nächtlicher Stunde, ist ja auch etwas, ähm, verwunderlich. Ich will damit wirklich nichts schlechtes über sie sagen..." - Was auch unklug wäre, solange sie noch nicht einmal bestattet war! - "...aber es wirft eben Fragen auf."
    Die Livianus wohl genausowenig beantworten konnte wie ich.


    "Sie war ja noch nicht sehr lange in Rom. Mir kam der Gedanke – der ist vielleicht abwegig, aber ich frage mich trotzdem, ob es sich möglicherweise gegen dich richten könnte. Falls sie nicht einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort war."
    Ein der häufigsten Todesursachen, wie es mir schien. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken, als ich mich an die Kerle erinnerte, die mich nachts in Trans Tiberim überfallen hatten. In jener Nacht hatte ich wirklich verdammt viel Glück gehabt. Mehr als Alaina.

    Der Princeps Prior, der über den Kerker gebot, war ein dubioser Typ, darum begab ich mich selbst hinab in die Tiefe, um mich zu vergewissern, dass der geständige Gefangene jetzt einigermassen ordentlich untergebracht war.
    “Ah, Centurio“, rief mir dann genau dieser Princeps Prior Accoleius entgegen, “Es is gerade ein Liktor bei deinem Sadales-Burrus-oder-wie-auch-immer.“
    Da schien ja zügig Bewegung in die Sache gekommen zu sein. Das wollte ich natürlich genauer wissen. Ich ließ mir die Nummer der neuen Zelle geben und machte mich auf den Weg. Schon von weiten hörte ich den Hall der Worte zwischen den steinernen Mauern – das klang doch alles sehr gut. Was ich dann sah, als ich näher kam, gefiel mir aber noch viel besser. Malerisch beleuchtet von der Fackel stand da, einen düsterroten Widerschein auf den prägnanten Zügen, in der kleidsamen Amtstracht eines Liktors... der Quintilier vom Rattenbeissen!


    Tatsächlich kam mir zu allererst ganz kurz der verrückte Gedanke, ob er nicht doch der Komplize sein könnte, der sich hier als Liktor verkleidet eingeschlichen hatte, um seinen Kumpanen zu befreien... dann zügelte ich meine mal wieder überschiessende Phantasie. Ich blieb in der Mündung eines Seitenganges stehen, ein paar Schritt von den beiden entfernt, ohne etwas zu sagen oder sonst auf mich aufmerksam zu machen, und betrachtete den Quintilier intensiv. Die Linie seiner Schultern. Den Haaransatz in seinem Nacken. Sein Haar sah pechschwarz aus, hier unten.
    Unser Meuchelmörder schien, nachdem er bei den letzten Verhören eher jämmerlich aufgetreten war, seine ursprüngliche Haltung wiedergefunden zu haben. Nachdem sein Ausruf verhallt war, trat ich näher.
    “So schnell schon wieder hier?“ bemerkte ich leichthin, so als wäre das nur eine amüsante Nebensächlichkeit, aber ohne die Augen auch nur ein bisschen von dem Quintilier zu wenden. “Salve Liktor Quintilius.“

    Zitat

    Original von Potitus Vescularius Salinator
    Potitus erwiderte den militärischen Gruß gewohnt nachlässig, eigentlich war es mehr ein Abwinken. "Salve, Centurio Decimus. Aedil Annaeus kennst Du sicherlich schon." Und wenn nicht, so kannte er ihn nun. "Er benötigt Unterstützung bei einer bevorstehenden größeren Überprüfungsaktion. Dafür habe ich Deine Centurie vorgesehen. Unterstützt ihn nach Kräften und verleiht seinen Maßnahmen den nötigen Nachdruck." Salinator wandte sich wieder an Modestus. "Am besten besprecht ihr den Rest direkt miteinander. Mir genügt der ausführliche Bericht am Ende der Aktion."


    "Jawohl Praefectus." bestätigte ich den erhaltenen Befehl mit unbewegter Miene und der gebotenen Portion Tatkraft. Ich persönlich bin zwar immer etwas argwöhnisch, wenn die Magistrate am Ende der Amtszeit mit einem mal so rege werden – man könnte meinen, sie bräuchten schnell noch Material um die Res gestae zu füllen – aber es klang nach Abwechslung für mich und meine Centurie.
    "Dann schlage ich vor, Aedil Annaeus, dass wir die Einzelheiten im Besprechungsraum klären. Wenn du mir bitte folgen möchtest?"
    Die Worte Vescularius' nahm ich als Erlaubnis zum Wegtreten, ich salutierte noch einmal – "Praefectus." – und trat ab, mit der Absicht, den Aedil jetzt in einen anderen Bereich der Principa, zu dem großen Raum, in dem wir den Einsatz genauer planen könnten, zu geleiten.

    Zitat

    Original von Potitus Vescularius Salinator
    Potitus war durchaus geneigt, dem fähigen Centurio sein Ohr zu leihen. Im Augenblick zumindest noch. "Um wen geht es denn?" Fähige und verdienstvolle Offiziere verdienten immer Aufmerksamkeit. Solange sie beides tatsächlich waren.


    “Ich spreche von Marcus Iulius Licinus, Centurio der vierten Centurie, neunte Cohorte der Legio Prima Traiana Pia Fidelis. Er gehört zu den Offizieren, die sich alles selbst erarbeitet haben. Ich habe ihn während des Parthienfeldzuges schätzen gelernt. Er ist ein Soldat von wirklich vorbildlichem Pflichtbewusstsein und von unerschütterlicher Integrität! Und er hat das Talent, auch in den chaotischsten Situationen immer einen kühlen Kopf zu bewahren und andere sicher und bestimmt anzuführen. Er wurde während des Krieges zweimal ausgezeichnet: nach der Schlacht von Edessa, für die Verteidigung des Adlers, als die Panzerreiter durchgebrochen sind, und später, als er bereits Optio war, für seinen heldenmütigen Einsatz bei der Vexillatio, die den Legionen die Tore von Circesium geöffnet hat.“
    Wenn man das so erzählte, in einem sicheren Officium fernab von Blut und Eingeweide klangen diese Dinge echt glorreich. Überhaupt musste ich kein bisschen übertreiben, Licinus war wirklich ein Kriegsheld, und total verlässlich, und dazu einer der integersten Menschen, die ich kannte. Es war aber eine sehr ungewohnte Situation für mich, hier Fürsprache zu halten, und ich hoffte dass ich es nicht vermasselte.


    “Da er im Krieg seine Führungsqualitäten bewiesen hat, wurde er nach der Rückkehr zum Centurio befördert. Er versieht seinen Dienst in Mantua absolut herausragend. Und er hat bereits die Examina primum und secundum an der Academia militaris abgelegt.
    Nur leider hat sich sein Patron, der Legat Tiberius, in letzter Zeit ja sehr zurückgezogen. Darum möchte ich es übernehmen, dir Iulius Licinus für die Erhebung in den Ritterstand vorzuschlagen, Praefectus. Ich bin davon überzeugt, dass seine Leistungen diesen Schritt mehr als rechtfertigen würden. Und er ist einfach einer der Offiziere, auf die sich das Imperium immer verlassen kann.“

    Ach herrjeh! Hier ging es für mich um Kopf und Kragen! Meine Tante schien fest entschlossen, mein Leben in die Hand zu nehmen! Ich schluckte betroffen, hustete nochmal kräftig, und winkte hektisch einen fliegenden Händler herbei, der mit einem Bauchladen umherging und verdünnten Wein ausschenkte. Ich kaufte einen Becher und trank ihn in großen Zügen leer, um zum einen meine Kehle zu benetzen, zum anderen diesen Schock hier zu verkraften. Mir wurde klar: ich musste taktisch vorgehen, um dem Damoklesschwert der Ehe zu entgehen.


    "Es ist wirklich sehr lieb von dir, Tante Venusia, dass du dir so viele Gedanken um mich machst!", begann ich, und lächelte dabei etwas verkrampft aber dafür beinahe so strahlend wie meine Tante, "Aber es ist ganz ehrlich nicht nötig, dass du diese ganze Mühe für mich unternimmst. Weißt du, solange ich im Dienst selbst in den Strassen von Rom unterwegs bin, halte ich es einfach für nicht fair, mir eine Frau zu nehmen, die sich dann jeden Tag Sorgen um mich machen muss, und abends gleich an das Schlimmste denken muss, wenn ich mal etwas später heimkomme."
    Diese Ausrede war erprobt, sie ging mir glatt von den Lippen. Und es war nicht mal nur eine Ausrede: "Weißt du... ich erinnere mich nämlich noch gut daran, wie schlimm es für meine Mutter war, als wir die Nachricht erhalten haben, dass mein Vater gefallen ist." Um hier jetzt nicht selbst in Trauer zu verfallen, sprach ich schnell weiter. "Ich möchte das keiner Frau antun. Und auch wenn ich nicht an der Reichsgrenze Dienst tue - es kann auch hier in Rom ganz schnell mal was passieren! Die Leute sind so verroht, bei den geringsten Anlässen werden schon Messer und Sicae gezückt."
    Das war die reine Wahrheit. Und dann kam mir eine Idee, die ich ganz vortrefflich fand.
    "Aber ich weiß, wer ganz dringend eine Ehefrau braucht: Onkel Mattiacus! Er ist ja viiel älter als ich und viiiel bedeutender, und ich habe ausserdem den Eindruck, dass er manchmal etwas, nun ja, einsam ist."
    Ich nickte ernsthaft und hoffte sehr, dass ich Venusias Elan so in neue Bahnen weitab von mir lenken könnte.

    "Und Meridius hat dich weggeschickt!", höhnte ich, als Archias tatsächlich sein Vorsprechen beim Triumphator anführte. Soviel hatte ich dann mittlerweile doch in Erfahrung gebracht. Danach hatte der Aelier offenbar sicherheitshalber gar nicht mehr nachgefragt, und lieber direkt meine viel zu vertrauensvolle Schwester becirct.
    "Schlappschwanz!!! Eine Decima muss man sich verdienen!"
    Sein Fuß nahm mir den Stand, ich grub meine Zehen in den Sand und kämpfte um mein Gleichgewicht...
    Bona Dea, meinte der das etwa ernst – er hielt es für "betteln" bei der Familie der Braut um deren Hand anzuhalten?! Entweder er war noch aufgeblasener als ich gedacht hatte, oder seine Mutter hatte bei der Erziehung so ziemlich versagt. Dieses klaffende Loch in den Umgangsformen eines immerhin doch irgendwie Angehörigen der kaiserlichen Familie erschütterte mich so, dass mir nun auch der Rest des Gleichgewichtes flöten ging. Wir fielen beide... und prallten gegen einen Stapel von Sandsäcken, der am Rande des Platzes aufgeschichtet war (die Dinger dienten zum Gewichtheben), rissen den ganzen Berg um, er ergoss sich wie eine Flut über die Bahn für die Läufer daneben, ein paar Zuschauer unserer Auseinandersetzung sprangen hastig beiseite, und wir landeten mittendrinn, auf, zwischen und unter den Sandsäcken.


    Bah! Ich schüttelte die Last ab, die auf mir lag, spuckte eine Mundvoll Sand aus und knirschte (im wahrsten Sinn des Wortes):
    "Bei Plutos stinkendem Atem..."
    Um uns herum erklang Lachen, Johlen und anfeuernde Rufe, aber ich sah nicht auf, orientierte mich blinzelnd, um mich im Bodenkampf sofort wieder auf meinen nichtswürdigen Widersacher zu stürzen. Lang genug hatte ich mich mit diesem Zivilisten rumgeschlagen, jetzt attackierte ihn zielstrebig, um ihn endlich zu überwältigen. Ich teilte einen wuchtigen Kinnhaken aus und steckte zähneknirschend einen Schlag seinerseits ein, der auch nicht gerade zartfühlend war, um in einer routinierten Bewegung seinen Arm zu packen, ihn ihm schmerzhaft auf den Rücken zu verdrehen und den Kerl auf den Boden zu drücken, genau wie bei einer Festnahme wenn das Ziel Ärger machte.

    Zwei Soldaten der Stadtkohorten hielten Wache vor dem Tor und liessen sich vom Strom der Passanten nicht aus der Ruhe bringen.
    "Salve. Wer ist denn 'ich'?" fragte der eine, und musterte den jungen Römer, der es offenbar eilig hatte, phlegmatisch.
    "Trägst du Waffen bei dir? Das ist im Stadtgebiet strengstens verboten. Auch das Reiten ist innerhalb der Mauern nicht gestattet, und Karren dürfen hier nur nachts fahren.", informierte er den Iulier über die hiesigen Bestimmungen.
    "Casa Iulia? Hm, keine Ahnung. Zur Castra der Vigilen geht es erst geradeaus, an der Kreuzung mit dem Schrein links, dann die dritte rechts, durch die Färbergasse ganz hindurch, dann die zweite halblinks..."
    Eine ganze Weile noch fuhr der Miles fort, er schilderte dem Besucher den direktesten Weg und das ganz genau, bevor er seine Hasta zur Seite nahm und Iulius Libo, mit den gönnerhaften Worten:
    "Viel Glück, Junge!",
    eintreten ließ in die ewige Stadt.





    Jetzt war es aber genug! Natürlich, ich verspürte noch immer sehr viel Mitleid mit dieser zutiefst verzweifelten Frau, aber ihr Heulen und Wehklagen war mir gerade echt zuviel. Mit einem Mal riss mir mein iberischer Geduldsfaden.
    "Per omnes deos!", fuhr ich auf. "Natürlich musst du zurück! Magna Mater! Wo willst du sonst hin? Wieder in den Tiber?! Bei Iuno, ein Kind braucht seine Mutter! Du bringst Unglück?! – Unsinn! Es ist das größte Unglück wenn ein Kind seine Mutter verliert! Du wirst schön zurück zu deiner Familie gehen, Bridhe, und dich deiner Verantwortung stellen! Und dich um dein Kind kümmern! Mala leche!"
    Ich sprang auf – worauf die Decke sich verabschieden wollte, aber ich hielt sie fest und schlang sie mir um die Hüften – und begann, ihr wild gestikulierend eine Tirade zu halten.


    "Du denkst wohl, du bist der einzige Mensch unter der Sonne, der Probleme hat! Der Abstriche machen muss bei dem was er will und wonach er sich sehnt, wegen der Familie, und wegen der Pflicht! Überraschung! Diese Stadt ist voll von solchen Menschen! Wenn die sich alle in den Tiber werfen würden, da gäb's aber eine gewaltige Überschwemmung!"
    Das war jetzt wahrscheinlich nicht so ganz fair gegenüber der Frau – immerhin steckte ich nicht in ihrer Haut – und auch nicht so ganz sachlich, aber ich hatte es lange genug mit der verständnisvollen Tour versucht. Und nachdem ich einmal angefangen hatte zu wettern, war es als wäre eine Schleuse geöffnet. Das hatte gar nicht wirklich was mit Bridhe zu tun, ihr Gejammer war da eher der Auslöser. Viel zu lange hatte sich das alles in mir angestaut.
    "Ich zum Beispiel habe vor kurzem eine Person, die ich sehr geliebt habe, verloren, als sie auf das Grausamste getötet wurde! Ich riskiere bei der Cohortes-Arbeit jeden Tag meinen Hals, und reisse mir den Arsch auf, nur um zu sehen wie das Verbrechen trotzdem floriert und jeden Morgen neue Leichen in der Gosse liegen! Und ich habe sowas von keine Lust mehr, mich um die Probleme anderer Leute zu kümmern!!! - Ich habe die Schnauze gestrichen voll!"
    Mit wilden Schritten durchmass ich das Zimmer, warf Bridhe blitzende Blicke zu und raufte mir die Haare.
    "Verdammt, ja, auch ich war mal an einem Punkt, wo ich oben auf einem Brückengeländer über dem Tiber gestanden habe, weil ich so furchtbar verzweifelt war, und dachte, dass das doch alles nichts bringt, und dass meine Familie ohne mich viel besser dran wäre! Vielen geht das irgendwann mal so! Aber ich bin so froh heute, dass ich damals nicht gesprungen bin! Dass ich das meiner Familie nicht angetan habe!"


    Am Fußende des Bettes blieb ich stehen und fixierte Bridhe mit meinem inquisitorischen Blick.
    "Du glaubst mir das jetzt wahrscheinlich nicht, aber auch du wirst irgendwann wieder Freude am Leben finden! Wenn du dich jetzt zusammenreisst! Du willst doch dein Kind aufwachsen sehen, oder willst du das nicht?!" Mein leidenschaftlicher Monolog verlor jetzt etwas an Fahrt. (Aber nicht an Pathos!) Ich fuhr mir über den Nacken und verlangte herausfordernd:
    "Also entscheide dich, Bridhe – was liebst du mehr: dein eigenes Kind, oder deine Sehnsucht nach dieser Insel am Ende der Welt?!"

    Zitat

    Original von Potitus Vescularius Salinator
    Potitus nickte und winkte ab. "Daran ist nichts auszusetzen, ich schicke nach Centurio Decimus Serapio. Mit ihm kannst alle Einzelheiten besprechen. Er steht Dir mit seiner Centurie für diese Angelegenheit zur Verfügung." Er rief seinen Scriba vorbei, damit dieser den Centurio antanzen ließ. "Es liegt nicht in meinem Interesse, diese Halunken davonkommen zu lassen, also sei Dir versichert, dass von hier keine Informationen durchsickern werden."


    Es war an einem ganz anderen Tag, als ich erneut im Officium Vescularius' stand. Sein Scriba hatte mir herbestellt, und natürlich hatte ich alles stehen und liegen gelassen, um den Praefectus nicht warten zu lassen.
    “Ave Praefectus Vescularius!“ Ich entbot ihm den zackigen Gruß und nahm Haltung an, gespannt was ich hier sollte. Sein Besucher war mir nicht unbekannt, ich hatte ihn als senatorischen Tribun bei der Prima gesehen, und auch einmal wegen seines kultischen Amtes aufgesucht.
    “Salve Aedil Annaeus.“