Beiträge von Faustus Decimus Serapio

    Mein Dolch traf auf fleischigen Widerstand, als ich ihn zurückzog war die Klinge mit Blut überzogen, dunkel auf dem glänzenden Stahl. Mein Widersacher brach in die Knie. Trotzdem stellte er klar, dass ich das mit dem Ergeben wohl streichen musste. Verdammt... Der Mann setzte sich zur Wehr wie eine in die Ecke getriebene Ratte. Ich blinzelte den Schlamm aus meinen Augen. Wo blieb denn bloß Musca? Ich unterdrückte den Impuls mich nach ihm umzusehen. Nur nicht die Augen vom Gegner abwenden.
    Bevor ich mich selbst aufrappeln konnte, kam der nächste Schlag – er war weniger wuchtig als der erste und ich konnte ihn, im Dreck kniend, Auge in Auge mit dem Mörder, mit dem Unterarm abwehren. Seine häßliche Visage war ganz nahe, ich roch den sauren Wein in seinem Atem. Die Finger meiner Schwerthand schlossen sich um den Dolchgriff, ich drehte die Klinge in einer raschen Aufwärtsbewegung nach hinten und nutzte den Griff als festen Kern für meine Faust, die ich nun gegen die Schläfe des Schurken vorschnellen ließ.

    Seiana würde mir den Kopf abreissen, wenn sie das hier erfuhr. Diese Vorstellung machte mir echt Unbehagen. Schließlich hatte sie es mir in einem ihrer Briefe strengstens verboten diesen unverschämten Kerl zu verprügeln, und ich hatte zähneknirschend eingelenkt. Aber nun hatte der Aelier selbst die Herausforderung wieder aufgenommen – da konnte ich ja wohl kaum ablehnen! Aber ob Seiana das auch so sehen würde, das bezweifelte ich doch stark...
    Abgesehen davon sah ich dem Kampf mit Vorfreude entgegen. So einen Zivilisten, einen Postbeamten, den würde ich ja mit links fertigmachen.
    Ich kam etwas früher, wärmte mich mit ein paar Runden um den Platz auf, und ölte mich reichlich ein, nicht ohne es zu bedauern, dass ich heute keine Zeit hatte, bei dieser Gelegenheit interessante Bekanntschaften zu knüpfen. Es waren ein paar gutaussehende Athleten unterwegs, und ich ließ meine Augen – nur kurz, nur verstohlen, aber geniesserisch - über den perfekt modellierten Waschbrettbauch eines Diskuswerfers gleiten. Wer von den Männern hier war wohl der Schwarm meiner Schwester? Nebenbei fragte ich mich, ob ihr Geschmack wohl dem meinen ähnelte.


    An der Stirnseite der Palaestra war eine große Sonnenuhr. Als deren Schatten die Mittagstunde anzeigte, trat ich hochaufgerichtet in die Mitte des Platzes. Abgesehen von meinem gerechten Zorn, den ich hier zu stillen gedachte, hatte das ganze noch einen weiteren, schwer zu fassenden, Reiz für mich. Es war so... existenziell, sich wegen der Ehre meiner Schwester zu schlagen. Archaisch irgendwie, und sehr männlich. Fast wie im Theater.
    "Aelius Archias!", rief ich mit meiner schönsten Exerzierplatz-Stimme durch die Palaestra, und sah kühl, abschätzend in die Gesichter, die sich mir zuwandten. "Wenn du hier bist, dann stell dich! Meine Faust möchte dich gern kennenlernen."

    Das war ja mal außergewöhnlich! Ich hatte noch nie jemanden aus Hibernia getroffen, und ich hätte mir eine Person von so barbarischem Ursprung auch viel, nun ja, barbarischer vorgestellt. Fast war ich enttäuscht, dass Bridhe weder Knochen im Haar, noch Kriegsbemalung, nicht mal zottelige Felle trug. Das musste der segensreiche Einfluss römischer Zivilisation sein.
    Meine Erkundigung nach ihrem Stand machte die Frau deutlich nervös, das verstärkte meinen Eindruck es mit einer Sklavin zu tun zu haben. Allerdings hatte ich vorhin am Ufer keine Markierungen an ihrem Körper gesehen, die darauf hinwiesen... aber ich hatte in der Eile auch nicht darauf geachtet. Im Schneidersitz auf den Dielen sitzend, die Decke um mich geschlungen, betrachtete ich Bridhe einen Augenblich lang argwöhnisch und sehr genau. Eigentlich müsste ich jetzt nachfragen, versuchen sie in die Ecke zu drängen... aber sie sah jetzt schon so aufgelöst aus, das würde nur gleich wieder zu Tränen führen, und ich hatte nicht das geringste Bedürfnis diese verzweifelte Frau durch ein Verhör noch verzweifelter zu machen.
    "Mmhm" machte ich neutral und nickte. "Hibernia... das ist ja noch weiter als Britannien... Ich habe bei Strabo darüber gelesen. Was ich mich da gefragt habe: was ist eigentlich der Hintergrund eurer kannibalischen Gebräuche? Ich meine, geht es dabei darum, sich die Kraft der Ahnen einzuverleiben, oder ist das einfach eine praktische Frage, weil die Nahrung so knapp ist?"
    Erwartungsvoll beugte ich mich ein wenig vor, ich war wirklich neugierig, was es mit diesen gruseligen Bräuchen auf sich hatte, und da ich wohl kaum jemals ans Ende der Welt reisen würde, um dort einem Hibernier diese Frage zu stellen, traf es sich gut dass ich hier eine Hibernierin vor mir hatte. Ein anderer, plötzlicher Gedanke ließ mich die Stirn krausen, und voll Unverständnis fragte ich: "Aber... wieso willst du überhaupt dorthin zurück? Fort aus Rom, auf dieses eisige Eiland!"
    Der Name allein ließ ja schon darauf schließen, dass dort immerzu Winter herrschte.

    Adios, mein schöner Plan! Mein Traum von der schnellen, diskreten und unblutigen Verhaftung, da ging er endgültig den Bach hinunter.
    Zuerst dachte ich, ich sehe nicht recht, als Miles Paeonius die Schöne der Nacht ziemlich ruppig mit einem Gladius bedrohte. Doch, eindeutig ein Gladius! Bei Iuppiter, dabei hatte ich doch ausdrücklich befohlen, dass wir uns ausschließlich mit unsoldatischen Waffen ausrüsten sollten! Der Mann konnte sich auf was gefasst machen. Später.
    “Paeonius, lass die Frau los.“ schnauzte ich den Miles an, und löste mich aus dem Handgemenge. Furius und Musca drückten unsere Zielperson zu Boden, sie schienen die Lage im Griff zu haben. Ich griff unter meinen Überwurf und nahm einen Strick zur Hand, doch bevor ich ihn benutzen konnte, schwang mit einem Mal eine Türe neben uns auf, krachte gegen die Wand, und eine dunkle Gestalt schoß wie eine Katapultkugel aus dem Gebäude heraus, rannte dabei meine Leute über den Haufen, fiel, kam wieder hoch und blaffte uns an. Unser mutmasslicher Messermörder ließ diese Chance nicht verstreichen und befreite sich, machte Anstalten davonzustürzen. Dies alles geschah innerhalb eines Wimpernschlags.


    Verbündete von diesem Galgenvogel schoß es mir zuallererst durch den Kopf wo kommen die so schnell her, hat er etwa uns eine Falle gestellt, hat die Lupa uns verraten?? Ganz automatisch hielt ich bereits meine Waffe, den Strassenräuber-Dolch, in der Hand, erwartete dass gleich eine ganze Bande aufkreuzte, aber es kam für den Moment nur dieser eine. Und er war ausgesprochen unflätig. Krieg? Was, wie? Der hatte Nerven. Anscheinend wollte er uns verwirren, damit wir den Messermörder laufen ließen. Unsere Scharade war jedenfalls sinnlos geworden.
    “Furius, Paeonius! Festnehmen!“ befahl ich, auf den mutmasslichen Komplizen (~Sermo) deutend.


    Ich für meinen Teil kümmerte mich nicht weiter um diese dunkle Gestalt, ich stürzte unserer Zielperson hinterher... frohlockte, als ich den Mann stolpern sah... und sah erst im letzten Moment seine Faust auf mich zukommen. Mit einer Ausweichbewegung zur Seite ersparte ich mir die volle Wucht des Schlages, nichtsdestotrotz riss es meinen Kopf herum, als die Faust hart gegen meine Wange traf, und die dunkle Nacht war mit einem Mal erfüllt von Sternen, Blitzen, sprühenden Funken.
    “Uuaaah!“ keuchte ich und sackte zur Seite weg. Schlamm spritzte auf, als ich auf den Boden prallte, mein schmerzendes Gesicht wurde von kühlen Sprenkeln benetzt. Mein Kopf dröhnte. Mit zusammengebissenen Zähnen rollte ich mich ab. Über mir schwang der fransige Saum des Mantels meines Widersachers. Mit der linken Hand griff ich in den Stoff, krallte mich hinein und zog kräftig, mit einem plötzlichen Ruck, zugleich führte ich mit dem Dolch einen schnellen Stich gegen den Oberschenkel meines Gegners, hoffte ihn so von den Füßen zu bringen. Faire Kämpfe waren fürs Gymnasion, nicht für die Gosse. Allerdings sollten wir ihn besser nicht umbringen.
    “Du wirst dich ergeben, stercus, grollte ich erbost, “und dich verantworten für den Mord an Caius Octavius Cato!“

    Die ganze letzte Woche hatte ich das Haus meiner Familie gemieden. Der Streit mit meiner Schwester lag mir schwer im Magen, ich grübelte und grollte, und hörte noch immer die Worte, die sie mir nachgerufen hatte: lauf nur davon, das kannst du ja so gut!
    Ja, das konnte ich wirklich, und im Moment war mal wieder so ein Punkt erreicht, wo ich am liebsten alles hingeschmissen hätte um auf und davon zu gehen. Was sollte ich mich mit meiner halsstarrigen Schwester herumschlagen, die doch eh machte was sie wollte? Was sollte ich mich bis zur Selbstverleugnung bemühen, meine Familie stolz zu machen, wenn meine früheren Verfehlungen mir doch immer wieder unter die Nase gerieben wurden?!
    Und was sollte ich tagtäglich in den Strassen von Rom herummarschieren, um den Anschein von Ordnung aufrechtzuerhalten? Es half nicht gegen den Sumpf des Verbrechens, der unaufhaltsam aus den Niederungen der Stadt hervorquoll. An einem Tag noch unterhielt man sich mit einem Mädchen, am nächsten schon fand man sie erdrosselt in der Gosse. Und ausgerechnet die schlimmsten Verbrechen, die waren ganz legal!! Hannibals Tod, seine grausige Folter – alles ganz korrekt. War ja nur ein Sklave. Keinem war ein Vorwurf zu machen.
    Es nagte an mir. Tagsüber stürzte ich mich in die Arbeit, nachts schlief ich schlecht, und immer heftiger war das Verlangen, den ganzen Scheiß mit ein paar Zügen aus meiner Opiumpfeife hinter mir zu lassen. Ja, ja, ich wusste natürlich, daß das auf die Dauer wieder fatal werden konnte, deshalb widerstand ich meistens, und suchte mir andere Ablenkungen.


    Heute zum Beispiel hatte ich mir ein neues Spielzeug gekauft: eine Biga, fast wie neu. Seitdem ich beim Equus October mitgefahren war, hatte ich mir so was gewünscht, und mit den beiden Schimmelstuten, die ich neulich auf dem Pferdemarkt erworben hatte, war das Zweigespann dann komplett.
    Das Gefährt war vorhin geliefert worden, es stand im Hof vor dem Pferdestall, und ich war damit beschäftigt es anzustreichen. Es war erst später Nachmittag, aber schon so dämmrig, die Wolken hingen so tief, dass ich mehrere Laternen entzündet hatte. In deren Schein schwang ich, in eine alte Tunika gekleidet, den Pinsel und grundierte die Kanzel der Biga in Weiß. Der Vorbesitzer, wie ich ein Eques mit einem Faible für den Rennsport, hatte den Wagen in einem Anfall von Geschmacksverirrung mit grell-gelben Blitzen auf orangenem Grund bemalen lassen. Das war nicht schön. Ich tunkte den Pinsel in den Topf und übermalte die Scheußlichkeit Strich für Strich, bis endlich alles weiß war. Im Anschluß trug ich eine zweite Schicht auf, dann nahm ich schwarze Farbe für die Kanten und Beschläge. Das waren unsere Wappenfarben und elegant sah es auch aus.
    Aber bei der eintönigen Arbeit geriet ich wieder ins Grübeln. Mit verbissener Miene lackierte ich eine Zierleiste und ließ den Wortwechsel zwischen meiner Schwester und mir noch einmal im Geiste Revue passieren. Wie zum Henker war das geschehen, dass, aus der Widersehensfreude heraus, auf einmal so ein heftiger Streit entstand?!
    War ich zu... dramatisch gewesen? Ich hatte doch nur gefordert, was jeder normale Römer von seiner Schwester verlangen würde! Aber wahrscheinlich war es eine Farce so zu tun als ob wir normal wären... als ob das Zerwürfnis von früher überwunden wäre. Ich wünschte Seiana und ich hätten uns nicht gestritten. Aber sie hatte mir deutlich genug gemacht, was sie von mir hielt, und ich wollte verdammt sein, wenn ich mich dafür entschuldigen würde!!

    Der Soldat blickte ein wenig verwirrt drein, ihm war nicht ganz klar was und zu wem dieser Besucher nun eigentlich wollte. Er kratzte sich im Nacken, unter dem Rand des Helms.
    "Und wieso willst du in die Castra Praetoria, um über, ähm, Mauretanien zu reden, Volubils? Weder die Prätorianergarde noch die Stadtkohorten sind für, ähm, Mauretanien zuständig."





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    [Blockierte Grafik: http://img25.imageshack.us/img25/7963/alexanderdergroe.jpg]| Alexander der Große


    Zitat

    Original von Aurelia Prisca


    Das kleine Malheur mit dem Obst zauberte ein diabolisches Grinsen auf die Lippen Alexanders. Sich unterstehen? Er dachte nicht daran.
    "Schhhhhhh..."
    Einen Finger auf seine Lippen gelegt, gebot er Athenes leisem Protest Einhalt, und zog sie an der Girlande noch ein Stückchen näher an sich heran. Die Mänade schob er kurzerhand zur Seite, und neckisch flüsterte er Athene entgegen: "Meine Göttin, du hast mir einen Wunsch gewährt... nicht wahr? Weihe dich dem Fuchshaften, Athenaia, das ist mein Wunsch, lass uns beide diese Nacht auskosten bis zur Neige!"
    Schon lag seine Hand in ihrem Nacken, seine Lippen auf den ihren, um sie mit einem heißen, langen Kuss zu versiegeln. Alexander küsste selbstgewiss und forsch, doch voll Rafinesse. Mit der Kühnheit des großen Eroberers glitt eine Hand zugleich in das Dekolleté der Göttin, umspielte kosend die verbotenen Früchte, ertastete schließlich zwischen ihnen geborgen die verlorene Traube. Alexanders Schultern zuckten vor lautlosem Lachen als er die Frucht triumphierend hervorzog, dann steckte er sie Athene in den Mund, um sogleich selbst mit den Lippen danach zu haschen,
    Der Auftritt der wilden Tänzer brach in dieses Spiel hinein. Alexanders Füße begannen zu wippen, seine Augen zu leuchten.
    "Lass uns tanzen, meine Schöne!" rief er begeistert, Athene den Arm um die Hüften legend. Und mit einem Blick zur Nachbarkline forderte er auch seinen abtrünnigen Gefährten auf, ihm die freie Hand entgegenstreckend: "Hephaistion! Komm mein Hetairos, tanz auch du mit mir!"



    [Blockierte Grafik: http://img691.imageshack.us/img691/5472/isisk.jpg| Isis


    Und Isis? Die schöne Zauberin hatte offenbar großen Gefallen an Pluto gefunden, sie wich ihm gar nicht mehr von der Seite. Sinnlich räkelte sie sich neben ihm auf der Kline, und mehrere Russflecken auf ihrem hellen Teint bezeugten den näheren Kontakt mit dem Herrn der Unterwelt. Nun, da der wilde Tanz hereinbrach, sprang sie auf die Füsse, flüsterte Pluto lachend eine Aufforderung ins Ohr und zog ihn einfach mit sich, in die Richtung wo das Gedränge am dichtesten wogte. Selbstvergessen hob sie die Arme, wiegte sich im Takt der Trommeln, bog ihren Körper geschmeidig wie ein Schilfrohr. Ihr Schmuck klirrte, ihr Haar flog wild um ihren Kopf herum, es war eine Lust, Isis tanzen zu sehen.



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    Mehr und mehr beschlich mich das Gefühl, dass ich mir, so aus der Ferne, ein falsches Bild gemacht hatte... zumindest in einer Hinsicht. Zwar schnaubte ich wütend bei Seianas schnippischem Kommentar über das Thema Liebe – ich hatte das erstgemeint, aber klar, sie machte sich bloß drüber lustig! - doch es war beruhigend zu hören, dass sie immerhin nicht rasend in diesen Kerl verliebt war! (Da war wohl meine romantische Ader mit mir durchgegangen... meine Schwester war halt doch die Vernünftigere, ich dagegen hatte früher immer davon geträumt, mit Hannibal nach Ägypten durchzubrennen und von Liebe und Luft zu leben.)
    Dass Seiana nicht aus Liebesblindheit so handelte, wie ich sie sonst nicht kannte, das war gut. Aber warum dann? Ich verstand das einfach nicht – bis sie sich endlich von diesem Fenster abwandte und Klartext redete. Zuerst war es der Grimm in ihren Worten, der mich innehalten ließ... so eine mordsmäßige, verhaltene Wut. Das war ich von meiner Schwester wirklich nicht gewöhnt. Dann der ungeheure Vorwurf... Ich holte Luft, setzte zum Reden an, wollte mich mit aller Macht verteidigen, aber das Schlimme daran war ja: sie hatte recht. Ich biss mir auf die Lippen und wich ihrem Blick aus. In meinem Magen war ein Knoten, der sich immer fester zusammenzog. Ich konnte ja nicht leugnen, dass ich Seiana damals alleine gelassen hatte, und auch nicht, dass ich in dieser Zeit der Familienehre ungleich mehr Schaden zugefügt hatte als sie jetzt. Da konnte ich machen was ich wollte, die Fehler von damals tauchten immer wieder auf, wie Leichen, die man unsachgemäß versenkt hat. Wenn sie verwesen, blähen die Bäuche sich auf, und die Kadaver treiben wieder hoch an die Oberfläche, und grinsen mich an, mit fauligen Lippen: "Salve Faustus, da sind wir wieder! Na, hast du uns vermisst?"

    Ich schluckte. Einmal. Zweimal. Diese Dinge von Seiana unter die Nase gerieben zu bekommen war ziemlich heftig, und in meiner sowieso zur Zeit nicht gerade ausgeglichenen Gemütsverfassung traf es mich richtig hart. Irgendwie erklärte das natürlich ihre Eigenmächtigkeit... aber trotzdem musste ich doch... als ihr Bruder... sollte ich doch... Ich fühlte mich verdammt hilflos, zudem moralisch unterlegen, und das machte mich um so wütender! Aus jeder Geste Seianas sprach jetzt die Anklage, in jedem ihrer Wort hörte ich einen Vorwurf.
    "Einen Komödianten kannst du dir auch auf dem Markt kaufen!" schnappte ich mit wegwerfender Geste. Sogar Seianas Rücken, den sie mir verächtlich zukehrte, die Art wie sie die Arme um sich geschlungen hielt, abweisend wie eine Festung, alles war ein einziger Vorwurf.
    "Ach! Weißt du!? Mach doch WAS DU WILLST!!!"
    Damit rauschte ich aus dem Zimmer und knallte die Türe dass die Wände wackelten. Zornig auf mich selbst ebensosehr wie auf meine Schwester, stürmte ich den Gang entlang (und erschreckte dabei eines der Hausmädchen das gerade die Lampen anzündete). Ich wollte nur noch weg.

    Jetzt weinte sie wieder. Oh je... Diese Traurigkeit, diese Sehnsucht die aus ihrer Stimme sprach, ließen mich nicht unberührt... ehrlich gesagt hatte ich schrecklich Mitleid. Um irgendwas zu tun, suchte ich erst nach meiner Gürteltasche, kramte dann darin nach einem Taschentuch, und tatsächlich, ich fand eines, sogar ein hübsches, es war in einer Ecke verziert mit dem aufgestickten Decimer-Wappen. Das reichte ich der Najade – Bridhe – ganz behutsam, mir war als würde sie sich bei einer stärkeren Erschütterung gleich wieder in Nebel und Tränen auflösen.
    Bridhe, was war das für ein Name? Keiner den ich kannte. Ob ich es mit einer Sklavin zu tun hatte? Sah ganz so aus. Mist, dann würde ich sie ja später noch ihrem Besitzer zurückbringen müssen...
    "Von wo kommst du, Bridhe?" fragte ich voll Sympathie, wenn auch nicht mehr ganz so unbefangen wie zuvor. Es gab da eine Kluft zwischen den Ständen, die sich schwerlich überwinden ließ, für mich bestätigte sich das in der Sache mit Hannibal. Sklaven hatten andere Maßstäbe als wir, lebten direkt neben uns in einer anderen Welt, lernten zu lügen und zu täuschen, ohne böse Absicht, einfach als Überlebensstrategie. (So erklärte ich mir jedenfalls, warum es mit ihm so desaströs gelaufen war.) Aber vielleicht war Bridhe ja auch eine Peregrina, die aus anderem Grund nicht nach Hause konnte?
    "Bist du Sklavin hier in Rom?"

    [Blockierte Grafik: http://img109.imageshack.us/img109/1425/pappo.jpg| Papposilen


    "Wir sind guter Dinge: trinket!
    Trinkt und singt den Gott der Reben!"

    sang ein Papposilen mit volltönender Basstimme. Am ganzen Körper war er von rotbraunem Fell bedeckt und seine Beine endeten in breiten, täuschend echt gefertigten, Hufen. Auf diesen stapfte der beleibte Sänger zwischen den Klinen umher, während er inbrünstig das weitverbreitete Trinklied schmetterte.


    "Er hat uns den Tanz erfunden,
    Er liebt volle Kraftgesänge!
    Eros gleich ist er geartet,
    Ist der Liebling Kythereas.


    Bakchos hat den Rausch geboren,
    Bakchos ist der Freude Vater;
    Er ist's, der den Kummer dämpfet,
    Der den Schmerz in Schlaf versenket."


    Denn, wird uns der wohlgemischte
    Trunk gereicht von zarten Knaben,
    Flugs entweicht der Gram, im Wirbel
    Fort mit allen Winden treibend."


    Und beschwingt stimmte manch ein Gast in den Refrain ein:


    "Wir sind guter Dinge: trinket!
    Trinkt und singt den Gott der Reben!"


    Von Gram war keine Spur auf dem Olymp. Götter und Helden ergötzten sich an den delikaten Nachspeisen, Becher klirrten hell, Gelächter brandete auf, immer übermütiger wurde die Stimmung. An einem Ende des Saales forderten Castor und Pollux den Cernunnos zum Kottabos-Spiel auf. Ein Bottich, in dem das Modell eines Piratenschiffes schwamm, wurde herbeigeschafft, und unter großem Hallo wetteiferten die Streiter darum, das Schiff zu versenken, indem sie von ihren Klinen aus den letzten Schluck Wein aus ihren Trinkschalen darauf schleuderten.


    Unaufhaltsam ergriff die Zügellosigkeit Besitz von den Göttern und Heroen. Beflügelt durch den Wein, dem seit dem Dessert zur Entspannung ein wenig Mohnsaft und zur Stärkung der Manneskraft das gute Stendelwurz-Extrakt beigemischt waren, sanken die Hemmungen und die Hüllen. Götter und Heroen, Mänaden und Satyren lagen sich in den Armen, manche Paare oder Grüppchen zogen sich bereits zurück um sich irgendwo in der weitläufigen Villa aneinander zu erfreuen, andere scheuten nicht die Öffentlichkeit und kamen sich auf ihren Klinen oder auf den weichen Kissenbergen am Boden näher. Trauben von Menschen scharrten sich um die lebendigen Dessert-Unterlagen, kosteten sowohl die Nachspeise als auch deren schöne Trägerinnen und Träger. Voluptarianus Suavis konnte mit gutem Gewissen behaupten: seine Gäste hatten jede Menge Spass.


    "Lasst uns denn zum Becher greifen
    Und den Grillen Abschied geben!
    Wozu mag es dir noch helfen,
    Dich mit Sorgen abzuquälen?"

    sang unbeirrt der Papposilen, vorüberschreitend an einer Dame, die sich mit entblößten Brüsten innig an ein Standbild des Bacchus heranschmiegt, in ihrem Rausch die kalte Bronze mit heißen Küssen bedeckte.


    "Was da künftig ist, wer sagt es?
    Jedem ist sein Ziel verborgen.
    Drum will ich, vom Gott beseligt,
    Salbeglänzend, scherzend, tanzen;


    Bald mit allerliebsten Mädchen,
    Bald mit Jünglingen voll Anmut.
    Mag, wer will, indess nur immer
    Sich mit seinen Sorgen plagen.


    Wir sind guter Dinge: trinket,
    Trinkt und singt den Gott der Reben!"



    Sobald die Arie des Papposilenos verklungen war, war eine andere Art von Musik zu vernehmen – erst leise, dann im Näherkommen lauter werden. Da dröhnte dunkel ein Gong, schlugen Zimbeln und Handtrommeln einen aufpeitschenden Wirbel, Flötentöne schwangen sich schrill empor. Immer näher kam die seltsame Musik, dann flogen mit einem Mal die großen Türflügel in den Saal auf und herein tanzte ein wilder Zug - Mänaden im Pantherfell, die sich ekstatisch im Tanz wiegten, lüsterne Satyren, die sogleich die Jagd auf die anwesenden Nymphen eröffneten, urtümliche Tierwesen, Korybanten und Musikanten, allesamt lärmend, tanzend, zuckend, wirbelnd, mit sich die göttliche Raserei des Dionysos bringend.
    Tobend und lockend erfüllte die Musik den Olymp, sie fuhr in die Beine, mischte sich in den Herzschlag, sie riss den Hörer mit sich, hinein in den chaotischen Tanz. Dionysos der Gastgeber erhob sich. Die wilde Jagd willkommen heissend, öffnete er die Arme und setzte sich an die Spitze seiner wahnsinnigen Gefolgschaft, er führte den Tanz an, und immer mehr der Gäste taten es ihm gleich, mischten sich in die Menge, wurden Teil des rasenden Reigens.



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    Anfangs ging es wohl darum, erst mal die Gebiete abzustecken. Konzentriert hörte ich den beiden anderen zu, dabei kritzelte ich mit einem Stylus auf einer Wachstafel herum und notierte mir die Stichpunkte meiner Argumente und die Schlagworte der anderen beiden, bei denen ich anderer Meinung war und einhaken wollte – beziehungsweise bei denen ich die Gegenmeinung zu vertreten hatte auch wenn es mir eigentlich gegen den Strich ging.


    "Zur Vorbereitung auf die Herrschaft ist es wichtig, dass der künftige Kaiser eine möglichst umfassende Ausbildung erhält. Als zentrale Figur unseres Reiches wird er später nicht nur über militärische Fragen, sondern sowohl über die Politik innerhalb des Imperiums als auch über die gegenüber dem Ausland entscheiden, auch die Verwaltung des Reiches und die Finanzen des Staates obliegen seiner Aufmerksamkeit, zudem ist es als Pontifex maximus seine heilige Pflicht, den Frieden des römischen Volkes mit den Göttern zu wahren. Sicherlich ist auch der militärische Teil seiner Ausbildung in keinster Weise zu vernachlässigen, doch ich muss meinen Vorrednern insofern widersprechen, als dieser nicht auf Kosten anderer, ebenso essenzieller Inhalte, die ihn auf seine zahlreichen Aufgaben vorbereiten, überbetont werden darf.
    Gerade die von Dir, Iunius, für den jungen Sohn des Kaisers geforderte Zeit bei den Truppen, die eine lange Abwesenheit aus Rom mit sich brächte, halte ich für sehr unvorteilhaft, sogar für gefährlich. In so jungen Jahren gilt es, das Kind erst einmal die Grundlagen an Wissen, Bildung, Rhetorik und vor allem die römischen Tugenden zu lehren. Ich möchte dabei das Beispiel Caligulas nennen, der in den Heerlagern seines Vaters aufwuchs, was ihn keineswegs vor der Korruption schützte, nein, er zeigte sich ja später als ihr eifrigster Vertreter. Es ist gut möglich, dass die übermässige Verehrung, die die Soldaten an der Rheinfront ihm als Sohn des Germanicus erwiesen, verderblich auf seinen reifenden Geist wirkte und zu seinem späteren Wahn beitrug."


    Ich machte eine Kunstpause, und dachte so bei mir, dass dies gar nicht viel anders war, als dem Dionysos eine Lobrede zu halten. Dann wandte ich mich den Ausführungen des Aureliers zu.
    "Was ein eigenes Kommando vor der Machtübernahme angeht, so kann dies dem angehenden Kaiser und dem Reich ganz empfindlich zum Nachteil gereichen. Ein junger "Prinz" aus kaiserlichem Hause wird immer eifrig darauf bedacht sein, sich mit Ruhm zu bedecken. In den seltensten Fällen ist die Nachfolge auf den Thron im Vorneherein sicher, und nichts gewinnt schneller die Herzen der Römer als militärische Erfolge – kein Wunder also, dass die Verlockung überwältigend sein mag, sein Prestige durch Vorstöße zu beflügeln, die ein erfahrener General unterlassen würde, das Leben der Soldaten für riskante Strategien zu vergeuden und sich in unsinnige militärische Aktionen zu verstricken, die dem Reich mehr schaden als nutzen. Und natürlich gefähren solche Aktionen auch das Leben des kaiserlichen Sprosses selbst – so ist ja zum Beispiel Nero Claudius Drusus, der Bruder des Tiberius, umgekommen als er den tiefsten Vorstoß, der je ins wilde Germanien unternommen wurde, anführte. Solche Verluste kann das Reich sich nicht leisten.
    Auch die langjährige Abwesenheit von Rom, dem Zentrum der Macht, ist für einen designierten Thronfolger sehr problematisch. In einem Feldlager an der Grenze des Imperiums sind die Belange des Reiches weit entfernt, allzu leicht entfremdet der Thronfolger sich von den einflußreichen senatorischen und ritterlichen Gentes, auf deren Unterstützung er bei seiner Machtübernahme nicht verzichten kann. Nein, diese Nachteile sind zu bei weitem zu gravierend als dass man einem Kaisersohn ein bedeutendes Kommando übertragen sollte."
    , erklärte ich entschlossen, und nahm nach dieser langen Rede einen Schluck Wasser, um im Anschluss meine Position auszuführen.


    "Sobald die Kaiserwürde übernommen und die Herrschaft gefestigt ist, stellt sich die Sache anders dar. Von einer stabilen Machtbasis aus, untermauert durch die Unterstützung von Volk und Senat, ist es nicht nur möglich, dass der Kaiser die Ewige Stadt von Zeit zu Zeit verlässt, um wichtige Feldzüge in persona anzuführen – es ist sogar eine seiner edelsten Pflichten!
    Die Wirkung, die das Erscheinen des Kaisers beim Heer hat, lässt sich mit "Hebung der Moral" nur unzureichend umschreiben. Es ist der Kaiser, auf den die Milites ihren Eid schwören, in seinem Namen geben sie klaglos ihr Leben auf dem Schlachtfeld, alles wofür die Soldaten kämpfen und bluten verkörpert sich in der Person des Kaisers. Den Kaiser einmal mit eigenen Augen zu sehen ist da bereits ein großes Erlebnis, und die Bedeutung, die sein persönliches Erscheinen an der Front für den einfachen Soldaten hat, kann gar nicht überschätzt werden."

    Hier sprach ich nun wirklich aus feuriger Überzeugung, ich erinnerte mich lebhaft an den Morgen der Schlacht um Edessa, als ich den Kaiser selbst das Opfer an die Götter hatte zelebrieren sehen, und daran, wie ungeheuer mich das damals beeindruckt hatte.
    "Der Mut, den der Kaiser damit bezeugt, ist eine Inspiration für jeden Miles, und nichts verkörpert besser das Ideal soldatischer Kameradschaft, als wenn der sonst so ferne Kaiser sich zu seinen Truppen begibt, in der Adlocutio zu ihnen spricht, sie selbst in die Schlacht führt - und das nicht nur in der Rolle des Imperators, auch als ein Commilitio. Die Ehre, die er dem Heer damit erweist, begeistert die Männer, lässt sie über sich selbst hinauswachsen, unmenschliche Strapazen ertragen und in der Schlacht mit maximaler Disziplin und Schlagkraft für ihn kämpfen. Ja, die Anwesenheit des Kaisers vermag sehr wohl über Sieg oder Niederlage zu entscheiden.
    Selbstverständlich kann der Kaiser dabei nicht auf erfahrene Generäle verzichten, die ihm mit ihrem Rat beistehen. Über die langfristige Strategie an einer Grenze, einer Front, wird der Kaiser entscheiden, aber wenn es um die Taktik in der Schlacht, um Kommandomissionen und die alltägliche Kriegsführung geht, werden seine Feldherren ihn mit ihrer langjährigen Praxis unterstützen.
    Domitianus ist das beste Beispiel dafür, wie auf diese Weise militärische Erfolge errungen werden. Obgleich er über keine militärische Vorerfahrung verfügte, war er im Felde ungeheuer erfolgreich: er besiegte die Chatten und befriedete die Rheingrenze, er triumphierte über die Daker, verteidigte die Donaugrenze gegen Sarmaten und Iazygen und zerschmetterte innerhalb von kürzester Zeit die Rebellion des Saturninus. Diese Siege sprechen für sich. Sie bezeugen, dass ein römischer Kaiser, selbst wenn er nicht über militärische Erfahrung von vor seiner Machtübernahme verfügt, die wichtigen Feldzüge des Reiches, wann immer das möglich ist, selbst anführen sollte."

    Da rollte sie nur ihre Augen, meine Schwester. Wütend kniff ich meine Augen zusammen. Als ob ich ein beliebiger männlicher Verwandter wäre!!! Es war klar, sie nahm mich nicht erst. Das kann ich gar nicht haben!
    "Ich bin verdammt noch mal dein Bruder!", fuhr ich auf und schlug mit der Faust auf eine Kiste dass es krachte. "Du kannst dich nicht einfach verloben ohne dass ich den Kerl jemals gesehen habe! Das ist mehr als unangebracht! Du trittst die Tradition mit Füßen! Es ist eine Frage des RESPEKTS!!!"
    Im nächsten Moment schon tat es mir leid und ich biss mir auf die Lippe um nicht noch mehr zu sagen. Ruhig Blut.... Meine Hand tat weh. Ich rieb sie und murmelte finster: "Ja, tut mir auch leid."
    Aber wütend war ich immer noch, und nur mit größter Selbstbeherrschung gelang es mir, Seiana ausreden zu lassen. Im Nachhinein schämte ich mich schon für meine Unterstellung, die zum Glück falsch gewesen war... sie musste meine Schwester hart getroffen haben.
    "Seiana.... ich... du weißt, dass ich eine sehr, sehr hohe Meinung von dir habe", entgegnete ich hitzig, "aber du hast dich nun mal echt seltsam verhalten! Einem Mann, den du kaum kennst, nach Ägypten nachzureisen! Mit ihm im selben Haus zu wohnen! Du setzt damit alles auf eine Karte, deinen Ruf und deine Zukunft und ich kann nur zusehen und hoffen dass du nicht abstürzt! Wie soll ich mir das alles erklären, wenn nicht damit dass dich die Liebe gepackt hat! Verdammt, ich weiß wie die Liebe einen... verschlingen kann, einem völlig den Verstand raubt! Wir haben eben hispanisches Blut!"
    Eigentlich fand ich, dass meine Befürchtung sehr naheliegend gewesen war, aber das sagte ich wohl besser nicht laut.


    "Es tut mir leid dass ich dir so was unterstellt habe. Wirklich leid. Und du kannst mir glauben, ich mach hier nicht den Moralprediger weil ich dich nerven will, ich will nur nicht, dass du dich leichtfertig in die Hände von irgendeinem Kerl begibst, der dich nicht zu schätzen weiß! Liebe ist ein flüchtiger Wahn, kein Fundament für eine Ehe, und deshalb ist es verdammt noch mal auch so wichtig – vor allem wichtig für dich!! - dass die Familie ein Wort mitredet und den Kandidaten nüchtern und realistisch beurteilt!
    Aber dein Aelier hält es ja nicht mal für nötig sich hier vorzustellen und ordentlich um deine Hand anzuhalten. Und versuch nicht mir weiszumachen, Meridius hätte irgend so einem Postbeamten einfach mal so erlaubt dich zu heiraten! Vielleicht dir den Hof zu machen, aber das ist ein bedeutender Unterschied!! Dein Schwarm beleidigt unsere Familie durch diese Unverschämtheit, und du Seiana, du fällst uns auch noch in den Rücken dadurch dass du ihn dabei unterstützt indem du dich trotzdem mit ihm verlobst. Und dann dieser Brief! Dieser unsägliche Brief, den der Kerl mir aus Alexandria geschrieben hat! Bona Dea! Dea Dia! Du bist doch so klug Seiana! Wie kannst du einen heiraten wollen, der so trottelige Briefe schreibt?!!"


    Das Thema Kohorten wischte ich mit einer unwirschen Handbewegung erst mal beiseite. Ich wollte ja gerne davon erzählen, eigentlich sehnte ich mich von Herzen nach einer Zuhörerin wie Seiana, aber nicht in der aufgepeitschten Atmosphäre, die momentan dieses Zimmer erfüllte.

    Der Regen tropfte von meiner Paenula, als ich in voller Rüstung in der Casa eintraf, und meine Miene war ebenso trist wie das miese Wetter da draussen. Zwei Leichen auf nüchternen Magen, von denen ich eine auch noch als Lebende gekannt hatte, das konnte einem schon mal die Laune verderben.
    Es war immer noch früh am Morgen, und ich hoffte, Livianus noch vor der Salutatio anzutreffen. Ich gab den durchnässten Mantel einem Sklaven, erkundigte mich wo mein Adoptivvater zu finden war, und begab mich zu seinem Arbeitszimmer. Da klopfte ich und trat ein, um ihn sogleich in nüchternem Tonfall zu informieren was geschehen war.
    "Salve... Vater. Ich hoffe ich störe nicht. Ich bin sozusagen dienstlich hier. Es ist wegen deiner Scriba. Alaina. Sie ist ermordet worden, wir haben ihren Leichnam heute morgen in der Subura gefunden."

    Skeptisch blickte ich auf die tote Keltin. Ich musste dringend mit Livianus sprechen. Man konnte nicht ausschließen, dass sich das ganze gegen ihn richtete.
    Regulus griff mit den Fingerspitzen nach den Lidern des Mädchens und zog auf unapetittliche Weise daran herum, wandte sich dann ihrem Hals zu.
    "Siehst du die Male hier an ihrem Hals?" fragte er schließlich. Ich betrachtete die roten Flecken. Schärfere Abdrücke mischten sich da hinein.
    "Wovon könnten die sein?"
    "Ringe. Der, der sie erwürgt hat, trug an der linken Hand zwei Ringe. Oder drei. Schau.... hier und hier haben sie sich ins Fleich gedrückt."
    Regulus sprach voll Überzeugung. Ich war wirklich erstaunt was er sich da alles zusammenreimte. Aber ich hatte nicht das Bedürfnis mir diesen zerquetschten Mädchenhals noch länger anzusehen. Es war was anderes wenn Soldaten starben, im Krieg, als wenn junge Frauen in Rom umgebracht wurden.
    "Es waren also mindestens zwei Angreifer. Der da und ein Würger mit Ringen an der linken Hand."
    "Und mit einer gelben Tunika."
    "Bist du unter die Hellseher gegangen, Capsarius?"
    Er deutete auf die Hände des Mädchens. Blut klebte unter den Fingernägeln, etwas das wie ein Hautfetzen aussah und – wenn man wirklich sehr genau hinsah – ein paar verfilzte Fäden in blassem Gelb. Ich blickte auf den toten Zuhälter. Der trug grau. An seinen Händen waren weder Ringe noch die Abdrücke, die sie bei längerem Tragen hinterlassen.
    "Sie hat sich gewehrt."
    "Mhm. Kannst du sagen ob sie geschändet wurde?"
    Nach dieser Frage wandte ich mich ab und betrachtete das stete Fallen des Regens. Meine Leute gingen mittlerweile herum und befragten die Neugierigen und die Anwohner. Aber es war wie immer: die Subura-Bewohner mieden uns als hätten wir die Krätze.
    Nach einer Weile räusperte sich Regulus.
    "Sieht nicht so aus."


    Ich wollte Alaina die Augen schließen, aber ihre Lider waren ganz starr. Richtig fest musste ich zudrücken um sie ganz zu schließen.
    Der Dolch, der kleine gelbe Fetzen, die abgerissenen Lederschnüre. Diese Dinge nahm ich an mich und schlug sie sorgfältig in ein Tuch ein. Dann winkte ich die Sklaven des Bestatters heran.
    "Ihr könnt sie mitnehmen. Der da geht in die Gruben. Für das Mädchen bezahle ich das Grab. Ich schicke später jemanden mit dem Geld vorbei."
    "Ja Centurio." Sie luden die Leichen auf ihre Bahren und trugen sie fort. Ihre Gestalten verschwammen hinter den Regenschleiern.


    "Wo hat Vorax sich rumgetrieben, Princeps Prior?"
    "Er hat ein paar Pferdchen an der milvischen Brücke laufen."
    "Dann schauen wir später dort vorbei."
    Während die anderen weiter versuchten, etwas aus den Anwohnern herauszukriegen, machte ich mich auf den Weg in die Casa Decima, um Livianus zu informieren. In meine Paenula gehüllt ging ich durch den Regen, durch die schmutzigen Gassen. Das Wasser troff von den Dächern, ließ aus jeder Ecke den Unrat hervorquellen. Überall winkte der Verfall, die Verdorbenheit der sich in dieser Stadt niemand entziehen konnte.


    Das ist Krieg schoß es mir durch den Kopf. Ein alter Optio hatte mir das einmal gesagt, zu der Zeit als ich voll Elan bei den Stadtkohorten angefangen hatte. Lass den Alten reden hatte ich damals gedacht. Aber er hatte recht.

    Zitat

    Original von Volubilis Vitale
    Diesmal ging Vitale zum Haupttor, um seine Frage an die Wache zu richten. Er wollte es nicht riskieren, wieder zurecht gewiesen zu werden.
    Er klopfte an und hatte schon folgende Worte auf den Lippen:
    "Salve! Ich komme gerade aus der südlichen Provinz Mauretania Tingitana. Die Sicherheitslage dort lässt sehr zu wünschen übrig. Mit wem könnte ich über die militärischen Verhältnisse dort reden?"
    Geduldig wartete er also, dass er an den zuständigen Oberbefehlshaber weitergeleitet wurde...



    Der angesprochene Torwächter musterte den Fremden von oben bis unten.
    "Wer ist ich ?" gab er trocken zurück.



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    Zitat

    Original von Kaeso Annaeus Modestus
    Modestus nickte den Amtsboten zu und trat mit seinem Scriba personalis vor, um durchsucht zu werden. Es war ihm zwar eigentlich recht lästig, war ihm war klar, dass es sich nicht vermeiden lies. Und so hob er seine Arme, um die Prozedur hinter sich zu bringen. Scaeto tat es ihm gleich und zeigte auch sogleich seinen Beutel vor, der nur einige Schriftstücke enthielt.


    Heute nahm die Wache es wirklich genau. Der Aedil und sein Scriba wurden sorgfältig duchsucht und erst nach dem Hinweis, in Zukunft bitte auch begleitende Schreiber im Vorfeld mit anzumelden, in die Castra geführt.




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    "Hübsches Ding." bemerkte mein alter Kamerad Silio, der neben mich getreten war und ebenfalls auf den Leichnam hinabsah.
    "Verdammter Jammer."
    "Mhm..."
    Was in aller Welt hatte die Scriba meines Vaters in dieser runtergekommenen Gegend gewollt?
    Der Regen wurde stärker. Ein Sacerdos kam und führte die rituelle Reinigung der Toten durch, und auch die Sklaven des Libitinarius, der in diesem Viertel für den Abtransport von unbekannten Leichen und Tierkadavern zuständig war, waren schon eingetroffen und warteten mit ihren Bahren ungeduldig darauf dass sie die Körper mitnehmen konnten.
    Ich ließ mir den Dolch zeigen, den die Kollegen gefunden hatten, ging zu der Stelle an der er gelegen hatte, und versuchte mir vorzustellen, wie das ganze sich abgespielt haben könnte. War Alaina gemeinsam mit diesem Vorax unterwegs gewesen? Waren sie beide einem Raubmord zum Opfer gefallen? Oder hatte er sie angegriffen, sie sich zur Wehr gesetzt und ihn dabei getötet? Ich beugte mich runter und schlug Alainas Mantel zur Seite. An ihrem Gürtel hing eine leere Dolchscheide, die Waffe passte haargenau hinein. An ihrer Hand war ein Rest Blut zu finden.
    "Hmm..."
    Sie hatte keinen Geldbeutel mehr, aber eine abgerissene Lederschlaufe an ihrem Gürtel. Sonst hatte sie nichts weiter bei sich. Auch bei dem Mann war keine Börse mehr zu finden. Wobei das zu erwarten war, wenn eine Leiche eine Weile in der Subura herumgelegen hatte... Die Mäntel und Schuhe hatten sie allerdings noch. Ein gewöhnlicher Plünderer hätte auch diese nicht verschmäht... und die Ecke hier war wirklich abgelegen. Wenn er sie und sie ihn getötet hatte – wer hatte dann die Börsen mitgenommen? Jemand in Eile... oder jemand, der sich nicht mit Kleinkram wie Kleidung abgab.


    Um aus dem Regen rauszukommen ließ ich die Leichen unter das Vordach einer nahen Holzhandlung bringen. Die Milites setzten die Bahren auf einem Holzstapel ab und der Capsarius Regulus begann sie sich genauer anzusehen. Die Wunden zu inspizieren. Die steifen Gliedmassen zu biegen.
    "Was schätzt du wann es passiert ist?"
    "Während der ersten oder der zweiten Wache. Das Mädchen erwürgt, der Mann erstochen."
    "Haben sie sich gegenseitig getötet?" Vielleicht ein Verbrechen aus Leidenschaft. Das wäre mal was anderes als die üblichen Raubmorde. Erwürgen war eine sehr emotionale Art zu töten, und Alaina hatte bei unserem Ausflug einen leichtfertigen Eindruck auf mich gemacht.
    "So was gibt's nur in Theater, Centurio."
    Habe ich schon erwähnt, dass Regulus ein verdammter Besserwisser war? Trotzdem war ich froh ihn dabeizuhaben, er hatte jede Menge Erfahrung, wenn seine Methoden auch ziemlich unkonventinell waren. Wenn er sich über eine Leiche beugte, dann leuchtete sein hageres Gesicht auf wie... wie das eines Hundes, der gerade einen Knochen abnagt.
    "Er scheint mit ihrer Waffe getötet worden zu sein."
    "Von ihr?"
    "Sieht so aus."
    "So eine kleine Frau."
    "Hat sich wahrscheinlich gewehrt."
    "Aber um jemanden mit einem einzigen Stich in den Bauch ausbluten zu lassen braucht es Erfahrung."
    "Die scheint sie gehabt zu haben, Centurio. Das ging direkt in die Bauchschlagader."

    Ich war froh das zu hören. In beinahe allen Geschichten die ich so kannte, in denen eine Person dramatisch ins Wasser fiel und wieder aufgewärmt werden musste, legte sich dann jemand zu dem Geretteten dazu, um ihm etwas der eigenen Körperwärme abzugeben. Aber hier konnte man wohl mit gutem Gewissen auf solche Maßnahmen verzichten.
    Aus den Tränen, die sie geweint hatte, und dem Umstand dass sie unverletzt war, schloss ich, dass die Frau freiwillig ins Wasser gegangen war. Oder vielleicht sollte ich besser sagen 'willentlich', denn so richtig freiwillig werfen ja wohl die wenigsten ihr Leben weg. Still stocherte ich im Feuer, wusste nicht so recht was ich sagen sollte. Ob sie mir böse war, dass ich ihren Abgang vereitelt hatte? Daran hatte ich vorhin gar nicht gedacht. Ich selbst erinnerte mich heute noch mit großer Dankbarkeit an den unbekannten Zwischenrufer auf dem Pons Cestius, aber bei mir waren damals bloß adoleszente Seelenpein und Furcht vor Callistus' mörderischen Geldeintreibern der Grund gewesen... vielleicht hatte diese Frau, im Gegensatz zu mir damals, das ganze gebührend durchdacht? Es gab ja eine Menge guter Gründe vorzeitig aus dem Leben zu scheiden.
    Warum ich das getan hatte, wollte sie wissen. Komische Frage. Nur ein herzloser Bastard würde eine junge Frau einfach so ertrinken lassen! Ich zuckte die Schultern und gab ihr die naheliegende Antwort.
    "Ich bin Soldat, es ist es meine Pflicht die Bürger Roms zu beschützen wenn ich kann." Das klang hier in dem schäbigen Gasthauszimmer, in meiner schlammigen Tunika, allerdings ein wenig pathetisch. "Auch wenn ich heute eigentlich frei habe.", fügte ich mit einem halben Lächeln hinzu, im Hinblick auf meine zivile Kleidung, die für einen Urbaner nicht gerade angebracht war. Aber ich wollte doch bei meinen nächtlichen Ausschweifungen nicht gleich erkannt werden. (Zudem, immer nur scharlachrot zu tragen, so schön diese Farbe auch ist – wer auch nur einen Hauch von Modebewusstsein besitzt, der wird mir zustimmen das dies eine ästhetische Tortur ist!)


    Mit schlurfendem Schritt trat noch einmal die Schankmagd in das Zimmer, sie trug zwei Decken über dem Arm und Becher mit dampfendem Wein in der Hand. Dankend nahm ich sie ihr ab, worauf sie wieder verschwand.
    "Hier!" Ich reichte der Najade einen der Becher und breitete noch eine zusätzliche Decke über sie. Die andere nahm ich für mich, denn ich wollte endlich meine klamme Tunika loswerden. Neben der Feuerstelle streifte ich sie ab, und mit dem Rücken zum Bett auch den Lendenschurz, dann wickelte ich die Decke fest um mich herum. Viel besser! Die nassen Sachen, auch die Tunika der Najade, hängte ich über einen Stuhl, den ich nah ans Feuer rückte.
    Mit meinem Wein machte ich es mir dann auf den Dielen neben dem Kamin bequem. Ich schloss die Finger um den Becher, genoss die Wärme, die in meine Hände strömte, und den aufsteigenden Dampf, trank einen Schluck der mich auch von innen angenehm aufwärmte.
    "Ich heiße Serapio, übrigens. Das war total seltsam vorhin... im ersten Moment als ich dich gesehen habe, habe ich meinen Augen nicht getraut. Wegen des Nebels und der Dämmerung und so... du hast ausgesehen wie eine Najade. Darf ich fragen wer du bist und warum du... ins Wasser gegangen bist?"

    Der Nebel blieb hinter uns zurück, als wir uns vom Fluss entfernten.
    "Gern geschehn" murmelte ich verlegen und hielt die Najade, stützte sie bei jeden Schritt, trug sie beinahe. "Komm, lass uns ein Feuer suchen."
    Durch die Bewegung und die Last auf meiner Schulter wurde mir dann schnell wieder wärmer. Die Strassen waren noch immer beinahe menschenleer, es begegneten uns nur zwei Marktfrauen, die einen Karren mit Rüben vor sich herschoben und uns argwöhnische Blicke zuwarfen, dann ein Besoffener, der aus der Türe einer Schenke taumelte und davonschwankte wie ein Schiff im Sturm.
    Ich fragte mich, was für eine Sprache das wohl gewesen war, in der das Mädchen geredet hatte, als sie wieder zu Bewusstsein gekommen war, es hatte äusserst fremdartig geklungen... und natürlich auch wie es kam, dass sie im Wasser gelandet war, aber die dringlichste Frage von allen war jetzt, wo sie sich auftauen konnte. Zur Casa meiner Familie war es zu weit, also steuerte ich einfach auf die Taverne zu, aus der der Zecher gekommen war.


    "Da können wir uns sicher aufwärmen", meinte ich aufmunternd. Zum Anker stand über dem Eingang, und ein fetter Meeresgott grinste schief auf uns herunter. Mit der Schulter schob ich die Türe auf und verschleppte die Najade in den schäbigen Schankraum. Der Boden war klebrig von verschüttetem Bier, die Wände geschmacklos mit Fischernetzen und Treibgut dekoriert. Eine vollkommen übernächtigte Magd kehrte gerade die Stube aus, sie hob die trüben Augen zu uns tropfenden Gestalten und raunzte: "Wir haben geschlossen!"
    "Ich zahle gut", versprach ich, und wedelte vor ihren Augen mit meiner Eques-Ring geschmückten Hand hin und her. Normalerweise war es mir peinlich so zu protzen, aber das hier war echt wichtig. Komisch eigentlich, aber nachdem ich dieses fremde Mädchen aus dem Tiber gefischt hatte fühlte ich mich plötzlich verantwortlich für ihr Wohlergehen. Es heißt ja, wenn man jemanden rettet, bindet das den Retter an den Geretteten, mehr noch als es den Geretteten an den Retter bindet. Den Eindruck hatte ich im Krieg tatsächlich manchmal gehabt. Und für meine Gemütsverfassung war dieser "Fund" echt ein Glücksfall gewesen, noch vor dem Prandium den Helden spielen zu dürfen, das hatte mich mit ungeahnter Tatkraft und Energie beseelt.
    "Wir brauchen ein Feuer und Decken und – habt ihr auch Zimmer? Ja, dann ein Zimmer mit Ofen und Bett und Decken, und warmer Wein, und zwar schnell bevor das Mädchen hier sich den Tod holt!"


    Die Schankmagd sah mich groß an, erst als ich ihr ein paar Denare auf den Tresen legte, setzte sie sich hurtig in Bewegung. Über einen Innenhof führte sie uns in ein kleines Gästezimmer, es war karg eingerichtet, verfügte aber über eine gemauerte Feuerstelle. Die Najade schaffte ich zum Bett, dann streckte ich meinen Rücken, daraufhin machte ich mich am Kamin zu schaffen. Mit Hilfe eines glühendes Scheites, das die Bedienstete mir brachte, entzündete ich ein Feuer. Ich fütterte es mit Reisig und trockener Rinde aus dem Korb neben dem Kamin, dann mit größeren Holzscheiten bis es ordentlich brannte und eine angenehme Wärme zu verströmen begann.
    "So...", murmelte ich, und rieb mir die Hände über den Flammen. Darauf wandte ich mich ein wenig befangen wieder der Fast-Ertrunkenen zu und erkundigte mich: "Spürst du schon die Wärme?"