Zitat
Original von Manius Flavius Gracchus
Auch Aton entsann sich der Oase Siwa, damals. Ich grinste vergnügt, als er den Faden aufnahm, ihn phantasievoll weiterspann. Und was für eine Wortkunst! Ich war entzückt, auch wenn die Worte durch den seltsamen Akzent merkwürdig verfremdet an mein Ohr drangen, und irgendwo – tief verborgen unter Drill und Fassade, versteht sich - seufzte meine Poetenseele: Ach.....! Wie schön!
Für mein Leben gerne hätte ich gewusst, was hinter seinem Lächeln steckte, das mir recht ironisch schien. Gehörte das zur Rolle? Las ich da Interesse in seinen Augen – die, nebenbei bemerkt, auch nachdem die Feuerschalen nun wieder normal rot brannten, einen reizvollen, warmen, honigbraunen Ton hatten, dessen Nuancen ich gerne länger studiert hätte.
"So muss nun in Aegyptus die allerfinsterste Nacht herrschen. Aber Glück für uns! Von Deinem Licht ließe sich wohl ein jeder gerne umschmeicheln...", flirtete ich leichthin. Doch sobald ich mich mal von diesen Augen loßgerissen hatte, fiel mein Blick auf die brünette und überaus weibliche Mänade, die Aton gerade hingebungsvoll die Füße massierte. Dass er sich solch ein Wesen als Begleiterin auserkoren hatte, ließ meinen Mut beträchtlich sinken.
So war es mir ganz recht, dass der exzentrische Einzug des Gastgebers und das Opfer an Meditrina alle Gespräche unterbrachen. Ich sprach den Trinkspruch gemeinsam mit den anderen, und wurde durch einen echt unverfrorenen Kuss daran erinnert, dass ich ja mit Alexander hier war. Das war aufregend! Sonst hieß es immer Zurückhaltung wahren, sich ständig verstellen... enthousiastisch erwiderte ich diesen Kuss. Hier vor aller Augen war das noch viel interessanter als hinter verschlossenen Türen, und dafür, dass es noch so früh am Abend war, auch ziemlich gewagt. (Zudem war da das Tabu, dass Tricostus und ich ziemlich gleichalt waren und aus ähnlicher Schicht stammten. Denn die heuchlerische öffentliche Moral geht doch eher mal mit Augenzwinkern darüber hinweg, wenn der Herr mit seinen Sklaven ins Bett steigt, aber wenn sich zwei Gleichrangige finden, wenn einer sich freiwillig hingibt, nicht aus Zwang sondern aus Spass, dann heißt es gleich: Pfui wie unmännlich, wie weichlich, wie unrömisch! Das ist so borniert, so stumpfsinnig!!! Darüber könnte ich mich endlos aufregen.)
Aber in dem Moment fühlte ich mich wild und frei (und angetrunken) und jenseits aller Konventionen. Unsterblich! Ich war unsterblich, und lag hier zwischen zwei schönen Männern. Was wollte ich mehr!?
Was ich mehr wollte, wurde mir schnell klar, als Alexander sich aufmachte, um eine Frau zu uns zu bitten. Na toll! Jetzt war ich schon als seine persönliche Nebenrolle mitgekommen, da hatte er sich gefälligst auch nur für mich zu interessieren. Verstimmt leerte ich meinen Kelch – der wie von Zauberhand gleich darauf schon wieder voll war – und hoffte, dass er sich eine Abfuhr holen würde.
Verdammt! Ich kannte diese Konstellation nur zu gut: Hannibal hatte mich mehr als einmal für irgendwelche dubiosen Freundinnen versetzt! (Und dass ich jetzt an diesen treulosen Mistkerl hatte denken müssen, das war auch alleine Tricostus' Schuld.) Die bizarre Weise, auf die wir uns kennengelernt hatten, hatte mich schon ziemlich hingerissen, aber jetzt sah ich am Horizont bereits das nächste amouröse Desaster aufziehen!
Frustriert griff ich nach den Speisen, die da aufgetragen wurden, und schlürfte ein paar Austern. Ich sagte mir dann auch, dass es albern war, so kleinlich zu sein. Ich kannte ihn wie lange? Seit genau vier Tagen. Wir waren wo? Auf einem Gastmahl, bei dem schon die Vorspeise auf frivol bemaltem Geschirr aufgetragen wurde!
Nun ja. Ich verspeiste noch mehr Austern, wippte mit den Füßen, und wie magisch angezogen wanderte mein Blick erneut zur Nachbarkline. Es interessiert mich doch sehr, ob die göttliche Sonne Aegyptens sich nach diesem Zwischenspiel noch immer so strahlend zeigen würde, oder etwa mißbilligend? Über eine Auster hinweg lächelte ich ihm zu, hielt seinen Blick einen Augenblick lang, bevor ich den salzigen Inhalt der Muschelschale leerte.
Zitat
Original von Aurelia Prisca
Und, genau wie eben, kaum begann ich zu flirten, war Alexander auf einmal wieder da. Mit der Göttin, die ihre Mänade im Arm hielt, und, das musste ich zugeben, sehr göttlich auftrat. (Ja, wie jeder normale Mensch bin ich bestechlich für Komplimente. Auch wenn sie nur meiner Maske gelten.)
"Zuviel der Ehre, erhabene Athene! Ohne die Gunst von euch Olympiern hätten wir ja keine einzige Schlacht gewonnen. Ähm...Du musst entschuldigen, wenn mir gerade die Worte fehlen, aber ich bin als einfacher Sterblicher geboren, und Dich hier leibhaftig zu treffen, Athene, das ist gerade ziemlich überwältigend!"
Ich nickte bekräftigend, lächelte ihr zu, und rückte auf der Kline, auf der ich ausgestreckt lag, ein Stück zur Seite, damit dort Platz für drei Personen war. Wenn sie ihre Mänade mit in die Kissen nehmen wollte, würde es allerdings eng werden.
"Bitte, nimm doch Platz!" forderte Alexander sie auf, und deutete einladend auf den Platz in der Mitte, zwischen ihm und mir. Ich fand das nicht so furios, aber er sollte nicht denke, dass ich etwa kleinlich oder besitzergreifend wäre!
"Ja, und versuche diese Austern, sie sind köstlich. Darf ich Dich außerdem mit einen glanzvollen Gast aus dem fernen Land der Pharaonen bekanntmachen? Aton, die göttliche Sonne Ägyptens. Athene, Göttin der Weisheit und vieles mehr."
Dem Alexander raunte ich scherzend, und durchaus hörbar, zu: "Alexander, stell Dir mal vor, wenn wir Athene für uns gewinnen können, kann uns keiner mehr widerstehen! Wenn sie das Schlachtengeschick für uns lenkt, dann können wir im Handumdrehen auch noch den Rest der Welt erobern!"
"Wohl wahr, Hephaistion." Alexander reckte das Kinn, warf sich in Pose und begann zu schwärmen: "Eine furióse Idee! Indien, Kimmerien, die skythischen Steppen... das ferne Serica! Die glücklichen Inseln! Ultima Thule! Die ganze Welt würde uns gehören. Und unsere erste Tat, herrliche Athenaia, wäre es selbstverständlich, Dir überall Tempel zu errichten! Und Dir die Schätze dieser Länder zu Weihegeschenken zu machen."
[Blockierte Grafik: http://img83.imageshack.us/img83/2044/signaturconvimmortal.gif]