Ich setzte mich und lauschte angespannt den Erklärungen des Kommandeurs. Das klang interessant, aber ich würde echt umdenken müssen, um für das 'Modell Domitian' zu argumentieren.
"Eine Frage - soll es eine freie Diskussion sein, oder wirst du Fragen stellen, anhand der wir dann unsere Positionen vertreten?"
Beiträge von Faustus Decimus Serapio
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Noch bevor zum Wecken geblasen wurde, warf man mich aus dem Bett, mit der Nachricht, dass es zwei Morde in der Subura gegeben hatte. Ein kalter Nieselregen begrüsste mich, als ich aus meiner Unterkunft trat. Es war wieder mal einer dieser Tage.
Graue Wolken hingen regenschwer über der Stadt. Mit einem Contubernium machte ich mich auf den Weg in die Subura, zum Fundort der Leichen. Die Kollegen von der nächsten Urbaner-Station, der am Argiletum, waren schon dort, sie standen in ihre Paenulae gehüllt im Regen herum, die Köpfe in den Kaputzen verborgen. Vereinzelte Gaffer drückten sich in der Nähe herum, warfen uns feindselige Blicke zu. Die Gasse war so dreckig und trist wie unzählige andere. Willkommen in der Subura.
Ein Princeps Prior vom Argiletum erstatte mir Bericht. Vor etwa einer Stunde hatte eine Hure die Leichen entdeckt. Der Mann war den Kollegen bekannt, ein Lude mit dem Namen Vorax, der ihnen schon mal Ärger gemacht hatte. Das Mädchen kannten sie nicht, sie schien der Kleidung nach aus einem wohlhabenderen Viertel zu kommen. In der Nähe hatten sie einen Dolch aufgesammelt. Nach einem Libitinarius war schon geschickt worden.Ich nickte zu dem kurzen Überblick und ging auf die Leichen zu, um selbst einen Blick auf sie zu werfen. Wenn das Mädchen ärmlich gekleidet gewesen wäre, dachte ich bei mir, hätten die Kollegen die Castra wahrscheinlich gar nicht informiert. In diesem Viertel schlugen sich die Leute doch ständig gegenseitig tot.
Auf dem durchweichten Boden lag in einer halbversickerten Blutlache ein großer Kerl. Kräftige Statur, brutale Gesichtszüge, die in einem Ausdruck der Überraschung erstart waren. Er war offensichtlich erstochen worden, aus dem aufgeschlitzten Bauch blitzten die Gedärme hervor, und obwohl der Regen die Gerüche abmilderte, roch es unangenehm nach Blut und Scheiße.
Ich ging ein paar Schritt weiter zu dem Mädchen – und sog scharf die Luft ein. Dieses rötliche Haar, das niedliche Gesicht, die weitaufgerissenen grünen Augen... erschrocken blickte ich auf Alaina hinab. An ihrem Hals leuchteten rote Würgemale auf der blassen Haut, wie ein makaberer Schmuck, und der Regen lief in kleinen Rinnsalen über ihre reglosen Züge. Ihre Kleidung war in Unordnung. Ich hatte Alaina ja ziemlich dubios gefunden, aber jetzt tat sie mir leid. Sie sah so ausgeliefert aus. Das Leben war verdammt zerbrechlich. Ich schluckte schwer und strich mir mit der Hand den Regen aus dem Gesicht. -
Mit dieser Frage, die zugegebenermassen nicht sehr höflich gewesen war, machte ich unserem Gespräch vollends den Garaus. In unangenehmem Schweigen betraten wir den Rossmarkt und besahen uns die Tiere die dort feilgeboten wurden. Es waren sehr schöne und edle darunter, doch so lange wir auch suchten, keine die den Ansprüchen an ein Gespann der Factio Aurata gerecht geworden wären. Immerhin konnten wir uns so einen gewissen Überblick verschaffen welche der Züchter gute Tiere im Angebot hatten, ich erkundigte mich dann wo sie ihre Gestüte hatten, um bei Gelegenheit dort einmal vorbeizukommen.
Als wir uns schon zum Gehen wandten, fiel mein Blick auf zwei lebhafte Schimmelstuten, denen man das iberische Blut gleich ansah. Für professionelle Wagenrennen waren die beiden zu stämmig gebaut, aber ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, mir ein schneidiges Zweigespann anzuschaffen. Und ich habe eine Vorliebe für Schimmel. (Das liegt in der Familie.) Sofort hatte ich den Händler am Hals, er pries die beiden in höchsten Tönen und verlangte einen unverschämten Phantasiepreis. Trotzdem sah ich mir die beiden Stuten genauer an. Ich überzeugte mich, dass sie jung, gesund und kräftig waren, sie gingen gut im Fahrgeschirr und waren auch eingeritten. Die eine war milchweiß, sehr temperamentvoll und etwas zickig, die andere ein sanftmütiger Apfelschimmel mit einem wunderbar weichen Gang. Nach ein paar Proberunden um den Pferch wusste ich, dass ich die beiden unbedingt haben wollte. Es war eine harte Feilscherei bis die Pferde einigermassen bezahlbar waren, dann schlug ich zu. Als Eques musste ich mir doch auch mal was leisten! Und so kamen Alaina und ich zwar unverrichteter Dinge in die Casa zurück, dafür führte ich glücklich meine zwei Hübschen am Halfter hinter mir her. -
Es war nicht der Weg zum Kanal, den die beiden einschlugen. Verdammt, mein Plan war so schön gewesen... jetzt musste ich wohl umdisponieren. Aber die Gasse hier schien auch nicht so schlecht, wir hatten uns ein Stück vom Rattenbeissen entfernt, und es war dunkel und einsam hier. Nach einem Augenblick des Zögern beschloss ich, sofort zuzuschlagen, bevor die Ratte womöglich auf Nimmerwiedersehen im Labyrinth der Subura verschwand. Ich wandte mich um und gab meinen Männern mit einer deutlichen Handbewegung das Zeichen. Schnappt ihn euch.
Ich beschleunigte meine Schritte. Vor mir sah ich das Pärchen, hinter mir hörte die Schritte der Soldaten, die zu mir aufschlossen. Jetzt wurde es ernst. Das Herz schlug mir bis zum Hals. Wie in einem Tunnel sah ich den Rücken der Zielperson vor mir, bedeckt von dem schäbigen Mantel, dessen Saum bei jedem Schritt hin und her schwang... die Hand des Mannes auf den Hüften der Hure... aus einem Türspalt fiel ein Streifen von Licht auf das schmutzige Pflaster. Wir kamen näher. Alles schien so langsam... als würde ich die Zeit mit einer Lupe betrachten. Noch näher. Als ER den Kopf wandte, schnellte ich mich vor. Mit einem Sprung war ich hinter ihm und packte kräftig zu.
“Ergib dich, du Ratte!“ zischte ich, und versuchte seinen rechten Arm zu fassen zu kriegen, um ihn ihm auf schmerzhafte Weise auf den Rücken zu verdrehen. Der Mann war stark, seine Bewegungen geschmeidig. Ich war froh, dass ich nicht alleine war... -
Bleich und kalt lag sie da, das nasse Gewand klebte an ihrem Körper. Auf den ersten Blick jedenfalls konnte ich keine offensichtliche Verletzung erkennen aber auch kein Zeichen dass sie noch nicht über den Styx war. Ich beugte mich noch näher, und konfus kreisten die Gedanken in meinem Kopf – was war zu tun? Ich war doch kein Capsarius. Aber ich hatte mal einen sagen hören, niemand sei tot, solange er nicht warm und tot gleichzeit sei, oder so ähnlich. Und dieses Mädchen war eisig! Bei Herausziehen hatte ich es dann doch nicht mehr vermeiden können sie zu berühren. Ich nahm sie an den Schultern und rüttelte sie, erst zaghaft, dann stärker. Und sie begann zu husten!
"Tiberinus und Rhea Silvia sei Dank!!"
Die Stromgötter hatte ihr Opfer freigegeben. Ich zog das von Husten geschüttelte Mädchen hoch, so dass ihr Oberkörper über meinem Arm hing, und klopfte ihr kräftig auf den Rücken als sie das Wasser ausspie. Es war schon verrückt welche Veränderung durch sie ging – eben noch reglos, jetzt kämpfte sie um jeden Atemzug. Ich beschloss keine Zeit zu verlieren, ließ sie wieder los und rannte stromaufwärts wo ich meine Kleider zurückgelassen hatte. Mit dem Bündel im Arm stürzte ich wieder zurück, kniete mich neben sie auf die Kieselsteine.
"Kannst... kannst du mich hören? Du musst schnell das nasse Zeug ausziehen!"
Ohne jedweden Hintergedanken begann ich sie von ihrem durchweichten Gewand zu befreien, dann nahm ich meine Tunika und rieb ihre todeskalten Glieder, um sie zu trocknen und ein wenig Leben zurückzubringen. Dem hochmodischen, terakotta-farbenen Kleidungsstück tat das allerdings nicht gut, es war am Ende ganz zerknittert und die seidenen Clavi von den Schlammflecken vollständig ruiniert. Mir schoss auch der Gedanke durch den Kopf, was wohl ein zufälliger Passant denken würde, der uns so sah – er würde mich wahrscheinlich für einen schlimmen Wüstling halten.
"Hier!" Ich nahm meine Lacerna und legte sie dem Mädchen um. Der Umhang war aus fein gesponnener Ziegenwolle und in einem zu dem Terrakotta korrespondierenden Porphyrrot gehalten, mit einem eingewebten Acanthusmuster am Rand. (Und duftete gut nach Opium.)"Kannst du aufstehen?! Wir müssen schnell irgendwohin wo wir uns aufwärmen können!"
Hektisch rieb ich mich selbst mit der Tunika einigermassen trocken und zog das feuchte Ding wieder an. Auch wenn es jetzt ganz unmöglich aussah, es war besser als im Lendentuch durch die Stadt zu spazieren. Mit klammen Fingern schloss ich die Schnalle meines Gürtels und wandte mich wieder der gestrandeten Najade zu, bot ihr die Hand um aufzustehen, dazu den Arm und meine Schulter um sie hochzuziehen. Ich hoffte nur, dass ich sie nicht die Böschung hochtragen musste. -
Zeitig trat ich in den Prüfungsraum. Natürlich war ich aufgeregt, und letzte Nacht hatte ich sogar geträumt, ich hätte die Prüfung verschlafen. Aber meine Erscheinung war tadellos, kein Stäubchen auf der Tunika, das Cingulum militare blitzblank.
"Salve Kommandeur Purgitius!", grüßte ich militärisch den Leiter der Akademie. Also, ich ging davon aus, dass er es war. Wie so oft in dieser Stadt, kam mir sein Gesicht irgendwie bekannt vor, obgleich ich mich nicht erinnern konnte, dem Senator jemals persönlich begegnet zu sein. (In den Thermen? Nein. In der Akademia? Auch nicht. Irgendwo anders...? Nicht dass ich wüsste. Wahrscheinlich hatte ich ihn mal auf der Rostra oder beim Vorbeigehen in der Castra gesehen.)
"Centurio Decimus Serapio von den Cohortes Urbanae meldet sich zum Examen Tertiam."
Den anderen Prüflingen nickte ich grüssend zu. "Salvete." Der eine fiel vor allem durch seine hohe Statur auf, den anderen kannte ich vom Cursus Continuus über Tiberius, das war Aurelius Ursus, damals Quaestor. Und natürlich auch der Princeps der Aurata, in meinen Augen eines der bedeutendsten Ämter Roms. -
Ich hatte es schon wieder getan. In einem schäbigen Opium-Haus am Fusse des Aventin, war ich ein weiteres Mal dem süssen Vergessen erlegen. Der Morgen kündigte sich bereits an, als ich das Haus verließ, mit einer vagen Übelkeit im Magen, geröteten Augen und der verschwommenen Erinnerung an wundervolle Phantasiegebilde, an tiefschürfende philosophische Diskussionen mit irgendwelchen Wildfremden, an eine selige Nacht im Rausch, halbschwebend zwischen Traum und Wirklichkeit.
Der anbrechende Tag aber war grausam. Steifbeinig ging ich die Gasse entlang, ich schämte mich, wieder mal schwach geworden zu sein, und durch den Schleier der Benommenheit drangen einzelne Eindrücke häßlich und grob zu mir vor. Der Dreck auf den Strassen, die schwarzen Zahnstummel einer Bettlerin die in einem Abfallhaufen herumwühlte, der modrige Odem des Tiber... Bleich stand der Mond am Himmel, ganz niedrig über den Dächern, dahinter zog eine graue Dämmerung auf. Wenigstens war ich so vorausschauend gewesen, und hatte für meinen Ausflug einen Abend gewählt, auf den ein dienstfreier Tag folgte, ich musste also heute glücklicherweise nicht in die Castra. Langsamen Schrittes schlug ich den Weg zur Casa meiner Familie ein, dort würde ich mich ausschlafen, und meine opiumverrauchte Zivilkleidung wechseln können. (Wenn nur mein Adoptivvater nichts mitbekam!)Übernächtig wie ich war, fröstelte ich trotz meiner warmen Lacerna in der kalten Morgenluft. Vor mir lag ein ziemlich gefährlicher Strassenzug, einer der übelsten des Aventin, da beschloss ich doch lieber einen Umweg zu machen. So kam es, dass ich ein Stück entlang des Tiber ging. Morgennebel lag über dem Wasser, der Wind kräuselte die feinen Schleier, trieb sie über der Wasserfläche hin und her wie huschende Lemuren. Das Riedgras raschelte trocken. Irgendwo hörte man Männerstimmen, die sich gegenseitig zuriefen, Fischer wahrscheinlich die schon so früh unterwegs waren, doch der Nebel verhüllte genaueres, machte alles gestaltlos und rätselhaft. Ich stand hier mitten in der riesigen Stadt, und hatte doch das Gefühl, der einzige Mensch auf Erden zu sein. Nachdenklich stieg ich den Ufersaum hinab, achtete nicht darauf, dass ich im Schlick meine Sandalen beschmutzte. Unweit von hier hatte ich mal einen nächtlichen Spaziergang mit Hannibal unternommen..... Trist sah ich hinaus auf das Wasser, und da der Nebel auch das andere Ufer verbarg, hätte ich ebensogut am Rande eines unendlichen Gewässers stehen können, oder des Styx oder des Acheron. Der Fluss machte hier eine Biegung, und die Strömung hatte allen möglichen Müll ans Ufer gespült. In meiner Melancholie erschien mir dies alles sehr symbolisch. Ich hockte mich hin und betrachtete eingehend eine kopflose Puppe, einen kaputten Stiefel, die Scherben eines Terra-Sigilata-Gefässes. Dann nahm ich in paar der runden Kiesel, die hier das Ufer säumten, und begann sie über das Wasser hüpfen zu lassen. Einmal, zweimal, dreimal, viermal sprang der Stein hoch, dann hatte auch ihn der Nebel verschluckt.
Aber jetzt trieb etwas größeres in mein Blickfeld. Eine alte Decke dachte ich zuerst, Müll der sich in der Stömung zusammengeballt hat. Da hob sich federleicht ein Nebelschleier hinweg und zeigte mir, dass das Ding menschliche Umrisse hatte. Scheiße. Schon wieder eine Leiche im Tiber. Konnten die Mörder ihr Leichen nicht anders entsorgen, konnten die Selbstmörder sich nicht auf eine diskretere Weise umbringen?! (Gut, ich gebe, ich habe aufgrund einer gewissen Episode auf dem Pons Cestius eigentlich nicht das Recht mich darüber zu echauffieren, aber trotzdem, Wasserleichen sind scheußlich, besonders die alten.)
Diese allerdings schien ganz frisch zu sein. Ein heller Arm tauchte auf, die dazugehörige Hand sah nicht aufgedunsen aus, und einen Moment lang sah ich langes dunkles Haar im Wasser wogen, es umrahmte das schöne und traurige Gesicht einer Frau. Eher wie eine Najade schien sie, die in diesem Augenblick aus ihrer fremden Welt aufgetaucht war, um sogleich wieder zu entschwinden. Oder wie das Hirngespinst eines schmermütigen Poeten. Aber hatte sich da nicht gerade die Hand bewegt, die Finger ein wenig gekrümmt? Ich kniff die Augen zusammen, sah genau hin, doch schon war die Gestalt wieder von Dunst umhüllt.
Ich zauderte. Es war kalt, und wenn ich jetzt ins Wasser stieg, würde ich mich todsicher erkälten, womöglich sogar abgetrieben werden. Höchstwarscheinlich hatte ich mir die Bewegung sowieso nur eingebildet, oder sie hatte von einer Welle her gestammt, und eine Leiche zu berühren bevor ein Libitinarius sie gereinigt hatte, konnte bekanntlicherweise sehr unangenehme Folgen haben.Aber dann warf ich doch schnell meine Lacerna von den Schultern, löste den Gürtel, der mitsamt Dolch schwer zu Boden fiel, und zog mir die Tunika über den Kopf. Brr. Ich fror. Mit ein paar schnellen Schritt entlang des Ufers hatte ich den Schemen wieder eingeholt, ich biss die Zähne zusammen und watete in den Fluss hinein. Erst versanken meine Füße tief im Schlick, dann verlor ich den Boden und tauchte ganz ins eisige Wasser. Ächzend vor Kälte schwamm ich auf die Gestalt zu, nach ein par kräftigen Schwimmstößen war ich nah dran, und da ich mich scheute, eine wahrscheinlich Tote anzufassen, griff ich nach einem Zipfel des Gewandes, das wie eine Wolke um sie herum trieb. Ich krallte die Finger in den Stoff, zog den Körper mühsam hinter mir her und strebte zurück zum Ufer. Mir war so kalt, dass meine Gilder sich ganz taub anfühlten, und die Strömung trieb uns noch ein Stück flussabwärts bis ich endlich wieder Grund unter den Füssen hatte.
"Bei Plutos stinkendem Atem!" fluchte ich vor mich hin, während ich strauchelnd und mit den Zähnen klappernd die "Najade" an Land zerrte. Sie war groß, und das vollgesogene Gewand machte sie noch schwerer. "Die Pest über alle Mörder dieser Stadt, im Tartarus sollen sie schmoren!! Und erst diese verdammten Selbstmörder, der Cerberus soll sie alle holen!"
Aber was war es nun, hatte ich es mit dem Opfer eines Verbrechens zu tun, oder mit einer Frau, die freiwillig ins Wasser gegangen war? Lebte sie noch? Triefend und schlammverschmiert, aber jetzt immerhin hellwach, beugte ich mich über das Mädchen aus dem Tiber und suchte nach einem Lebenszeichen. -
Es war an einem frostigen Wintertag, ich machte einen Kontrollgang oben auf dem Wehrgang und erblickte von dort einen Zivilisten, der eben an die schweren, eisenbeschlagenen Flügel der Porta principalis dextra pochte. Dieses Tor war für gewöhnlich geschlossen und wurde nur von uns Urbanern und den Kollegen in Schwarz genutzt. Ich fragte mich, warum der Mann nicht wie alle anderen Besucher zur großen Porta Praetoria* kam, darum blieb ich stehen um zu hören was er wollte.
Vopiscus, ein schon älterer und grauerer Wachsoldaten, bequemte sich zum Tor. Mit einem Ruck schob er die Abdeckung eines kleinen Guck-Fensters zur Seite und spähte hinaus zu dem Besucher. Der sah, auch von meiner etwas weiter entfernten Warte gesehen, recht fremdländisch aus.
"Salve. Wer bist du, was ist dein Begehr?" schnarrte Vopiscus. "Ich sag dir gleich, hier ist kein Durchgang für Zivilisten. Wenn du zum Stadtpräfekten willst, musst du's am Haupttor versuchen. Aber er ist seeehr beschäftigt."Sim-Off: *beim nächsten Mal bitte hier anmelden
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Ich war schon neugierig, was meine große Schwester mir sonst noch mitgebracht hatte, sehr neugierig sogar. "Da spannst du mich aber auf die Folter!", grinste ich genauso schief zurück und bot nicht so ganz ernst gemeint an: "Ich kann dir aber auch ein bisschen beim Ordnung machen helfen! Hab ich beim Militär gelernt, weißt du..."
Während Seiana von Alexandria erzählte, stand ich wieder auf, ging im Zimmer herum, schob eine Kiste ein Stück zur Seite, drehte sie, damit sie mit zwei anderen in Reih und Glied stand. Ich war rastlos, trotzdem hörte ich genau zu.
"Mhm... klingt wirklich toll. Na, du weißt ja wie ich dich beneide um diese Abenteuer. Aber ich gönn's Dir. - Hättest du wirklich am Museion anfangen können?! Furiós! Ich bin echt stolz auf meine schlaue Schwester."
Schade irgendwie, dass sie diese Chance nicht ergriffen hatte. Andererseits wäre sie dann immer noch weit weit weg. Ich ergriff einen Reisemantel, der unordentlich über eine Lehne hing und begann ihn sehr genau zu falten. Der Länge nach. Die Kapuze eingeklappt und glattgestrichen. Dann zweimal der Breite nach zusammengefaltet. Die Kanten waren messerscharf. Ich legte den Mantel fein säuberlich zurück und lehnte mich an die Wand.Heim. Ich zuckte die Schultern.
"Nein, nicht komisch. Ich schätze es ist normal. Wo doch hier die Familie ist."
Genauer gesagt: der Rest der Familie. Ein Schatten zog über mein Gesicht und wurde noch dunkler als die Sprache auf den "Zukünftigen" kam. War Seiana nur zurückgekommen weil dieser Schwarm von ihr wieder nach Rom wollte?
"Ah. Willst du den also immer noch heiraten? Dann sollte der mal machen dass er hier vorbeikommt und um deine Hand anhält."
Finster blickte ich an meiner Schwester vorbei, fixierte grimmig die Malerei an der Wand, die mir gar nichts getan hatte. Ich war gekränkt, und wie. Ich war der Bruder, und es war eine Frage des Respektes – und des Anstandes, und der römischen Sitten - dass man meine Zustimmung einholte, anstatt mich vor vollendete Tatsachen zu stellen. Es war ja nicht so verwunderlich, dass Seiana keinen Respekt vor mir hatte, sie war ein bisschen älter, ein bisschen, das in unserer Kindheit einen großen Unterschied gemacht hatte, und ich hatte früher eine Menge verbockt, aber nun waren wir beide erwachsen, und ich ein ernstzunehmender Soldat. Da gehörte sich das einfach so."Livianus hat mich adoptiert.", berichtete ich dann eher steif die große Neuigkeit in meinem Leben, die eigentlich mehr Jubel verdient hätte. "Er sagte, er habe in Gefangenschaft viel nachgedacht und wolle unserem Vater diesen Wunsch erfüllen. Es gab eine richtig große Zeremonie in der Basilica Ulpia, mit Verwandten und Klienten und allem. Jetzt bin ich sein Sohn. Flavus hat fast in den Wandteppich gebissen vor Wut." Ich rieb mir meinen Schmiss und sah Seiana schräg an. "Aber wir bleiben natürlich Geschwister. Ich glaube sowieso es war eher eine Verpflichtung gegenüber unserem Vater und..." - wie sollte ich sagen? - "nicht so wirklich sein größter Herzenswunsch. Aber ich bin ihm sehr, sehr dankbar.
Nah einer Pause fuhr ich fort: "Ansonsten... ich bin immer noch bei den Stadtkohorten." Mit einem zynischen Unterton fügte ich hinzu: "Und tue täglich mein Bestes um das Verbrechen in seine Schranken zu weisen!" -
Zitat
Original von Manius Flavius Gracchus
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Götter und Göttinnen, was für ein Kuss! Mir wurde ganz schwindlig. Hingebungsvoll erwiderte ich die Liebkosung der Lippen, und als wir uns dann - leider - wieder voneinander lösten, stand ein begeistertes Lächeln in meinem Gesicht. Ich hatte ja keine Ahnung gehabt, dass der Abend so phänomenal werden würde. Mich etwas zurücklehnend, auf meine ausgestreckten Arme gestützt, genoss ich den Nachhall dieses Kusses, ließ die Stimme Atons über mich hinwegfluten, mich von ihrem Klang, ihrer Melodie, ihrer wundervollen Resonanz einfach verzaubern.
So versunken war ich in diesen Augenblick, dass ich beinahe erschrak, als ein rotpelziges Wesen mir eine Kette aus Früchten um den Hals legte, mir ausserdem einen Kranz der selben Art auf den Kopf drückte. Ich sah auf und bemerkte, dass mittlerweile das Dessert serviert wurde. Und was für ein Dessert. Unwillkürlich folgte mein Blick einer Platte, die von vier Tiermenschen an uns vorübergetragen wurde, auf ihr lag ein gutgebauter Gefolgsmann des Bacchus, dessen muskulöse Gestalt ganz mit Honig bestrichen und mit Mustern aus Pistazienkernen geschmückt war. Das sah lecker aus... vermochte mich aber nur während eines flüchtigen Momentes von Aton abzulenken, der, gekleidet in seine Fruchtgirlande, wahrlich zum Anbeissen aussah. Und da war es wieder! Dieses eigentümlich halbe Lächeln, hinreissende Heben des Mundwinkels, und während ich noch so still bei mir darüber sinnierte, was genau daran so hinreissend war, verspürte ich mit einem Mal seine Lippen an meinen Schenkeln. Bei Eros und Voluptas! Aton war wirklich ein Draufgänger.
Ein wohliger Schauder durchrann mich, ein leises "Mhmm..." drang zwischen meinen Lippen hervor, dann biss ich mir auf die Lippen. Jeglicher Gedanke, den ich womöglich gerade gehabt hatte, zerrann in einem stummen Mehr! Mehr davon...! Ich schluckte trocken, verfolgte den Weg der Himbeere wie hypnotisiert mit den Augen, wurde bestürmt von den Bildern, die Atons himmlische Metapher in meiner lebhaften Phantasie anregte."Aton..." hauchte ich überwältigt, "Du bist so HEISS.....!", während ich vollends hin zu ihm auf die Kline sank. Mit den Lippen pflückte ich ein Melonenstückchen von der Kette, die an seiner Brust lag, und verspeiste es, ich schob die seidene Weste auseinander und folgte mit der Zungenspitze langsam dem exotischen Muster, das sich von seiner Schulter aus abwärts zog. Mein Kranz verruschte dabei, sass mir jetzt ganz schief auf dem Kopf. Eine besonders saftige Dattel an Atons Kette pflückte ich mit den Fingern, richtete mich wieder halb auf, machte Anstalten, sie zum Mund zu führen und ließ sie dabei nicht wirklich unauffällig "ganz versehentlich" aus den Fingern gleiten, so dass sie irgendwo in der Region der göttlichen Beine zwischen den Kissen verschwand.
"Oh." grinste ich. "Wie unachtsam von mir!" (Und amüsierte mich nebenbei einen Augenblick lang darüber, hier den klassischen Dialog unzufällig-zufälliger Annäherungen zu zitieren, die Worte die man an jeder Strassenecke der Stadt täglich zuhauf hören kann.)
"Warte, ich hab sie gleich wieder..." Und damit legte ich Aton die Hand auf das Knie und begann mit der Suche, die meine Hand an seinen Schenkeln entlang immer höher gleiten ließ, bis sie unter seinem Lederrock verschwand.
"Man erzählt so viele Wunderdinge von Deinem Land, Aton. Von den Datteln, die, genährt von Deinem göttlichen Glanz, so groß und saftig sind wie nirgendwo sonst..."
Während ich so plauderte, schweifte meine Hand weiter, aufreizend streichelnd und fand schließlich das Ziel ihrer Suche. (Es war nicht die Frucht, die ich fallen gelassen hatte.)
"Und von den prächtigen Palmen, an denen sie gedeihen, ihren starken Stämmen und majestätischen Wipfeln, die sich hoch über die flirrendheiße Wüste erheben......
Just wurde eine Platte mit weiteren Köstlichkeiten neben uns abgestellt. Mit der Linken angelte ich mir einen Spieß mit gebackenen Bilchen – es gibt nichts besseres! - reichte ihn Aton an die Lippen und zog mir dann mit den Zähnen eines der winzigen Tierchen vom Spiess.
"Mhmm..." Ich kaute genüsslich, schluckte den delikaten kleinen Bissen, dann fuhr meine Rechte mit dem Spiel fort, das sie begonnen hatte.
"Sag, Aton, was ist eigentlich die Speise der Götter im Land des Nils? Esst ihr so wie unsere Olympier, oder labt ihr euch an anderer Kost?"[Blockierte Grafik: http://img83.imageshack.us/img83/2044/signaturconvimmortal.gif]
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Zitat
Original von Aurelia Prisca
Zu Alexander hin meinte Prisca mit einem verführerischen Lächeln, weiterhin das Spiel der Götter spielend:"Du schmeichelst mir sehr großer Alexander. Paris war in der Tat ein Dummkopf! Hättest du die Geschicke Trojas in Händen gehalten ?… Ja ich bin mir sicher! Dann wäre die Geschichte anders geschrieben worden. " Nicht hastig aber doch rechtzeitig zog Prisca die Hand zurück, ehe Alexanders liebkosende Lippen daran zu weit hinauf wandern konnten. Allerdings legte sie die Fingerspitzen ganz flüchtig an sein Kinn um es mit einer huldvollen Geste zu streicheln, wie es nur eine unantastbare Göttin tun durfte. Und mit verführerisch süßer Stimme meinte sie:"Du hättest ganz sicher meinen Apfel der Weisheit gewählt und nicht von den verbotenen Früchten der schönen Helena genascht, so wie es Aphrodite wollte. Nicht wahr mein Held?", womit Prisca - mit anderen Worten - zum Ausdruck bringen wollte, dass ihre "Früchte" für Alexander ebenso tabu wären, wie für jeden Anderen hier auch. Apfel hin oder her. Noch bevor der große Heerführer etwas darauf erwidern konnte hatte sich Athene wieder Hephaiston zugewandt.
...[Blockierte Grafik: http://img25.imageshack.us/img25/7963/alexanderdergroe.jpg] | Alexander der Große
Alexander der Große amüsierte sich vortrefflich. Freigiebig spendete er den Rednern Applaus, trank, genoss die köstlichen Speisen und tändelte mit der geheimnisvollen Schönen, die, obgleich (oder vielleicht gerade weil) sie sich ein wenig spröde gab, sein Interesse zu fesseln vermochte.
Dass sein makedonischer Gefährte ihm derweil abhanden gekommen war, fand er zwar schade aber nicht schlimm, und auch als dieser auf der Nachbarkline dem Sonnengott immer näher kam, blieb er ganz entspannt. Alexander nahm die Sache sportlich.
"Aaah... was für furióse Vorträge!" lobte er, sich träge auf den Polstern räkelnd. "Doch, edle Athenaia, es ist mir ganz unmöglich, meine Stimme in diesen Chor einzureihen, undenkbar dass ich einen anderen Olympier lobpreisen könnte, wo doch Dein Liebreiz, Deine Anmut, Deine Stärke und Weisheit mich in bestrickende Bande geschlagen haben. Nur Dein Lob könnte ich noch singen, schönste Athenaia..."
Den Hinweis zuvor, mit den verbotenen Früchten, den hatte Alexander zwar gehört, doch die subtile Formulierung war ein wenig zu, nun ja, subtil, gewesen, so dass die beabsichtigte Botschaft ihm verschlossen geblieben war.
"...und da gäbe es unzähliges zu sagen! In Deinen Locken wohnt die Nacht..." Eine heroische Hand wurde ausgestreckt, ließ eine Strähne der göttlichen Haarpracht durch die Finger gleiten, und fuhr wie nebenbei fort damit zu spielen. "Und unter der Maske, welche Dein göttliches Antlitz verhüllt, strahlt das Licht Deiner Augen wie tausend Sterne. Rot und süss wie die Granatäpfel in den Gärten der Hesperiden sind Deine Lippen... "Sacht folgten die Finger den Worten, strichen flüchtig über jene Lippen, wanderten dann den göttlichen Hals hinab. "In Schleier aus Dämmerung bist Du gekleidet, verhüllst den betörenden Leib in der ersten Ahnung der Sonnenstrahlen, wenn diese vor Tau und Tag ganz leicht erst den Horizont liebkosen, die Nacht widerstrebend den Saum ihres Gewandes hinweghebt vor ihrem... amethystfarbenen Glanz..."
Heureka! Endlich hatte Alexander ein Wort für die Farbe von Athenes Gewand gefunden. Und wie die Sonnenstrahlen den Horizont liebkosten seine Finger die zarte Haut der Göttin, von der Halsgrube aus unmerklich tiefer wandernd.
Die Mänade war Alexander zwar etwas im Weg und verhinderte für den Moment forschere Annäherungen, doch auch dies stellte für den Feldherrn keineswegs ein Problem dar. Schließlich hatte er zwei Hände.
"Und auch Dein Gefolge ist von verführerischer Schönheit!" schloß er übermütig und begann nun auch die Mänade in gleicher Weise zu streicheln.Ein Blick über die Schulter der Schönen zeigte ihm allerdings, das sein Gefährte auf der Nachbarkline beim Spiel der Verführung schon ein Stück weiter war. Dies spornte Alexander noch mehr an, und da kamen die fruchtigen Ketten, die den Gästen jetzt umgelegt wurden, gerade recht. Mit einem entwaffnenden Grinsen und einem verheißungsvollen Funkeln in den Augen umgriff Alexander der Große die hübsche Girlande von Pfirsich und Trauben, die der Panther um den Hals der Athene gelegt hatte, und machte Anstalten, die Göttin auf diese Weise sanft näher an sich heran zu ziehen.
"Ich habe gehört", grinste Alexander, "dass die verbotenen Früchte die besten sind!"[Blockierte Grafik: http://img83.imageshack.us/img83/2044/signaturconvimmortal.gif]
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Bin wieder da!
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"Oh, vielen Dank!" Gespannt nahm ich das Päckchen aus der Hand meiner Schwester. Ich setzte mich auf eine der Reisekisten und betastete das Mitbringsel. "Was könnte das wohl sein?" fragte ich grübelnd, die Stirn gefurcht, ich legte die Hand ans Kinn und und machte ein richtiges Spektakel aus dem Geschenk-Raten – so wie früher zu den Saturnalien. Seiana wirkte ziemlich erschöpft und irgendwie auch niedergeschlagen, ich hatte das Gefühl sie aufheitern zu müssen.
"Ein paar Angelhaken! Nein? Oder eine Augenklappe. Aus Krokodilleder. Nein, ich habs! Ein Taschenkamm... Na gut ich geb's auf, ich muss es wohl auspacken."
Das tat ich mit der gebührenden Andacht, und als ich dann sah was es war, war meine Freude groß.
"Danke!!! Dass Du daran gedacht hast!"
Auf der flachen Hand führte ich das Amulett näher zu den Augen und betrachtete es genau. Serapis, thronend mit lockigem Bart und Kalathos, sehr majestätisch. Ich legte das Lederband um meinen Hals, so dass das Amulett mitten auf meiner Brust hing, einen Fingerbreit über meinem Ancillium-Amulett. Es war nicht so, dass ich Serapis besonders verehrte, aber meines Namens wegen interessierte mich für diese Gottheit und ich fragte mich auch, ob es stimmte, dass dass mein Vater ihm besonders zugetan gewesen war. Soweit ich das verstanden habe, hat der Kult ja viele Vorteile, insofern als man es mit einem sehr umfassenden Gott zu tun hat, der so viele Aspekte in sich vereint wie drei oder vier unserer herkömmlichen Götter auf einmal. Das ist natürlich praktisch, und auch das exotische, mystische, das diesen Kult umgibt, fand ich ganz faszinierend.
Mit den Fingerspitzen berührte ich das Amulett und lächelte Seiana warm an.
"Ich freu mich sehr. Aber sag doch mal. Wie ist es dir ergangen?"
Eigentlich wollte ich wissen warum sie zurückgekommen war, aber ich scheute mich gerade das so direkt zu fragen. Komisch... ich glaube, ich war noch ein bisschen verlegen wegen der brieflichen Auseinandersetzung. Und wir hatten uns so ewig lange nicht gesehen. -
Hannibal war... tot...? Kalt, eiskalt schnürte es mir die Kehle zusammen und ich wurde kreidebleich. Den Blick auf einen fernen Punkt gerichtet, ohne zu sehen, ohne fassen zu können was geschehen war, hörte ich Celestes Bericht. Es war entsetzlich.
"Nein. Nein..." hörte ich mich sagen. Dann presste ich die Hand vor den Mund und zwang mich zuzuhören. Bis zum Ende. Ich war schockiert. Wie benommen. Ja, solche Dinge passieren. Ständig werden irgendwelche Sklaven gekreuzigt. Aber solche Dinge geschehen fremden Leuten. Nicht in meiner Welt. Nicht jemandem, den ich kenne. Den ich geliebt habe.
Sicherlich war ich töricht und er anderweitig interessiert, sicherlich endete es als eines meiner schlimmsten amourösen Desaster, eigentlich sogar als das schlimmste, sicher hatte ich ihm am Ende alle Furien an den Hals gewünscht, aber doch... ich habe Hannibal geliebt."Ich... weiß es nicht" sagte ich tonlos. Die Worte wollten nicht aus meinem Mund. Gepresst, nur gegen einen Widerstand nahmen sie Gestalt an. Ich wollte aufspringen und aus dem Raum stürmen, aber ich blieb sitzen, wie gelähmt von der Nachricht.
"Ich... habe einmal versucht, ihn freizukaufen aber... damit habe ich alles nur viel schlimmer gemacht." stammelte ich, völlig entsetzt von der Vorstellung, dass ich möglicherweise zu diesem grauenvollen Ende beigetragen hatte. Hatte er mir nicht vorgeworfen, ich hätte ihm bei seinem Herrn damit geschadet, als ich ihn zuletzt gesehen hatte, im Amphitheater?!
"Aber sein Herr ist... gerecht... er war mein Centurio, im Krieg... und er war immer gerecht... Ich glaube nicht... ich kann mir einfach nicht vorstellen dass er ihn... grundlos... zu dieser Folter verdammt hat!"
Flavius Aristides, der joviale Centurio, der auch mal fünfe gerade sein ließ, der mir eine Menge beigebracht hatte, der immer für uns eingestanden war, es wollte nicht in meinen Kopf hinein dass er Hannibal auf grausamste Weise hatte hinrichten lassen!...Ravenna. Eine schmale Gasse am Hafen. Der Geruch von Salz und von Abfall der in der Sonne gärt. Wir waren gerade an Land gegangen, der Centurio hatte aus dem Osten einen kleinen Löwen für seinen Sohn mitgebracht. Und Hannibal kam um ihn zu empfangen. Bei der ersten Gelegenheit verzogen wir uns in diese Seitengasse, Hannibal und ich, und tauschten heiße Küsse aus. Mit der Aussicht auf ein Widersehen in Rom. In Rom ging es dann schief. Aber in Ravenna hatte ich geglaubt, es könnte was werden, und wenn ich an die Momente in dieser schäbigen Seitengasse zurückdachte, an Hannibals funkelnde Augen, so wunderschön rehbraun, an sein Lächeln, immer etwas süffisant, an seine stürmische Umarmung, seine sorglose Selbstsicherheit - dann war es vollkommen unfassbar, dass dieser Mann nicht mehr war.
Meine Wangen wurden feucht, Tränen rollten mir übers Gesicht. Reiß dich zusammen, Soldat!! Celeste schien auch ganz schön mitgenommen. Sie war wirklich nicht so abgebrüht wie sie sich gab.
"Es tut mir leid", murmelte ich, "dass du das ansehen musstest."
Mit beiden Händen fuhr ich mir über die Wangen, atmete tief ein, versuchte verzweifelt mich zu fassen. Candace sah schon zu uns herüber, vom Herd wo sie gerade Holz nachlegte, ihr Blick war zugleich ehrlich besorgt und ziemlich neugierig. -
[Blockierte Grafik: http://img25.imageshack.us/img25/3069/hephaistion.jpg] | HephaistionNachdem ich gesprochen hatte, lehnte ich mich an eine blumenumwundene Säule, den Satyr im Arm, und lauschte den anderen Rednern. Ich war noch ganz beglückt vom Beifall (vor allem dem der göttlichen Sonne!), doch die nächste Lobrede schlug mich schnell in ihren Bann. Bona Dea! Das war große Rhetorik, man hätte meinen können der Mann wäre ein Senator, ach was sage ich – ein Konsul! Ich applaudierte dem Tiberinus lautstark, und als er seinen Becher leerte, tat ich es ihm gleich. Meiner war allerdings schon vorher halbleer. Erstaunlich. Aber das lag wohl daran, dass mein Satyr gerade nicht von meiner Seite weichen konnte.
Der darauf folgende Silenus beindruckte mich weniger, aber dann! Dann sprach die göttliche Sonne selbst. Aton! Ich war hingerissen, ich hing an seinen Lippen, ich bestaunte die Eleganz seiner geschliffenen Wortgebilde. Gleichwohl schien ein Schatten über ihm zu liegen, eine Wolke das goldene Licht zu trüben. Es war nicht leicht zu sagen woher dieser Eindruck stammte... es war als hielte er sich zurück den ganzen Umfang der Stimme auszunutzen, als hemme eine unsichtbare Kraft den freien Fluss der Gesten. Nichtsdestotrotz nahm die Klarheit dieser großen Gedanken mir schier den Atem, und ich ergötzte mich mit einem Anflug von Ehrfurcht nicht nur an der Schönheit des Redners, sondern darüber hinaus der Schönheit seines Geistes, welche sich hier offenbarte.
"Fantastisch! Fabulös! Fulminant!" rief ich ganz begeistert als er geendet hatte, und spendete dazu frenetischen Applaus.
Es war wirklich gut, dass ich als erster aufgesprungen war, sonst hätte ich mich nach diesen illustren Reden vielleicht gar nicht mehr getraut das Wort zu ergreifen. Der Pluto sprach sogar in mitreißenden Versen, die mich mehrfach auflachen liessen. Es war herrlich und dazu urkomisch diese Reime aus dem Munde so eines finsteren Gesellen zu vernehmen.
"Bacchus ist der Herr der Götter!", widerholte ich lachend, mit vielen anderen mehr oder weniger zugleich, die letzten Worte. "Sic est!"Bacchus' vielgepriesener Gabe hatte ich schon so reichlich zugesprochen, dass mich jetzt ein dringendes Bedürfnis überkam. Ich verließ den Saal, ließ mich von meinem Satyren zur Latrine geleiten, und ich muss sagen, sogar dieser Ort war olympisch, mit rotgeädertem Mamor, goldfarbenen Zierleisten und parfümierten Spülschwämmen. Das hatte dann schon etwas von "typisch neureichem" Geschmack. Nachdem ich mich erleichtert hatte, suchte ich auch noch das Vomitorium auf und verschaffte mir wieder etwas Platz im Magen. Dermassen gepflegt hatte ich mich noch nie übergeben. Auf einem Zweiglein Minze kauend kehrte ich in den olympischen Saal zurück.
Dort wurde gerade ein afrikanisch inspirierter Gang serviert: Gazellen im Dattelmantel, Elefant an Olive, Kamelohren in Aspik und noch allerlei andere wunderliche Dinge. Der Duft exotischer Gewürze durchzog den ganzen Saal, es roch ein bisschen wie auf dem Basar von Antiochia.
"Bring mir etwas von dem, und von dem, und dann von dem Riesenvogel da..." schickte ich meinen Satyren los, und steuerte wieder meinen Platz an. Dabei lief ich den leibhaftigen Parzen in die Arme.Es waren drei junge (und nicht mehr ganz so junge) Damen, die mich mit einem Mal umringt hatten. Sie waren auch schon äusserst heiter, und kippten geübt ihre Becher, als sie sich gackend um mich herum drängten.
"Wen haben wir denn da...?" kicherte die erste, die eine Spindel trug, von der sie einen langen Wollfaden abwickelte.
"Wenn das nicht...." fuhr die zweite fort, die den Faden langsam zwischen den Fingern entlanggleiten ließ,
"...ein junger, makedonischer Stier ist!" schloss die dritte triumphierend, und wackelte bedrohlich mit einer großen Schere. Ihre Stimme war auffallend grell, und überhaupt waren die drei irgendwie unheimlich... Kannten die mich? Spielte Atropos etwa auf meine Verwandschaft mit dem großen Meridius, dem Stier von Tarraco an?? Wohl kaum, sagte ich mir, ich jedenfalls kannte diese Weiber bestimmt nicht.
"Ähm... edle Spinnerinnen, Schicksalsweberinnen, ich bitte euch: lasst mich passieren!"
"Erst spinnen wir deinen Lebensfaden! Kchchch..." kicherte Klotho, und zog den Faden so rasch von der Spule, dass die Spindel rasend schnell herumwirbelte.
"Knüpfen ihn..." grinste Lachesis, und schlang den Faden zu einem ganzen Wirrwarr von Knoten. "Eheu! Ich sehe mächtige Widerstände auf deinem Pfad, junger Held! Was verborgen ist in der Tiiiefe, es strebt an Licht. Ooohh... Der Abgrund so nahe... Schweeere Kämpfe und große Irrwege!"
Sie verdrehte die Augen bis man das Weiße sah. Ihre Lider flatterten. Ich war ja nicht abergläubisch, aber etwas unbehaglich war mir jetzt schon zumute.
"Genieße die Zeit, die dir noch bleibt, junger Held!" keckerte Atropos. Ihr Grinsen hatte etwas diabolisches. "Bevor das Schicksal zuschlägt!" Und damit schloss sie die Schere, mit einem lauten Klacken, und durchschnitt meinen Lebensfaden.
Brr! Das war gruselig. Ich schauderte, blieb starr stehen, als sie von mir abließen und weitergingen. Sah, wie sie die Köpfe zusammensteckten und kichernd noch einmal zu mir zurücksahen, bevor sie zwischen den Gestalten der anderen Gästen verschwanden.Als würde eine Blase um mich herum platzen, setzte die Musik wieder ein, und löste meine Erstarrung. Oder hatte sie die ganze Zeit schon gespielt, und ich sie nur nicht gehört? Ich schüttelte das Unbehagen ab, schließlich lässt sich ein makedonischer Feldherr nicht von drei keckernden Vogelscheuchen ins Bockshorn jagen, und ging weiter, zurück zu den Klinen. Einem plötzlichen Impuls folgend ließ ich mich aber nicht bei meinem ursprünglichen Begleiter und der schönen Athene nieder – da wäre es mir auch zu eng geworden. Statt dessen setzte ich mich nonchalant auf den Rand der Nachbarkline, die sich Aton als Lager auserkoren hatte. (Hephaistion war auch ein Eroberer!)
"Darf ich? - Göttliche Sonne, ich möchte Dir sagen, in welch Verzückung mich Deine Laudatio auf unseren edlen Gastgeber versetzt hat! Mir ist, als habe ich nie schönere, und niemals wahrere Worte gehört."
Ein tiefer Atemzug hob und senkte meine Brust, gab meiner Euphorie Ausdruck. Ich trank einen Schluck, sah Aton über den Rand des Bechers hinweg einen langen Augenblick an, stellte das Trinkgefäß dann zur Seite. Mit einer koketten Handbewegung strich ich mir eine Strähne meines langen falschen Haares hinter die Ohren und fuhr feurig fort:
"Begeisterung hat mich ergriffen, wie ein Feuerbrand entflammt sie meine Seele! Aton, goldenes Licht, Deinen rauschhaft schönen Reden gebührt die höchste Ehrerbietung..."
Ich beugte mich näher zu ihm. Meine Finger spielten mit dem Stengel des Minzzweiges. Das war aufregend... ich hatte ein flatterndes Gefühl im Magen.
"Und auch den Lippen, über deren Schwelle solch wundervolle Worte in die Welt getreten sind... gebührt Huldigung..."
Mein Blick verlor sich in den Augen der göttlichen Sonne. Meine Lippen öffneten sich ganz leicht, noch um einen Fingerbreit beugte ich mich näher und harrte der Dinge die da kamen.[Blockierte Grafik: http://img83.imageshack.us/img83/2044/signaturconvimmortal.gif]
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Es war faszinierend, den Waffentanz der Salier aus nächster Nähe betrachten zu können. Der Weg war nicht ganz kurz, aber die Tänzer hielten sich gut - für Zivilisten. Trotzdem fragte ich mich während der Prozession ob es nicht Mars wohlgefälliger wäre, richtige Krieger mit dieser Aufgabe zu betrauen. Wahrscheinlich waren damals, in der Vorzeit als der Brauch entstand, die Unterschiede noch nicht so groß gewesen und alle Männer irgendwie auch Krieger gewesen, aber heutzutage würde ja keiner dieser Patrizier auch nur im Entferntesten daran denken mit einer Waffe in der Hand Rom zu verteidigen.
Im prunkvoll geschmückten Circus wurden wir noch einmal platziert, und mit dem großen Opfer fand der Ritus seinen Abschluss. Ehrfürchtig sah ich, mit welch Präzision die Tiere getötet wurden, und wie tausende andere atmete ich auf als der günstige Ausgang verkündet wurde. Nun begann das Fest, und da hatte ich meinen Männern eine freudige Mitteilung zu machen. Erstmal führte ich sie natürlich geordnet aus dem Circus, aber vor dem kolossalen Gebäude ließ ich halt machen und verkündete.
"Milites! Der Praefectus hat verfügt, dass ihr den Rest des Tages dienstfrei habt. Rückkehr in die Casta spätestens zur hora duodecima! Bis dahin könnt ihr feiern, aber denkt daran, jeder einzelne von uns repräsentiert hier die CU. Also trinkt nicht zuviel und verprügelt keine Prätorianer. Ansonsten viel Spaß. Abite."
Das sorgte für Freudenrufe. Es war auch großzügig von unserem Kommandanten. Ja, Vescularius war in der Truppe zurecht sehr beliebt.
Die Männer zerstreuten sich, mischten sich in kleinen Grüppchen unters Volk. Ich löste den Kinnriemen meines Helmes, nahm ihn ab und fuhr mir mit den Fingern durch die Haare. Dann besorgte ich mir einen Becher gewässerten Wein und schlenderte ein Stück durch die festlichen Strassen. Müssig und entspannt lauschte ich den Strassenmusikanten und freute mich an dem bunten Treiben. -
"Mhm." machte ich skeptisch, zuckte dann die Schultern. Ich konnte mir nicht vorstellen das das funktionierte, aber wahrscheinlich konnte man die Verhältnisse in unserem wunderbaren Moloch Rom und im barbarischen Hinterland nicht mit den selben Maßstäben messen.
Die Vehemenz, mit der Alaina über die Sklaverei herzog, wunderte mich. War sie vielleicht selbst eine Liberta? Oder eine geflohene Sklavin womöglich? War das der Grund für ihr ungewöhnliches Herumreisen, wollte sie nicht gefunden werden? Je länger wir uns unterhielten, um so dubioser erschien mir die Scriba meines Adoptivvaters.
"Die Alternative ist es, jeden Gefangenen im Krieg gleich hinzurichten. Das fände ich grausam. Darf ich fragen, Alaina, hast du Erfahrung mit dem Leben im Sklavenstand?" -
Angespannt verfolgte ich, wie die Lupa sich ans Werk machte, und wiederum war ich beindruckt von ihren Verführungskünsten. Es wirkte so mühelos, so spielerisch, der Anblick wie sie unseren Verdächtigen umgarnte erinnerte mich an eine Katze auf Mäusejagd. Sobald die beiden miteinander abzogen, verließ ich meine dunkle Ecke und sammelte hastig meine Männer ein. Jedenfalls die, die ich gerade in den Getümmel wiederfinden konnte, das waren Musca und noch zwei weitere.
“Auf! Wir haben unsere Ratte ausfindig gemacht. Folgt mir in etwas Abstand. Auf mein Kommando schnappen wir ihn uns. Aber tut der Frau bei ihm nichts, sie ist unser Lockvogel.“, befahl ich mit gedämpfter Stimme.
Wir hefteten uns an die Fersen des Pärchens, ich zuerst um die beiden im Auge zu behalten, die anderen blieben ein Stück zurück, um nicht die Aufmerksamkeit des Vernarbten auf sich zu ziehen. Wie schon lange nicht mehr verspürte ich die belebende, aufputschende Wirkung der Gefahr. Im finstersten Viertel der Stadt, auf der Jagd nach einem skrupellosen Meuchelmörder! Da strömt das Blut schneller durch die Adern, die Sinne schärfen sich. Ich trat leise auf, hielt mich in den tiefen Schatten am Rand der krummen Gasse. Ohne Rüstung und in weichen Sandalen war ich so gut wie lautlos, aber ich vermisste schmerzlich die Sicherheit meines eisernen Harnischs. Ohne ihn konnte ein einziger Messerstich schon tödlich sein... Nervös lockerte ich meinen Dolch in der Scheide, dann spähte ich vorsichtig um einen Mauervorsprung herum. A propos finsterstes Viertel, es war wirklich stockduster. Ich sah die beiden vor uns nur mehr schemenhaft. Sie waren stehengeblieben, ich hoffte nur dass der Mann nicht Lunte gerochen hatte. -
Ich habe ein Problem mit meinem Internetzugang und muss mich bis auf weiteres abmelden.
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Zitat
Original von Titus Duccius Vala
Mit gemischten Gefühlen ob des heutigen Anliegens erschien Vala vor dem Tor des großen Stadtcastellums, und just als die Wachen ihn kurz untersuchen, und dann durchwinken wollten, weil sie davon ausgingen, dass er eh wieder zum Prätorianerpräfekten wollte, winkte Vala ab."Heute nicht, Leute. Ich möchte zum Stadtpräfekten, und ich hab keine Ahnung, wo ich den finde. Wenn mir einer von euch also den Weg zeigen würde?"
"Im kleineren Flügel der Principa." antwortete kurzangebunden einer der Wächter. "Aber ohne Termin hast du schlechte Karten."
Der Duccier wurde durchsucht und beim Vorzimmer Salinators abgeliefert, wo er sein Glück versuchen konnte.[Blockierte Grafik: http://img146.imageshack.us/img146/8347/cumilesdt0.png]