Beiträge von Faustus Decimus Serapio

    Matt nickte ich Onkel Mattiacus zu, als er sich zurückzog, und ich mit Onkel Livianus alleine blieb. Niedergeschmettert von dem eben Gehörten starrte ich auf meine Hände, die ich fest verschränkt hatte, und ebenso krampfhaft klammerte ich mich an die beruhigenden Worte meines Onkels. Wenn er sagte, dass alles gut würde, dann würde auch alles gut werden… hoffentlich. Aber was er mir aus dem Senat berichtet hatte, war unglaublich. Kein Wunder, dass der Princeps Prior Peltrasius, nach dem Auftauchen des Germanicers in der Castra, derart gegen mich eingenommen war.
    “Onkel, dieser Germanicer verbreitet Lügen über mich. Blanke Lügen! Ein Mordversuch?! Er behauptet, ich wäre wegen eines Mordversuchs verhaftet worden?! Atroz!! Das ist ungeheuerlich! Ich habe niemanden angegriffen, damals, ich habe auch keine Waffe gezogen, ich weiß nicht wie der überhaupt darauf kommt! Es ist eine bodenlose Gemeinheit sowas dem Senat vorzulügen.“
    Ich konnte nur noch den Kopf schütteln. Das war so niederträchtig!


    “Bevor ich sub aquila gegangen bin, habe ich nie, wirklich nie, jemanden angegriffen oder verletzt!“ , verteidigte ich mich aufgewühlt, dabei hatte Livianus mich ja gar nicht beschuldigt. Aber was mein Onkel von mir dachte war mir sehr, sehr wichtig. Und mich regte dieser absurde Vorwurf um so mehr auf, als ich damals doch echt noch ein harmloser Junge gewesen war, ein Lämmchen geradezu, erst später in der Legion hatte ich gelernt, meine Hemmung davor, anderen wehzutun, zu überwinden. Ach, ich hatte diese blöde alte Geschichte so satt!
    “Ausser mal eine Balgerei, oder so, aber ich habe vor der Legion nie jemanden ernsthaft angegriffen um ihm wirklich zu schaden! Gut, einmal habe ich einem Mann einen Tonkrug an den Kopf geworfen, einen schweren, aber das war ein Messerstecher, ein Handlanger von einem üblen Bandenführer, der mich mit der Sica aufschlitzen wollte!“, präzisierte ich, um hier nur ja nicht die Unwahrheit zu sagen. Und zum wiederholten Male versuchte ich mich zu beruhigen, trotz meiner Empörung. Ich wusste ja genau, dass Onkel Livianus es nicht gerne sah, wenn man so die Beherrschung verlor.
    “Glaubst Du mir?“

    Zitat

    Original von Herius Hadrianus Subdolus


    Die markige Antwort, das knappe Lächeln, sie fügten sich gut in den ersten Eindruck dieses Fremden. Ich überlegte, ob die Gens Hadriana mir bekannt war, assoziierte mit dem Namen aber lediglich einen Gewandhandel.
    “Dann danke ich Dir.“, sagte ich ernst und feierlich. “Wir stehen in Deiner Schuld, Hadrianus.“
    Mein Onkel würde es ihm sicherlich vergelten, aber vielleicht könnte ich ja auch mal was für ihn tun. Ich muss sagen, er wirkte ausgesprochen bescheiden angesichts der Heldentat, die hinter ihm lag – und die mich natürlich sehr interessierte.
    “Wie ist es euch gelungen ihn zu finden?“, fragte ich wissbegierig. “Ich habe das Land erlebt, als ich mit der Prima dort war, als Miles, und es ist so… endlos und fremdartig.“

    Per omnes deos! Unnahbar. Eine Mamorstatue! Wie kam dieser verdammte Autor bloß da drauf? Ich ergriff wahllos eines der Schriftstücke auf dem Tisch und fächelte mir hastig etwas Luft zu. Celestes fragender Blick machte mich noch konfuser. Ich hob die Hände, in einer ratlosen Geste, zuckte energisch die Schultern, zog ein verwirrtes Gesicht und murmelte:
    “Also, was da heute wieder für ein Unsinn drinnen steht…“
    Just kam mir eine Idee. Mein Blick heftete sich auf Celeste. Sie war nett, sie war hübsch, sie war, auch von den Formen her, für eine Frau relativ unbedrohlich. Ich sollte ihr den Hof machen. Wenn ich eine Freundin hätte, würde so Gerede gar nicht erst aufkommen. Aber ob das gutgehen würde? Ich bemerkte, dass ich sie anstarrte, und wandte rasch den Blick zur Seite, sah hochinteressiert aus dem Fenster.
    “Mhm. Interessant. Danke.“
    Ich räusperte mich. Was war es noch, was ich sonst noch gewollt hatte? Ach ja. Betont geschäftsmäßig fuhr ich fort:


    “Dann zu etwas anderem. Ich möchte, dass Du ein paar Dinge für mich herausfindest. Zum einen in Bezug auf ein Verbrechen, welches schon eine Weile zurückliegt. Und zwar muss ich wissen, wann und wo in der Subura die Wettkämpfe im Rattenbeissen abgehalten werden. Die großen, bei denen die Favoriten auftreten. Erstens. Ausserdem ob Ultor noch aktiv ist und wann er auftritt. Zweitens. Und…“ Ich zögerte kurz, denn das waren vertrauliche Informationen. Aber ich war in der Hinsicht auf Celeste angewiesen. “…und bitte sieh Dich um, ob Dir in diesem Milieu ein Mann auffällt, der viel wettet, bevorzugt auf Ultor, mit Einsätzen, die mal gering, mal sehr hoch sind. Mittelgroß, schwarze Haare, struppiger Bart – falls er den immer noch trägt - und viele Pockennarben. Drittens.“
    Ich beugte mich vor, und schärfte Celeste ein: “Aber nimm Dich dabei in Acht, und halt Dich fern von ihm, es kann gut sein dass es sich bei diesem Subjekt um einen Raubmörder handelt.“
    Eigentlich war es unverantwortlich, Celeste in diesen Sumpf zu schicken. Sie war ja kein Soldat… Aber sie kannte sich aus, und sie konnte an Orte gelangen wo man uns Urbaner gleich steinigen würde.


    “Das ist noch nicht alles. Bei der anderen Sache geht es um einen Mann, dem Du, ähm, wenn ich das recht verstanden habe, ja früher auch schon einmal auf der Spur warst.“ Es fiel mir schwer, den Namen über die Lippen zu bringen. …Hannibal.“ Jetzt keine Miene verziehen. In unpersönlichem Tonfall sprach ich weiter. “Er hat sich angeblich aus diesen Geschäften ganz zurückgezogen. Angeblich. Aber ich traue dem nicht. Ich will wissen was er zur Zeit, ähm... was er macht. Wie er lebt. Mit wem er in Verbindung steht.“
    Unwillkürlich rieb ich mir den Nacken, blickte Celeste schräg an. “Er darf es aber nicht merken, dass Du Nachforschungen über ihn anstellst, und vor allem nicht, dass ich dahinter stecke, und überhaupt steht das ganze natürlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Der Mann ist vermutlich nicht weniger gefährlich als der Subura-Mörder… Du findest ihn wahrscheinlich in der Villa Flavia. Er ist dort Sklave... –
    Verstanden soweit? Fragen?“


    Meine reizende Begleitung stellte seltsame Fragen. Unter anderen Umständen hätte sie mich damit zum Grübeln gebracht, hier war ich von dem Geschehen auf der Rennbahn ganz und gar in Anspruch genommen.
    “Ne, kneifen gilt nicht! Wir werden’s den Blauen schon zeigen! Seehr unfein, kann man so sagen.“, bekräftigte ich, und lächelte kühn (und sehr bescheiden) als sie meinte, das sei doch gefährlich. “Allerdings. Beim Equus October hat einer sich den Hals gebrochen. Armer Kerl, ein Bäcker, hätte bei seinem Backtrog bleiben sollen, er hatte kein Glück, und nen miesen Wagen, der wurde bloss von Reklame zusammengehalten… - Aurata, AURATA VOR!!!“


    Begeistert jubelte ich unserem goldenen Helden zu, als er sich immer weiter an der Spitze des Feldes näherte. Auch Celeste war jetzt etwas aufgetaut. Als sie nach den Knabbereien griff, fasste ich mir ein Herz und setzte mein Vorhaben in die Tat um: fasste zugleich mit ihr nach den Nüssen und streifte ihre Hand. Erst wie zufällig, dann hielt ich inne, blickte Celeste in die Augen. Tief in die Augen. Mit dem Daumen fuhr ich gefühlvoll über ihren Handrücken.
    Faustus, Heuchler!
    Ich hätte viel darum gegeben zu wissen was sie in dem Moment dachte. Mir jedenfalls war das auf einmal zu viel… Viel zu viel. Ich bekam so ein enges Gefühl in der Kehle, es war einfach falsch.
    Bevor es vollends unerträglich wurde, rauschte eine weitere Welle der Begeisterung durch unseren Block. Patroklos war jetzt ganz vorn! Erleichtert beendete ich die Berührung, sprang auf und brüllte mit den anderen aus voller Kehle: “Patroklos, PATROKLOS, VIVAT!!!“ und alles mögliche andere aufmunternde. Letztendlich kam er zwar nicht auf den ersten Platz, aber der zweite war auch eine tolle Leistung. Ein beachtlicher Erfolg für die Aurata! Und besonders freute ich mich hämisch, dass die Blauen trotz ihrer zwei Gespanne so schlecht abgeschnitten hatten.


    Während der Ehrenrunden sass ich verlegen neben Celeste, und vermied es, sie noch mal direkt anzusehen. Ich sprach ziemlich viel und ziemlich schnell über Wagenrennen, die Raffinessen der Gespanne und so weiter, und als das Rennen vorüber war verabschiedete ich mich so schnell die Höflichkeit es zuließ. Soviel zu meinem gallanten Plan, und soviel zu meinem freien Tag, dessen Rest ich freiwillig in der Castra verbrachte. Ich hatte diese dicken Mauern, hinter denen es nicht ein einziges weibliches Wesen gab, wirklich zu schätzen gelernt.

    Salve Brutus, willkommen in der Gens Decima! Wir nehmen Dich gerne auf. Als Wohnort würde ich Dir Rom empfehlen, da Du dort viele andere Familienmitglieder findest. Die Details können wir nach der Freischaltung per PN besprechen. :)

    Zitat

    Original von Celeste


    Es war ein ungemein spannendes Rennen, schon beim Vorlauf, und ich fieberte mit – jubelte begeistert, als Burolix sich wagemutig an die Spitze setzte, sprang auf und brüllte: “Aurata! Aurata!!! Burooolix! Hast Du das gesehen Celeste! Der hat Schneid! AURATA VICTRIX!!!“ – feuerte ihn an, als er zurückfiel, und schimpfte, als er dann doch nur auf den vierten Platz kam. “Verdammt! Das war soo knapp!! Was soll er denn machen wenn diese verdammten Blauen ihn in die Zange nehmen?!“
    Wütend liess ich mich wieder auf meinen Sitz fallen. Auch die Aurataanhänger um uns – wir saßen natürlich in der goldenen Ecke – machten ihrem Unmut Luft.
    “Hast Du gesehn, das rechte Pferd von diesem Veneta-Halunken, Tolimedes oder wie er heisst, das hat Burolix‘ Leitpferd gebissen! Das hat ihn aus der Bahn gebracht! Die Blauen, die haben keinen Sinn für ein faires Rennen, die wollen um jeden Preis gewinnen, und sei’s mit miesen Tricks! Verdammt! Der Veneta die PEST!“
    Ich schlug mit der geballten Faust auf die Balustrade. Der vierte Platz, das war hart. Gleich musste ich Celeste noch mehr von der Niedertracht des Gegners berichten.
    “Letzten Herbst, da bin ich beim Equus October mitgefahren, mit einer Biga der Aurata, und war auch eine ganze Zeit lang vorne, und selbst dort - bei einem Amateur-Rennen zu Ehren des Mars! – hat der Auriga der Blauen falsch gespielt! Der war tückisch, hat mich hinterrücks mit der Peitsche angegriffen. Aber ich hab sie ihm entrissen und den Bastard Staub schlucken lassen!“
    Ja, da war ich immer noch stolz drauf... Aber hatte ich nicht galant sein wollen?
    “Möchtest Du etwas trinken, Celeste?“
    Von einem Bauchladen-Verkäufer erstand ich zwei gefüllte Becher, und einen Beutel mit Walnüssen und Rosinen, den ich geöffnet zwischen uns platzierte. Ich hatte ja meinen Ovid gelesen, und wusste: ein Wagenrennen ist der ideale Platz um sich näherzukommen, und sehr geschickt ist es, wenn man zuerst einmal ein ‚zufälliges‘ Streifen der Hände herbeiführt, aus dem dann mehr werden kann. (Ich kam mir verlogen vor, aber ist es nicht in Wirklichkeit diese unsere Gesellschaft, die borniert, prüde und verlogen ist?! Und irgendwie musste ich doch in diesem System zurechtkommen, es gab ja nur dieses eine, ich konnte mir kein anderes aussuchen.)


    Schon ging es weiter, dieses Rennen spielte sich wirklich in atemberaubender Geschwindigkeit ab. “Aurata!!! Patroklos!!! Aurataaa!!!“ feuerte ich unseren Favoriten an und wedelte mit meiner goldgelben Lacerna, dann wandte ich mich wieder meiner Begleiterin zu, die bei dem ganzen Gebrüll nicht so recht zu Wort kam.
    “Patroklos ist ein Genie! Ein Veteran der Rennbahn, der seine Pferde immer wieder zu Höchstleistungen treibt. – Gefällt es Dir, Celeste?“
    Bestimmt gefiel es ihr, es war mitreißend, spannend, gefährlich, und echt römisch. Ich lächelte sie strahlend an und wartete darauf, dass sie nach den Walnüssen griff. Um es ihr dann gleich zu tun, und das ‚zufällige‘ Streifen der Hände herbeizuführen.

    [Blockierte Grafik: http://img165.imageshack.us/img165/3010/princepspriorgargoniusrl1.jpg] | Princeps Prior M. Gargonius Marsus



    Eine dicke Fliege hatte sich in den muffigen Raum verirrt. Ihr Summen mischte sich in das Rascheln von Papyrus, das Schaben des Griffels. Träge umkreiste sie die beiden Männer. Gargonius verfolgte sie mit den Augen. Als der Anwärter sich erhob, flog das Insekt höher und nahm auf der Zimmerdecke Platz. Der Optio ergriff die Tabula, vertiefte sich in die Antworten. Wie immer war seine Miene kritisch, wenn auch nicht ganz so kritisch wie gegenüber den ‚intellektuellen Jüngelchen‘, die sich sonst bei ihm zu präsentieren pflegten.
    Erneut ertönte das Summen, erneut schwirrte die Fliege durch den Raum, hatte dann die Dreistigkeit, sich auf Gargonius‘ Schreibtisch niederzulassen. Des Optios Hand zuckte. Böse stierte er auf das Tierchen, hob langsam die Tabula… und schmetterte sie auf die Tischplatte! Es knackte, die Tabula brach entzwei, doch die Fliege hatte er verfehlt. Sie surrte davon. Erbost schnaubte der Alte durch die Nase. Sein Blick verirrte sich zur Amphore. Dann legte er die Bruchstücke vor sich, fügte sie zusammen.


    “Bestanden. Glückwunsch. Melde dich im Valetudinarium zur Untersuchung.“
    Und wieder erhielt der Terentier eine (heile) Wachstafel, auf dieser waren die Angaben, die er gemacht hatte knapp vermerkt.
    “Zeig die vor. Wenn du dort für tauglich befunden wirst, gehst du in die Rüstkammer, holst dir deine Ausrüstung ab und meldest dich dann in der Baracke der … hm… vierten Centurie der ersten Kohorte.“
    Die erste Kohorte, weil der Anwärter, soweit das überhaupt möglich war, einen guten Eindruck auf den Alten gemacht hatte.
    “Dann legst du die Ausrüstung an und schwörst in voller Montur den Fahneneid, und danach darfst du, so du die Grundausbildung überstehst, dem Kaiser zwanzig Jahre lang dienen. Wegtreten!“






    [Blockierte Grafik: http://img165.imageshack.us/img165/3010/princepspriorgargoniusrl1.jpg] | Princeps Prior M. Gargonius Marsus



    Wohlgefällig notierte der Optio die Schreinerei, merkte kurz auf bei der Erwähnung des früheren Centurio, kommentierte die übrigen Erklärungen nur mit: ”Hmhm.”
    Er musterte den Terentier noch einige Atemzüge lang scharf, vollkommen unbeeindruckt von dessen patriotischen Worten.
    “Natürlich.“ knurrte der Alte dann sarkastisch. Damit endete der inquisitorische Teil. Wieder glitt der Stylus über die Tafel, dann schob Gargonius dem Terentier ebenfalls eine Tabula zu, auf der einige Fragen vermerkt waren, bei denen es sich um den kleinen Aufnahmetest handelte.
    “Setzen, Fragen beantworten!“ befahl Gargonius mit einem Fingerzeig zu einem kleinen Nebentisch.





    Zitat

    Original von Celeste


    Wagenrennen! Endlich wieder Wagenrennen! Und dazu ein freier Tag, den mir der Stadtpräfekt höchstpersönlich erlaubt hatte. Das Leben hätte so schön sein können! Aber seitdem ich erfahren hatte, was für üble Nachrede von Germanicus-Seite über mich verbreitet worden war, hatte ich das Gefühl, dass alle Welt mich schief ansah. Ich musste mir echt einen Ruck geben, um ohne den Schutz meiner Rüstung und ohne eine Patrouille im Rücken die Castra zu verlassen. Aber ich war ja verabredet. Und verstecken wollte ich mich auch nicht.
    Unterwegs erwarb ich ein paar Blumen für meine Verabredung. Was tat man nicht alles für eine nette Fassade. „Mamorstatue“! Ich könnte den anonymen Actaschreiber erwürgen. Nach „unnahbar“ kam wahrscheinlich „eingefleischter Junggeselle“, und danach – besser gar nicht dran denken.
    Gekleidet in meine neueste Eques-Tunika, die sehr modische, leicht angeschrägte Ärmel, einen figurbetonten Schnitt und satte Angusti Clavi besass, und die ich mit dem Cingulum Militare gegürtet hatte, durchquerte ich die Stadt und näherte mich dem Circus. Um die Schultern trug ich eine leichte Lacerna in Aurata-Farben, ich grinste allen anderen Aurata-Anhängern zu und tauschte grimmige Blicke mit den Veneta-Fans. Ich war gespannt ob es wohl später noch zu Prügeleien kommen würde.


    Schliesslich erspähte ich meine Verabredung an der Efeu-Säule, dem ausgemachten Treffpunkt. Ich hob grüssend die Hand, drängte mich zu ihr durch, und erschien vor ihr mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen.
    “Salve Celeste!“
    Ganz selbstverständlich beugte ich mich zu ihr, und gab ihr einen leichten Kuss – auf die Wange – in der selben Bewegung drückte ich ihr die Blumen in die Hand. Es war, passend zur Factio, ein Strauss von goldgelben, blassgelben und rotgelben Löwenmäulchen.
    “Du siehst fabelhaft aus!“ Und was für eine aparte Tunika. „Ist die von Ducetius et Glaucides?“ rutschte es mir heraus bevor ich’s mich versah. “Ähm… ich hoffe Du musstest nicht zu lange warten! Ja dann, lass uns mal reingehen…“
    So galant ich’s vermochte geleitete ich meine hübsche Alibi-Verabredung durch das Gedränge hinein in den riesigen Bau, und suchte uns zwei Plätze, die so nahe wie nur möglich an der Rennbahn lagen.
    “Oh, sie verlosen schon die Startplätze…“, bemerkte ich, und hoffte auf einen guten Ausgangspunkt für Burolix. “Sind die Plätze in Ordnung, Celeste? Könnte etwas staubig werden später, aber dafür ist man hier ganz nah dran!“

    [Blockierte Grafik: http://img165.imageshack.us/img165/3010/princepspriorgargoniusrl1.jpg] | Princeps Prior M. Gargonius Marsus



    Wenn es etwas gab, was den mürrischen Alten besänftigen konnte, dann waren es Haltung und zackige Antworten. Gargonius sah mit Wohlgefallen: Da draußen gab es anscheinend doch noch Soldatenfamilien, die ihre Kinder anständig erzogen!
    Aus Prinzip hatte er trotzdem was auszusetzen, doch seine Stimme klang verdächtig gerührt, als er den Anwärter kurz zurechtwies:
    “Das heißt: ‚Mein Name ist, et cetera et cetera – Princeps Prior!‘ - Verstanden Tiro?“


    Langsam und sorgfältig notierte Gargonius die Angaben mit der linken Hand, dann folgten die nächsten Fragen.
    “Hast du ein ordentliches Handwerk erlernt? Oder kannst du lesen, schreiben? Ausländische Sprachen?“
    Die Miene des Optios machte deutlich, dass er vom Handwerk sehr viel hielt, von den anderen Dingen umso weniger. Darauf beugte er sich vor, fixierte den Terentier mit durchbohrendem Blick.
    “Jemals mit dem Gesetz in Konflikt geraten, Tiro?“




    “Hier.“ Der Miles, der den Anwärter am Tor im Empfang genommen hatte, hielt vor einer dunklen Holztüre inne, die halb offen stand. Er klopfte, trat ein und bedeutete Tuscus ihm zu folgen. In dem langgestreckten Raum stand ein schwerer Schreibtisch, an dem thronte ein älterer Optio, der soeben damit beschäftigt war eine kleine Amphore zu verkorken – mühsam, denn der Mann besaß nur noch einen Arm. Unwirsch sah er auf als er Besuch bekam. Es roch nach Staub in dem Raum, die Luft war abgestanden.
    “Salve Princeps Prior Gargonius.“ grüßte der Torwächter ungerührt und salutierte. “Ein neuer Rekrut.“
    Worauf er Tuscus kurz zunickte und ihn dann mit dem alten Optio alleine ließ.



    [Blockierte Grafik: http://img165.imageshack.us/img165/3010/princepspriorgargoniusrl1.jpg] | Princeps Prior M. Gargonius Marsus


    Mürrisch richtete sich der Blick des Invaliden auf den Terentier. Die letzten Anwärter hatten allesamt die Probatio nicht durchgestanden, was den Alten in seinem Urteil über die heutige Jugend einmal wieder bestärkt hatte. Ohne Hast stellte er die Amphore zur Seite, ergriff Stylus und Tabula, dann erhob er mit einem Mal die rauhe Stimme, die auf dem Campus perfekt gewesen wäre, in den Wänden des Zimmer aber viel zu laut erschallte.
    “Name? Alter? Geburtsort? Name der Eltern? Römischer Bürger? Ledig?“ bellte der Princeps Prior , und darauf:
    “Warum willst Du Soldat werden, Tiro? Warum bei den Cohortes Urbanae?“




    Geübt fuhren die Hände des Miles an den Konturen des Anwärters entlang, überprüften sorgsam ob sich da eine Waffe fand. Darauf richtete der Soldat sich wieder auf, streckte einen Augenblick lang seinen Rücken und befand:
    “Sauber. – Komm mit Terentius, ich bring dich in die Principa.“
    Ein anderer Wächter vermerkte im Wachbuch: Potitus Terentius Tuscus, zur Probatio, während der untersetzte den Neuen durch den Torbogen ins Innere des Lagers führte, schnurstracks die Via Praetoria entlang, dann in die Principa und quer über den Innenhof…




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    “Bitte Onkel. Was genau hat er über mich gesagt?“, hakte ich verzweifelt nach, denn die Worte Livianus‘ hatten den Nebel in dem ich hier herumirrte keineswegs gelichtet. Wahrscheinlich hielt mein Onkel es so vage, weil es ihm unangenehm war, diese Dinge beim Namen zu nennen. (Über so etwas spricht man ja auch nicht. Denn wir Decimer, wir sind erfolgreiche Aufsteiger: Überflieger mit reiner Toga, unglaublichen Karrieren und sprichwörtlicher Potenz. So soll es sein, und der Rest ist Schweigen.)
    Tief atmen. Ruhig Blut. Unangenehm war kein Ausdruck für meinen Gemütszustand. Aber ich musste wissen was der Germanicer über mich in Umlauf gebracht hatte.

    Nun trat das Erkennen in die Augen meines verehrten Onkels, dazu eine gehörige Verwirrung, und wie er so bewegt seinem Sohn gegenüberstand, seinem eigen Fleisch und Blut, das er fraglos gleich herzlich in die Arme schliessen würde, versetzte es mir einen heftigen Stich. Ein Dorn stak in meinem Herzen, und eine Stimme in meinem Hinterkopf raunte mir leise zu: Faustus, nun bist Du überflüssig.
    Ich zog mich zurück, überliess die beiden ihrem Wiedersehen, oder nein, Kennenlernen. Hadernd griff ich mir ein Glas Wein und trank ohne dessen Geschmack wahrzunehmen. Wie sollte ich, der ich, was immer ich auch tat, doch stets der missratene Neffe blieb, jemals gegen diesen nagelneuen, schicksalsgesandten Sohn ankommen?
    Am liebsten hätte ich mich gleich wieder aus dem Staub gemacht, doch vor der Familie wollte ich Haltung bewahren, und außerdem musste ich Livianus noch von meiner Meldung beim Stadtpräfekten berichten. Falls er sich später mal von seinem verdammten Sprössling losreißen konnte.


    Niedergeschlagen ließ ich mich auf einer Kline etwas abseits nieder. Mein Tunnelblick fiel auf eine Schale Oliven, von denen ich mir ein paar in den Mund schob, dann auf den Herrn auf der Nebenkline, der ein wenig abwesend wirkte – es war der kahlköpfige, raue, der mir schon beim Eintreten aufgefallen war.
    “Salve“, sprach ich ihn an, und lächelte flüchtig. Nichts ist besser als ein interessanter Mann um die Laune zu heben. “Ich bin Faustus Decimus Serapio. Darf ich fragen, ob Du an der Befreiung meines Onkels beteiligt warst?“
    Meine Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet fiel mir auf, dass er irgendwie fehl am Platz hier wirkte. Aber nicht wegen der Reisekleidung. Eigentlich konnte ich gar nicht sagen woher dieser Eindruck rührte.

    Wonach es mich bei dieser Hitze am meisten verlangte, war ein Sprung ins Frigidarium, oder ein Ausflug ans Meer. Am allerwenigsten gelüstete es mich nach Zahlen. Aber als Celeste mir so eifrig einen Zwischenbericht anbot wollte ich ihren Enthusiasmus nicht bremsen.
    “Ja. Ein Zwischenbericht. Sehr gern. Nachher.“ antworte ich pflichtbewusst. Es waren ja eigentlich immer noch die Ländereien meiner Tante, und ich sollte sie bei Lucillas nächstem Besuch besser in gutem Zustand vorzeigen können!


    Aber die Acta war mal wieder viel spannender, und, wer hätte das gedacht, ganz besonders dann wenn es um mich ging. Ich grinste fröhlich bei dem Wort Eques, ganz entspannt weil ich schon erfahren hatte, dass es nicht beim Vorschlag geblieben war.
    “Ein Eques ist… hm, also früher, in der Zeit der frühen Republik, als wir noch ein Volksheer hatten, war ein Eques einfach ein Bürger, der sich ein Pferd leisten konnte. Und die Waffen, um seinen Dienst als Soldat beritten abzuleisten. Aber heutzutage, wo wir die weltbeste Infanterie haben, ist der Kampf zu Pferd zweitrangig geworden, und wir überlassen ihn zum Großteil den Hilfstruppen. Es gibt noch kleine Reiter-Turmae bei den Legionen, aber eher als Meldereiter oder Aufklärer“, erklärte ich mit fachmännischer Miene. “Eques bezeichnet heute viel häufiger einen Angehörigen des Ordo Equester, des Ritterstandes. Du hast sicher schon davon gehört, dass dieser seit dem göttlichen Augustus viel an Bedeutung gewonnen hat. Viele militärische und administrative Ämter sind in Ritterhand. Der senatorische Ordo wird ja schon so lange weitergereicht, dass viele dieser alten Familien längst verkommen sind, und immer weiter degenerieren, der Ritterstand bildet da ein dynamisches, kaisertreues Gegengewicht! Die Voraussetzung, um erhoben zu werden ist ein gewisses Vermögen, man muss sich verdient gemacht haben, und ohne die richtige Fürsprache läuft gar nichts. Oder, naja, manchmal reicht es wohl auch aus die richtigen Leute zu kennen oder den richtigen Namen zu tragen, ohne sich jemals verdient gemacht zu haben.“
    Ich rümpfte die Nase, fand aber, dass dies die Ehre der Erhebung derer, die es sich wirklich verdient hatten, nicht schmälerte.
    “Wie überall eben“ schloss ich philosophisch diesen Exkurs.


    “Ich hab die Nachricht schon bekommen - auch wenn die Administratio sie erst einmal nach Mantua geschickt hat! Ab jetzt darf ich schmale Purpurstreifen tragen, und einen Eques-Ring.“ Ich grinste schalkhaft. “Du siehst also, ich bin jetzt eine gute Partie!“, scherzte ich übermütig, Celeste zuzwinkernd.
    “Und wer ist noch erhoben worden? Und was schreiben sie so dazu?“

    “Salve, salve.“ Ein untersetzter Wächter wandte sich dem Terentier zu, musterte ihn von oben bis unten, strich sich dabei das breite Kinn.
    “Da bist du hier richtig. Arme ausstrecken zur Durchsuchung.“
    Der Miles lehnte seine Hasta an die Mauer und trat auf den Anwärter zu, um ihn routiniert auf Waffen abzutasten.





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    Sim-Off:

    Bisher haben die, die nicht mehr weitergeschrieben haben, doch automatisch verloren. Das würde ich auch für den letzten Kampf so halten. :D


    Mit leidender Stimme bedankte ich mich, und nahm das Tuch von Vestinus entgegen. Ich legte es gegen mein armes Ohr, und die Kühle - sowie die Aufmerksamkeit meines Cousins, und das Bewusstsein, dass in der Not immer Verlass auf die Familie war – linderten langsam den Schmerz.
    “Ja!“ Stimmte ich finster zu, als Vestinus aussprach, was ich auch die ganze Zeit schon dachte. “Priscus ist ein harter Hund! Er war mein Ausbilder früher, also einer meiner Ausbilder, und ich sag Dir: der hat’s drauf! Der macht ihn fertig!“
    Das hoffte ich jedenfalls. Ich verschob das nasse Tuch etwas, verzog das Gesicht und rutschte auf dem Sitz hin und her, auf der Suche nach einer einigermaßen bequemen Position.
    “Wegen vorhin muss ich Dir aber noch gratulieren, Cousin. Glückwunsch zur Platzierung beim Speerwerfen! War ja wirklich knapp. Bei Mars und Bellona, Deine Würfe sind nicht von schlechten Eltern!“
    Da ich selbst wenig Talent für diese Disziplin hatte, beeindruckten solche Leistungen mich ganz besonders.

    Zu hören, dass der Stadtpräfekt bereits Bescheid wusste, das gab mir den Rest. Ich wurde noch etwas bleicher, saß da wie vom Donner gerührt. Mich beruhigen?! Mein Magen krampfte sich zusammen. Es ging hier um meine Existenz! Sah das denn keiner?
    “Was…“, fragte ich tonlos, “was hat der Germanicer über mich gesagt? ...Alles?“
    Auch mein Blick ging zu Mattiacus. Er kannte sich aus! Er war eingeweiht in die Mysterien des Gesetzes. Flehend sah ich ihn an, hoffte inständig dass er doch irgendeinen Weg wüsste, auf dem Livianus sein Recht bekam ohne dass ich mich der unvorstellbar grauenvollen öffentlichen Blamage aussetzen musste.