Beiträge von Faustus Decimus Serapio

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    Original von Duccia Venusia


    Da war ich gleich mal mitten ins Fettnäpfchen getreten, aber wer hätte denn ahnen können dass heutzutage auch Germanen so zivilisiert daherkamen? Venusia schien zum Glück nicht zu verärgert zu sein.
    “Ja, sehr!“, erwiderte ich mit verlegenen Lächeln auf ihre Bemerkung hin, denn natürlich war ich positiv überrascht, aber zugleich auch ein wenig enttäuscht, das exotische Bild begraben zu müssen, dass ich mir in Abwesenheit von ihr gemacht hatte. “Aber ich kenne ja sonst auch überhaupt keine Germanen persönlich, muss ich zugeben, also keine freien jedenfalls.“
    Genug. Ich rieb mir die Nase, und versuchte in harmloseres Fahrwasser zurückzufinden.


    “Sie sind prächtig, alle beide“, lobte ich die Kinder. Ehrlich, ich freute mich, das unserer Gens so gesunder, wohlgestalter Nachwuchs beschert war. Trotzdem, wenn ich sah wie sie mit dem Fruchtsaft herumspritzten hielt ich lieber etwas Abstand.
    Venusia erzählte lebhaft, und ich gewann den Eindruck, dass sie viel Familiensinn hatte. “Du bist weit herumgekommen“, staunte ich, Alexandria sogar. Meine Schwester Seiana lebt seit einiger Zeit dort, und berichtet vollkommen begeistert von der Stadt und den Menschen. Ich wünschte, ich könnte sie auch einmal besuchen... aber mein Dienst erlaubt es natürlich nicht. – Du reist lieber über Land als über das Meer? Hm… also, ich finde, wenn gutes Wetter ist gibt es nichts Schöneres als eine Seereise.“
    Ich folgte Venusias Deuten zu den Musikern mit den Augen. “Auf jeden Fall!“ (Hach, der Kitharaspieler, der war schon eine Augenweide.) Gerade bot einer der herumgehenden Sklaven uns ein Tablett mit den iberischen Happen an, ich nahm mir von dem gerösteten Brot mit Sardellen und Knoblauch und verzehrte es mit großen Bissen.

    “Salve Celeste! Heiß heute, nicht?“ begrüßte ich meine Scriba, als ich zu ihr in das Arbeitszimmer trat. In den letzten Wochen hatte unser Arrangement gut funktioniert, erstaunlich gut, und ich war schon ganz zuversichtlich, dass es ihr wirklich gelingen würde auf die Dauer ein anständiges Leben zu führen.
    Erstmal trat ich zu einem Beistelltisch, und schenkte mir aus einer Tonkanne Wasser in einem Becher. Ich trank, spülte mir den Straßenstaub aus der Kehle, lockerte mein Focale und ließ mich leger auf einen der Stühle fallen. In der Hitze war es kein Spaß zu Fuß durch die Stadt zu marschieren.
    “Wie kommst Du so voran? Ich habe heute außerdem einen, oder vielleicht auch zwei Briefe für Dich zu schreiben.“
    Auf dem Schreibtisch erspähte ich ein Schriftstück, das verdächtig nach der neuen Acta aussah. Natürlich interessierte es mich mächtig, ob darin wohl wieder etwas über mich zu finden war, aber zu eitel wollte ich ja nicht erscheinen. “Und, was gibt es Neues?“, fragte ich darum betont gelassen.

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    Original von Duccia Venusia


    Das war meine germanische Tante?! Ich war verblüfft, und ehe ich’s mich versah rutschte mir heraus:
    “Oh, ich hab mir Dich ganz anders vorgestellt!“
    Das Bild der stämmigen Barbarenfrau mit den dicken Zöpfen und dem wilden Blick schmolz dahin, und wandelte sich zu dem der keineswegs grobschlächtigen, und durchaus kultiviert erscheinenden Frau, die da vor mir stand. Ich lächelte entschuldigend, verlegen über meine falsche Annahme und sprach schnell weiter.
    “Ähm. Ich freue mich auch sehr! Dann sind das also mein Cousin und meine Cousine… wie heißen sie denn?“
    Interessiert betrachtete ich die beiden, suchte nach den Merkmalen der Eltern in den kleinen Gesichtern. Ich hatte natürlich schon davon gehört, dass Magnus Zwillinge hatte, ein außergewöhnlicher Gunstbeweis der Götter - und noch außergewöhnlicher war es, dass die Götter Livianus auch welche beschert hatten, wie ich (und er auch) erst seit kurzem wusste. Die Riege meiner erfolgreichen Onkel war eben in allem so herausragend, dass es einen echt einschüchtern konnte.
    Hm... Ob ich Venusia ‚Tante‘ nennen sollte? Lieber nicht, sie sah ziemlich jung aus und könnte es mir übelnehmen.
    “Magnus meinte, Du hättest noch in Germanien zu tun. Schön dass Du es doch hierher geschafft hast! Hattet ihr eine gute Reise?“

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    Original von Potitus Vescularius Salinator
    Potitus hätte fast abermals laut losgelacht. Der Junge mußte wahrhaftig noch viel lernen. "Von meiner Seite aus war es das noch nicht." Sein Blick war stechend geworden. Und vielleicht war es Glück, daß Serapio gerade eintrat. Nachlässig erwiderte Salinator den zackigen Gruß. "Salve, Centurio. Wie Du siehst, erfreut uns Dein Vetter für eine Weile als Tribun. Ich wünsche, daß Du ihn herumführst und ihm alles zeigst und erklärst. Außerdem wirst Du sein Training organisieren."


    Bei Iuppiter, war ich denn ein Kindermädchen?! Ich hatte auch so wirklich genug zu tun und nicht die geringste Lust mich um Senatorensöhnchen Flavus zu kümmern. Musste der überall dort aufkreuzen wo ich war? Schon ihn seinem Vater vorzustellen hatte meine größte Selbstbeherrschung erfordert, jetzt sollte ich ihn auch hier einführen. Das einzige was mich einigermaßen versöhnte war das süffisante Wort „erfreut“ aus dem Munde des Präfekten.
    “Ich verstehe, Praefectus.“
    Bei der Prima hatte ich, am Beispiel des Annaers, ja mitbekommen wie mit senatorischen Tribunen zu verfahren war.

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    Original von Potitus Vescularius SalinatorPotitus' Augenbrauen zogen sich während des Berichtes zusammen. "So etwas gibt es überhaupt nicht. Wo gegraben wird, findet man immer etwas. Je reiner ihre Weste scheint, umso verdächtiger werden sie mir. Bleibt da dran. Und an dem Mordfall auch, solange ihr Hinweise habt."


    Die Ergebnisse der Wettkämpfe nahm Salinator sichtlich wohlwollend zur Kenntnis. "Hervorragend. Meinen Glückwunsch zum Sieg. Ihr habt den Cohortes Urbanae - und auch mir - Ehre gemacht. Das will ich nicht unbelohnt lassen. Zwei Tage frei für euch alle drei, richte es auch den anderen beiden aus. Viel Vergnügen wünsche ich euch."


    Je reiner die Weste, desto verdächtiger also. Hm… das verwirrte mich schon ein bisschen. Bisher hatte ich nämlich nach den schwarzen Flecken gesucht… Aber womöglich musste man so um die Ecke denken, wenn man es mit Fanatikern zu tun hatte…? Man musste sich wohl auf die verkommenen Subjekte einstellen, die man jagte, ihre verworrene Denkweise verstehen, und selbst mindestens ebenso verworren denken, um ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. Bloß: wie sollte man dann überhaupt noch unterscheiden, ob sie sich schuldig gemacht hatten oder nicht? Es war ein Moment des Unbehagens, doch ich überwand ihn mit der kriegserprobten Strategie, die da lautet: ausführen und bloß nicht drüber nachdenken.


    Bei dem Mordfall war der Mangel an Hinweisen leider genau das Problem. Ich könnte aber, so kam es mir in den Sinn, doch mal Celeste dafür einspannen, vielleicht brachte sie noch was in Erfahrung… Ich nickte und bejahte.


    Über das Lob freute ich mich außerordentlich, und ebenso sehr über die freien Tage. Zwei ganze Tage, das war fabelhaft, da boten sich ungeahnte Möglichkeiten. Das würde ich nur zu gerne an die anderen beiden weitergeben. Wir hatten bei den Wettkämpfen ja auch alles gegeben, und wenn ich an meinen Kampf mit der Bestie von Misenum zurückdachte wurde mir jetzt noch ganz anders.
    “Vielen Dank Praefectus!“, erwiderte ich hocherfreut. Ich wartete die Erlaubnis zum Wegtreten ab, salutierte und schwebte hinaus. Gleich darauf war ich wieder unterwegs, und begab mich - diesmal leider zu Fuß – zur Casa Decima, um meinem Onkel ‚Meldung zu machen‘, und um vielleicht noch etwas vom seinem sicher triumphalen Einzug mitzubekommen.

    Trotz der Worte meines Onkels – meine Schuldgefühle waren überwältigend, noch immer. Fast so stark wie meine Angst vor der Bloßstellung.
    Er glaubte nicht, dass es mir sonderlich schaden würde? Ich musste an mich halten um nicht aufzufahren, und ihm ins Wort zu fallen - was sich gar nicht geziemen würde. Nervös biss ich auf meiner Unterlippe herum, bis er geendet hatte, sah zu Mattiacus, blickte wieder zu Boden, wieder zu Livianus…
    “Ja… es ist empörend, dass er es gewagt hat Dich zu beleidigen! Nach allem was Du für Rom geleistet hast! Und Du hast Dir ja damals wirklich absolut nichts zu Schulden kommen lassen!“
    Livianus war offenbar fest entschlossen. Ich stand in einer Biga, die Pferde waren durchgegangen, rasten kopflos immer schneller auf die Tribüne zu… Wenn darüber verhandelt würde, ob er damals falsch gehandelt haben könnte, als er mich aus dem Carcer holte, dann würde zwangsläufig die Frage aufkommen, warum ich denn da drin gesessen hatte.
    “Bedeutet dass, dass ich dann auch… vor Gericht müsste?! – Ich… bitte entschuldige wenn ich Dir widerspreche, aber selbst wenn man mich juristisch nicht mehr belangen kann… wenn ich das alles bei einer Gerichtsverhandlung ausbreiten muss, wird das für immer wie Pech an meinem Namen kleben!! - Ich werde in der Gesellschaft, und ganz besonders bei den CU, keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen… ich weiss doch wie die Kameraden das sehen: ‘Einmal Verbrecher, immer Verbrecher!‘
    Als ich noch Princeps Prior war, hat mir dieser Germanicer schon einmal damit große Probleme gemacht! Er hat mich bei Princeps Prior Peltrasius angeschwärzt, und der hat mir gedroht, mich beim Stadtpräfekten anzuzeigen. Weil doch Verbrecher gar nicht erst zum Militär gehen dürften!
    Onkel, seitdem Du mir damals eine Chance gegeben hast, habe ich alles getan, um diese Sache hinter mir zu lassen und der Familie Ehre zu machen, ich habe immer versucht korrekt und korrekter als korrekt zu sein. Ich… ich will ja helfen, natürlich, und es ist vor allem meine Schuld, aber bitte… bitte verlange nicht von mir meine uralten Verfehlungen öffentlich aufzuwärmen...“

    Hm... es war seltsam meine eigenen Worte aus anderem Mund zu hören. Auch schien es mir, als wäre die eine oder andere Formulierung etwas geglättet worden, aber das war in Ordnung, und die komische Frage am Ende hatte ich, fand ich, auch ganz gut pariert. Das war ein unschlagbarer Vorteil am Soldat-Sein: es war ganz normal Junggeselle zu sein.
    “Sie haben es ziemlich genau übernommen.“, stellte ich zufrieden fest, und schnappte mir wieder die Zeitung. “Darf ich die haben? Ich möchte sie aufbewahren.“ Ich würde diese Ausgabe zu meinen Armillae, meiner Feldzugs-Tunika und meinem Ancilium-Amulett dazu legen und sie wie meinen Augapfel hüten.
    Sacht strich ich über die Seiten, blätterte andächtig in der Zeitung, grinste über den Flavier den man angeblich auf dem Markt mit faulem Gemüse traktiert hatte, und fand schliesslich, umgeben von trivialen Meldungen von vermissten Katzen und beschädigten Fuhrwerken noch ein drittes Mal meinen Namen.
    “Hier ist noch was…“ Bei aller Eitelkeit, das wurde mir jetzt unheimlich. Man schrieb mir dort „maßgeblichen Verdienst“ bei den Löscharbeiten beim Brand der Villa Tiberia zu, was schmeichelhaft war, aber nicht stimmte, der „maßgebliche Verdienst“ gebührte den Vigilen, insbesondere ihrem Tribun. “Das ist aber ziemlich übertrieben… das allermeiste haben die Vigilen gemacht.“
    Naja, beschweren würde ich mich trotzdem nicht. Ich zuckte die Schultern, lächelte halb verlegen, halb geschmeichelt. (Ob ich diesen Caius Columnus mal auf einen Wein einladen sollte? Aber er war so gar nicht mein Typ.)


    Nur mühsam konnte ich mich danach wieder auf die Dinge des Alltags konzentrieren. Ich besprach noch ein paar Einzelheiten mit Celeste, zahlte ihr ihren ersten Lohn aus und machte sie mit dem Hauspersonal bekannt, dann überließ ich sie der Arbeit und entschwebte, den Kopf in den Wolken.

    Es rührte mich, zu sehen wie glücklich Mattiacus und Livianus sich begrüssten. Dabei stiegen aber auch die Gedanken an meinen Bruder Appius auf, den ich genau hier im Peristyl ein letztes Mal getroffen hatte, bevor er nach Germanien ging und starb... Ich schluckte, und wünschte Seiana wäre hier… und ich sagte mir, dass heute ein Tag war, um mit den Lebenden zu feiern, und nicht einer um der Toten zu gedenken. Trotzdem entzog ich mich einen Moment der Gespräche, kippte meinen guten Wein recht achtlos hinunter und ging, um den Musikern ihren Einsatz zu geben.


    Es war ein Trio von hispanischen Künstlern in malerischer Tracht, das sich jetzt auf der Schmalseite des Säulenganges postierte. Besonders gefiel mir der schwarzlockige Kitharode, der aufrecht gegen eine Säule gelehnt, das Instrument auf dem linken Oberschenkel abgestützt, feurig in die Saiten griff. Dazu schlug sein Kollege den Takt auf einem Tympanon, und dann war da noch die dritte im Bunde, eine kurvige junge Frau welche die Doppelflöte blies, und sich dabei geschmeidig zum Klang der Musik in den Hüften wiegte. Ihr leichtes Gewand flatterte bei jeder Bewegung, an den schlanken Fesseln klirrten Schellen aus Muschelschalen, und die Blicke, die unter den schwarzen Brauen hervorschossen, konnte man wohl am ehesten als verzehrend bezeichnen. (Sie war ein Wesen, das bei mir einen starken Impuls zur Flucht auslöste, aber ich konnte ja nicht nur an mich denken, bei der Musikerauswahl.)


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    Original von Duccia Venusia


    Als ich mich wieder unter die Festgesellschaft mischte, sah ich zu meiner Freude, dass Licinus tatsächlich gekommen war, und sich gerade mit meinem Onkel unterhielt. Es gab unter den Gästen auch das ein oder andere mir unbekannte Gesicht, wie zum Beispiel die Frau mit den zwei kleinen Kindern, die gerade den Innenhof betrat. Eine Freundin der Familie? Neugierig quatschte ich sie an, und stellte mich mit einem höflichen Neigen des Kopfes vor.
    “Salve! Ich glaube wir kennen uns noch nicht? Ich bin Faustus Decimus Serapio.“ Vom Tablett eines der Sklaven schnappte ich zwei Weingläser und bot ihr eines an. Die Kinder waren wirklich niedlich. Ich beugte mich runter zu dem kleinen Jungen und verfiel in den leicht debilen Tonfall, in dem wir Erwachsenen nun mal mit Kindern sprechen. “Na, und was magst Du haben? Mögt ihr süßen Pfirsichsaft?“
    Schon kam Iotape mit dem Saft-Tablett angelaufen, sie lächelte verzückt beim Anblick der Kinder.

    Mir klappte der Mund auf. Ich war ein Held? Ich stand in der Acta in der illustren Gesellschaft von Achilles und Aeneas! Das war… unglaublich. 8o
    “Bona Dea. - Im Ernst?! Zeig mal!“
    Ich griff nach der Zeitung um mich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, dass Celeste sich das nicht ausgedacht hatte. Da stand es, schwarz auf weiss! Ich machte grosse Augen. Dann breitete sich nach und nach ein breites Grinsen über mein Gesicht aus. :] Ich war mächtig geschmeichelt! Jetzt war ich nicht nur ein ‚Held von Circesium‘, nein, ich war ausserdem auch ein ‚Held des Alltags‘. Wenn Tante Lucilla das hörte, sie würde begeistert sein!
    “Ja, da kannst du mal sehen, Celeste!“ lachte ich, machte ein heroisches Gesicht und warf mich in Pose. :star:


    “Aber irgendwie… versteh ich das nicht.“ Wie kamen die sonst so spöttischen Schreiber dazu, mich derart ins Rampenlicht zu rücken? Trotz meines bösen Leserbriefs damals. Hatte ich einen geheimen Verehrer in der Redaktion? War der Schreiberling, der bei mir gewesen war, derart von mir begeistert gewesen? Oder steckte womöglich meine Schwester dahinter – aber die war doch in Aegyptus und neigte auch gar nicht zur Glorifizierung. Grübelnd furchte ich die Stirn. :hmm:
    “Vielleicht wollen sie bei der Acta einfach mal wieder ein bisschen patriotischer werden…“, mutmaßte ich, und las noch mal langsam, liess es mir wie Honig auf der Zunge zergehen: “…die bewundert werden können und nachahmenswert sind…“
    Großartig. Ich las es gleich nochmal. :D
    “Es stimmt tatsächlich, man bekommt sonst so selten mal einen Dank zu hören, für die ganze Arbeit und das Risiko. Aber das hier… also, das freut mich jetzt wirklich!! - Und es steht sogar noch mehr da drinn?“

    “......“
    Wie? Was? Desorientiert betrachtete ich die Visage, die sich da über mir zeigte, dann hustete ich und krächzte: “…he Vestinus…ja das beruhigt mich sehr… ah…au…hilf mir mal… da rüber…“
    Ächzend kam ich hoch, presste die Kiefer aufeinander und bewahrte soviel Haltung wie möglich, lies mir von meinem Cousin auf einen Platz am Rande des Geschehens helfen. Fix und fertig sank ich auf den Sitz und tastete beklommen nach meinem Ohr – es war immerhin noch dran – und nach der lädierten Schulter. Tatsächlich, ich lebte noch und gebrochen war auch nichts, damit war ich glimpflich davongekommen
    “Puhhh… ich mach nie wieder bei sowas mit“ jammerte ich, aber leise, nur für Vestinus zu hören. Sollte ja keiner sagen die CU wären weichlich. “Ich dachte der bringt mich gleich um! Hab doch gleich gesagt der hat so’n irren Blick! Bitte bring mir mal was zum Kühlen…“
    Ich klopfte mir den Sand ab und sah scheel zu der Classis-Bestie rüber. Der nächste Kampf würde die Entscheidung bringen. Jetzt war Priscus unsere letzte Hoffnung! Er allein konnte die Bestie noch besiegen.
    “Ich hoffe Priscus zeigt es ihm! Aber so richtig!“

    Dass es hier bei diesem Treffen um etwas Ernstes ging, war nicht zu übersehen. Ich setzte mich, lauschte, schüttelte ganz leicht den Kopf – ich hatte zu dem Thema überhaupt nichts mitbekommen, bisher. Allein der Name, der dann fiel, jagte schon mir einen kalten Schauer über den Rücken, und die Nachricht die darauf folgte traf mich wie… wie eine ganze Phalanx von Kataphrakten! Ich erbleichte, riss zu Tode erschrocken die Augen auf, nahm gar nicht mehr richtig wahr was mein Onkel zuletzt noch sagte.
    “Im Senat?!“, widerholte ich fassungslos, “Er hat diese Sache dem Senat aufgetischt?! Per omnes deos. Oh nein…“
    Dem Senat. Meine Finger krampften sich in die Stuhllehne. Das war mein schlimmster Albtraum! Ich konnte es nicht fassen. Adios guter Ruf. Eine kalte Hand packte mich im Nacken, die alte Angst… Würde der Stadtpräfekt mich rauswerfen, wenn er erfuhr was früher mit mir losgewesen war? Adios ‚Held der CU‘.
    Ich schluckte trocken. Es war so lange her, aber die alten, längst gebüßten Verfehlungen strichen noch immer wie Lemuren um mich herum, bereit mit einem mal zuzuschlagen und alles zu zerstören.
    “Er hat mich vor aller Welt diskreditiert, um Dir zu schaden?! Das ist… das ist einfach… INFAM. - Verdammt. Verdammt…“
    Meine Schultern sanken herab, mein Blick sackte zu Boden, und düster stellte ich fest:
    “Dieser Mann hat keinen Anstand.“
    Was würden meine Soldaten denken, wenn sie erfuhren, dass ich mal kriminell gewesen war? Was die anderen Centurionen? Was würde in der nächsten Acta stehen? Die Horrorszenarien entfalteten sich rasend schnell vor meinem inneren Auge. Und zu allem Überfluss musste nun auch mein Onkel darunter leiden, dass er mich damals gerettet hatte.
    “Es tut mir leid! Es tut mir so leid, dass Du Dich wegen mir damals so, ähm, exponieren musstest, dass man Dir wegen mir jetzt noch Schwierigkeiten machen kann…“
    Ach verflucht. Ich fühlte mich nichtswürdiger denn je.



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    “Ja, der Herr ist zugegen.“ gab der Ianitor Auskunft. Ein Netz von Fältchen zog sich über sein Gesicht, als er den forschenden Blick der beiden Kinder mit einem gütigen Lächeln erwiderte. Weit öffnete er die Türe, und griff nach einem der Gepäckstücke, um es gleich ins Atrium zu tragen.
    “Bitte tritt ein, Domina. Das Fest wird anlässlich der glücklichen Heimkehr des Dominus Livianus und Deines Gatten gefeiert. Die Herrschaften befinden sich im Peristylium.“

    “Ja, nach und nach“, versuchte ich Celeste zu beruhigen, die von der Menge der Abrechnungen etwas erschrocken schien. Das war ich auch gewesen, als diese ganzen Unterlagen bei mir eintrafen. “Ich will einfach wissen, wie es um die Güter so steht. Und ich hab mir sagen lassen, dass man den Verwaltern immer mal wieder auf die Finger gucken sollte, damit sie nicht übermäßig in die eigene Tasche wirtschaften.“
    Ich war noch nicht dazu gekommen, die neue Acta zu lesen, und hörte aufmerksam zu was Celeste da vortrug, nickte leicht beim Stichwort ‚Villa Tiberia‘, denn den Brand hatte ich hautnah miterlebt.
    “Ein Artikel und ein Interview? Oh… Ja es war mal ein Acta-Schreiber bei mir und hat mir Fragen gestellt, und sich über unsere Arbeit informiert. Also, anfangs war ich ja etwas skeptisch, weil die Acta manchmal so unsachlich ist, bei militärischen Themen, aber dann dachte ich, es ist gut wenn überhaupt mal über uns berichtet wird.“
    Hoffentlich war das kein Fehler gewesen, schließlich wurde diese Zeitung im gesamten Imperium gelesen. Unruhig blickte ich Celeste an, konnte meine Aufregung gar nicht verhehlen, und versuchte aus ihrer Miene zu lesen, ob es eine lobende oder eine neutrale oder gar ein vernichtende Darstellung geworden war.
    “Was schreiben sie denn?!“

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    Original von Tiberius Decimus Crassus
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    Numerius Matius, NPC


    Nachdem der Hüne im vorhergehenden Kampf eher gedemütigt wurde, war Matius sich nun sicher. Diesmal würde er den Kampf von Anfang an dominieren und seinem Gegner ein schnelles Ende bereiten. Der Wicht namens Louan war ein Versehen und sicherlich nur auf den Schock der schwachen Disziplinen zuvor zurückzuführen, dachte sich der Flottensoldat. Numerius postierte sich auf der einen Seite im Ring und grinste selbstbewusst und zugleich herausfordernd zu seinem Gegenüber.


    "Na? Ich hoffe du hast mehr in den Armen als dein Vorgänger, Centurio", sprach Matius provokativ.


    Bona Dea, was für ein Tier… Ich wünschte mich weit weg, in sichere Entfernung von diesen riesigen Pranken, von dem irren Glitzern in den Augen… Nur keine Angst zeigen, Faustus… Oho, es konnte sogar sprechen!
    “Und ich hoffe, der Kampf gegen den kleinen Zivilisten hat dich nicht gar zu sehr erschöpft, Miles.“, gab ich freundlich zurück, und baute mich auf meiner Position auf.


    Der Kampf begann. Sofort stürmte das Ungetüm auf mich los, als wolle es mich in Grund und Boden stampfen. Ich wand mich zur Seite weg, entzog mich, versuchte wie zuvor die Kraft des Gegners ins Leere laufen zu lassen. Eine Zeitlang hielt ich mich, brachte auch den Koloss ganz schön ins Schnaufen, aber ich war einfach schon viel zu abgekämpft. Mit dem Mut der Verzweiflung packte ich seinen Arm, als er wieder auf mich zupreschte, riss, duckte mich und suchte ihn mit Hilfe seines eigenen Schwunges um den Stand zu bringen, aber er war zu schwer, zu gross, zu stark, und unversehens war ich zwischen diese schwellenden Muskelberge an seinen Armen geraten. Es schnürte mir die Luft ab und zerquetschte beinah eins meiner Ohren, ich rang nach Atem, der Schweißgeruch war penetrant. Mit aller mir noch verbliebenen Kraft kämpfte ich darum mich zu befreien, aber er hielt mich wie eine eiserne Zwinge umklammert, ich hatte nicht die geringste Chance mich da rauszuwinden. Alles verschwamm vor meinen Augen, schwarze Punkte umschwirrten mich, und ich hätte zu gerne verkündet dass ich aufgab, aber ich bekam ja keine Luft mehr um diese Worte herauszubringen. Dann schmetterte mich ein Stoß wie von einem Rammbock zu Boden. Hart prallte ich auf, lag da benommen und rang nach Luft, blinzelte verwirrt in die Sonne.


    War es vorbei? … Das Ungetüm stolzierte durch den Ring, was aus meiner Froschperspektive besonders imposant aussah, und liess sich bejubeln. Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte ich mich aufzurichten, alle meine Gliedmassen einzusammeln… autsch, die Schulter mit der ich aufgekommen war schmerzte ganz schön, ebenso mein Ohr, und schwindelig wurde mir auch. Irgendwer bot mir eine Hand und eine starke Schulter, auf die gestützt ich mich ge- und zerschlagen aus dem Ring schleppte.

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    Original von Duccia Venusia
    Mit dem Reisewagen waren sie bis zum Stadttor gekommen. Es war Nachmittags als sie dieses passierten und sich dann mit wenigen Sachen zu Fuß aufmachten. Es war so lange her, dass sie ihre Schritte durch Roma lenkte. Vermisst hatte sie die Stadt nicht, aber dennoch war sie ihr nicht fremd. Vor einigen Jahren war sie häufiger hierher gekommen, zwar meist nur kurze Zeit, aber sie war hier gewesen. Die Kinder mal neben sich herlaufen lassend, mal tragend war sie auf den Stammsitz des Gens ihres Mannes zugegangen und klopfte nun kräftig an die Porta. Hoffentlich hatte Primus den Brief erhalten und ihn lesen können und war somit noch in der Stadt und im Haus. Hoffentlich ließ man sie bald ein, die Kinder waren in einem sehr unzufriedenen Zustand und somit auch relativ ungändig.


    [Blockierte Grafik: http://img169.imageshack.us/img169/8343/sklaveianitorfr0rt1.jpg]


    Der alte Marcus, heute in seinem Festtagsgewand, öffnete die blumenbekränzte Türe und sah auf die kleine Familie, die davor wartete.
    “Willkommen die Dame“, grüsste er freundlich. “Zum Fest, nehme ich an? Wen darf ich melden?“

    "Litatio." sprach der alte Mann schliesslich würdevoll. Ich atmete auf, und fühlte mich gleich besser. Die Last auf meinen Schultern, sie war auf einmal viel leichter. Dankbar hob ich den Blick gen Himmel, tiefes Blau, weit oben trieben ein paar Wolken, und ich dachte: Manchmal wäre ich auch gerne eine Wolke, eine ungeheuer weisse, federleichte, die da hoch über allem vorüberweht...
    Das war natürlich ein kindischer Gedanke. Ich rief mich zur Ordnung, und tat was sich gehörte: ich bedankte mich bei dem Sacerdos, gab eine Spende an den Tempel, und da die Schlange derer, die den Festtag ehren, oder nutzen, wollten immer noch lang war, machte ich dass ich weiterkam. Das Tier wurde zerlegt, das Fleisch verteilt, und während ich noch die Stufen hinabschritt waren schon tätige Tempelsklaven dabei, den Vorplatz zu säubern. Das Wasser floss rötlich verfärbt die breite Treppe hinab, und vereinte sich mit den Pfützen an ihrem Fusse, die von den vorherigen Opfern stammten. Unter der heissen Sonne waren ihre Ränder an manchen Stellen eingetrocknet... schlierig rote Schattierungen auf dem Pflaster, über dem die Fliegen summten. Aus dem Tempel der harmonischen Schönheit kommend, missfiel mir das in diesem Moment sehr. Ich ging in einem grossen Bogen aussenrum, und machte am nächsten Brunnen halt, dort säuberte ich energisch meine Caligae von den Spuren des Opferblutes. Erst dann tauchte ich wieder in das Menschengedränge der Strassen und machte mich auf den Rückweg zur Castra - zuversichtlich dass mein Problem damit erledigt war, zuversichtlich dass dieser ganze seelische, unsägliche und unrömische Kram mich jetzt nicht mehr behelligen würde und ich mir selber endlich wieder trauen konnte.

    Ein Sklave hatte mir die Nachricht in die Castra überbracht, dass mein Onkel mich sprechen wollte, dringend. So machte ich mich so schnell wie möglich auf den Weg, und stand schliesslich vor der Türe zu seinem Arbeitszimmer. Dort verharrte ich und überprüfte, ob meine Erscheinung auch ordentlich war, zog das Focale zurecht und glättete mein Haar. Erst dann klopfte ich, und trat, nachdem ich eine Antwort darauf vernommen hatte, ein.
    “Salve Onkel Livianus. Salve Onkel Mattiacus.“ grüßte ich, sehr aufrecht stehend, meinte dann ein wenig schüchtern zu Livianus: “Du hast mich rufen lassen?“

    Ja war ich denn der einzige, der hier den Atem des Schicksals verspürte? Mein Onkel antwortete sehr freundlich, aber zugleich ein bisschen geistesabwesend, und Flavus sah mich ganz hilflos an. Tja. Da musste er jetzt durch.
    “Onkel, es war für uns alle eine große Überraschung, Flavus kennenzulernen“, begann ich vorsichtig, “denn die Verwandten, bei denen er aufgewachsen ist, hatten ihn und seine Schwester bis dahin von der Familie ferngehalten, und so wusste bis zu seiner Ankunft hier keiner von uns, niemand, dass er überhaupt existiert. Und Du, ähm, Du solltest Dich auch auf eine gewaltige, eine unglaubliche Überraschung gefasst machen.“
    Spätestens jetzt spürte ich eine Menge Augenpaare auf uns dreien liegen. Ich sah meinen Onkel erwartungsvoll an, und der Gedanke, welche Freude seiner harrte, legte - Neid auf den Cousin hin oder her – nun doch ein ehrliches Lächeln auf mein Gesicht.
    “Ich verstehe nicht die Wirrungen des Schicksals, aber ich bin mir sicher, es kündet vom Segen der Götter, dass Du… dass Du nach Deiner Rückkehr hier Deinen… Sohn aus Britannien vorfindest. - Flavus und seine Schwester sind Deine Kinder…“
    Damit war das große Wort gefallen. Der Augenblick dehnte sich, die Spannung im Triclinium war greifbar, wie ein Summen in meinen Ohren, als ich vollkommen gebannt von einem zum anderen sah.

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    Original von Potitus Vescularius Salinator
    Salinator rief den Scriba herein und trug ihm auf, Decimus Serapio herzubefehlen.


    Ich hatte den Scriba ausgehorcht, der mich zum Präfekten holte, und mich auf dem Weg zur Principa innerlich gewappnet. Deshalb gelang es mir ziemlich gut, mir nichts anmerken zu lassen, als ich, nach Klopfen und Aufforderung, versteht sich, eintrat und meinen lieben Cousin da traut beim PU hocken sah. Flavus der grosse Soldatenverächter als Soldat, das war doch wohl absurd! Ein schlechter Witz! Aber natürlich verbiss ich mir alles was mir da auf der Zunge lag… Ich führte wie stets sehr zackig die Faust zur Brust und salutierte vor dem Präfekten, nahm Haltung an und war ganz der korrekte Soldat.
    “Salve Praefectus Urbi, Centurio Decimus meldet sich wie befohlen.“

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    Original von Potitus Vescularius Salinator
    Potitus hob eine Augenbraue angesichts der plötzlichen Redseligkeit des Centurios. Es wurde nicht ganz deutlich, ob ihm dies nun angenehm war oder ob er sich davon gelangweilt fühlte. "Sobald Du die näheren Umstände in Erfahrung gebracht hast, berichtest Du mir darüber." Livianus konnte sich immerhin zu einer ernstzunehmenden Größe in Rom entwickeln. "Wir nehmen ja schließlich alle Anteil an seinem Schicksal."


    Damit war das Thema für Salinator allerdings auch erst einmal erschöpft. "Gibt es sonst noch neue Erkenntnisse?"


    ”Jawohl Praefectus.” bestätigte ich, und vielleicht lag es an meiner welt-umarmenden Stimmung, aber ich fand es recht sympathisch, dass mein Kommandant so aufrichtig Anteil an dem Schicksal meines prominenten Onkels bekundete.
    Mit Mühe ordnete ich meine Gedanken, um ihm auf die nächste Frage Rede und Antwort stehen zu können.
    “In der Christianersache ist es uns gelungen, wie geplant einen Mann in die dubiose Taverna des Petroniers einzuschleusen. Es ist Priceps Prior Redivivus Tychicus, der diese Aufgabe übernommen hat, sich dort eine Anstellung gesucht hat, und jetzt für uns die Augen offen hält. Ansonsten scheinen die Sektierer sich zur Zeit sehr ruhig zu verhalten, und Acht darauf zu geben keine Gesetze zu brechen, nicht offensichtlich meine ich. Nicht einmal die Bauvorschriften wurden beim Umbau der Taberna Petronia verletzt.“
    Ich hoffte nur, dass diese Ruhe nicht daran läge, dass sie auf die Überwachungsaktionen aufmerksam geworden waren und ihre konspirativen Aktivitäten jetzt noch getarnter vollführten. Aber wer wußte das schon, was in diesen wirren Köpfen vor sich ging.
    “Was den Mordfall Octavius Cato angeht, so sind die Spuren leider im Sand verlaufen.“, berichtete ich ausserdem, unglücklich dass wir die Sache – wie die allermeisten Verbrechen in der Stadt - nicht hatten aufklären können. Bisher nicht.
    Aber es gab auch noch eine gute Nachricht: “Bei den Wettkämpfen in Mantua gegen die Prima und die Classis Misenensis haben wir gut abgeschnitten. Princeps Prior Redivivus lag beim Pilumwurf nur wenige Fuß hinter dem Sieger, Tesserarius Caecilius belegte den zweiten Platz beim Wettlauf und ich den ersten.“