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Beiträge von Faustus Decimus Serapio
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[Blockierte Grafik: http://www11.pic-upload.de/19.09.14/v1k45s9mhga.jpg] | C. Cluvius Philonicus
Der Vortrag hatte eingeschlagen. Kein Applaus belohnte Philonicus, doch die lebhaften Gemütsbewegungen, die er bei seinem Zuhörer beobachten durfte, war ihm ein zufriedenstellender Spiegel seiner Vortragskunst.
Philonicus wollte den Iulier an sich ja nichts böses. Er war bejahrt genug, um zu der Weisheit gelangt zu sein, dass die Frage nach der Schuld bei zerbrochenen Lieben etwa soviel Aussicht auf Beantwortung hatte wie die Frage, ob nun eher Wahrheit schön, oder doch eher Schönheit wahr sei. Zudem kannte er, noch von früher, Flosculus' (beziehungsweise jetzt Faustus, doch er hatte ihn damals als Flosculus kennengelernt) hispanisches Temperament und Hang zu unglücklichen Liäsons, und glaubte nicht, dass der Iulier wirklich gar so kaltherzig, böse und gemein wie geschildert gewesen war. Schon gar nicht, nachdem er dessen feuchte Augen gesehen hatte.
Doch Philonicus war hier nur der Bote, er tat hier einfach nur das, was er am besten konnte.Während der "treulose Schöne" traurig schwieg, war dessen aufgebrachter Freund nicht um Worte verlegen. "... ihm einen ganzen Tempel zu bauen" prägte sich Philonicus insbesondere ein, denn diese grandiose Metapher gefiel ihm. Doch missbilligend zuckte sein Mundwinkel, als der hübsche aber unsublime Zornige so langweilige Dinge sagte wie persönlich sprechen und gemeinsam eine Lösung finden. Wie lau. Kein Sinn für große Gesten.
Der Iulier stürzte hinaus, Philonicus machte Anstalten den Papyrusstreifen wieder aufzurollen, und – bemerkte bestürzt, dass er die Zeilen auf der Rückseite übersehen hatte. Die letzte Strophe! Er hatte nicht damit gerechnet, dass da noch etwas kam, denn es war ein elendes Hin und Her mit dieser letzten Strophe gewesen, erst hatte Faustus sie nachträglich noch hinzugefügt, sie dann unter dem Vorwand, das Versmaß gefalle ihm nicht, wieder weggestrichen, dann doch nochmal geschwankt, sie wiederum abgelehnt – und letztendlich also offenbar doch wieder hinzugefügt.Der Zornige erhob sich. Philonicus hatte ein ungutes Gefühl von körperlicher Bedrohung, und wich sogleich einen Schritt zur Türe, nichtsdestotrotz kommentierte er sarkastisch zurück:
"Der Beifall gebührt Dir, explosiver Eifersüchtiger. Bei Liebesleid geht doch nichts über einen Gefährten, der ordentlich Salz in die Wunden reibt!"
Worauf er eilig den Raum verließ. Schnellen Schrittes ging er durch das Peristyl, wollte schnurstracks den Weg zurück zur Porta nehmen, oder sich von einem Sklaven dorthin begleiten lassen, als ihm eine Bewegung am Brunnen auffiel, und dann der Glanz des Blondhaares, von dem gerade schon so viel die Rede gewesen war. Er zögerte, sah etwas beklommen über die Schulter, dann wieder zum Brunnen, und trat schließlich auf den Pfad, der zum Zentrum des Garten führte.
Philonicus räusperte sich, um, so seine Schritte dies noch nicht getan hatten, die Aufmerksamkeit des Iuliers auf sich zu ziehen, und vollendete den Vortrag, wenn auch nicht mehr so ganz bei der Sache, mit der letzten Strophe:"Sage mir, verlor'ner Freund... der du kränker jeden Tag,
Soll dich gänzlich denn zermalmen dieses Joches Atlaslast?!
Stähle dich, und wirf es von dir! Heile dich mit heißen Küssen!
Brenne, schwing dich aus der Asche, Marcus carus, phönixgleich!"Darauf überreichte er ihm die Papyrusrolle und empfahl sich...
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Zitat
Original von Lucius Petronius Crispus
Einsteigerguide
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(ich glaube, Serapio hatte das mal angeboten - vielleicht kann er aber auch selbst was dazu sagen...)Ja, ich habe das angeboten, und es auch mit der SL kurz besprochen, dass ich einen Leitfaden zum Rollenspiel im IR schreibe, der dann Teil des Spielhandbuches werden kann. Der wird natürlich etwas ausführlicher. Ich bin dabei, aber noch nicht fertig damit. Von daher, bitte noch etwas Geduld.

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Ahoi Aulus Iunius Avianus, mach mal bitte Platz in deinem Briefkasten!

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Es war ungeheuer befremdlich, mit jemandem zu sprechen, den alle meine Worte, alle meine geäusserten Gedankengänge und alle vorgebrachten Überlegungen überhaupt nicht zu erreichen schienen.
Als stünde ich ganz alleine inmitten einer weiten, weiten Ebene... in der meine Worte, mochten sie noch so wahr sein, noch so klar und deutlich vorgebracht, ungehört verhallten.
Auf der Suche nach irgendeinem Halt in all dieser Befremdlichkeit war mein Blick instinktiv zu Manius geeilt... und, auf eine Art von Verständnis, das irgendwie jenseits des ganzen Bürgerkriegszerwürfnisses lag, war mir mit einem Mal klar, dass ich doch nicht so ganz vollkommen alleine war, dass meine Worte zumindest von einem gehört wurden bevor sie verhallten. Das... würde ich später sicherlich auch noch hinterfragen... im Augenblick jedoch gab es mir einen dringlich gebrauchten Schub von Zuversicht.
Und so ergriff ich wiederum das Wort – wobei ich mich bemühte, die Sätze möglichst einfach zu halten, und Cornelius abstruse Aussagen nicht, wie eben schon, durch Wortgewandtheit zu zerpflücken und zur Schau zu stellen. Denn das machte ihn offenbar zornig. Und die kleine Genugtuung, seine fadenscheinigen Heucheleien ad absurdum zu führen, war das (leider) nicht wert. (Auch wenn es zu verlockend war! Besonders als er sich damit brüstete, unsere Reichsgrenzen bewacht zu haben. Er, der unsere Hochrisikogrenzen zu den Parthern und den Germanen zugleich skupellos von Truppen entblößt hatte, um sich den Thron anzueignen...)"Weder noch, Cornelius. Vescularius war kein guter Kaiser. Er hatte viele Fehler, und viele gute Männer haben ihm nur zähneknirschend gedient."
Es lag mir auf der Zunge zu konstatieren, dass Vescularius zwar ein Übel, im Vergleich zu meinem kriegstreibenden Gegenüber aber doch eindeutig das kleine Übel gewesen war, etwa so wie die Masern im Vergleich zur Beulenpest, doch ich hielt meine Zunge diesmal tapfer im Zaum.
"Der größte seiner Fehler – und letztendlich sein Untergang – war wohl, dass er es stets ablehnte, der Wahrheit ins Auge zu sehen, dort wo sie seinen Wünschen nicht entsprach. Er lauschte lieber Speichelleckern als denen, die ihm ehrlich Bericht erstatteten. Wenn ein Bote ihm schlechte Nachricht brachte, wurde er zornig auf den Boten. Er verachtete die Kunst der Rhetorik, die einen Bürger Roms dazu befähigt, sich an den öffentlichen Angelegenheiten zu beteiligen, und förderte lieber die Panegyrik. So verlor er hoch oben auf dem Palatin den Sinn für die Wirklichkeit, und dafür was getan werden muß, um gut zu herrschen. - "Er hatte mich aufgefordert ihm die Namen zu nennen. Ich wiederholte noch einmal, was ich zuvor schon ausgiebig erklärt hatte und was offenbar noch nicht angekommen war: "Deine Propaganda ist es, die Vescularius zum puren Bösen stilisiert, um euren blutigen Umsturz zu rechtfertigen, und die damit einen jeden, der unter Vescularius gedient hat, zum Tyrannenschergen diffamiert. Ihr habt die Wahrheit neu definiert und damit Überlaufen zur Tugend und Rom zu verteidigen zur Schmach gemacht. Eine Ansicht, die nun im vorauseilendem Gehorsam von deinen Leuten verbreitet wird – am lautesten von jenen, die damit zu verbergen versuchen, dass sie sich selbst einst bei Vescularius anbiederten, bevor sie zu dir überliefen..."
Ich dachte dabei die Wendehälse Aurelius Lupus und Duccius Vala, die bei der Kandidatur meines Vaters am lautesten krakeelt hatten, er könne doch, ob der Verbindung zu mir, keinesfalls Konsul werden."Ich soll dir die Namen nennen, gut..."
Und so begann ich, ihm die Namen der Diffamierten, Verfemten, Abgesetzten und Strafversetzten aufzuzählen, von Tiberius Octavius Dragonum, ehemals Kommandant der Classis Missenensis, den er seines Kommandos enthoben hatte, über die Offiziere der Classis bis zum ehemaligen Adjutanten Dragonums, Appius Decimus Massa, der zur ägyptischen Provinzflotte geschickt wurde, dann zu den Offizieren der Garde, bei denen ich jeden einzelnen kannte und beim Namen nannte, zum Beispiel mich und zum Beispiel den (jetzt ehemaligen) Gardetribun, Antonius Hortalus, den er nach Britannien strafversetzt hatte, auch die Centurionen der Garde zählte ich auf, dann kam ich zu Marcus Iulius Proximus und den anderen Offizieren der Stadtkohorten während des Bürgerkrieges.
Nach dieser langen Aufzählung fuhr ich fort:
"Die Namen all der Menschen, die durch deinen Aufstand gestorben sind, Soldaten und Zivilisten, werde ich nicht aufzählen. Selbst wenn ich sie alle kennen würde. Wir säßen dann wohl noch bis morgen hier.
Ebenso wenig die Namen der Mütter, die ihre Söhne in deinem Aufstand verloren haben. Ich spreche offen zu dir: Der Bürgerkrieg, den du losgetreten hast, hat nun mal eine tiefe Kluft durch das Reich gezogen, und du wirst die Einheit in der Zukunft nicht erreichen, indem du diese totschweigst. Versöhnung erfordert Verantwortung. Es gibt keinen 'sauberen Krieg', auch wenn man ihn 'Befreiungskrieg' nennt, und ein Bruderkrieg ist noch verheerender. Die Einnahme einer Stadt, durch ausgehungerte Soldaten die monatelang im Felde standen, ist ein Greuel für die Stadt, auch wenn man diese Einnahme als 'Befreiung' bezeichnet. Die Verheerungen des Krieges sind keine 'Kleinigkeiten'. Aber dazu.." - ich wandte mich zu Manius – "kann möglicherweise ja Senator Flavius gleich noch etwas sagen, der anders als wir den Einfall deiner Soldaten in die Ewige Stadt direkt miterlebt hat. Und der sich natürlich auch mit Möglichkeiten der rituellen Ent-Sühnung auskennt, die doch mindestens ebenso wichtig ist wie weltliche Gerechtigkeit."
(Es hieß ja, Apollon könne einen Frevler, insofern er Reue zeigte, sogar von einem Muttermord reinwaschen.)
Sag jetzt nichts falsches, Manius...Ich frass noch ein metaphorisches Stück Kreide, und pflichtete Cornelius bei. Manchmal, das wußte ich seit Circesium, musste man beherzt in eine Kloake tauchen um eine Stadt zu gewinnen.
"Selbstverständlich blicke ich in die Zukunft, Cornelius. Ich weiß dein Angebot zu schätzen und bin bereit dich zu unterstützen, auf dass deine Herrschaft, als tätiger Ausgleich all der Schrecken mit denen sie begann, dem Reich den Frieden wiederbringt und bewahrt. Und genau darum versuche ich hier so energisch, dir vor Augen zu führen, dass diese... ähm, wie soll ich sagen, unaufgearbeitete Vergangenheit, diese ungeahndeten Kriegsverbrechen und Frevel, genau das sind, was der Einheit des Reiches noch im Wege steht." -
"Mein Leben war erfüllt." versetzte ich bitter, als Massa dies alles, was ich ihm da anvertraute, so geradezu kaltschnäuzig abtat, mir einen so wohlfeilen Rat um die Ohren schlug. Das zusammen mit der Bemerkung von den "nur dunklen und schmerzhaften Erinnerungen" zuvor... das, nun ja, verletzte mich. Verstand er denn gar nicht was es bedeutete, wenn einem alles was einem lieb war entrissen wurde? - Aber wie sollte er? Wie sollte er, wo er doch nur entfernt erahnen konnte was ich durchlebt hatte, wie sollte er, wo er selbst sich doch wieder ein Plätzchen auf der Sonnenseite gefunden hatte (und mir stolz gleich zweimal heute unter die Nase gerieben hatte, dass er die Frau des Kaisermörders herumfahren zu dürfen die Ehre gehabt hatte.)
"Verstehst du denn überhaupt nicht, was....... was........ach vergiss es.....!! "
Ich winkte ab. Dann legte ich das Badetuch beiseite und ließ mich ins Wasser hineinrutschen. Ich tauchte unter, brachte die wässrig blaue Barriere der Wasseroberfläche zwischen mich und die Welt. Die Stille barg mich, ich fuhr mir durch die Haare, spürte wie die kleinen warmen Wasserwellen mich umspülten, und stellte mir vor, dass sie all das Gift der Trauer um das Verlorene von mir abwuschen.Wieder auftauchend lehnte ich mich an den Beckenrand gegenüber Massa, fixierte nur die Reflexionen, das wandelhafte Flirren und gleiten und tanzen des Widerscheins im Bassin. Zu dem Verlorenen... gehörte auch die Leichtigkeit, der Einklang der Gedanken, die Vertrautheit, die einmal zwischen uns geherrscht hatten. Ich sehnte mich danach, mich mit ihm auszutauschen, ihm alles zu erzählen, ihm hemmungslos mein Herz auszuschütten so wie früher, und auch von ihm alles zu erfahren..... aber ich antwortete nur:
"Gut."
Und einsilbig: "Warum sollte sie es nicht mehr sein."
Und: "Ich auch nicht. Ich bin gegangen, als Livianus seinen verlogenen Wahlsieg gefeiert hat. Seitdem war ich nicht mehr dort."
Zumindest mußte ich jetzt keine Bedenken mehr haben, mich "rein zu halten", denn diese bedrückende Stimmung erstickte echt jedes Verlangen. Und Massa hatte offensichtlich auch keine Lust mehr auf mich abgewrackten Schatten meiner Selbst – wer könnte es ihm verdenken?
Ob ich etwas brauchte? - "Nein." erwiderte ich kühl, gekränkt. Es ging mir gerade schon gewaltig gegen den Strich, dass er den Besuch in dieser Luxustherme für uns beide spendierte...
"Ich brauche keine milden Gaben von dir, Massa. - Ich will nur... ich wünschte nur.... irgendwie.... ich wünschte wir könnten........ -"
Ich fand die richtigen Worte nicht, seufzte nur schwer. Abwesend ließ ich das Wasser durch die gespreizten Finger gleiten.
Wir steigen in denselben Fluß, und doch nicht in den selben. Wir sind es und wir sind es nicht. -
"Nur die Ruhe, nur die Ruhe guter Mann..." murmelte Loquex vor sich hin, während er meinen Ex-Kameraden kundig untersuchte. "Das wird schon wieder."
Ich saß auf der Neben-Liege, in mich zusammengesunken und schmerzgeplagt und sah düster und scheel da herüber. Nun, da die Kampfeswut sich verflüchtigt hatte, sagte mir zwar der Verstand, dass der elende Verräter Licinus noch viel mehr Unglück als diese harmlose kleine Lappalie hier verdient hatte – doch zugleich... tat es mir.... irgendwie.... klammheimlich... sentimentalerweise... ein klein wenig... leid... meinen alten Kampfgefährten Schmerzen leiden zu sehen.
Zudem... machte ich mir Sorgen um mein Bleiben in der Kultgemeinschaft. Sie hatten hier ganz eigene Ansichten über die Verwerflichkeit von Gewalt, da kannten sie keinen Spaß! Es durfte zum Beispiel niemand Priester des Serapis werden, der jemals einen Menschen getötet hatte. (Was mir diesen Weg schon mal verwehrte.) Aus den Augenwinkeln erhaschte ich einen Blick auf Anastasius todernste Miene, offenbar fand er auch dies hier alles andere als spaßig.Ein blutverschmierter Lappen landete in einer Schale, und Loquex schloss unerträglich munter, an Licinus gewandt:
"Es ist gebrochen aber nichts verschoben, glücklicherweise! Setz dich jetzt auf – ja, langsam, so. Und jetzt kühlen, hiermit, ja, vorsichtig, so. Das heilt, mit dem Segen des Serapis Asklepios, flink wieder zusammen. Vorausgesetzt, du beherzigst das was ich dir nun sage: Du wirst die nächsten zwei Wochen nur auf dem Rücken schlafen, du wirst dich auf keinen Fall schnäuzen, und vor allem wirst du, wenn dir deine Nase lieb ist, um Himmels willen nicht in der Nase bohren!! Zudem rate ich dir, unbedingt genug zu trinken, MINDESTENS zwei Kannen Wasser täglich, und insbesondere nur noch fleischlose Kost zu verzehren. Das kühlt, neben all den anderen segensreichen Effekten, auch das hitzige Gemüt, und wird somit vermeiden, dass du in weitere Handgreiflichkeiten gerätst...-" Sein Blick fiel auf das Cingulum militare, und er stockte in seinem Redeschwall. "...Nun ja. Was diesen Husten da angeht, so biete ich dir gerne eine ausführliche Konsultation an -"
Anastasius räusperte sich.
"Sobald das andere geklärt ist."[Blockierte Grafik: http://www11.pic-upload.de/10.07.14/u3q8wliigplj.jpg] | Der Serapispriester Anastasius
Der Medicus-Myste überließ den Priester schließlich das Feld, und jener sprach:
"Ich will gar nicht wissen, was der Grund für euren Kampf war. Ganz gleich wie es dazu kam, es ist ein Frevel, auf dem geheiligten Grund Blut zu vergießen. - Diesen Frevel werdet ihr sühnen, indem ihr euren Zwist hier und heute klärt – nicht mit Fäusten, sondern mit Worten. Gedenke, Serapio... - "
Wo war nochmal das nächste Mauseloch?
"...dass Gewalt die Waffe der Schwachen ist. Ich habe Vertrauen. Darum schließe ich jetzt diese Türe..."
Er legte die Hand auf den Knauf. "Und werde sie in einer Stunde wieder öffnen. Darauf werdet ihr dem Ewigen beide ein Sühneopfer bringen – gemeinsam."Die beiden verschwanden, die Türe schoß sich, und ich war alleine mit Licinus.
"Mierda!!" fluchte ich, und zog ächzend meine Beine zu mir auf die Liege, stützte den Kopf in die linke Hand, die Fingerspitzen auf den Schläfen, und starrte finster auf die aufgeplatzten Fingerknöchel meiner rechten Hand. "Was zum Cerberus willst du hier, Licinus??!!!" -
Des nächtens im Park. Mit einem Soldaten auf dem Markt. Stadtgespräch...
Das tat ja so gut zu hören, dass der süße Dives in seinem verlogenen Dasein als jungdynamischer-Vorzeige-Ehemann nun also nicht 'nur' die Last seines zänkischen Weibes tragen musste. Nein, darüber hinaus mußte er sich nun offenbar auch mit den Jugendtorheiten seiner allzu lebenslustigen Adoptivtochter herumschlagen!
Wie man sich bettet so liegt man!
Ich lächelte schadenfroh, und hoffte, so für mich, dass er seinen Irrweg jeden Tag bitterlicher bereute.Zu hören, der Mörder habe "sich selbst gerichtet" ließ mich aufhorchen.
"Ja, das ist sehr merkwürdig." Menschen hingen an ihrem Leben, und aus meiner Stadtkohortenzeit waren mir nur ganz, ganz wenige solche Fälle bekannt. "So etwas kommt eigentlich nur bei Verzweiflungstaten vor, zumal bei Eifersuchtsdramen. Meist in der Konstellation, dass der Mann erst die untreue Frau tötet, und dann sich selbst."
Einen Händler mundtot zu machen, durch einen Selbstmordattentäter, das wirkte... höchst bizarr. Als würde man mit einem ganzen Haufen von Katapulten auf eine einzige Mücke schießen.
(Allerdings, das hatte ich ja leider schon öfter erleben müssen, geschahen bisweilen einfach auch mal Dinge, Dinge, die so bizarr waren, dass sie das Fassungsvermögen des Verstandes aufs äußerste belasteten, und bei denen man sich eher in einem besonders wirren Groschenroman als in der Wirklichkeit wähnte.)
"Darum würde ich normalerweise als erstes fragen, ob eine persönliche Beziehung zwischen dem Händler und seinem Mörder bestand. Weißt du da zufällig etwas?"
Und ich dozierte weiter: "In der Geschichte findet sich dieses Phänomen der Angreifer, die ihr eigenes Leben zugleich opfern, ausserdem während unserer Befriedung Iudäas, bei den jüdischen Zeloten. Bei denen war es ihr eigentümlicher Glaube, der sie so dermaßen fanatisierte. - Es müssen jedenfalls überwältigende Affekte im Spiel sein, um einen Menschen zu so einer Tat zu bewegen."
Jetzt verstand ich, welche Rolle die Tabula spielte, und hatte ein brennendes Interesse sie zu studieren.
Borkan sah mich an, so... so absolut hinreißend, und der Augenblick dehnte sich, und ich hätte jetzt echt alles dafür gegeben, ihn in die Arme zu schließen... und ihn hinter die nächste Hecke zu ziehen, und dann... - Oh verdammt, ich war so ein miserabler Serapis-Anhänger! Ich schluckte, und sagte mit angerauhter Stimme:
"Ich bin froh dass du gekommen bist. Ich passe auf dich auf, versprochen. Und lass uns dieser Sache auf den Grund gehen. "Die Tabula in den Händen betrachtete ich sie erst einmal ganz genau von aussen, dann klappte ich sie auf und begann mit zusammengekniffenen Augen das halbverwischte Geschriebene zu entziffern.
An der Schmalseite des Wandelganges befand sich ein kleiner Schrein des Harpokrates. Ich trat zu dem Kohlebecken und zerrieb eine Fingerspitze Asche zu ganz feinem Pulver, bließ diese dann auf das Wachs. Die feinen Vertiefungen wurden dunkler, und Stück für Stück gelang es mir zu entziffern:DER SYRER HAT SEINEN ZWECK ERFÜLLT. DAS GERÜCHT IST IM UMLAUF. JETZT LASS IHN SEINE BEZAHLUNG ERHALTEN UND BEREITE SEINEM LEBEN EIN ENDE. DANACH, WENN DIR DIE LEBEN DEINER FRAU UND KINDER DAS WERT SIND, BEENDE AUCH DEIN EIGENES LEBEN. SEI GRÜNDLICH UND LÖSCHE AUCH DIESE TABULA, BEVOR DU ZUR TAT SCHREITEST.
MIT ERWARTUNGSVOLLEM GRUSS DEINES KLEINEN SOHNES,
Q. VALENTINAVerblüfft ließ ich die Tabula sinken.
"Doch nicht etwa... Quintilia Valentina?! Das ist ja un-ge-heuerlich!"
Mir war sonst keine Q. Valentina geläufig, und diese hatte, als Gast auf der vermaledeiten Hochzeit, zumindest Kontakt zu dem Kreis der Iulier.
"Quintilia Valentina ist... eine wirkliche Dame." meinte ich zu Borkan, voll Hochachtung für die Frau, die mir damals in einer echt miesen Situation eine kostbare Freundlichkeit erwiesen hatte. "Dieser bizarre Mord, dazu geeignet Aufmerksamkeit zu erregen, dieser überaus plump gepflanzte Hinweis auf sie... – ein Mann, der dem Befehl sich selbst zu töten so brav folge leistet, wird wohl kaum den Befehl, die Tabula ordentlich auszulöschen, vergessen! Nein, das riecht gewaltig danach, dass ihr jemand etwas anhängen will. Wir müssen mit Quintilia sprechen. Und diese Tabula... naja, eigentlich ist sie ein Beweismittel, das in die Hände der Stadtkohorten gehört, aber... da gibt es nun mal viele Burschen, die nicht unbedingt von des Gedankens Blässe angekränkelt sind, und die sie am Ende wirklich verdächtigen würden."
Mir kam natürlich der Gedanke, auch mit Dives zu sprechen, aber.... aber.... ich wollte ihn nicht sehen, nicht meine gar-nicht-so-alten Wunden wieder aufreissen. Wahrscheilich würde es sich am Ende nicht vermeiden lassen, aber......"Wir machen das so: zuerst besorge ich dir etwas anderes zum Anziehen, und du nimmst diese Kopfbedeckung ab, dann gehen wir zusammen hinten rum raus und suchen uns einen sicheren Unterschlupf." Mir schwebte da schon etwas vor. "Dann nehmen wir Kontakt mit Quintilia auf."
Kaum hatte ich diesen Marschplan entworfen, erinnerte ich mich daran, wie bitterlich mir Dives einmal vorgeworfen hatte, ich habe immer ganz alleine bestimmt wo es mit uns langging, und dabei gar keine Rücksicht auf seine Gefühle genommen. Tja, das war wohl déformation professionelle. Aber ich war ja lernfähig, glaubte ich zumindest, darum hängte ich jetzt noch beflissen an:
"Einverstanden? Oder was meinst du? ... Wir könnten natürlich auch einfach die Stadt verlassen und auf einem Landgut abwarten bis der Staub sich gelegt hat....."
So reizvoll – verboten reizvoll – dieser Gedanke auch war... mir juckte es in den Fingern, der Sache auf den Grund zu gehen. -
[Blockierte Grafik: http://www11.pic-upload.de/19.09.14/v1k45s9mhga.jpg] | C. Cluvius Philonicus
Mit gebannter Aufmerksamkeit vefolgten die dunklen Augen des Philonicus das Mienenspiel des Iuliers. Nicht alleine, weil Faustus ihn darum gebeten hatte – es war vor allem anderen das Schauspiel des Menschlichen, welches den Künstler hier fesselte, so wie es ihn Zeit seines Lebens zu fesseln vermocht hatte, wenn es sich, fernab der Bühne, jäh auf eine so wahrhaftige Weise verdichtete. Anfangs hatte er diesen Auftrag lediglich für die amüsante Kaprice eines Verschmähten gehalten, nun erhaschte er einen Blick auf den schmerzvollen Urgrund dieser Affäre!
"Es ist etwas länger" kündigte er seinen Vortrag, sanft untertreibend, an, "es könnte ratsam sein, Platz zu nehmen."
Sobald das blonde Publikum bereit erschien, nahm Philonicus mit Grandeur die Pose des Vortragenden an, entrollte mit Schwung einen langen Papyrusstreifen, und lies sie erklingen, die Elegie auf - oder war es doch eher eine Ode an? - den treulosen Schönen.
Schwärmerisch glänzten die Augen des Interpreten, tiefe Melancholie ließ seine Brust erbeben, und eine abgrundschwarze Bitterkeit verhärtete seine Gesten. Man hätte beinahe meinen können, dem Autor dieser Zeilen selbst gegenüber zu stehen – beinahe nur, denn Philonicus' war im Gegensatz zu diesem ein Profi. Seine Darbietung zog alle Register der Vortragskunst und unterstrich die Worte, ausdrucksstark bis in die elegante Beugung des kleinen Fingers hinein, so dass die Verse aus seinem Munde vielleicht sogar noch wahrer und echter erklangen, als der Urheber selbst dies vermocht hätte..."Sage mir mein schönster Freund: Was ließ Deine Lippen welken?
Die doch einst so lockend prangten, rubinsamtiger Korall...
Lachend, Liebesworte wispernd, bebend von der Glut der Küsse,
Flammend höchste Gunst verschenkend, bei der Nymphen stillem Hain.Welches Leid hat Dich befallen, raubte Deiner Schönheit Zauber,
Ließ die heiße Lohe sinken, und zu fahlem Staub vergehen?
Ist's das Gift der Heuchelworte? Ist's der Seim der schalen Lüge?
Hat das zage Ungesagte sie so grämlich hart gemacht?Oder warn's die scharfen Worte, die Du gleich der Messer Klingen
Deinem Freund ins Herz gejagt, welche Deine armen wunden
Lippen gleichsam aufgeschlitzt? Elend siecht, was einst in Blüte,
schwärt nun qualvoll, ob der Falschheit, die du ihnen selbst gebot'st!Sage mir mein goldner Freund: Wer stahl Deinen Sonnenglanz?
Flirrend in den seidnen Locken, tanzte er auf tausend Weisen,
Liebevoll vom Wind gezaust... Als Dich pfeilschnell in der Biga
Einst der Rösser Sturm getragen, warst Du selbst dem Lichtstrahl gleich.Zürnen Eros, dessen Huld Du närrisch unterm Fuß zertrat'st,
Und Anteros, der die Pfeile auf dem Wetzstein rächend schärft? -
Ist darum der Glanz so stumpf nun, und Dein Leuchten fahl vergraut?
Oder zogen schon die Nebel trüben Herbstes in Dein Haus?Ist's Xanthippes Zank und Hader, welcher Deine güldnen Locken
Vor der Zeit mit Reif betaut? Oder mahnt das Weiß den Zagen,
Der nur sommers innig liebte, als dem Freund das Glück noch hold war -
Und ihn in des Winters Eissturm grausam in die Kälte stieß!Sag mir, zauberischer Freund: Wohin floh der Augen Blitzen?
Deren lichte Himmelsbläue einstmals jedes Herz betört',
Deren kristallklares Dämmern rätselhaft Verheißung barg,
Dem, der kühn in Meerestiefen nach saphirnem Glück getaucht.Stolzer Blaustern, ranke Iris, Frühlingsveilchen, hoher Enzian,
Hingesiecht von Zwist und Zank... Welke Blüten rascheln staubig,
Ausgedörrt Dianthusblumen, leichengrau Vergissmeinicht
Unter Deinem Schritt verwesend, auf dem Irrweg den Du gehst.Wann erlosch zu stumpfem Stieren Deines Blickes Zauberglanz?
War's, als Du die Augen treulos schlossest vor dem Leid des Freundes,
Und fortan zu lügen wähltest, dass die klaren Seelenspiegel
Trüben Tümpeln gleich verschlammten, Pfühle schleimigen Morasts!Sag mir, vielgeliebter Freund, was den Rücken Dir gekrümmt,
Den Du einst so aufrecht hieltest? Gleich Praxiteles Apollon,
Meisterwerk von Mamorstein, war der Liebreiz, war die Spannkraft,
Deines wohlgestalten Leibes, der die Sehnsucht hell entflammt'.Feingemeißelt warn die Züge, stramm der Glieder Muskelspiel,
Kraftvoll streckten sich die Schultern, und es rundeten sich köstlich
Die perfekten Hinterbacken, heiß verlockend, pfirsichschön -
Und auch Priapos, der Mächt'ge, hatte reichlich dich beschenkt,So dass die Erhörten freudig ihre Opfergaben brachten
Auf dem Altar deiner Pracht. Damals flossen reich die Ströme,
Sprudelnd Nektar und Ambrosia... Jetzt ist der Altar verwaist,
Seit Du in das Joch dich beugtest - schlaff an Seele wie an Leib...!" -
Tschuldigung an alle die auf mich warten, meine Schreibkreativität ist gerade von einer Erkältung ausgeknocked.
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Mit untergeschlagenen Beinen saß ich zwischen den anderen, dort im Dämmerlicht des Tempels, wie schon so oft, wie schon so lange Stunden. Mein Blick lag auf dem Standbild, in dessen dunklen Gewandfalten sich die Schatten wie Schlangen knäuelten, und, wenn ein Windhauch die Flammen der Kandelaber zum zucken brachte, geschmeidig entlang glitten... Bald würde die Abendzeremonie beginnen. Ich hatte die Syrinx bereits dabei, an einem Lederriemen um die Schulter gehängt.
Sohlen tappten auf den Stein, Decken wurden leise ausgebreitet, als sich ein Tempelschläfer am Rande der Cella sein Lager für die Nacht richtete. Einmal hatte ich das auch getan, aber vor langer Zeit, im Serapeion in Alexandria. Der Traum, den der Ewige mir damals gesandt hatte, war aber so beängstigend gewesen, dass ich es seitdem nie wieder getan hatte, auch hier nicht.
Meine Gedanken wollten heute nicht weichen. Der Augenblick, an dem die Wolken sich verziehen und die lichtklare Weite freigeben... war mir heute nicht vergönnt. Zuviel ging mir durch den Kopf. All das was geschehen war, seitdem ich zu Anastasius gesagt hatte, dass ich hierbleiben wolle, umwirbelte mich als ein buntes Geflecht wirrer Fäden und Muster, Bilder, Aussprüche und Empfindungen.... und forderte eine Entscheidung von mir. Ostia, der Fischmarkt von Portus, die silbrigen Haufen von Meeresgetier, Massas Kniefall, die Wohltat warmen Wassers und die Wohltat wiedergefundener Freundschaft... das Standbild des Ewigen in der Bauruine – ich sollte ihm ein Dach stiften! - die vertrockneten Nelken, Pinienharzgeruch und quecksilbrige Eidechsen beim Dichten meiner fernhintreffenden Elegienverse... meine Ach so Kaninchen! - Nein, Feh! harte Verhandlung mit dem Krämer auf der Suche nach Phantasos, dem schönen, wunderschönen Ph – Borkan, der so phantastisch küsste und mich zum Perseus machen, mich in eine wilde Mordangelegenheit hineinziehen würde... und Licinus' Wortlosigkeit, seine blutige Nase, der mieseste Schmerz in den Nieren, und wie sie mich alle entsetzt anstarrten... und zuletzt sah ich mich wie einen Skorpion einer giftigen Schlange gegenüber sitzen, und Manius dabei mit undurchdringlicher Fassade... so viele Bilder, so viele lose Enden im Teppich meines Daseins.Ich gab das Suchen auf, und saß nurmehr reglos da, vor dem Ewigen. Übergenau nahmen meine Sinne nun wahr... das ganz leise Knistern der Flämmchen... wie der Halsausschnitt meiner groben Tunika sich bei jedem Atemzug minimal auf meiner Haut verschob... der grasige Geruch eines Opferkranzes auf dem Altar... wie der Initiat neben mir sich verstohlen kratzte... der Schemen einer Tempelkatze, die lautlos zwischen uns hindurch schlüpfte... Schritte zielstrebiger Natur, irgendwo hinter mir, vom Eingang des Tempels her... und von dort her drang auch die freundliche Stimme eines Mysten an mein Ohr:
"Salve, sei willkommen im Tempel des heilbringenden Serapis." -
Schon bevor er das Wort ergriff, war offenkundig, dass etwas von großer Tragweite geschehen sein mußte. So freimütig er beim letzten Mal gewesen war, so erschüttert wirkte er jetzt. Unwillkürlich trat ich näher heran um ihn besser zu verstehen, als er mit gedämpfter Stimme zu sprechen begann. Ich nickte ermutigend, nahm die Tabula entgegen. Die halbverwischten, kaum lesbaren Worte streifte ich nur eines ersten Blickes, steckte sie ein, dann heftete ich die Augen wieder auf ihn.
Es war eine unglaubliche Geschichte, die er da erzählte. Und unglaublich war auch, was für wunderschöne lange dunkle Wimpern er hatte, wie ein seidiger Vorhang legten sie sich über seine glutvollen Mandelaugen, um sich wiederum emporzuschwingen, als er mich mit einem so hoffnungsvollen Blick bedachte, dass sich das Herz in meiner Brust schmerzhaft zusammenkrampfte. Ich schmolz dahin, er hätte alles von mir verlangen können, ich hätte alles für ihn getan! Er stand da in dem Herbstgarten vor mir so anmutig in seiner Not als wäre er die schöne Andromeda, an den Fels gekettet während das Ungeheuer schon den Fluten entstieg, und ich... stand ganz automatisch sogleich etwas aufrechter als vorher, mit gestrafften Schultern, bereit Perseus-gleich meinen Rechen gegen jedweden Drachen zu schwingen."Aber natürlich. Ich passe darauf auf. Es ist gut, dass du hergekommen bist" antwortete ich mit Gewissheit. Morde, Lügen, verängstigte Zeugen – das war eine Welt, in der ich mich auskannte, in diesem Metier war ich, bei aller Bescheidenheit, wirklich erfolgreich gewesen. (Nur dass ich beim letzten "Fall" mehr Dreck zu Tage gefördert hatte, als das Imperium vertragen konnte!)
Die Fetzen an Information, die er mir da gerade gegeben hatte, hatten jedenfalls schon meinen Ehrgeiz geweckt, denn etwas sagte mir: diese Geschichte stinkt.Sanft legte ich Borkan die Hand auf den Arm, bedeutete ihm, mit mir mitzukommen. Ich führte ihn aus dem Garten hinaus, einen verlassenen Wandelgang entlang, wo wir in Ruhe sprechen konnten.
"Iulius Dives und ein Mord? Unwahrscheinlich. Ich kenne ihn. Für sowas hat er nicht den Schneid." urteilte ich messerscharf, mich daran zurückerinnernd wie hilflos er der Erpressung durch die Megäre nachgegeben hatte, wie kategorisch er mein Angebot abgelehnt hatte, ich könnte mich darum kümmern sie zum Schweigen zu bringen. Oder... hatte er nur vorgegeben, die Erpressung sei der Grund für die Hochzeit, um sich mir gegenüber nicht dafür rechtfertigen zu müssen, dass er mich allein aus Karrieregeilheit abserviert hatte?
"Oder sagen wir besser" fügte ich, mit einem Mal sehr bitter, zähneknirschend hinzu: "Ich glaube ihn ein wenig zu kennen, und ich glaube, dass so etwas nicht seine Art ist."
Ruhig Blut, Faustus. Es ging hier: um Borkan. Es ging hier NICHT: um elegische Ex-Liebschaften aus meinem vorigen Leben
"Erstens: Du sagst, sie sind hinter dir her, was ist passiert?" fragte ich, meine Besorgnis um ihn hinter einer beherrschten Fassade verbergend. Erst einmal mußte ich einschätzen, wie groß die Gefahr für ihn war, wie dringlich es war zu handeln. "Bist du angegriffen worden, bedroht, oder ist dir jemand auf den Fersen?"
Und eine Frage nach der anderen stellend, ihn ruhig anhörend, versuchte ich mehr herauszufinden: "Zweitens: der Mord an dem Händler – wann ist das geschehen, wo, und auf welche Weise? Drittens – was hat es mit der Tabula auf sich?" -
Mindestens ebenso erschrocken wie euphorisch, so verstört wie beschwingt trat ich den Rückzug an... sah noch einmal sehnsüchtig über die Schulter zurück... tauchte in eine Gassenschlucht ein... in meinem Kopf ein Wirrwarr von Ich muß ihn wiedersehen! und WAS FÜR EIN KUSS und Faustus, denk an das was du im Tempel versprochen hast und Du kennst ihn doch gar nicht! und Lass es, lass es, lass es einfach sein!. Und während ich mir sagte, dass das alles gar nicht gut war, äusserst kontraproduktiv für mein Leben in der Kultgemeinschaft, dass ich Klarheit brauchte anstatt Verstrickungen, und dass da am Horizont doch schon die nächste Katastrophe aufzog (denn immer wenn es mich zu Beginn wie ein Blitz durchfuhr, dann hatte es katastrophal geendet!)... während ich mir also all diese vernünftigen Gedanken machte, schon auf halbem Weg zum Forum Transitorium, hob sich meine Hand, berührten meine Fingerspitzen verträumt meine Lippen, auf denen – man verzeihe mir die abgeschmackte Wortwahl, es entspricht aber Wahrheit – sein Kuss wie Feuer brannte.
Beflügelt kehrte ich zum Tempel zurück. Ich hatte den Träumer tatsächlich gefunden, und, ob Nebel, ob Horn, ob Elfenbein, es fühlte sich mit einem mal alles so lebendig an. Wie ein echter Neuanfang, wie das Versprechen, dass auch auf mich kaputten Kriegsversehrten vielleicht dann doch noch das ein oder andere... schöne... im Leben warten könnte. So ganz unverhofft. Wie dieser unglaublich heiße Kuss. Ach.In meinem Bestreben, mich erkenntlich zu zeigen, wandte ich mich tags darauf an meinen alten Kameraden Musca, der noch immer bei den Stadtkohorten war. Ich bat ihn, sich umzuhören, nach der wiedereingefangenen Parthersklavin namens Morrigan. Doch alles was er mir zu dem Zeitpunkt sagen konnte war, dass sie in letzter Zeit keine solche Sklavin gekreuzigt hatten. (Immerhin.)
Bald darauf suchte Borkan mich im Tempel auf...
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Goldhaar? Vorhanden. Saphirblaue Augen? Aber ja. Korallenrote Lippen? Eher weniger, aber das verbuchte der Besucher unter künstlerischer Freiheit. Aufrichtiges Verstehen spiegelte sich in seinen lebhaften Zügen, als er den Iulier betrachtete. Ja. Da konnte Mann schon mal den Kopf verlieren.
"Einen wunderschönen guten Abend!" grüßte er raumgreifend, mit resonanter Stimme und geschliffener Intonation. "Cluvius Philonicus mein Name. Ich bin hier im Auftrag eines Freundes."
Eine kleine Kunstpause folgte, seine melancholisch umschatteten Augen verfolgten jede Regung des Publikums. Beziehungsweise: des Iuliers. Dämmerte da schon... eine Ahnung? Ein Verstehen? Eine Furcht? Ein Amüsement? Ein Überdruss? Eine Sehnsucht? Ein Zorn? Oder etwas ganz anderes?
"Er sendet dir diese Blumen...."
Mit diesen Worten präsentierte Philonicus den Strauss in seinen behandschuhten Händen, und während er ihn bereits dem Iulier überreichte, löste er die faltenreiche Verhüllung, der rote Stoff glitt beiseite, und darunter kam ein kunstvolles Arrangement von Pflanzen und Blüten zu Vorschein:
da waren üppig grüne Brennesseln, die sich anmutig um das Ensemble herum gruppierten, da waren hoch aufragende Disteln, reichlich mit Stacheln versehen, ein fahlweißer Schierlingszweig bildete einen interessanten Blickfang, im Dialog mit einem nachtschattigen Reis, geschmückt von prallrotschwarzen Tollkirsch-Beeren. Vollkommen vertrocknet und verdorrt waren hingegen die roten Rosen und die weißen Dianthusblüten, die sich um eine einzelne Blume im Zentrum des Strausses scharrten: eine einsame weiße Narzisse, makellos, gefertigt aus duftigem Seidenstoff.
"Sowie einige Verse." -
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"Besten Dank!" sprach der Besucher und trat über die Schwelle. Er verzichtete (für den Fall eines überstürzten Abganges...) darauf seinen Mantel abzulegen, warf ihn nur mit nachlässiger Geste über die Schulter zurück, und folgte dem jungen Sklaven...
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"Er war der vom Senat bestätigte Kaiser, und er war mein Kommandant. Ich schuldete ihm Treue und habe ihm loyal gedient um Rom gegen euren blutigen Aufstand zu verteidigen. Heißt es nicht 'Treue ist das Maß des Mannes?' Das Maß des Soldaten ist sie auf jeden Fall." sprach ich gelassen. Die Verschwörer hatten zwar bewiesen, dass sie auf die Treue spuckten, trotzdem konnten auch sie nicht leugen dass die Treue der römischen Soldaten zu ihrem Kaiser das Fundament unserer Staatsform war.
"Ich habe ihm gedient, nicht anders, als ich als junger Soldat unter dem vergöttlichten Kaiser Ulpius Iulianus im Krieg gegen die Parther gedient habe. Nicht anders, als ich später zur Zeit Kaiser Ulpius Valerianus' als Tribun gegen die Wüstenvölker des Zwölfmeilenlandes ins Feld zog."
(Nicht, dass ich die Verschwörer mit den Parthern gleichsetzen wollte. Die Parther hatten ja deutlich weniger Unheil angerichtet als die Kaisermörder.)
Es schadete jedenfalls nicht, Cornelius dezent daran zu erinnern, dass ich mein ganzes Erwachsenenleben lang Soldat gewesen war, und mich nicht nur im Dienst bei den Urbanern und Prätorianern sondern auch auf so manchen Schlachtfeldern gegen die Feinde Roms vielfach ausgezeichnet hatte.
Im Gegensatz zu den opportunistischen Nutznießern, die auf Cornelius Trittbrett gesprungen und sich im Krieg wie Zecken vollgesaugt hatten, war ich bekanntlicherweise ein alter Haudegen (wenn auch, mit Verlaub, ein alter Haudegen in den besten Jahren), dessen Verdienste unbestritten waren.Die darauffolgene Frage irritierte mich. Cornelius wußte selbst am allerbesten, dass Vescularius kein guter aber doch der rechtmäßige Kaiser gewesen war. Und Cornelius selbst wußte am allerbesten, dass der Krieg, den er selbst losgetreten hatte, natürlich zu unzähligen Kriegsverbrechen geführt hatte, wie Kriege das nun mal so an sich hatten, Greueltaten gegen die Vescularius Ausschweifungen und Versäumnisse verblassten. (Aber es wäre wohl vergeblich und nicht so gesund, mein Gegenüber hier darüber zu belehren, darüber dass es so etwas wie... sagen wir einen "sauberen" Krieg nicht gab und niemals geben würde.)
Ich blickte zu Manius, witterte schon wieder Verrat, fürchtete dass er mich hier doch gerade ins Messer laufen ließ. Er sah... abwesend aus, und... gequält? Oder ...skeptisch? Quälte er sich vielleicht gerade mit neuen Selbstvorwürfen, weil er mir, als er mich mit dem Versprechen von Wiedergutmachung des erlittenen Unrechtes zu diesem Treffen lockte, das Blaue vom Himmel erzählt hatte?! Bisher war davon nämlich noch keineswegs die Rede gewesen, statt dessen stellte der Cornelier gerade verhörartige Fragen. Sag endlich was, Manius, verdammt noch mal!! Da blickte er mit einem Mal auf, traf meine Augen. Ich hatte keine Ahnung was er dachte und wandte meinen Blick rasch ab, um mich auf die Frage konzentrieren zu können.
War Vescularius der rechtmäßige Kaiser?
"Ich muß gestehen, ich bin überrascht über diese Frage. - Wenn Vescularius nicht der rechtmäßige Kaiser gewesen wäre..." folgerte ich harmlos, "dann hätte euer Umsturz ja keiner weiteren Legitimation bedurft, und somit wäre es vollkommen überflüssig gewesen, eure eigenen Vergehen Vescularius zuzuschreiben, um eurem Aufstand den Anschein von Rechtmäßigkeit zu verleihen. Dass, wie wir drei hier wissen, genau dies geschehen ist, und ihr an dieser Zuschreibung noch immer festhaltet... müsste deine Frage doch eigentlich beantworten?" schloß ich mit höflicher Miene.Zeit für eine Gegenfrage, und Zeit zu erfahren in wie weit es ihm mit seinen Beteuerungen ernst war...
"Wir haben von der Eintracht gesprochen, die wir beide anstreben. Wie ist diese Eintracht nun am besten zu erreichen? Lass mich etwas weiter ausholen: In der Vergangenheit habt ihr ja nicht nur Vescularius zum puren Bösen stilisiert, ihr habt im Zuge dieser... Neudefinition der Wahrheit... ja auch all die Männer als Tyrannenschergen diffamiert, die unter ihm ihre ganz normale Pflicht taten, Rom verteidigten und anstatt überzulaufen auf ihrem Posten ausharrten. Von diesen Männern gibt es viele, viele die gefallen sind, viele die noch leben, und ich bin nur einer, wenn auch der prominenteste und der mit der größten Symbolkraft. Du hast sie, hast uns, verfemt oder der Kommandos enthoben oder an die entferntesten Ecken des Reichs versetzt. Du hast das Reich bluten lassen, nicht nur durch den Krieg, sondern auch indem du all diese Männer, die im Krieg ihre Pflicht taten, die Treue und standhafte Loyalität zu Rom bewiesen haben, nun davon abhältst, ihre Kraft und Erfahrung für Rom einzusetzen.
Statt dessen stützt du deine Herrschaft vorzugsweise auf die Männer, die im Bürgerkrieg zu dir übergelaufen sind, und die dabei wohlgemerkt zumindest einmal schon ihren Treueschwur gebrochen haben. Heißt es nicht auch, dass wer an seinem alten Herrn einmal Verrat übte, es auch ein zweites Mal bei seinem neuen Herrn tun wird? Oder wie Caesar sagte: 'Proditionem amo, sed proditores non laudo.'" *
Ich ließ mein Zitat nachwirken, und hoffte dass er es geschluckt hatte - Caesars Nimbus war doch eines jeden Potentaten feuchter Traum - um dann zum Ende meines feurigen Plädoyers zu kommen:
"Das spaltet. Das, und die Tatsache, dass die Kriegsgrausamkeiten und Frevel, die deine Armeen - sicherlich ohne dein Wollen und doch in deinem Namen beim Einmarsch nach Italia, beim Angriff auf die Ewige Stadt, beim Bruch des heiligen Pomeriumsrechtes, beim Plündern und Blutvergießen innerhalb des Pomeriums... - verübt haben, noch immer ohne Sühne vor den Menschen und den unsterblichen Göttern sind. -
Gerade in diesen instabilen Nachkriegszeiten, wo sich jeden Augenblick, von deinem erfolgreichen Beispiel inspiriert, Marius Turbo oder ein anderer Feldherr zum Gegenkaiser aufschwingen und nach der Macht greifen kann – kann das Reich es sich da leisten, weiter gespalten zu sein, kann es sich das leisten, sich auf die Rücken der Wendehälse zu stützen, und die Treuen von sich zu stoßen und um ihrer Pflichterfüllung wegen zu ächten?! - Erlaube mir die Frage: Wie gedenkst du das zu ändern? Wie gedenkst du die Eintracht wieder herzustellen?"Sim-Off: * "Ich liebe den Verrat, aber den Verräter lobe ich nicht."
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"Hier kannst du eine große Auswahl von Serapios finden." knarrzte der alte Priester Benivolus, der eben noch in Kontemplation über den Hof gewandelt war. "Doch ich meine zu wissen, welchen du aufsuchen willst."
Nämlich jenen, der nach Ansicht Benivolus', deutlich zu viel Besuch von Fremden von aussen bekam, und damit deutlich zu viel Unruhe in die Gemeinschaft brachte. Sogar eine Prügelei hatte es gegeben. Man stelle sich das vor.
"Wisse, dass dies ein Ort der Ruhe und inneren Einkehr ist." ermahnte er darum den Besucher grämlich, bevor er ihn aufforderte: Folge mir."
Darauf führte er ihn an der Schmalseite des Tempels entlang, vorüber an der Bibliothek und aus dem öffentlichen Bereich hinaus zu den Behausungen der Kultmitglieder. In einem der Gärten war soeben eine Gruppe von Jüngern damit beschäftig, Laub wegzuschaffen und die Rosenbeete gegen die Kälte abzudecken. Der alte Priester wies auf einen von ihnen.
"Meinst du den? - Serapio!"~ ~ ~
Ein Schritt und ein Zug mit dem Rechen. Immer ein Schritt und ein Zug mit dem Rechen. Er fuhr durch das Gras und zog das welke Laub mit sich. Es roch nach Erde, nach Herbst. Mit angenehm leerem Kopf rechte ich die Blätter zusammen auf einen Haufen. Da hörte ich meinen Namen gerufen, und als ich aufsah, stand am Rande des Gartens der alte Priester Benivolus, mit...
Oh.
Ich stellte den Rechen ab, bedächtig um mich einen Atemzug lang fassen zu können, dann ging ich auf die beiden zu. Der Priester verzog sich, mit einem letzten scheelen Blick über die Schulter (er hatte mich im Visier, schon seit einer Weile), aber ich war gerade nur überglücklich über das Wiedersehen.
"Borkan." Ich strahlte ihn an, und – nein, Faustus, du bist hier mitten in der Tempelgemeinschaft! fiel ihm jetzt nicht um den Hals, sondern nahm nur seine Hand in die meinen und drückte sie ihm gesittet – nun ja, man könnte auch sagen deutlich länger als gesittet, aber nicht sehr kraftvoll, denn meine Rechte war noch immer ein bisschen lädiert von dem Kampf mit Licinus.
"Ich freue mich, freue mich ganz ungeheuerlich dich zu sehen!" sagte ich, befangen von dem Wissen dass die anderen nicht weit von uns bei der Gartenarbeit waren, und noch befangener durch die Erinnerung an den unerwarteten, grandiosen, heißen, schamlosen, Olympia-reifen Kuss in der Subura.
"Wie geht es dir?" Furchtbar förmlich klang das in meinen Ohren. Er wirkte irgendwie... gehetzt. "Ist alles in Ordnung?" -
Welch ein Wunderwerk ist das Herz. Borkan. Als er den Namen das erste mal aussprach, da tönte er in meinen Ohren barbarisch, wie das rauhe Krächzen einer Krähe. Borkan. Als er ihn zum zweiten Mal sagte, da klang er schon, wie das Grollen eines majestätischen Gewitters in der Ferne. Borkan. Und als ich ihn zum drittenmal hörte, als er in meinem Inneren wiederhallte, da waren die fremdartigen Silben bereits von exotischem Liebreiz erfüllt.
"Borkan." wiederholte ich andächtig, und ab diesem Moment hätte ich geschworen, dass mir diese geheimnisvollen Laute schon seit jeher so wohlklingend wie die allerschönste Musik gewesen waren.
Und weil ich aus schlechten Erfahrungen zwar nicht klug, aber womöglich doch ein bisschen klüger geworden war, hörte ich in diesem Augenblick auch auf, ihn für mich Phantasos zu nennen. Ich wollte mir nämlich nicht (ein weiteres Mal) von meiner eigenen Wünsche Irrlichtbildern die Sicht auf mein wahres Gegenüber verstellen lassen. Oder so was in der Art...Bewegt lauschte ich seinen Worten, aus denen so viel Edelmut sprach, und erwiderte seinen Blick, sah ihm unverholen direkt in die Augen. Wie freimütig er behauptete, feige zu sein! Ich lächelte ungläubig, und schüttelte sacht den Kopf. Er hatte mir schließlich bewiesen, wie tapfer er war wenn es darauf ankam! Und geradeeben hatte er dann noch dazu die beiden Schläger dazu gebracht, vor ihm zu kuschen!
Ja, der Tempel hatte mir gut getan. "Mhm." murmelte ich, und lächelte noch wärmer, als er die Hand schloß, und mein Geschenk annahm – scheinbar, denn gleich darauf mußte ich bestürzt hören, dass er es nicht nehmen könne.
"Aber..." Bona Dea, er weinte! Und erzählte mir von dem Kummer um seine Freundin. Sklavenfänger... Oh je. Ich war voll Mitgefühl, nicht zuletzt weil ich an Hannibals furchtbares, grausames, unverdientes Ende denken mußte, und hätte Borkan wirklich gerne meinerseits in den Arm genommen, aber... naja... wir standen hier mitten im Markttreiben rum... was würden die Leute denken?
"Das... das ist schlimm." sagte ich hilflos, auch wenn ich nicht so recht verstand, wieso er für ihr Unglück verantwortlich war. "Vielleicht... kann ich dir ja helfen etwas herauszufinden... - Aber... hör mal! Natürlich kannst du es annehmen. Du und Unglück?! Du hast mir schon so viel Glück gebracht, dass ich dich als meine persönliche Fortuna in Mamor hauen lassen sollte!"
Eigentlich keine schlechte Idee... Die alte hatte ich ja zerschlagen, das treulose Wesen.Einmalig? Ich lächelte überrascht und erfreut, und war mittlerweile, zaghaft zwar, aber doch schon fast bereit zu glauben, dass er mich wirklich nicht ungern sah.... und nahm gerade all meinen Mut zusammen, um ihn doch noch zu fragen, ob er nicht vielleicht mal Lust hatte, mit mir zusammen essen zu gehen.... da geschah es.
Er küsste mich.
Einfach so!
Auf offener Strasse.
Ich war vollkommen überrumpelt.
Stand erst starr wie ein Stein.
Doch dann... züngelte das Feuer in mir empor, und wie in einem Traum, in dem man verrückte Dinge tut ohne das sie einem verrückt erscheinen, legte ich meine Arme um seinen Nacken und küsste ihn heiß und innig zurück. Das war schon immer einer meiner Wunschträume gewesen. In aller Öffentlichkeit, am hellichten Tage, draussen auf der Strasse, unter Menschen, ohne sich zu verstecken, einfach zu küssen. Natürlich hatte ich es niemals getan. Bis heute. Atemlos, schwindelig und glücksselig löste ich mich von ihm, und – ehrlich - dann erst fiel mir siedendheiß ein:
"Ich.... ich darf das nicht..." stammelte ich erblassend und errötend, komplett konfus. Hochkant aus der Tempelgemeinschaft würde ich fliegen! "Und ich... glaube ich muß... so langsam mal wieder... -"
Hastig wandte ich mich zur Flucht. Entweder das, oder... es würde nicht bei einem Kuss bleiben.
Natürlich gafften die Leute. Aber hier kannte mich ja keiner. Zerrissen wandte ich mich wieder zu Phan... - zu Borkan. "Komm mich besuchen. Ja? Komm einfach vorbei. Vale! - Du wirst doch kommen, oder, ja?! Vale, auf bald!" -
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"Sei mir gegrüßt, hünenhafter Hüter der Porta." erwiderte der Besucher manieriert den abweisenden Gruß des dunklen Ianitors, und tat es ihm unwillkürlich gleich beim Mustern vom Scheitel bis zur Sohle und wieder zurück. Welch kraftvoll primitive Erscheinung. Wenn auch etwas rüde. Die Iulier hielten wohl nicht viel von Besuch.
"Eine Botschaft zu überbringen, darum bin ich hier," erklärte er, mit volltönender Stimme und dabei nur dem Hauch eines hintersinnigen Lächelns, und strich sich mit der behandschuhten Hand eine ungebändigte Locke aus der Stirn, "Eine ganz persönliche Botschaft, welche nur bestimmt ist für die Hände deines verehrten Hausherren: des trefflichen Tribuns Marcus Iulius Dives." -
Na warte!!! In meinem Kopf drehte sich alles, in meinen Ohren brauste mein hitziges Blut und übertönte jeglichen Schmerz, und ich hatte ihn erwischt, hatte ihn in meinem Griff, versuchte verbissen ihn runter in den Dreck zu drücken... Gleich hab ich dich...– doch sein spitzer Ellbogen zwang mich zum Ausweichen, beraubte mich des Triumphes, ich wand mich zur Seite, was ihm wiederum erlaubte den Griff zu sprengen... Mierda! - worauf ich wiederum mit der Rechten ausholte, um ihm ohne Rücksicht auf Verluste einen hübschen Kinnhaken zu verpassen, und...
"Auf der Stelle auseinander!" befahl die Stimme des Priesters Anastasius, und da wurde ich jäh gepackt und von dem Feind wegerissen, von mehreren Akolythen auf einmal, hoch auf die Füße rissen sie mich, in einem großen Durcheinander zu vieler übereifriger Eingreifer. Ich kämpfte darum, mich freizumachen und wieder auf den Feind zu stürzen, schüttelte eine Hand ab, trat einem empfindlich gegen das Schienbein, und... -[Blockierte Grafik: http://www11.pic-upload.de/10.07.14/u3q8wliigplj.jpg] | Der Serapispriester Anastasius
"Serapio. Was hat das zu bedeuten?!" Die Stimme meines Mentors, sonst so gütig, jetzt das ganze Tohuwabohu streng übertönend, war wie ein kalter Wasserguss. Mein rotvernebelter Blick klärte sich, der dumpfe Schmerz in meiner Nierengegend kam langsam zurück, und ich sah...
Naja. Wie in einem dieser peinlichen Albträume, in den einem plötzlich bewusst wird, dass man ja gar nichts anhat... ungefähr so war das, da zu stehen, in dem Tempelvorhof, festgehalten von drei Mit-Jüngern, während der der Rest der ganzen Bande mich so entsetzt anstarrte, als hätte ich mich dort in ihrer friedliebenden Mitte auf einmal in die Medusa verwandelt. Immerhin hatten sie sich den Feind genauso gepackt wie mich, und hielten ihn ebenso fest.
"Welcher Wahnsinn ist in euch gefahren, vor dem Tempel des Ewigen eine Runde Pankration zu veranstalten? Gar Blut zu vergießen?!"
'Blut'. Mit schmalen Augen fixierte ich den Feind in finsterem Schweigen. Das Rinnsal da aus seiner Nase fiel ja wohl kaum ins Gewicht, von mir aus sollte er noch viel mehr Federn lassen! Ich bemerkte, dass meine Lippe auch blutig war.
"Bringt sie erst mal rüber ins Hospital. Wir klären das noch." entschied Anastasius (unheilvoll).Wir wurden 'abgeführt', schräg über den Hof, ins Hospital, und dort in eines der bescheidenen Krankenzimmer. Anastasius schickte die Helfer weg, und stand selbst schweigend und streng im Türrahmen, während der Medicus Loquex sich, beruhigend schwatzend wie immer, nacheinander unsere Blessuren ansah, sich erst mit der Nase meines Ex-Kameraden beschäftigte, dann die ein oder andere Schramme saubermachte, meine Hand untersuchte - autsch - und mir einen kalten Lappen drum herumwand. Meine Flanke, links, tat auch verdammt weh...