Beiträge von Phaeneas

    Etwas angespannt verfolgte der Bithynier weiter Lucianus‘ Vorgehensweise. Bei jeder neuen harmlosen Frage, war er wieder erleichtert, als ob ihr Schicksal doch noch zu verhindern wäre. Welch dummer Gedanke.
    Die Erkundigung nach der Sprache amüsierte ihn allerdings ein weiteres Mal. Schließlich war Lais‘ Familie seit mehreren Generationen versklavt und Lateinisch – Lucianus‘ Sprache – war nun mal Weltsprache (zumindest im römischen Teil der Welt). Und wenn ein Sklave diese Sprache nicht beherrschte, war er ziemlich blöd dran.

    Dem Senator wurde eine Sitzgelegenheit angeboten, während Syria herantrat und ihm verwässerten Wein einschenkte. Ganz in der Mischung, wie der Gast es wünschte.
    Schließlich war er angemeldet für eine Unterredung mit dem Hausherrn, da konnte man schon einen gewissen Service erwarten.
    „Gleich müsste der Consular bei dir sein“, führte Antias unterdessen aus. „Nur ein wenig Geduld noch, es kann sich nur um wenige Momente handeln.“

    Es war nicht unbedingt ein Zufall, dass an diesem Tag zu dieser Stunde wieder Lichas Dienst hatte. Schließlich ging es darum, angemeldete Gäste möglichst in Würden zu empfangen - und die ganze Anmeldeprozedur möglichst schnell und unkompliziert abzuwickeln. Sobald er nämlich die Tür aufzog, erkannte er auch prompt schon den kleinen iulischen Boten. „Ach, salve, du bist es“, begrüßte er ihn. „Dein Herr wird schon erwartet.“ Und sobald der Senator Iulius Centho seiner Sänfte entstiegen war, wurde er sofort ins Atrium geführt.

    Nun doch etwas amüsiert betrachtete Phaeneas, wie Lucianus da mit offenem Mund da saß. Na ja, wenn er selbst mehr Emotionen gezeigt hätte – was er ja üblicherweise nicht tat - , hätte er bei dem ersten Aufeinandertreffen mit Cimon wohl ähnlich ausgesehen.
    Grundsätzlich freute er sich für Lucianus, der ihm so viel bedeutete. Er freute sich immer mit Lucianus, wenn den etwas freute. Und so freute er sich auch hier, dass ihm die Sklavin offensichtlich zusagte.
    Aber die Angst ließ sich nicht aus dem Zimmer vertreiben. Die Sorge, für die Neue könnte das, was ihr Herr mit ihr vorhatte, nicht ganz so einfach wegzustecken sein, wie Phaeneas sich das erhoffte. Intensivst erhoffte.
    „Sie heißt Lais“, ließ er Lucianus wissen. „Woher sie kommt, kann man nicht so konkret sagen. Aus aller Herren Länder stammen ihre Vorfahren - Sklaven. Ihr Vater war schwarz, die Mutter weiß, die genaueren Details sind etwas schwierig“, erklärte er – weil es für die Thematik notwendig war – etwas ausführlicher.

    Phaeneas schob die Tür zu Lucianus‘ Arbeitszimmer auf und ließ ein weibliches Wesen ein, das leichtfüßig ins
    Zimmer schwebte, auf den Schreibtisch zu, bevor er selbst eintrat und die Tür wieder ordentlich schloss.
    Mir ihr drang ein verspielter Hauch von Birnen- und Hibiskusblüten ;) ins Officium, warm, natürlich und sinnlich,
    Vertrauen und Selbstbewusstsein ausstrahlend – aber natürlich entgingen Phaeneas diese wohlriechenden
    Botschaften völlig.
    Parfüm halt.


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    „Das, Lucianus, ist also nun die Sklavin, die Lysias und ich gekauft haben. Trifft sie deinen Geschmack?“
    Mit ziemlich unbewegter, um nicht zu sagen starrer Miene stand der Bithynier daneben und sah Lucianus an.
    Was verriet, wie viel Disziplin es ihn immer noch kostete, diese Situation gelassen hinnehmen zu können.


    Sim-Off:

    Vorsicht, Schleichwerbung :D

    „Das ist selbstverständlich“, musste Phaeneas lächeln, um welche Dinge Lucianus manchmal ausdrücklich bat, das war schon nett mitanzusehen – und nachwievor ungewohnt für den bithynischen Sklaven. Aber er genoss es, darüber gab es gar keinen Zweifel, diese nahezu zuvorkommende Behandlung von Dienern.
    Das Lächeln gefror ihm allerdings auf den Lippen, als er sich erinnerte, was da vor wenigen Stunden in der Villa Vinicia angekommen war ...
    „Ach ja ... da ist noch was für dich abgegeben worden, Lucianus ... Einen Moment eben, dann zeig ich’s dir“, erklärte er zögernd, drehte sich dann um und verschwand aus dem Arbeitszimmer ... vorübergehend.

    Ein weiteres Gähnen unterdrückend lauschte Lichas dem Anliegen des Boten. „Hm, das ist kein Problem. Ich muss nur eben nachfragen, wann es dem Consular recht wäre. Wenn du einen Moment warten würdest ... Tritt nur ein in der Zwischenzeit, du sollst ja nicht in der Kälte stehen.“ Mit diesen Worten ließ er ihn ein und schloss die Türe hinter ihm.
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    Während Lichas Rücksprache hielt, tauchte Smyrna auf, die inzwischen ganz auf dem Sprung zur Frau war, und reichte dem fremden Mann einen Becher angewärmten Wein mit Gewürzen darin. „Hier, bitte sehr“, lächelte sie ihm zu. Der iulische Bote war gar nicht viel größer als sie, fiel ihr positiv auf. Große Männer hatten für sie immer so etwas erschreckendes an sich. Aber dieser hier ...
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    Nach einer Weile kam Lichas wieder ins Vestibulum und damit zum iulischen Boten zurück. Mit einem freudigen Lächeln – man wusste ja, wie angenehm es war, seine Herrschaften zufrieden zu stellen – verkündete er ihm, was ihm gerade mitgeteilt worden war, nämlich wann der ehrenwerte Consular den Senator Iulius Centho empfangen würde.


    Sim-Off:

    Komm einfach irgendwann demnächst nochmal vorbei, wenn es für dich zeitlich passt ;)

    In der Küche der Villa Vinicia bot sich für den Betrachter, der die neuesten Entwicklungen nicht mitbekommen hatte, ein ungewohntes Bild: „Iotape, sieh doch bitte nach dem Hasen für heute abend! Lichas, bevor du hier herumsitzt, holst du ein neues Liquamen aus der Voratskammer!“ So schickte Mago die vinicischen Sklaven in der Culina umher. „Schmeck bitte eben die Soße ab, Xerxes, ich will nicht, dass sie so lasch ist wie beim letzten Mal.“ Irritiert sah er sich um. „Wo ist denn jetzt der Honig hingekommen?“ Smyrna kam ihm zu Hilfe. Am Tisch saß Deidameia und schnitt Gemüse, Arete unterstützte Xerxes beim Abschmecken und warf giftige Blicke zu Mago hinüber.
    Der ganz frisch seinen Herrschaftsbereich, die Culina, in Besitz genommen hatte. Berenice hatte Abschied von der Küche genommen. Ab jetzt hatte sie nur noch ihre Autorität, direkte Machtbefugnisse waren ihr keine mehr gegeben. Was natürlich nicht hieß, dass sie ab sofort unwichtig war. Zu sagen hatte sie nachwievor eine Menge.
    Mit Tränen in den Augen (manchmal neigte sie ein bisschen zu Theatralik, aber sie wusste eben, wie sie es machen musste) hatte sie ein letztes Mal ihren Blick durch den Raum schweifen lassen, dann alle langjährigen Mitstreiter an ihre üppige Brust gedrückt (erfreulicherweise hatte sie das bei Phaeneas unterlassen, da er ja nicht zum Küchenpersonal gehörte) und schließlich jene schicksalsschweren Worte gesprochen: „Ich werde euch bestimmt besuchen, Mago unterstützen ...“ Ein Lächeln zu ihm. „Denn dauerhaft könnte ich euch ja doch nicht allein lassen. Ich vermisse euch jetzt schon, Schätzchen!“ Mit Mühe und Not hatte sie es geschafft, ein Schluchzen zu unterdrücken – man konnte eine gewisse Altersmilde an der grundsätzlich sehr souverän herrschenden, weil überreich mit Führungsqualitäten ausgestatteten Berenice feststellen.
    Diese resolute Seite hatte sie auch prompt gezeigt, als sie in einer bestimmenden Geste ihre Tunica straff gezogen hatte.
    „Aber ihr schafft das! Ich glaube an euch!“, hatte sie zu ihrer letzten Motivationsrede angesetzt. „Denn ihr seid die beste Küchengemeinschaft Roms! Und nicht nur dort, des ganzen Imperiums! Ich weiß es, jahrelang war ich eure Küchencheffin – und ich habe euch alle einzeln ausgesucht, gefördert, euch in guten und schlechten Zeiten erlebt, sie mit euch durchgestanden. Katastrophen abgewendet, schier unüberwindliche Herausforderungen gemeistert und dabei die Herrschaften immer glücklich gemacht! Ihr seid die Crème de la Crème der Kochsklaven und ich hoffe, dass Mago mit euch genauso zufrieden sein wird, wie ich es war!“


    Durch das, was die Sklaven so untereinander erzählten, hatte Phaeneas erfahren, dass Berenice damals für sie selbst sehr überraschend zur Küchencheffin ernannt worden war. Schließlich war sie eine Frau und der oberste Koch eine Vorzeigeposition, vor jeglichen Gästen, bei Feiern und sowieso überhaupt. Aber ihre kulinarischen und autoritären Fähigkeiten hatten so sehr für sie gesprochen, dass sie sich schließlich gegen alle männlichen Bewerber durchgesetzt hatte. Berenice war überglücklich gewesen und hatte ihre Aufgabe stets als unfassbares Privileg angesehen. Dass sie als Frau so die Gelegenheit bekam, sich in einem Senatorenhaushalt zu beweisen.
    Aber alles ging einmal zu Ende und so zog sie sich nun aus der Küche zurück und widmete sich weniger anstrengenden Aufgaben. Überließ das Feld „den Jungen“, wie sie sagte. Und so war nun Mago oberster Koch.
    Phaeneas verfolgte seine Hast, mit der er Aufgaben verteilte, überwachte, Tipps verteilte, und die wohl untrennbar zu einem Küchenvorstand gehörte. Er machte seine Sache wie zu erwarten gut. Schließlich war er schon seit Jahren in der Culina eingearbeitet, an die Abläufe gewöhnt und sein Geschick dabei hatte für sich gesprochen – und ihn letzten Endes in die engere Auswahl der Nachfolgekandidaten für Berenice gebracht. Arete war es schließlich nicht geworden.


    ‚Wieder etwas erfolgreich zum Abschluss gebracht.‘, dachte Phaeneas.
    Wenn er nur wüsste, was das mit Cimon jemals werden würde ...

    Der große, berühmte, einflussreiche Senator Marcus Vinicius Hungaricus würde dem wilden Germania den Rücken zukehren und sein Leben in der zivilisierten Welt wieder aufnehmen. Samt Kind und hochschwangerer Frau, wie sich das eben gehörte. (Der brachte seine Frau wenigstens schwanger, im Gegensatz zu Antias‘ Herrn, der sich mit seinem einen Stammhalter zufrieden gab. Na ja, gut, aber Hungaricus hatte wenigstens einen Grund dazu, denn ihm fehlte der Erbe noch.)
    Der „große“ Leibsklave Phaeneas blieb natürlich zu Hause in der Villa in Rom, wo er natürlich absolut unverzichtbar war – nun gut, es gehörte schon ein bisschen Häme dazu, so zu denken, der Bithynier machte seinen Job und der war nun mal wichtig – jedenfalls begnügte sich der natürlich damit, jemanden zu schicken, um die Villa in Misenum für den Senator samt Gattin und Kind wohnlich zu machen.
    Aber Antias war natürlich überglücklich darüber, ihn ehrte, dass diese bedeutende Aufgabe ihm übertragen worden war. Denn Antias liebte es, sich mit solch wichtigen Aufträgen hervorzutun und andere Leute herumzukommandieren. Und das nicht, weil es ihm gefiel, andere zu schikanieren – nein, er schikanierte niemanden. Ihm gefiel nur das Gefühl, Macht zu haben. Macht und das zugehörige Ansehen.

    Prüfend sah Phaeneas Cimon an, als der behauptete, verstanden zu haben. Na ja, es schien jedenfalls so, als ob er es wirklich begriffen und verinnerlicht hätte. Zufrieden nickte der Bithynier also. „Sehr gut, Cimon.“ Der arme Nubier, wie viele von Phaeneas‘ Regeln er schon hatte lernen müssen. Und wie viele davon würden gar nicht mehr gelten, wenn sie erst einmal eine Beziehung hätten. Eine Aussicht, die für den vinicischen Sklaven in immer weitere Ferne rückte. Und eine deutliche Spur von Verzweiflung in ihm zurückließ.
    Aber was sollte er machen? Er hatte doch gar keine andere Wahl! Alles andere würde in einer absolut unvermeidbaren Katastrophe enden. In einer mit unabsehbaren Folgen, die Phaeneas nicht verantworten wollte. Niemals könnte. Es würde ihn an den Rande dessen treiben, was er aushalten konnte. Und das war eine Menge. Dazu war er als Sklave schließlich erzogen worden, so ziemlich alles mit sich machen zu lassen und dabei keine Miene zu verziehen.
    Den gesenkten Kopf interpretierte der Bithynier ein weiteres Mal als durchweg angebrachtes Schuldgefühl. Der Glaube, etwas Bedeutendes klargestellt zu haben, sowie die Zufriedenheit darüber füllten ihn gerade aus und ließen ihn vergessen, wie er sich später fühlen würde. Wenn Cimon erst weg war. Welche Gedanken ihn des nachts, wenn er sich schlafen legte, heimsuchen würden. Welch elendige, aussichtslose, marternde Empfindungen ihn quälen würden. Im Moment war nichts davon da.


    Wenn man Phaeneas still für sich fragte, sowas war typisch Herrschaften. Waren so mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt, dass sie kein bisschen an ihre Sklaven dachten. Da konnten ja die schönsten Vorkehrungen nicht funktionieren.
    Doch laut dem, was Cimon sagte, hieß das wohl Abschied nehmen. Als der sich ihm zuwandte, wurde dem Bithynier ganz anders. Der Blick aus den nubischen Augen ging ihm durch und durch und für wenige Momente fühlte er sich wie ein ganz gewöhnliches Liebespaar, das sich für eine Zeit nicht sehen würde. Dabei waren sie keins.
    Wie einem Automatismus folgend hob Phaeneas leicht die Hand, als wollte er sich nach Cimon ausstrecken, wurde sich jedoch gerade noch rechtzeitig klar darüber.
    „Tu das“, stimmte er schließlich zu. „Es war schön, dass du da warst, Cimon, und ...“ ‚... ich kann es jetzt schon kaum mehr erwarten, dich wieder in Mantua zu treffen!‘ „ ... mir geht es genauso.“ Es folgte auf dem Fuße die Unterdrückung eines hoffnungsvollen Blicks, vonwegen ‚Irgendwann ... wenn ich nur lang genug warte ...‘ „ ... Vale, Cimon!“, brachte er unbestimmt heraus.
    Fest an Ort und Stelle stehend sah er dem aurelischen Sklaven nach ... Bis die Mauern ihn verschluckten. Phaeneas bewegte sich wieder.


    Und Charmis – schließlich war er ja auch nicht dumm – wandte sich an Phaeneas und stellte mit großen, wachen Kinderaugen die entscheidende Frage: „Phaeneas? Bist du in Cimon verliebt?“
    Und nein, Phaeneas wurde nicht blass. Ausnahmsweise einmal nicht.

    Hungaricus – Lucianus‘ Bruder. In Germania hatte Phaeneas ihn schon beim damaligen Wechsel erlebt, als er Lucianus als Statthalter abgelöst hatte. Ansonsten war Hungaricus für den bithynischen Sklaven nur ein Name. Der Name von jemandem, von dem er wusste, dass der Betreffende seinem Herrn vergleichsweise sehr nahe stand.
    Und dieser Name würde nun samt der Gestalt, die Phaeneas flüchtig kennengelernt hatte, nach Hause kommen – wie Lucianus sagte. Dauerhafter in ihrer aller Leben treten. Das würde Veränderungen mit sich bringen, fragte sich nur, wie tiefgreifende.
    „Er wurde als Statthalter abgelöst?“, fragte er nach, vielleicht ein wenig rhetorisch, weil es ja eigentlich klar war.
    „Wird erledigt“, bestätigte er den Auftrag; den noch nicht einmal er selbst ausführen würde. Denn das bloße Weitergeben erachtete Phaeneas nicht als wirkliche Arbeit. „Gibt es sonst noch etwas, Lucianus?“

    Natürlich hatte Rhianus es sich bewusst nicht entgehen lassen, Caecilius Metellus höchstselbst ins Atrium zu geleiten. Und dabei vorsorglich jemanden zum Herrn vorgeschickt. So konnte er selbst sich ausführlicher dem hochinteressanten Gast widmen.
    Kurzerhand trat er zu der Klinengruppe, blickte wieder in die blauen Augen des Gegenübers, dem er als Diener untergeben war. Schüttelte die Kissen auf.
    „Setz dich nur, Herr ...“ ‚Lass dich sinken in die Kissen, wohlig, behaglich, entspannt ...‘ Dann trat er respektvoll ein paar Schritte zurück. Schüttelte sich die wilden braunen Haare aus der Stirn und drehte dem Gast dabei leicht seine Rückseite zu. Und nahm den Blickkontakt wieder auf.
    Alles eine Sache von wenigen Augenblicken.
    Oh, ihr Götter, Rhianus stand so unheimlich auf Männer mit Bart! Und gerade der war genau sein Typ ...
    Mal sehen, ob er immer noch vergleichbar verhalten wie eben reagieren würde. Zu seinen Augen würde es passen ...


    Ach, mit den Freien war es bei so offiziellen Anlässen immer so kompliziert. Vor allem, wenn man so wenig Zeit hatte. Denn alles musste so diskret ablaufen. Nie zu offen, denn sonst könnte sich noch jemand zu nahegetreten fühlen. Und sich deshalb beim Herrn beschweren. Und wofür, bitte sehr, wofür? Für die schwärmerischen Blicke eines Sklaven.

    Er müsste in Rhianus‘ Alter sein, wenige Jahre war der Unfreie vielleicht älter. Und um einen Caecilier handelte es sich bei dem gutaussehenden Fremden, was reichte, um ihm Vortritt zum Hausherrn zu gewähren. Aber er selbst war noch unbekannt genug, um ohne eigene Sklaven aufzutreten.
    Rhianus nickte ebenfalls noch einmal ganz ausdrücklich zurück, so als wäre der erste Gruß der seines Herrn gewesen, der zweite nun aber ganz von ihm selbst an Caecilius Metellus. Mit einem leichten Schmunzeln.
    „So so, den Consular“, wiederholte er, als würde er etwas ganz anderes sagen wollen (wollte er ja auch). Inzwischen war diese Differenzierung des erwünschten Gesprächspartners nicht mehr nur pro forma, seit die Damen dieses Hauses wieder regeren gesellschaftlichen Verkehr begonnen hatten.


    Die plötzliche Bewegung über Lippen und das herrlich männliche Kinn überraschte Rhianus jedoch – was war denn das jetzt? Die verstohlene Beobachtung durch den jungen Mann widerum entging ihm nicht. Auch wenn er sie seinerseits missinterpretierte. ‚Schüchtern‘, war seine Einschätzung.
    Sekunden später schließlich fiel ihm wie Schuppen von den Augen, was der Caecilier damit bezweckt haben musste.
    Während der vinicische Sklave ihn einließ, meinte er in einer fast unschuldigen Selbstverständlichkeit: „Keine Sorge – du siehst großartig aus!“ und strahlte ihn aus haselnussbraunen Augen an.


    Doch da gab es ja noch ein Anliegen. Als fiele es ihm unendlich schwer, den Blick von dem jungen Mann zu lösen, drehte Rhianus sich von ihm weg und rief einen Sklavenjungen: „Charmis! Bestell bitte dem Herrn, dass Caecilius Metellus um eine Unterredung bittet“, schickte er ihn los.
    „Nun, dann komm mit“, wandte er sich schlussendlich wieder an seinen aufregenden Besucher.

    Lichas gähnte und streckte sich auf seinem Stuhl, als schon wieder jemand anklopfte. He, das war auch echt gemein gewesen von Antias, dass er den Türdienst heute an ihn abgewälzt hatte. Ausgerechnet, wo doch ein Blinder auf zehn Meilen Entfernung sah, dass er letzte Nacht nicht viel Schlaf abbekommen hatte.
    Ja, peinlich jetzt vor den Herrschaften, vor denen er einen auf wach machen musste, damit man ihm nur nix anmerkte. Wie sagt man, da war schauspielerisches Talent gefragt!
    ‚Wach, ganz wach‘, sprach Lichas sich also vor und zog die Porta auf.


    Jemand mit ganz kurzen Beinen stand davor. Ungewöhnlich, hier an der Tür war man lange Burschen, oder auch Frauen, gewöhnt. Aber Lichas, der hager wie eine Bohnenstange war, wusste, was es hieß, verspottet zu werden. Deshalb behandelte er den Mann vor sich wie jeden anderen Anklopfenden auch.
    „Salve, was kann ich für dich tun?"

    Es wäre entgegen Phaeneas‘ Gewohnheit, sich über Arbeitsentlastung zu freuen. Aber es störte ihn auch kein bisschen, dass der Decimer nun als Lucianus‘ Sekretär fungierte. Schließlich nahm er dem Bithynier damit Arbeit ab, an der ihm nicht unbedingt lag, wenn sie ihm auch nie lästig gewesen war und nie lästig würde. Dazu war Decimus Verus ein äußerst höflicher Mann, erledigte seine Aufgaben gewissenhaft und mischte sich (in Hinblick auf die Sklavenschaft) in nichts ein, was ihn nichts anging. Und was kann man sich schon mehr wünschen. Selten bekam man als Unfreier so angenehme Mitarbeiter ins tägliche Umfeld gestellt.
    Nachdem ihm selbiger also mitgeteilt hatte, dass Lucianus nach ihm verlangte, machte sich Phaeneas auf den Weg zu dessen Arbeitszimmer. Wie üblich dabei darum bemüht, möglichst wenig nachzudenken, um nicht noch aus der Ruhe bringende Gedanken an einen nubischen Sklaven aus aurelischem Hause aufzubringen.


    Als er jedoch den Raum, in dem sich Lucianus innerhalb der Villa am meisten aufhielt, betrat, schien wieder so einiges an Schwere von ihm abzufallen, wie es schon immer gewesen war, seit Phaeneas Vertrauen zu ihm gefasst hatte. Ein Lächeln zur Begrüßung gesellte sich dazu. „Was gibt es, Lucianus?“ Ausgelassen klang seine Stimme schon fast, im Vergleich zu dem tiefen Ernst, der sonst gegenüber aller Welt aus ihr sprach.

    Öhm ... gutes Stichwort ;)
    Das, was vorgestern noch vergleichbar harmlos ausgesehen hat, hat sich als ordentliche Grippe herausgestellt, die mich gleich mal für zwei Tage komplett ans Bett gefesselt hat. Grundsätzlich bin ich also mal als abwesend zu betrachten. Wenn ich schreibe, ist das reiner Luxus.

    Nach einer leichten Erkältung hat mir der Winter jetzt noch mal so richtig zugesetzt, weshalb es leicht sein kann, dass einiges bei mir länger dauert oder manches vorübergehend vielleicht sogar liegen bleiben muss. Ich hoffe, es ist nicht für lange.

    Hey, ein schöner Tag heute. Es war ein bisschen kalt, aber er hatte ja eine warme Tunica an und die Villa war luxuriöserweise geheizt. Also wirklich ein schöner Tag. Wie eben jeder Tag. Rhianus freute sich jeden Morgen wieder über die vor ihm liegenden Stunden. Dass er am Leben war. Dass die Welt so herrlich war. Nein, um nichts in der Welt würde er dieses Abenteuer missen wollen. Und vor allem, jeder Tag war ja wieder eine Überraschung. Man wusste nie, was kam. Und Rhianus liebte das. So wie er jeden Sonnenstrahl, jede Wolke und jeden Regentropfen liebte. Nein, es war schon ein Geschenk, am Leben zu sein.


    Die Anklopfenden hier an der Tür waren im Grunde auch eine Überraschung und damit ein Geschenk. Und Rhianus war schließlich gegenüber nichts undankbar.
    Dazu musste er von dem, der da vor der Schwelle der Porta stand, auch noch sagen, sobald er ihn erblickte: Der sah extrem gut aus! Auch wenn er – befand der Sklave – ein wenig nervös rüberkam. Das roch man irgendwann, wenn man länger hier an der Tür arbeitete. War ja auch völlig normal, wenn man zu diesen hohen Tieren wollte.
    Bei einem anderen Mann, sprich einem Gleichrangigen, hätte er jetzt gesagt: ‚Hallo, schöner Mann!‘ Aber bei einem Freien ging das natürlich nicht. Da wäre das respektlos gewesen. Aber seine blitzenden Augen sagten das Gleiche.
    „Salve, Herr! Wie kann ich dir behilflich sein?“
    Neugierig (was sich natürlich nur auf den Mann vor ihm bezog) lehnte er im Türrahmen, gerne bereit, ihm natürlich jeeeeden Wunsch zu erfüllen