Beiträge von Phaeneas

    Er, Lysias, hatte gewaltig für Evanoridas geschwärmt und war überzeugt gewesen, dass sie noch lange zusammensein würden. Doch Evanoridas schien irgendwie nicht wirklich ... bei ihm gewesen zu sein, wenn sie Zeit miteinander verbracht hatten. Er schien es nicht wirklich ernst mit seinem Geliebten gemeint zu haben. Und Lysias hatte dementsprechend Schluss gemacht. Sobald er erkannt hatte, dass das Ganze keine Zukunft hatte.


    Ein Bote, na wer sagt’s denn, der Kennerblick verrät sowas schnell. Aber vom Praefectus Urbi an Petronilla? Da witterte sogar der absolut unpolitische Lysias eine Verschwörung. Oder eine Affäre. Was aufs Gleiche rauskam.
    „Nein, ist sie nicht, tut mir leid“, sagte er dem Praefectus-Boten ab. „Aber du kannst die Nachricht – mündlich oder schriftlich – gerne mir übergeben, sie wird der Herrin dann zugestellt werden, sobald sie wieder zugegen ist.“

    Inzwischen hatte Evanoridas Mys losgeschickt, dem Hausherrn Bescheid zu sagen. So blieb ihm im Atrium also nur noch, zu den Klinen zu deuten und sich direkt an den Aurelier zu wenden: „Setz dich nur, Herr, wenn du möchtest. Für gewöhnlich müsste Senator Vinicius gleich kommen.“ Mit einem Nicken verabschiedete sich der Diener von dem Aurelier und dessen Sklaven.


    Mago war wirklich so ziemlich das Beste, was Evanoridas sich zur Zeit wünschen konnte. Er war nicht nur ein ungeheuer guter Liebhaber, sondern ihm lag auch noch aufrichtigst an Evanoridas‘ Wohl. Fürsorglichst bemühte er sich um ihn und tat beinahe alles, um ihn lachend und nicht unglücklich zu sehen. Wie sollte es auch Magos Schuld sein, dass Evanoridas ihn nicht wissen ließ, was ihn bedrückte? Immer konnte er auf Mago zählen, nie musste (oder müsste) er allein sein. Was konnte ein Mensch sich schon mehr wünschen?

    Der besorgte Blick entging Evanoridas nicht – und im gleichen Augenblick begann er sich zu fragen, ob man ihm ansah, was seit Jahren auf seinen Schultern lastete und sein Herz schwer machte? Für gewöhnlich merkte ihm niemand etwas an, schließlich war er für seine gute Laune, sein unerschütterbares Gemüt und seine Ausgelassenheit bekannt. Eigentlich war er vom Wesen her ja auch so ... Aber in dieser einen Sache ließ ihn sein Selbstbewusstsein im Stich ...
    Hm, Mago hatte auch nichts gesagt, hatte ihm nicht zugeraunt: „Alles in Ordnung, Schatz?“, als er ihn in seine Arme gezogen hatte.
    Trotz der Gedanken lächelte Evanoridas weiterhin souverän. Jetzt fiel es ihm nämlich ein, wer da vor ihm stand, denn sowohl Cimon als auch Aurelius Ursus genossen einen guten Ruf unter der vinicischen Sklavenschaft.
    Beim Blick auf den Patrizier fiel ihm dessen Kleidung auf – Trauerkleidung. Ach ja, stimmt, Aurelius Corvinus und seine Gattin. Eine dramatische Geschichte, die fast nach ganz großer Liebe klang (wenn da nicht die unschöne Sache mit dem sklavischen Liebhaber der Patrizierin wäre) – wieder seufzte Evanoridas innerlich. Ihr Götter, wie weit war es mit ihm gekommen!
    „Selbstverständlich wird es deinem Herrn möglich sein, mit Senator Vinicius zu sprechen. Folgt mir nur, ich führe euch ins Atrium.“ Einladend hieß er sie, mit ihm zu kommen. Erneut ein gastliches Lächeln, das wirklich aus den Augen kam, schließlich lag ihm an den Menschen, mit denen er tagtäglich zu tun hatte.

    Anstrengend war es gewesen, mit Phaeneas einkaufen zu gehen. Gefühlte tausend Frauen hatten sie durchbesprochen. Und mit dem Ergebnis konnte Lysias immer noch nicht viel anfangen. Denn nur eine hatten sie gekauft.
    Das war ungefähr genauso wie die Sache damals mit Evanoridas. Bis auf den heutigen Tag konnte Lysias nicht verstehen, warum ihre Beziehung nicht geklappt hatte.
    In diesem Moment klopfte es, woraufhin Lysias die Porta aufzog. Musternd schätzte er den Davorstehenden ab. Ein Bote würde es sein, na ja, aber eventuell ... könnte es auch sein, dass er in eigenem Interesse gekommen war. Na ja, war ja auch egal, würde er schließlich gleich sagen.
    „Salve, was kann ich für dich tun?“
    Heute hatte der Mann ihn an einem grüblerischen Tag erwischt. Von seiner sonstigen Leichtigkeit war nicht viel zu merken.

    Da war gerade eben Arete vorbeigekommen. Da, am Vestibulum vorbei, durchs Atrium. Wie im Spaß hatte sie ein Vorratsgefäß auf ihrem Kopf transportiert. Sich dabei lachend zu Iotape umgedreht. Die ihr gefolgt war.
    Jetzt war sie weg.
    Wie unendlich müde fuhr sich Evanoridas übers Gesicht und durch die Haare.


    Demnächst würde Berenice als Köchin ja abgelöst werden. Arete hätte gute Chancen. So lange schon war sie Berenices rechte Hand – und mindestens genauso fähig. Ob sie sich wohl Hoffnungen machte?


    Das Klopfen unterbrach Evanoridas‘ Überlegungen. Routiniert stand er auf und öffnete die Türe.
    „Salve, womit kann ich dienen?“, lächelte er den davorstehenden Sklaven an, jetzt wieder entspannt. Ganz in seinem Element.


    Sim-Off:

    Tschuldige, dass ich die PN noch nicht zurückgeschrieben hab, ich bin gerade etwas eingespannt. Aber du stehst als nächstes auf meiner Liste ;)

    Im Stillen nahm Phaeneas sich vor, wenn möglich kurz mit einer in Frage Kommenden zu reden, um herauszufinden, was für ein Typ Mensch sie war und wie sie dementsprechend mit Neuem, mit ... Herausforderungen, mit ... an sie gestellten Wünschen ... umzugehen pflegte ... Unter vier Augen, denn einem Sklavenhändler lag ja gerade daran, seine Sklavin als etwas zu verkaufen, was sie nicht unbedingt sein mussten. Phaeneas aber musste grob abschätzen können, was er ihr damit antat, wenn er sie für Lucianus erwählte ...
    Eigentlich – Phaeneas hatte sich ausführlich umgehört – hätte der Sklavenhändler von eben ein breites Sortiment und höchste Qualität liefern sollen. Aber was er ihnen da geboten hatte, war nicht wirklich etwas für Lucianus gewesen. Deshalb beschloss Phaeneas, es als nächstes erst einmal bei den Versteigerungen zu versuchen.
    Von überall her hörte man hier die Auktionatoren ihre zu versteigernden Unfreien anpreisen. Menschemassen drängten sich, um den Verlauf mitzuverfolgen oder einen Blick auf den Sklavin bzw. die Sklavin zu erhaschen.
    'Dunkelhäutig. Eventuell Syrerin oder Ägypterin', sprach der Bithynier sich still immer wieder vor, während er mit Lysias die jeweils zu Versteigernden betrachtete. Da Phaeneas sich selbst von dieser Aufgabe komplett überfordert sah, klammerte er sich regelrecht an diese Angaben.
    Hier fragte zum Glück niemand mehr, was es denn sein sollte. Denn mehr als die gehobenen Ansprüche seiner Herrschaften und dass die Sklavin für keine zu konkrete Beschäftigung – aber nicht für die Küche oder etwas in der Richtung! – gedacht war, konnte er dazu nicht angeben.


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    „Da, schau, Lysias! Da wird eine waschechte Syrerin angeboten!“, stellte Phaeneas vollkommen überrascht fest. Innerlich jubilierte er schon – denn dass sich sein Auftrag so leicht erfüllen ließ, hätte er nicht gedacht. Aber Lysias enttäuschte ihn in dieser Hoffnung: „Ja, ein schönes Gesicht. Tolle Haare! Und diese Haut ... Aber die macht ja ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter! Ich glaube kaum, dass die jemals zu einem Lächeln fähig ist. Nein, schaun wir weiter!“ Phaeneas nickte seufzend und nahm hin, dass ihre Suche noch länger dauern würde, obwohl er sich jetzt schon reichlich erschöpft fühlte. Nicht körperlich. Sondern seelisch.


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    „Da! Die wär doch was!“, rief Lysias kurz darauf. „Klasse Haare, super Figur – sowas kann man sich doch nur wünschen!“ Von seinem Fund überzeugt sah er den Lucian’schen Leibsklaven an.
    „Also zum einen macht die genau das gleiche Gesicht wie die vorher“, analysierte der nüchtern, „und zum anderen: Schüchterner geht’s ja wohl nicht mehr. Nein, die ist nichts.“ Vehement schüttelte er den Kopf. Schüchternheit sprach nicht gerade dafür, dass sie in Bezug auf Lucianus selbstbewusst sein würde, sprich, gut damit klarkommen.
    „Na gut“, lenkte Lysias ein und warf noch einen letzten respektzollenden Blick zu der Frau hinüber.
    „Wie wär’s mit der da?“, schlug Lysias, nicht ganz so ernsthaft, mehr um überhaupt eine Idee einzubringen, vor. „Tolle Haare, schöne Haut ... Nicht schlecht die Lippen ...“


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    „Bist du verrückt?! Die ist noch ein halbes Kind! Sowas kann man doch unmöglich als Frau werten!“, versetzte Phaeneas sofort. Nein, so etwas könnte er nie verantworten.
    „Hm, du hast recht. Außerdem ist sie gewaltig blass ...“

    Rollenspieltechnisch dürfte das hier eigentlich gar nicht passieren ... trotzdem hast du natürlich das Recht, einen Schlussstrich zu ziehen und diese Sache namens IR für dich zu beenden.


    Ich erinnere mich an viele, viele Male, viele, viele Texte von dir, die ich unglaublich gerne gelesen habe. Suchtfaktor.


    Ein so hohes Schreivniveau, so authentisches, individuelles Rollenspiel hat das IR wohl selten gesehen


    Ich wünsche dir nur das Beste.

    Schade - ich hab es immer gern gelesen, wie Lupus im Militär seinem Cousin nachzueifern versucht hat. Und zum Schluss noch die Liebesgeschichte mit Valentina ... die Ärmste ...

    Auf unbestimmte Zeit muss ich mich leider noch mal abmelden, vielleicht eine Woche oder so ... Kann auch sein, dass ich zwischendrin mal was schreibe, aber momentan ist grade alles etwas wage.

    Okay, ich hoffe, dass das jetzt für lange Zeit die letzte längerwährende Abmeldung ist -
    aber bis Sa, den 25. September bin ich auf Bildungsreise, um mein theoretisches Wissen durch Erfahrungswerte zu ergänzen.
    In dem Zusammenhang entschuldige ich mich, dass ich schon die letzten Tage wegen Vorbereitungen kaum zum Schreiben gekommen bin; aber danach kümmere ich mich um alles, was liegengeblieben ist.


    Bis dann!

    Charmis schaute immer ganz ordentlich darauf, dass der Besucher ihm auch folgen konnte. Nicht, dass er ihm auf seinen flinken Beinen davonlief!
    Im Atrium angekommen wies der Junge dann mit der Andeutung einer Verbeugung auf die Klinen. „Die Klinen stehen bereit, Herr, da kannst du dich gerne draufsetzen! Ansonsten hoffe ich, dass dir nichts weiter mehr fehlt – wenn ja, musst du das irgendeinem anderen Sklaven hier sagen – denn ich richte jetzt meinem Herrn aus, dass du da bist.“ Mit einem Nicken und einem Lächeln setzte er dieses Versprechen auch gleich in die Tat um. Sogar den Namen und den Ordo konnte er fehlerfrei wiedergeben. Die Decimer waren schließlich eine bekannte Familie, die konnte er sich gut merken, und auch der Name Verus fiel ihm nicht schwer - jemand offeneren, unverstellteren als einen so freundlichen Mann konnte Charmis sich gar nicht vorstellen!

    Letzten Endes doch ein wenig nervös ob der verrückten Kleine-Jungen-Idee, beobachtete Antias den neuen Türöffner und den Besucher gleichermaßen aufmerksam. Als Charmis aber tatsächlich noch einmal alles richtig machte und der Decimer positiv reagierte, machte sich in dem erwachsenen Sklaven Erleichterung breit. Gelassen verfolgte er also nun, wie der „Ianitor Charmis“ weiter fortfahren würde.


    Erst war der Mann überrascht. Typisch, in einer so obererwachsenen Welt rechnete aber auch kein Mensch mit einem Kind! Dann erschien aber ein Lächeln auf dem auch ansonsten sehr nett aussehenden Gesicht und Charmis lächelte zurück. Als der Besucher sich anmeldete, spitzte er die Ohren, damit er auch alles mitbekam.
    Lässig nickte er, als würde er das schon seit Jahren machen. „Gerne darfst du mit unserm Herrn reden, du musst dich nur ins Atrium führen lassen, dann kannst du das“, erklärte er geduldig, wandte sich dann schnell an Antias und meinte mit einem nett-frechen Grinsen: „Und das mit dem Führen möchte auch ich machen!“ Der Ältere gab seinen Segen dazu. Bitte folge mir, werter Ritter Decimus!"

    „Och, ist das wieder laaaangweilig“, stöhnte Charmis gerade – als ihm plötzlich eine Idee kam. „He, ich könnte doch wieder die Tür aufmachen und die Gäste begrüßen, so wie ich das das eine Mal durfte! Oh ja, das war spannend – bitte, Antias, darf ich?“ Begierig sah der Junge zu seinem älteren Mitsklaven auf.
    „Aber Charmis, was werden nur die Leute denken – wir können froh sein, dass es das letzte Mal gut gegangen ist und sich niemand gewundert hat - “
    „Ja, es ist gut gegangen und weißt du warum? Weil ich das kann! Ich mach es auch bestimmt wieder genauso richtig, so wie es sich gehört!“
    Antias seufzte. „Na gut ... was soll schon groß schief gehen ... Bestimmt finden die Besucher das lustig ...“, meinte er tröstend mehr zu sich selbst.
    „Danke!“, strahlte Charmis, als es mehrfach klopfte. Mit Hilfe des erwachsenen Sklaven bekam er die Türe auf. Allerdings dauerte es etwas. „Salve, domine! Loquere, quid velis!* “, verkündete der kleine Junge schließlich stolz, als er den Besucher persönlich vor Augen hatte.


    Sim-Off:

    * Was wünschst du? (wortwörtlich: Sag, was du wünschst!)

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    Wieder begann der Händler seine Litanei auf einen ganz bestimmten Aspekt der Unfreien. Ganz als wüsste er, weswegen die beiden hier waren ... oder kannte seine Kundschaft insgesamt gut genug.
    „Ist dieses Hinterteil nicht vielversprechend? Und wenn sie sich erst bückt ...“ Genießerisch verzog er das Gesicht. Genau solche Sprüche hatte Phaeneas sich sein Leben lang zuhauf anhören dürfen ... Nicht etwa, weil er nach dem aktuellen Schönheitsideal besonders gut aussah oder besonders begehrt war - jedenfalls nicht mehr als der Durchschnitt seiner bisherigen Mitsklaven. Nein, schlicht und ergreifend nur, weil er einen Hintern hatte. Das war schon genug, dass die letzten Schweine ein Auge auf einen warfen. Ein Hintern, an dem man sich austoben konnte.
    Und ein einfaches „Nein“ reichte den meisten nicht wirklich, denen musste man in der Regel zehnmal sagen, dass man keine Lust hatte. Keine Lust hatte, sich jemand Rücksichtslosem hinzuhalten. Und diese Männer waren überall. Bedrängten einen überall, betatschten einen überall ... Und sie gingen nie aus.


    Phaeneas sah nur fragend zu Lysias hinüber, der langsam begriff, was heute von ihm erwartet wurde. „Respekt, der Körper, das Gesicht ... diese perfekte Haut ... Na ja, aber der treudoofe Blick ist ja mal gar nichts ...“
    Wieder ließ der Bithynier den Händler per Geste eine Neue herbringen.


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    Nach einigen zotigen Bemerkungen, die Phaeneas dazu brachten, vor Scham im Boden versinken zu wollen: „Welcher Mann könnte einem solch hinreißenden Ding schon widerstehen?“ Na, Phaeneas zum Beispiel. Unbeeindruckt betrachtete er die junge Frau. In logischer Folge dessen war der Satz des Sklavenhändlers kompletter Hirnriss.
    Lysias schien einen vergleichbaren Gedanken gehabt zu haben, denn er meinte: „Also, mir würden da spontan so einige einfallen. Außerdem ist die wohl ein bisschen zu dunkel ...“
    Das reichte, um den Gehilfen mit einem neuen Mädchen auf den Plan zu rufen:


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    „ ... in Liebeskünsten äußerst bewandert ...“, führte der Händler gerade aus.
    Diesmal jedenfalls musste Phaeneas selbst sie nur ansehen - ohne Lysias vorher nach seiner Meinung zu fragen - , um zu wissen, dass diese Sklavin auf keinen Fall ging. Die sah ja Lucianus‘ Gattin viel zu ähnlich. Und dass Lucianus Paulina nicht sonderlich toll fand, wusste der Bithynier haargenau. Die ganze Art ... nein. „Eine andere“, winkte er. Lysias‘ erstaunten Blick ignorierte er dabei.


    Der Sklavenhändler hatte allerdings keine mehr, die auch nur annähernd noch zu dem passte, was Phaeneas vorher beschrieben hatte. Mit der Verzweiflung eines Geschäftsmanns versuchte er, den beiden Kunden noch andere Damen „schmackhaft“ zu machen, aber er stieß bei dem Bithynier auf Granit, der selbstverständlich nur darauf aus war, seinen Auftrag zu erfüllen. Und da das hier nicht mehr möglich war ... „Na, dann eben woanders“, meinte er in Lysias‘ Richtung.

    Sobald der Gehilfe fertig war, wurden Lysias und Phaeneas die in Frage kommenden Sklavinnen vorgeführt. Eine nach der anderen.


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    Bei der Ersten kam der Händler gar nicht dazu, sie anzupreisen. „Also, bei der würd ich erstmal vorschlagen, dass sie das ganze Zeug da abnimmt“, machte Lysias den einzigen in diesem Zusammenhang sinnvollen Kommentar. „Da sieht man ja vor lauter Schmuck gar nix mehr.“
    Der Sklavenhändler erkannte, dass das wohl etwas übertrieben gewesen war. „Na gut, na gut. Die Herren wünschen etwas dezenteres? Kein Problem!“


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    Was der Händler zu den Fähigkeiten der Unfreien meinte, ging zugegebenermaßen größtenteils an Phaeneas vorbei, was dagegen laut in seinen Ohren klang, war Folgendes: „Na, ist sie nicht ein kleiner Augenschmaus? Nahezu zum Anbeißen ... Auch das kann man getrost zu ihren Talenten zählen – mit Sicherheit würde man nicht nur an ihrem üppigen Busen Freude finden. Da müsste sie nur noch ein bisschen lernen, nicht wahr, meine Süße?“ Und mit diesem Kommentar gab er ihr einen Klaps auf den Po. Alle seine Worte wurden mit großen Gesten, sehr direkten Hinweisen auf ihren Körper und einem frivolen Grinsen versehen und waren garniert mit einem Zwinkern in Richtung der Kunden, das Phaeneas ganz sicher nicht erwidern wollte.
    Bei all dem Gehabe des Händlers wurde dem Leibsklaven einfach nur schlecht und er hatte alle Mühe, dass man ihm das nach außen hin nicht ansah. Innerlich war er jedenfalls schon ziemlich blass und am liebsten hätte er hier und jetzt mit Lysias das Weite gesucht. Aber das ging nicht, schließlich hatte er einen Auftrag.


    „Und, würd sie dir gefallen?“, flüsterte der Bithynier seinem Begleiter möglichst vertraulich klingend von der Seite her zu.
    Der sah ihn erstaunt an: „Phaeneas? Seit wann interessierst du dich für Frauen?“
    „Neeeiiin, es geht ja nicht um mich“, protestierte der sofort. „Nur rein theoretisch: Würd sie dir gefallen?“ Den „Gästen“ musste sie ja schließlich auch gefallen ...
    „Also, für ne Beziehung oder nur so für einmal?“
    „Nicht für ne Beziehung ... aber schon öfter als einmal“, erklärte der Lucian’sche Leibsklave, möglichst gelassen.
    „Na ja, hübsch ist sie ja grundsätzlich schon – was für Augen! Auch ansonsten sieht sie nicht schlecht aus, allein schon die Haare. Aber die ist ein bisschen viel des Guten ... Das kommt schon ziemlich billig rüber ... Mir wär sie bald zu langweilig“, beschloss Lysias.


    „Die nächste, bitte“, forderte Phaeneas den Sklavenhändler dementsprechend auf. Denn er verließ sich hundertprozentig auf Lysias‘ Ratschlag.

    Abwartend sah Charmis von einem zum anderen, während der ältere Patrizier ablehnte und die Frage an den jüngeren weitergab. Der wollte aber auch nichts. Nun gut, dann nicht – ganz wie die Herrschaften wünschten, das war das Motto eines jeden guten Sklaven, so hatte man es Charmis beigebracht.
    Der Junge nickte also, warf noch einen Blick auf die Szenerie, ob er noch irgendetwas wichtiges vergessen hatte, dann trippelte er mit möglichst leisen Schritten an den Rand des Geschehens.
    Heute durfte er nämlich dabei sein und zusehen und die Herrschaften - wenn nötig - bedienen. Denn Phaeneas war außer Haus und hatte ihm die exklusive Erlaubnis gegeben, seine Stellung einzunehmen. Nun gut, den anderen Sklaven anschaffen, das durfte er nicht (leider), und er musste sich auch nicht um alles hier in der Villa kümmern (zum Glück!), aber das hier durfte er machen.
    Zum Glück ließ der Herr auch nicht mehr lange auf sich warten.

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    Junge Mädchen wollte Phaeneas kaufen? Wofür das denn? Um auf verschiedenste Weise Abwechselung bei einer Cena zu liefern, hatten sie doch schon – im Grunde genommen ausreichend – Sklaven zuhause? Nun gut, wenn man erst mal so reich war wie Vinicius Lucianus, da konnte man nie genug haben, vor allem um in der anspruchsvollen römischen Oberschicht stets mithalten zu können.
    Aber dann noch dieser Sonderwunsch, dunkelhäutig ... Na ja, machte sich ganz gut, Lysias gefielen solche Frauen auch (davon abgesehen, dass er momentan eine glückliche Beziehung führte, dazu noch mit einer helleren). Aber auch in der Hinsicht konnte er im Hause Vinicia keinen wirklichen Mangel feststellen.


    Wie so oft, wenn er Phaeneas mit Leuten von außerhalb der Familia erlebte, bewunderte er desse Souveränität. Seine unumstößliche Präsenz, wie einfach er den Leuten zu verstehen gab, dass er etwas konkretes von ihnen wollte. Da hatte der Sklavenhändler nie die Chance, etwas anderes zu sein als ein Sklavenhändler. Und Phaeneas war der Käufer, der ein festes Ziel vor Augen hatte, von dem er nicht abrücken würde.

    Welch wichtige seelische und moralische Unterstützung Lysias für Phaeneas bedeutete, ahnte der natürlich nicht, aber der Leibsklave klammerte sich regelrecht an dessen Gegenwart. Lysias war ganz anders als Phaeneas, alles nahm er leicht und machte Späße darüber. Aber er konnte auch ernster sein – und ein schlauer Kopf war er erst recht, was sich allein schon an seiner Schlagfertigkeit zeigte. An diesem Tag hoffte der Bithynier sich von ihm etwas von seiner Ruhe auszuleihen (vergleichbar der, die Cimon hatte) und sich von seiner Leichtigkeit ablenken zu lassen.
    Dazu ging Lysias sowohl mit Männern als auch mit Frauen Liebesbeziehungen ein, er war also sozusagen ein Mann der Mitte, der vermitteln sollte zwischen den beiden Ufern, die in diesem Fall von Lucianus und Phaeneas repräsentiert wurden. Anders gesagt, Lysias sollte den Bithynier vorsichtig an die Welt des Frauenliebens heranführen. Was interessierten den schließlich sonst schon anderer Leute Liebes- / Bettgeschichten? Was interessierte ihn schließlich, was irgendwelche oberflächlichen, begierigen Leute dazu bewog, ein Auge auf eine Frau zu werfen?!
    Und genau das konnte ihm Lysias hoffentlich sagen. Natürlich würde Phaeneas nur um zehn Ecken danach fragen. Offen darüber sprechen, dass es um genau das ging, war für ihn vollkommen unmöglich, über so ein Thema redete man Phaeneas‘ Ansicht nach nicht und die Blöße, genau das zu tun, wollte er sich nicht geben.


    Für den Anfang wollte er es bei dem Stand eines Sklavenhändlers versuchen, wo man sich die Sklaven in aller Ruhe anschauen und aussuchen konnte. Zu einem eben solchen führte er Lysias also gerade eben. Der Verkäufer kam ihnen schon mit weitgeöffneten Armen entgegen, sobald er zwei Männer in qualitativ hochwertiger Kleidung sah.
    „Salve, die Herren, salve! Herzlich willkommen bei meinem bescheidenen Sklavenhandel! Womit kann ich nur dienlich sein?“
    „Sklavinnen sollen‘s sein“, antwortete Phaeneas, so routiniert, als würde er so etwas regelmäßig machen, „zur Unterhaltung von vornehmen Herrschaften fähig, am besten in vielfältiger Weise. Selbstverständlich nicht zu alt, gerne etwas dunkelhäutiger – so wie etwa ägyptische oder syrische Frauen. Solche dürfen’s auch sein.“
    „Hm, hm“, machte der Sklavenhändler, „zur Unterhaltung, dunkelhäutig. Ägypterinnen oder Syrerinnen.“
    „Man will dem Auge der Herrschaften und Besucher ja schließlich größtmögliche Abwechslung bieten“, begann Phaeneas scheinbar zu plaudern, ganz so, als würde er die Gesellschaft des Händlers und diese Umstände als gar so angenehm empfinden.
    „Ja, natürlich!“, fiel der sofort lauthals ein. „So ist’s recht, Diener aus aller Herren Länder! Wir sind schließlich Rom! Und als eben solches habe ich euch da einiges zu bieten ...“ Kurz besprach er sich mit einem seiner Gehilfen, bis der schließlich in Richtung seiner anwesenden Ware davoneilte und einige Sklavinnen heraussuchte.
    Phaeneas litt ganz ungeheuerlich unter diesen patriotischen Sprüchen. Nicht, dass er etwas gegen Roms Macht sagen würde, aber dieses großkotzige Getue war doch deutlich zu viel für einen Sklaven, der wusste, was es hieß, ohnehinschon unterlegen zu sein.