Beiträge von Titus Aurelius Ursus

    Ursus lachte. "Ich bin mir der Wirkung einer solchen Methode nicht so ganz sicher. Manche empfinden Schlampigkeit als ausgesprochen ansteckend." Er folgte der freundlichen Aufforderung, Raetinus zu begleiten. so konnte er sich auch gleich ein Bild machen, wie es hier zuging. Denn auch wenn alle Lager gleich aufgebaut waren, hingen die Zustände darin doch sehr von der Führung ab.


    "Ja, allein an einem Grundstück hapert es. Doch mach Dir deswegen bitte keine Gedanken. Ich hoffe, daß mein Patron oder mein Onkel mir dabei behilflich sein können. Also behalte um der Götter Willen Dein Stück Land, auch wenn es mich sehr ehrt, daß Dir solch ein Gedanke kommt. Was macht eigentlich Deine Pferdezucht? Ich nehme an, Du züchtest eher Arbeitstiere? Und nicht unbedingt Renner?" Immerhin war er immer noch Princeps einer Factio und es konnte auch nicht schaden, relativ neue Züchter im Auge zu behalten. Vor allem, wenn man sie persönlich kannte.


    "Manchmal muß man einen Rückschritt tun, um sich neue Wege zu eröffnen, die einen dann viel weiter führen als die alten. So mancher erklärt mich für verrückt, daß ich mir ein zweites Tribunat aufbürde. Stellt es doch im Grunde ebenfalls einen Rückschritt dar. Doch ich glaube, daß es mir ebenfalls zusätzliche Möglichkeiten eröffnen kann. Ich bin sicher, Du wirst Deine hohen Ziele erreichen. Und Deine anderen Verwandten vielleicht sogar einmal übertreffen."

    "Ja, hoffen wir das Beste für ihn." Ursus nickte ernst und nahm noch einen Schluck aus seinem Becher, wie um diese Worte zu besiegeln. "Der Praefectus Urbi? Ich hatte noch nicht das... Vergnügen, ihn persönlich kennenzulernen. Die wenigen Gelegenheiten, zu denen ich ihn in der Öffentlichkeit erlebt habe, erschien er mir zwar selbstbewußt, aber eher still. Doch einige Leute, die ihn näher kennengelernt haben, bezeichnen ihn als ungehobelt oder sogar vulgär. Andere habe ich sagen hören, er sei herzerfrischend kernig."

    Immerhin hatte Patroklos es fertig gebracht, sich bis auf die zweite Position vorzuschieben. Doch schon begann die letzte Runde. Ob es möglich sein konnte, den deutlichen Vorsprung des Weißen noch aufzuholen? Ursus hielt es nicht mehr auf seinem Platz. Er sprang auf und feuerte seinen Fahrer lauthals weiter an. "AURATA VICTRIX! PATROKLOS VOR! DU SCHAFFST ES! AURATA! AURATA!"

    Ursus nickte. Was konnte Lucianus auch anderes sagen? Er mußte sich doch erst selbst ein Bild machen. "Ich habe den Kaiser nur ein einziges mal persönlich gesprochen. Das war damals in meinem ersten Jahr als Quästor. Danach sah ich ihn nur ein paar mal von Weitem. Damals hat er sehr krank auf mich gewirkt. Und auch nicht sehr interessiert an dem, was um ihn herum vorging. Erst als es um seinen Vater ging, erwachte echtes Interesse. Ich glaube nicht, daß es grundsätzliches Desinteresse war. Sondern ... daß seine Erkrankung schlimmer ist, als man uns glauben lassen möchte. Er ist schon so lange krank. Eine Besserung ist doch kaum festzustellen. Einen Nachfolger hat er bisher nicht benannt. - Und ja, der Praefectus Urbi vertritt den Kaiser, der sich zur Erholung in Misenum aufhält, in allen Bereichen. Allerdings läßt er sich wenig in der Öffentlichkeit blicken."

    "Das freut mich." Ursus nahm einen Schluck aus dem Becher. "Nunja, seit Aelius Quarto nicht mehr Consul ist, scheint es im Senat merkwürdig ruhig zuzugehen. Am eigenartigsten ist die Tatsache, das nun schon das zweite Jahr hintereinander sehr unbekannte Männer zu Consuln gewählt wurden. Und nicht nur unbekannt. Die diesjährigen kann ich ja noch nicht beurteilen, aber die vom letzten Jahr konnten weder reden, noch schienen sie irgendeine Form von Rückgrat zu besitzen. Ich fürchte, bei den diesjährigen ist es nicht viel anders. Und wenn es mir schon auffällt, obwohl ich noch keinen Senatssitz habe und somit viel seltener von ihnen etwas zu sehen und zu hören bekomme, dann ist es wahrhaft auffällig."

    Dankend nahm Ursus den Becher mit verdünntem Wein entgegen. "Das freut mich zu hören. Die Familie ist auch wohlauf? Ja, hier in Rom hat sich einiges verändert. Und nicht nur zum Guten, auch wenn es im Moment eher ruhig ist. Aber es kommt mir irgendwie vor wie die Ruhe vor dem Sturm."

    "Patroklos vor! Jaaaaa, Du schaffst es! AURATA VICTRIX!" Jubelnd brüllte Ursus seine Freude heraus, als Patroklos sich endlich an die Spitze vorarbeitete und die dritte Runde als erster beendete. Doch leider konnte er seine Spitzenposition nicht lange halten und wurde von Felix abgedrängt. "Verflucht noch eins! Nun reiß Dich mal zusammen!", brüllte Ursus, als Patroklos dann auch noch von Alexandros überholt wurde. "Nun laß Dich nicht noch mehr abdrängen! Los, laß sie Staub schlucken! AURATA!" Noch war alles drin, in drei Runden konnte verflixt viel passieren.

    Ach, war das wunderbar. Entspannt hatte Ursus sich nach hinten gelehnt und ließ sich von Benicé leich massieren und hin und wieder mit leckeren Häppchen füttern. Zugleich dem Tanz der beiden anderen Schönheiten zuzusehen war ausgesprochen anregend. Seine Hände, die er ja für nichts anderes brauchte, ließ er auf Wanderschaft gehen, um den Körper von Benicé eingehend zu erforschen. Wer hätte gedacht, daß dieser Abend doch noch so schön werden würde?


    Dann allerdings wurde die Tür aufgerissen. Unwillkürlich schaute Ursus zur Quelle der rüden Störung und seine Augen weiteten sich vor Erstaunen und dann Erschrecken. "Brix!", rief er aus und sprang auf, um dem nun flüchtenden Majordomus zu folgen. "Brix! Was hast Du hier zu suchen?" Er folgte ihm auf den Flur und sah gerade noch, wie zwei Frauen in einem anderen Gemach verschwanden. Sehr plötzlich. So plötzlich, daß er nur noch ein paar Stoffalten sehen konnte. "Brix! Antworte gefälligst!", fuhr er den Sklaven an. Warum war er hier? Er konnte nicht wissen, daß Ursus diesen Abend hier verbringen würde. Er hatte es ja selbst nicht gewußt, als er das Haus verlassen hatte. Deshalb mußte es andere Gründe geben. Ursus stellte den Sklaven zur Rede ohne dabei zu beachten, daß er selbst nur noch unzulänglich bekleidet war.

    Das Finalrennen ließ sich mittelmäßig an. Aber am Anfang mußte sich das Feld ja ohnehin immer erst neu sortieren. Ursus schaute gespannt zu, wie die Fahrer sich gegenseitig auszustechen versuchten. Es waren ein paar sehr junge Fahrer dabei, doch trotz ihrer Unerfahrenheit machten sie ihre Sache wahrlich nicht schlecht. Während der ersten Runde biß sich der Aurelier fortwährend auf die Lippe, schien Patroklos doch Schwierigkeiten zu haben, sich nach vorn zu arbeiten. Doch schon in der zweiten Runde sah das viel besser aus. Aufatmend ließ sich Ursus nun doch wieder zu einem Grinsen hinreißen. Patroklos war der erfahrendste Fahrer, was natürlich lange keinen sicheren Sieg bedeutete. Aber die Chancen sahen gar nicht schlecht aus.


    Der Auratablock wurde nun endlich wieder lebendiger - und lauter. Nach der Niederlage im Qualifikationsrennen waren alle ein wenig leiser geworden. Doch jetzt, als sich Patroklos unaufhaltsam weiter nach vorne schob, brüllten sich doch wieder alle die Seele aus dem Leib. Und Ursus stimmte mit ein: "AURATA VICTRIX! AURATA VICTRIX!"

    "Salve, mein Patron." Ursus dankte für die Einladung mit einem Nicken und setzte sich. Einen Becher mit stark verdünntem Wein nahm er gerne an. "Es ist schön, Dich gesund und wohlbehalten wiederzusehen. Ich hoffe, die Reise war angenehm? Du hast Dir dafür ja die richtige Jahreszeit ausgesucht."

    "Es scheint sehr schwer zu sein, den Mann einzuschätzen. Sein Benehmen muß wohl oft sehr unpassend sein. Aber der Kaiser vertraut ihm, das muß ja eigentlich auch gute Gründe haben." Offensichtlich wußten die beiden auch nicht viel mehr als Ursus. Sehr schade, er hatte gehofft, ein wenig mehr zu erfahren über diesen geheimnisvollen Mann.


    Das Gespräch wandte sich nun der Karriere des Flaviers zu. "Primicerius ist tatsächlich eine Stellung, die weit unter dem ist, was Du haben könntest. Aber ich verstehe Dich durchaus. In der kaiserlichen Kanzlei gleich eine gehobene Stellung zu erhalten, ist fast unmöglich. Als Flavier schon ganz und gar. Aber gerade dort befinden sich die Schaltstellen des Reiches und gehen die höchsten Personen ein und aus. - Wenn Du Dich dort bewährst, stehen Dir erst recht alle Türen offen." Er schaute Piso fragend an. Hatte er ins Schwarze getroffen oder hatte der Flavier andere Gründe, diesen Weg zu gehen?

    Wie lange es schon her war, daß Ursus das letzte Mal dieses Atrium betreten hatte! Damals war er gerade aus Germanien zurückgekommen und hatte Senator Vinicius Hungaricus um seine Unterstützung gebeten bei seiner Kandidatur für das Amt des Quästors.


    Jetzt blieb zu hoffen, daß sein Patron auch wirklich Zeit für ihn hatte.

    Sim-Off:

    Ab und an brauchen sie das, ja *hüstel* ;)


    Es dauerte ein wenig, bis die Tür sich endlich öffnete. "Mein Name ist Titus Aurelius Ursus und ich würde gerne mit meinem Patron Marcus Vinicius Lucianus sprechen, wenn er ein wenig Zeit für mich erübrigen kann."

    Seine Umarmung mußte Raetinus wohl überrascht haben, doch trotzdem erwiderte der Artorier sie herzlich, wie Ursus erfreut feststellte. Es schien wirklich an ein Wunder zu grenzen, daß sie sich hier begegneten. "Ja, ich hatte beim ersten mal so viel Spaß daran, daß ich noch ein paar Berufssoldaten verschrecken wollte." Er lachte herzlich. "Nun, tatsächlich möchte ich einfach meine militärische Erfahrung weiter vertiefen und auch mein Ausbildung an der Academia weiterführen. Und ja, ich habe zwei Amtszeiten als Quästor hinter mir. Eine spannende Tätigkeit, das kann ich Dir sagen. Und da mein Landbesitz noch nicht für einen Senatssitz ausreicht, wollte ich die Zeit nutzen, bis ich genug erworben habe, um meinen Erfahrungshorizont zu erweitern. - Und wie ist es mit Dir? Du hast den Sprung auf eine andere Karriereleiter geschafft. Weißt Du schon, wohin Du möchtest?"

    Runde für Runde arbeitete Burolix hart daran, sich wieder weiter nach vorn zu schieben. Aber es wollte einfach nicht klappen. Gespannt verfolgte Ursus den Fortgang des Rennens, wie alle Aurataanhänger brüllte er sich schier die Kehle aus dem Leib. Und dann die große Enttäuschung, als die Endreihenfolge fest stand und klar wurde, daß Burolix die Qualifikation für das Finale knapp verpaßt hatte. Der Junge hatte sich zwar wacker geschlagen, doch es war auch nicht zu übersehen, daß es noch einiges zu verbessern gab bei ihm. Aber das war ein Thema für den morgigen Tag, nicht für heute. Das eigentliche Rennen würde ja noch stattfinden. Und noch hatte die Aurata ein heißes Eisen im Feuer.

    Zwei Runden lang konnte Burolix an der Spitze des Feldes über die Ziellinie preschen. Der Junge war nicht schlecht. Zumindest bisher. Der Aurata-Block tobte vor Freude.


    "AURATA VICTRIX! AURATA VICTRIX!"


    Doch das Blatt wendete sich, einer der Venetafahrer konnte Burolix zurückdrängen und auch der zweite Platz konnte von dem jungen Gallier nur sehr knapp gehalten werden. Ursus schaute zum Venetablock herüber und sah den fast hämischen Blick Quartos. Er grinste ihn zuversichtlich an. "Noch ist das Rennen nicht vorbei", rief er den Veneta-Anhängern lauthals zu. Und feuerte dann seinen Fahrer weiter an: "Vorwärts, Burolix! Laß sie Staub schlucken!"

    Gespannt verfolgte Ursus den Verlauf des Rennens. Er ließ Burolix kaum aus den Augen, denn hier mußte der junge Fahrer beweisen, ob er sein Geld wert war oder nicht. Der Aurelier saß am Rand des Aurata-Blockes, kein besonders gesunder Platz, denn gerade an solchen Randbereichen kam es gerne mal zu Prügeleien mit den direkt dabei sitzenden Fans anderer Factiones. Doch das gehörte eben zum Spaß dazu. Schon in der ersten Runde konnte sich Burolix einen ganz guten Platz erobern. Nun in der zweiten Runde schob er sich geschickt weiter vor und die Aurata-Fans sprangen von ihren Plätzen auf, um zu jubeln und ihn anzufeuern. Auch Ursus sprang auf und brüllte mit ihnen im Chor:


    "Zieht der Veneta das Seidenhöschen aus,
    Seidenhöschen aus, Seidenhöschen aus!
    Zieht der Veneta das Seidenhöschen aus,
    Seidenhöschen aus, Seidenhöschen aus!"

    Puh, es entwickelte sich etwas schwierig, nun das Gespräch in Gang zu halten. Über Interna der Factio konnten sie nun nicht mehr sprechen. Und eigentlich war da auch alles besprochen, wie Ursus sachlich feststellte. "Ja, das ist richtig, ich habe zuletzt als Quästor Rom gedient. Hast Du auch vor, Dich der politischen Laufbahn zuzuwenden?" Ursus hielt dies für den normalen Werdegang eines Patriziers. Aber natürlich war nicht jeder Patrizier bereit, sich für Rom einzubringen. Manche führten auch einfach nur ein angenehmes Leben, das sie mit dem Geld der Ahnen finanzierten.


    "Hat einer von euch den Praefectus Urbi schon näher kennengelernt? Für einen Mann, der allumfassende Befugnisse besitzt, macht er sich ziemlich rar, finde ich." Ursus hatte schon die unterschiedlichsten Berichte über den Mann gehört, den er bisher nur von weitem gesehen hatte. Die einen hielten ihn für einen Mann der Tat und andere einfach nur für einen ungehobelten, machtgierigen Emporkömmling.

    Erst Verwunderung, dann freudige Überraschung, dann Lachen. Es war schön, jemanden zu beobachten, dem man eine unerwartete Überraschung bereitete. Ursus stimmte unwillkürlich in das Lachen ein. "Ein Doppelgänger also, das hatte ich mir fast schon gedacht. Immerhin ist es kaum möglich, daß Raetinus von Germanien hierher gelangt. Aber eigentlich besitzt es eine gewisse Logik, nachdem Du in den Ritterstand erhoben wurdest. Laß Dir gratulieren!" Er trat auf Raetinus zu, um ihn mit einer freundschaftlichen Umarmung zu begrüßen. "Ritterlicher Tribun! Wohl kaum einer hat das mehr verdient als Du. Also, vor Dir steht ein senatorischer Tribun, Du weißt schon, so ein Ärgernis für jeden Berufssoldaten." Ursus lachte wieder. Er wußte sehr wohl, wie bei den Legionen über senatorische Tribune gedacht wurde.